Giksstt Wvchcnblakk. Fünf und Dreißigstes Stück. Dienstags den zo. August 1774* Mit Hochfürstl. Hessen Darmstadlischer gnädigster Erlaubuiß. Ihr armen Sterblichen, die Wahn und Stolz bethören, Habt Augen, die nicht sehn, und Ohren, die nicht hören! Uz. »ld und Edelgestcine vergrub die weise Natur in die Tiefen der Erde und doch arbeitet sich der Mensch durch tausend Gefahren, um sie zu besitzen. Die unschuldigen süßen Freuden aber, die sie mit gütiger Hand auf die Oberfläche hinstreutte, will sich säst niemand zueignen r da doch eine eigne von ihnen mehr wert!) ist, als alle Goldgruben von Peru. Einigen empfindbaren Freunden und der Liebe zu den schönen Wif- srnschosten habe ich das unschätzbare Glück zu danken, daß ich da Rosen pflücken kann, wo ein andrer nichts als Disteln und Dornen sieht. Als -n Temvel d-r Na'ur. Ja, ost pflückt sich jener noch eher ein Blum- dien ab, um das Gesicht und den Geruch daran zu ergötzen. Nicht ohne Schmerz sehe ich, wie ungenoffen der schöne Fruhlmg in ^^prächtigsten ©drten seine. Schatze verschwendet; er bleibet so unbemerkt, als der ehrliche Mann in den Versammlungen stolzer Thoren. Umsonst freuet die köm- nftrhu svAfp ^nljhiaetüd)ß um sich her, umsonst ladt die schattlgte Laube zu S ^D f^ @"präd)en ein, mnstnsi lauschet die silberne Quelle, um. ton» sivaet die Il-ine unter Blüthen versteckte Grasmücke ihre lieblichen Sie» t>« Empfindungslos sitzet die leere Gesellschaft im bunten Zimmer beim Ovei.i lauft über die Sänge einer Sallupeund schimpft den vorubergehen« ^n edleren Mannder sich vor ihren goldenen Kleidern ni*t t,ef genug hiirfen wollte Wenn diese Thoren es wußten, wie suß es ist, Kliisten ?ulf " g?,,.' ..Tfefeii und ihm nachiuempfinden; wie suß, unter dem Ge. sanae"»Oschwiegener Vögel das schüchterne Mädchen Küsse zu lehren , oder, Stofen un Mnii, d m Weingotte am stillen Abend em. mäßiges Opfer m bMaenVso würde sie die Schatze, die ihnen das ElÜck jugeworfen, auf eine edlere und semere Art genießen können. *76 Wochenblatt. Feste und öffentliche Feierlichkeiten sollen der Freude und dem Vers gnügen geheiliget seyn. Allein, sie sind dabei so wenig anzutreffen, alS auf den Grönländischen Eisgefilden ein Orangewäldchen. Der steift Zwang und das abgeschmackte Ceremoniel, die abgesagtesten Feinde des Vergnügens, verscheuchen die wenigen Freuden, die sich bey solchen Gelegenheiten noch hie und da einfinden würden. Wo ist zum Beylpiel, unser Herz mehr den sanften Eindrücken der Freude geösnet, als bey einem Hochzeit, feste. Der feurige Jüngling an der Seite der errörhent en Braut raubt nun öffentlich die Küsse, die er sonst nicht ohne Furcht erschleichen mußte, Leide voll von befriedigten Wünschen, voll von süßen Erwartungen. Die zärtlichen Eltern sind trunken von dem schönen Glücke ihrer Kinder, und küssen schon im Geiste die ihnen ähnlichen Enkel. Aufrichtige Freunde empfinden sympathetisch jede kleine Freude, die jene genießen , und erhöhen diese Empfindung theils durch Erinnerung, theils durch Hofnung. - Reizende Auftritte, wo Freude und Vergnügen uneingeschränkt herrschen sollten - Aber so kindisch ist man nicht, sich diesen sanften Empfindungen zu überlassen. Der schmeichlende Gedanke: an mir schimmern die kheuersie Steine, oder das prächtigste Kleid, ist den eitlen Gästen mehr werth, als alle die gedachten schwärmerischen Phantasien. Die Braut muß unter dec Last eines blendenden Schatzes schwitzen: denn die Rosen, aus welchen die ersten Brautkränze gestochten wurden, hat man