(Sicfftt Wochcnklatk. Acht und BierMstes Stück. Dienstags den 3°« »77?• Mit Hochfürstl. H-ff-n Darmstädtischer gnädigster Erlaubnis. _ Don den Tugenden und Lastern. sparsam damit umzugeben wissen. Ä w/Ä werden , mehr glänzen- - L'^L s bsi Man findet ein- Menge Unternehmungen, welche auf dle Lugeno ji i fcbcincn, und wovon dre geheimen uu rSÄÄT in röndon eine Person , die keine an. fachen seh» westesim. J ) nutzlicheÄrt Thorheiten zu begehen und s S»Ä'-S weilen nicht s° w°>t gehe^ we m v w nach seiner Tugend s»sä as s».*♦* w. »• 378 Wochenblatt» seinem Stalle und in seinem Vorzimmer sind. SichdaS Glück des Meisen und das Unglück des Thoren vorstellen, ist der Anfang zur Tugend. Große Verdienste sind oft schwerer zu ertragen als große Fehler. Weder das Glück noch Die Geschicklichkeit geben wahre Verdienste: sie werden dadurch nur erhoben. Ehrliche l'eute erklären sich öffentlich für die Tugend; die Schelme heimlich. Die geringste Ausschweifung, welche eine vollkommene Person begeht, ist wie eine Verfinsterung ; jedermann sieht sie. Wenn man eine natürliche Neigung zur Tugend hat, so ijt es schön, ein Sklave zu seyn; allein es ist nicht allezeit rathsam, ihre Llberey zu tragen. Wer auf dem Wege der Ehre ist, muß jederzeit auf dem Wege der Tugend seyn. Es «st keine sichere Freystatt als die, wo man der Schande und der Reue entgehen kann; dieses ist die Tugend. Dre Welt belohnet öfter den Schein der Verdienste, als die Verdienste selbst. Es giebt Helden im Bösen, wie im Guten. Cromwell i|t der Beweis davon. Die Thoren haben greuliche Mängel; Leute vom Verstände haben mittelmäßige: aber großen Leuten ist es eigen, große Fehler zu haben. Die Tugenden verlieren sich in dem Eigennutze wie die Flüsse im Meere; und eS ist oft schwer zu entscheiden, ob eine schöne Handlung eine Wirkung der Großmuth oder des Eigennutzes ist. Man verachtet nicht alle diejenigen, die verschiedene Laster haben: allein alle die, welche keine einzige Tugend haben. Man findet bisweilen.Verdienste ohne Beförderung : aber niemals Beförderung ohne Verdienste. Die Hsuchsley ist eins Unterthänig- keit, welche das Laster der Tugend erweiset. Es gehören mehr Tugenden darzu, das gute Glück zu ertragen, als das böse. Wenn man tugendhaft seyn will, so muß man oft das Gegentheil von dem thun was andere thun. Dieses ist kein Lobspruch für das Jahrhundert. Die Naturmacht die Verdienste; die Kunst macht sie vollkommen ; das Glück wendet sie an. Man thut bisweilen blos darum gutes, um ungestraft Übels thun zu können. Einen wegen der Tugenden, die er hat , ins Gesicht loben, heißt ihm Eitelkeit schuld geben: hat er sie nicht, so schimpft man ihn ungestraft; doch man vergiebt einen solchen Schimpf sehr leicht. Sparet eure Güter für die Gelegenheiten, brauchet die Gelegenheiten für euch'selbst, bedienet euch eurer selbst für eure Seele, und wendet eure Seele zum Dienste Gottes an: er wird das übrige thun. Der tugendhafte Mensch hält (yott für einen Zeugen seiner Handlungen, und die Welt für sein Vaters land; x.og-f*"4 TrobJhq ei.ui, sagte ein Welkweiser; er hatte Recht. Unsere Tugenden sind oft nur verstellte