Sitffet Wochenblatt. Mt und Zwanzigstes Stück. Dienstags den rr. Juki 1774* Mit Hochfürftl. Hessen Darmstädrischer gnädigster Eriaubniß. Das wahre Glück des Ehestandes/ in einer Spanischen Geschichte. CVMcbtS in der Welt kann den Ehestand glücklich machen , als Hochach- - / L tung, gegenseitige Liebe und Zärtlichkeit. Jetzo will ich meine Leser v mit folgender Spanischen Geschichte unterhalten. In einer angenehmen Stadt, ungefähr if Meilen von Madrid, Ivohnte eine Dame mit Namen Lorrisa. Der Himmel hatte ihr nur zwey Töchrer gegeben, Elvira und Iacmeha. Aber sie besaß in diesen alle die Glückseligkeit, die eine zärtliche Mutter m wohlgerathenen Kindern besitzen kann Sie empfand, so ost sie ihre Töchter ansahe, ein unbeschreibliches Vergnügens Und dieses wurde durch keine Unruhe gestöhrt; ohne nur durch diejenige, die aus der Sorgfalt für das Wohl der Kinder, und aus der Begierde, sie in glücklichen Umständen zu sehen , ihren Ursprung zu nehmen pflegt. Der Stand-, die Güter und die vorcreßichen Eigenschaften dieser beyden Frauenzimmer gaben nicht zu, daß sie lange verborgen bleibrn konnten. Don Aloirzc» f ein Herr aus edlem Geschlecht und von großen Gütern, bewarb sich um die älteste. LOmsa war hierüber sehr vergnügt, und glaubte, daß ihre Tochter keine vortheilhastere Hey- E 6 rach Lir WocheMatt. rath treffen könnte. Elvira/ die bey ihrer Anmuth viele Vernunft besaß, bat, die Sache auszuschieben, bis sie erst mehr Erkenntniß von Alonzo erlanget hatte. -Sie sagte ihrer Mutter, daß ngch ihrer Meinung, der Reichthum allein niemanden glücklich machen könne. Die. kluge Lomsa aber wußte diese Gründe gar bald zu widerlege^. Sie.eilke m^t der Vermahlung, so sehr sie konnte. Sie überrumple gleichsam ihre Tochter, sind nachdem ihr Alonzo/ lm Full er mit Tode abgehe'n sollte, ein rei* ches Leibgedmg versprochen, mußte sie sich nach wenig Tagen in der größten Eilfertigkeit, obgleich mit großer Pracht, nach Mahnd führen lassen. Nunmehr glaubte Lomja/ das sie erst recht voükommen..giücklich wäre: Nur das einzige schien ihr noch zu fehlen , daß Iacmeha noch nicht versorget war». Nicht lange nachher ward Don Carlos / schweiß nicht, durch was vor einen Zufall, in. diesem Hause bekannt. Er war ein junger Herr, von vorkrefiichen Gemüthsgaben, seine Einkünfte aber waren nicht einmal mittelmäßig, und reichten lange nicht an die Güter der IacINtHa. Dennoch ward er jederzeit gütig ausgenommen, und mit der größten Höflichkeit bewirthet. Er brachte viele Stunden bey Iacmrherr / bald mit Spielen, bald mit einer vernünftigen und tugendhaften Unterredung zu r und hier zeigte, sich eine solche Uebereinstnnmunq ihrer Gemükher, ihrer Art zu denken, und ihrer Neigungen , daß sich unvermerkt etwas mehr, als Freundschaft, in ihren Herzen einschlich. Kurz, sie spürten beyde mit Erstaunen, daß sie einander liebten, ehe sie es selbst gemerkt. Sie betrachteten sich einander, als zwey Gemahlde von einer einzigen Person , und glaubten, daß einer nur die Zurückstrahlung des andern wäre. Sie schmeichelten sich, wenn jemahl zwey Herzen im Himmel gepaart worden, so waren es gewiß die «hrigen: Wo anders die Hand des Schöpfers das Band der Ehen knüpfte, so sey es ohne Zweifel niemand, als Gott, der ihre Verbindung gestiftet. Louise merkte die Zuneigung ihrer Tochter gegen den Don Carlos. Sie gerieth darüber in Unruhe. Sie bemühete sich, ihre Tochter dem so nahen Verderben zu entreissen. Iacinrha war viel zu ehrerbietig, und liebte ihre Mutter allzuzartlich, als