G t e sfe r Wochenblatt. Sechstes Stück- Dreustags deu 8. Februar- i774»> Mit Hochfürstl. Hessen Darrnstädnscher gnädigster Erlaubnrß. Cleanth und Luc in de. Eine rührende Geschichte. Vbi idem & maximus Sc honeftißimus amor eft,' Aliquando praeftat morte iungi, quam vita diftrahi. V A E ER, MAX. Ofiflir werden durch nichts mehr in so rührende und traurige Empfin« düngen versetzt, und an nichts nimmt unser Herz einen grösernAn» ehest, als wenn wir erblicken, daß unsre Mitbrüder öfters die widrigste Zufälle erdulden muffen. Treffen sie aber gar solche Personen, die den edelsten Charackter besitzen, deren Tugend die Liebe gekrönt hat, und die nun plötzlich dem glücklichsten Auftritt ihres Lebens entrissen worden, so wallt unser Herz in Empfindungen auf, die unS das Mitleid eingiebt. „ Die Liebe der Kinder zu ihren Eltern, sagt ein Engländer, *) „ und die Liebe der Eltern zu ihren Kindern , sind Wirkungen des Jn- „ stinckiS. Aber die Zuneigung der Liebenden und Freunde gegen einan- F der ♦) The Tatlcr Vol. II. Nro. tzr. 42 Wochenblatt' „ der ist auf Vernunft und Wohl gegründet, welches, wie mich dünkt, „ jederzeit mehr Mirleiden für die widrigen Falle der letztem, als der er- „ Ilern Art, erweckt hat. Die Betrachtung des Kummers von der ietz- „ tern Gattung erweicht das Gemüth des Menschen und veredelt fein „ Herz. Sie erstickt den Saamen des Neids und des Haffes gegen das „ menschliche Geschlecht, hemmt unfern Stolz welchen das Glück uns ein- „ fiößr, dämpft alleHitze und Uebermuth, die sich gewöhnlich der Seele „ des Kühnen und Glücklichen bemächtigen. " Eben dieser Schriftsteller erzählt auf diese Betrachtung eine so rührende als unterrichtende Geschichte, die wir aus eben dem Grund hier dem Publikum aus dem Englischen übersetzt mittheilen wollen, so überstüßig es auch scheinen möchte, da sie schon ein unsterblicher Gellere *) so vor- treflich erzählt hat. Cleanth und Lucmde aus alten und angesehenen Hausern in Cornwall unterhielten von Jugend auf gegeneinander die vorkreflichste und edelste Neigung. Da aber ihr Vermögen sehr ungleich war, so bemühten sich die Freunde und Anverwandten derselben ihre Liebe zu erstik- ken. Nichtsdestoweniger brachten diese wegen ihrer Tugend bekannte und von jedermann geliebte Seelen es durch wechselseitige Standhaftigkeit und Gehorsam gegen die, von denen sie abhiengen, endlich dahin, daß man ihnen erlaubte sich zu verbinden. Aber sie genoffen nicht lange das Glück ihrer Liebe, so sähe sich Cle, anth genöthigt, sich den Armen seiner Geliebten zu entreiffen. Denn die Besorgung einer ansehnlichen Erbschaft, die zur Verbesserung ihrer mäsi- gen Umstände jetzo nicht überstüßig war, rufte ihn in ein fernes Land. Bey dieser Gelegenheit empfingen sie die Glückwünsche des ganzen Lands und unter denselben musten sie öfters den schmeichelnden Zuruf hören: Ihr sehet, wie treu die Liebe belohnt wird ’ Er trat die angenehme Reise an und schickte mit jeder Post neue Nachrichten von dem glücklichen Fortgang feiner auswärtigen Geschäfte, nach Hause. Ob er nun gleich mit dem nächsten Schis abzugehen beschlossen hatte, so beklagte er sich doch in seinem letzten Brief, daß er wegen Geschäften *) in feinen Fabeln und Erzählungen. Wochenblatt- 4z Geschäften