Giesser Wochenblatt Erstes Stück- Dienstags den 4. Januar. i?74« Mtt Hochfürsrl. Hesscn Darmftädklscher gnädlgsier Erlaubnis. Hsllmacbtiger, der Du Olymp und Erd regierest, Uns unerforschlich zwar, doch immer weislich führest; Die Erde singt dir heut, da sich das Jahr verjüngt, Den seyerlichsten Dank, den sie voll Andacht bringt. ■' und du Durchlauchtigster, sey lange noch wie heute Die Wonne Deines Volks, und weit von uns verbreite Dein groser Name Sich zu ferner Völker Ohr; Bis an den Himmel flieg' Dein edler Stamm empor! Heil, Karoline, Dir, Dich blicken wir nun wieder In Deinem Land! Du schaust holdseelig auf uns nieder! Ach ewig bleibest Du dem Volk verehrungswerth, Zu dem, 0 Fürstin«, Du glorreich zurückgekehrt! Auch euch, ihr Herrn, die ihr dieß Wochenblatt noch liebet. Weil euch sein Jnnbalt ost den schönsten Nutzen giebet; z Wochenblatt.; Die ihr es dennoch leßt, so sehr auch Tadler schreyn. Auch euch soll heut ein Wunsch von uns geweihet seyn. Der erste und der lezt', den wir euch können geben, Ist ein zufriedenes und ruhevolles Leben: Und fehlt noch etwas dran, so lebet dann noch da, Wenn man zweitausend schreibt, wie einst Methusalah.' Da uns aus Herrn Langhans/ eines berühmten Arztes zu Bern, schönem Buch, von den Lastern die siet) an der Gesundheit: der Menschen selbst rächen/ ein neues und ganz bewährt gefundenes Mittel gegen die elendere aller Krankbeiten, die fallende Sucht/ bekannt worden- so halten wir uns durch die Menschenliebe verpflichtet, die ganze Nachricht die er davon gibt, hier mitzutheilen und dadurch bekannter zu machen. Sie findet sich in angezogenem Buch S. - 10$. und lautet also: c^n der Fallendensucht habe ich von elnem Mittel, das bisdahkn von reu (? nem Arzt innerlich gebraucht worden ist, ausserordentliche Wirkun- gen gesehen, welche verdienen der Welt bekannt gemacht zu werden. Das Mittel ist eine gemeine Gilgentinctur; eine Erfindung von einem Baurenweibe, von der mir schon vor einigen Jahren durch glaubwürdige Personen ist bezeuget worden, daß sie mit eben diesem Mittel viele Leute von der Fallendensucht befreyet Habs r und diese Personen wirklich noch bey Leben feyen; ich hatte bald hernach einen Anlaß sie zu sprechen, und mit dieser Frauen selbften von ihrem Mittel zu reden, welches sie mir ohne Anstand eröfnete; es war aber mit so vielen abergläubischen Sachen begleitet, daß ich ungeachk allen Zeugnissen der Wahrheit, daß eö in diesem Uebel vollkommen geholfen, ihm dennoch keinen Glauben bey- mcffen konnte. Als ich vor einem Jahre den Spithal der unheilbaren Kranken, die darinnen aus besonderer Güte von dieser Regierung für ihr Lebenlang wohl verpfleget und mit allem nöthigen versehen werden, besuchte, wurden mir von dem darinnen bestellten und sehr erfahrnen Wundärzte, Herrn Schneider, zwey Mannspersonen vorgestettt, die mit der Fallendensucht Wochenblatt z lendensucht behaftet waren, und an denen seit vielen Jahren her vergeblich ohne Die geringste Wirkung alle bekannte Mittel wieder dieses Uebel sind angewandt worden. Der eine heisset Heinrich Baumgartner von Bren- garten gebürtig, seines Alters drey und drryßig Jahre; der andere David Althauß, von Langnau, von sieben und zwanzig Jahren. Der erste war schon seit mehr als zwanzig Jahren, und der andre seit ungeschr vierzehen Jahren mit diesem Uebel behaftet; sie wurden oft im Tage mit zweyen Anfällen und bisweilen noch in der Nacht auf das heftigste überfallen. Veyde waren gemeine Taglöhner, die oft bey ihren Arbeiten aufder Strasse nut ihrem Uebel überfallen wurden, daß sie die vorbeygehenden mit Schauer und Schrecken erfüllten, und deswegen von der Regierung auS in diesen Spithal verschickt worden sind. Bey diesem Anlässe nahm ich sogleich den Entschluß, dieses mir unbekannte Arzneymittel zu versuchen, und