daß sie ihr Kummer erwecken, und wider ihren Befehl handeln sollte, und Carlos war viel er edelmütbig, als daß er LouOns gütige Vewirthung auf eine so niederträchtige Are hatte vergelten, 219 w-chercklatt. die einzige Hindernis indessen brachte Don Larlos seine Tage in einer ti-ssinnigenTrau- riakeit zu, und der Gram verzehrte ihn dergestalt , daß er einem Schaf» i n n d ^Xl d) ward. Endlich ließ sich Louise durch das unablllßl. n. ^ i n .krer Tochter und durch das MM-iden gegen einen Menschen, Ü“ SX- als daß er gar zu zärtlich liebte, bewegen, rh. , .-Cmmilliauna i ob gleich mit einigem Widerwillen, zu geben. Jactiy »ha und Don Larios wurden vermahlt. Welch ein Gluck . welch em -^ercrnüaen für diese beyde Treuverllebte! Allem, die sorgfal- §sürckttte, die eingebildete Glückseligkeit dieses jungen Paar« Ld^. Ü ga? b- verschwinden. Dieser Gedanken erregte rhr tau- S«Sornen. Endlich entschloß sie sich, um ihren Kummer zu Im. v-rn^^ach Madrid zu reisen, und ihre ädrige Lebenszeit bey ihrem Srdwie- w V * 9 VoiibinanPtr,unt> befie einen breüen nff-n,n Platz einscklvffen, und oben mit einem künstlichen Gütter qeschmück^wn". ren. Nachdem sie einige Stufen von Marmor übcrfhegen, ramm t>en mnern Storni des PallasteS. Von hiir wurden sie , durch stmn arö stn Saal, in ein uver alle massen prächtiges StaarLjimMr qesslhret Man ließ sie darmn einige Augenblicke allein. Carlos richtete feine Z 1,,*l°l)ne( ^wJrrun9 «»n«dntbm, als er d.'st Prach -e bsick^e «Mlbete für Scbaam, daß er seiner geliebten Gemahim nicht «bin d « ennffeitgreit verschaffen konnte, mit welcher .Hion-eo ihre älteste X™ ! ster überschüttet«; da doch Iacmrhcns Stand und Veidine?ma «ngsten nicht geringer waren, als Elvirens. Dacmtba, Len cke Den femigen begegneten, entdeckte bald Die Uria» feiner Vermn,^!, UnD tröstete ihn mit einem freundlichen Lächeln, und mit unverstellter Munterkeit; als sie m einem nahen Zimmer ein lautes Gelächter dörrten . »es ste für ein Zeichen hielten, daß Diejenigen, Die e« inne bto n 6Dn kommen vergnügt und glücklich seyn müßten. Bald darauf erschien *tra, und ließ bei) Dem Anblick ihrer Schwester ein unbegteiflidieä znugen spuhren. Nach Den ersten Höflichkeiten sprach Jacintba ■ ,?=>* „ empfinde eine Freude, Die ich nicht ausdrücken kann, geliebt« Schweste? w über Sure glückliche Umstande: Ich erblicke Euch aufdem böchstmGjA „ lel der Glückseligkeit: Ihr besitzt in Äloi.zo einen fürtteftich n G» n mahl: Jhrhabt alles im Ueberfluß, einen prächtigen Pallast, einegla- „ ße Anzahl Bedienten und recht muntre Freunde. " «Elvin hm«, hJ„ diesen Worten tiefe Seufzer, und brach endlich mit Thränm au? A» „ spottet doch meines Unglücks nicht, liebste Ia-meha! Ihr seht ch nst! „ die elendeste unter allen unglücklichen Ehefrauen l Die Klughe , wie «s " die gute Coutfa nannte, hat unsere Hände vereiniget, ehe die Liebe u? ii ftk Herz gerührt hatte: Allein Der betrübte Ausgang bat leiber । «n, m n deutlich gelehrt. Daß es thöricht und unvernünftig sep, be?He»ratden h d'°8 auf Reichthum zu sehen, unD mit Dem Ehestände glichÄenn „ Handel zu treiben: Es ist wahr: Alsnzo besitzt einträaiick, mn ii und bat große Einkünfte; aber ich genieß« so wenig Freuve^on idm nm „ von seinen Einkünften. Sein Geld verschließt er für m“? »nd tohah. ff-tow eben s-viel Nutzen, als wenn <8 noch in den PeruanischenGoiD- grubeo Wochenblatt. 