MM- WoKc»ölalt. Neunzehe nteÄ S t ü ck. Dienstags den?♦ Ma^ i77f» Mit Hochfürstl. Hessen Laemstadttscher gnädrgsier Ertaubniß. Es frifset eines das andere auf. Sine indianische Erzählung. (S- Nouveaux melanges philofophiques par M. de Voltaire T. IV.) L^^Ythagoras lehrete bey seinem Aufenthalts in Indien , wie jedermann ylj weis, die Sprache der Thüre und Pflanzen in der Schule der Gym- nosophisten. AlS er eines TageS in einer Wiese- nahe am Meere, spaziren ging, hörete er diese Worte; Wie unglücklich bin ich , daß ich ein Krautstengel geworden bin! kaum bin ich zween Zoll hoch gewachsen, als sie schon ein fressendes Ungeheuer, ein schreckliches Thier, welches mich unter seine breiten Klauen trit, zeiget; fein Rachen ist mit schneidenden Sicheln besetzet, womit er mich abbauet, mich zerreißet und niederschlucket. Die Menschen nennen dieses Ungeheuer einen Hammel. Ich glaube nicht, daß eine abscheuligere Creatur in der Welt sey. Pythagoras ging einige Schritte weiter; erfand eine Auster, welche auf einem kleinen Zellen lag: Cr hatte dis dahin das vottreflzche Ge- T setz ^46 setz nicht angenommen, durch welches verboten ist, seinesgleichen, dieThie- re zu essen. Er wollte Die Luster verzehren, als sie diese beweglichen Worte aussprach; O Natur! wie glücklich ist Vas Kraut, welches , wie ich, dem Werk ist! Wenn manes abgeschnitten hat, so wachset es touDer: xs"ist unsterblich; unv wir armen Lustern sind vergebens mir einem vop- p^lttn Panzer bedecket. Bösewichter essen uns bey Dutzenden zum frühstücke, unv es ist mit uns auf ewig aus. Welch ein entsetzliches Schicksal haben Vie Lüstern^ unv wie barbari|d) sind vie Menschen l Pythagoras zitterte; er fühlte die Größe deS. Verbrechens, das er begehen wollte; er bat Die Lutter weinend um Vergebung und legre sie ganz sachte wiever auf ihren Felsen. Indem er tiessinniq über diese Begebenheit nachdachte und zur Stadt zurückkchrke, sah er Spinnen, welche Fliegen fraßen, Schwalben, welche Spinnen fraßen und Sperber, welche Schwalben fraßen. Alle diese Leute, sprach er, sind keine Phttozopyen. Pythagoras wurde, als er zurück kam, von einer Menge Pöbelvok- kes beyderley Geschlechts gestoßen, gequerschet unv niedergeworfen, welche liefen unv schrien: daö ist schön! sie haben es vervienet. Werk Was? frag Pythagoras, indem er, wieher aufstand; und Die Leute liefen immer und schrien; Ach! was weidkn wck für Vergnügen haben, sie koche» zu sehen l Pythagoras glaubte, daß die Rede von Linsen oder andern Gatten- Hewachsen ley; keineSweges; sie war von zween armen Indiern. Lchk ohne Zweifel, sagte Pythagoras, sind dieses zween große Philosophen, welche des Lebens überdrüßig sind. Sie wollen gern wieder unter einer andern Gestalt gebohren werden. Es ist angenehm, feine Wohnung zu verändern, ob man gleich allzeit übel wohnet. Man muß nicht über den Geschmack streiten. Er ging mit dem Schwarme bis zum Marktplätze fort; daselbst sah er einen großen Scheiterhaufen angezündet, und gegen dierem Scheiterhaufen über eine Bank, welch: mam den Richterstuhl ncwte, und auf tiefer Bank vre Richter, und diese Richter hatten alle einen Kuhjchwanj in der Hand Wdchenblätk xt47 Hand und sie hatten auf dem Kopse eine Mütze - welche vollkommen den desjenigen ^hieres glich, welches den <$DÜt’n trug als er mit v chus ins Land kamnachdem er durch das erytheer Meer trocken.s Fu, fes gegangen war und Sonne und Mond in ihrem Lauft aufgehalten hatte, wie dieses von den Alten getreulich erzählet wird. Es war unter diesen Richtern ein ehrlicher Mann , welchen Pythagoras genau kannte: dieser Weise von Indien erklärte dem Weisen von Samos, was das Fest zu bedeuten habe, welches