Giesser 34? Zwey und Dreissigffes Stück Drenstags den 8. August i77f» Mit Hochfükstl. Hessen Darmstädkischer gnädigster Erlaubniß Beschluß der Geschichte Röschen und Wilhelm^ HÜsKMM war nun anderthalb Jahre abwesend, ohne daß Röschen die geringste Nachricht von ihm erhalten batti. Ihre Eltern hatten ei- nen andern Bräutigam für sie auSgesehn, und Röschen, die zwar nun lieber gar nickt geheyrathet hatte, gab doch endlich den Vorstellungen und Bitten derselben nach. Hier gieng also alles wie gewöhnlich, ohne Leidenschaft ab, den Eigennutz etwa ausgenommen. Auch die Landleute haben ihre mariagcs de coqvenance. Ernst der Bräutigam war der Sohn eines armen Heuerjings aus einem Dorfe das von vielem etwa vier bis fünf Meilen entlegen seyn mochte. Seines Vaters Bruder aber war ein sehr wohlhabender Vollmeyer in diesem Dorfe, und wollte seinem Neffen, weil er selbst keine Kinder hatte, den Hof übergeben. Ernst hatte bisher ebenfalls einen Theil seines Unterhalts durch die Arbeiten in Holland und durch die Schiffahrt erwerben muffen. Er war in Grönland, in der Levante und in Batavia gewesen, und erst vor kurzer Zeit in dieses Dorf, worin seines Vaters Bruder wohnte / gekommen. Seine Sitten waren auf seinen Seereisen zwar nicht sehr fein aber auch nicht verderbt worden. Er war so ein ehrlicher handfester Seefahrer, der gegen alle Empfindlichkeit abgehärtet, immer in der Mittelsiraße zwischen Vergnügen und Msver- gnügen fortgieng, immer gleicher Laune war, das char, was er für das - • Ji Beste afo Wochenblatt. Beste hielt, und sich weiter in der Welt um nichts bekümmerte. Er sah, daß Röschen ein junges artiges Mädchen, ziemlich reich, uno eine gute Haushälrerinn war, also wollte er wohl, wenn es anders sich so fügte, daß sie seine Frau würden Röschen hatte auch nichts gegen ihn, und also wurden sie bald mit einander verlobt, wodey aber doch Röschen recht bitterlich weinte. Die Hochzeit warb bis nach der Erndte aufgeschoben. An einem Abende, a!S Röschen mit ihren Eltern und ihrem Ernst vor der Hausthüre fassen, und die Mannspersonen sich nun bey der an gezündeten Tabackspfeife, der angenehmen Empfindung der Ruhe nach der sch veren Arbeit des Tages, und der erfrischenden Abkühlung der Abend- luft überließen, ward Ernst gebeten zum Zeitvertreib ein wenig von seinen Reisen zu erzehlen. . Ich w?ll Euch einmal srzehlen, fieng er an, wie ich einmal bey einem Haar das Leben verlobren hätte. Einst als ich von Batavia auf dem Caap *) retour war, und wir, wie Matrosen nun sind, wenn sie des Caap- weinS ein bischen zu viel haben, die Eingebohrnen des Landes weidlich vexirt und unser Kurzweil mit ihnen getrieben hakten, wollte ich gegen Abend in em Wirkhshaus gehn, das da so bey dem Compagniegarten herunter liegt. Richt.weit davon begegneten mir einige von den schäbigen Hottentotten, Vie wir den Nachmittag zum Besten gehabt hatten. Ich kannte sie, und sah wohl daß sie mich auch kannten, und merkte an ihrer Mine Und ihrem Gezauster wohl, daß sie sich rachen wollten. Hier war nun guter Rath iheuer. Ich hatte weiter nichts als einen Stock, und sie hatten ihre Picken mit hölzernen Stacheln, die aber, das könnt ihr glauben, so spitz und so hart sind als die beste Degenklinge. Ich gieng gerade auf sie zu, um sie in Furcht zu setzen, denn Coürage haben sie gar