Laster. Die Eitelkeit, die Schande, das Tempe- Wochenblatt- 579 Temperament; dieses ist ost die Ursache der Tapferkeit der Männer, und der Tuaend der Weiber. Das sicherste Mittel sich an einem neidischen Feinde zu rächen, ist tugendhafter zu seyn. Hierdurch wird er entweder vor Wutb bersten, oder er wird euer Freund werden; er ist kein Mittel. Setzet eurem Eifer Gränzen durch die Bescheidenheit, dem jrrtbume durch die Wahrheit, euren Leidenschaften durch die Vernunft, der Unmnigkert durch die christliche Liebe, und dem Aergerniß durch das gute Exempel. Einen aus dem Jrrthume ziehen, der von seinem vermeintlichen Verdiensten eingenommen ist, heißt ihm einen eben so üblen Dienst erweisen, alS jenem Narren in Bedlam, der sich ungegründeter weise einbildete; datz alle Schiffe, die in den Haven von London einliefen, iym zu gehöreten; nun beging an ihm die Grausamkeit, ihm das Gegentheil zu beweisen. Das Geld giebt Ansehen, die Tugend Achtung: beydeS ist gut. D>e Könige machen eS mit den Menschen, wie mit den Münzen; sie lassen sie gelten!, was sie wollen, und nichts was sie werth sind: man! muß sie nach dem CurS und nicht nach ihrem innern Wsrkhe nehmen. Em unfehlbares Kennzeichen seltener Verdienste ist, wenn sie auch diejenigen bewundern, welche sie am allermeisten beneiden: Willhelm 111. Georg I. und der große Türenne befanden sich allein diesem Falle. Man muß weder auf die Tunenden ffolr sevn. noch nfw Hi, Fchi-r , die man von der Natur bar Teb kenne einen Menschen, der sehr schielend, aber noch nicht alber, ner ist-dieses ist ihm natürlich. Seine Leidenschaft ist , für einen Menschen aehalten zu werden, der Verstand und schön- Augen hat; anders stisirt m kenn als andere; eins von seinen häßlichen Augen unter seinen Hut ru verbergen, der eine Elle hoch, und -ine lang ist, und drey im Umfan. ae bat: gleich alS wenn man, wenn man sich lächerlich macht, aufhöre« re/albern und schielend zu seyn- CS giebt Leut-, welch- um ihr- Laster au verbergen, den Mantel der Tugend nehmen. Weil ich dieses Capi. rel damit angefangm habe, daß ich sagte, die Tugend wäre ihre eigene Belobnung; so endige ich mit der Versicherung, daß das Laster sein ei- aener Henker ist. Unser Gewissen ist em Richterstuhl, den wir überall mit unS herum tragen, der unS allezeit verdammet, und dessen Gerechtigkeit uns entziehen zu wollen nicht in unserer Gewalt steht. Seine Bisse sind ärger, als die Galgen von Tyburn. B b b r Eine Z8o ZVöcherrblätt. Eure vortrefliche ptisane/ -der Trank zur Gesuttbhert ftberman- mgkich/ fotvol kleinen Lindern, als alten Leuten/ in al- lerley Lrankheiten es zu curiren/ oder zn präftrviren. Nimm ein halb Pfund frischen Haber, eine gute Hand voll frische wilde Zicorienwurzel, zwölf Maaß Brunnenwasser , oder so auS der Erde aus den Bachern quillet; alsdenn nimm einen säubern Topf, thue die Wurzel in kleine Scheibchen schneiden, wie auch den Haber sauber abgewaschen, darein gieße die zwölf Maaß Brunnenwasser daraus, und lasse eS in die Halste einkochen, alsdenn gieße es durch ein Tuch, daß der Haber und die Wurzel zurück bleiben; denn lasse es noch einmal aufwallen, und dazu thue