mit den Kindern gegen schimmernde Glasgen vertauscht. Auch Liebe und Freundschaft, die reinen Quellen der besten Vergnügungen, aus denen einjeder sichFreude schöpfen könnte, fließen ungebraucht dahin; mancher schöpft sich, aber „ Zu Gift wird Nektar, den er trinkt. Die schöne Phantasien, welche, wie ich glaube, die Neigung gegen das andere Geschlecht erst zur Liebe machen, sind den meisten unbekannt. Ohne diese sinket die Neigung zu einem blinden einförmigen Trieb herab, den wir mit den unvernünftigen Thieren, wie Hunger und Durst gemein haben. Eln Jüngling, der zwischen seinem Mädchen und einer aufblühenden Rose eme Aehnlrchkett findet, oder mit dem Dichter auf ihren Wangen Liebesgötter herumtandeln sieht, scheinet mir von seiner Liebe mehrere Freuden tu genießen, als derjenige, auf welchen ein Mädchen eben den groben Eindruck macht, als auf den Hungrigen der Anblick eines Kalbsbratens. So tvre bey der Hebe aber meistens eine verfeinerte Phantasie die Freuden zeuget: Wochenblatt r?7 gtt: so erwsrben wir uns dieselben bey andern Gegenständenvorzügljch durch ein gutes Herz und feines Gefühl. Racine der die Gesellschaft seiner Kinder der königlichen Tafel vorzog, mußte gewiß in dem Kreise dieserUnschul- diqen mehrere Freuden finden können, als in dem prächtigen Gedrenge des Hofes Diesem Geschmacke an dem süßen Umgänge der Kinder haben wir eine kleine Sammlung von Gedichten zu danken , die unserer Nation ewig als die liebenswürdigsten Geschenke der Muse heilig bleiben. *) Eltern , die ihr so glücklich seyd, Kinder non eurem Blute zu küssen, genießet auf eine würdige Art dieses- beneivenswürdige Glück und die vielen Freuden die euch diese unschuldigen Gesellschafter machen können ! Verbannet sie ja nicht in die rohe Gesellschaft des Gesindes, um desto ungehinderter am Spiel - und Nachtische leere Stunden zu verschwenden. Ihre zärtlichen Umarmungen und ein Blick auf ihre einfältigen Spiele, zu welchen sie ft freundschaftlich einladen, 'st mehr werth, als die thörichte jFreude über ein gewonnenes Tont oder ein wohlgewähltes Bändchen ! Es ist wahr, nicht alle Menschen können an dergleichen süßen Freuden Antherl nehmen. Doch gab der weise Schöpfer allen Menschen ein sympathetisches Gefühl, vermög welchen wir an der Freude und an der Bettübniß unserer Nebenmenschen uneigennützig Antheii nehmen können. Durch diese weise Einrichtung vermehrte die gütige Vorsicht die Zahl unserer angenehmen Empfindungen um ein merkliches. Wir können sie nicht immer unmittelbar m unserer Seele erhalten. Wenn wir auch zuweilen freudenlos sind» so dürfen wir nur einen Glücklichen suchen, dem die Freude auf der Stirne läch-'lt: bald wird sie zu uns herüberhüpfen , und in der Seele eine angenehme Empfindung erwecken, wofern sie nicht mächtige Leidenschaften rerrükten. Selbst eine mitleidige Thräne, welche uns der Anblick eines Unglücklichen entlocket, verliehret ihre angebobwe B'tt-rkeil? Wenngleich das Gesicht eine Wolke der Schwermuth umhüllet ft schmilzt dennoch die Seele in eine angenehme Empfindung. Da uns öfters Gelegenheiten mangeln, dieses sympathetische Gefühl zu befriedigen: so lesen wir Romane, oder besuchen die tragische Bühne. Wie viele Freuden raubet sich also der ungestüschastlicheMenschenfeind, der sichdiese Quelle freiwillig verstopft? Es find die Lieder für Rinder von dem Herrn Kreisstenereinnehmer Weise, 7 einem unserer größten Olchter. Ich empfehle sie allen rechtschaffenen Eitern, die ihre Kinder zärtlich lieben. Man kann sie in allen Buchläden baben,ol)ne und mit Noten auf das Clavier. 