verordnete jedem täglich zweymal einige Eßlöffel voll einzunehmen: beym erstern blieb der Anfall vom ersten Tage an über sieben Monatelang gänzlich aus, beym andern aber stellte sich in Den ersten vierzehen Tagen eben in Den Augenblicken wo Der Anfall kommen sollte, ein schneidender Schmerz durch die Mitte des ganzen Angesichts ein, der aber keine Se- cunDe lang dauerte, und bey welchem er seine Sinnen vollkommen behielt. Endlich verschwand auch dieser wunderbare Affckt vollkommen , und der Mensch blieb von allem Anfalle' des Nebels über fünf Monate lang ftey, so lange ich die Besorgung dieses Spithals auf mir Hütte. Nach dieser £cit bekamen sie wieder einen Anfall, und an statt mit dem gleichen Mittel anzuhalten, wurden ihnen von dem Arzte/ Der auf mich folgte, andere Arzneyen verordnet. Seither hatte ich Gelegenheit in unserm großen Spithale folgende Proben damit anzustcllen. Hans Neuenschwander von Langnau, acht und dreyßig Jahr alt, wurde vor vier Jahren mit Der Fallenden sücht behaftet, und bekam oft alle fünf bis sieben Tage einen heftigen Anfall. Er gebrauchte eine lange Zeit Die Chinarinde mit Der wilden Baldrianwurztt und Den eingekochten Saft des Bilsenkrauts, aber ohne Den geringsten Nutzen. Hieraufnahm ich ihn zu Ende des letzt vergangenen Merzens in Den Spithal zu einer Probe an, und ließ ihn ohne einige Zubereitung Morgens nüchtern, und Abends um sechs Uhr zwey Eßlöffel voll von der Tinctur einnehmen. Al6 er über sechs Wochen lang von Dem Augenblicke an, Da er das Mittelan- gefangen hatte zu gebrauchen, nicht Die geringste Spur von einem Anfalls 4 ( w-chenblaee. * \ ' seines Nebels erlitten, kehrte er wieder nach Hause zurück , um seine Geschäfte zu verrichten. Ungefehr einen Monat hernach wurde er mit einem Faulfieber, das mit starker Entzündung der Brust begleitet war, welches dazumal in diesen Gegenden sehr gemein gewesen, überfallen; man war ge- nöthiget, ihn mit starkem Aderlässen, Erbrechen, und absühren heftig zu schwachen, und ungeacht dessen, blieb er von seinem schrecklichen Uebel biS , auf diese Stunde gänzlich frey. In der ganzen Zeit, da er das Mittel einnahm, änderte ich in seiner Lebensart gar nichts, er genoß täglich als ein Küher viele Milchspeisen, bisweilen Fleisch, Gartenkräuter mit Speck gekocht, gekochte Baum-und Erdfrüchte, trank gemeines Brunnwaffer für seinen Durst, und bey den Mahlzeiten ein Glas voll Wein. Johann Rumpf von Schwarzenburg ein Knabe von dreyzeben Jahren, welcher über drey Jahrelang mit der Fallendensucht behaftet war, wurde in gleicher Zeit mit dem erster» in den Spfthal angenommen. Er hatte täalich sehr heftige Anfälle, und oft zwei) bis drey in Zeit von 12. Stunden, Anfangs glaubte ich, daß sein Uebel von dem Bendelwurme oder von einer Menge anderer Würmer in den Därmen herkämc, und verordnete ihm deswegen das bekannte Nuveriscke Mittel, welchem keine Würmer widerstehen können; es trieb auch wirklich einige ziemlich große und runde Würmer ab, aber nichts desto weniger dauerte fein Uebel fort, ja weit heftiger als vorhin; hieraus gab ich ihm Morgens und Abends einen kleinen Teelöffel voll von der Tinktur ein. Es vermengen zehen Tage, daß das Mittel keine Verminderung weder in der Menge noch in der Heftigkeit der Anfälle machte, nichts destoweniger ließ ich es ihn in gleicher -Ordnung immerdar fortbrauchen: auf einmal blieben die Anfälle vom eilften Tage bis zum neunzehenken gänzlich aus; nach diesem bekam er nur alle acht Tage einen Anfall etwa» sechs Wochen lang, und zuletzt nur cb nen in einem Monate, und so leichte, daß er selten länger als eine Minute lang dauerte, auch nur eine Zuckung mit dem Kopfe verursachte, wobey er zwar einen Augenblick sinnlos blieb , aber nicht wie vorhin zu Boden geworfen wurde. Als Herr Tribolet, ein sehr aelchrter