Giesser M ° Henvlale Ein und Zwanzigstes Stück. r Dienstags derrrf. Mai 177;. Mit Hochfürstl. Hessen Larmstadtrschergnädigster Erlaubnis. Fortsetzung der altern und neuern Moden in den Lxleidungen in Frankreich. Stank, der König der Visigothen , der sich vor einem Angriff von dem König Llovis fürchtete, und sich gern mit schmeichelhaften Hoffnungen vergnügen wollte, begehrte eine Unterredung mit ihm, damit er seinen Bart berühren, oder ihn an KindeS statt annehmen könn, te; Venn Vie an lindes statt angenommene Person wurde an dem Bart over Stützer gefaßt Wenn Eginhard / der Gebermschreiber Rarls des Großen, von den letzten Königen des ersten Stammes redet; so spricht er: vaß sie auf das Feld des Mars zu den Berathfchlagungen in einem Wagen gekommen, der von Ochsen gezogen ward ; und daß sie sich auf den Thron gesetzt, mit langen fliegenden Haaren, unh mit einem Bart, der bis aufvieMitte ves Leibes herabgehangen, crine prosulo, baibafubmißa. Robert, des HngoCapet's Großvater, den Karl der Einfältige mit eigner Hand um beichte, weil er damit umgienq , ihm die Krone zu rauben; hatte zu Anfang des Treffens seinen großen weißen Barr unrer dem Y)iftr seines Helms hervorfaUen lassen, danrithetne Leute ihn kennen konnten- Dies lst ein Beweis, daß unter den Königen des zwryten Stammes lange Bärte getragen wurden, und unter den ersten Königen des dritten Stammes dauerte dieser Gebrauch fort Hugo, Graf & von ,6L Wochenblatt- vsn Chalons, der von dem Richard/, Herzog von der Normandie war überwunoen worden , kam und warf sich ihm zu Füßenmit einem Sattel auf dem Rücken,, zum Zeichen,, daß er sich ihm gänzlich unterwürfe: mir seinem langen Bart/ sagt Die Chronik,- hatteer mehr das Ansehn einer Ziege/ als eines Pferdes- Gegen das Ende des eilften Jahrhunderts erklärte der Erzbischof von Rouen den. langen: Haaren den Krieg ; verschiedene Bischöfe machten gemeinschaftliche Sache mit ihm , und in einer Kuchenversammlung im Jahr 1096. ward ein Gesetz gemacht: daß diejenigen/ die lange Haare trügen/ ihr ganzes Leben lang aus der Rirche sollten ausge- fchlojftn werden / und daß man nach dem Tode nicht für sie beeen sollte. Dieser. Schritt hatte auf verschiedene Gemüther verschiedene Wirkungen; er veranlassete so viele Unruhen, Jnvectiveu und hitzige Streitigkeiten auf verschiedene Jahre , daß die Gegenpartey sich ebenfalls ihrer. Märtyrer für disse. Sache, rühmen, kann.. Um das Jahr.ny6. hielt es Ludwig VIL auf Vorstellung des berühmten Peter Lombardi/ der. nachgehends Bischofvon Paris wurde, für eine Gewissenssache, ein Beispiel Der Unterwerfung gegen Die Befehle der Bischöfe wegen des langen Haares zu geben;, er schnitte nicht dies nur kürzer, sondern schor sich auch Den Bart. Eleonora von Aquitanien, eine lebhafte, flüchtige und scherzhafte Prinjeßinn , Die er geheyrathet hatte, spaßte mit ihm wegen seines kurzen Haares und ge- schornen Kinnes: er antwortete andächtig:: daß mit solchen Dingen nicht LU scherzen wäre Wenn eine Frau einmal anfängt, ihren Mann lächerlich zu finden, so macht sie sich selten aus der Unkeuschheit ein Bedenken, wo sie die gerinafle Neigung dazu bey sich findet. Eleonore hatte an der Liebe und Den Bemühungen des Prinzen von Antiochien