'Möchten sie doch die elenden Bücher, die man den zarten Kindern noch immer in die Hande giebk, auf ewigverdrangenr *78 Wochenblatt?. Die Gemüthsruhe und das edle Vergnügen über eine gute Handlung ver- drenen unter allen angenehmen Empfindungen den ersten Platz. Wer jemals diese erhabene Freuden gefühlt Hal, wird mir Beifall geben. Es gehöret unter meine enthusiastischen Wünsche, nur einen Tag in einer Weit zu leben, wo einen jeden ununterbrochen angenehme Empfindungen über gute Thaten begeistern; da würbe man lauter Gesichter sehen, wie sie Raphaels Engel haben. Der Geschmack an allen diesen gedachten Freuden ist so verschieden; als die Bildung des Geistes und des Herzens unter einer jeden Nation und Den Gliedern derselben. Der beeiste Lappländer und der feingebildete Grieche sind in der Wahl und in dem Genüsse ihrer Vergnügungen himmelweit unterschieden; und Anakreon genoß gewiß mehrere und feinere Freuden, als Der Knabe, so ihn seine Salben bereitete. Es liegen vielleicht Die wei- ' jesten Absichten Der Vorsehung hiebey zum Grunde, die eine unendliche Manmchfaltigkeit auch in die Geisterwelt, wie in Die körperliche legen wollte. Die Vergnügungen, von denen ich redete, blühen aber gewiß für alle meine Leser und sie sind glücklich, wenn sie ihre Vlüthen abbfeeben. Sie sind Die einigen und Die ächten, welche Der Schöpfer für uns bestimmt hak. Wenn das lallende Kind eine Blume oder einen Vogel erblickt: so streckt es gierig Die kleine Hand Darnach aus. Wenn das Mädchen in der Knospe sich ein fröliches Spiel machen will : so sammelt es sich Blümchen zu einem Kranz. Wenn Der Knabe dem dürftigen Mann ein Brod geben kann: so thut er es mit inniger Freude. Allein diese natürliche Gefühle arten durch eine schlechte Erziehung aus , und bey zunehmenden Jahren verrosten sie gänzlich. Handelt man nicht thöricht, wenn man Den Kindern diese Freuden, Die sie Die Natur selbst lehret, raubt, und zu Spielen gewöhnt, wodurch Der Same Der zukünftigen Laster in Das noch unangesteckte Herz gelegt wird? Die Entbehrung Dieser Freuden lehret man sie nie als ein liebel kennen. Wenn man ihnen als eine Strafe vorsagte: Du darfst nicht in Den Garten gehen, Du darfst Deine Geschwister nicht küssen , du darfst Dem armen Manne kein Alimosen reichen: so würden wir weit mehr gute, zufriedene und fühlbare Seelen unter Dem Volke antreffen, als itzo. Durch die gewöhnlichen Drohungen: du mußt ein Handwerk lernen, Deine schönen Kleider hergeben! werden Die zarten Empfindungen auf das schädlichste verderbet. Ueppigkeit und Stolz sind Die zukünftigen Früchte von einer solchen Aussaat. - Der Raum dieses Blattes erlaubet nicht, Die verschiedenen Mittel zu benennen, durch welche Der schöne Geschmack an vernünfti- geir L75 W^cheubUtk. aen Vergnügungen erlangt wird. Ich M nur die schonen Wissenschaften nennen, die vorzüglicher Weise, wie die orphessche leier , vie Gewalt haben, aus Thieren Menschen zu machen. Em Jüngling, den Die liebe zu ihnen emfiammt, wird in der Wahl leinet greuöen ich, uni bcy dem Genüsse ruhig seyn. Die Begierde,^ die dessen Schriftsteller aus verschiedenen Jahrhunderten und von Nationen zu leien ; wird ihm die Gelegenheit nehmen, in müßigen Stunden giftige Leidenschaften zu unterhalten, oder Gesellschaften zu besuchen, die seine Sitten verderben können. Wenn er mit Kieisten in der Hand die blühende Fruhlingsgegend durchirrt, l o wird ihn dieser auf hundert Schönheiten der Natur