Mit Hochfürstl. Hessen Daemffädkischcr gnädigsier Erlaubnis af7 Giesser -X?om Aufschübe der Entschlüsse. ist eine sehr gegründete Anmerkung, daß unter allen Menschen nie# LV mand mit sich selber vergnüget ist, als ein Narr. Vernünftige Leu- ee kennen sich zu gut, als daß sie sich selber gefallen sollten. Ihre Zufriedenheit ist daher allemahl mit Demuth und Vorsichtigkeit verknüpft, und sie lasten es bloß auf ihr eigenes Gewissen ankommen , wie viel sie in der Welt gelten sollen. Die Unvernunft hingegen legt sich durch mchtS deutlicher an den Tag , als durch übermäßige Gedanken von sich selbst. Unsere Einsicht ist in diesem Falle zu stumpf, unsere Herzen zu ergründen, und unsere Eigenliebe zu verzärtelt, den Anblick unserer Fehler zu ertragen. Wir spiegeln uns daher nur in unfern Vollkommenheiten, und erdichttn, was wir nicht besitzen. Dem ohnerachtet entgehet selbst der Thor seinen eigenen Vorwürfen nicht. Diese Regungen des Vergnügens und der Reue, der Zufriedenheit und des Verdrusses, die uns bey jedem Schritte des Lebens verfolgen, und uns auf Gesetze und Pflichten zurück weisen, werden nie völlig erstickt; und dies Gefühl unserer verlohrnen Tugend, diese Stimme unserer nothleidenden Natur, die wir Gewissen nennen, schweigt nie gänzlich. Dies ist unfehlbar die Ursach , warum alle Menschen gewisse mißvergnügte Zeitpunkte des Lebens haben, in welchen ihr je- ' Kk ' desmah- 2s3 ' wochenblatr. desmahliger Zustand ihnen Bedenklichkeit verursachet, und sie sich vornch- men, sich zu bessern. Man übertreibt den Begriff von unserer Tugend, wenn man irgend einen Menschen hievon ausnimmt; man sollte vielmehr vermuthen, daß die Einsicht dieser allgemeinen Mthdurft alle Menschen zu ihrer Besserung und zur Besorgung ihrer Glückfekigkeit sehr eifrig und eilfertig machen würde: denn welches Geschäfte beträfe uns selbst so sehr, und welche Unternehmung litte weniger -Aufschub ? Die Erfahrung aber zeigt auch hier die Widersprüche zwischen unfern Grundsätzen und Thaten. Wir beruhigen unsere Vernunft mit guten Vorsätzen , und thun zugleich der Unart unsers Herzens damit ein Genüge, daß wir diese Vorsätze auf- schieben. Der Zornige, der von einer Uebereilung zu sich selbst kommt, verseucht diesen knechtischen Zustand, er glaubt aber, alles damit vergütet zu haben, daß er sich vornimmt, dies zu ändern. Der Wollüstige, der, seit der letzten Schwelgerey, die Abnahme seiner Gesundheit und Kräfte fühlt, erstickt alle Vorwürfe seiner Vernunft, durch den Vorsatz, der Welt zu rechter Zeit abzusagen. Diese rechte Zeit liegt noch weit, weit in den Entfernungen der Zukunft verborgen, aber heute noch , ja vielleicht nur nach zwey Augenblicken, wird der Zornige wieder beleidiget, uud schlägt auch wieder loß, und der Wollüstige findet eine gute Gelegenheit, und wieder« holet alle seine Ausschweifungen. Die Thorheiten und Lasier haben, wenn wir sie ablegen sollen, zum unbeschreiblichen Unglück für uns, die Reitzun- gen eines Gewinnstes, und wir gleichen mit unfern guten Vorsätzen den alten Kaufleuten vollkommen, die sich zur Ruhe begeben wollen. Vierzig Jahre bin ich nun schon auf die Messe geritten, sagte schon vor zehen Iah« ren der alte phylax, als er mit dem Pferde gestürzt war. So viel Kälte und Ungemach habe ich ausgestanden ; bin ich nicht ein Narr, daß ich bey meinem Vermögen mir es noch so sauer werden lasse. In vier Tagen werde ich sechs und sechszig Jahr alt. An diesem Tage soll mein Sohn Crtfpm die Handlung übernehmen, und ich will--Er wollte weiter reden, als eben eine große Lieferung verlangt wurde. Er stolperte augenblicklich in sein Comtoir