Giesser Wochenblatt. Dienstags den 8. März 1774» ' ----Mit Hochfürstl. Hessen Larmstäderscher gnädigster Erlaubniß. Beschluß der im vorhergehenden Stück angefangenen orientalischen Erzählung- ersten Monat des folgenden Jahrs kam der Kalixhe> wieder aus 3 r eben Det geheimen Absicht und mit den nämlichen Zwecken nach ä } YYTefclfcA. Er wollte noch einmal den Mann leHen , von dem er i'ifflnhfe hciti er in stch selber die Quelle feiner Giück^liükeit hatte. uJdti traf mich tstcht mehr singend bei meiner Arbeit, nicht mehr m der fuschen Gesundheit und früiichen Heiterkeit an: im G^entheil fand er mich K ,md n ed raeschlaaen auf der Erde sitzen, wo ich Opium kaute, wel- » S mir dBde,.e meine EinbildLngSkrast schuf, an Oie Stelle 2 r Hoheit setzen half. Da er zu mir heremtrat, entdeckte ich m ■ st nn?AnMchl eine Art von freudiger Ungeduld, die sich aber in dem Au- a ndlick, da er mich erblickte in Erstaunen und Mttle.den verwandelter Iheoem batte ich oft gewünscht Gelegenheit ,u haben mich an den Kal,, »hin wenden tu t6nnen, allein iho Da er gegenwärtig war, ward ich ganz beschämt, warf mich m feinen Füßen nieder und legte ganz sprachlos meine Hand auf mein Haupt. 5t d Hasiari 74 Wocherrblar-r. „ Hassan / sagte A, was kannst du Verlohren haben ; du dessen ,, Reichthum in der Arbeit Deiner Hande bestand? Und was kann dich be- h trübt machen , Da die Quellen deiner Glückftligkeitin deiner eigenen Brust n war? Sag es und steht es in meinem Vermögen dich davon zu befrel- „ en, so svM du glücklich feyn" dis flößte mir Muth ein ihn anzusehen und also zu antworten. „ Verzeihe der Kühnheit deines Knechts, der ehe er Untteue hege- „ hen wolte, lieber wünschte auf ewig die Sprache zu verlieren. Durch „ den Verlust desjenigen , das ich nie besessen habe, bin ich elend worden. „ Du hast Wünsch- in mir erregt, die ich nicht würdig bin , daß du sie n in Erfüllung letzest. Allein wer sollte wohl gedacht haben , Daß derje- ii nige, der in seinem niedrigen Stand und in seiner Armuth glücklich ge- ii wesen ist, durch Reichtbumund Hoheit noch glücklicher zu werden nach- h ten würde?" Als ich ausgeredet hatte, war Almalrck einige Augenblicke zweifelhaft: ich aber blieb noch ferner vor ihm liegen. „ Hassan > sagte er, ich bemerke, zwar nicht mit Unwillen , son- ii dern mir Mitleiden gegen dich, Daß ich deinen Cbarackter verkannt ha- „ be. Ich enrdecke nun in deinem Herzen Geiz und Ehrsucht. welche ii blos daher in dir erstorben zu scyn schienen , weil ihre Gegenstände zu ii weit entfernt waren, als daß sie sie hätten in Bewegung setzen sollen. „ Ich kann dir d»her keine Gewalt erkheilen , weil ich mein Volk nicht fi gern der Bedrängung aussetzen wolre, und weil ich nicht wünschte genö- „ thigt zu werden, dich wegen solcher Laster zu bestrafen, welche ich dich ii zuerst auszuüben gereizt habe. Weil ich dir aber dasjenige geraubt ha- „ be, welches ich Dir nicht wieder ersetzen kann, so will ich doch wenig, stens Diejenige Wünsche erfüllen, die ich in dir erregt habe, damit ii mich dein Herz keiner Ungerechtigkeit beschuldige, und damit du dich ii selbst besser kennen lernen mögest. Stehe deswegen auf und folge ii mir." .Schnell schwung ich mich auf von der Erde, als mit Adlersflügeln, und küßte den Saum seines Kleides in entzückender Danckbarkeik und Freude. Da ich aus meinem Hause heraustrat, freute ich mich so sehr, als ob ich den Zähnen des Löwen entgangen wäre. Ich folgte Dem Al- malrck in seine Herberge und sobald er seine Gelübde erfüllt hatte, nahm WöchnMate 15 77 Wochenblatt, Antonio und Eine Erzählung. ~ «in Kaufmann zu Neapolis, hatte