seine Abreise noch einige Zeit aufschieben müßte: Dis that er in der Absicht, um sich das Vergnügen einer unerwarteten Ankunft zu verschaffen. Seine Geliebte pflegte sich am kühlen Abend, am Ufer des Meers, von welchem ihre Wohnung, in der sie mit ihrer vertrauten Freundin und Verwandtin ihres ManneS lebte, nicht gar weit entfernt war, spa- zieren zu gehen. Hier ergötzten sie sich entweder mit Gegenständen, die sie antrafen, oder mit Unterredungen über die Einrichtung ihrer künftigen Lebensart durch eine glückliche Veränderung ihrer Umstande. An einem Abend stunden sie zufrieden beisammen am Ufer, bemerkten den Untergang der Sonne, die ruhige Stille, die auf dem Meer herrschte und die sanstschlagende Wellen, die gemächlich auf sie zurollten und von ihren Füssen verschwanden, als ihre Verwandtin in einiger Entfernung ein Brett aufdem Wasser erblickte, weiches sie für eine Küste hielt. O Freundin sagte sie lächelnd, wäre sie voll Juwelen , so hätte ich das nächste Recht darauf, denn ich sah sie zuerst. Beide richteten ihre Augen darauf und unterhielten sich darüber : XVen wohl das Unglück' troffen haben mochte diesen Schiffbruch zu leiden. Lucindens Freundin berief sich immer auf ihr Recht, versprach aber doch das Kind, mit dem sie damals schwanger gienge, mit einer kostbaren Perlenschnur zu beschenken, dafeme sie dessen Taufzeuge seyn dürfte. Aber wie bald verschwand ihre Freude, da sie bey der Herannahung sahen , daß es ein menschlicher Körper sey. Lucinde/ die von Natur ein gefühlvolles und mitleidiges Herz besaß, machte bey dieser Gelegenheit al- lcrley melancholische Betrachtungen. Vielleicht, sagtesie, ist dieserMann die einzige Hofnung und der Erbe eines reichen Hauses, der Liebling zärtlicher Eltern , welche nun von Freuden trunken sich mit den Gedanken schmeicheln, ihn mit einer Braut zu vermählen , die sie ihm bereits be- ffmmt haben? Vielleicht ist er die Stütze einer Familie, die allein von seinem Leben abhangt? Vielleicht werden durch ihn eine Menge Kinder des geliebtesten Vaters beraubt, oder eine zärtliche Gemahlinn muß in ihm denjenigen beweinen, durch dessen Tod sie der Armuth unterworfen wird? Doch 8r 44 Wochenblatt. Doch wie wollen uns von diesem schrecklichen Anblick entfernen! Die schönste Pflicht, die wir ihm erweisen können, ist; zu besorgen, daß der Unglückliche, wer er auch sey, schicklich begraben werde Sie wandte sich um, als eine Welle den Leichnam ans Ufer warf. Ihre Freundin rief gleich aus: O mein Vetter! und fiel auf die Erde. Die unglückliche Lucmde kam ihr zu Hülfe, als sie ihren Lleanch vor ihren Füssen sah. Ohnmächtig fiel sie auf seinen Leichnam. Eme alte Betagte, die seine Amme gewesen war, gieng heraus um die Frauenzimmer zum Nachtessen zu rufen und fand ihr Kind , ( denn so nennte sie ihn immer) tod am Ufer und seine Gemahlin und ihre Freundin neben ihm liegen. Ihr lautes Weheklagen und Aufrufen ihrer Ge- bieterinn bracht, die Freundinn wieder von ihrer Ohnmacht zurück; allem Lucmde war nicht mehr zu erwecken. Als die Familie und Nachbarschaft sich um die Leichname herum ver? sammelten, so erkundigte sich niemand tun eine nähere Nachricht dieser trauervollen Begebenheit, denn die da liegende Gegenstände belehrten fie die ganze