MM WoPeiiV latt. Sechs und Vierzigstes Stuck. Dienstags den 14. V7ovemer i77f. ’ Mit Hochfürstl. Hessen Darmstädtlscher gnädigster Erlaubniß. Anekdote von Gellere. v /*\er redliche Gellert handelte in seinen moralischen Vorlesungen einmal ) von der Pflicht, dem Bedrängten in seinen Bedürfnissen zu Hülfe zu eilen. Jever Zuhörer wurde bis zu Thränen gerührt, denn wem war es leichter das Herz zu ruhten, als einem Gellert, der so unmittelbar mit dem Herzen zu reden wußte? Emer von seinen Zuhörern geritth aufderr Einfall, Gellerken auf die Probezu stellen, ob wirklich sein Herz mikseinem Vortrage übereinkomme. Er gieng in einem elenden und zerrißenem Kleide zu ihm, „ Was verlangen Sie, lieber Freund?" Mein Kleid,sagte der Jüngling entdeckt ihnen schon, daß ich arm bin; und beynahemöchte ich sagen, daß dieser armselige Anzug für meine Lage noch zu gut ist. Dem ungeachtet bin ich niemals einem Menschen zur Last gefallen. Einige weniae Zuflüße nebst dem, was ich mit Abschreiben verdiene, ernähren mich kümmerlich Aber jezt - - - Herr Professor! Sie sehen mich in der dringendsten Noch. Ich bin gezwungen heute noch eine Summe zu bezahlen, die ich, so mäßig sie ist, doch nicht zusammen bringen kann. Ich habe keinen Freund, keinen Menschen , dessen Hülfe ich anflehen kann - - - ich wage es mich an Sie zu wenden, und —, wieviel gebrauchen Sie denn, mein lieber Freund? - zehn Thaler, Herr Professor! und in vier Wo- chm bin ich gewiß im Stande, sie wieder zu bezahlen. - „Zehn Th^er, :*T- i / Z z Gott $64 Wochenblatt- Gott weiß es, .sind ohngefahr mein ganzes Vermögen, erwiederte ihm Gellert, aber ich will Ihnen helfen. Er suchte wirklich das Geld zusammen, und gab es dem Jünglinge. Leben Sie wohl liebir Freund, sagte er, in vier Wochen erwart' ich Sie. Der Monat war kaum verfloßen, als der junge Mensch Gelierten das Geld wieder brachte. So sind sie doch der redliche Mann, den ihr Gesicht ankündigt. Behalten Sie das Geld! Gort mache Sie so glücklich als Sie es verdienen! Seyn Sie mein Freund und wenden Sie sich hey jedem Bedürfnisse zuerst an mich. Der Jüngling mochte sich wegern wie er wollte, er wußte das Geld behalten. Er gieng beschämt weg, daß er eine solche Tugend in Zweifel gezogen hatte. Schreiben einer Mutter über den putz der Binder. Mein Herr, Ich bin eine Mutter von acht Kindern, wovon das älteste 13 Jahr alt ist, und mein Stand erfodert, daß ich solche miteinander auf eine gewisse Art kleiden lasse, welche demselben gemäß iß. Ich kann versichern, daß ich Tag und Nacht darauf denke, alles so mäßig einzurichken, wie es immer möglich ist, und selbst seit meinem Hochzeittage kein einziges neues Kleid mir habe machen lassen, auch vieles bereits von meinem jugendlichen Staate für meine Kinder zerschnitten habe. Gleichwohl bin ich nicht vermögend, so vieles anzuschaffm, als die heutige Welt bey Kmdern aufs mindeste erfordert. Ich mag Ihnen die Rechnung von demjenigen, was mich meine fünf Mädchen, seitdem sie die Wiege verlassen haben, kosten, nicht vorlegen. Sie würden darüber erstaunen. Und das geht alle Tage so fort. Wenn ich mit der einen fertig zu seyn glaube, so muß ich mit der andern wieder anfangen, und eine Mutter, die redlich durch die Welt will, hat vom Morgen bis in den Abend nichts zu thun, als ihre Kinder nur so zu putzen, daß sie sich sehen lassen dürfen. Vor einigen Tagen mußte ich die Aelteste in eine feierliche Gesellschaft schicken; sogleich müßen 18 Ellen Blonden, n Ellen Band, 6 Ellen große Beaute zuManchettenrc. geholt wochenblare. gcholt werden. Da sollten schottische Ohrringe, ikalianische Blumen, Fächer a la peruvienne und Schönpfiästerchen a la Condamme fegn- Der Krjseur rief um eau de Pourceaugnac, und um Puder von