Gicsstr Wochenblatt. Vier und Dreißigstes Stück. Dienstags den rz. August 1774» Mjt Hochfürsil. Hessen Darmstädtischer gnädiger Erlaubniß. Von der Mache der Sinnen auf das Herz. terentivs. Nullum oft iam dictum, quod non di&um fit prius. Quare aequum eft, Vos cognofcere atque ignofcere Ouac veteres fa£litarunt > 11 faciunt novi. ist eine sehr bekannte Sache, daß die äußern Sinne der Menschen (y Viei aeschwinder, stärker und lebhafter Überzeugen, a!S die gründlich- nen beweise der Philosophen. Alte und Neuere stimmen hierlnnen völlig überein, und eine tägliche Erfahrung fetzet diese Wahrheit über alle aweifel hinweg. Die Gesetzgeber der ältesten Völker waren hiervon zu gut unttrrichtet, als daß sie sich diese Bemerkung zur Unterstützung ihrer Absichten hätten sollen entgehen lassen. Sie erkannten gar bald , wie leicht man ein Volk nach seinen Wünschen lenken könne, so bald man d,< Sinne desselben überrascht, und auf seine Seite gerächt hafte. Das -Ohr unö Auge behaupten hierinne ohne Zweifel den Vorzug vor denen übrigen. Durch Bezauberung des erster» rettete Tyrkaeus sein Vaterland, als schon sein Untergang unvermeidlich schien, Einer Nation, welche mehr als em- Wochenbett. 266 mal vor ihren Feinden geflohen war , welche im Begriff stund, sich aus Gnade und Ungnade demUeberwinder zzr ergeben, jenen kriegrischen Much wieder einzuflößen, der nöthig war, eine geringe Anzahl aus der Schlacht entronnener Flüchtlinge zu Ueberwinderu eines Heeres zu machen, das des Sieges gewohnt war, dieses war gewiß ein Unternehmen , welches einen fast eben so großen Geist erforderte, als die Bezwingung Asiens, dessen Bewohner sich in dem Schooße der Wollust entlarvten. Und dieses thatder Dichter, dem die Macht seiner Lieder bekannt war. Wir haben Aerzte gehabt, die durch die Starke der Tonkunst Krankheiten vertrieben. Thales von Milet curirke die Pest, indem er auf der Citter spielte. Em- pedokles fieng an zu singen, um einen jungen rasenden Menschen zu besänftigen. Asktepiades und Xenokrares heilsten nicht feiten mit den Tönen der Musik. Und wem ist das Beyspiel SaulS aus den heiligen Schriften unbekannt, von dem derböseGeist *) wich, wenn Davids Harfe erklangt Den Unsinnigen, welcher keinen Schöpfer glaubt, überzeugt fein Gehör, wenn der Donner in finstern Gewittern einherrollt. Ja, was noch mehr, selbst die Religion hat sich der Sinnen als den sichersten Eingang in das Herz nicht unglücklich zu bedienen gewußt. Die ernste, volle, majestätische Harmonie eines Kirchenstücks von Graun oder Bach erregt die schläfernde Andacht geschwinder und gewisser, als eine langweilige und leere Predigt. Selbst der simple Choral flößt dem Zuhörer eine Art von Ehrfurcht ein, welche ihm zu dem folgenden aufmerksam und geschickter macht Diesen Vorzug allgemeiner Gesänge, welchen wir von -der römisch-katholischen Kirche haben, hat diese mit dem besten Erfolge Durch die Menge ehrwürdiger Gemahlde zu ersetzen gewußt, eine Erfindung, welche sie von denen ältesten Völkern entlehnt hat. Griechenland und Rom bedienten sich derselben, die