Gttffkk Wochciiölatt. Zwey und Vierzigstes Stück. Diettstags dm i8. Oct-br. i?74» Mit Hochfürstl. Hessen Darmstädtischer gnädigster Erlaubntß. Eine Erzählung. Der Nutzen der Maxime , Ernst und Fröhlichkeit in allen unfern Beschäftigungen mit einander zu verbinden, welche schon viele von den altern Philosophen ♦) eingesehen haben, wird durch folgende Erzählung, die wir nebst den angehangten Reflexionen darüber, auS dem Englischen übersezt ♦* *) haben, noch mehr bestätigt. L^ch gieng einst ganz aufgeheitert auS meiner Stube, als eine Kutsche \ vor meiner Thür hielt, und ein junger Mensch von ungefehr fünfzehn C\J Jahren, den ich gleich für den Sohn meines vertrautesten Freundes ansahe, aus derselben stieg. Bei seinem Anblick empfand ich ein groseS Vergnügen, indem sich meine Vekantschast mit seinem Vater, da er fast in eben dem Alter war, angefangen hatte. Er ergrif als er zu mir kam, T t mich *) So sagt z. B. Plinius in einem seiner Briefe: Es ist im gemeinen Leben söwol, als beiden Studien, wie mich deucht, das Schönste und Anständigste, Ernsthaftigkeit und Scher; mit einander zu verbinden , damit nicht dieser zum Muchwillen und jene zur Traurigkeit ausarre. ♦*) S. dir Wochenschrift: rö, Nro. 114. zz-r WSchenblaM. mich bei der Hand, und ein Strom von ThrAien entstürzte seinen Augen, weiches mich auserst rührte. Auf die Frage, wie sich sein Vater befände? fieng er an zu antworten: Meme Mutter--Weiter kont' er vor Weinen nicht reden. Als ich ihn wieder in die Kutsche begleitete brachte ich soviel von ihm heraus, daß seine Mutter am Rande, des Grabes stünde; daß er, wahrend dem ihr redlicher Gatte derselben die lezten Pflichten erwiese, gekommen sek, mich zu seinem Vater zu rufen , dessen Herz, wenn ich ihn nicht tröstete, gewis brechen würde. - Diese Klugheit des Kindes, da er aus eignem Antrieb zu mir kam, und die zärtliche Liebe, die er für seine Eitern bezeigte, würden mich ganz überwältigt haben, war' ich nicht entschlossen gewesen, mich selbst für diese bequeme Erweisung der meinem Freunde schuldigen Pflichten starck zu erhalten. - Unterweges betrachtete ich den Charakter dieses vortreflichen Frauenzimmers, und die Gröse seines Schmerzes, wegen des Verlusts derjenigen, die ihm in allen andern Kümmernissen eine Stütze war. Wie wird er, dacht' ich, die Stunde ihres Todes ertragen können, er, der jüngst, von einer schon überstandnen Krankheit, nicht ohne Traurigkeit sprechen konnte? Wir waren schon ziemlich weit in Westminster/ als wir bei dem Hause meines Freundes anlangten. An der Thür kam mir Favoritus, (so hies mein Freund) entgegen. Bei seiner Erblickung verbreitete sich über meine Seele eine innere Zufriedenheit. Ehemals war ich mit ihm in diesem Hause umgeaangen, und weil er eine Tugend und Gelehrsamkeit be- sas, welche die Religion liebenswürdig macht, und unsre Unterredungen nie zu einem heftigen und feindlichen Streit führte, so hörte ich ihm mit Vergnügen zu. Unser Diseurs lenkte sich von ohngefehr auf die Materie vom Tod, von welchem er mit einer solchen Starke der Vernunft und Gröse der Seele sprach, daß er dem menschlichen Gemüth , weit entfernt schrecklich zu seyn, ganz verachtungs -, oder eher wünschenswürdig schien. Als ich ihn an der Thür antraf, war auf feinem Gesicht ein gewisses Glüen der Betrübnis und Leutseligkeit, erhöht durch die Mine der Entschlossenheit und Muths, die, wie ich bald fand, so unwiderstehlich war, daß sie den Schmerz der Sterbenden und das Wehklagen der nächsten Verwandten , die ihr warteten, hemmte. Als ich hinauf in das Zimmer kam, wo sie lag, traf ich meinen Freund wieder an, der, ob er sich gleich kurz zuvor gefaßt hatte, bei meiner Erblickung sich wegwandte und weinte. Die kleine Familie von Kindern erneuerte den Ausbruch des Schmerzes, so wie Wochenblatt. 