Gttsstr W »HMMk. Sechs und Zwanzigstes Stück. Dienstags den 2.8. Iunü 1774. Mit Hochfürstl. Hessen Darmstädttschcr gnadlgster Erlaubntß. Wir glauben , unfern Lesern einen nicht ganz unangenehmen Dienst zu erweisen, wenn wir fie dießmahl mit einem Gedichte unterhalten, daömBe- richung auf seinen Verfasser, der ein gemeiner Bauer in der Pfalz ist, wirklich einige Aufmerksamkeit verdienet. Wir werden bei) baldiger Anzeige eines andern Gedichts von Ebendemselben, mehrere Gelegenheithaben, dem Publikum eine kurze G.schichte von ihm mitzutheilerr. Der kluge Bauer. /?Xenkt, Herr Gevatter, was man spricht; ^)Man sagt, Die Erde soll sich drehen, CXV Die Sonne aber nicht. Was sagt Ihr? Wie, die Erde soll sich drehen, Die Sonne aber stille stehen? O welch ein läppisches Gedicht! Das glaubt ein Kluger ewig nicht Was ich mit meinen Augen sehe, Das kann mir niemand anders machen. Gevatter, denkt, ich muß nur lachen. Wie rann <ö feyn, daß fi* Oie Erde drehe? 2 er wochenblntr. Bedenkt mans fteylich mit Bedacht, So geht die Sonne, nicht die Erde. Ich hätt' auch selber nicht gedacht, Daß dieser Mann, der mirs gesagt Den Jrrchum noch behaupten werde. Allein er glaubt es allzu sehr Wollt' mirs aus Büchern gar beweisen, Und sagte mir, wie sie geheißen; Jedoch ich weiß es schon nicht mehr. Was Bücher? zum Beweiß soll man da Bücher brauchen? Man kann ja schreiben was man will. Man widerspricht ja seinen Augen, Sagt man, die Sonne stehe still. Und dann, lwie wird es möglich seyn, Daß dieses Holz, daß dieser Stein So liegen blieb? Und wenn sie sich nun umgedreht, (Wie wohl sie stehet still, ich wette.') Daß nicht ein jeder aus dem Bette In seinen Estrich fiel; und das war unerhört. Gevatter, ihr ftyd recht gelehrt, Könnt mir die Sache recht begreiflich machen. Nun muß ich selbst den guten Mann belachen, Der, wie man hört, doch sonst gescheidt soll seyn, Und doch so sehr in seiner Meinung fehlet, Er sagte gar, als ers erzählet: „ Es stimmen alle Klugen ein „ Könnt', wenn ihr wollt, auch die Gelehtten fragen; „Die werden, so wie ich, euch sagen; „ Daß sich die Erde drehe, „ Die Sonne aber stille stehe." Nun das ist gut! Bald komm ich in die Stadt; Die Sache will ich schon erfahren. Dem Herrn, der grade Brennholz nöthig hat, Und der in drey - vier Jahren Dasselbe Wochenblatt 2.0$ Und Ich Und So Und Bis Auf Dasselbe all' von mir geknegt, Dem bring ich morgen wieder einen Wagen, den will ich darum befragen; weiß, daß Der mich nicht belügt; wird mir traun! die Wahrheit sagen, sprach der kluge Bauer mit Bedacht, schlief die Nacht in Zweifel und m Sorgen daß er sich bey frühem Morgen seinen Weg gemacht Er kam dahin, und ist ihm recht nach Wunsch gegangen, Denn kaum hat er die Zahlung noch empsangen, So bracht er seine Frage an: Obs möglich sey, daß sich die Erde drehe, Die Sonne aber stille stehe'' ja, sprach der gelehrte Mann, Nicht möglich nur, eS ist gewiß, daß es geschlchet, Ob man gleichwohl die Sonne gehen siehet, So steht sie dennoch still. Der Bauer, der die Sach mcht glauben will, Die er von diesem Manne hörte, Gieng fort, und dachte, der Gelehrte Müßt etwa schon betrunken seyn; Nock siel ein anderer ihm em. , Er gieng, und fand ihn noch im Negligee, Nun werd ich, sprach er, mcht belogen r Denn er ist noch nicht angezogen. Und trinkt ja noch an seinem Lhee. Allein wie stuzt Herr Lips, als er Auf seine wiederholte Frage, Daß sich die Erde alle Tage Um ihre Axe dreht. Und jährlich um Die Sonne