MW Wochciivlakk. Ein und Vierzigstes Stück. Dienstags den n. Gctobr. 1774. Mit Hochfürgl. H.ssc» Darmftädüschcr gnadigsicr Erlnubnil!. Beschluß der im Stück abgebrochene» Materie. 3wen andere Geistlich- aus der Nachbarschaft werden von jenen wirkli- cden Theologen nicht für ächt und orthodox genug »-halten , weil sie so «itel gewesen sind und die galanten Wissenschaften studukhaben. Fd-nnocd hakten'sie mehr Muth, und nahmen bessere MnSr-g-ln als ,-n- mrtdodische Theologen. Sie glaubten Geschmack und G-l-hrsamkit g«. nua w haben, um von Voltaire» nicht gleichgültig angchört zu werden, «nn ibn bekehren zu können. Sie glaubten die es, weil sie noch nicht all a-nukwar-n daß sie wissen konnten, was für Feind- D-ist-n sind. S.e batten 'alle Trauerspiele, Lustspiele , Heldengedichte und Romanen ge. le-cn Aber weil man kein Trauerspiel einem falschen Satz, um ihn zu widerlegen, entgegen sttz-n kann, und Heldengedichte und Romanen n.chtS beweisen so blieb di- Sache der Religion übrigens unentschieden, Sie Keuen »olterirei, auf ihr Wort und Bürgschaft, daß die cacholischeRe- bmon dU wahre sei), zu derselben zu treten, und zehn modische Compli. 5 b alstten-in-jede Bitte. Wär- Voltaire Nicht, reich g-w-sen ! so J." •„ Mchnke verlprochen. Er sah die Unanständigkeit einer fol» disn Bekehrung ein, machte ihnen ein Gegencompliment, und lenkte die Untemvung vo» der Religion auf ''^angenehmer» G-genstan^^Me Z2r Wochenblatt- Hofnung ist also verlohren. Die Geistlichen bleiben wer sie sind, und Voltaire / wer er ist. Aber diese hochgelehrte Herren verstehen die Kunst noch nicht , einen Deisten zu bekehren. Es wird eine ganz andere Methode erfordert, alS den Protestanten zu beweisen, daß sie nicht catholisch sind. Man überlasse mir Die Sach-. Ich gebe noch nicht alle Hofnung auf. Ich müßte nicht selbst Deist gewesen scyn, wenn ich nicht wissen sollte, wie verzagt Deisten sind. Vielleicht mache ich mehr Eindruck auf ihn, als alle Heiligen, Märtyrer, Wunder, Kirchenväter und Predigten. Vergeblich bin ich der Küster zu Ferney nicht. Ich will ihm Die Todtenglocke läuten. Gewöhnlich thue ich Dieses nicht, ehe Die Leute sterben. Aber unserm Voltaire muß sie etwas früher geläutet werden. Die Zeit nahet heran, daß er ernsthafter werden muß, wenn er nicht als ein Hannswurst sterben will. Er hat nur noch eine kurze Zeit zu leben. Diese Glocke soll ihm Deswegen, unD weiter wirD bey keinem Deisten etwas nökhig seyn, noch täglich einmal bis an sein unrühmliches Ende, ankünDigen : Voltaire/ der Spötter über Tod, Himmel und Hölle, ist seinem Tod und Der Hölle nahe. Soll Voltairs Seele, diese lustige, komische Seele, vernichtet werden? Neinl Sie hat seltene Fähigkeiten gezeigt. Zum wenigsten vernichtet Gott dergleichen Seelen nicht. Er thut keine Wunder. Dies glaubt Voltaire selbst. Die Vernichtung einet Seele wäre das größte Wunder in der Natur. Aber kann sie sich viclleicht'sclbft abnutzcn, und ist sie eine Maschine? Dieses ist noch weniger möglich. Denn Maschinen machen keine Pasquillen Doch seine Seele mag scyn, was sie will. Ec war der Voltaire, und wenn er sich nicht bald ändert, so wird er in der Ewigkeit noch ein Voltaire seyn. Er wird lachen, und über Gott und Religion spotten. In Dem Himmel sind Die Satyren und noch weniger die BaSquillen Mode. Hier wird er also eine schlechte Figur machen. Niemand, nicht einmal der Fähndrich, Der hier den Candide auswendig lernte, und mit lautem Gelächter seinen schnackischen Einfällen Beyfall gab, wird dort eine lächelnde Miene machen. Warum soll sich Voltaire an einem Ort aushalten, wo man keinen Geschmack an lustigen Historien, an Comödien und philosophischen Wörterbüchern hat, wo niemand