Idiij . 0 » Giesser LL7 Woch eilö lall, tgut o Drey und Dreifsigstes Stück. Dienstags den i f. August i?7f* Mit HochfürstU Hessen Darmstavkischcr gnädigsier Erlaubniß. lieber die Zreundfchafe. Ist in der ganzen bethauken Landschaft des Frühlings, in dem prächtigen Auge des HeöperuS am Morgen, in der Natur schönsten Gestalten etwas so schön, als tugendhafte Freundschaft? Akenstde. 3u allen Zeitaltern der Welt hat man die Freundschaft für eine der größten Glückseligkeiten des Lebens gehalten. Das Verlangen, uns Mit einem andern Herzen zu vereinigen, ist eine Empfindung, die mit unS geboren wird und die erste Bewegung, die wir in unferm Herzen fühlen. Demungeachtet ist der Mangel eines wahren Freundes von jeher eine allgemeine Klage gewesen und ist es noch: und die Welt stellt unS von Anbeginn sehr wenig Beyspiele einer vollkommnen Freundschaft dar. Dieß ist leider! eine von den unglücklichen Wirkungen der menschlichen Natur. Die Vortheile der Freundschaft reden genug für sich selbst und die ganze Natur stimmt in der Erklärung überein, daß eS eine der wünschenS- würdigsten Freuden deS Lebens ist. Ohne sie hat eS keinen Reiz Der Mensch hat eine Menge Bedürfnisse, und so bald er sein eigen Herz zu - prüfen anfangt, so findet er hier ein Leeres, das die Freundschaft allein gussüllen kann. Die Seele ist von Natur immer im Tumult, unruhig K k und »58 Wochenblatt» und unzufrieden, und findet keine 3$ub«, als in dem Busen eines Freun- beS. Cs ist eine artige Anmerkung^ eines Alten, wenn er sagt, die liebt sey daS Kind der Armuth , und des Gottes der Retchthümer: der Armuth, weil sie immer baden will und der Reichrhümer, weil sie verschrpendnich srevgebig ist: mit nicht weniger Gewißheit können wir behaupten, daß die Freundschaft von derselben Familie fty; wenn sie lebhaft ist , will sie immer Haden und erwartet ernstlich di^ gehörigen Empfindungw vowdE Herzen , an dem es hangt. Vorzüglich zärtliche und empfindsame peelen fühlen die Bedürfnisse des Herzens noch weit mehr , als andere die dringendsten Bedürfnisse des Lebens. Gebt den Menschen alle Reichthümer, Titel und Ehrensteilen in Ueberfiuß, und nehmet ihnen auf einmal alle Freundschaft , so werden alle Glückseligkeiten des Lebens für ihn auf einmal verschwinden. ' ! - - lx •* Was für eine Quelle süßer Freuden, welche sichere Freystatt findet der glücklichere Theit des fanftern Geschlechts in der Freundschaft: durch diese entgegen sie den Nachstellungen treuloser Mannspersonen, Vie grüß- tentheils falsche, unbeständige Vekführersind: und wie groß ist der Vor- theil immer einen unverdächtigen, treuen Rathgeber zu Habens Der Weiseste von uns braucht bisweilen einen freundschaftlichen Unterricht; wir wagen zu viel, wenn wir uns in allen Dingen auß unfern eignen Verstand verlassen wollten n unsere Leidenschaften neigen uns immer auf ihre eigne Seite; und welch ein Glück ist es dann ein zweytes Selbst bey der Hand zu haben, auf die diese Leidenschaften keinen solchen Einstuß haben r und die uns den rechten Weg zeigen. Die Alten waren mir den Glückseligkeiten der wahren Freundschaft sehr wohl bekannte aber sie scheinen sie in ein bloßes Ideal verfeinert zu haben: denn die Schilderungen, die sie unS von ihr machen , sind so beschaffen, daß die Natur sie schwerlich erreichen kann. Eine solche Verfeinerung taugt nichts. Denn, wenn sich Menschen vollkommne Muster, stakt wahrer und in der Natur gegründeter Beyspiele zur Nachahmung vorstellen, und dann finden, daß ein solches Bestreben der menschlichen Natur nicht angemessen ist, fcr behandeln sie die ganze Glückseligkeit alS