12 t II II II II H II H II II II „ gruben verborgen läge. Die Verschwendung deckt zwar meine Tafel: " M>-r ach! Aa-iwrha/ wie viel mehr Vergnügen gab mir das schiech» teste Gericht, das n>ir unS selvst jubereiteten; und wo ist die Zufrieden» he r, die sonst bei) jeder Mahlzeit, die wir miteinander hielten, zu Herr« „ (eben pflegte’ Meine Obren werden von dem unsinnigen Gelachter und " Ln De\, uniücbtiflen Reden versoffener Trunkenbolde gemartert; daS " sind die muntern Freunde, Deren Ihr Erwähnung gethan habt, daS sind dst Nichtswürdigen, mit denen ich umgehen muß. Die vielen Bedien» t , die ihr gesehen, sind keine Bediente, es sind Verräther und Feinde: Sie halten e8 für ein Derbrechen, gegen mich böflid) zu seyn , id) bin ihr Svott und ihr Mädrlein, und will wohl mit einem Lide betraf»» 7/n, daß niemand im Hause seinen Zustand mit Dem mein,gen vertäu, (dien werde. Sie dielen mir alle T>otz , und machen eS so arg, daß icd es fast nichtlanger ertragen kann. Jene Dort, herrscht unumschränkt, " unD mit ihr unD einigen andern von ihrer Gattung, bringet mein @e» " wifvi olle Nächte zu , und der unverschämte Kerl, Der Euch beremge. " fuhrt hat, unterstund sich neulich gar, meine Tugend aus die Probe zu k,nL und noch dazu auf Anstisten seines Herrn. Urtheilet nun, wie " Ll » mein Zustand sey. Di- große Pracht Di*8 PaUastes macht " ®.“f matlund krank: Das arme Weid Dort am Thor sieht Denselben, " und bat mehr Freude davon als ich, ob sie gleich so thörigt seyn mag, " L",u beneiDen." Iaciwrha war bei) diesen Reden so wehmlith.g »nd Erst geworden, daß sie kein Wort hervordringen konnte. Carlos fuchke^d ese traurige Unterredungen abzukechen, und srdgte nach Lomsew, Ld dem kleinen Sohn. „ Deren Gesellschaft, Madame," sprach er, ". wird Ihnen doch mitten in diesem Elende zum Tröste gereichen. - „Ach! Dow Carlos/" versetzte Elvira, „mir mußte kein Trost ubng bleu " h»n- Die Rache des Himmels verfolgt mich in meinem ganzen leben, weil " leb ohne dessen Fügung gebeyrathet habe. ES ist etwas seltenes, daß " ick meinen Sohn sehe: er bat schon gelernt, seine Mutter zu verachten: " «tütt schon in Die Fußstapfen feine« lasterhaften Vaters. Lomstw/ di/^hr hier vielleichterwartet, hat die tolle Aufführung meines Gemahls " wenig Tagen von Hier vertrieben. Sie hat lick schon in die Em,am, leit begeben, und wird jetzo ohne Zweifel fehr traurige Gedanken Datu. ' bet hegen, daß sie durch ihre ehrgeizigen Absichten so viel Notb und Elend über mich gebracht hat. Die einzige Urfad), warum wich Alow« ” heiMhete, war, daß er mit meinem Gelde einige Schulden, die N» t 5. nr wochettblate. „ auf seinen Gütern hafteten, abtragen möchte. Diese Absicht ist erreicht, „ und ich bin ihm zu nichts mehr nütze. Er betrachtet mich als ein Weib, „ das sich gleichsam in den Ehestand verkauft hat, und halt mich nicht „ anders, als seine Sklavin." Dorr Larios und Iacmrha bezeigten der unglücklichen Eivrren, wie sehr ihr elender Zustand ihnen zu Herzen gehe; sie nahmen darauf, wieder Abend bereinbracl), ihren Abschied, und übernachteten in einem kleinen Hause, welches sie nahe vor der Stadt ge- Mielhet hatten. Lomsa quälte sich indessen in ihrer Einsamkeit mit vielen betrübten Vorstellungen. Sie beseufzete und beklagte, daß ihre älteste Tochter durch ihre Ueberredung gleichsam genöthigct worden , ihrem eigenen Verderben entgegen zu eilen. Und wenn sie an Iacmrhen gedachte, glaubte sie gewiß, daß diese durch ihre thörigte Wahl sich em mcht geringeres Elend wurde zugezogen haben. Es waren schon einige Jahre hingegangm, ohne daß sie dieselbe gesehen. Endlich entschloß sie sich , einen unvermutheten