Giesser Woche yß lall. CLn und Dreissigstes Stuck- Diettstags den i. August -775. Mit Hochfürstl. Hessen Dannstadtlscher gnäHiqßer Erlaudruß. Abhandlungen der Seelandischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Vlies singendes ersten TbeilS, erster Abschnitt, welcher die zur Medici« und Chirurgie gehörigen Aufsatze in sich enthalt. Uebersezk und mit einigen wenigen Anmerkungen versehen von Andreas Bödm,FürjÄ. Hessen Darmst. Bergrath, und der Wettweisheit und Meßkunst ersten Mehrer zu Gießen. Mit Kupfern. Gießen in Kriegerischem Verlag. 1775* 2LZ. S. in 8v. ^err Bergrath Bohm / dessen vvrtresiicke Kenntniffe keines weitern !. '■ - ? r •' Bis zur Abreise waren er und sein Röschen die glücklichste Leute von der Wett. Wilhelm liebte Röschen jetzt nod) zehnmal mehr , weil er in seiner Liebe nun nichts mehr sah, daß sich seiner Lieblingsidee entgegen setzte, und wußte ihr so viel vorzuschwätzen, daß sie selbst nach und nach anfieng seine Schwärmerey immer vernünftiger zu finden. Allein den letzten Abend seiner Abreise wäre bald fein ganzes Project umgestürzt worden. Er kam eben aus der Schenke zurück, wo er mit feinen Reisegefährten die Nötbi.ge Abrede genommen hatte, und sah im Geiste schon alle Wunderwerke von Holland, als ihm sein Röschen, bey deren Eltern er den Abend, wie die Landkeute sagen, Valet essen sollte, begegnete. Sie hatte das Mieder angezogen und die Mütze aufgesetzt, welche ihr Wilhelm zum Weyhnachten geschenkt - Nun ist alles fertig Röschen , faa'e er. Sie sah ihn an, antwortete nichts, und ohne ihre Auaen vün den (einigen abzuwenden, flössen ihr Die Thränen von der schönen Wange. W-Melm stand da und bohrte seinen Stock in die Erde. - Ja Röschen, ichschwöre es dir, Feinen Fuß will ich von hier setzen. Mit einemmale seh ich alle meine-Narrheit. Bergieb sie mir Röschen. Komm , mein Entschluß ist geändert, ich bleibe. Er »ahm sie unter den Arm und gieng sogeschwind, als Machen blaer 245 üls wenn er fürchtete sie zu verliehrem, Seine frölichen Reisegefährten kamen auf ihn zu - Wie es ihm schwer wird von der Braut zu kommen! spotteten sie - Du mußt nun reisen, Wilhelm, sagte ihm Röschen heimlich, oder ich nehme dich gewiß und gewiß nicht, das wäre nun ein ewiger Schimpf für mich und dich. - Also blieb es bey der Reise. Röschen erhielt sehr oft Briefe von ihrem Wilhelm , der in der Schule ganz artig schreiben gelernt hatte, aber doch von Röschen darin übertroffen wurde, weil diese von ihrem Bruder dem Cantor bessern Unterricht gehabt. Der letzte Brief, den Röschen von Wilhelmen bekam, war folgender: -' - ' Gott zum Gruß, „Herzlichstes Rüschen. Ich thue dir zu wissen , daß ich! Gottlob gesund bin, und wünsche daß du auch recht gesund und frisch seyn magst; und ich kann nicyt unterlaßen an dich zu schreiben, weil Hans Reinkemeyer nach Hause geht, und er den Brief mitnehmen kann. Ich wollte wohl mitgekommen seyn, weil mich recht verlangt nach dir zu kommen, und dich zu sehn, aber ich habe noch bald auf drey Wochen Arbeit, und die darf ich nicht verlassen, bis alles fertig ist, oder ich muß mir viel von meinem verdienten Lohn abziehn lassen, und es läßt auch nicht gut, wenn man die Arbeit nicht endigt, und alle meine Cammeraden würden dich und mich vexiren, daß ich diese Zeit nicht hätte abwarten können um dich zu sehn, denn sie wissen wohl, daß ich dich von Herzen lieb habe , und es ist auch wahr, das weißt du auch wohl, aber ich muß doch darum ein rechtlicher Kerl seyn, denn sonst hast du mich nicht lieb , und das wollte ich um aller Welt willen nicht haben. Freytag über drey Wochen aber so gebe ich mit Gottes