hinab, und reitet noch bis den heutigen Tag auf die Messen. Eben so gelobte phidile ihrer sterbenden Mutter an, die Galanterie aufzugeben. War es aber möglich, sogleich mit dem Herrn Orcarr zu brechen? mußte es nicht vielmehr allmählich , und mit guter Art geschehen? Darüber geschähe nun ganz und gar nichts , und Orcarr hat seinen Platz nur verlassen, um ihn seinen Nachfolgern einzuräumen. Da Wochenblatt rs9 Da wir es für den Hauptnutzen dieser Blatter ansehen, die genauere Betrachtung mancher wichtigen Sachen zu veranlassen/ die nicht so wohl unbekannt, als vielmehr zu alltäglich sind; so wollte ich auch gerne Me Beruhigung unserer selbst in guten Vorsätzen, drese Zersimrung und Be- trüaerev unsers eigenen Herzens, welches hier m oem schädlichsten Ver^ stanze den Willen für die That nimmt, und die Verdienste aller der schönen Handlungen auf-feine Wreibt, t>ue ift ;cn ikvem rechten Lichte vorstellen.' Die Gefährlichkeit dieses Zustande- ... .c;rtm n)irv genug seyn, wenn man darthut, das; aus erner Besserung, die nmn erst austchiebt, sehr natürlicher weise nichts wird. Hierzu aber sind folgende Gründe. Sür§ erste ist nichts wandelbarer, als die Lebhaftigkeit unserer Entschliessungen, unO eben daher nichts unmöglicher, als erneuntrugltche Ge- W und -Bürgschaft für unser künftiges Verha ten. Diese unaufhörl^ che Abwechselung unserer Empfindungen, Gedanken und.^igungen, die um so viel stärker ist, je mehr Munterkeit wir besitzen, laßt uns me lange eine und eben dieselbe Sache in gleicher Klarheit und mit Welchem bleuer begehren. Licht und Dunkelheit, Tag und Nacht wirst ficp vow ftlswerse über die Gegenstände, und sie selber verändern sich tausendfach/ nach ihren Verhältnissen und Umstanden- Die K k r Aus dem vorhergehenden ist zu begreifen, warum man ostmahls das beuke liebt, was man vorgestern haßte, und mit einer lächerlichen ^mkch- vnna übcrmoraen dasjenige anbethet, was uns heute nochverabscheuungs- Lka ck-in-k Wie wäre sonst ein solcher Mischmasch von Menschen tYiAaiich als / der vor sechs Monaten noch die Ehre eben desjenigen Frauenzimmers in allen Gesellschaften anlastete, welches er mum ge- henratbet hat; oder als Tr'gellms/ der aus einem Herrenhuther ein Frey- aeist, und auS einem 'Stadtgalan wieder em Bußprediger geworden ist. Man sagt, man'müsse über keine Thorheit spotten, aus Furcht, sie selbst einmabl zu begehen. Am allergewissesten kann man sagen, daß man nicht iE au OafaXn kann, was man künftig einmahl seyn werde,.und daß man daher lieber das Gute sogleich tbun müsse, als eS liebenswürdig MN?, und man die Nothwendigkeit desselben lebhaft erkennet. Tpschenblatt. - , t z6o . Diese Betrachtung zu verstärken, muß man zweykens dazu nehmen, daß sich selbst im Aufschieben eine lächerliche Fertigkeit erwerben laßt, die zuletzt zu einer völligen Unthatigkeit ausschlagt, Die Weitweisen geben der Materie eine Kraft der Trägheit, mit welcher sie der Bewegung widersteht. Ich glaube- daß die Neigung zum Aufschieben diese Kraft der Trägheit in der Seele ist. Nach dieser unschlüßtgen Verdrossenheit hängt ein Mensch oft an einem Zustande, der ihm selbst abgeschmackt verkömmt, und will ein nothwendiges Gut herzlich gerne, ohne darum, nur vom Tische aufzustehen» Man verheelt diese Gesinnungen in der Welt auch eben nicht, denn man hört manche artige Person selbst ihren Hauptfehler eine gewisse Bequemlichkeit nennen, ohne welche sie dies oder jenes eben so gut, als ein andrer, in der Welt seyn würde. Selbst Leute, die in Geschäften unumgänglich verwickelt sind, ergeben sich oftmahls, wenigstens soviel sie können, dieser Trägheit dadurch, daß