ein Loch Salprumlle, und anderthalb Viertel Moscaden. Zucker, nimm es alsdenn vom Feuer, laß es zugedeckt stehen, Und wenn es erkaltet, gießt es sanfte ab, in etliche Bomelllen , damit die Wiedergesetzte Materie nicht unter den Trank sich vermische, mache eö vche zu, setze es in einen Keller, baß es nicht frieret, so wird eö sich setzen; als- deun kann man davon trinken, kalt oder warm; doch muß man zu Winterszeit eine warme Stube haben, so man eö auf einen Norhfall gebrauchen muß. Aber im Frühjahre, Herbst, und in den Hunbotagen ist eS am besten im Keller. Wer von tiefem Trank gebrauchen will, muß des Morgens nüchtern drey Stunden vor der Mahlzeit davon trinken , zwey Becher voll. Nach der Mahlzeit drey oder vier Stunden wieder so twl, und solches muß fünfzehn Tage continuirt werden. Es ist gut vor Gliederschmerzen, Kopsweh, Summa Summarum vor alle Zufälle, so dem Menschen begegnen können. Es machet fett, stärket das Gesicht, schärfet das Gehör, macht munter und fröhlich, vertreibet alle Melancholie erwecket den Appetit, machet wohl schlafen , gibt Kraft und Stärke, auch völlige Gesundheit. Vor die Hütter-Augen. Nimm frische Speckschwärtlein, und lege sie auf Dir Hüneraugen, so fallen sie weg. Dieses muß aber ost geschehen, damit Die Hüneraugen ganz durch weicht werden vom Speck. Eitt bewährtes Augenwasser. Nimm drey Löffel Roscnwaffer, so nicht sauer noch gesalzen ist, drei) Löffel blau Kornblumwasser, zwey.Löffel voll Weinredenwasser, so mit Camper ;rl XXtodbenbUtt ;S^£”,JS’3«!°ÄÄ'.“’ ’S S’m«S n leimvandne Tücher des Nachs auf die Augen gebunden werden.^ Ertte heilbare grüne Butter. Kalben-Blatter, Jsopen, weißen Andorn, Krausemünze, «ct02 * Hst chunaen-Glätter, ©cab.ofen , Wegebrest. Stenge, Waldmeister, Agleykraut, Rauten, Sdermenze, Wundaster, ganze Weaewartste; jedes zwen Handvoll in Mavbutter gemeint, und sieben taffen, bis sie alle eingesogen; denn ausgedruckt, das Äusgedruckte gekoch, M' -Her ehruna Bet Feuchtigkeit; daraus wird eine -L-albe, man braucht solch-,UV iinflAinna des gestandenen Geblütes, zur Linderung der Herzens , zur Lungensucht, auch in anß-'iich-n Schaden ist solche sehr dienlich. ■; - Eine gute heilsame Pomade.' ' «rimm ei'n Lotst weiß Wachs , zwey Lotst süß Mandel-Sei, so oh- t-„„r«e,nacht. Diese beyde Stücke auf einem Feuer ^ergeben lassen; dnnseckSLöffst vollRofenwassr dran gegossen, und nachmals zum Feuer hin er recht gut erwärmt, alsvenn davon weggenommen, und mü e n'em Löffel untereinander gerüstrt, an» noch etwas Rosenwasset drem soffen bis e ra t iss Wann sie zum Gesichte s-vn soll, nimmt man Äb Wachs, ein halb Lotst Spermateti, ein halb Lotst Mandel. Oel ohne Feuer. Ein vortrcflickcs Hlagcnrvasscr. °?m August nimm W-rmuchsknöpfe, acht Hand DoD, hacke sie, nimm dazu vier Lotst gestoßenen Entian, vier Lotst ssarbe, em halb Pfund $ö"n“ so vorher geschalt, unDtenn in einem Drove gebacken werden Z8r Wochenblatt- müssen, alsdenn stoße sie klein, und geuß 6 Quart Brantewein darüber, verbinde das Gefäße, worinn diese Species befindlich , wohl, lasse es zwölf Tage im Keller stehen, hernach wird es gebraucht, einen Löffel voll. Einen