man dem Volke von Indien geben wollte. •: 7 Die beyden Indier, sprach er, haben gar keiie Lust sich verbrennen zu lassen. Meine ernsthaften Collcgcn haben sie zu^dieser Marter verdammet und zwar den einen weil er gesaget hat, die Substanz des chaca fty nicht dre Substanz des Mama , und o-n andern , weil er gcyurthmaßet hat, daß man dem höchsten Wesen durch die Tugend gefallen könne, ob* ne bei) dem Sterben eine Kuh an den Schwanz zu fassen, weil, setzete er hinzu, man zu allen Zeiten tugendhaft seyn kann, aber nicht zu allen Zer, ten einen Kuhfchwanz bei) her Hand hat. Die guten Frauen m der Stadt fint) so sehr durch diese beyden ketzerischen Meinungen erschrecket worden, daß sie den Richtern keine Ruhe gelassen haben, bis sie die Strafe dieser beyden Unglücklichen verordnet haben. Pythagoras urtheilte, dasi vom Kraute an bis zum Mensche» viele Ursacken Lum Verdrösse vorhanden wären. Er brachte gleichwohl die Richter und die Gewissenhaften zur Vernunft, und das ist nur dieses einzige Mal geschehen. Hierauf predigte er die Duldung zu Cotton, aber ein Verfolger legte Feuer an sein HauS. Er wurde verbrannt, er, welcher zween Indier den Flammen entrissen hatte. Es rettete sich wer da kamt. Der Räuber. Um London traf auf einer kleinen Reift Ein Räuber einst den reichsten Edelmann Zu Pferde ohne Waffen an, Und stellte gleich auf eine edelmuthge Weift, Wochenblatt. *48 Zur Sicherheit der künftgen Reise, (Man weis ja nicht, was einen treffen kann) tim hundert Pfund' ihm feine Büchse an, Uno pries daraus mit rednerischer Kraft Der Büchse gute Eigenschaft, Und hielt sie so, daß, wenn er etwa zweifeln wollte, Der nächste Schutz an ihm Oie Probe machen sollte; Doch Die verbittet sich Der Lord Und wirst, selbst ohne noch zu Dingen, D«e Börse htn und laßt Die Büchse zu sich bringen. Der Räuber gibt sie ihm, bedankt sich und geht fort, Allein kaum zeigt er ihm den Rücken, So ratbe doch, was doch Der Lord wohl macht? Den Schelm in jene Welt zu schicken, kegr er Die Büchse an. Und schießt ihn in den Rücken' Nein, Freund, er druckt sie ab, jedoch das Schloß versagt.. So mus eö Denn Der Bosheit glücken? - a Geduld: es isi ja leicht, noch einmal loszudrücken. Er spannt schon wieder auf, allein Oer Bösewicke Hört's, siebt sich um und spricht: w Verzeihen sie, mein Herr, geladen war sie nickt Sie tonten sicher fliehn, so wie ich izt entweiche; . Doch nehmen sie zuvor den kurzen Unterricht, Daß manches drohende Gesicht Mir und Der leeren Büchse gleiche. B' Eu, phvttis. Man fragte Pbvllis einst, was sie am liebsten wolle. Daß ihr geliebter Tirsis todt, 1 ' Wo nicht, ihr ungetreu scyn solke, E'ie sprach darauf: wenn beydes droht, Will ick vergnügt daS Leben lassen, Wenn ick damit vom Tod' ihn kann defrevnr Doch Liebe, laß ihn ehr erblassen, V Als (einer PhpliiS untreu seyn. Wochenblatt »49 Ein Vorschlag an die Damen. Die Romane, Trauerspiele, Lustspiele, Dramas, Gedichte, Erzählungen , witzige Monarschnften u. f. w. womit unS Die letztere Leipziger M'ffe beschenkt hat, sind nun gelesen, beurteilt, wieder gelesen und wieder beurkheilt. Mit Den französischen und deutschen Musenalmanachen auf dieses Jahr und Den Neujahrwunjchen sind wir auch zu Ende. Comödien giebt es nicht, und wöchentlich nur eine Maskerade. Äus welche Art sich der autgektarte Theil unsers schönsten Geschlechts bis zur nächsten Oller- messe Hinhalten werde, ist kaum abzusehen. Wir finden eS also dem Zwecke dieser Blätter angemessen, wenn wir zur möglichsten Unterstützung der Lektüre, einige Stücke aus einem ganz neu gebornen Buche des Herrn Iustizrarhs Moser zu Osnabrück, patriotische Plxmtaficn b tkelt, den Damen, nach