sie alles bis auf die letzte Stunde verschieben. So kenne ich einen Schriftsteller, der den ganzen Tag zu einer gewissen Arbeit widmet, aber nie eher die Feder würkiich anfttzet, als bis der Setzer kein Exemplar mehr hat; und sehr viele Geistliche, die den Sonnabend schon ihren Studiertag nennen, und an den Text zum ersien- mahl denken, wenn es zur Predigt zum erstenmahl lautet. Ich habe gar bemerket, daß es einen gewissen Eigensinn giebt, der uns, wenn wir etwa^ nothwendiges zu thun haben, alle andere Dinge, die noch Zeit hatten, erlaubt, nur dies Nothwendige nicht. So wird der Herr Vieler* lev ohnfehlbar nur in dem Augenblicke, da er nothwendig seines Pachters Rechnung durchsehen müßte, über einer alten Chronik sitzen, und Maria, ne liefet vielleicht niemahls im Spruchkästchen, als nur wenn es nothwen- dig wäre, einen Waschzettel zu machen. Mit einem Worte, wenn diese Unart zur Gewohnheit wird, so spannt sie, daß ich so rede, die Triebfedernder Seele ab; oder spannt sie, zur gänzlichen Verwirrung des menschlichen Lebens, gegen einander. Alsdenn gleichen alle unsere Erttschlicßun« gen den matten Schlüffen, die nicht Pulver genug haben ; und wie man vermuthen sollte, ein Mensch würde deswegen endlich eilen , weil er seine Sachen schon so lange verschoben hat, so kann man mit weit mehrerer Gewißheit sagen, ich werde sie eben deswegen immerfort anfschiebcn, weil er sie schon so lange aufgeschoben hat. Im Fall die Rede nun von der wich, tigen Veränderung ist, die wir selbst für unentbehrlich zu unserer Glückseligkeithalten, so wird der Leser selbst begreifen., wie gefährlich der Auf- schub auch aus diesem Grunde ist. Tausend und noch tausend Unglückse- I Wochenblatt- ä6i ,ig- hatten als JünB»-!- fiel) schon MtgenomnUR, biWob» jm»l!g a'omleaen, sie hatten sich Zeitpunkte gesetzt , bis an welch, tnr Julia.ud ihrer AiaenD nur geh'en sollte; diese Zeitpunkte aber sind , wie dre dritte sie haben die Laster ihrer Jugend unter lhre arauen Jiaare mitgenommen / und, welches entsetzlich zu denken rst ,- noch als Greise verschieben sie die Besserung/ die sie in sechszlg, siebenzig leb» SäffitW haben, m Die letzten Augenbl.cke «ne- entkräfteten und vcrdrosinen Alters. Wenn Demnach, Dieser offenbaren Erfahrung gemäß, unsere Besse« rung tarnet umso viel schwerer wir.D, je langer wir sie anstehen lasten, Den» wer kennet Die unglaubliche Stärke Der Gewoynheit nicht; Io ' KSägxSJÄÄ LMM-s-LLsL leit in f6'neP ßa^^ben uiw-Die Glückseligkeit hervor« EBsss wocheublatH. genlandischen Weltweisen Recht geben, mit welcher ich diese Abhandlung beschliessen will. Ein Monarch warf in einer Gesellschaft von Gelehrten die Frage auf: XXMcbes der höchste Grad aller Üuglückseligkeit: fiy y Ein Grieche, der für den weiselien Mann seines Landes und seiner Zeit gehalten wurde, antwortete: Armuch im hohen Alter. Ein Indianischer Weise, der gleichfalls sehr berühmt war, sagte: Ein grosser Lei- hesschmerz bey einem niedergeschlagenen Geiste. Endlich sagte der erste Minister des Königs : Ich) halte denjenigen für den Unglückseligsten aller Menschen/ der Buße zn ehun anfangr, wenn sein Leben zu Ende ist. Und diese Entscheidung überwog die andern alle. Fidlers antipapisiisches Journal 7ter und letzter Theil. In diesem Bande ist für die Herrn Publicisten ein seltenes und interessantes Stück ent- halten, nemlich die ausführliche Protestation der Standte Augspur- gischer Confeßion, wider den bekannten Nürnberger Reichsabschied de anno i s4Z. eine Urkunde die bisher noch ungedruckt, und nur wenigen bekannt gewesen. Zwey sich widersprechende Decifiones aus Göttingen und Gießen übereinen merkwürdigen und seltenen in Osnabrück sich zugetragenen Fall 4- 1 f kr. Allerley aus dem Reiche des Verstandes und Witzes, 2 Theile gr. 8. 