Geschichte. ' Gellere. Beweint, ihr mitleidsvollen Seelen, Die traurigste Begebenheit, Elend gewordner Zärtlichkeit, Und schmeckt das Glück, um andre sich zu quälen. Laßt uns die Unschuld oft im grösten Unglück sehen Und Leidet mit bey fremden Schmerzen; Dis Mitleid heiligt unsre Herzen, Und Heist die Menschenlied' in uns ihr Haupt erhöhn; Die Tugend bleibt uns noch im Unglück selber schön. Er. Doris im Garten. Wenn Doris sich im Garten zeigt, Singt Philomele, Zephyr schweigt! Wenn sie an ihrem Blumenbeet Gedankenvoll spatzieren geht, Stehn Wochenblatt. Stehn alle Blumen um sie her, Als wenn sie Blumengöttinn war, Und sie in ihrer schönsten Pracht, In der sie sie hervorgebracht Ihr huldigten. Balsamscher Dust Erfüllt die kühle Morgenluft l Die Lilge, die sich treuer glaubt, Als Nelk' und Rose hebt ihr Haupt Weit über Nelk, und Ros empor, Und sieht in aller Blumen Chor Weiß, wie die Unschuld in der Schaar Der Tugenden. Die Göttin n sieht Mit einem Blick, wie alles blüht. Die eitle Tulpe nimmt es wahr, Beherzigt den empfangnen Blick, Und denkt: Ich bin das Meisterstück Der Götkinn! als aus ihrer Hand Ich stolz yervorglenLj, o ba stand Die Güttinn selbst Gedankenvoll, Und sah mich an, ich weis es wohl! Die Göttin« aber geht vorbey Und sieht sie nicht, sagt nicht sie fey Ihr Meisterstück. Die Rose zieht Die Augen auf sich. Aufgeblüht, Wie eine junge Schöne, stand Sie da, vor ihrer sanften Hand Und both sich an. Doch, Doris bricht Die Kömginn der Bluhmen nicht Ach, sagt sie nur, wie schon bist brr! Die andern Blumen hören zu. Sie sieht den königlichen Putz Der Blatter, sie bemerkt dm Schutz 44 Wochenblatt. Der Dornen um sie her! der Duft, Mit welchem sie die dünne Luft Durchbalsamk, riecht ihr kräftiger, AlS alles Ocl der Indier! Stillschweigend steht sie lang und sieht . Rund um sich her, wie alles blüht; Im Weggehn aber thut sie nur Drey kurze Seufzer: O fTatur/ wie schon, ach! wie so schön bist du! Und bald darauf sezt sie hinzu: Wie groß dein Gott! Und dann verlaßt Sie Ros und Garren, und ein Fest Der Freude nimmt sie auf, jedoch „ Auch da denkt sie zuweilen noch: wie groß ist Gott? Dein, schön Gesicht, O Doris, reizet mich so nicht, Wie deine Tugend. Tugend sieht Wie Marmor: Schönheit? Die vergeht. Neue Are Schinken einzusalzen und zu räuchern. *) Man nimt in der Zeit des EinschlachtenS frische Schweineschinken v-n ir bis i6 Pfund, löset von der Fleischseite den Knochen oder das sogenannte Schlüsselbein heraus, und laßt solche sodann drey bis vier Tage in freyer Lust hangen und etwas mortificiren; nachstdem wird so viel Salz genommen als zu folgender Art einzusalzen , nach Maaßgabe der Grüße des Schinkens erforderlich ist ; dieses Salz wird zu jedem Schm, ken mit zwey Loth Salpeter, und einer Handvoll zu zerstoßenden Wachholderbeeren unter einander gemengt, alsdann mit dem schärfsten Weineßig angefeuch- •) Ist aus dem beliebten Hannöverischen Magazin 99ten Stück 1773. entlehnt. Wochenblatt 47 angefeuchtet, und mit dieser Masse derselbe auf allen Seiten wohl eingerie- ben. Wenn dieses geschehn, wird selbiger auf einer Hürde oder dergleichen, daß die Söhle üblaufen könne , und die Hautseite unten, die Fleischseite aber oben komme, gelegt; diese obere Seite wird hierauf mit dem nemlichen