lacht. Diese Gesellschaft ist zu langweilig. Er wird Leute suchen, die an Sa. tyren IM Wschettb!are iMtn unb drollichten Streichen Geschmack finden, Pasquillen gerne hören, und leibst Pasquillen machen. Er wird ihnen den Landlde vorlesen, und diese berühmt« Pasquille auf Gott sortsetzen. Unter zehntausend Schatten wird keiner in der Hölle den Hann«, wurst bester agiren, als Voltaire. Von Jugend aushatteer zu dieser Ä d beste Anlage, die man sich denken kann, die fruchtbarste Phan- den a chwind-st-n Witz. Und Pin ganzes Leben hindurch übte er k^Vandne Sttlmkiäfte, als diese Wer feine Schriften liest, wird ihm Gerechtigkeit wiederfahren lasten. Er war der größte Phantast, der je« mals aelebt bat Denn wer Phantasie und V)itz , sie seyn übrigens so a ücklich als si wolftn ohne Verstand und Vernunft gebraucht, ist allzeit Dban ast Doch an dem Ork. und in der Gesellschaft, weiche Voltaire wchi-n wird.schadet dieser Fehler nicht. Er wird vielmehr den W« tnutft desto bester spielen, über Gott, der weise, gut denkende Seelen E ich werden lassen, und Narre» zur Hölle verweisen muß , über Re- Uaion und Siltiichkiit, über Geschöpft «om höchsten bis zum niedrigsten Rang, über die heiligsten Gegenstände lachen, und noch weit arger- Zoten reissen, als er bisher gerissen har. Nichts desto weniger ist eö noch möglich, daß ihm eine besten und schönere Rolle, als die in dem bunten Rock, gegeben werd. ES kommt seinen Geschmack an. Er hat lange genug Romanen, Satpren und ^pökk-r-y-n über die Religion g-l-s-n, und Romanen, Satyren und Svött-r-y-n über die Religion geschrieben. Er lege sie endlich einmal zurück, und schreibe vernünftig. Er gebrauche die Zeit, die so kur;«8cik, weiche ihm noch übrig ist, um sich auf den Fall , wenn etwa das Ehu- #»nthnm keine Fabel wäre, gefaßt zu halten, würdiger als vorher. Et blt mwonn n ? so bald er an äugt ernsthaft zu denken. Seme Seele, die Ker ganz Roman war, wird eine andere Richtung bekommen und die Religion wird ein interessanter Gegenstand für ihn styn. Heber die christliche Religion zu lachen, wenn sie durch Aberglauben . s fATiHv ssärimonien entstellt wird, sey ihm noch immer erlaubt, fo L ^ n d-Mbin « und Widersprüche zu finden glaubt. Ab« über"dft natürliche Religion, über die Religion der gesunden Ver- nuRÜ L°, kann ihm nicht'länM mehr verziehen werden, er mußw 3 2.4 WdctJtttblätt« denn dem ganzen Europa, das seinen Witz bewundert, zeigen wollen, daß er keiner Vernunft fähig ist. Er ftudire also , wenn er sich nicht beschimpfen will, die philosophische Religion mit Ernst. Er lese keinen Charlatan in der Philosophie, sondern Philosophen, deren heiliger Endzweck Die Untersuchung der Wahrheit war, die gründlich dachten, und deswegen gründlich bewiesen. Er suche die Gesellschaft derjenigen Geistlichen , oder wenn diese ihm überhaupt verhaßt sind. Derjenigen Freunde, welche, äusser ihrem Aristoteles, auch die neueren Philosophen gelesen haben , welche vernünftig genug sind, um nicht Die Vernunft und Die philosophische Untersuchung der Religion zu verachten , welche weder abergläubisch noch tändelnd aussehen. Von diesen lasse er sich die Grundsätze der philosophischen Religion eines Wolfs und Lerbrritzens, jener Geister, die den höchsten denkbaren Grad einer menschlichen Vernunft von Gott erhalten hatten , erklären. Und nun widerstehe er, wenn er kann, der Macht der Wahrheit, welche dem Menschen, und nicht allein dem Christen/ durch die Natur offenbaret wird Je besser er hernach diese Religion der gesunden Vernunft einsehen, und je rechtschaffener er wünschen wird, durch die Erfüllung seiner blos natürlichen Pflichten , glücklich zu werden , desto mehr wird er die weitere Entwickelung und