ihr Vergnügen. Ludwig VII. ward es gewahr, und bereitete es , daß er sie mit nach Syrien genommen. Auf seiner Rückreise aus Dem Kreuzzuge, machte er ihr Die bittersten Vorwürfe; sie antwortete mit vielem Trotz, und schloß damit, daß sie ihm eine Scheidung vorschlug, und setzte hinzu : daß sie wohl dazu zu kommen wüßte; indem mau sie hinrergangen / da sie einen Prinzen M heyrathen geglaubt, und nichts dann einen Mönchen bekommen, hatte. Unglücklicher Weise nahm das Misver- siändnitz unter ihnen zu, und die Che ward aufgehoben.. Sechs Wochen nach Wochenblatt. r6z nach der Scheidung heyrathete sie Heinrichen, Herzog von der Normandie, Grafen von Anjou, und nachgehends König von England, der mit ihr Poitou und Guyenne zum HyrarhSgut erhielte Daraus entbanden die Kriege, die Frankreich drcyhundert Jahre lang verheereten. Mehr als vrey Millionen Franzosen kamen um , weil einem Erzbischöfe lange Haare zuwider waren, weil ein König seine Haare abgeschnitten und seinen Kopf geschoren hatte; und weit er seiner Gemahlin mit seinem kurzen Haar und geschornen Kinne lächerlich vorkam. Franz I- der an dem Tage der Erscheinung im Jahr izLr. durch einen Feuerbrand verwundet ward, den man unvorsichtiger Weise aus einem Fenster warf, sah sich genöthiget, sein Haar abzuschnelden. AuS Furcht, mit der Kappe, die man zu dieser Zeit trug, dem geschornen Kopf, und ohne Bart, einem Mönchen gleich zu sehen, verfiel er darauf, einen Hut zu tragen, und seinen Bart wachsen zu lassen. Demnach wurden lange Barte noch einmal Mode, und blieben es unter den Regierungen Heinrichs II. Franz II. Laris IX. und Heinrichs III. Im Jahr r fr6. konnte Franz Oliver / der nachgehends Kanzler ward, nicht zum Maitre de Lequets im Parlement angenommen werden, ohne den langen Bart abgeschoren zu haben, wenn er beiden Processen wollte Beistand leisten. Als Peter Lench im Jahr 1556. zum Kanonikat von unsrer lieben Frauen zu Paris kam , machten die Kanonici ziemlich lange wegen seines langen Bartes Umstände, endlich gaben sie doch nach / daß er, ohne ihn abzuschneiden , konnte ausgenommen werden, ob es gleich wider die Lirchenstatuten war. Diese Heyden Beyspiele beweisen, daß damals alles in Frankreich lange Bärtt trug, die Geistlichen und obrigkeitlichen Personen ausgenommen. Es muß was sehr ergötzendes gewesen seyn, sagt der Abt von St Real: alle lustigevnd kriegerische junge Leute an dem Hofe Franz I. mit so langen Bärten, als sie nur haben konnten , zu sehen; unterdessen daß die Herren von der grand Chambre so beschoren waren, als es hernach die Lieblinge Heinrichs III. waren ♦). Der Abt von St.Leal irret sich: die Herzoge von Xoyeust, d'Eper- non, Quelles und St. Maigrin, nebst andern Hofleucen oderLleb- R 2 linsen *) In feiner Abhandlung über den putzen der Geschichte im zten Discours. 