Besuch bet) ihnen abzustatten, damit sie dieselben in ihrer wahren und un- veruellten Lebensart überraschen möchte. Sie langte gegen Den Abend an, und ließ sich von einem Bedienten, ohne daß er sie melden durste, in Den Garten führen. Hier verbarg sie sich, und sähe das vergnügte Paar unter einer Laube von Jasmin sitzen, ^iacmtha beschäftigte sich mit Sticken, und Larios unterhielt sie mit den muntern Schriften des unsterblichem Cervantes Aber, ohne Unterlaß wendete et leine Augen von dem Buche ah, um sie aufIacmrhen zu heften, und diese richtete gleichfalls und veüandig zu gleicher Zeit ihr^Augen von ihrer Arbeit auf ihren geliebten Carlos, um seinen Blicken mit den ihrigen zu begegnen. So bald Lomsa sich näherte, und sich zu erkennen gab, wurde sie M der größten Freude, und mit allen Kennzeichen einer aufrichtigen und chrerbiethigen Liebe aufgenommen. Sie vergnügten sich einige Zeit im Garten; hernach wurden sie zum Abendessen gerufen, welches zwar nicht aus kostbaren, wohl aber aus gesunden und gut zugerichteten Speisen bestand Die Aufwärter hätte man eher für ehrerbietige Freunde, als für Bediente, ansehen sollen: Ehrfurcht und Vergnügen zeigte sich in dem Gesicht eines jeden. Zwey Sühne und eine kleine Tochter machten Die Glückseliakeit dieses Hauses der Liebe vollkommen. Kurz, hier herrschte allenthalben Vergnügen und Zufriedenheit: und die genaue Uebereinstim- * NMg der Gmrülhrr, dn rnittelmäsiges Vermögen, und eine bequeme und lustige 11$ w»chmbl - äbäsäbä -Han, als er ihnen schuld g s-Y, «em er ne Die Bahn der den S-and setzte, sich W 1 .® «nwenden, so würden sie auf Die Tugend nicht verlassen, roJ?rpen. • ,n, ße g^er lasterhaft wer- Are schon mehr ^^.ÄkeiÄÄK™')'' auf siege- d'Lli, u^d stich auf dre faule L > E «.n(lß njrnacb fand er eine betrübte wandt, als fie»irtifl }»„Ä ei«? Sone Verschwendung Gelegenheit, auch den ^'berfluß 9 suchte/ sich aufs neue zu be- stürzte ihn in Mangel und Dur gk^ Er @d)lad)topfet Cee reichern, ergrif abu- solche' v 1 ' Elvira ward Gesetze wurde, unv s-m-IGu r °er Kwn^E.m^i end. eine verlassene und elende 2bitt . Sohn war schon lid) über chrenJammer,un0nan si- WM). ’flbm vorauf lodk, ünd sie hinkerließ nur eine i g Spielgesellin seiner eigenen feinj ’M"®'15“ÄÄ Ä?«SX. und , was das Tochter; b.llirnnt t , ftjgnn fie fein eigenes 5vinO wäre. 5Lo# wichtiglie war, eriOfl«(f, ß Ehrgeitz gebeilet war, brachte «ist. Du nunmebro von ifttem Dienueiiw« vu » s» un$) gu|tjepcn, Den Rest ihres Lebens g>"chait Güter, Die sie besessen heil zu. Sie starb in em m 31 m , «e u u 6 hatte, fielen an ihr- noch übrige - g’an“. Piulipp Busch ui der Drandgafle allhier, sind von dem vortrefircheu Schwalheimer Gtsunddruunen bey Echzel in der Wetterau gefüllte und besiegelte Krüge auch jur völligen (zur sattsam zu haben, den Krug a 5 fr. ft- alb. Pf. fe. 1 Achtel Korn - 1 1 1 4 4 1 1 4 1 MaaßFrucht Brandew. 12 alb. i Pf. Bratwurst salb, i Pf.mländtsche Seife 6 alb« alb. pf. Id. Mh.lQu. Brod. - 3 f 8 Weck f Butter Bretzel - 14 13 13 Taigschers 1 1 1 1 17 25 25 16 16 2 1 2 2 4 3 7 alb r 2 2 19 4 alb. pf. - 4 ' 4 Pfund klein ge« schälte Gerste^- Ochseufleisch r Kühsieisch t Rmdsieuch - Kalbfleisch t Schwerneflersch Hammelfleisch Schaffleisch Bockfleisch 9 Wurst , # Kalbsgelüng Kalbs; Leber Achtel Gerste < Achtel Weitzen Achtel Hafer , Meste Erbsen # Meste Linsen # Pfund Hrrse t Pfund geschälte Gerste - - Frucht-und andere Prerke am Markrag den 9. Jul»: 1774. Gießer Maas 3 Meste Saltz 20 alb. . örorn>u