2 st. 1 s kr. Geschichte der drey testen Lebensjahre Jesu nebst einer Einleitung welche die Jugendgeschichte Jesu enthalt 4te Aust. 2 Theile gr 8. 2 st. 45 kr. Dieses Vecsaffers Versuch vom Reiche Gottes 2 Theile 8. 2 st. (Smd sämtlich in Kriegerischen Buchladen zu haben ) Ein--und auspaßrrerrde vom 6. August bis den 15- August 1774* Herr von Schenck, paßiret durch. Herr Professor Wittenbach von Marburg, paßiret durch. Herr Do&or Martens vvn Wetzlar, paßiret durch. Herr Gesandte von Lehrbach, paßiret durch. Hm Hofrath Sonntag von Wetzlar, paßiret durch. ' \ * Herr "Mschenblatt. Herr Hoftath Rullmann von Nidda, paMel durch- ß. , Monfieur Du Villarg Cloyen de General Baron GrothauCen , paßlttt Ler?von^Dreschan, Königl. Preusischer Major, pass, durch. ^Ocrr «Hauptmann Franck, in Russisch Kaiserlichen Diensten , vom Prmtz Vsenburgischen Regiment, pass durch. Gebohren und Getaufte. Am Lg.Jul. Johann Christoph Georg, Andreas Weiß , Burgers und Am ^Ju^Maria Johannetta , Johann Henrich Königs, VurgerS EodÄÄÄ«, und Susann-, Elisab-kh-, Johann Moritz (Zacken,^Burgers und Peruquenmachcrs, Zwillinge. 9im f. August Johannetta Maria, Herrn Johann Will Helm Hast/Furstl. ^^llvereuter und Handelsmanns allhier, Töchterlein. Am 12. August Johannetta Friederica Magdalena, Herrn Gustus Georg ' ^ynckers, Fürsil. Oberamts Secretarn, Töchterlem. Beerdigte. Am 17. Jul. Elisabetha, Johann Balthasar Nollö, Burgers und Fuhr- Am 1T3UL Anna Catharina gebohrne Heerin , weiland Johann Georg Wah'enselsen, Burgers und Beckers, h'nterlassE ^ttt'b Lodem Maria Christina Gertraud, Ferdinand Ockels , Bürgers und cFRi’ificierberö, Töchterlein. 2lm ic^Juh Chr'stioa Elisabekha, Rudolph Stamms, AdManttn bet) lsklicher Bürgerschaft, Töchterlein. , Am 22. Jul Friederica Maria Magdalena, Herrn jfltob Ludwig Try- aovborus, Fürstlichen Regiftratoris Töchterlem. Loo/m Jchann Leonhard, Christian WillhelmFillmanns, Vurgersund Am ^".E^Johann G^org,"Hemich Daniel Noll, Burgers und Be- .ckermeisters, Söhnlein. Eodem 264 Wochenblatt» Eodem Theodor Willhetm, Joh^nes Stumpf/ Burgers und Schneidermeisters/ Söynlcm Um 26L Jul. Susarma Maria, Henrich Conrad Lampus, Burgers und Caminfegers / Töchterlein. AM 2.9- Jul. Johannetta Elisabecha / Herrn Johann Gerhard Tasche/ Fürst!. Zollbmuters allhier, Töchterlein. Am zc> Jul. Catharina Justma Rebecca, Herrn Conrad Jacob Koh- lermanns/ Chirurg! 4lil)ier, Töchterlein. Eodem Friederich Melchior, Johann Christian Emlofs, Burgers und Schuhmachers, Söhnlein. Am z^. Jul. Maria Elisabeth«, Johann Rudolph Planck, Burgers und Rothgerbers/ Töchterlein. Am 1. August die Wohlgebohrne Frau Amalia Catharina Eberkin, des weiland Hochfürstlichen Herrn Geheimen Raths Ebert Seel, hinterlassene Frau Wittib. Ihres Alters 92. Jahr, 1 Monat, und 27 Tage. Eodem Johannes, Ernst Ludwig Matthesen, Burgers und Drechslers, Söhnlein. Backprobe zu Gießen den ?ten August 1774. Das Achtel Korn , ; fl. '5 alb. Da6 Achtel Wachen - 7fi. muß wiegen Bcodt. Vor 4 Pf. - - - - - 22 L'oth. Vor i Alb. - - / - l Pfund L2 roN>. Dor 2 Alb. - - - i 2 Pfund 24 Loti). Vor; Alb. - - - - - 4 Pfund 4 Loch. Weck. Vor 2 Pf. - , - , , , 4 Lots) , Quint. Vor 4 Pf. f t » t f # t i 8 Lorl)2Qmnt. Butterbretzel aus gutem gewollcnen Talg. Vor 4 Pf. ft f - » f 4 Loth 1 Quint. Taigfcher. 2 Pf. ----- 7 Loth r einhalbHuint. Vor 4 Pf. , - - - - 15 Loth 1 Quint. Welche dem Hochfürstl. Oberamt zur Hochgrosg. Confirmation übergeben. Brrrgenmster vnd Rath dastlbste».