Wochenblatt. Vierzehentes Stück. Dienstags den 5- April -774. Wit Hochfürsil. H.-ssn Darmstadt,fthcr gnädigstrr Erlaubniß. Zum Zeitvertreib- er zu allen Zeiten hin und wieder einige Leute gegeben, dr« S 1 „en die Zeit des menschlichen Lebens zu kurz geschienen hak, sog.ebk {d „öd; beständig weit mehrere, denen sie viel zu lang deuchkek, und fid) daher kieselbe auf alle mögliche Art zu vertreiben , daö.st, kurz zu machen suchen- Selbst dem größten Theil derer von der ersten Som scher. „ f nut zu ihrem Zeitvertreibe zu kurz, und sie wünschten sich nut deswegen wehr Zeit, damit sie sich deren mehr, vertreiben könnten. Ich kann meinen Sah mit Teyspiclen erläutern: Lnblius, ein Philosoph von der Nasse derjenigen , die man fügst, cher Grillenfänger nennt, klagt über die .Kürze des inenschltchen Lebens, damit er noch einige Bände mehr nichts bedeutender Klenugkerken schrei- den könnte, worinnen er seine angenehmste Beschäftigung findet. Harpax ist Ro alt, und besitzt schon so viel Vermögen, daß es feine Erben, bet) allen ihren guten Gaben dazu, kaum durchzubringen im Stande seyn werden, und dennoch lcheint ihm das Älter eines .Molchen viel zu kurz, einen Nothpfennig (wie er es nennt) vor sich und seine Nachkommen samm^ len zu können» Beyde haben keine andere Ürsache, sich ein längeres £eben Q zu Wochenblatt. zu wünschen, als damit sie ihre Lieblingsbeschäftigungen, ihren Zeitvertreib/ länger fortzusetzen im Stande seyn mögen. Weit mehrere Veyspiele könnte man von Leuten von der zweyten Claffe geben, denen die Zeit zu lang wird, und die sich solche bald auf rieft, bald auf jene Weise beständig zu vertreiben suchen. Ich will nur einige anführen, und Spieler, Trinker, und dergleichen gar zu alltägliche und offenbare Cxempel übergehen. Zum Zeitvertreibe nahm sich Simplex eine Frau. Es war billig, daß die Frau auch einen Zeitvertreib hatte, und sie setzte ihrem Mann Hörner auf. Simplex wird sich, wie man sagt, ehestens zum Zeitvertreibe aushängen. philinde schäfte sich zum Zeitvertreibe einen Liebhaber an. Amint war so glücklich, diese Stelle zu bekleiden. Vor kurzem ist Amint in sein Vaterland zurück gegangen: man zweifelt, ob er jemals wiederkommen werde; indessen hat er doch seiner phüinde eine kleine Puppe zurückgelaffen, mit der sie indessen spielen und sich Oie Zeit vertreiben kann. Cleant liebte eine berühmte Coquette. Es ist wahr, sie hat ihn um Ehre, Vermögen und alle seine Glückseligkeit gebracht; er hatte aber doch auch manchen angenehmen Zeitvertreib mit ihr. Frau Barbara lästert, verleumdet und schmähet bep allen Coffee- visiten auf die ganze Stadt. Man hält ihr dieses gemeiniglich sehr vor übel. Ich nicht 1 die gute Frau muß einen Zeitvertreib haben. Man kann fast behaupten , daß der Zeitvertreib Oer Grund der meisten guten und bösen menschlichen Handlungen ist; der Wucherer bekriegt i und der Rabulist verlängert die Proceße zu seinem Zeitvertreib ; grosse Herren führen Kriege zum Zeitvertreib; und die Gelehrten zanken sich znm Zeitvertreib; — und ich? — ich selbst habe blos zu meinem Zeitvertreib Einfälle / und meine meisten Leser lesen sie nur zum Zeitvertreib. Die Wochenblatt. *•? Die Mutter und die Tochter. Die Mutter. Ich sag dir, Magdgen, liebe nicht? Die Tochter. Gehorsam ist zwar meine Pflicht; Allem erlauben Sie, Sie haben ja Einst auch geliebt, nicht wahr Mama? Denn wo war ich |on(l hergekommen! Die Mutter. Frevlich hab ich geliebt, gefreyt, Doch ebendas ists, was mich reut, Daß ich nm den Papa genommen. <^ch war da noch nicht so gescheut, Als ich jetzt bin, sonst hatt ichs nicht gethan. Drum Mägdgen, Mägdgen höre. Was ich dir nun klug durch Erfahrung lehre: Verlieb dich nicht, nimm keinen