3 ll wie fie ibt Alter und Verstand denselben empfinden lie#. Beschäftigt mit ber Pflege ihrer Mutter weinte die älteste Tochter, andre knieten neben ihrem Bette. Am meisten aber rührte mich der Anblick eines kleinen Knaben-, der ohne die Ursache zu wissen, nur deswegen weinte, weil seine Schwestern es lhaken. Nur die Sterbende schien allein unter allen denen , Die in der Stube waren, gelassen und stark. - Als ich zu ihr an« Bett trat, sprach sie mit schwacher gebrochener Stimme: das ist fteundschafclich gehan» delr - Sorgen Sie für Ihren Freund. Verlassen Sie ihn nicht. Zuvor hatte sie mit einer für diese feierliche Trennung schicklieb« Art, und mit einer Annehmlichkeit, die Frauenzimmern von ihrem Charakter nur eigen ist, von ihrem Gatten und Kindern Abschied genommen. Mein Herz brach mir» als ich den Mann auf der einen Seite da- Ausschwellen seines Schmerzes unterdrücken und zurückhalten sah, um feine Gattin nicht in ihren lezten Augenblicken zu beunruhigen; und als diese zu eben Der Zeit ihren Kummer verheelke, um nicht seine Zuneigung zu »et« qröfetn. Sie heftete ihre Augen aus ihn, einige Minuten hernach konnte sie nicht mehr sprechen, woraus sie gleich verschied. Hier entfuhr meinem Freunde ein Seufzer und er sank ohnmächtig neben ihr hin. — Die Zerrüttung Der Kinder, welche Ihre Eltern mit einander sterbe» und nun toDt vor sich liegen sahen, diese würde auch das fühlloseste Herz erweicht haben. Doch bald sahen sie ihren Vater wieder aufleben, den ich in ein ander «immer bringen half und nicht verlies bis feine erste heftige Schmerzen vorbei waren. Da ich einfahe, daß der Trost nun sehr übel angebracht wäre, so beruhigte ich mich dadurch, daß ich neben ihm sas und still Empfindungen des'Mitleids ernährte. - Ich folge hier einem alten Schriftsteller, Der als er in feinen Briefen von Den vortreflichen Eigenschaften und dem Tode Der Gemalin des Makrinus spricht, sich also ausdrückt: Diesem meinem Freunde werde ich Die Nachricht davon erst alsdenn überbringen, wenn er durch diese Drei grose Mittel, »cm sich durch bie Norhrvendigker'r sich zu uittertverfeit, durch die Länge der Feit und durch das »olle Maas des Schmerzens, fähig worden ist, sie zu vernehmen." artf) kann hier nicht anders, als mit Mitleid den melancholischen Zustand eine- Menschen, Der einen solchen Theil seines Selbst- verlohren hat, und den er nun in allen Angelegenheiten des Lebens vermisset, betrachten. T t z. Er zzr W^chenblaee. Er ist dem gleich, der seines rechten Arms beraubt ist, und sich doch jeden Augenblick mit Demidbm Helsen will. Er scheint sich nicht mehr eben die- selbe Person zu seyn, weder in seinem Hause, noch an seinem Tische, noch in einsamen Hertern. Er verliert allen Geschmack an Vergnügen und Ergötzungen, die er zuvor an der Hand derselben genoß. Die angenehmste