eine Schimche und als ein bloßes Gut der Einbildung r dieß ist aberun- fmn eignen Vonheile zuwider gehandelt. Seneka Wochenblatt. «5- Seneka empfahl seinem Freunde, sich einen der besten und weisesten Manner zum Muster zu wählen, allezeit wie unter fernen Augen zu handeln uno ihm von allen fernen Handlungen eine getreue Rechenschaft zu geben. • u '■, Dreß ist auch em wahres Mittel, uns einen Freund zu verschaffen, der dieses Namens würdig ist.' Unser eigen Glück sollte uns doch gewiß am Herzen liegen. Nichts lann uns diesem aber näher bringen, als ein würdiger Freund. DaS Laster Verbinder sich nie mit der Tugend: und wie könnte mich ein solcher Freund in einem Sumpfe von Lastern und ThorlMen dulden. < Merkwürdig waren die Worte deS PyrrhuS: „ Rette mich von dem Urtheile meiner Freunde, denn sonst habe ich niemanden zu fürchten." Und Plinius, als er einen Freund verloren , jammert, weil er fürchtet, er werde nun vom Pfade der Tugend weichen, werl er den Führer und Wegweiser aller seiner Handlungen verloren habe. Die i wahre Freundschaft sodert nochwendig, daß wir tugendhaft sind , weil ohne die Tugend keine Freundschaft seyn kann, und wir müssen den Geboten der ersten unausbleiblich gehorchen, weil rS das einzige Mittel ist, die andere zu erhalten. Wir finden also in der Freundschaft die Gewißheit eines guten Raches, der Nacheifer eines würdigen Bevspiels, die Linderung unfers Kummers durch die Theilnchmung, und Trost und Unterstützung bey allen Vorfallenheiten und Bedürfnissen, ungesucht, ja ungefodert. Dieses sitid die ächten charakteristischen Zeichen der wahren Freundschaft, und an diesen können wir sie allezeit sicher erkennen. Wünscht man von der Welt geliebt und hochgeachtet zu werden, so erscheine man nur in Gesellschaft solcher Personen, die geliebt und hochge- schatzet werden. Daher muß man zuvor den Charakter desjenigen wohl prüfen, den man ^u seinem Freunde machen will. Montagne, der immer feine Gedanken so naifund lebhaft ausdruckk, sagt, daß er von der Person seines Freundes eben so sehr gerührt sev, alS ein Mann von dem Frauenzimmer, Has er änderet. „ DaS menschliche Leben kann sich niemals eines solchen Standes der Unabhängigkeit rühmen, daß nicht einer deö andern Beystand sollte nöthig haben :" aber dieser sollte allezeit von Seiten der Freundschaft kommen. Eben so sollte auch in der Freundschaft eine Gleichheit der Gesinnungen / deö Alters und der Empfindungen statt finden. »60 Wochenblatt.! Wir sollten in der Freundschaft, wie in der Liebe mit dem Genüsse ihrer Freuden im Anfänge nicht zu verschwenderisch seyn: sondern damit ge-' hörig haushalten, damit sie desto langer dauerten. So bald du findest, daß du zu warm bist, so sey auf deiner Huk. Dn Leidenschaft beraubt immer den 2hron der Gerechtigkeit: Ueberdieß Liebt es einige, die niemals einen Fehler zu haben glauben: doch sie haben ihrer hundert, und da sie nicht gerade zur Übeln Gewohnheit werden, so wissen sie nicht, wo sie anhalten sollen. Viele bilden sich ein, die Freundschaft reiche nicht weiter alü das Grab und daß nach dem Tode eines Freundes weiter keine Pfiicht zu erfüllen sey: wenige haben em Herz, bas der Freundschaft für Die Todten fähig «st. Allein ungeachtet die Treue tugendhafter Freunde die edelste Be- gräbnißteyerlichkeit ist und die Herzen solcher die rühmlichsten von allen Grabmaiern sind, so darf doch der überlebende Freund nicht glauben, daß die Thranen, die er so wohl über sich selbst, als über seinen Freund wei. net, ihn von allen seinen Gelübden ftey macken. Nein es sind ihnen noch Pflichten übrig, die er^ihrem