Mann; Die Che ist die größte Pein auf Erden! Die Tochter. Der Rach ist mütterlich! allein Es muß doch würklich auch hübsch seyn, Wie Sie, durch die Erfahrung klug zu werden; Von dm Hausarzttum oder Hausmitteltt überhaupt/ und insbesondere em Mittel gegen das Verbrennen. Die so genannten Hausmittel verdienen eine größere Aufmerksamkeit, als fit selten gewürdiget werden. Die meisten Menschen die auf dem Lande wohnen, haben nicht allezeit das Glück, daß sie sich in der Noch geschwind den Rath geschickter Aerzte bedienen können , und wenn sie diese- ja könnten, so fürchten sie sich vor den vielen Arzneyen und Kosten, L«de- O a NM LVocherMätZ, 108 m sie - bey jedem kleine» Zufall nur gar zu oft verdammt, und doch wegen dem Ausgang der Krankheit in Ungewißheit, gelassen werden. Viele Aerzte haben es fid) zur Rege! gemacht keinen aus ihrer Behausung ohne Recept gehen zu lassen, Heils um etwas gewisses darvon zu ziehen , oder den, der noch ungewiß ist ob er krank seye, durch den Gebrauch des R. wirklich davon zu überzeugen ; rheiis ihre Geschicklichkeit den recht bunden Mecepten zu zeigen, da man nicht selten z. V. fast alle kalckactige Körper die nur das Mineralreich und Lhimeich aufzuweiftn hat, zuweilen noch mit etlichen Siegelerden vermischt, um etwas Magensaure wegzunehmen, auf einem Blütchen vereiniget findet. Und wie marktschreyerischklingt es, wenn der Patient nur anfangt einen Nebenumstand zu erzählen der mit der Hauptkrankheit in keiner oder einer geringen Verbindung steht, der Arzt gleich zu der Feder greift, und ehe jener von der Hauptkrankheit was har sagen können schon ein Zettelchen überreigt bekomt, mit welchem er einer geschwinden Hülfe versichert und zum Wiederkommen ermahnt wird. So flute Wirkungen einfache Speisen bey Gesunden herfürbringen ; eben so gute haben einfache Medicamente bey Kranken. Ein Hausmittel bey einer gewissen bekannten Krankheit oder Schaden, zur rechten Zeit gebraumt, schäft oft mehr Hülfe als ganze Apotheken, so wohl bey Menschen aksbcy Vieh. Ich will hiermit nicht sagen, daß der Landmann in allen Zufällen sein eigner Arzt seyu soll; sondern nur in den Fällen wo er gewiß ist , daß es diese und keine andere Krankheit oder Schaden seye, und wvbey durch hinlängliche Erfahrung ein Hausmittel vor bewährt befunden worden. Schade, daß oft die besten so wenig dem Landmann bekannt sind! Viele Dieser, meistens einfacher oder nur wenig zusammengesezter und wohlfeiler Mittel, die jeder Hausvatker sich selbst bereiten kann, trist man in manchen Schriften zerstreuet an, und es wäre zu wünschen, daß jemand dem Lcmdmann einen kurzen und faßlichen Auszug in die Hände geben , und diejenigen viele und gute Hausmittel, die man nur an einzelen Orten auf Dem Lande besitzt, ausforschen und bekannter machen möchte. Tissot hat in seinem ichönen Buch , welches er vor den Landmann abgefaßt hat, wie auch der geschickte Fortsetzer dieses Werks mehr vor einen Arzt auf dem Lande, oder vor einen rechtschaffenen Landgeistlichen (der sich zu mehr verbunden hält, als wöchentlich ein oder zweimal zu frohnden , in der Geschwindigkeit des Samstags Abends vor die Seelen seiner Zuhörer aus -alten Postillen etwas zusammen zu raffen, von der Kanzel unordentlich Vörzuschütten, und mit persoMen Hoß, oder Eigennutz.zu würgens som der» w-cheME. w dettr Wk solchen, der sich gleich den schwedischen Geistliche etwas auf die Natmlehre und Naturhistorie, samt der Arzneywiffenschaft, anstatt unnützer Dinge, gelegt hak, damit er feinen Beichtkinder so wohl m ihren hauß- ließen Umstanden, als auch bey widrigen Leideszusäilen einen guten Rath Mheilen möge, welches gewiß erwünschte Folgen vor das Predigeramt so wohl, als