Giesser $4$ Wochenblatt. Vier und Vierzigstes Stück- Dienstags den i, Novembr. 1774. Mit Hochfürstl. Hessen Darmstadttscher gnädigster Erlaubniß. Erzählung von Aly Beg. Crede mihi! bene qui latuir bene vixir, & incra Fortunam debec quisque manere fiiam. OVID. (X?letin Ehre, Macht, Hoheit und äußrer Wohlstand allezeit den inn- *2*2) ren wahren Werth der Persohnen ausdrückke; so würde zwar zum unbeschreiblichen Wohlseyn des menschlichen Geschlechts, vornehm und vorereflich einerley bedeuten: viele Großen in der Welt aber würden dadey verliehren, denn man würde sich nicht mehr darüber verwundern, und es ihnen als etwas uberverdienstliches anrechnen können, daß sie einige gute Eigenschaften besaßen. Es würde nicht mehr nach dem heutigen Lauf der Dinge heißen dürfen: Theagen ist von hohem Stande, aber so gelehrt, weise, gutherzig, bescheiden und leutselig als einer von den geringsten , sondern man würde es umkehren , und mit einer weit natürlicheren Vergleichung sagen müssen: Titus ist ein Bürger, aber so gelehrt, weise und grosmüthig als ein Edelmann Weil indessen bey uns geringen Leuten der Geschmack einmal)! so gewöhnlich ist, daß wir große Tugenden an & p hohen Z46 Mdchettb^Lk- hohen Persohnen mit Erstaunen anschm, nicht Nur weil sie hier gleichsam als an einem hohen Orte sichtbahrer und dem Auge ausgefttzter sind , sondern auch weil sie an denen die sich dadurch unterscheiden, einen desto gerechtem Anspruch auf unsre Bewundrung.und Ehrfurcht machen, so habe ich folgende Geschichte nie ohne Bewegung lesen können, die ich heute aus des berühmten Tavernrer Schriften mittheilen will. Vielleichtmacht der Anfang von dem Hirtenknaben daß auch meine lustigen Leser einige Aufmerksamkeit darauf wenden, wenn sie gleich die ünrigen Annehmlichkeiten eines parsan parven», oder Chevalier Repert hier vergeblich suchen werden- Schach Abas einer der größten Monarchen, diejemahts den Persischen Thron bestiegen haben, befand sich einst aus der Jagd, und sähe in der Ferne einen jungen Hirten auf der Flöte spielen, der mit einer vortheil- haften Bildung seine Neugier erweckte. Er näherte sich demselben, und sand, als er ihm mancherley Fragen vorlegte , so viel Fähigkeit und Vernunft bey ihm, daß er sich wunderte, und den Iman Tulikan seinen ersten Feldmarschall dazu rief, um an diesem unvermutheten Gespräche mit Theil zu nehmen. Die Fragen an den jungen Hirten wurden fortgesetzt, und er beantwortete alles mit einer Lebhaftigkeit und Gegenwart des Ge- müths die ihm vielleicht härter würden anqekommen seyn, wenn er gewußt hätte, wen er vor sich hatte Der König fragte den Feldmarschall endlich um seine Meinung von diesem kleinen Bauerjungen, die nicht anders aus, .allen konnte, als es sey etwas ausserordentliches, und wenn man ihn le- 'fen und schreiben lehrte, könnte er gute Dienste leisten. Man nahm ihn also mit, und der Chan erhielt Befehl ihn aufzuziehen, und alle mögliche Sorgfalt für ihn zu tragen. Diese Großmuth war nicht vergebens. Der Hirtenknabe erwuchs zu einem vortreflichen Manne, den der König nunmehr Mahdmed/ Aly Beg nannte, und zu seinem Großschatzmeistermachte» Der Neid ist kein