Mess» WoPenvlakt. Fünf und Vierzigstes Stück- Dienstags den 8. Hovembr. 1774» _______----------— * Mit Hochfürstl. Hessen Daemstädttscher gnädigster Erlaubniß. - ---—---- r Bemerkungen über die Religion, Sitten und Gebräuche der Lhineftr. asiatische Volk, die Chineser, hat in Ansehung, deS Charakters, ) Religion, Sitten und Gebrauche so viele Eigenheiten, daß eshof- fentlich meinen Lesern nicht unangenehm seyn wird, wenn ich mich bemühe ihnen einige Bemerkungen über die Religion, Sitten und Gebrauche dieses Volks mikzutheilen. Ich weiß zwar, daß viele und vor. trestiche Schriftsteller über diesen Gegenstand geschrieben und ihn fast ganz. Jicb erschöpft haben; - allein da diese Nachrichten so weitlaustig und fast unübersehbar sind; so hoffe ich meinen Lesern keinen unangenehmen Drenst zu erweisen, wenn ich ihnen das Wichtigste in einem concentrirten Auszüge vor lege. Ich werde zuerst von derjenigen Religion der Chineser reden, welche am meisten geduldet wird, zweytens von der Religion) die zwar geduldet, aber doch auf gewisse Weise unterdrückt wird , und dann einige Anmerkungen über die Sitten und Gebräuche der Chineser machen. Y y . > Diejenige Z5 ti kamen im Traume die Lieblingsworke des Con«fu - tze: Der Heilige soll im Occrdenr gefunden werden, vor Wie er aufwacht; so giebt er gleich Befehl einige Botschafter auszuschicken und diesen Heiligen zu suchen, oder ausführliche Nachrichten von ihm und feiner Religion mitzubringen. Diesen Botschaftern aber dauerte die Zeit ihrer Wanderschaft etwas lange, und sie gingen nicht weiter bis nach Indien. Hier fanden sie die Anbeter des Götzen Zoe ♦), und brachten sie samt ihrem ganzen Religionssystem mit. Der Kaiser *) Ich will hier in der Kürze einige Umstünde von diesem Foe anführen. Sei» Vater soll König von Ite-säng-wau in Indien gewesen seyn. Seine Mutter soll ihr, auf eine seltsame Art gebohren haben. Ihr trdumfe nem- lich sie hatte einen Elephanten verschlungen, und sie wäre von diesemThie, re geschwängert worden. Wie sie niedergekommen, so habe sie dieß Unge, Heuer zur Welt gebracht. Gleich bey seiner Geburt .soll er folgende Worte gesprochen haben: Es ist niemand, weder im noch auf Erden, der würdiger wäre angebetet zu werden , als ich allein. In feinem fiebenzehnken Jahre heyrathete er drey Weiber und zeugt^eineu Sohu, in Wochenblatt Kaiser war mit dieser neuen Akquisition sehr zufrieden, und cs dauerte nicht lanae, io war dies- Religion im ganzen Lande ausgebrettet. Maa er» wat dem Foe, den man als Gott beerachtete, Di- grSsseste Ehrenbezeu» gungen, man widmet- ihm Altäre und Pagoden, die auf das prach»gste auSgevutzt waren. - Die Bonzen wurden seine Priester. Diese btschri-- bm i/vi-len Büchern Die vergeblichen Wunder und Zeichen des 3»?. <3'e hielten ihn für den großen Heiland Der gesund ft», ihnen Den Weg M Seligkeit zu zeigen *). Di- Lchrsatz-^i-str Sekte bestanden m i-hnG-. bie Chinese- Mo-h-ou-lo nennen. Im neunzehnten Jahre verließ erbieft bren Weiber, unb gierig mit vier Weisen in bie Einsamkeit und fuhrt- -m einsiedlerisches heben, Auf -inmahl würbe er in seinem Ortt-ssigfleni j«D e, man weiß nicht wie? zum Gott verwandelt. Er dachte nun darauf, wl er seine kehr« am besten auSbreitete. ES gelang ihm gut; und er °e>"m j» kurzer Zeih mehr, alS achtzig tausend Anhänger, die mit aller wea-yr seine bei» Staate so schädlich-, kchriätze anpriesen. ©eine Anhänger pst- qen die Chineser Song und So-shong zu nennen; die Tataren nennen si- L-mas; die Simnes-r i, Tal-poin-n z die Japaner unb Europäer, Bonzen. z a-oe merkt-, baß er sterblich war. Er starb im nenn unb siebenzigH" e-.