Giess» Wochenblatt. Sechs und Dreißigstes Stück. Dienstags den 6. Geptembr. i774» Mit Hochfürsil. Hessen Darmstädtrscher gnädigster Erlcmbmß. An die grosgünstige Leser und Leserinnen. 1 /p\ie vor kmzem in diesem Wochenblatt erschienene Uebersetzung des vier- j ten Stücks der) Lheophrastischen iCharactere „ der rohe Dorfi- Priester,, genannt, ist von vielen aus einem und ebendemselben Ge- sichtspunct betrachtet, und doch verschieden beurtheilt worden. Der eine Lheil gesicht unferm Theophrast sehr gern die Richtigkeit der Schilderung ein, und freuet sich nur, daß er den Dorfpriester gerade von der Seite gezeichnet hat, wo ihm sein Bild unmöglich gefallen kann. Der andere Lheil, der meistens in dem Landpriesterstand selbst , oder wenigstens auS verschiedenen Gründen für ihn sehr intmsiirt ist, schreyt: „ alle Liebe des „ Nächsten seye erstorben, weil man dessen Fehler so öffentlich aufdecke; „ die Boßheit sey bis auf dm höchsten Grad gestiegen, da selbst die Die- >, ner des göttlichen Worts nicht von den Lästerzungen verschont würden; , die Religion selbst werde dadurch geschändet, wenn man ihre Diener ff angreife.„ Jchkarm unmöglich bey diesen verschiedenen Urtheilen gleichgültig bleiben. Ich habe die gröste Hochachtung für alle die Stande, denen Martin Luther in seiner Haustafel Lection giebt, vorzüglich also für allen Bischöffen, Pfarrherrn und Kirchendienern , die gewiß nur Deswegen, weil sie es am meisten verdienen, den ersten Rang Darin» bekommen N n haben. szr Wochenblatt- Haben. Hatte ich nicht, wenn das Urtheil der ersten Art richtig wäre, ganz gegen meine Gesinnungen gehandelt, wenn ich ein solches Stück übersezt hatte ? Auf der andern Seite fürchte ich das Schicksal meines Autors, dessen Asche, wüste man seine Urne zu finden, ausgegraben, und ins Meer gestreut werden würde; so viel weiß ich wenigstens schon aus sicheren Nachrichten, daß ihm der Kirchenbann in den Orkus soll nachgeschickt werden. Unglücklicher Theophrast! meine Schuld ist es. Hatteich dich nicht über- sezt, so wärest du von Aeonen zu AeonenZ in den Buckläden verborgen geblieben, keine dorfpriesterliche Hand würde dich jemals hervorgezogen haben, dein vermeintes Gift wäre nie entdeckt, dein Name nie geschändet worden. Ausserdem ist ein gewisser syinparhetischer Nexus zwischen mir und meinem Autor, wovon weder in Wielands Sympathien , noch in den Lehrbüchern der Moral etwas zu finden ist, der sich nickt beschreiben t nur fühlen last. Alle diese Umstande zusammen genommen wirkten so mächtig auf mein Gehirn, daß ich nicht ermüdete, ein Duzend Com mentare und eine alte deutsche Übersetzung bey der nächtlichen Lampe nachzulesen , nur um Materie zu sammlen, wie ich meinen Autor erklären und rechfertigen könnte; denn mehr läst sich doch nicht von dem fleisigsten Uebersezer fordern, als alles zusammenzutragen, so viel er nur kann. Ich habe es treulich verrichtet, und lege meinen Lesern das Resultat meiner Bemühungen vor Augen. Vorher muß ich noch die angezeigte Uebersetzung ansühren. Sie ist unter folgendem Titel erschienen: das ist/ Thcophrafli , des Griechischen Philofophi und Schülers des weltberühmten Ariftotelis , Sittenspiegel/ aufs neue mit vielem Fielst glänzend gemacht, seinen Landsleuten zu Lieb / zur Beschauung ihrer felbfi dargestellt von Johanne Manhia Veit/ Metropolitan und Pastor an