europäischer Vorzug, sondern eine Eigenschaftdes Menschen. Die reinste Unfträstichkeit, Treue und Geschicklichkeit in den Diensten seines Herrn, Freygebigkeit, Großmuth gegen die Fremden, Menschenliebe, Demuth und Uneigennützigkeit welches letzte Tavernrer für die seltsamste Tugend des Orients hält, alles dies war nicht im Stande den neuen Aly Beg, den man für den redlichsten Mann in Persien halten sollte, für den gefährlichen Fallen der Hosteute und Verläumder zu sichern. Doch dieser Theil seines Lebens fiel in die Zeit des großen Königs Abas, der Wochenblatt. 347 d-r das Verdienst nicht nur im Hirtenkleide zu erkennen, sondern es auch auf dem Platze ju schützen wüste, wohin er eS erhoben hakte; denn em solcher Herr war eines solchen Dieners werkh. Aly Beg blieb in Ansehen und stchrer Ruh, so lange sein eigentlicher König lebte. Dieser aber starb endlich unter dem gewöhnlichen Wehklagen des menschlichen Geschlechts, daß aute Fürsten wie andre Menschen sterben müssen. • Ihm folgte Schach Seil daS lebhafteste Wiedersplel seines löblichen Vorgängers, mißtrauisch wie alle kleine Herzen, grausam und ein Verächter des MenschenblU' tes Gleichwohl blieb er lange genug gegen die Verläumdungen, Die man käglich wieder den Al; Beg verbrachte, unbeweglich oder vielleicht nur unachtsam. Nu« «ne gewisse Begebenheit mit einem unschatzbahren Sa- bei, den Schach Abas von dem Türkischen Kaiser geschenkt bekommen hatte, und Den Der König im Schatz vermißte, ob er ihn gleich im V-r« «iainiffe antraf, veränderte die Scene. Schach Seft fieng an DeS Schatzmeisters Treue in Verdacht zu ziehen; und was ist den Verläum- dern erwünschter als die erste ungnädige Mine eines Monarchen zu ergreif« sen, um die Unschuld anzuschwärzen. Aly Leg wurde als ein Betrüger abaemahlt der unzählige viel Wirthshäuser und öffentliche Gebäude erbaut, sein Haus mit unbeschreiblichen Kostbarkeiten angefüllt, den Königlichen Schatz aber beraubt hätte.. Er kam selbst dazu , als man ihm Diesen Liebesdienst beym Könige erwies, wurde aber mit einem zornigen Gesichte zu« rückgeschickt, und befehligt innerhalb vierzehn Tagen Rechnung abzulegen. Dies war der gefährlichste Augenblick in einer Weitgegend , wo nach je« n-s Großvezirs Ausspruch ein Staatsbedienter, so oft er vorn Hofe körnt, Ursach hat in Den Spiegel zu sehen, ob er seinen Kopf noch habe. Aly aber hatte ein gut Gewissen, unD dath Den König fein Amt unD feine Um« ftänDe persöhnlich zu untersuchen. Dis geschah- sogleich Des andern TageS. Der König besichtigte di- Schatzkammer, sand alles in Der schönsten Rich« tiateit, und wurde überführt, daß Schach Abas Den vermißten Säbel batte wegthun, unD Die Edelgestein- zu etwas andern anwenden taffen. Als er sich drauf in des Schatzmeisters Haus begab, fand er alles schlecht unD Einfältig, gemeine Tapeten unD notdürftigen Hausrath, so daß es ihm selbst für einen so hohen Cronbedienken unanständig schien, da die Zimmer der geringem Persischen Herrn von Gold und Silber starrten. Auf dem Rückwege gab ihm ein Hofbedienter aus dem Gefolge einen Winck, daß er Die große verriegelte unD versperrte Bforte an Dem Ende einer Ga- faie