nicht, wenn mansie angreift. Sie waren aber doch so wüthend vor Rache, daß sie mich gleich anfi fen, und mir , da ich erst den Rücken nicht recht frey gewinnen konnte, einige Stiche andrachten. Ich schrie um Hülfe, und sah daß ein Mann der kaum gehen konnte, alle seine Kräfte zusammen nahm, um auf mich zuzueilen Er stürzte zur Erde als er deynahe bey mir war, raffte sich aber doch geschwind wieder auf, und fiel, als er aus meinen Reden hörte',, daß ich auch ein Deutschmann sey, mit einem kleinen Beile so herzhaft über sie her, daß wir zwey davon halb todt auf dem Platze liegen ließen, und die beyden übrigen davon sprangen. So kam ich also gut genug weg. Ja, daß ich es nicht vergesse, der Mensch der mir da das Leben rettete und aH ein *) Die Schiffet nennen düsVorgebükge der guten Hoffnung schlechthin das Caap« Wochenblatt 2sr ein ehrlicher Camerad handelte, war noch ein junges Bürschgen, und gieng auf dem «Schiffe die Flora genannt als Matrose nach Batavia. Er war auf der See sehr krank gewesen, hatte sich aber am Caap schon soviel wieder erholt, daß er herum spatzieren konnte, und das that er eben als ich um -Hülfe rief. Ich begleitete ihn noch bis vor sein Logement, und hätte . ihn öfter gesehn , wenn wir nicht bald darauf abgefahren wären. Er wäre auch aus dem Hannöverschen sagte er, und es schien, als wenn er wohl so- recht mit gutem Willen nicht nach Batavia glenge, er mochte auch seinen Eltern so nicht recht haben gut thun wollen, ober er mochte sonst was auf dem Herzen haben, denn er seufzte zuweilen so, und dabey sah er auf sei? ne großen Hemdsknöpfe, darauf allerhand Herzen stunden. Der kurze ?Än* drees , der hier im Dorse vor vielen Jahren gedient, und sich im Bent- heimischen gesetzt hat, muß ihn auch noch kennen , denn er hat mit ihm krank gelegen. Auf Röschen hatte diese Erzehlung, und vorzüglich der Umstand mit den Hemdsknüpfen einen äußerst lebhaften Eindruck gemacht - Sie hatte Wilhelmen würklich ein paar ähnliche geschenkt - aufalle Fragen Röschen- aber konnte Ernst weiter nichts antworten, sondern berief sich immer auf den kurzen Andrees. Die Beschreibung der Statur traf mit Wilhelm- feiner zusammen, die Gesichtsbildung aber gar nicht. Das gute treue Röschen war über diese Geschichte so unruhig , daß sie die ganze Nacht nicht schlafen könnte. Ihre Liebe für Wilhelmen hatte mit einmal ihre vo? nge Stärke wieder gewonnen. Sie war in der größten Verlegenheit über das was sie thun sollte. Daß das Wilhelm gewesen fty, war äußerst unwahrscheinlich. Die Statur und die Hemdsknöpfe, das traf zu. Aber was war das? die Gesichtsbildunq traf ja nicht zu, doch diese konnte sich in drey Jahren, durch die -Seefahrt und die Krankheit ungemein geändert haben, und zudem war Ernst eben Fein starker Pbysiognomiste. Aber wem» das nun auch Wilhelm gewesen wäre, wo war er denn nun 1 und wenn er auch zu Hause gewesen wäre, war sie denn nicht mit Ernsten verlobt und mit Wilhelmen nicht ? und die Gärtnerswitwe in Zardam - o die hätte bald alles verdorben. Röschen faßte aber dennoch einen Entschluß, gieng zu Wilhelms Vater, erzehlte ihm die ganze Geschichte, und gab , ohne daß sie sich vorgesetzt hatte, mehr als wahr zu sagen, dennoch denen Stellen die für die Wahrscheinlichkeit stritten, daß daö Wilhelm gewesen, soviel' Reliefs daß