Sitfftt WoHcnl'lakk. Erstes Stück. Diettstags den b jfattmmr, i77f. Mit Hochfürstl. Hessen Darmstädtischer gnädigster Erlaubniß. " Ncc timuit praecipitem Africum Dcccrtantem Aquilonibus, Nec trifles Hyadas - - - - KOP.AT, m aiebt Menschen, die ein gewisser scharfsinniger Schriftsteller die (y Blankets der Gesellschaft nennet, Leute, die so arm an Gedanken, und doch so begierig darnach sind, daß sie dem ersten dem besten der ihnen dieses Leere auöfüllt, Danck wissen, und auf diese Bedingung alle- dencken und sagen was man will, um nur etwas zu thun zu haben. Am allerliebsten beschäftigen sie sich mit dem Gefühl und der Empfindung, weil dies Vermögen, wenn man es in den Gang gebracht hat, mechanisch genug ist, seinen Weg für sich selber fortzugehen, und sie dabey ohne fort* ' derliche Entschließungen würksam seyn können. Sölten die meisten angenehmen Zerstreuungen der artigen Welt wohl vielmehr zum Zweck haben? Solte der eilfertige Polychrest aus einem andern Grunde alle Neuigkeiten auffangen, und sie mit seinem Englischen Salze zugleich in die Hauser umher tragen? Solte die alte Carcelie die ganze Woche hindurch so ängstlich nach dem SonntaMantzchen und dem Spieltische schmachten, wenn A sie X Wochenblatt. fie sich getrauett, ohne ihre Wochenarbeit, oder ohne Gesellschaft, Ge- dancken zu haben? Ich bitte gehorsamst um Erlaubniß , Die schönen unaufhörlichen Eaffeetrincr'erinnen, und ihre galanten Aufwärter fieber au rech, MN, und Die mit Schnuptobac dem kurzen Dencken wehren. ^nun e,nfmQbI iu thun haben, und wenn es nichtdurch Hulse größter Handlungen sevn kann; so müssen wir die Seele durch die Bewegung der Nerven und Mußkeln in Geschäftigkeit erhalten.; 3* Grieth beym Anfänge des letztverwichenen Herbstes in eine Ge- Mchaft. Sie waren nur erst so kurze Zeit beysammen daß man noch vom h Oberem trat. Roxane, eine junge vollblütige Wit- "S&P? Unterbrechung, die meine Ankunft verursacht hatte, JnüetMe sien Himmel blickte, wie eine L)pc- Mfe ‘Öerbft! icb suhle ihn in allen meinen Gliedmaaßen. Ctcb KÖ?tt-Ae!nLm,tl^ine, und sähe ihr nach den Händen, ob sie etwa h?kC batte aber die schönste fleifchichteHand von derWelt. Ich bedauerte sie daher auf ihre Verantwortung. Sie mögen es glauben S be fort, alle Verandrungen der Luft fühle ich, »aMaf, Euft! Ich scheue mich zum Fenster hinaus zu se- Eust, wenn eS so verdrießlich Wetter ist. Em ältlicher Herr, der wie es schien, sein Podagra ertrug, ohne aus das Wetter zu zürnen , lenckte mit einer angenehmen Art das Gespräch von dem Wetter plötzlich auf die Charte. Nunmehr tranken wir unsren Coffee so geschwind als möglich hinein, und eilten zum Spiele. Je lebhafter bey dieser Zeitkurtzung die Vergnügungen und die Weingläser wurden, je mehr bekahm das Wetter Ruhe. Ja als ich endlich sähe, daß draussen em Orcan hatte seyn können , ohne die schöne Wetterläuni- sche rn Spiele zu stören, so merkte ich ganz deutlich, daß die unschuldigen Elemente nur einen Nochhelffer hatten adgeben müssen. 3 .. Meine Betrachtungen waren gleichwohl hierüber ernstlicher als ich mich zu sagen getraut batte. Ich begreif gar wobl, daß so gebrechliche Geschöpfe, als wir sind, Empfindungen von der Witterung haben, und dieie absonderlich nachlheilig seyn können, wenn eine Wunde oder Krank- yeit uns empfindlicher als gewöhnlich macht. Es schien wir aber unleua- vahr, daß die Verzärtelung und Gedankenloosigkeit öfter daran schuld seyn, w-chenblaev i seyn, als einfälschgeheilter Schuß , oder Beinbruch. Die alten teutsche« Damen giengen mit unbedeckten Armen, und die Herren überliessen ihnen damahls den Ackerbau , und die Viehzucht, und schenckten ihnen zum Mahlschatz ein gezäumt Pferd und ein Paar Stiere. Ich bin nicht so sehr ein Druide, daß ich dies