gesunden Hollunder-Branntwein zu drstilliren. Wenn die Hollunderbeeren reif, werden sie abgepflückt, und in em dazu erforderliches Gefäße gethan, etwas Hefen, Vier und laulicht Wasser drauf gegossen, aber nicht gar zu viel, indem solche von selbst wäßrig, und wenn sie gut gejorm, so brennt man sie, und wenn sie gelautert worden, muß man sie über den Kohlen abziehen. Eures Zahn-Pulvers. Nimm Violwurzel sechs Loch , Haberwurzel, zweyLoth , Mastix, Weihrauch, gebrannt Hirschhorn, jedes ein Quinte!, unter einander alles zu Pulver gemacht. Sachen die z» kaufen ES Wwr llmanv in diesiger badc einen Globüm coeleftcm und terreftrem, besönvers aber einen terreftrem , mittelmcisiger Gröse, und noch wo! conditionirt, zu erkaufen. Solte jemand einen solchen besioen. und zu verkaufen willens seyn, so bittet man dem Herrn Verleger dieses Blatts bald möglichst Nachricht davon zu ertheilen. ' was gesucht wird. Ein vornehmes adelicheS Haus, sucht eine französische Mademoißlle für ihre Familie, sie soll allen Vorzug geniesm, speiset bey der Herrschaft an Tafel, nebst einem guten Gehalt, gleich beym Eintritt i Ducaten, und zum Neujahr so viel, bey Ausgebern dieses erfährt man weiteren Bescheid. Auf dm 8ten Decembr. wird allhier aufdemCantzleybau eine Samsung von gebundenen Büchern gegen baare Zahlung versteigert. Wovon der Catalogus gratis zu erhalten ist. Ein- 583 Wochenblatt. Am Copulirte. 9im ir g>öt>’ Sorbet «»hier, und Maria Magdalena, Johann Caspar Ockels, Bürgers und WeisgerberS, eheliche Tochter. Gebühren und Geeaufee. Am 7ten Novembr. Susanna Maria, Johann Hmlich Eflmpu# > Dük- gers und Caminftgerö, Töchterlein. Ein - und auspaßirende vom ro.Nevemb bis den 27. November- <77h s« ».Jrtfjä*; “t ®" «""•*“ w »-iNL.« »«aaa LKK—« H-rr Obrist ^°n GasmHollanvlsch ^g-^jment Nassau, pass, durch. Herr^aron?o?Rau^Camm«herr in Würtenbergischea Diensten, pas. . li«k vurch. „a6etb0t_ bedient nichts, paff. dm». N^«SS7i.«SSS. «* ■** ^erSnant van Breidenbach, in Braunschweigischen Diensten, log. „ , Germann von Darmstadt, lag. im Einhorn. sh 80n w Sardinischen Diensten, past. durch. WscherrUiM» 384 Becker-Preist. Korn zu 5 fi. Weitzen zu 7 fl. L. iLoth. Qu. Loch Qu. Brod. - - ButterBretzM - 4 ) Markttaa den 27.^rov. 1773. Gi.sscr Maas. ».x Pf. Bratwurst 6a 1 1 1 1 1 1 2 x !alb. pf. 4 ! Öchsenfieisch f Kalbfleisch - Rindfleisch - Kühfleisch - Schweinefleisch Hammelfleisch Schasfleisch . Bockfleisch - Wurst - - Kalbsgelüng Kalbs-Leber *>***#v* 4m - 8 - I B Am 14. Nsvembr. Susann» Catharina, Herrn Johannes Brauns, des XVI. Raths MikgliKS allhier, Töchterlein. Am l5. Nvnembr. Catharina Christina, Ich. Dieterich Pausch, Mahl» müllers in der neuen Mühl, Töchmlem.. Am r8. Novembr. Maria Margaretha, Johann Georg Zieglers, Burgers und Schuhmachers, Töchterlein. Am rr. Nevembr. Jacob Balthasar, Johann Walther Zinsers, Bür. gers und Blaufärbers, Söhnlein. Am 86. Novmbr. Catharina Justin« Rebecca, Herrn Chirurg! K°h« lermanns, Töchterlein. Beerdigte. 9Ih. «jABnubv Helena Maria Henkelin, Herrn Johannes Hmkels, 51ltt wei« Pfarrnsiu Flinsbach, über Heidelberg, hrnterlaffene 8 10 r 4 20 9 20 9 > 2 4 2 * “4 -