geht. die Antwort hört Daß unsre Erde geht, das können wir nicht sehen, Weil wir mit unserm Fuß selbst auf der Erde fu^en. ro4 Wochenblatt. Gesezt ich bin in einem Schiff, das wirklich geht, So wird ein Baum, der an dem Ufer steht, Mir immer fort zu gehen scheinen. So steht die Sonne stili, ov wir es schon nicht meinen, DaS Schiff scheint stili zu stehn; Weit ich zugleich mir diesem Schiffe fortgerücket werde; So eben gehet unsre Erde Auch mit uns fort, ob wir es schon nicht sehn, DaS macht, weil wir selbst auf der Erde stehn. Nun gut, mein Herr, das will ich heut noch finden; Sobald ich nur zu Hause bin, Dann mach ich einen Strick grad übers Hosthor hin, Und an den Strick will ich mich schwebend binden. Nun, wenn sich dann die Erde dreht So muß ich, eh' ein halber Tag verfloßen, An meines Nachbarn Scheuer schon anstoßen; Wenn dieses aber nicht geschieht; So wißt, mein Herr, daß sich die Erde memahls dreht, Und daß Ihr es nicht halb versteht. Ja rechts das thutl Ihr werdet sehen.' Wofern Ihr nur den Strick recht um den Halß gemacht, So wird sich schon die Erde drehen, Eh Ihr «och recht daran gedacht. Maus. Fortsetzung des in vorigem Blatt angefangenen Stücks: vom Einfluß der schonen Wissenschaften auf Philosophie. Der Nutzen, den die schöne Wissenschaften in dem Reiche der Gelehrsamkeit gestiftet haben, ist allzu sichtbar < als daß man ihn unter Wort- geprange der Welt anpreisen sollte. Wer noch daran zweifeln kann, werft nur unpartheyische Blickeins umgeschaffene Feld derPhilosophie,und vergleiche es mit dem elften und zwölften Jahrhundert: gewiß wird er bekennen müssen, hat er anders kein empfinddungsleeres Herz, daß Tro- ckenheit und P danterey in der Philosophie damahlö zu Hause gewesen, mrd sof W»chenbUkk. k.c rtßm h bi6 verwaißte schön- Wissen schast-ninDeutsch« 8Äd?aufMEM«wurden, Philosophie in neu« G-stal'l.rschi-n-n. Denn Mk ebne schöne Wissen,chasteo Philosophie nicht mS trock-n-und ectelbafte? Der Scholastiker bemühte sich mehr durch schädliche Spchsin Ä-iken und dialektische Wortkri-g-, seine Ehre b«y v«r Nachwelt zu b-. ftrtincn. nid Burd) eian« Forlchung der Wahrheit. Er vereinigte VIS losophie deS Erzvaters Aristoteles mit der Theologie, und wer kann sich vab« wundern, daß durch diesen sonderbaren Kontrast der Versa» der Kirche nicht weit entfernt war ? zumal da durch den schändlichen * mus e nem -den züg llosen Menschen der W-g zurAth-ist-r-Yausg Ean^vur de - Er befand , um diese Finsternis zu erhalten, -'ne barbarüche Sp a- cho- nnh seine in unverständliche Kunstwörter emgchullte Satze, warm hi r-"ch-nd g ug, Dor-or Ang-licuS, Seraph,cuS und Komesior zuwer- ylnr-lwenv g « j(-t Die dieser aufgeblasenen , mittelmaßr« .wv wakl am schlechten Gelehrten in den Augen einer -insichtovoll-m Und wer kann daher Luthern, im Fall man ihn auch nur als ^amw^vb betrachtet, wer kann diesem für die Menschheit so wvhlth-U'g-n J i m° BE.d°rung versagen, wenn man überlegt, nut welchem , c ’ hip (S^cdolastick anariff? Und woher entstand in diesem finsteren Q^tnnncfi» iencS starke Gefühl des Schönen^ das wir so selten , an ihm vermissen - Er bestbastiate sich mit der Dichtkunst, l'nds-ineUeb-ri-tzung B . Äwei »eiak un«, mit welchem Geschmack er den Geist des Dicht-rS nusmdrücken q-wust Sein treuer Gefährte Melanchton folgte ihm auch m.r nnen; und welches £id)f würde sich über di- Philosoph,- ausgebre.t t n ! n barte er nicht, nach Italiener Brauch, di- Philosoph,-der