164 ZVochenblaoe. fingen Hernnchs IV. waren nicht geschoren; es ist gewiß, daß sie lange Barte trugen ,so wie auch unter Der Regierung Franz I. und Heinrichs II- geschah. WaS die geschornen Kinne der Herrn von der grand Chambre anbelangt; so ist meine Meynung Diese: wir haben geschn, daß Lud- witt VII. um das Jahr 1146. einen langen Bart zu tragen unterließ; rm Jahr 152,1. ward er wieder Mode. Das Parlement war Zweifels ohne der Meynung, daß dessen Mitglieder diese Mode nicht mitmachen mußten, indem es eine Sache wäre, die ihr äußerliches Ansehn betraf, und im Anfangs von niemanden nachgethan ward, als nur von den Hofieuten; und man hielt in diesen Zeiten einen Parlementherrn, der die Hofmoden mitmachte, und ost am Hofe gesehn ward , für verkäuflich oder bereit, für einige Gnadenbezeigungen sich zu verkaufen, (oder nach dem Willen des Hofes zu richten.) Als die königlichen Bedienten unter der Regierung Heinrichs II. den versammleten Kammern vorstrlleten, daß gewisse Beamten, die zu dem Parlemente gehörten, zu aelchäfftia im Loubre gewesen wären: so wurde allen Parlementsgliedern(m3o-ilu'g^ untersagt/ dem Könige oder seinen Bedienten aufzuwarten, ohne Erlaub- uiß dazu zu haben, damit sie nicht kommen möchten / unter den pariementsherrn den Hofmann zu spielen / nachdem sie unter den Hofleuten den Parlemenesherrn gemacht hatten. Unter der Regierung Heinrich IV. ward der Bart abaekünet; man trug ihn nur Dren Finger lang, in Gestalt eines Fächers, abgerundet, und Mit zween langen , steifen Stutzbärten aufgestutzt, wie einen Katzrnbart. Nachgehendö behielt man nur die beyden Stutzbärte mit einem kleinen Toupee von Haaren in der Mitte, und rund um die Unter tippe nichts. Der Marschall Bassompier sagt, daß er nach einer Ge, fangenschaft von zwölf Jahren keine andre Veränderung in Der Welt a funDen, als daß die Männer ihren Bart und Die Pferde ihren Schwan: verloren hätten Unter der Regierung Ludwigs XIV. war der rov rl oder der königliche Stutzer / lange Zeit der modische Stutzbart. Als die. Fächerbärte noch in Gebrauch waren, so erhielt man fie in dieser Gestalt mit Zubereitungen aus Wachs, die den Haaren einen an! genehmen Geruch und die Farbe» Die man verlangte, ertheilten Nacht über ward der Bart gewickelt/ und damit er im Schlafn/chem Unord- Wochenblatt Unordnung gebracht würde, in einem Br'gotelle oder dazu eigentlich gemachten Beutel verwahret. Von diesem Zeitpunkt an war der Bart nirgend mehr anzutteffen, als in Zellen und Klöstern; eben der königliche Geist, der seme belebende Stralen über alle freye Künste verbreitete, und sie zu einer solchen Vollkommenheit brachte,' als man unter einer einzelnen Regierung kaum erwarten sollte: verbannete auch die Barbarei) in der Kleidung, und führte diejenige Mode ein, die seitdem, einige veränderte Kleinigkeiten ausgenommen, ohne Unterlaß, nicht nur in Frankreich, sondern auch mallen feinen Landern von Europa fortgedauret hat. Es war der Grundsatz jenes großen und alles umfassenden Staatsmannes des (Tolbert/ daß die sichersten Mittel, sich einen Weg zu der allgemeinen Monarchie zu bahnen, die wären; wenn man die Sprache und Moden der Franzosen in ganz Europa zu den herrschenden machte; die Mitglieder der Akademie wurden gebraucht, die erstere zu reinigen und zu verbessern, um sie zu dem Grade der Vollkommenheit zu bringen, den sie itzt erreicht hat; eine weit zahlreichere Bande Franzosen , die pjw rite maitres / wurden angenommen , ein, dem ersten Ansehen nach, nichtswürdiges Geschäffte auszuführen, das aber seinen Grund in einer tiefen Staatskunst hatte, - nämlich ihre Moden auszubrelten und