St. Blasti Lirche/ zu Edram an der Pleisse. Nürnberg bey Cunrad Pilzen i $99. In der Vorrede drückt sich der theure Mann also aus: „ ich habe dieses ,, Büchlein meiner Gemeinde zu Lieb verdolmetscht, weilen hierin aller u Wandel des Menschen gar säuberlich abgebildet und contrefeyt ist; em ,, jeder halte diesen Herzensspiegel sich täglich vor, und beschaue sich in et demselben, damit er wissen und erfahren möge, was zu thun und zu lassen Wochenblatt „ la(ren fe«. „ et* habe diese Stelle nur deswegen «ingttückt, um gleich l)(y pem Anfang meiner Vertheidigung dadurch ein gutes Vorurtheil für meinen Autor zu erregen- Zur Sache- Das Duzend Commenkarn kommt bey unferm Stück einmüchig überein, daß Theophrast hier «in Muster eines rechlschafnen DorfpastorS habe barstellen wollen; und der alte Deutsche Uebersetzerfagt m einem be» spnvern Vorbericht zu diesem Sluck, nachdem er auf zwo Seiten durch ein Schock Cikaiionen aus der Bibel gezeigt hat, daß alte Prediger das Slmtder Apostel begleiteten, wie eines jeden einziger walsttt Endzweck die Besserung seiner Gemeinde seyn müsse. Er werde diesen Endzweck errei, che», fahrt er fort , wenn er seine Gemeinde von allem Wohlleben abhal- tt, von dem süßen G'ft, das sich so leicht in das menschliche Herz sch eich , und es mit einem festen Schlamm überziehe, wo die Wurzel des Unglaubens gar zu leicht anschlagen, u.ip das anfangs klew-Pflanzgenin sol- cke Acsie sich ausdreiten könnten, VW das arme menschliche Arz dadurch so überschattet werve, Vasi die Strahlen des Evangeliums auf keine Weise btmuDtingen und cs wieder erwärmen könnten, em treuer Seelenhirtmus- L f iner Heerde mit gutem B-vspiel Vorgehen, und aus leinen fetten Psarr- autern sich nie satt weiden, damit die Heerde auf ihren magrern Tristen idn nachahme. Des Leides müsse man warten, doch so, daß er nicht geil werde. Der Satanas werbe zwar bas Gift der Verleumdung auöstr-u- en, und es Geiz nennen; aber wie leicht könne man des Ehrenlchatzes entbehren, wenn man den Schatz im Kasten habe; und in theuren Seiten, weltbe der Himmel in Gnaden verhüten wolle, alsdann die Frommen,deren Anzahl leider! doch sehr gering wäre, zuweilennut einem Scherfiem erst uen könne. Nach einer ziemlich kurzen Lobrede auf die Freigebigkeit ermahnet er nochmals, ja nur den Frommen in der Noch beyzustehen, und cheilt etliche Regeln mit, wie durch scharf angchellte Prüfung der Fromme von dem Gleißner zu unterscheiden fei). Bev dieser Gelegenheit beweist er durch etliche Schlüffe, daß alle Menschen Betrüger seyen, und zieht daraus die andere Hauptpslicht eines wahren Seelenhirten „ Suche, so Siel du kannst, andern die Gelegenheit zum Betrug abzu,chneiden.,. Die- r.s l-n beut u Tag so viel nöthiger; weil der Prediger den emreisenden Schwelgereym und Ueppigkeiten keinen hinlänglichen Widerstand chun könne, und jeder folglich durch Betrug sein Vermögenzu vergröserniuche, damit es zur Unterhaltung der Ueppigkett zureich«. Diese zween Puncte wtn i 9*** 284 Wochenblatt. habe Theophrast in seiner Schilderung zum Augenmerk genommen, und gar fein durchgeführt. Das übrige erklärt er in an Rand gesezten Noten. Die Fackel des Herrn Veits leuchtet mir in meiner Erklärung so schön vor , wie sie der ganzen Anzahl der Commentatorn vorgeleuchtet hat. Alle erklären fast auf eben dieselbe Art, und einer muß dem andern