meinen Zeiten zum Veyspiele anführen solte. Ich bemerkte nur, daß es sinnlichen Leuten sehr natürlich seyn muß, den Verlust jeder angenehmen Empfindung zu bedauren, und daß eben dieser Verlust, wo er nicht durch andre Gedanken und Betrachtungen ersetzt werden Fann, eine Art von Lehre und Dürftigkeit zurück läßt, die endlich zumUe- berdrusse wird. Ach! freylich mögte die zärtliche Smndiride gedancken- looS werden, wenn die Nachtigal zu schlagen aufhört, und die tausendfältigen angenehmen Aussichten in die Lüste, Büsche, Gebürge und Fluren sich verfinstern. Alle diese reizende Scenen der Natur sind für unS veranstaltet. Sie sollen unser Gemüth mit Heiterkeit erfüllen, es lebhafter in seinen Geschäften, und zum Lode deS Schöpfers thätiger machen. Denjenigen Menschen aber halte ich für sehr unglücklich, der die Heiterkeit und Geschäftigkeit seines Gemüths an die Witterung bindet, der den geringsten Theil seiner Zeit deßwegen verliehrt, weil die Sonne nicht scheint, oder der Westwind nicht wehet; der endlich nicht edle Empfindungen und Betrachtungen genug in sich selber hat, den Verlust der Jahrszeiten zu ersetzen. Epictet sagt an einem Orte, wir müssen nicht verlangen, daß die Begebenheiten so geschehen als wir wollen, sondern wir müssen sie so wollen, wie sie geschehen. Wenn ich dies bis auf die Witterungen ziehe, so wolte ich zugleich meinen Lesern anrathen, den Grund zur Munterkeit und Zufriedenheit so tief als möglich in sich selbst zu legen, und von dem Zeitwechsel allein zum Vergnügen nie aber zur Schwermuch und Unthä- tigkeit Anlaß zu nehmen. . ( 1 : ■ -j —___________________________________ — ■ *..... ... .......- Quaefitor Minos urnam movet. ille filentium Conciliumque vocat, vitasque & crimina di(cir. VIRGIL« Die alten Egypker harten einen Gebrauch, der von großem Einfluß auf die Sittlichkeit dieses berühmten Volkes gewesen seyn muß. Ihre Todten, vom Könige, dis auf den geringsten Bürger, dursten nicht nach A x Wil- 4 tVOcfccttbUtt- OTiWtonben Hinterlassenen beerdiget werden. Jenseits eines große» Dees Moms genannt, lagen die öffentlichen Grabstätte; andern dissei. tigen Gestade aber hielten vierzig Richter in einem halben Zirkel ihre &i, Sungen, unb beurteilten das Leben Cer Verstorbnen. Jeder aus oem SBolfe hatte hier Freyheitden Todten zu verklagen, und gerichtliche Beweise gegen ihn zu führen. War fein Anbringen gegründet so versagte man dem Leichnam die Ehre des Begräbnisses, und schickte ihn zur Beschimpfung feine« ganzen Geschlechts zurücke. War Oer Sötte hmaenen unschuldig, so verwandelte st» das Wehklagen feiner Anverwandten und greunte in Frohlocken. Man hielt ihm Lobreden, und das gesamte Volk begleitete ihn mit Glückwünschen zu feiner Ruhestätte, wohin ihn ein ge- »ifler Fahrmann übersetzte. Eine jede Mumie bekahm ihr Urtheil aeschrie. ^n m öie Hand, und hatte, wie sie glaubten, daran gleichsahm einen Ge« leitöbrief m ihre sogenannten ewigen Wohnungen. . 3» war über diesem Stücke der alten Geschichte einqeschlafen. und meine Einbildung verband die Bilder desselben in folgenden Traum. " ° .. . 9* befand mich, wie e« mir vorkahm, in diesem Lande der Svhi.ve und Vbclifken. Der See ilToena lag mir vor den Augen, und die beyden ungehauren Spitzseulen erhoben sich au- feiner Mitte. <=td» fahe Die prächtigen Steinbauffen voll Götzenbilder und Hieroglyphen aus se wer Insel, und eine unzählige Menge Menschen an seinem Gestade Da« Todtenschif war prächtig ausgeziert, und erwartete den Leichnam eine« ?ndten vom Stande. Die Richter fassen in weissen Kleidungen, und der «berste derselben trug eine guldne Kelte um den Hals, woran das Bild der Wahrheit hieng. Ich erkannte da« Leichenbegängniß eines Regemen. Ein Priester trat auf und erhob die