Wilhelms Vater sich keinen Augenblick bedachte, in düs' I i r Bent- M2- Lvochenblaee. Bentheimische zu reisen, um sich bey dem kurzen Antrees weiter nach die. sem Menschen zu erkundigen. Einige Tage darauf kam Wilhelms Vater voller Freuden in Röschens Haus gestürzt, alS alles beym Frühstücke saß - Da hab ich sie endlich ! Nachrichten von meinem Wilhelm, Gott Lob und Dank! Er ist in Batavia, aber nach Andrees Rechnung muß er schon auf der Rückreise styn. Cs ist derselbe Mensch der euch Ernst da auf dem Caap das Leben gereltet hat - Ha Murrer, Mutter! schrie Röschen laut aus. O Ernst, mein lieber Ernst, Wilhelm kömmt wieder! und damit sprang sie auf und umarmte Wilhelms Vater - nun habt ihr ja euren Sohn wieder, und ich - - ach ich arme Röse, — Ernst dec für dergleichen Scenen eben nicht gemacht war, konnte den außerordentlichen Antheil, den Röschen an der Freude des VarerS nahm, nicht wohl begreifen. Er hatte durch das Gerücht zwar gehört, daß seine Braut vordem einen andern Liebhaber gehabt, aber dieses hatte auch wie gewöhnlich etwas hinzugefetzt, nemlich daß ihr erster Liebhaber ihr untreu geworden, nach Holland gegangen, und da eine Gartnerswittwe geheyrahtet. Ernst konnte sich aus dieser ganzen sentimentalen Situation nicht recht heraus finden, bis es Wilhelms Vater übernahm, ihm die Geschichte ausführlich zu erzehlen. Hm! sagte Ernst als er sie gehört hatte, wie das doch seltsam in der Welt kommen kann! Hört einmal, ich bin ein rechtschaffener Kerl , und allezeit ein ehrlicher Matrose gewesen, und das ist Wilhelm auch, und nach der Cameradschast muß und würde ich mit ihm handeln, und wenn er mir das Leben auch nicht gerettet harte. Er hat also das erste und beste Recht auf Röschen, und das muß er behalten, ob ich gleich mit ihr verlobt bin, und daS ist recht nach unfern Mores, und wenn er in solchem Falle gegen mich nicht eben so handelte, so würde ich ihm den Kopf einschlagen Wenn er also von dieser Reise in Zeit von einem Jahr wiederkömmr, und dir noch treu ist, und Du ihn noch haben willst, Röschen, so stehe ich ab, und das ist billig. Wenn wir Matrosen nicht «ach der Cameradschast handeln wollten , so müßten wir alle vergehn - so sprach und handelte Ernst, weil er es für recht hielt, und dachte nichts weniger dabey, als daß er eine sehr edle Handlung thate. Röschen küßte Ernsten zum erstenmale mit Affect, alle Interessenten waren mit dessen Erklärung zufrieden, und Wilhelms Vater ward dadurch von Ernsten so sehr eingenommen, daß er im Herzen beschloß ihm seine reichere Tochter zu geben. Wenn Wochenblatt. *n Wenn es einigen Lesern aus der Nachwelt, als zu deren Vesten diese Erzehlung in ein Wochenblatt hoffentlich eingerückt werden wird, einsatten sollte daran zu zweifeln, daß es wahrscheinlich sey, daß ein Mann wie Ernst, der weder den Aristoteles noch den Gellert, weder den Plato noch den Wieland, weder den Seneca noch den Abt, und weder griechische noch lateinische noch englische noch französische noch deutsche Romane gelesen , auch in seinem Leben keine weinerliche Comödie gefthn noch gehört, daß, sage ich, ein solcher Mann so handeln könne, wie Ernst würklich gehandelt hat; so bitte ich sie zu bedenken, daß es doch möglich sey, daß sie selbst von den Tugenden des gemeinen Mannes und vorzüglich gewisser Claffen