Ehrfurcht gegen die Götter zu erwecken und zu erhalten , und ihr haben wir ohne Zweifel großen Theils jene prächtigen Denkmäler der Kunst zu danken, welche auf unsre Zeiten gekommen sind. Die Eindrücke, welche ein zorniger Jupiter, eine ernährende Ceres , und überhaupt jene große Anzahl von den Bildern der Gottheiten , unter welchen man die erhaltenden Kräfte der Natur, die man- nichfaltigen Vollkommenheiten des höchsten- Geistes, und die Tugendendes geselligen Lebens personificirte, auf eine aufmerksame Versammlung machten, konnten nicht anders als durchdringender und überzeugender seyn,als ' " die *) Ob man unter diesem Ausdrucke ver Schrift eine Melancholie verstehen müsse,, oder nicht,, dieses überlassen wir der Entscheidung dec Gotteögelehrten. V Wochenblatt- 267 .n. ?n?Ayaf Daker wir wenig Völker antreffen, welche iKre^Götter unter sinnlichen Bildern verehret hatten. Die Geten und Ä S i5i allein von dieser Gewohnheit ab; und waS “a «1 so ist es bekannt genug, daß sie bey ib» r m GnfalU in Griech-niand alle Tempel verheerten, die sie darinnen fan- L‘*j( fie üic V-rstch-rung hatten, daß Golk, welcher unendlich wäre, L eingeschränkt, noch in einm Tempel verschlossen seyn könne Eben ni-selb-n das höchste Wesen durch keine Bildsäulen vor; ibm bloß auf erhabenen L)erkern ♦). Der Anblick der Sonn« vertrat bey ihnen die Stelle der Bild» faulen und der Gemälde. svßnl, welches ausali-S aufmerksam war, was etwas zu seinem Zwecke, die Herrschaft über die Welt zu erlangen, betragen konnte , ent. deckte aar bald den Einfluß der Sinnen auf das Herz; es brauchte -jel* hCn . piefe outd) mehr als ein Jahrhundert sich zu verschaffen , erfand es d n Dom» desTriumphs, -in Anblick, der Mn Burger entstammt«, lieb'übet die Gefahren der Alenschlichkeit zu erheben, und durch fein Blut ^br-nbe^auna-n UI erkaufen, welch« man dem würdigsten vor den Augen ckn-s ganz-^Volk-S -rth-ilie. Die ber-dk-st- Abhandlung eines-r- bitzken Enthusiasten von dem Tode vor das Vaterland wurde diese Wirkungen weder so plötzlich noch so häufig hervorgebracht haben. BrutuS reute nicht durch lange Reden das unent|chlüßige Volk zur Rache; erzeig» tt ibm bloß den von den frischen Blute der entehrten Lukretia rauchenden Dolch, und dieser Anblick war mächtig genug , den Thron des Üttheil erwartete! gstng mit schlechten Kleidern »nd aufgelöstem sÄSdÄMÄZÄm • wocheublatt. • anzustellen. Der Schrffbruchtige nahm eine Ta- ftl, Uch sem Unglück Varaufmalen, und durch dieses Gemahlde öffnete er sich das Herz, und die Reichthümer der Fremden. Alexander, dem die ^äusühlbare Seele gegeben, ward durch ein Ge- malde des Aristides heftiger bewegt, als durch die unzähligen Verwüstungen, die ferne ^Lrege begleiteten. Aristides zeichnete unter andern Gräueln emer eroberten Stadt ein kleines unmündiges Kind , wie es zu der Brust der sterbenden Mutter hinankroch, die Mutter ringend mit demna- ven/Lode verrath noch m der verlöschenden Miene die Angst, ihr Kind möchte Blut für bestockende Milch einsaugen, und stößt es mit schwachen Han^n zurück. Hieraus kann man gar