aufmerklam machen, die er jonst nicht gesehen, nicht empfunden hatte. Denn die feurige Einbildungskraft des Dichters entdeckt überall Gegenstände des Vergnüge s, und entwickelt aus einer angenehmen Empfindung zehen andere. Selbst die glückliche Nachahmung der Natur und Die Schönheit der Sprache welche der aufmerksame Kenner beobachtet, gehören unter Die Freuden und Vergnügungen eines vernünftigen Mannes. Wmn ich aber immer von angenehmen Empfindungen und Freuden rede: so Dürfte mancher fromme Leser befürchten , ich wollte der Weichlich- feit das Wort reden, und alle Tugenden, Die neunter Men unD W* tbcn geboren werden , verachten. Das sey ferne! Der Anblickes für sein Vaterland kämpfenden Helden oder betenden Greises schäft meiner Seele eben soviel Vergnügen als die Aussicht auf eine schone Gegend ; und die Stunden, die ich mit Lesung des Homers zubrachte sind mir eben so schazbar als diejenigen, so ich Dem ftölichen Anakreon weihete. , So wenig als ein Widerspruch ist, König und guter Vater zugleich zu sein, eben so wenig schließt die heroische Tugend die sanfte aus ; und derjenige der sich Den süßen Empfindungen Der letztem überläßt, ist kein Feind Der bsten. Gleim singt als Grenadier und als Priester Der Freude und Weiße als kriegerische Amazone und als Liebling Der Kinder. Wenn Der Mensch nur allezeit seine Freuden an Der Hand Der Einfalt und Natur sucht, so Darf er sich weder zum Weichling erniedrigen, noch in Dem Fasse deS Diogenes Grillen fangen >h Te Ein-und auspaßirende t>otn ro. August bis den 27. August 1774. Herr Amtmann Liebknecht von Kleberg, log. im Hirsch. grau von Nedecken von Franckfurth, log. im PosthnuS, ..n- 1 ■ Herr 28« wschenbla-t« Herr Baron von Böcken Kurpfalzischer Geheimderrath, pass, durch. Herr Lieutenant von Dittforth, in Heßischen Diensten, pass, durch. Herr Regierungsrath Stock von Braunfels, paßiret durch. Herr von Rappenbach, Kaiserlicher Capitain, log. im Einhorn. Herr von Reitheim Preussischer Lieutenant, log. im Einhorn. Herr von Rau, Kammerherr in Heßischen Diensten, pass, durch. Herr Graf Zech, Kursachsischer Gesandter, paßiret durch. Jhro Durchl. Printz von Braunfels, und Herr Capitain Romrath, paff, purch, Rerr Regierungsrath Wimpf, von Weilburg, pass durch. Herr Hofrath Hofmann von Wetzlar, paßiret durch. Herr Major Buff von Wetzlar, paßiret durch. Gebühren und Geraufte. Am if. August Johann Philipp, Christian Daniel Lehrmund, Burgers und Beckers, Söhnlein. Am 20 August Philipp Conrad, Jacob Hoß, Burgers und Schreiner- ' nüssters? Söhnlein. v Beerdigte. Am i. August. Johann Friederich, Johann Andreas Weisen, Burgers und Nagellchmidts, Söhnlein- Am 2. August Johann Bernhard Lampus, Burger allhier. 1 Am 4- Aug. Elisabetha Christina , weiland Johannes Löberö Burgers und Sreindeckers, hinterlassene Wittib, alt 77. Jahr. Am f. August Catharina Elisabetha, Heinrich Hartmanns, Burger und WciSbinder, Töchterlein. Am 6. August Carolina Augusta Louisa, Sr. Magnificenz Herrn O.und Bergrath Baumers, zeit. Rcctoris Tochter. Am 7 August Johanna Amalia Magdalena, Hedwig Herrn Phil. Carl Elwert, Hochfürstl. Regierungs und ConfiUorialfccrcrarii, Töchter!. Am 8- August Catharina Margaretha Hündorfin , Michael Hündorfs, Burgers und Schneiders, hinterlassene Wittib. Alt 67. Jahr. Am iv. August Johann Conrad Hering, weil Joh. Heinrich Herings, Burger und Fuhrmann allhier, ehelicher Sohn. Alt 33. Jahr. Am IX. August. Friedrich Daniel, Philipp Gerhard Fillmanns, Burgers -- -*und Zimmermanns, Söhnlein.