Fortsetzung derselben m der christlichen Religion suchen und wü-.sschen. Er frage alSDenn sein Gewissen , ob er nicht geneigt ist ein Christ zu seyn, ob er durch boshaften Witz noch ferner den Beyfall des gedankenlosen Advocaten sich zu erwerben suche. Er unterscheide aber, wenn er seinen Endzweck erreichen will, das Wesentliche dieser christlichen Religion, von dem Zufälligen, von den Zicr- rathen derselben, mit welchen die Menschen spielen. Er setze nicht auf die Rechnung dieser, Gott und des Menschen würdigen , himmlisch schönen Religion, was ihm in der catholischen , die ihn erzogen hat, widersprechend und unbegreiflich ist. Denn vieles, was der päbstliche Stuhl glaubt, nehme ich selbst nicht an, ob ich gleich nur Der Küster zu Ferney bin. Aber dennoch bin ich ein Christ. Weil ich selbst ein Deist war, und hernach, durch natürliche Theologie, heitere Begriffe bekam, glaube ich auch die christliche Religion, aber ich glaube sie mit Vernunft. Die Zeit ist kurz, Voltaire! Du bist dem Tod und der Ewigkeit nahe. Willst du nicht bald vernünftig werden, sondern noch immer lachen, ;rs Wod)cnbUtt. ch-n, Hannswurstenstreiche bey AE°^ndd-r ^u Tauf S erfahr. Es kommt nicht darauf an, ob du etwas fiu K oder sL-r ru dem fährst, der noch nie -inen 'r-mr-n DE als d.ch gehabt, der dich als seinen Abgesandten, um sein unst 8« h,-' m^xchei- fer sublunarischen Welk recht weit zu verbreiten, mi Cj£r£r M, len gebraucht hak, und welcher dich, M g-rich n V-rg-ug habenen D-rdi-nst-, mit dem g^L-nd-n Characl des ob-rl sÄT&»ysj?ssMi °- Geistern zu belustigen und zu erleuchten. ____ rTlachrichr von einem Gelehrten zur Erläuterung einer Begebenheit irziger Seit. E-EUSWW SÄSÄ~SÄS 3ÄÄ s« ' ff, n,ncfi diesen Unterricht bis in sein »4tes Jahr; wachrend dieser Zeit ^L\nnToDe^ifc^ne@^ktU^E«^enäU Der 7 f beforacb fid) deswegen, mit einem ahen Zrsr«?.L«°L «..A. «■ 3 2 6 WschLttl-larr. Kind ein gutes Ansehen, eine vernehmliche Aussprache und überhaupt sehr viele natürliche Eigenschaften eines guten Geistlichen habe. Da er auch öfters in seiner Kindheit aus Die Stühle gestiegen , sich eine Schürze umge- hangt und einen Prediger vorgestellt hatte; so konnte es sreylich nicht anders seyn: Jgnarus mußte aus einen Prediger studiren. gu dem Ende sollte er nach ♦** gehen. Man gab ihm verschiedene Empfehlungsschreiben an die dortigen Lehrer mit; und um ihm seine Reise nicht beschwerlicher zu machen (Denn er muste zu Fuße gehen) so wurde er so leicht als möglich dazu ausgerüstet. Ja; weil einige Vater daher Stoff zu weitlaustigen, und, wie sie sagen, nützlichen Ermahnungen und Verweisen nehmen können; so will ich ihnen sagen, daß Jgnarus nicht mehr, als einen Rock, einen kleinen Bündel weisser Wasche, ein paar Tücher und $ Rthlr. Geld nach * * brachte. Mit diesem Gerüche erschien er auf der Schule, zeigte sich Den Lehrern, und bewies durch eine Menge von Zeugnissen: daß ihn der Himmel zu einem großen Manne bestimmt habe und daß er deswegen ihrer Vorsorge vorzüglich würdig sey. Einige von diesen erfahrnen Mannern entzifferten aus seiner Stirn viel hohes; seufz- len einen tiefen Seufzer; sahen ihn noch einmal steif an , und entschlossen sich, ihn zu unterstützen. Aber, sie sprachen nicht bloß:'Gott brrathe euch! Nein! sie erwiesen sich Idatig Hülsteich. Sie erlaubten ihm, auf einer kleinen etwas dunkeln Stube, die mit den unentbehrlichsten Hausgercithe zur Nothdurst versehen war, seine Wohnung aufzuschlagen. Sie erteilten ihm einen getreuen Unterricht, und dieses alles umsonst ; außer daß er des Tages 4 Stunden kleine Kinder unterweisen und dann und wann seinen Wohlthütern einen außerordentlichen Hofdienst leisten mußte. Er genoß überdem einen fteyen