leicht ersehen, wie viel die bildenden Künste zur Verbesserurig des stttlichen Menschen beytragen können, und umleicht es einem geschickten Maler sey, der beste Moralist zu wer- den. Seme Sprache ist allgemein, schnell und überraschend; die Eindrücke, welche er indem Herzen zurücklaßt, sind unauslöschlich. Manschrän- ke aber za nicht die Wurkungen guter Gemälde auf bloßes Mitleiden ein; chre Verdienste um die Tugend erstrecken sich weiter, und jede Leidenschaft kann von ihnen jene Richtung erhalten, die ihrer Bestimmung gemäß ist. Wiemachtig wirkte nicht jedes Gemählde des Methodius auf das Herr emef bulgarischen Prinzen. Eine anhaltende Pest hatte von der Ohnmacht fttner heidnischen Gottheiten überzeugt, dem ungeachtet aber sträubte er sich noch, durch Annehmung der Taufe den Tri- Umph der christlichen Religion zu verherrlichen. Dem Pinsel eines römi. schm Mönchs war diese Bekehrung bestimmt. Methodius zeichnete das jüngste Gericht; zwar fehlte ihm ohne Zweifel die Stärke eines Rubens m der nämlichen Vorstellung , aber die WürkunM desselben mrdstnm Bewunderung. Bogoris sah es, und blieb starr und unbeweglich an demselben hangen. Kaum kam er wieder zu sich selbst, so verließ er d-» Ironischen Unglauben, und begab sich mit seiner ganzen Familie durch die Taufe in den Schooß des Christenthums. Sollte wohl ein ganzer Zangvon Predigten aus dem Munde dieses Mönchs so viel Gewatt über sesheidnischen Königs gehabt haben , als seine Hand durch dre ^Mcht der Malerey? ich werde so lange daran zweifeln, als die sinnst- ^7-^egrlffe ihren Rang von den Ideen des Verstandes behaupten, und stärkere Leidenschaften hervorbnngen werden. Ein ähnliches Beyspiet lie- fttk uns Gregsnuö von ratens in der Geschichte der BachÄtt' Bachs, r6- wochenblatö ,, Bachidr'dtt / eine junge Ausländerinn, deren Schönheit eben in die dolle Blüthe getreten war, begab jtd) kurz nach dem Tode der bekannten Asvasra nach Achen. In einer Stadt, wo man sich gewöhnte, t)i< alte tapftrkeit der Griechen, die nüchterne Klugheit derselben in Regierung h6g Staats, die Unschuld der Sitten und die Enthaltsamkeit voLallem, was die persische Weichlichkeit einführen konnte, vor gabeln und Vorur- theile zu yalten, war es ihr etwas leichtes, ihr Gluck zu machen. Außer dem Reize der Neuheit, und der Grazie des Umgangs verschafften ihr die Vollkommenheiten der Seele und des Körpers eine allgememe Bewunde- runa Sie war dem Maler das Original, wenn er eine Venus, Diana, oderHebe zeichnete, und der Dichter sang sie , wenn er zur Verehrung der ^üno unsterbliche Hymnen verfertigte. Die Zungen Achemenser, bey d neues gebräuchlich ward, von schwelgerischen Gastmalern in die Versammlung des Volkes ohne andre Verdienste zu hupfen, stoßen m ihrer Wohnung zusammen, und schütteten ihre Reichthumer m ihren Schooß. Freude und Wollust bedienten ihre Tafel, und Bacchus taumelte unter den schönsten Tänzerinnen herum, polcmön / einer von den angesehnsten et«M, k-mzufällig-r'W-ise in Diefe G-s-Ma k, mv warv na, batü d-r ili-bling her wollüstigen Bach'.dion. Die Seele Ves ^ung' lingS war nicht lasterhaft, er war zu früh an die Tugend gewöhnt, unge Leute von allen christlichen R-ligionspartheyen in allen HanBlungswissen, schäften und dazu gehörigen Erkenntnissen und Sprachen , von> den g«. schickkesten Lehrmeistern Unterricht gegeben werden wirb. _$)tefe AcaBemi» !wrd unter Allerhöchster Genehmigung und Protection Sr. glorwurdigst regierenden Römisch Kaiserlichen Maiestat den Namen der Rarscrlrcheir "iofepbtntfcbeit Handlungo « Academre führen , und binnen kurzen, wird ein ausführlicher Errichtungsplan in Druck erscheine», « us welchen man von der ganzen Einrichtung sich ganz umsianvuch wird unterrichten können: miilerweile können sich Herrschaften und Eltern an Bas hiesige Kaiserliche Aviscomkoir adBreßiren. Die Lage unsers Orts lasset von die» sem neuen Institut Ben glücklichsten Erfolg für D-uilchland hoffen. Cjn bet Kriegerischen Buchhandlung sind folgende Wiener Ausgabe» . um billige Preiße zu erhalten. Rabeners Satyren 4 Theile 8. ? fl. Linne Specics Piantarume Tomi ST 8. lldit. ;tia Vindobon. 1764. 6fl. Gellert sämtliche Schkif- ten mittet Moral Wien 177). 4fi.4t kr. Kleist sämtliche Werke 8. -Wien 45 kr. von Hagedorn sämtliche poetische Werke 3 Theile 1 ft. z o kr. Einleitung in die schönen Wissenschaften nach Bem Französisch. Herr» S7L Wochenblatt. Batttux. mit Zusätzen von Ramler ^Ttzeile umo z fl. Kloppstock Messias ) Theile umo Wien 1771. 3 fl. Dusch moralische Briefe zur Bildung des Herzens r Theile 8. Wien 1774* 1 p. 8 fr. El'n-und nuspassirende vom 13* August bis dm ro. August 1774» Herr Graf von Seoboldsdorf, log. im Einhorn. Ihrs Durchlaucht Prinz Retzonico, paßiret durch. Herr Landcajsier Bauer von Braunfels, paßiret durch. Herr von Dittfurch, Kaiserlicher Reichskammergeritchsassessor nebst dero Frau Gemahlin, und Herr Lieutenant von Dltlsurth von Marburg, paßiren durch. Herr Rarh Sippmann von Wetzlar, paßiret durch. Herr von Sollickhoffer Capitain vom Regiment Waldner in Französischen Diensten, log. im Einhorn, Herr Obrifl von Schorokoföky von Darmstatt, log. im Einhorn. Herr Regierungsrath Rayß, und Herr Rechnungsjustificator Möller von Darmstatt log. im Posthaus. - Frucht-und andere Preiße am Marklag den 20. August 1774. Gießer Maas ' st« alb. pf.ft. alb. pf. i Achtel Korn , 3 1 Ochfenfleifch , ; 1 Achtel Gerste > 2 5 1 Kühflerfch , 2 4 1 Achtel Weitzen 6 1 Rindflersch - 2 r 1 Achtel Hafer - 1 25 ^Kalbfleisch - z 4 r MesieErbsen- 16 »Schweinefleisch 2 6 r Meste Linsen - 16 i! Hammelfleisch 2 4 1 Pfund Hirse - 2 1 Schaffieisch r Pfund geschälte 1 Bockfieifch - » 4 Gerste - - 1 4 1 Wurst - # ; i Pfund klein ge- , K'albögelüng 2 4 /chälle Gerste- 4 »Kalbs-Leber 2 4 i MaaßJeucht Brandew. 12 alb. i Pf. Bratwurst gnlb. 1 Pf, 1 Meste Saltz 20 alb. ft. 1 Karpfen 1 Hecht - 1 Persmg , 1 Brasem , 1 Schleyen 1 Lutter - -o >0 « en <3____ pf. 4 6 Pfund. fl. alb. 9 Rindsfett 1 is 9 Hamelsf. 1! koth. 22 ir Becker-Preiß. Qu. Brod, f 1 Butter Bretze salb.' pf. Weck - 4 2 1 ! Taigscher 8 ' 1$ Korn zu 3 fl. 15 alb. Weihen zu 7 fl. salb.' pf. w.! Loth. Qu.! alö.ipf. f >4