nachgeschrieben haben fr wie ich allen andern nachschreibe. tfr Nimm andern die Gelegenheit: zn Berrugcre^cn „ ist die eine Hauptpflicht des Landpriesters. Daher verfertigt er alles selbst, die Mehlküste, das Puppenschrankgen u. s. w. Ueberzeugt, daß der Betrug des Gesindes ein weit höheres Verbrechen sey, sucht er es so viel mehr dafür zu verwahren, und kauft das Schuhieder und die Häringe selbst em, mahlt den Caffee, spaltet das Holz, und unterhält seine Taglöhner mit anmuthigen Geschichtlein in der Jeyerstunde, damit sie unterdessen doch mcht Zeit haben, ihn zu hintergehn. „ Gteure dem Luxus / uud gehe deswegen mie gutem Be>?- „ spiele vor „ ist die andere Hauptpflicht. Daher werden die Schuhe mit Nagel beschlagen, Hüner und Ganse bey dem Essen in die Stube gelockt, und gefüttert, daher verachtet er alles , was zum Luxus gehört, und nur der öconomische Ochs und die Kuh können feine Aufmerksamkeit erregen: ja aus Eckel für den PetitmaitreS last er seine Perücke nur quartaliter ftisiren. Herrliches Beyspiel eines redlichen Dorfpriesters! Die wegen der Blähungen eingenommene Arznei) scheint den meisten Commentatoren selbst Blähungen gemacht zu haben; sie wissen es aufkei- ne anders Art zu erklären, als er müsse sich auf des Schulthesten gutes Rauchpulver verlassen; der alte Ueberfttzer scheint es mir körnicht und gut durch das an den Rand gesezteSprüchwort erklärt zu haben „ das Hemd „ ist mir näher, als der Rock',, d. i. „mein Bauch ist mir naher, als deine Nase. „ Die Herz»und Magenstarkende Züge auf dem FMalweg sind allen Commentatoren ein in Ansehung der Absicht unerklarbares Räth- fel gewesen Der Hr. Metropolitan Veit aber hat eine Erklärung gewagt, die so viel mehr Glauben verdient, da er sich auf seine eigene häufige Erfahrung beruft. Der Wein, sagt er, erfreue des Menschen Herz, und errege ein süsses inniges Gefühl, das sich nach und nach durch dm : mehreren Wochenblatt. 1?f quflufi Kes Weins in eine angenehme Betäubung verliere. Ec ^?meniLs schon Je rs die Unentbehrlichkeit dieses Gefühls -Mun. Ven^enn wenns schon durch -inen Zufall gefehlt habe, so I-Y-A° ' V"' ni, kbhaft gewesen, und seine Gemeind- habe auch hier n>e, wie ftai» A.n'ihrt ? binnen v-rgoss-n. Die Stelle in meiner Ueberfetzung fonji/ 9 b» fydtn je, „ wäre -in Beweis, daß er auch auser» " l!’u"Jti!-iii.iimtaij Di‘’ süß- Belaubung liebte, wenn sie wirklich im griy ftffiS aber nur eine griechisch- Randglosse von ein» fremden Hand ist, so 'i«ß i» st- weg; »nd von dem Bersahren o-S y r-\n f-srn 9ihfAreiber6 # der, wie er nur sagte, der ^oujtanvrgren w?. gen diesen Zug noch mit eingerückl hat, bin ich nicht schuldig Rechenschaft «i neben Am Schluß der U-b-rf-tzung bezeugt der alte Hr. Veit' daß stimHrn Confrakres meistens schon Originale zu dieser ^A/Aahr" mären; und 2 Ochsenfleisch # ' Knhflelsch t Rtndflclsch - Kalbfleisch - Schweinefleisch Hammelfleisch SÄaffleisch Vockflerfch - Wurst - t Pfund. fi. alb.lpf. 9 Rindsfett ij 15 9 ^anrelsf. 1-15 1 Pfund klein geschälte Gerste - I 4 1 Maaß Frucht Brandew. > 2 alb. 1 Meste Saltz ro alb. 1 Karpfen I 5 1 Hecht - ! 6 1 Persing 1 I 6 1 Brascm t j 1 1 Echlcyen 1 3 1 Butler - ! 6 ft. 4 1 Loth, 22 4 Becker - Preiß. Korn zu 3 fh 15 alb. Weitzen zu 7 fk Qu. 1 alb., pf. Brod. ♦ t '4 Butter Bretzel - 4 w. Loth.lQu.I 8 2 | Weck - - e$ | 1 i Taigscher - alb. pf. » 4 - 14