Gegenstände erwecken sein Verlangen wieder nach derselben, weil er gewohnt war sich mit ihr daran zu erfreuen. Diese grose Zufriedenheit, die aus dem Geschmack an Vergnügen entsteht, die wir in der Gesellschaft einer in unfern Augen liebenswürdigen Seele, geniesen , hat Milron *) in einer zauberischen Stelle beschrieben. Er läßt darin die Eva, die ohne ihren Adam an den Gegenständen des Paradieses selbst kein Vergnügen mehr findet, zu demselben also sprechen: In dem Umgang mit dir vergeß ich den Wechsel der Zeiten, Jede Tagszeit gefallt mir, mit aller ihrer Verandrung. Lieblich ist der Athem des Morgens, und lieblich sein Anbruch, Von dem zaubrischen Lied der frühesten Vögel begleitet: Lieblich ist die Sonne, wenn sie zuvor die östlichen Stralen lieber dis reizende Land verstreut, auf Krauter, und Bäume, Blumen, und Früchte, die blitzen von Thau; und lieblich die Düste Die von der fruchtbaren Erde nach sanften Regen hinaufziehn; Lieblich ist auch die Ankunft des milden vertraulichen AbendS; Und die stille Nacht mit diesem ihr heiligen Vogel, Und mit diesem sanftleuchtenden Mond; mit diesen deS Himmels Stralenden Edelgesteinen, und ihrem Sternengefolge. Aber weder der Athem des Morgens indem er heraufsteigt, Von dem zauberischen Lied der frühesten Vögel begleitet; Noch auch die Sonne, wenn sie zuerst die östlichen Stralen Heber dis reizende Land verstreull, auf Krauter und Bäume, Blumen und Früchte, die blitzen von Thau; noch Düste nach sanften Regen, noch die Ankunft des milden vertraulichen AbendS; Noch ♦) In seinem verlornen Paradies. Vierter Gesang, V. 640,659, nach §acha, nas Übersetzung S. 16z, 164* m Acade-i Tt 3 *) Am angeführten 0r«. 3««<« Desang. V. 55« • 5«S, S. 71. Wdchettblmv die Wiederholung eines jeden derselben mit einer kleinen Verandrung S?« Ausgucks , machen eine der feinsten Wendungen der Worte aus, die ie aesebm und welch- id) mit Fl.iö bemerkt hab-, weil Drüben int« Vorrede zum "iuvenal vergab, daß keine Verwechslung der Worte im Müren zu finden sei. Werner kann man bemerken , daß ohnerachtet in der Annehmlichkeit biefet Verse einiges einem Schäfergedicht ähnliches ist, es doch die 9 1 4 1 6 1 1 1 4 4 ‘e 6 alb. )f. Bratwurst 501b. 1 Pf.inlandischeSeii alb. r’ Becker,Preiß. Korn zu z fl. r;alb. Weitzen zu 6 fl. ft. Loth.iQu. alb. pf. ft. Loth. Qu. i v pf 6 16 16 2 Weck - x Taigscher, 4 4 Ochsenfleisch, Kühflelsch - Rindfleisch - Kalbfleisch - Schweinefleisch Hammelfleisch Schaffleisch Bockfleisch - Wurst - t Kalbsgelüng Kalbs t Leber fl- 3 2 6 2 ic 10 alb.pf. - 4 ‘ 14 alb. 2 2 2 alb. 5 6 6 22 4 Pfund klein geschälte Gerste - Brod, x - 4 Butter Bretzel - 4 j MaaßFruchtBrandew..2 1 Meste Saltz re alb. Achtel Korn , a 189 Pf- Achtel Gerste t Achtel Weitzen Achtel Hafer , Meste Erbsen - Meste Linsen - Pfund Hirse - Pfund geschälte Gerste - - pf. ft-l 9 2 1 Karpfen 1 Hecht - 1 Persing - 1 Brasem - 1 Schleyen 1 Butter t Pfund. fl. io Rindsfett 1 icHamelsf. 1 1 Lichter - 6 Eyer 3 6 alb. iS 15 7 2 4 pf. Diese wöchentliche Anzeigen werden von dem Verleger Johann Philipp Krieger Universitäts Buchhändlern hieselbst, an dteHerrn Liebhaber gegen einen Flor^ halbjähriger Pränumeration geliefert. Einzelne Bogen werden für kr. aus- gegeben- Man kann auch den Herren Liebhabern mit den schon herausgekomme- ncn Stücken dienen.