vor einen ganzen Staat Haden würde,) als vor einen gemeinen Landmann, oder das Landvolk wie es von einem Uebersetzer auSgedrückt wird, geschrieben. Ich wist hierbei) nur ein Hausmittel, und zwar gegen das Verbrennen im Feuer oder Topf einer kochenden Flüssigkeit anführen, welches bey vielen Landleuten ganz bewährt, vor Menschen und Vieh ist befunden worden. Man nehme kleingestoßene Wachholderbeeren, röste sie ein wenig in frischer ungesalzener Butter und bestreiche den beschädigten Theil damit. DaS Baumöl mit Eyweiß durcheinander geschlagen , wie auch der Leinöl soll gegen das Verbrennen diesem geringen Mittel weit vach stehen. Gießen den 24. März 1774» C- F. G. Dre Obstbäume zu rer'mgerr. M ich meine kleine Feldwirthschaft anfing, hatte ich nichts als ver- wiltevdes Guth zu verbessern. Die Bäume in meinen Gärten trugen nichts; sie waren ganz mit Moos überwachsen, und dieneten nur der Brut aller Gattungen Geschmeisses zum Auffrnthalt. Jedermann rieth mir diese verwilderten Baume ganz auszurotten und viele stunden in der Meynung Die Gegend, oder vielmehr der Boden, müsse daran schuld seyn ; zumahl da nicht weit davon Felsenberge sind, auf welchen nichts wachsen will. Ich wählte den Mittelweg. Ich lies die Bäume, welche meistens ZweK schenstämme sind , noch zur Zeit stehen, besezte, ohne mich an diese zu kehren, den Gatten, nach der Schnur, mit jungen Obstsiämmen. Mik meinen vorher darinnen befindlich gewesenen Stämmen verfuhr ich also. Ich band einen Besen von den in der Dillen burgischen und Siegnischen Gegend häufig wachsenden Gensterstrauchen. Den Stiel oder den oberen Theil des Besens schnitt ich glatt ab und rieb damit das Moos von O 3 dem Wochenblatt. II» um Stamm und von den A-st-n der Bäume, ich tunket- hi-raufd-nun. eern oder weichen Theil des Besens in eine Lauge, kehret- und b-sprengcke damit alle A-ste sorgfältig. Diese Lauge machte ich auf solche Art. Ich schnittGenster (man kann auch Hanf dabey nehmen,) zu Ikmen Stücken, nofi kochendes Wasser darauf und ließ es bis des andern Tages stehen. Sden Stamm und die Haupläste der Bäume lies ich mit einem in Holz. ,md TabackSaschenlauge getunketen kappen abreiben , und besonders da, wo dk »teste auS dem Stamm heraus gewachsen sind und sich Winkel for- iniren wo das Geschmeiß vor dem Wetter bedeckt ist und seine Brut am i chNen Kinleget. Diese Lur habe ich im Frühjahr oder Herbst vorg-nom- men. und oben auf die Bäum- -inen Büschel Genstern zwischen die A-ste ö leaet Die Baume hab- ich hierauf unten am Stamm mit etwa« sakmist umgeben , zuvor aber weniges von der Strasse g.sammleten ^chweinemisteS darunter legen lassen, damit durch den Kuhmist das Un. anitftt, welches sich in der Erke aufhält nicht so leicht zu dem Baum Ä,'„ a,locket werde; weil der Schweinemist durch seinen widrigen Geruch dös Unaezief-r bekanntlich abzuhalten pflegt. Dur» diese B-Handlu gs. A,f haben fi» meine Baume zum Bewundern wieder erhohlet, und es hat Sh .eine einzige Raupe darauf spüren lassen; darbenebst bekomme ich hier, durch wenigstens doppelt so viel Ob|i, als ich sonst ohne dies- sorgfältige Behandlung haben würde. Attzeig«. r^ie f ritte und letzte Claffe der 1 sken Churcslnischen Lotterie wird de» , itenUchstkünftigen April, und in folgenden Tagen gezogen werden, mit Listen dieser Ziehung werben vor, und nach, wiest- die Presse verlas. . ,um Vorschein kommen, und bey den verschiedenen Collecteurs nach, lui-ben, wie auch Plans, und Loose von der -sten Lotterie zu haben seyn, welche man dem ersten kistebogen beyfügen wird. Di« in dem Plan dieser isten Lotterie gemachten Abänderungen wer. den um so geneigt« ausgenommen werden, als sich dermahlen die Abmi. nistration in