sich bey der Handlung OlM, m - l pjn Vermöam erworben, welches er Hauptfach- dmck ftm kluges*“Sobn zu einem nützlichen Mitglieder« llch dazu flnto"VS;/"fr Ken Wonio war dazu bestimmt, der- menschlichen Gestll^-'stl y^g’fott ufeljen : allein , dieses hinderte einst Cie Handln g fei * , L ‘ Wissenschaften unterrichten ließ, nicht, dch mamlhn nicht m En imoma > aufir,je|)un8 wt, Cie eilen Tkan. Eiaenschafken des jungen Antonio immer mehr und weyr, iem y ‘ rofltb ficb überall, wo er sich sehen ließ, einen -yor# rÜg7°er'sftnem'Vater reichlich für die Kosten bellte, die er auf ihn v«' wandt hatte. n,«,ar nunmehr in einem Alker, wo er sich bereits der väterli« , ra,nfAdffte mit einer gesetzten Sorgfalt annahm. Ihre vereinte Arbeit gab chen Geschaffte mir einer g i 9 unB lkg Dtn o,fill0 bereits eine Rri° MEcken 7die ihm um® viel angenehmer war, weil sie vondem Fier« i6 der klugen Haushaltung seines Sohnes herruhrete. Die Äred' 6< und der nugen njKUnt) hebet: und was ist em denselben ve'La .7tbmi der so edelmü'hig denket? Ihre Handlung er. S°bn nicht sahig u h ' . d rl< den Eifer des jungen Kaufmanns, k-'rWen «en eine Einsicht und einen Entschluß wie«, die «M nut »on einem gefttzten Gemüthe erwarten kann. Gegen diesem reichen Kausmanne über wohnte ein Bildhauer, der »«ne andre Schätze besaß, als eine tugendhafte undschüne Tochter. Er hieß Fabio, und würde gewiß bey fti^r Geschicklichkeit m einem kande 7t Wochenblatt» Alcht m Dürftigkeit geblieben- ftyn, wo die Künste allemal Belohnung ge- funDen, wenn ibn seine de ständigen Krankheiten nicht immer auf dem Bette gehalten hätten. Ein verzehrend Fieder ließ ihm nicht die Kräfte, den Meissel zu fassen, und fraß zugleich denjenigen Vorrath , welchen er sich bei) gefunden Tagen ermorden hatte. Er lebte bereits in einer merklichen Dürftigkeit welche ihm um fo empfindlicher war, weil Angelina nut da- hey leiden mußte , die er auf das zärtlichste liedete. -Oft sah er sie mit thranenden Augen an; und Zlngelina , welche die wahre Ursache dieses Kummers wohl wußte, tröstete ihren Vater mit einer wundernswürdigen Standhaftigkeit r und erwies ihm so viel Sorge und Ehrerbiethung, alö wenn sie alle Reichthümer der Erde von ihm zu erwarten hätte. Fabio befaß Verstand und Erfahrung, welche noch die einzigen Mittel waren, wodurch er feiner Tochter feine Liebe zeigen konnte. Er bemühete sich, ihren schönen Geist aufzuklären, ihr die Größe der Tugend bekannt zu machen, und durch seine klugen Vorstellungen zu verhindern, daß sie weder aus Leichtsinnigkeit, noch aus Einfalt fehlere. Seine Bemühung war nicht vergebens. Die Tugend und der Verstand der Angelina kamen ihrer Schönheit gleich > und find denn Tugend, Verstand und Schönheit sicht schätzbarer, als alle Rcichthümer? Antonio sah ferne schöne Nachbarmn und llebeke sie. Er erkundigte sich nach den Umständen diefts einsamen Hauses, und erfuhr bald die geheime Noch desselben. Diese Nachricht erweckte bey ihm keine Verachtung gegen Angelina, feine Liebe ward vielmehr durch daö Mitleiden noch zärtlicher, welches er empfand, diefe schöne Person unglücklich zu wissen. Angelina hakte ihren Nachbar nicht weniger bemerket; und der Ruhm, den ihm die ganze Stadt beylegete, war ihr unverborgen. ES schien, als wenn sie Theik an demselben nähme, ohne daß sie die eigentliche Ursache davon zu entwickeln wußte, und sie konnte sich nicht enthalten, eine geheime Freude empfinden, wenn Antonio gelobet wurde. Dieser edelmüchige junge Kaufmann hakte Angelina nicht vergessen. Er bemühte sich, sie naher kennen zu Irenen, um zu erforschen, ob er feinem Herzen Gehör