I3f Giesser 1t « . M^HochfünA. Hcsftn Lar»,stLdnsch-r gnädigster Eriaubnili. Achtzehentes Stuck '!|1 Dienstags den i- May >774. • Mein Herr/ cv* habe alle Ihre Blätter mit Vergnügen gelesen, und gefunden, daß 3 f Sie die Dinge, die sich im gemeinen Leben zutragen , in ein belle» <\J jj4)t fttzen. Dies beweget mich Ihnen meinen itzigen seltsamen Zu- «and m erifnen. Ich kam in Die Welt in jenen frohen Tag , Da nicht» al» RteuDe und Lustbarkeit herrschten , nemlich in Dem sechzehn hundert und «in und sechzigsten Jahre: Und aus meinen itzig-n Schreiben können Sie keblietzen, daß ich bisher gelebt und noch lebe. Mein Vater war ein Mann aus ansehnlichem Geschlechte: Er verheirathete mich, als ich etwa zwanzig °Labr alt, an einen Edelman aus einer benachbarten Grafichaft »on mittel, «äßgen Gütern, und gab mit einen mittelmäßigen Brautschatz mit. Ich wurde bald eine glückliche Mutter non einen hofnungsvollen Sohn. Dieser bat auch viele Jahre nach einander mir alles errotelen, was cm Kind seiner Mutter schuldig. Allein seit einiger Zeit, Da er vielleicht weiser geworden, «well keine Jahre zugenommen, (lebet er mich an , als wenn ich ihm einen Th«! feinet Güter entzöge: Er glaubt die kleinen Leibrenten , Die mir 51 ^meinem nothdürstigen Unterhalt vermacht sind , beraubten ihn des lieber. «uffeS Daher hat et feine gewöhnliche kindliche Ergebenheit gänzlich ai> 'neleat’, und redet nichts mit mir als dieses: Er möchte gerne wissen, w is ” ö S ich <4® Wochenblatt. ich gedachte, daß ich so lange lebte. Unterrichten Sie mich, mein Herr, bin ich in meinen Gewissen verbunden zu sterben, und in meinem acht und sechzigsten Jahr diese liebe Welt, und alle meine Spielgeseüinnen Tu verlassen, und zwar um meines Bubens willen, der nun mehrentheils fünfzig Jahr; oder kann ich m,t Recht verlangen, noch zwanzig Jahr länger Odem zu lchopfen? Dero Gurachten über diese Sache wird als eine Gewogenheit ansehen, eine von Ihren ergebensten Dienerinnen. Arabella. Diese gute Dame scheint mit ihren Unglück Scherz zu treiben. Meines rst warhaftig ein Uebel das wohl verdient auf eine ernsthafte Art betrachtet zu werden Ein Kind wird durch die Zärtlichkeit und Sorge, die eine Mutter oder ein Baker in den Jahren der Kmdheit für dasselbe trägt, da es noch unvermögend ist sich selbst zu helfen, oder zu erhalten, aufdaö höchste verbunden: ES wird dadurch verpflichtet seinen Eltern, so lange eü lebt, aufrichtige Ergebenheit, Ehrerbietung und Liebe zu erzeigen. Wolre man auch die genaue Verknüpfung der Narur und des Geblüts nicht in Betrachtung ziehen; so würde doch Die gemeine Dankbarkeit dieses erfodern. Wem ist die ewige Wahrheit unbekannt: Erkenntlichkeit und Wohlthaten, je mehr die Absichten des WohlthäterS auf unsere Glückseeligkeit abzielen, desto größer muß unsere Erkenntlichkeit werden ? Welche Wohlthae aber kann größer fein, als diese, wenn man uns beisteht, da wir von allen verlassen, und ohne diesen Beistand unvermeidlich umkommen müssen? Wessen Absichten können deutlicher auf unser Bestes gerichtet fein, als derjenigen, die durch soviel wiederholte Merkmale der Liebe, durch ihre Zärtlichkeit,durch ihre Sorgen, durch ihre Furcht und Hoffnung, kurz durch ihre beständige Sorgfalt und Bekümmerniß für unsere