^re ftjn-S Alters. Seine Anhänger aber hielten seinen Tob verschwiegen und setzten heimlich an dessen Stelle einen anbetn von eben bet Große, Phyfionomic u. s. w. « »ich halte es nicht für überflüssig, meinen kesern hier, weil -S zur Sache ge- 1 ()6rt, einen kurzen Begrif von der Bon,en;unfk in China nntzutheileii. Die Bonzen führen, ihre« G-winst-S wegen, eine auferst strenge mid harte Lebensart. Eie schl-PP-n sich mit großen Ketten, rennen mit ihren Kö- v-en gegen Pfeiler unb Steine, um bas Volk zu bewegen , ihnen Allmose» m geben. Einige lassen sich-uf eiuem Sessel herum «ragen, ber von allen Seiten mit spitzen Nägeln beschlagen ist. Diese Nägel verkaufen sie dem Wolke, als ein Derwahruugsmittel gegen alle Schaden unb Gefahren. Alles Gelb, versichern bie Bonzen dem Volke, würde zu Aufbauuug per Tempel unb Mare für ben Bott 5» augewendtt. — Di- Se-l-nw-nbriing )5S tV-chmblattz. boten/ die ihre Fos vokgeschrieben hatte. Das erste Gebot war: man müßte kein Vieh tüdten. Das zweyte / man müßte sich eines andern Güter nicht anmaßen. Das dritte drang auf ein keusches Leben. Das vierte besohl/ nicht zu lügen. Das fünfte gebot, keinen Wein zu trinken. Den Inhalt der übrigen Gebote findet man bey keinem Schriftsteller erwähnt. Diese Gesetze müssen auf das strengste befolgt werden , oder sie kündigen demjenigen, der sie nicht hält, sogleich die erschrecklichsten Martern in der andern Welt an: seine Seele würde die Nichthaltung derselben am meisten fühlen. Man drang allgemein auf die Unterstützung der Priester, und man befahl gleichsam sie mit Wohlthaten zu überhäufen. Wer ist ein anders Hülfsmittel ihre Gewinnsucht zu stillen. Sie überreden nemlich das Volk, daß sie den zukünftigen Zustand eines Menschen sehr ge, nau kenneten und in was für Art Leiber die noch itzt lebenden Menschen in der Folge übergehen würden. Diesen Zustand stellten sie nun ganz schrecklich vor. Sie droheten ostmahls Leuten mit einer unglücklichen Wanderung; versprachen ihnen aber eine glückliche, wenn sie gehörig pro ftudeo 6* labore bezahlten — Herr le Compte, ein zuverläßiger Schriftsteller, meldet eine auffallende Geschichte von der List der Bonzen, die ich einrücken will: „ Einem alten Manne hatten die Bonzen weiß gemacht, daß seine Seele bey nächster Wandrung in den Leib eines der kaiserlichen Postpferde fahren würde. Sie hatten ihm den Rath gegeben, seinen Leib nicht mit zu vielen Speisen zu überladen, damit sie ihn hernach desto leichter in eine bequemere Herberge überbringen könnten. Dem armen Manne fiel diese ängepriesene zu diätätische Lebensart schwer, und er konnte vor Furcht der Verwandlung weder Tag noch Nacht schlafen. Er grämte sich so sehr, daß er seinem Tode immer naher kam. Glücklicher weise erfuhr er, daß die Seele der Christen von der Verwandlung ausgeschlossen wäre. Er nahm sogleich