und fürtreflicher Arzt, die Besorgung des Spithals nach mir übernahm, übergab ich ihm diesen Jüngling, um an ihm die angefangene Cur mit diesem Mittel fort zusetzen, von dessen endlicher Wirkung wir bey einem andern Anlasse eine genaue Nachricht ertheilen werden. . Elisa- Wochenblatt- $ Elisabeth Geißler von Eins, .ein Mädchen von rz Jahren, feitdrey- reden Jahren täglich oft mit 8 bis io. von den allerfürchterlichsten Mal- len der Fullenbensuchl behaftet, wurde I-tzken April! zur Probe in den Sp'- tbal aufqcnommen. Die ausserordentliche Heftigkeit dieses Uebels hakte sie wirklich fc-st ganz sinnlos gemacht, den jeder Anfall dauerte mit gleicher Wuth über eine viertel Stunde lang, und wenn schon derfelbige vorbei) war, blieb sie dennoch eine Zeitlang wie rasend, daß siedle Umsiehen- den zu Boden schlug und übel mißhandelte. Vom ersten male an , da sie das Mittel euwahm, blieb der Anfall sechs Tage lang aus, kam hier, auf wo Tage lang nach einander mit gleicher Heftigkeit wie vorhin wieder. Ich wurde genökbiqet dieses Mädchen wegen den übrigen Kranken, die sich in gleichem Zimmer befanden, wieder nach Hause zu schicken, all« wo sie das Mittel täglich jweymal seit einigen Monaten, wie in dem Spi- khale gebraucht. Alle Wochen berichtete der Vater genau die Wirkung des Mittels.' Die Anfälle nahmen an Heftigkeit nach und nach ab,stellten sich minder ost ein, und feit mehr als dreyen Monaten sind sie gänzlich ausgeblieben. Dieses gleiche Mittel haben wir mit dem allerglucklichsten Erfolge bey einer jährigen Tochter von gutem Herkommen m dieser Stadt gebraucht, welche über fünf Jahre lang mit der Fallendensucht be- behaftet gewesen, und davon wenigstens alle zehen bis 14 Tage emen starken Anfall erlitten, seit mehr als anderthalb Jahren geniesset sie eine vollkommene Gesundheit, und hat seither nicht den geringsten Anfall mehr verspühret. Als ich von der starken Kraft dieses Mittels in einer wahren Fallen- densucht durch meine eigene öffentlich gemachte Proben überzeuget war, versuchte ich es auch in gemeinen Gichtern bey hysterischen und sehr zartlr chen Weibspersonen; aber hier that es selten eine erwünschte Wirkung, ja bey einigen erweckte es jedesmal kleblichkeiten und Erbrechen, so oft |ic es einnahmen, welches hingegen bey den vorigen niemals wiederfahren ist: dennoch sind verschiedene dadurch vollkommen, und in kurzer Zeit von sehr starken Gichtern befreyet worden. Die wenigen Proben die ich sclb- fien mit diesem Mittel bis dahin anzustellen und zu. machen Gelegenheit gehabt habe, werden mich antrciben, selbiges weiters zu versuchen • um seine ächte Tugend und die Art es wohl anzuwenden, vollkommen kennen zu lernen, weil ich bis dahin in dieser Krankheit kein anders von so großer Kraft und geschwinder Wirkung als dieses gefunden habe. Acade- 6 rVochenb!aee. 2lcademische LTeurgkert. Bey hiesiger hochlöbl. Universität haben das dißjährige Rectorat Herr Bergrath und Prof. Prim, in der Medicinischen Faculkät, Joh. Wilhelm Baumer, mit den gewöhnlichen Feyerlichkeiten angetreten. Das Decanat in der Theologischen Facultat haben Jhro Hochwürden Herr Superintendent und Prof. Theol. Ludwig Benjamin Ouvrier, in der Ju- Eischen Facultat Herr D. und Prof. Iuris Luow. Julius Friederich Hopfner , in der Medicinischen Facultat, Herr D. und Prof. Medicin. Georg §udw Alefeld, in der Philosophischen Facultat, Herr Bergrath und Probest', philofoph. Friedrich August Cartheuser erhalten. Noch im verstossenen Jahr ließ Herr D. Superintend. und ProfefT. Theol. Johann Georg Bechtold auf die Christferien ein Programma auf 2.1 Bogen dru- cfen, welches handelte de Chrifti piaculo pro huminibus Lapfis iufliriae divinae dato. Avertiflement. Nachdeme sich des dahier verstorbenen Platz -Obristen von Gutackers hinterlassene Jntestat; Erben um die Erbschastsvertheilung neuerdmgs gemeldet und gebethen, diesem petito aber nicht ehender deferiret werden kann, biß der Status pal ti vor um völlig festgesetzet worden ; als werden alle und jede Creditores welche sich noch nicht gemeldet von löbl. Garni- -on, Gerichts und Rechtswegen dergeftülten peremtorie hiemit citirek, daß Sie auf Freytag den 4ten Febr. 1774- erscheinen, und ihre Forderung rechtsbehürig liquidiren, gegenfals aber für pracludirer erachtet und nicht weiters gehöret werden sollen. Giesen den 2.7101 Decembr. 