desselben, nicht den gehörig würdigen Begriff haben, und daß diese Leute doch würklich anders handeln können, als sie entweder denen, die sie aus dem fünften Stockwerke nach der Vogelperspectiv, oder denen die sie einmal, wenn zufälliger Weise ihr Zimmer zu warm geheitzt ist, aus dem Fenster, oder wenn von ohngefehr ihre Caroffe in das Gedränge der Canaille kommt, aus dem Kutschenschlage beobachten, zu handeln scheinen, auch daß man um diese Leute recht zu kennen, sie in ihrer Kajüte oder in ihren Bierkellern betrachten müße. - Aber Fi! das wäre ja niederträchtig! - Freylich! und es ist ewig Schade, daß Addison und fein Freund Steele, welche sonst ganz vornehme und verständige Leute waren, von dergleichen Niederträchtigkeiten nicht gänzlich frey zu sprechen sind. Es war also unter den Hauptpersonen unsrer Geschichte ausgemacht worden, daß man noch ein Jahr auf Wilhelms Rückkunft warten, aber unterdessen die wahre Ursache des Aufschubs der Hochzeit niemanden entde, cken wollte Im Dorfe hieß es also immer von einer Woche zur andern, dann wird ErnstenS Hocveit seyn, und das soll so eine große Kösie werden , daß man mit den Zubereitungen noch nicht fertig ist , und daß alle Ochsen und Hammel noch nicht fett genug sind. Mit diesen Ideen reiß- ten im künftigen Frühjahr die Hollandsgänger, einige ein wenig unzufrieden, ab. Sie waren noch nicht lange in Holland gewesen, als Wilhelm der nun aus Batavia zurück gekommen war, und nun seinen Dienst geendigt hatte, sie einmal bcy ihrer Arbeit unvermuthet besuchte. Wilhelm konnte kaum das gewöhnliche treuherzige Bewillkommen und Händedrücken auswarten, erkundigte sich zu allererst nach seinem Röschen , und erfuhr, daß die Verlöbniß mit einem gewissen Ernst lange gewesen, und ohne Zweifel die Hochzeit auch schon vollzogen seyn würde. Das war die traurigste Nachr chc für dm guten Wilhelm, die er erfahren konnte. Er würde ge- 3 i 3 weint L)4 wochenblaee. weint haben wie ein Kind, wenn ihn nicht die Gegenwart seiner Landes- teure und sein eigner Ehrgeiz zurück gehalten harre. Denn eS wird, der Himmel weiß aus welchen Ursachen, bey den meisten unsrer Landleute für schimpflich gehalten, zärtlich verliebt zu ftyn. Er verließ aber dre Gesellschaft bald, nahm sich kaum die Zeit, noch einige nähere Erkundigung von dem Bräutigam oder von seinen Verwandten einzuziehn, und eilte in sein Wirthshaus, wo der arme Jüngling ein paar Tage, wider alle seine Gewohnheit, recht melancholisch zubrachte. Er entschloß sich also - sein Vaterland nie wieder zu sehn? - Nein das that er nicht - Er entschloß sich, so geschwinde als möglich in sein Dorf zurück zu kehren, um seine Eltern wieder zu finden, und da Röschen doch seine Frau uicht sevn könnte, wenigstens in Einem Dorfe mit ihr zu leben, und alleö Herumschweifen fahren ju lassen. Er machte sich also auf den Weg , kam in die Gegend, wo er von Röschen Abschied genommen , wo sie ihm noch zum letzten Andenken die silberne Hemosknöpse mit den Herzen geschenkt harre - ach wär ich doch nie weiter bis an diesen Hügel aus meinem Dorfe gekommen ! dachte er, gelte ich wäre auf mein ganzes Leben glücklicher gewesen als ich jetzt bin! Röschen, Röschen, hattest du - aber du bist unschuldig - und dem Himmel sey es gedankt, ich auch - - da ist ihr schöner Eichelkamp - ja, und wenn ich nicht