St. Malo. Das Mädchen schimpfte auf die Nabeln ; die Porteurs auf das lange Hindern, und der Laquais auf das unendliche Laufen. Kurz, die ganze Daushaltung war in Aufruhr, und meine arme Tasche war dergestalt a la arecque ftisirt, daß wir die ganze Woche Wassersuppen essen mußten. Und gleichwohl waren diese Ausgaben noch in keine Vergleichung zu setzen mit denenjenigen, welche ich auf ihr besetztes Kleid, auf eine neue Berlinische Schnurbrust, auf eine petite Saloppe und andre wesentliche Kleidungsstücke hatte wenden müssen. Ach! wahrend der Zeit, als mir eine unge- sehene Thrane entwischte, hakte das Mädchen die unschuldige Letchtferttg- teit mir zu sagen: sie mußte auch nun bald eine golbne Uhr haben , weil ihre Gespielinnen bereits Dergleichen hatten. O! dachte ich in meinem Sinne, möchte doch ein Landesgesctz vorhanden seyn, wodurch es allen Eltern verboten würde, ihren Töchtern vor dem fünfzehnten Jahre Silber, oder Gold, Spitzen oder Blonden, Seide oder Agremens zu geben! möchten sich patriotische Eltern zu einem so heilsamen Vorsatze freiwillig -vereinigen; Mit welchem Vergnügen würde sodann manche bekümmerte Mutter auf ihre zahlreichen Töchter herab sehen; Die Ungleichheit der Stände dürfte hier den Gesetzgeber nicht aufhalten. Kinder sind noch alle gleich, und wenn die Ettern mit einer solchen Einschränkung zufrieden wären : so würde ihre kleine Empfindlichkeit nicht in Betrachtung kommen. Wie groß würde die Freude des Mädchens seyn, wenn sie sich nun in ihrem fünfzehnten Jahre zum crstenmahl der aufmerksamen Neugier in einem seidenen Kleide zeigen dürfen ’ Und würde nicht diese Ökonomie mit ihrem Vergnügen, ihnen bet) ihrem Eintritte in die junge Welt taufend kleine Zierrathen in so viel reitzende Neu- igketten verwandeln, wenn solche nicht in ihren Kinderjahren bey ihnen schon veraltet waren? Wir erschöpfen das Vergnügen ihrer beßern Jahre durch unsre unüberlegte Verschwendung. Eine Uhr war sonst für ein Mädchen so viel als rin Manne Jetzt giebt man sie ihnen fast im Flügelkletde. Ein Englischer 5orv schickt feinen Sohn dis ins zwanzigste Jahr ins Collegium, wo er mit abgeschnittenen Haaren, ungepudert und ungescho- g i 2 ren z6L Wochenblatt. rerr in einem schlechten Kleite bey Hammelfleisch und Erdäpfeln großwird. Die Römer, wie mein Mann sagt, hatten aus gleichen Klugheit eine bc# sondre Kleidung für die Jugend; und es war ein großes Fest, wenn der Sohn zum rrstenmahl ein Kleid mit Rabbatten anlegte. Könnten wir diesen großen Exempein nicht nachfolgen. Uederlegen Sie es doch einmahl. Ich bin rc. tU ein LN ä d che n. Willst du mein Mädchen kennen? Komm mit mir, Freund! und fleh, Fürwahr du wirst entbrennen, Und liebst dann oder nie! Kann dich ihr Blick nicht rühren, Ihr zauberndes Gesicht, Kaan dies dich nicht verführen, Dann liebst du ewig nicht. Bis Grazien sie erreichen, Bleibt sie Original, Sie Cynthien zu vergleichen, Das, war wohl noch der Fall, Doch, Freund! sie kann noch rühren. 01)51 Cynthiens Gesicht, ' Und Grazien zu kopieren, Das braucht sie ewig nicht. Für Mchen sie zu halten, Das braucht wohl keiner Müb, raß ihr« Re.j- walten, ” Und dann betrachte sie; Wschenblaee. 5^7 Wirst du nicht gleich drauf schwören, Daß sie ein Engel ist, So glaub, in allen Ehren, Daß du ein D--bist Wa'rs Rauben noch in Weise, Der alte weiße Stier, / Gieng noch aus seinem Gleise, Und nahm das Mädchen mir« Doch jetzt ist -es zu Ende, Wohl mir, Herr Jupiter! Ich schmier mir schon die Hände, Komm er nur einmal her. Ich will ihn schon zerblauen, Und wär's um mich geschehn, Er soll mir Zeter schreyen, Und lahm zum Himmel gehn. Potz Stern! sie zu verführen, Da braucht kein Gott zu seyn. Sein Weibchen kann er rühren, Doch hier halt er nur ein. Geh er bey Ledens Busen, Wer weiß, was man nicht thut, Geh er zu seinen Musen, Dis sind für ihn noch gut. Doch mich muß er nicht stören, Mein soll sie ewig seyn, \ Er soll's mit doch nicht wehren, Drum halt er immer ein. 8 r z Em z6S .