177h S* D. von Rorberg. AufHochfürstl. Regierungsverordnung/ sollen Mittwochs den tUfci» in loco Echzell, nachfolgende Weine, Bergsträßer Neuenhaincr Gewächs, öffentlich an den Meistbietenden gegen baare Bezahlung verstrichen werden , als nemlich : 4 Ohm de Anno 1766. 4 Ohm de An- n0 1767 4 Ohm de Anno 176z. 2 Ohm de Anno 1771. und , 0dm de Anno 1772. Wer also Lüsten hat , von sothanen Weinen etwas käuflich an sich zu bringen, kann vorhero bey dem von Pretlackischen Ver, Wochenblatt. 7 Verwalter Möbs zu Echzell die Probe davon nehmen, sofort sich ermeld- ten Tages Daselbsten, in dem Dafigen Wirthshaus zum weisen Roß ein- finden, fein Geboth thun und sich sodann des weiteren gewärtigen. Giesen den rten Jan. 1774» Vi Commiilionis. Langsdorf/ Regierungs - 8ecrerariu8 daselbst. DerHochfürstl. Hessen Darmstädtischen garantirten Zahlenlotterie 14 Ziehung iss Den 31ten Dec. in seiner -Ordnung vor sich gegangen, und find folgende Zahlen herausgekommen. 28. zz. 16. 2.0. f I. Frey Nummer für die Prämie ist 1$ Die rste Ziehung geschiehet Freytags den r iten Januar, und die folgende von drei) zu drey Wochen. Em--und auspaßirende vom2.f. Decembr. bis den 1. Iannuar 1774 Herr Oberamtmann Hillenbrandt von Churmainz, pass, durch.' Herr Cammerrath Kleinschmidt von Frankfurt, log. im PosthauS. Herr Rath Heller von Wetzlar, log. im Einhorn. In dem verflossenen i77zsten Jahr sind durch göttlichen Seegen, von Ihrs Hochfürstiichen Durchlaucht, von löblicher Universität, "von dem löblichen Regiment, vom löblichen Magistrat, wie auch aus denen wöchentlichen Büchsen, und von gutherzigen Christen, bey dahiesiger Ar- mencaffe eingekommen, und ausgegeben worden. Z90 fi. 2; alb. 4pf. In der Kirch und aus dem Rathhaus, find an gestifteten Allmosen den hiesigen Armen gereichet worden - 967 fi. ig alb. Summa aller Ausgaben an die Armen Uj8 fi./, alb. 4 Pf. ' ' ' - 3n 8 Wochenblatt- 9n dem verflossenen i77zsten Jahre sind copulirt worden; i) bey der Stadtkirche ♦ • 23 Paar. 2) bey derVurgkirche - - 57 Paar. Summa 6; Paar. Summa 10; Summa z 744 -7)8 1006 Gebohrne und Getaufte, bey der Stadtkirche worunter 2 unehliche > * Bey der Burgkirche, worunter z unehliche Summa 167 s O - 42 0 110 - 57 Verstorbene bey der Stadtkirche ♦ Bcy der Burgkirche - - lind also in diesem Jahr 61 mehr gebohren als gestorben. Communicanten bev der Staoekirche, worunter f6 Confirmanken sind » ' Bey der Vurgkirche « • Frucht-und andere Marktag den r'-^ec. ®uE(r Achtel K°rn. 5 1° ' - MW - f { Men 5 Ach"! Gerste. , • W« ' ! 4 6 Pf. i Pcrsing , Rmdfieisch 2 8 Achtel Weitzen 4 2 1 4 I I 2 4 inländische Seife7 alb. M aaß Frucht Brandew. »4 alb. i Pf. Bratwurst 5 alb. i Pf. Meste Laltz ro alb.. alb. pf. ft. Loch.! Qu. 8 Brod. 4 l - Butter Bretzel - >4 - 4 I i 1 1 i i I Weck - 5 Teitscher - 4 4 6 20 20 2 2 3 2 2 2 4 Pf. - Achtel Hafer - Meste Erbsen - Meste Linsen , Pfund Hirse Pfund geschälte Gerste - - Pfund klein ge, schälte Gerste - Kailfielsch - Schweinefleisch Hammelfleisch Schafstelsch Bockfielsch - Wurst f » Kalbsgelüng Kalbö - Leber alb.! pf. ♦ 4 f 4 i Brasem t i Schleyen i Buller r Pfund. fi. g Rindsfekt i 9 Daniels f. i i Lichter - 5 Eyer 3 I 8 alb. »5 ‘5 8 2 Vccker-Preiß. Korn &u 5 ff-, Weitzen zu 7 ff. * alb. pf4 w. Loth.lQu.