Gne- m-n"b'-nbekalt-n wollen. Jtzo lebte sectirischer Geist in der Philosoph,« wieder auf Unsere Theologen halfen selbst dazu, weil sie di« Scholastik iur Widerlegung der Papisten für nöthig hielten, und auf diese Artwur, den ^a!d alle Wissenschaften wieder durch aristotelischen, trockenen Wort, kr im verunstaltet Nur Baco von V-rulam wurde in V-rb-ff-rung des cn rgandes und einer freyern Philosophie ein glückliches Muster. Durch Mn önnen wir itzv in -in lichtvolles Feld der Wahrheit hm-m schauen; er v-chte uns Vie wichtige Lehre von den Vorurtheilen auf. Und wer weiß, »k “.’ibnifi und ThomasiuS würden zum Vorschein gekommen seyn , hatt f'*. öle Bahn gebrochen Er verscheuchte die aristotelisch- Philosophie. Die stüüg- verräth Geschmack an schönen Künsten und Wiff-Mask-n - Wolf folgt« ihm »i-rinnen rühmlich,^ndob gleich das ferne Gesund«; 206 wochenbläte. Schönen noch manchen Zusatz bey ihm gelitten, und ihn von derallzutrocke- nen Methode weiter hatte entfernen können, so übertraf er doch hierinnen feine blinve Nachahmer. Seit der Zeit sind die schöne Wissenschaften in Deutschland immer höher gestiegen, und eben dadurch auch Die Grazien der Philosophie. Nur einem Wieland, Moses, Dübes, Flöget, Jjelin und Lamoert war es ausbehalten, oie tiefen Fallen des menschlichen Herzens durch die Schönheit ihres Geistes zu entdecken, weil sie den vortrefii- chen Mustern der Alten folgten. Jndeß must aber auch Philosopie, wie einige unsrer neuern Weltweisen getban haben , nicht die Hauptsache im Vortrage leyn, um nur gelesen zu werden Nein man lasse stchs mehr angelegen seyn, die W ihrheit schon zu sagen, als dem Leser zu gefallen. So philosophirte Sokrates, Plato und Xenophon. Ihre Philosophie ist eine geistreiche Moral, die durch Den narin neben Stil um so viel intereßan- ter wird, jemehr sie in dem Herz des Lesers Eingang findet. Novitz. Die Gans und die Schwäne. Eine narrische, unwissende, und eitle Gans, die lauteste von Der ganzen geschwätzigen Heerde, machte einstens Mit Stolz und ausaestreck- tem Halse allen übrigen Den Rang streitig. y 1 ecr Ich lache nur, sagte sie, über die Menschen; sie sprechen, dieGan- fe wakeln in ihrem Gange. Seht her! - Die Verlaumdung ist offenbar; kein stolzer Mann geht so aufgericht. Jener Pfau dort! Himmel' wie stolz ist nicht das Geschöpf auf seinen prächtigen Schweis! und wären wir beyde ausgezogen, so wollte ich drauf wetten , eine Gans würde ein weit schönerer Vogel seyn Die Natur bedecket, um ihre eignen Fehler zu verb.rgen, ihr ungeschicktes Geschöpf mit einem schönen Gewand. Wären die Ganse nur mit halb so vielen Zierrathen geschmückt, würden Die Menschen wohl den Pfau bewundern? Gewiß nicht Unter solchen Prahlereyen gieng sie über Die Wiese. Die geschwätzige Heerde begleitete sie auf ihrem Spatziergange. Die Sonne schoß ihre mittäglichen Strahlen herab, die Schwäne spielten auf den Teichen ; ibt schneeweißes Gefieder, und ihr edler Stolz reizten die Galle der thörichten Gans. Da sehen wir wiederum, schrie sie, was der Hochmuth thut' - Diese armen Geschöpfe! Wie sie mir cs nachmachen l Muß Denn jeder Vogel 2.0*1 Wochenblatt. Die siä) in Lick befindliche deutsche Schauspieler, werden bis Don- uerstaa ein moralisches Schauspiel aufführen in dreyen Aufzügen, genant, der ehrliche Verbrecher, zur Nachcomüdie, der bestrafte Hochmuths Wo- iU recht höflich invitiret Johann Gottfried Bohrmg. Lich "en ?o. ^unii 1774 P- Drrector der Geseüschaft. N. B. Biß