Hülfe, mit Hans Belten, und Peters Ludke und DossenS Erdmann von hier, und denn komme ich den Montag Abend zu Hause, denn ich werde unterweges nicht lange säumen und spreche gleich bey dir vor. Bleib nur hübsch bey der Hand, daß ich dich gleich finde. In Holland ist es wohl gut, aber doch nicht so gut als in unferm Dorfe, und daß man sich hier einen Muffen heißen lassen muß, das ärgert mich zuweilen rechtschaffen. Ich habe hier wohl tausend wackere Mädchen gesehn, aber keine ist doch so flink und sieht so gut aus als du. Mache du es nur bey demem Vater aus, daß gleich nach der Erndte unsre Hochzeit ifl> Hh - denn r46 Wochenblatt. denn früher wird es doch wohl nicht seyn können, und zu der Rockenerndte mußt du mir auch einen schönen Strauß geben, und ich w U dir auch ftei- ßig helfen in der Arbeit deym lieben Korn, so viel ich nur von unserm Höft abkommen kann. Und ich bringe dir auch was schönes mir, well ich über Amsterdam gehe und dir da was kaufen will. Das ist wohl eine schöne Stadt, besser als Bremen und viel größer, und sind da wohl hundertmal so viel Schiffe als in Bremen, und |o ein schönes Rathhaus, und viel reiche Leute, die fahren im Sommer auf Schlitten, woraus Kutschen gebauec sind. «0! wie viel will ich Dir erzehlen, wenn ich hinkomme, und Denn gehe ich in meinem Ltben nicht wieder von Dir, mein herzliebes Röschen. Behalte mich auch lieb: und grüße Deinen Vater und Mutter und alle Freunde viel tausendmal, und ich bin bis in den Tod. "u.s. w. Röschens Antwort. »- Lieber Willhclm , Da ich dich in drey Wochen wieder sehe, so freut eS mich, daß du nun klug geworden bist. Nun wirst du des HerumziehenS doch wohl satt haben, und künftig fein bey mir ausdauern können. Die Zeit bat mir diesen Sommer recht lange gewahrt. Aber eS ist gut, daß du noch vor derErndtewie- der kömmst. Du sollst dich freuen, wie schön auf unferm Felde daS liebe Korn steht. Ich gehe zuweilen des Abends auf den Berg, und sehe den ganzen langen Weg hinab wo du Herkommen wirst, und denn singe ich zuweilen das neue weltliche Lied, das Du im vorigen Winter in Der Spinnstube so gerne hörtest: Wo irrt nun wohl zu Land und Meer, u. s. w. Du bist und bleibst doch mein guter Wilhelm. Wenn Du nun kommst, so sollst du dich erst vor der Erndte recht ausruhn und dir was zu qute khun, deine Mutter und ich, wir wollen Dir schon zukochen. Meine Eltern und Deine Eltern und unsre Verwandten und alle Freunde grüßen dich viel tausendmal, und ich bin bis in den Tod u. s. w. " Der Montag, Röschens erwünschter Montag war gekommen. Sie gieng mit ihren und mit Wilhelms Eltern Den Hollandsgängern eine weite Strecke entgegen. Frohe sreunDschaftliche Gespräche verkürzten ihnen den Weg bis Die Sonne untergegangen war, und Der Mond Den schönsten Som merabend heraufführte. Sie setzten sich an einem Hügel nieder um die Ankommenden zu erwarten. Die Nacht brach ein, und noch war Niemand gekommen. Vielleicht haben sie einige Tagereisen kurzer gemacht, sagten sie, nach der heitern gesunden Denkungsart des LandmannS die sich < v , ; ' so H)ochcnblaer. z47 fo reicht kein Unglück ahnden läßt, vielleicht wollten sie die Hitze des Tages vermeßen, und uns Morgen noch ehe die Sonne ausgeht in Schlafe überraschen, vielleicht ist ihnen auch sonst etwas begegnet, das sie nod) um einen Tag zurück hält. Durch diese Vermuthungen beruhigt begaben sie sich auf den Rückweg Aber Rüschen war auf dem Rückwege lange nicht so heiter , als sie es auf dem Hinwege gewesen war. Der folgende Tag verstrich in eben den Vermuthungen. 