Salze, einen guten halben Finger dick bis an die Haut bedeckt. Auf diese Weise bleibt solcher an einem lustigen Orte dreyzehn Tage liegen, und wird alsdenn eilf Stunden in frischem vollen Wasser wieder ausgewässert, aus solchem behutsam herausgenommen, damit das Salz nicht gänzlich abgewaschen werde, sodann aufgehangen und wie gewöhnlich geräuchert. Zum Gebrauch wird der Schinken nicht wieder ausgewässert, sondern bey gelindem Feuer, jedennoch in vollem Wasser gekocht, und, wenn eS nicht in einer Pastete, ohne die Haut abzunehmen, kalt servirt. AvertifTement. ES wird hiermit zu jedermanns Wissen bekannt gemacht, was maßen Montags-.Zten Febr.a. c. dahier nachstehende Weine nemlich: 2, Emck, wie imqleichen z Ohm £, ohne Faß ferner 4 Ohm | und 4 Ohm | mit Fässer voi?denen 1748. und soer Jahrgängen öffentlich an den Meistbietenden iedoch unter dem ausdrücklichen Vorbehalt und Bedingung zu verkaufen sind, daß das höchste licitatum , auf ein jedes respective Stück und Ohmen zu einer 3 Wöchichen rarificarion ausgesetzet bleiben und ohne sotha- nige reikwöchiche Genehmigung nicht zugeschlagcn werden sollen. Wer also Lüften hat von diesen Weinen und zwar gegen baare Bezahlung in Gold etwas käuflich an sich zu bringen; kann sich beym Ausgeber "meldeten Tages einfinden und sich sodann desweiteren gewärtigen. Gießenden izten Januar. 1774* Copulirte. AM 2Z. Januar. Johann Georg Becker, Schnürmacher allhier, und Anna Elisabeth« Philippina Eleonora, weiland Peter Dämel Mer Daniel Bergmanns, Bürgers und Weißbinders allhier, hmterlal- sene Wittib. Gebohrte 48 Wochenblatt. Gebühren und Getaufte. Am 7- Jannuar. Anna Maria, Gsorg Philipp Kemmerers, Bürgers und Beckermeisters, Töchterlein. Am 2.z. Januar. Friderica Catharina, Georg Daniel Weißgerbers - iun. Töchterlein. Am 2 5- Januar. Elisabetha, Matthaus Mühl, Bürgerslund Metzgermeisters, Töchterlein. Am 2.7. Januar. Johannes Melchior, Jacob Ludwig Mossbachs, Bürgers und Glasermeifiers, Söhnlein. Am 2.8. Januar. Johannetta Elisabetha, Balthasar Beckers, Bürgers und Eisenhändlers allhier, Töchterlein. Eodem Maria Elisabetha, Johann Melchior Piock, Bürgers und Be- ckermeisterS, Töchterlein. Beerdigte. Am m. Januar. Johannetta Susanna Maria, Johann Balthasar Connans, Bürgers und Metzgcrmeisters, Töchterlein. Frucht-und andere Preifle am Marktag den 5. Febr. 1 ff. alb. pf. ft. alb. pf. ’j Achtel Korn , 4 z? » Ochsenfleisch - ; 3 Achtel Gerste » ; 1 Kühfleisch , 2 4 3 Achtel Weitzen 8 1 Rindfleisch - 2 3 Achtel Hafer - 2 *i Kalbfleisch - 2 i Meste Erbsen - 20 1 Schweinefleisch 3 rr Meste Linsen , 20 Hammelfleisch 2 4 1 Pfund Hirse - 2 4 1 Schaffleisch 2 4 1 Pfund geschälte 1 Bockfieisch - 2 6 Gerste - - 2 1 Wurst - - 3 1 Pfund klein ge- 1 Kalbsgelüng 2 schälte Gerste - 4 1 Kalbst Leber 2 1 Maaß Frucht Brandew. 14 alb. 1 Pf. Bratwurst 5 alb. 1 Pf. 1 Meste Saltz 20 alb. 774. Gießer M ft. 1 Karpfen 1 Hecht i 1 Pcrsing f 1 Brasem , 1 Schleyen i Butter - aas alb. 5 6 6 I 3 6 Pf. 4 Pfund. fl. 9 Rindsfett i 9 Hamelss. 1 1 Lichter # 5 Eyer inländische Sei alb. 15 15 8 2 fe?< pf. H6J ft. 1 Becker, Preiß. Korn zu 5 ff. Loth. Qu. alb. pfj 1 s 1 Rrod. , 4 -4 1 4 Butter Bretzel , i4 / ft. i Weitzen zu 7 fl. koch. Qu.! 8 Weck - n I * i Teitscher alb. pf*