geben sollte, und es glückte ihm endlich, sie in Gesellschaft anzutreffen. Bisher war Antonio nur von ihrer Schönheit gerühret worden, allein gegenwärtig ward er von ihrem Verstände und von ihrem Hroßmülhigen Betragen ganz eingenommen. / LVSLtMME 7:? Es giebt gewiffe Leute 7 -weiche em -Herz Haben 7 das mit Wer ihren Stand geht- Ihr ganzes Bezeigen entdeckst eine gewisse EdelmüchiMt, der man nicht widerstehen kann , und es scheint, als wenn die Vorsehung dadurch alle andere Hoheit hätte demürhigen wollen. (Die Fortsetzung folgt.) fUcbricbt- Nachdcme die vor der Stadt Giessen ohnweit des Lahnflusses geles gene hiesiger Stadt zustchrnde Ziegelhutte unter gewissen Konditionen unt) annehmlicher Kaution in einem sechs oder neunjährigen Bestand, welcher mit dem künftigen i77fften Jahr seinen Anfang nehmen soll, den Meistbietenden durch öffentlichen Verstrich zu überlassen beschlossen, und hierzu terminus auf Donnerstag den r l ten AM. dieses lauffenden Jahrs anbe- «.raumet worden; Als können diyenige, io Lüsten dazu haben, m dem anberaumten icrmino Morgens um 9. Uhr sich auf allhiesigem Rathhauß einfinden. Gießen den ^ten Februar. 1774- Burgemekster und Rath -aselbsterr. Der Hochfürstl. Hessen Darmstadtischen garantirtmZahlmlotkerie 2.7 Ziehung ist den 4ten März, in ferner Ordnung W sich gegangen, und sind folgende Zahlen herausgekommen. 24. 43- 45- 56. 5-. Frey Nummer für die Prämie ist 10 Die 2.8te Ziehung geschiehst Freytags den iftcn Mart, und die folgende von drey zu drey Wochen. Denen respectiven Herrn Interessenten so sich in die Hochfürstliche Hessen Hamburgische Leibrentenbanco einschreiben lassen, wird Hierdurch freundlich bekannt gemacht, daß da mit Ende dieses MonachS das erste Quartal dieses 1774 Jahres verlooset wird, als werden dieselbe aufs freundlichste ersucht ihren Nachtrag vor dem 2.4km Monats Merz dieses gütigst einzusenven, diejenigen so diese Zeie versäumen, kommen nicht mehr in die Verlosung, sondern zu besorgen caducin zu werden. ErriF 8s MschendlE Ertt^rrnb mrspaffirendevsmrS. Februar, bis den 5- März. 1774 Herr Lieutenant von Diktforth in Hessen Casselischen Diensten, paßiret durch. Monfieur de Chatmon, bedient nichts, paßiret durch. Monfieur de Cinquille, Lieutenant in Französischen Diensten, paßiret durch Frau Cantzleydirector von Löwenstein, paßiret durch. Herr Obrifi Lieutenant von Graff, paßiret durch. Herr Secretarius Adel von Stuttgart), paßiret durch. Herr Lieutenant Nonweiler, in Chursächsischen Diensten, pass, durch. Herr Ooerlieutenant und Garnisonsadjutant Weyland, von Mayntz, paßiret durch. Ihro Durchlaucht die Princeßin von Anhalt, paßiret durch. frucht rund andere Preiste am Marktag den 5. Marz. 1 fi. alb. pf. tb. alb. pf. , Achtel Korn # 5 1 Ochsenfleifch t ; 1 Achrcl Gerste - r 1 Kühstelsch , r 4 1 Achrel Wertzen 8 1 Rindfleisch , 2 1 Achtel Hafer - 2 1 Kalbfleisch - 1 4 1 Meste Erbsen r 20 1 Schweinefleisch Z 1 Meste Lrnsen > 20 1 Hammelfleisch 2 4 774» Gießer W" ib. 1 Karpfen 1 Hecht - 1 Perflng , 1 Drasem , 1 Schleyen 1 Butter 4 ^aas alb. 5 6 6 1 3 5 pf. 4 1 Pfund Htrse - 2 4 »j Schaffleisch 2 4 1 Pfund geschalte » Bockflcrsch $26 Gerste - - - .Wurst - - ; i Pfund klein ge- i Kalbsgclüng 1 4 schälte Gerste - 4 ij KalbS r Leber 1 4 1 MaaßFruchtBrandew. 14alb.r Pf.Bratwurst5alb.»Pf. 1 Meste Saltz 10 alb. Becker-Preist. Korn zu 5 fl. Weitzen 51 W. Loth.l Qu.I alb. pf^ w. Loth.Qu.l t x s 1 1 Brod. , #4 4 8 s 4 jButttr Bretzel t 4 , n 1 1 Pfund. fl. q Rindsfctt 1 9 Hamelsf. 1 1 Lichter - 5 Eyer inländische Sei t7fl- c Weck 4 4 Teitfcher - alb. iS iS 8 2 fr7< ilb. 4 pf. lk-' pf. 4 4