> WochenbLaee. Ertt Stäck^ aus der Predige eines Zrarrciskaners: Wo setze ich dich hin, großer und göttlicher Franz, Stifter unferS Heulgen -Ordens. Soll ich dich unter dis andern gemeinen Heiligen setzen? 5i«n, vu wurdest sie alle verdunkel», und sie wurden deinen Glanz nicht vertragen können, sondern aufstehen und davon lausen. Soll ich dich ua. ter die Evangelisten und Apostel sitzen? Das geht wieder nicht an : du v>st mehr, als sie alle zusammen genommen. Gut, so setze ich dich unter kn- Erzväter vor der Sündflulh. Abraham, Jsaschar, Nedukadnezar, Chnstopd Kolumbus, und wie die Manner alle heißen, machen sich eine wahre Ehre daraus, dich in ihre Gesellschaft aufzunehmen. Nein, ich irre mich. See sagen voller Demurh: der heilige Franz ist viel zu erha« den, und wir viel zu geringe, als daß wir bey einander siften sollten Also warö wieder nichts. Noch -ins! Ich setze dich, heiliger Franz, mit deiner gütigen Erlaubmß, unter die Engel und Erzengel , und zwar auf einen r-hnstuhl oben an. Nimm Platz! Abfit! Auch dahin schickst du dich mcht. Ich habe alle Hochachtung für jene starken Geister, allein unser l^ber Franz hat den Rang über den Engel Raphael, Daniel, Uriel und Belzazer. So weiß ich doch wahrhaftig nicht, wo ich den heil. Franz hmsetze! Unter andern Zuhörern war aüch ein Schuhflicker. Diesem fiel die Lobrede sehr verdrießlich. Er stand dieserwegen auf, und sagte ganz laut: Herr Pater, setzt den heiligen Franz nur her an meiner Stelle, denn rch gehe nach Hause. Avertiflement. Nachstehende Güther Stücke, als 4 Morgen 19 Ruthen ir Schuh Acker auf dem Pfuhl, neben Herrn Cammerrath Reinemere Frau Wittib gelegen. 100. Ruthen $ Schuh Acker, auf der Hohleich, neben Johann MelchiorPlock und Herrn von Oicnhaüsm. 197 Ruthen 14 Schuh Acker daselbst, neben Herrn rCapitain Busch und- Balser Schmidt. 2 Mor- fljM 35 Ruthen, f Schuh Äcker, obig dem Schäftrbrunnen, neben Herrn Regierungsrath Buff und Hauptmann Hartmanns Erben. 71. Rulheu n Schuh auf der Steinkaute neben Johann Melchior Noll gelegen, r. Morgen rz Ruthin sSchuhWießr, omg der Wiesecker Mühle, ander herrschaftlichen sogenannten mageckscheu Wiese. 1 0«n z Ruthen 6 s J Schuh Wochenblatt. Z6- SHuh Wiese, in den langen Morgen, stößt auf den Felßgraben. 19$ Ruthen 14 Schuh Wiese im Högsirauch. i| Morgen Wiese am Morgenweg neben Herrn Rath Thom gelegen. Sollen Dienstags den L8ten Novembr. jetzt laufenden Jahres auf dahiestgem Rathhaus öffentlich verstrichen, und an den meistbietenden überlassen werden. Wer also Lust hat darauf zu bieten , kann sich «sagten Tages, Nachmittags um r. Uhr auf dahiesigem Rathhaus einfinden, die nähere Conditionen vernehmen, und sodann mitstreichen. Gießen den ziten Octobr. 1777- Eine hohe Noblesse in hiesigen Gegenden, wird ersuchet, ihre Genealogie so in dem adelichen Handbuch so künftiges 17'76. Jahr in Franckfurth neu herauskommen soll, noch nichtl befindlich ist Franco, nebst 4 kr. Ein- schreibgeld an-das adeliche Handbuchscomcoir zu Franckfurth am Mayn baldigst einzusenden. Ein noch wohl conditionirtes Clavier wird zu kaufen gesucht, nähere Nachricht ist in der Kriegerischen Buchhandlung zu vernehmen. Em- und auopaßirende vom 2,2.i s 15 14 16 2 alb. 5 6 6 T>tcse wöchentliche Anzeigen werden in der Kriegerischen Buchhandlung allhier an die Herrn Liebhaber gegen einen Flor, halbjähriger Pränumeration geliefert. Einzelne Bogen werden für 3 fr. ausgegeben. Man kann auch den Herrn Liebba- bern mit den schon herausgekommenen Stöcken dienen,