irre, ihr Vater ist darinn, und noch ein Mann — ach das wird er wohl seyn - und da ist Röschen auch! und in zwey Minuten war er vor dem Cichelkamp, und über die kleine Hecke - - Mein Wilhelm, mein Wilhelm! rief Röschen, und fiel ihm in die Arme - Wilkommen, willkommen Wilhelm, schrie Röschens Vater, und ergriff seine rechte Hand, und schüttelte sie aus allen Kräften - Ernst die Linke - ja, meine See!, das ist der Camerad der mir aufdem Caap das Leben rettete! - So stunden sie da eine Weile, würdig des Pinsels eines Mengs - Wilhelm Hub seine Augen schwer auf - seyd rhr denn alle, glücklich? sagte er, und meine Eltern auch - Nun sind wir es alle nun da du da bist, sagte Röschen, aber Wilhelm wo bist du denn gewesen? - Aber Röschen, du bist Ernsten feine - - Mit Nichten, fiel ihm Röschen in die Rede, das bin ich nicht. Aber ich will dir alles erzehlen wie das gekommen ist. Die Gesellschaft eilte nach dem Hause von Wilhelms Eltern. Unterwegs erzehlte Röschen die ganze Geschichte, und Ernstens ehrliche da» meradschast, und Wilhelm fiel ihm um den Hals , und Ernst sagte: der Henker weiß, wie einem dabey so um das Herz herum zu Muthe wird - Nun wochnrbla-r. ms Nun kamen sie in der Eltern Haus, wo alles sich der lebhaftesten Freude ganz überließ. Es war zugekocht alles was das Haus vermochte. Der Schulmeister, Wilhelms vormaliger Präceptor, der ihn oft geprügelt hatte, wenn er mit Dinte Die See auf den Lisch mahlte, und^noch ein Nachbar und Gevatter wurden herbey gebeten, und nun gieng der Schmauß an, und Wilhelm mußte erzehlen, wie er doch in der Welt nach Batavia gekommen sey Hier wäre nun die schönste Gelegenheit, Kolbens Beschreibung des Vorgebürgs der guten Hoffnung, und die Holländische Beschreibung von Batavia, einen guten vollwichtigen Folianten, zu plündern, und Wilhelmen ohne Mühe ein Dutzend Bogen voll erzehlen zu lassen. Weis aber der Verfasser weiß, daß Wilhelm eben nicht mit dem Geiste der Beo bachtung gereist ist, oder vielmehr, weil er jene beyden Bucher, zum Glück der Leser, nicht bev der Hand hat, so wird Wilhelm nur blos das erzehlen, waS seine Freunde von ihm zu wissen verlangten. Mit Willen, Hub Wilhelm an, bin ich nicht nach Batavia gegangen , das könnt ihr alle glauben. Aber hört wie das gekommen ist. O m dem Holland sind viele böse Leute! Als ich in Zardam arbeitete, gieng ich zuweilen in einen Garten, welcher einer Gärtnersfrau zugehörte, die so in Amsterdam allerhand Grünigkeiten verkauft. Ich hatte dabey Die Absicht, bey Gelegenheit ein Bischen von der Gärtnerey zu leinen, so wieder Christoph am Ende gelban hat. Die Frau, deren Mann vor einigen Wochen gestorben war, war auch sehr gefällig gegen mich , und ließ mir olles zeigen. °Sd) speisete auch dort zuweilen für ein billiges Geld, und ward also im Hause sehr bekannt, und erzehlte vieles aus unserm Dorfe, und auch von meinem Röschen. Als die Zeit meiner Abreise heran kam , ließ sie mir durch ihren Vetter einen Seemann, so unter der Hand wissen, daß wenn ich Lust hatte, in Holland zu bleiben, ich sie vielleicht heyrathen könnte. Sie war reich und nicht hcßlich. Aber ich sagte dem Manne gerade heraus, daß ich sie nicht wollte, und wenn sie auch eine Königinn wäre, daß ich eine Braut hätte, Der ich um alles in Der Welt nicht untreu wer* den würde , und daß ich