21m Abende des dritten Tages kamen die Hollandsgänger zurück und Wilhelm - war nicht bey ihnen - Der Verfasser ist zu mitleidig mit dem armen Rüschen und mit Wilhelms bedauernswürdigen Ellern , als daß er die Betrübniß und die verschiednen Leidenschaften ganz ausmalen küimte, welche ihnen das Herz zerrissen , als sie von den zurückgekommnen Hollandsgängern, welche ebenfalls über den Zufall sehr traurig waren, weil sie den ehrlichen Wilhem recht lieb hatten, erfuhren,' daß Wilhelm gegen Abend vor ihrer Abreise auS Amsterdam, um einige Kleinigkeiten für sein Rüsgen einzukaufen ausgegangen, unD nicht wieder gekommen sey, daß sie zween Tage in ganz Amsterdam nach ihm gesucht, aber nicht die geringste Nachricht von ihm erfahren künnen; auch daß einige von ihnen nach Zardam zurück gegangen wären, um dort bey einer Gärtners Wittwe, mit welcher Wilhelm Bekanntschaft gemacht hätte, wenigstens einige Nachricht zu lassen, wo er sie antreffen könnte. Rüschen weinte bey der Anhörung des erstern, aber eineLodtenblässe jagte alles Blut aus ihrer jugendlichen Wange, als sie das letztere vernahm. Wilhelms Vaker machte sich selbst Vie bittersten Vorwürfe, faßte sich aber bald wieder, tröstete seine Frau und Röschen , und versprad), Morgen mit Anbrud) des Tages selbst nach Holland zu gehn, und Wilhelmen zu finden, es möge auch kosten waS es wolle. Mit diesem schwachen Strahle von Hofnung mußten also die guten Leute sich zufrieden geben. Nach einigen Wochen kam der Vater zurück, und wußte weiter nichts von Wilhelmen zu sagen, als daß er ihn, aller Bemühungen ungeachtet, mcht hätte ausfinden können. - Wenn also der Himmel ihn uns nicht wieder findet, so werden wir ihn in dieser Welt nicht wieder finden, sagte Röschen, mit so tiefer Betrübniß, daß sie nicht weinen konnte. Nach dem gewöhnlichen Laufe der Erdichtungen , müßte Röschen sich nun ihrem Gram überlassen, ihre Gesundheit dadurd) verderben, in eine Auszehrung fallen, und alsdenn auf die zärtlichste Art die Welt verlassen. W il aber diese Geschichte, wie gesagt, keine Erdichtung ist, odet vielmehr weil Röschen weder eine Engländerinn noch Jtalienerinn / noch 2.48 Wochenblatt. .Diese wöchentliche Anzeigen werden in der Kriegerischen Buchhandlung Eier an die Heren Liebhaber gegen einen Flor, halbjähriger Pianunleration geliefert' Einzelne Dogen werden für 3 fr. ausgegeben. Man kann auch den Herrn foehfttit bern mit den schon herausgekommenen Stücken diene«, " Uebhg- Em -- »nt> auspaßirende vom 2.2. ^uUi bis den r-. Juli 1.775. Hm von Löw, und Herr von Stein, pasiiren durch. Hm Hauptmann und Dberavjudanc von Grothhaußen, pass, durch. Herr Commauoeur von Veltheim, logrrt im Pojthaus. Freiherr von Holmer, herzoglich Holsteinischer dirtgirender Minister, nebst dem Kammerjunker von Drechsel, pass, durch. Herr Rittmeister von Ehrenberg in Russischen Diensten, logirr im Post- Herr Amtmann Bodenburg, log. im Einhorn. Herr Advocat Bradi von Darmstadt, log. im Posthaus. Ihro Durchlaucht Printz von Mecklenburg Sttelih, nebst dero FrauGe- mahim, Pnnceffe Charlotte von Hessen Darmstadt, Vier Durchlauchtigste Prinzen von Hessen Darmstadt, pass, durch. Herr von Jung aus Cngelland, pasiiret durch. Herr Graf Döhnhof, Königlich Preussischer Lieutenant von der Cavallerit, Ä?fam‘8 Skadtfcauenjimmer, sondern ein ehrliches niedersächsisches Landmadchen von einer blühenden Gesundheit und von einem durch ü oma. ne nicht verderbtem Kopfe war, so tröstete sie sich allmählig , schu,a ihren Kmumer aus dem Sinn, sieng wieder an bey der Arbeit sröiich zu seyn, und nur bey gewisse» Gelegenheiten, wenn nemlich die Holiandoaanaer ab! giengen oder an^n en, oder wenn sie in der Spinnstube jarmche Erseh« Äugen 800 6 */'*)