Andenken, ihrem Ruhme, ihrer Ehre und Familie schuldig ist. Sie müssen sich selbst in unserm Herzen durch die wärmsten Empfindungen der Liebe und Hochachtung ; in unserm Yhunde, Durch ihr Lob, und m unserm Gedächtnisse durch unser Betragen und die 'Nachahmung ihrer Tugend überleben. Jedes Frauenzimmer, das ihrer Pflicht getreu ist und die Tugend chres Geschlechts unverletzt behält, kann sich mit der Erwartung dieser unschätzbaren Glückseligkeit schmeicheln. Die Freundschaft ist der eiaenrbüm. lichste Lohn des tugendhaften Lebens. Doch so wie die Liebe üaber ichrchitle die Götter üEiüWStt< tel aupzufinden, wöd^ch meineü Danwvö ^Tenrmit (ferner Rech tjch affens heil zugleich erhalten wr^n möge: Setzt euch ihm entgegen, ihrWmde, hindert ihn in seinem edlen Bestes« fein Wort zu halten ,unt) lasset ihn nicht eher ankowmen, bis ich durch, meine» Tod ein Leben geretttt habe, VaS tausendmal-mehr werth, alL mein eignes ist., mehr werth seiner-ilie- denswürdigen Frau- seinen unschuldigen Kindern, seinen Freunden , feinem Vaterlandes -0 laßt wich nicht in.meinem Dämon des allerschreck^ lichsten Todes sterben." — Dionysius wat von der Würde dieser Gesinnungen und der ,Art mit der -sie ausgesprochen wurden, gerührt und er, staunt: sein Herz empfand etwas pon der eindringenden Wahrheit, ob eS gleich mehr diente,, ihn zu verwirren, als ihm leinen Jrrthum zu: benehmen. Der unglückliche Lag kam. Pythias ward vorgeführet, und.gieng mitten unter der Wache mit einer ernsthaften, aber zufriednen Miene nach dem Richtplatze. Dionysius war schon hier: er saß auf einem beweglichen Throne, der von sechs weißen Pferden gezogen worden, nachdenkend und aufmerksam aus den Gefangenen. Als Pythias anlangte, sprang er freudig auf das Schaffst, mnd nachdem er die Zurüfiungen des Todes einige Zeit betrachtet- kchrte er sich mit einer gelassenen Miene zu den Zuschauern und sagte: „Mein Gebet ist erhört; die Götter sind gnädig. . Ihr wißet, meine Freunde, daß wir bis gestern einen (widrigen Wind gehabt haben. Dämon konnte nicht kommen, er konnte nicht Unmöglichkeiten möglich machen. Morgen wird er hier seyn, und mein itzt vergoßncs Blut wird daS Leben meines Freundes retten. L) könnte ich doch euerm Busen jeden Zweifel, jeden niedrigen Verdacht in Absicht auf die Ehre des Mannes entreißen, für den ich sterbe, so. würde ich zu meinem Tode, wie zu meiner Hoch-, zeit gehem Itzt mag eö genug seyndaß mein Freund rechtschaffen und seine Treue unverbrüchlich wird erfunden werden: es wird sich bald zei, gen, daß er itzt unterwegens ist, herbeyeilr, und sich die ungestümen Elemente, und die Götter anklagen wird. Doch-ich eile ihm zuvorzukommen. Nachrichter, rhu dein Amt. " Indem er die letzten Worte sagte, erhob sich in der äussersten Entfernung unter dem Vo!kö>>imGeräusche: man hör, te eine Stimme, die der Schwarm auffaßte und'die Worte: „halt em, halt ein / wiederholte. Hierauf kam ein Mann in vollem Jaqen r die Zuschauer machten Platz: sein Pferd dampfte: schnell war er, herunter, c ; aufs Wochenblatt., rsz auss Schaffot upb biete denPpthiaS fest in feinen Armen. Du bist gerek-,. ter schrie er , vü bist gerettet r mein Freund, mein liebster Freund. Ich ' habe nun nichts weiter, als Den zu leiden und bin nun von der Quaal der Vorwürfe frey, die ich mir machtet das Leben meines Freundes in Gefahr gebracht zu haben, das mir tausendmal lieber als mein eigenes ist. " : Blaß, starr und halb sprachlos in den Atmen seines Dämons versetzte Pythias in gebrochenen Worten: „Unglückliche Eil! - Grausame Behendigkeit! - Was- für neidische Machte haben zu deinem