Eigenschaften des Verstorbnen mit rednerischen Worten. Eine a,gemeine Stille herrschte unter der gani n Menge, so lange von feinen Ahnen, von feinet Macht und Hoheit eie Rede war. Man kahm auf feine Tugenden , auf seine Wachsamkei Menschenliebe, Großmukh, Weisheit. - - Ein ung siümes M ö e Ün- terbrn» 6u Lobrede, und Ankwgen- Vorwürffe und BefchMd gungen hausten sich an ihrer Stelle. Die Witwen und Fremdlinge gaben Klä. ger gegen ,hn ab , und der Unterdrückte, der Verachtete und Verabsäumte |chne wieder ihn um Rache. Tausend und noch tausend gelöfete Zungen verstärkten diesen Aufruhr. Der «berpriester stand von seinim Ai! auf, Wochenblatt- f auf, und niemals hat man dis Gerechtigkeit in größter Majestät gesehen. Er kehrte das Bild der Wahrheit dem Volke zu , und verurtheilte den Fürsten. Man führte den beschimpften Leichnam zurück, und an seine Stelle nahte sich ein andrer dem Schiffe. Die Richter warteten eine geraume Zeit auf Kläger; es fand sich keiner. Der Todtewar ein unschuldiger Greis von niedrigem Stande. Er hatte achtzig Jahre hindurch em wohlgeordnetes Hauswesen unterhalten, und dem Staate eine Reihe nützlicher Bürger und Bürgerinnen erzogen. Er hatte seine Güter seinen Söhnen ausgetheilt, und war einsahm und zufrieden für Alter gestorben. Ein langer Zug von Kindern und Kindeskindern , Nachbarn und guten Freunden, die meistens so alt als er selbst waren , begleiteten ihn. Das ganze Volck empfieng sie mit Lob und Thranen, und wünschten ihm Glücke zu den ewigen Wohnungen der unterirdischen Gerechten. DieS Schauspiel rührte mich so sehr, als mich das vorige bestürzt gemacht hatte. Ich glaubte in dem Gebiethe der Wahrheit und Unschuld selber zu wohnen, und nicmahlS hat mir der Nachruhm ein stärkerer Antrieb zur Tugend geschienen. Welche Vrrandrungen der Nahmen und Charakter» erblickte marr hier nicht! Einem Oberpriester des Apis wurde die Gruft versagt, weil er unwissend, muthloS und geitzig gewesen, und einem andern, weil er nicht- als Herrschsucht, Arglist und Zorn bewiesen. Dem Leichnam eines Helden riß ein Ackermann den Lorbeer vom Haupte, weil er ihm aus Wildheit seine besäeten Aecker verdorben hatte. Die Leiche eines Statthalters verfolgte ein ganzrs Volk mit Fluchen und Vorwürffen, weil er ihnen das Herz des besten Oberherrn geraubt, weil er Gewalt verübt, und nur sein Haus erhoben hatte. Seine unglücklichen Nachkommen zitterten für dieser Erbschaft, und verwünschten sein Gedächtniß. Eines reichen Kaufmanns Frau wurde zurück gewiesen, weil sie oft in einer Stunde mehr verspielt hatte, als sie in ihrem ganzen Leben erworben; und weil doch keine große Weisheit ohne einen Zusatz von Thorheit seyn kann, so wurde ein junges Frauenzimmer nach ihrem Tode als eine Egyptische Heilige verehret, weil sie ihrem Meerkätzchen eben so viel als ihrem Bräutigam im Testamente vermacht hatte. Zulezr hörte ich einen heftigen Wortstreit über einen Todten. Seine Ankläger schrien hauffenweise, er habe dem Vaker- lande nie das allergeringste genützt. Seine Verlheidiger schrien dagegen, er sey ein Wunder seiner Zeit gewesen , er habe hundert neue Lestarten zu der Aufschrift einer Spitzsäule erfunden , und ein Paar Ohren an einem hieroZlyphilcherr Sphinxe ergäntzt. Ich schloß hieraus, daß cs d'e A 3 Mumie 6 Wochenblatt. Mumie eines Cgyplischm Critici betreffen mußte. DaS Gedranq« ward darüber immer h-fkig-r. Mir war, als wenn ich mich lovrreiffen weite. Ich that dies aber mit so vieler Heftigkeit, daß ich darüber erwachte. Academische Neuigkeiten. „ , B-y hi-ßger hochlSbl. Universität haben das diSjäbrige R-ckorat Herr Prof. Phüöfopti. Joh. Christoph Friedrich Schulz, mitten gewöhnlichen Feyerlichkerten angetreten. Das Decanal in der Theologischen Facultät haben Herr