allen S-ück-n dem Ansuchen, und Geschmack- der mehr-st-n Interessenten gemäß gefüget hak; solch-b-st-h-n, ab« -. darin , daß d,e 8adi d-r Loosen bis auf ;°°°° zu -rfl- R-'chsg-ld s-stg-s-tz-t worden, r daß die Zahl ver Gewinnst-, l°°°. nebst iwey Prämien, folglich fo in W-chMblätt Copulr'rte. Am 24. Mertz Johann Henrich Müller, Bürger und Veckermeister, weiland Herrn Johann Henrich Müllers, Steinsetzers allhier, ehelicher Sohn, und"Jungfer Maria Gertraud, weiland Herrn Johann Pe- rer Pistor, Rathschöffen allhier, hinterlassene eheliche Tochter. vlel Gewinner als Fehler seyn,3. daß 6i‘’SJ?“ !,Ct!)iti9l $« n<6|n‘n Mni0Jt Jollen- . gAßf, Listen von hieraus verlanget, kann m.lkkels baarer Zahlung des Ertrags , oder dessen "jÄe? x>e?grs- Churfurstl. Lokleri-administrakion schreiben, wo sieb dann e n - r gr - sten A-curat-ffe, wie auch, daß man di-Packele so weit » V™ fiten werde, zu versichern har, solchentalls aber ersuchtt seine Addreffe deutlich zu schreiben, damit dadurch aller Auftnkhai , J laufen, und dergleichen verhütet werde. , , Von Lhor-olnischcr Lotterie Generaladmm«- x ßration wegen m Bonn. Die Kriegerische Buchhandlung ,n Giesen hat an sich gehandelt und verkauft bis Ende April dieses Jahres Ioh. Chr. Kochs ^lp ttor unll Confiftorialis in Friedberg erbaul che Betrachtungen Uber die Bergpred g Jelu mir einer Vorrede Herrn Kirchenrakh Y. Joh. Hermann Benners ; Bände gr. 8. für - st. ir kr. nach Verlau, dieses Termins aber wer. den sie nicht unter 3 fl. 3° kr. zu Haden seyn. Nachdeme nunmehro der fte Band der Gesclstchte der Hessen so aus eigene Kosten von dem berühmten Herrn Hoftath ^eukhorn wird, erschienen. So können alle respcclwe Herrn Pranumeranten solchen n der Kriegerischen Buchhandlung in Empfang nehmen, und sogleich aus den 6ten Band pranumeriren. Wochenblavk XI» AM 25. Mertz Philipp Henrich Kräcker, Bürger avhier^ weiland Johann Daniel Kräckers, Bürgers allhier, ehelicher Sohn, und Jo- hannetta Dorothea, weiland Herrn Johann Carl Saatfeld, Magdlein Praeceptoris allhier hinterlassene eheliche Tochter. Gebohren und Getaufte. Mr iy. Mertz Maria Margaretha, Johann Adam Noll, Bürgers und Fuhrmanns, Töchterlein. Am m- Mertz Iohannetta Margaretha, Johannes Walthers , Bürgers und Schneidermeisters, Töchterlein. Eodem Johann Philipp, Johann Philipp Beckers, Bürgers undHuf- schmidtö, Söhnlein. Beerdigte. AM 2r. Mertz Frau Helena Clara, weiland Herrn Johann Ludwig Ale, ftld, Profefl'. Philofoph. primär, bey hiesiger löblicher Universität, hinterlassene Frau Wittwe. Am 2,z. Mertz Johann Balthasar, Philipp Willhelm Malcomesiuö, Bürgers und Metzgers, Söhnlein. Am 2.4. Mertz Iohannetta Catharina , weiland Georg Ernst Schott, Bürgers und Schneiders, Töchterlein. Frucht-und andere Presste am Marktag den 2. April. 1 fi. alb. pf. tb. alb. pf. 1 Achtel Korn , 5 1 Ochsenfleisch r 3 1 Achte! Gerste, ; 1 Kühfieisch ,24 x Achte! Weißen 8 1! Rindfleisch - 2 r Achtel Hafer - 2 i Kalbfleisch - 1 4 1 Meste Erbsen - 20 1 Schweinefleisch 3 r Meste Linsen -- .20 1 Hammelfleisch 2 4 774. Gießer D ib. 1 Karpfen 1 Hecht #■ 1 Persing x 1 Brafem - 1 Schleyen 1 Butter f !aae alb. s 6 6 1 3 5 -pf. 4 x Pfund Hirse 2 4 1 Echafflersch 2 4 x Pfund geschalte $ Bockfleifch -26 Gerste - - . 2 . 1 Wurst - , 3 1 Pfund klein ge^ 1 Kalbsgelüng 1 4 schalle Gerste - 4 « Ka'bör Leber 1 4 j Maaß.Frucht Brandew. 14 alb. r Pf. Bratwurst 5 alb. 1 Pf. 1 Messe Saltz 20 alb. Pfund. fi. 9 Rindsfett 1 9 Hamelsf. 1 1 Lichter - 8 Eyer inländische Seil alb. 15 15 8 2 Vf. iS.' Loch. is 4 Qu. 1 tb. Loth. Qu.! Brod. , 4 Butter Bretzel - 14 1 Weck - - Tertscher i 8 11 Becker-Preiß. Korn zrr 5 fl. Weißen zu 7 ff. alb.! pH tb. Loth. Qu.l alb. » pf. 4 4