Tisch, welcher mit so vieler Sorgfalt eingerichtet wurde, daß Der junge Mensch nie Gefahr lief, feinen Magen zu beschweren, oder seine Leidenschaften zu erhitzen. Jgnarus war in Der That fleißig, und er würde vieles gelernt haben, wenn er Zeit und Bücher genug gehabt hatte, und wenn die Kost, deren er sich bedienen mußte, seinem Magen Mraglicher gewesen wäre. Well Wochenblatt. Tochter. Eodem Copulirtc', Am LL September Herr Georg Philipp Seybert, Prediger zu Nassau, und Jungfer Carolina Louysa Ernestina Böhmm, Herrn Andreas roAhm, ProfeflToris Philofophiaeprimani bey hiesiger löbl. Universität, wie auch Hvchfürstf Heffendarmftädtifcheit Bergraths, eheliche Jungfer Ein-und auspaßlrende t?ont r. Oct-ber bis der* 8. October i?74> Herr 8ecrerarms Schadler von Braunschweig , paßiret durch. Herr Hauptmann Papretz, in Königlich Preusischen Diensten, paff, durch- Herr Profeflbr Scdlötzer von Göttingen, log. mr Posthaus. Herr Amtmann Hentzerling,von Ellingen, und Herr Oberförster Hartlg, von Gladenbach, log. im Einhorn. u , j=)err Kammerherr v. Rau, in Hessen Casselischen Diensten, pass, durch. Herr General und Obervorsteher von Haller, paßiret durch. Herr AMbroon Löwenfeld, paßiret durch. Herr Major Buff von Wetzlar, paßiret durch Herr Webel, Russischer Capitain, paßiret durch H^r Lieutenant von Lahrbusch in Holländischen Diensten, paff, durch. Weil er indessen stattlich singen konnte; so ersang er sich manchen Groschen. Und dieses setzte ihn in Stand sich noch ordentlich genug kleiden zu können. Sein Gedächtniß war vormflich, und er nahm in den Sprachen merklich ra Dieses, und sein überaus demüthigeS Betragen erwarb chm ein schünessob. Sein Ruhm erscholl ÄtS in seine Vaterstadt, und der alte Schuster sah« sich nun schon ein reiches Mädchen für feinen gelehr» ten Sohn aus. Das Portrait von Sr. Durchlaucht dem fest r-gi«r-nd-n Herm kandgrafen von Hessen Darmstadt sauber in Kupfer gestochen, ist das Stück für 4 kr. zu verkaufen. Wschmblarr. ZL8 Eodem Herr Georg Alexander Fabricius, Hochstrstlich Hessen Darm- städtischer Oberförster zu Ulf, und Jungftr Sophia Hernnna Chu- stiana Böhmin, vorgedachten Herrn Bergrath Böym, eheliche Am HU®eptOTb«3o(l Philipp Müll», Bürger und Fuhrmann allhier, weil. Conrad Müllers, Burgers und Fchrmanns allhier, hlnterlas- fener eheleiblicher Sohn, und Elisabeth« Kraylrngm, lings, Einwohners und Gemeinsmanns zu Wresect, eheliche Tochter. Gebohrett und Getaufte. * 5lm 26. September. Philipp Christian, Jeremias Constans, Burgers Am z?n?September Catharina Louysa, Johann Anton Müllers, Bur-- gers und Vrandtenweindrenncrs, Töchterlein. Am 28. September Johannetta Susann« , Ludwig Balthasar Slohr, Burgers und Tuchmachers, Töchterlein. Beerdigte. Am 28. September Carl PeterErnst, Johann Philipp NrcolausKrach, Burgers und Cramers, Söhnlein. Frucht-und -Uder- Preisie am Marktag den s.O--°br. .774. Ei-e-r Man« - tt W5BÄÄ.W -’-r i Hecht - 6 Kuh fi e r sch # 2 2 I i Persing i 6 2 I 4 6 2 i Hammelfleisch > Schaffiersch i i 4 i Knlbsgelüng 3 4 i MaaßFruchtBrandew.i 1tz.lLoth.iQu. alb. pf. fl>. Loth. Qu. Brod. # - 4 j Butter Bretzel - 4 V x Achtel Gerste - 1 Achtel Weitzen 4 4 4 2C IO 25 16 16 2 I 1 1 2 6 22 4 2 r Bockfleisch Wurst - Pfund klein geschalte Gerste - Achtel Hafer - Meste Erbsen # Meste Linsen , Pfund Hirses- Pfund geschälte Gerste - - Rindfleisch - Kalbfleisch - Schweinefleisch 1 Meste Sali; 10 alb. Becker- Preist. Korn zu 3 fl. 15 alb. Weitzen zu 6 ful Weck - $ Taigscher - alb?pf. - 4 - 4 i Kalbs - Leber I 3 6 Eycr I 2 alb. 1 Pf. Bratwurst;alb. 1 Pf.inländische Seife 6 alb. Pfand. fl.alb.jpf. rsRindsfett 1; 15 10 Jpauidej. 115 1 Ltchter - i 7 1 Prasem - » 1 Schleyen 3 ! r Butter - i 6 I