Montag ist die Zayre in 1 Abhandlungen in Reimen Versen. Ein- Nachricht. ES werden die Herrn Gönner unseres Wochenblatts geziemend ersucht mit Anfang dieses halben Jahres ihre Pränumeration einzusenden, damit man dieselbe ferner bedienen möge, diejenigen aber so noch zurucke werden gebeten ihrer restirenven Schuldigkeit sich zu erinnern, und den Betrag dafür zu errichten. -Voael auf dem Wasser Herumstreichen, weil man von uns Gänsen weiß, daß wir schwimmen? Sie sollen bald Demuth und ihr eignes Unvermögen einschen lernen. So sagte sie, und mit ausgebreiteten Flügeln flatterte sie leicht auf dem Wastcr dahin. Ihre Brust schwoll auf, sie spreitete ihre Federn, und wollte es des Schwans prächtig gewölbtem Halst nachmachen. Aber Verachtung und Spott folgten ihr nach , und ein lautes Gelachter erschütterte Die Fluch. gin Schwan, der sich von den übrigen ausnahm, schoß hervor und redete die Närrin an: Betrogenes und aufgeblasenes Ding ! Wir alle belachen deine Er« e-lkeU Oi-s- wichtigen Minen verrakhen nur deine Ungeschicklichkeit , un° » gen deutlich, was du b>,t. Unter der großen Heerde von de,u-s Gle'. ch-n warst du dem öffentlichen Gelachter entgangen , und man hatte dch ,u deinem eignen Besten für eine gute, ehrliche, wackelndeGans gehalten. kerne die Grundsätze der Weisheit wohl prüfen. Wisse, alberne lRkiniaffen stnd der Stolz der Narren, und indem du Vollkommenheiten Men w,ist, Die Du nicht hast, so entdeckst du bloS deine Fehler. 8or Wdchmbraee« Ein-und auspaßirendevom i8. Junii bis dm 2 s. Ium. 1774» Herr Cammerherr von Rau, paßiret durch. Herr von Schönstakk, paßiret durch. Herr v. Wyckhausen, Fähndrich in Holländischen Diensten, log. im Posthaus. Herr Regierungsrach Schmitt, und Herr Kammerrath Martin v. Darmstadt, log. im Posthaus. Herr von der Lahr, Lieutenant vom Regiment Gensdarmes, von Hessen Cassel, paßiret durch. Ihro Durchlaucht Prinz Friederich und dero Gemahlin Königliche Hoheit von Würteuberg, nebst dero Suite, pass durch. Herr Regierungsrath Rayß, und Herr Rechnungsjustrfitator Müller von Darmstadt, log. im Postkaus Herr von Waltner, Rittmeister in Französischen Diensten, log. im PostbauS. Herr Jngenierlieutenant Feiler, und Herr Steuerrath Kolbe, von Darmstadt, log. im Posthaus. Ihro Durchlaucht verwittibte Fürstin von Waldeck, nebst dero Suite, paßiret durch. Freyherr von Boos zu Waldeck, Domherr zu Hildesheim, pass, durch. Herr Baron von Malle, Präsident von Hessen Cassel, log. im Posthaus. Frucht-und andere Prci fl. alb. i Achtel Korn 1 4 i Achtel Gerste t 2 20 1 Achtel Weitzen 7 15 1 Achtel Hafer - , 25 1 Meste Erbsen - 16 1 Meste Linsen - 16 j Pfund Hirse - 2 ;e a pf» 4 m ib. i 1 1 1 1 1 1 Marttag den 2$ Juni, alb. pf. Ochsenfleisch # 3 Kühflelsch ,24 Rindfleisch - 2 2 Kalbfleisch - 2 2 Schweinefleisch 2 4 Hammelfleisch 3 Schaffletsch '774-lGießer Ä 1b. i »Karpfen 1 Hecht - 1 Persing , ilBrascm t 1 Schleyen 1 Butter t Raat alb. 5 6 6 I 3 4 pf. 4 4 Pfund. fi. alb. pf. 1 Pfund geschälte Gerste - - 1 1 Pfund klein ge- schalle Gerste - 4 x MaaßFruchtBrandew.i2 x Meste Saltz 20 alb. 4 alb 1 1 1 1 .1 Bockfiersch - Wurst - - 3 Kalbögelüng 2 2 Kalbs-Leber 2 2 )f. Bratwurst 5 ald. iPf. 9 Rindsfett 1 9 Hamelsf. 1 i Lichter 4 8 Eyer inländische Seh 'S »5 7 2 e6o lh. alb.' pf. Loch. Qu.! 3 19 f !alb.!pf. * 4 I - '4 Weck - , 3 1 Taigscher, I Brod. t $ 4 Butter Bretzel - 4 - 8 ‘ rZ Becker-Preiß. Korn zu 4 fl.rzalb. Weitzen zu 7fl. izalb. alb.rpsii W.lLoch Qu.l