Glückseligkeit bezeugen , daß sie unser Wohl als ihr eignes ansehen, unser Wohl als ein solches betrachten, das wesentlich mit dem ihrigen verknüpfet ist ? Man feite glauben, daß diese Betrachtungen allein schon Stärke genug hätten , die kindliche Liebe zu erwecken: Man solte denken es fei unmöglich Menschen zu finden, die so verderbt, die so sehr alle Vernunft, alle Empfindung der Dankbarkeit verlohren, daß sie einer solchen Verbindlichkeit vergessen, und diejenigen, denen sie solche schuldig, verachten, oder beleidigen könnten. Allein das Verderben unserer Zeiten ist so groß, daß ich besorge der Zustand der guten Frau Arabellen sei nur gar zu gemein. O daß ich es nicht mit Marheit Wochenblatt Warheit sagen könnte: Aber wie viel selten der Kinder wohl nicht sein, die denen, von welchen sie alles haben, was sie haben können, kaum die nothwenyigsten Bequemlichkeiten des Lebens gönnen? Die chren Eltern den Tod wünschen? Weil man sich eines Verbrechens schon huldig macht, wenn man es nur wünscht zu begehen r so ist ein solcher Wunsch nicht viel besser als ein würklicher Mutter-oder Vatermord , als dieses Laster, das so erschrecklich, und so wenig mit der Menschlichkeit uberemkomt, daß die Römer in langer Zeit nicht einmal ein Gesetz dagegen gemacht, wen Sie geglaubt es könnte niemals begangen werden; bis Sie durch em trauriges Eremvel überführet wurden, daß auch eine so entsetzte Bosheit den Menschen nicht unmöglich. Man crzehlet, daß ein gewisses Volk m den gegen Osten gelegenen Theilen Der Welt die Gewohnheit habe, ihre Eltern, wenn sie ein hohes Alter erreicht, mit großen Jauchzen und Frohlocken tot) zu schlagen. Ich kann dieses kaum glauben; solle es aber wahr fein, so sind diese Barbaren noch eher zu entschuldigen , als diejenigen »wovon ich itzo rede. Jene haben doch noch eine gute Absicht, so abscheulich ihre That immer seyn mag: Sie wollen ihre Eltern von dem Elende eines hohen Alters befreien, und nehmen ihnen nur alsdenn das Leben, wenn sie glauben, daß eö ihnen zur Last und zum Unglück geworden. Aber unsere wilden, unsere barbarische Kinder, wünschen ihren Eltern den Tod auS keiner andern Ursach, als daß sie dasjenige, was sie etwa noch besitzen, an sich reissen können: Stinkender Geitz, der niederträchtig , schändlich und abscheulich würde, wenn auch die Eltern unsere ärgste Feinde waren; und wie soll ich ihn denn nennen, da sie unsere beste, unsere treueste, unsere zärtlichsten Freunde? ES ist etwaSheiliges und fürchterliches, daS aber zugleich reitzend und rührend ist, in den Namen Vater und Mutter. Diese Worte sind durch ihre eigne Kraftschon fähig Ehrerbietung und Liebe zu erwecken : Unferm großen Schöpfer hat eS gefallen, daß wir ihn unter den Namen eines Va- rerS verehren sollen, um uns zu Gemüthe zu führen, daß wir ihm Dankbarkeit, Unterwerfung und Gehorsam schuldig. Unsere irdische Eltern sind nächst ihm die Ursach unserer Würklichkeit und unserS Glücks: Daher müssen wir auch ihnen, nächst Gott, die größte Ehrerbietung und Liebe erweisen. In den Gesetzen Mosis ist diese Pflicht mit der größten Sorgfalt eingeschärst. Denen, die sie beobachten, ist langes Leben und Wohlergehen zur Belohnung verheissen; den Übertretern aber eine schwere Strafe ge- S 2. drohet. r4L Woche«U