bemerken mögt-, Die er vorhin aus der Acht gelassen hatte. Der Kö« Sf» Nig 348 Wochenblatt. »ig blieb aKoMcn, unb fragte ben Aly Bea was er daselbst unter fa großen • Ä Relation des Voyayes Entrepris par ordre de Sa Majeftc Bntanique pour faire des decouvertes dans P hemifphere Mendionae pai Mr. Banks 4 Tom. Laufanne 6 h. zokr. . Oraifon fimebre de tres grand et tres haut Pruice Louis XV.Koiae france par Meflire lean de Beauvais 10 kr. (Sind in der Kriegerischen Buchhandlung zu haben.) Em-und auspaßr'rerrde vom 2,2. Hctober bis den 29. Ocrober i?74» Herr Rittmeister von Bulow, in Kurfächsifchen Diensten, paßiret Hsrr Professor Schlößer von Göttmgen, paßrret durch. Herr Assessor Heister, paßiret durch. Herr Syndicus Ulrich von Marburg , paßrret durch. Herr Geheimderrath von Vreitenbach, von Darmstadt, logirt im Post Hnr Obristwachtmeister Bauer, Herr Lieutenant von Werner, log. im HerrTmeralmajor von Gonquieres, von- den HamiLverischen Truppen, paßiret durch. Herr Graf von Wittgenstein, paßiret durch. . Herr Graf von Waldeck, nebst dero Gemahlin und Suite, log. un Herr Hofgerichtssecretar. Rabe nebst seiner Frau , log. im Einhorm Herr Obristlieukenant, und Herr Lieutenant v-mGras, pass, durch- Herr Lieutenant Heilemann, vom Dsttfmthischen Regmienk, paaret durch. Wochenblatt. Herr Cavitain von Alsleben, und Herr Lreutenant von Löw, in Preusi- schen Diensten, log im PosthauS. Herr von Röder, Kammerherr in Kursachsischen Diensten, paff, durch. Beerdigte. AM z. October Johannetta Susann«, Ludwig Balthasar Stohr, Burgers und Tuchmachers, Töchterlein. Am 7. October Johannetta Sophia, Johann Paul! Eulers, Seljerpör, ter Schäfers, Töchterlein. Am 14. Octoder Magnus Christian, Ludwig Melchior FerberS, Söhnlein. Am Lo. October. Willhelm, Johann Adam Linnestruth, Burgers und Fuhrmanns ailhier, Söhnlein. Frucht-und andere Preisteam Marktag den 2y.Octobr. 1 Achtel Korn , fl. alb pf. fc. alb. pf. a;89 Pf. 3 15 1 Ochfenfleisch s 2 6 z Achtel Gerste # 2 15 1 Kühflelsch <22 1 Achtel Weihen 6 io 1 Rindfleisch - 2 1 Achtel Hafer t 2 j Kalbfleisch - ; 1 Meste Erbsen - 16 1 Schweinefleisch 2 6 m Meste Linsen ♦ 16 1 Hammelfleisch 2 1774- Gießer I ft. 1 Karpfen 1 Hecht » 1 Perflng f 1 Drasem 1 1 Schleyen r Butter - Naa, alb. 5 6 6 1 3 7 Z pf. 4 , Pfund Hirse - 2 1 ischaffleisch 1 4 1 Pfund geschälte n Bockfleisch - 1 4 Genre - - 1 4 t Wurst - - 3 , Pfund klein ge- - j Kalbsgclüng ; schalte Gerste - 4 >! Kalbs- Leber 3 1 MaaßFrucht Brandcw. !2alb. iPf. Bratwurst;ald. 1 Pf. 1 Meste SalN 20 alb. Becker-Preist. Korn zu z fl. 15 alb. Weitze ft. Loch. Qu. alb.' pf. ! ft. Loth.O.u. < 22 Brod, f f 4 \ f 92 < 4 ; Butter Bretzel t \ 4 | , I5 , Pfund. fl. io Rindsfett 1 loHanrelsf. 1 1 Lichter - 6 Eyer inlaudischeSei n zu 6 fl. Weck - - Taigscher - alb. 15 *5 7 2 e6a alb. i pf« lb. pf. 4 4 Diese wöchentlich!'Anzeigen werden von dem Verleger Johann Philipp Krieger Umversitäts Buchhändlern hieselbst, andieHerrn Liebhaber gegen einen Flor halbjähriger Pränumeration geliefert. Einzelne Bogen werden für 3. fr. ausgegeben. Man kann auch den Herren Liebhabern mit den schon herausgckonune- neu Stucken dienen.