Besten Unmöglichkeiten möglich gemachtK - Aber ich will mich nicht in meiner Rechnung betrogen haberr - Klln'n ,ich nicht für dich stecken, um dich zu retten, so will ich dych mit Dir sterben. Dionysius hörte, sah und betrachtete alles mit Erstaunen; Lebe, lebe, unvergleichliches Paar! rief er: „Dü hast für die Wahrheit dir Tugend einen unwiderleglichen Beweis gegeben : und diese Tugend' beweist zugleich das Dafeyn eines Gottes, der belohnen muß. Lebe glücklich und sev immer gepriesen. O bilde mich nun durch deine Lehre, so wie du durch dein Beyspiel gethan, damit ich an einer so heillgen Freundschaft Theil nehmen möge.^ ^r'n bewährees tVlutd gegen die Bräune unrerl den ©ck weinen. Daß die Kantniß der natürlichen Dmgr auch) in der Oeconomie sehr große Vorthrlle habe, solches dünkek mich 5 ließe sich aus folgendem Ver- ftrch am deutlichsten erweißen'. Marr setze zween Oeconomen. Der eine führ Hin allen Stücken seine Oeconomie auf em gutes gerathewol, oder nach wohlhergebrachten Traditionen seiner Vorfahren, wvbey» Kreutzmachen undSeegenfprechungen mit unterlaufen. Er hat Unglück im Ackerbau, in Der Viehzucht, im Brauen u. d.gl. öderer hatGlück und Vorkheile m diesen und manchen andern Stücken, und weiß eben so wenig warum? Ein anderer Oeconom richtet seine Haushaltung nach einer vernünftigen Kentniß der Natur ein. Hat er x. B. Brand im Korn , er sucht Vie Ursache zu entdecken , hat er Seuchen unter dem Vieh , er sucht sie in ihrer Quelle auf- Hat er Vortheile, glückt ihm dieser oder jener Versuchs fö bemühet er sich den Grund davon emzu- sehen, ihn weiter zu treiben und alleVortheile gemeinnütziger zu machen^ Ein solches gemein vortheilhaft Mittel, wollen wir unserer Gegend um somehr zu einer Zeit bekannt machen 5 da sie solches bedarf, und das man um L§4 tvöchenblE um deßwillen lieber als alles andere das etwas kostet, brauchen'wird, weil man es ohnentgelrlich in der Haußhaltung nehmen kann. Es ist ein Mrtel gegen die Krankheit der Schweine, die Bräune.ge- nant. Ein'hießiger Arzt untersuchte dieselbe voriges Jähr, in dein er meh- ' rere der abgestandnen Thftre eröfnete, er war dadurch in Stand geftzk, daß er diesem Uebel angemeßene Mittel entgegen setzen konte. -Hier ist ein anderes Mittel, welches die Erfahrung vor sich hat, daß es schon oft glücklich, schon allzeit gewiß geholfen hat. Die Braune vergehet nicht allein davon, sondern die noch nicht angesteckten Schweine- werden auch dagegen verwahrt. Man nimmt eine Handvoll reine Holtzasche und Mischet solche wüchent- sich 2. brß y mal unter das Futter oder Getränk, doch muß sie jedesmal wohl mit demselben vernnscht werden, Der Erfolg ist der beste den mgn sich davon versprechen kann. Die Ursache des guten Erfolg-, den man sich gewiß, davon zu versprechen hat, ist wohl bloß den alcalischen Salzen zuzuschreiben , die in der Holzasche enthalten sind. Diese werden unter dem Futter aufgelüßt, vermischen sich mit demselben und verbeßern die verdorbene Säfte. Ich wünsche daß jeder dieses leichte Mittel bey seinen Schweinen ge< brauchen möge, und mache es in dieser Absicht hier öffentlich bekannt. Avertiflemcnc. Demnach auf Hochfürstl RegierungS.- Verordnung, des verstorbenen Advocati ordinarii Clermont hinterlassenes Hauß samt Scheuer, Stallung und Zugehör dahier MonragS den Wen dieses fub Katta verkauft werden soll; Als wird solches hierdurch zu jedermanns Nachricht bekannt gemacht, und haben die dazu kusthabende Käuffere sich in praefixo Termino coram commiflione einjufinven, und darauf zu licitiren. Gießen den iiten August 177s. Ex fpeciali Commiflione Regiminis