seine Zuflucht zu einem unserer Jesuiten und bath ihn inständig, daß er ihn zum Christen machen möchte, weil er nicht gern in ein Postpferd verwandelt seyn wollte. Der gute Jesuit willigte in sein Gesuch und der alte Mann war dabey ruhig." Dergleichen Exempel von der Dekrügerey der Bonzen könnte ich mehr anführen. Meine Leser aber können von diesem einzigen auf mehrere schließen , und sich von der Niegerträchtigkeit der Bonzen- fchaft ohngefahr einen Begriff machen - Der P. Du Saldo giebt eine wemaustige Nachricht von den Bonzen, auf den ich mich beziehe, Wochenblatt- beschenken. (Der Beschluß folgt künftig.) Nachricht. Qu Schweidnitz in Schlesien, soll eine zahlreiche Sammlung schaz- barer Münzen und Medaillen verkauft werden. Liebhaber können das Verzeichniß davon in hiesige Buchhandlung zum durchlesen bekommen. Ungleichen wird der beliebte Göttinger Musen Almanach fürs Jahr ( i77s. a i fi. und! der mit überaus netten Kupferstichen und sehr inte reffanten Abhandlungen gezierte Braunschweig ^umburgische genealogische C.alender sauber eingebunden nicht anders aber als baar für i P- »r. allhier verkauft. Bey Conrad Kohlermann sind frische Brücken zu haben. Eiri-und auspaßirendeVom 29. October bis den 5. November 1774- Herr Rittmeister Premsen , in Königlich Französischen Diensten , paßi- ret durch. . 6 , , Herr Advocat Stecker von Waldeck, log' im Hirsch. Herr Capitain von Duv'y, und Herr von Buttlar , paff, durch. Lierr Maior von Humbracht, in Kaiserlichen Diensten, und Herr Ma> jor von Humbracht, in Holländischen Diensten, Herr Hauptmann und Herr Lieutenant von Humpracht, paßiren durch. ^wev junge Herrn Grafen von Hohen Solmö, pass, durch. Herr Regierungscancellist Conradi von Darmstadt , paff, durch. Herr Amtmann Zaunschliffer von Dorheim, log. im Emhom. Generalmajor uns Qbervorstcher von Haller, log im W1^- Wsr dem Priester nichts giebt, sagen sie, wird dereinst in die !e>ber der Ratten und Maulesel, Elexhanten u. s. w. ohne Gnade und Varmher- zigkeit wandern müssen. Diese Vorstellung nun machte bey dem Volke einen großen Eindruck , und es suchte daher die Prrester ubeisiußlg zu j z6a Wochenblatt. Copulirte. Am z. November Joh. Henrich Noll, Burger und Beckermeister allhier, Johannes Noll, Einwohners in Früfelden, eheleiblicher Sohn, und Anna Margaretha Bernbeckin, weil. Philipps Christian VernbeckS, Bürgers unv Beckers allhier, hinterlassene Wittib. Gebohren und Getaufte. Am 21. October Margaretha Catharina, Johann Martin ZieglerS, Burgers nnd Schuhmachers Töchterlein. Am 2.6. October Anna Regma, Georg Daniel RmnS, Bürgers und Schuhmachers, Töchterlein. Am 27. October Anna Christina, Johann Melchior Plock, Burger- und Blaufarbers, Töchterlein. ™ Am 2 November Johann Valentin, Johann Melchior Mullers , Bur- gerß unv Eisenkramers, Söhnlein. Am z November Johannma Sophia , Johann Christoph Ritters, Burgers und Weißgerbers, Töchterlein. b Eodem Maria Christina, Johannes Juchard, Burgers und Beckermer- sters, Töchterlein. Pf. 4 Pf. 6 Eyer 4 alb. lPf. Bratwurst ^alb. 1 Pf.inländischeSei 'e 6 alb< Becker-Preiß. Korn zu z fl. rzalb. Weitzen zu 6 ss Loch. löji. ft. Brod. , Taigscher - j Butter Bretz"! t 4 MaaS 16 16 2 alb. 5 6 6 2 6 2 15 10 22 4 |