überhaupt die Holländerinnen nicht leiden könnte. Das muß sie nun wohl übel genommen haben, Denn sonst kann ich nicht begreifen, wie sie mir nachher einen so gottlosen Streich hat spielen können. Sie stellte sich noch immer ganz freundlich gegen mich , und sagte mir, daß sie Den Tag vor meiner Abreise noch expreß nach Amsterdam kommen wollte, um mir allerhand schöne Sachen für mein Röschen einkaufen zu helfen. - Wochenblatt Sie hielt auch Wort. Gegen Abend ließ sie mich aus der Herberge rufen, gieng mit mir lange herum, bis in die Gegend, wo, wie ich nun weiß , das osttndische Haus liegt. Hier führte sie mich durch einen Hof in ein kleines Haus, sagte mir, daß sie den rechten Mann rufen wollte, und rüdem sie zur Thür hinaus gieng, schrie sie mit einer feltsamen Stimme: die soll dich denn auch nicht haben! Ich wartete zwey Langen und zwey Breiten, und da kam Niemand , ich wollte Weggehen, und fand daß die Stube verschlossen war. Ich machte Lerm, und da kamen vier Matrosen herein, die mir sagten, sie freuten sich einen so hübschen Cameraden auf Batavia bekommen zu haben, bie Wtttwe hätte meinen Namen und Geburtsort und alles bcy der Schreiberei) fchon angegeben, und ich wäre nun ihre. Ich mochte dagegen machen was ich wollte, sie blieben immer darauf, daß ich gutwillig zu ihnen gekommen, droheten und schmeichelten mir eins um das andere, brachte» mich noch den Abend auf em großes Schiff, den folgenden Tag kam der Schreiber, hörte die vier Kerls ab, that als wenn er das nicht versiünde, was ich sagte, daS Sckiff gieng nach dem Texel ab, und ich kam mit nach Batavia. Ich habe euch ja so oft geschrieben durch weiche Bosheit ich so angeführt worden, habt ihr gar feix ne Briefe von mir erhalten? und du Röschen auch nicht? Wie oft hab ich nicht an euch zusammen gedacht! Aber lustig Freunde, nun bin ich wieder hier, und Rös, chen du bist mein. Weiter erzehle ich diesen Abend kein Wort, das andre sollt ihr noch oft genug Horen. Aber Röschen nun mußt du mir erzehlen. Ja, sagte Röschen, aber wirst du auch nicht noch einmal davon gehn ? und kneipte ihm in die Wange. — Nein fürwahr nicht Röschen, du bist mir mehr als Europa , Asia, Batavia und America. Gleich nach der Erndte ward Wilhelm mit seinem Röschen verbunden. Der ehrliche Ernst heurathete Wilhelms Schwester, und alle waren in dec Folge mit einander glücklich. Academr'sche VTeui^dten. r Am gten August vertheidigte der Reichsstadt kübeckische Cubdelegakions cretarius Herr Georg David Richery seine Jnauguraidisputation de variisqnae- ftionibus circa tefhmentum aevi materni nepotes ex defundti filia fuperftite eo- rnndem patre inftituentis, 5. und einen halben Bogen ui dem solennen juristischen Auditorio mit vorzüglicher Gelehrsamkeit, Solidität und Fertigkeit, und wurde darauf an dem nemlichen Tage zum würdigen Doctore iuris, vtriusque ernannt. Ein * und auspaßircnde vom 2.9. Iulü bis den s. August i?7f. Herr Geheimderrath von Botzheim, und Herr Hofpredjger Milior, pass, durch. Herr von Hardenberg, Landcommandeur der Ballay Sachsen, pass, durch. Herr Graf Döhnhof, Lieutenantvon der Cavallerie in Preus. Diensten,pass durch. Herr Kammerherr von Rau, logirt im Einhorn. Herr von Diehnhem, zwey Herrn von Keßelsdorf, Herr von Kerppcn, pass, durchs Fran Gräfin von Wittgenstein, paßiret durch.