RangeSgebühr, unterthänig, ehrerbietig, gehorsamst und ergebenst in Vorschlag bringen. Die Stücke deren Lesung vorzüglichst amusiren wird, befinden sich unter Nr. 1.111. V. XX. XX#. XXVI. XXXXV1. XXXXV11. und LXVI. Ungemein interessant ist eS z. E.waS sich S. 4. findet, von den neuen chinesischen Dormeusen mit Springfedern; S. 2.6. wie die jungen englischen Lords dro ine zwanzigste Jabrun- stisirt und ungepudert Erdapfel und Hammelfleisch essen. S. fz. Von dem TrenlelnDer iunnen «fMrrtn, und den in Paris erfundnen Spinnrädern, welche da anqehacket werden, wo eigentlich die llbr hdnaen muß. S. no. Was man jetzt am meisten von jungen Frauenzimmern sank. S> und 117- von Voltairens Nachtmütze, von einer Art Kop»zeu- ge Cacadoue en Colere genannt, vom großen Nutzen Der iranzöstschen Sprache, von einer fauce de Diable zum wilden Schweinskopf m-e Frisur der gesunden Vernunft. S. izo. Von einer allerliebsten Braut. S. 133. Wie manche ehrwürdige alte Damen in Der Jugend von den xTanzmeistern verwahrloset sind. S. 159* und 160. Warnung daß man keine Brühe Couleur de Procureur general zu einer grünen mit Silber incrustirten Pastete geben oder Mofaique auf dem Schinken aus andern Farben zujammen setzen müsse, als wovon die Frisur an der Hammelkeule ist; auch von einem alten römischen Kaiser Der zuerst Fische von Schwei- nefleijch und Schinken von Käse zu machen erfunden hat. S. 569. Von der Empöckelung der Philosophen u. f. w. Da sich auch in unfern glücklichen Tage die Aufkläruna unter die Kammerdemoisellen, Kammerjungfern, junge Magve $ i verbreite» Ifo Mochettblaer. verbreitet hak: so keinen Dir uns nicht entbrechen, auch die beyden Aufsätze .unter Nummerund LVI1. anzupreisenund wird vorzüglich : das letztere:, eine der empßndsamsien Lettüren, feit der Geschichte d^s' <3* W* ausmachen. f Der gute Iünglmg» ‘ Ein alter schwacher Mann, Der schon sechs Dutzend Jahre zahlte, Grub einstens, well ihm Wasser fehlte, Uno stöhnte, wenn er grub, und traf kein Wasser an. Lin Jüngling kam von obngefahr, Und sah den Alten zitternd stehen, Und traurig in die Grube sehen. Gib, sprach er, guter Greis, gib mir die Schaufel her, '' • Und leg dich dort zur Ruh, ich will bald Wasser hadm-, Ich bin noch jung, und kann noch besser graben. Der Alte gab sie ihm, und sab ihn dankbar an, Und sprach: O! daß ich dirs nicht lohnen kann! Der Jüngling grub, und traf bald Maffsr an, Und fu»t> zugleich dort einen Schatz vergraben. Sieh, guter Alter! sieh, waS ich gefunden habt, Indem ich dorr nach Wasser grabe; Da nimm es hin, es ist mir lieb, daß ichs gefunden habe. - - Nein, dies verdient der Trieb, dem Schwachen beyzustchen, Der dir im schönen Herzen wohnet, Ich freue mich, daß icks gesehen, Wie Gott dein gutes Herz belohnet! Academr'sche Neuigkeiten. Am sten dieses übernahm Herr Hofrath D. Dietz aus Darmstadt die 4te ordentliche Lehrstelle bey der medicinischen Zacultät; d.ße»> gewöhnliche Antritsrede gäbe Die -Vorthene an, welche Die Artzneygelahrhei: unserer Zeiten gegen jene altere besitzet. Hlchge Unwerlitar, besonders, dre meduinilche Facultät, hat von dem Beitritt diefeS gelehrten , sich aoernral XVocbcfibUtt. VA neue 13ortbeile und neuen ffiUnj ju «»sprechen. Das ProgrEa, wo« Dutcb Bet seifige Magmstcus unO bet acabemischt L>enak, ju dreser hvetlu chea Reve emlave, jtigen wir nächstens an. Am 2fen dieses bestieg -Herr Johann Joachim Bolten auS HaM« butet , ein würdiger Sohn des dasigcn berühmten Arztes und ersten Stadt- phyfici, Den juristischen SatbeDer, unD verfheiDizfe ohne Vorsitz, vetschi«' Vene jurisiliche Lehrsätze, und etbielt hiernach Die juristische DokfvrwurDe, v .<■ * v * -U'U 7..... ’ :v' e,