Kirchenrath D. und Prof. Theol. Joh. Herm. Benner, in der Juristischen Facultät Herr Geheimderralh und Prof. Iuris D. Job. Ehrisioph Koch, in der Medicinischen Facultät, Herr B-rgrath D. und ProfMBdicin. Friedr. August Taktheuler, in der Philosophischen Facul- tat, Jhro Magmficenz Herr Prof. Philofoph. Joh. Christoph Friedrich vDcpulj Ctydlt^n» Zu den Feierlichkeiten der Rectorwahl am ersten Jannuar. invi. tirte unjet würdige Herr Prof. Schmidt, durch ein Programms, das folgende Aufschrift hat: — De comparandis artibus nonnuilis elegantioribus nondum comparatis , i Bogen in 4t — weiß es, was für Lücken noch im System der Aesihetick sind, iweil noch nicht alle schöne Künste und Wissenschaften miteinander verglichen sind r und das was sie miteinander gemein haben, gesammelt ist. — In diesen Blättern, bey denen man nur die enge Grenzen, in die der Herr Verfasser eingeschloßen gewesen, beklagen muß, giebt er uns einige schöne Anmerkungen über das Aehnliche in verschiedenen schönen Künsten , die noch nicht miteinander verglichen worden - der Beredsamkeit und Maklerei/ von deren Verwandschaft wir schon Stellen beim Cicero und Qmr- tüian finden; der Mahlerey und Bildhauerkunst — der Tanz^ und der Baukunst. Wir wünschen — und gewis viele mit uns - daß eS dem Herrn 8. gefallen möchte das Rückständige bey einer andern Gele, genheit nachjuholea. Ein-und auspaßirende vom 24. December bis dm zl.December 1774- Monfieur, le Duc d’ Hamilton auS Engtlland, paßiret durch. Fräulein von Landwiest von Büdingen, log. im Einhorn. Herr Gesandter von Lehrbach, paßiret durch. Herr Major Buff von Wetzlar, paßiret durch. Herr Amtmann Hentzerling von Ellingen, log. im Einhorn. Herr Rach Besserer von Laubach, paßiret durch. W-chenblarr. 7 Veränderungen des löblichen Magistrats. Sereniflimi HochfürMiche Durchlaucht haben den Rathfchöffen Herrn Johann Balthasar Kempf, als Oberburgemeister an die Stelle deS abgehenden Oberburgemeisters Herrn Georg Melchior Wormbser, auf gewöhnliche Präsentation des löblichen XVIner Collegii auf itzigeS Jahr gnä- digst ernennet. Sodann sind tioh gedachtem löblichen XVIner Collegio nachstehende Herrn Ratbschöffen, zu nachgesetzten Aemtern vorgeschlagen, und von hiesigem Hochfürstl. Oberamt confirmiret worden, als Herr Johann Philipp Magnus zum Bauamt, Herr Jost Balthasar Wollmershauser zum Weinamt, Herr Johann Philipp Franz zum Beedamt, Herr Christoph Friedrich Rumpff zum Fleischschätzeramt, und Herr Johannes Reiber zum Märckeramt. In dem verflossenen r?74sten Jahr sind durch göttlichen Seegen, von Ihrs Hochfürstlicken Durchlaucht, von löblicher Universität, von dem löblichen Regiment, vom löblichen Magistrat, wie auch aus denen wöchentlichen Büchsen, nnd von gutherzigen Christen, bey dahiesiger Ar- mencaffe eingekommen, und ausgegeben worden. 380 fl. 27 alb. 4 pf. In der Kirch und auf dem Rathhaus, sind an gestifteten Wmosen den hiesigen Armen gereichet worden - 9Z f fl.ro. alb. Summa aller Ausgaben an die Armen 151^ st- 7 alb. 4 Pf. In g Lvochenblavk. «Wh dem verstoffenm !774sten Jahre sind copulirt worden; i) bey der SradtkiiAe - ♦ z) bey der Burgkirche * » *° Paar. Summ» 58 Paar. Gebohrne uud Getaufte, bey der Stadtkirche , I0<, worunter L unehliche * , * • Söep der Burgkirche, worunter 4 unehliche Sumina 17t Verstorbene bey der Stadtkirche Bey der Burgkirche ♦ ♦ e • Xft » ' - s 6 z Summa rr4 finb als» in biefem Jahr 4? mehr gestorben «14 gebohren. * * 1871 Bey 6er Burgkirche » ' ‘ J------,3°” Summa 4171 Diese wöchentliche Anzeigen werden vonZeinen Flor. g„ univ«flt-.S B»chl>andIcrn h.-s lbst, . L-rdc« für kr. ous, W” «" 6(11 W’n rtcH Stücken dienen. Mannheim dem 2-ten December 1774. zoff. oj^una der Cburpsälzischen Zadlenlotterie ist anheute mit 8°ai°9