allenthalben einzusühren. In beyderley Betracht ist sein Entwurf glücklicher von statten gegangen, als er selbst es gehostet; die Sprache und Moden dieser Nation sind größtentheils allgemein angenommen. Man darf aber nicht fürchten, daß sie eine ganz allgemeine Herrschaft erlangen werden, denn ihre Eroberungen sind seitdem, daß jener tiefe Staatsmann diesen großen und einsichtsvollen Grund geleget hat, gar sehr verringert worden. An die Unschuld. Schönste Tugend einer Seele, Reinster Quell der Zärtlichkeit. Mehr als Byron und Pamele, Ideal und Seltenheit. R 3 Mcnn l66 Wochenblatt. Wenn ein andres Feuer brennet, Slieht dein zärtlich schwaches Licht lich fühlt nur wer dich nicht kennet, Wer dich kennt der fühlt dich nicht. Göttin! in dem Paradiese Lebtest du mit uns vereint Noch erscheinst du mancher Wiese, Morgens eh die Sonne scheint. Nur Der sanfte Dichter siehtt Dich im Nebelkleioe ziehn Phödus komt, der Nebel fliehet, — Und im Nebel bist Du hin. A verriße ment. Nachdeme nunmehro Der 4te Theil des Herrn Hofrath Teuthorn Geschichte der Hessen unter Der Presseund bis Johanni ohnschwa/er- scheinen wird: Als wird Den Herrn Liebhaber zu wissen gethan, daß diejenige resp. Herrn so noch belieben haben in die Pränumeration zu (retten, von dato innen i». Tagen sich bey mir Joh. PyMpp Krieger ju melCen haben. Gießen Den Li. May 177;. Nachdeme Perri Burmanni Ausgabe DeS publ. Viro-ilii Maronis so sehr kostbar und theuer so hat man sich entschlossen, dieles Werk nebst Aurons Noten um einen billigen Preiß ohne Kupfer in zwey Median oc- tav Banden zu liefern Davon Der eine kommende Michaelismesse 177? der andere Ostern 1774. erscheinen soll. Auf jeden Band wird 1 Rtblr.' iL ggr. oder 2, fl. 40 kr hiesiger Währung vränumerirt davon ig gar' oder 1 fl. 20 kr. a dato baar erleget das übrige bey Empfang des Erem. plars nachgezahlt. Kriegerische Buchhandlung nimt Pränumeration darauf an. Dionyfii Halicarnaflenfis Wercke welche Hudson zu Orford iw m Lwey Solto Bande besorget hat, sollen in Leipzig in 5 Medran W den Wochenblatt. i<7 Den sauber abgedruckt werden. Alle Leipziger Oster und MichaeliSmessm .erscheint ein Band so daß da» ganze Werk bis Ostern -77s. ans Licht treten wird. Nachdem- man nun den Weg der 6ubfcripnon erwählet, so soll zum voraus auf jeden Theil gleich baar 16 ggr. oder - ft. u tr.unD bey öeftrun« eines jeden Theils 1 Rthlr. oder 1 ft. 48 tr. nachgezahltwer- Den, so daß eS in allem.nicht mehr als rRthlr. 8 ggr. oder if st. zu sie« Den komt , Kriegerische Buchhandlung zeiget Piobebogen,, und mmt Pränumeration darauf an- Wter unzähligen Lästerungen welche bis hieher meine Feinde zu Verletzung meiner Ehre, und Hintertreibung deS guten Fortgangs meiner Wroseßion ausgestreuet haben, befindet sich auch die neuerliche Luge, daß ich einem-sicheren hiesigen Herrn 3- 4 mal fruchtlos zur Ader gelassen hjtte, von- diesem-hierauf schimpflich behandelt, und sogleich von fernerer Bedienung abgedankt worden se»e. Ich sehe mich hierdurch genskhiget, vor dem Publicum dieses alles öffentlich für eine schändliche unverschämte Calumnie zu erklären, und habe das gehorsamste Zutrauen, daß meine biskeriae Gönner, Freunde und Kunden sich, an dergleichen Lugen mcht kehren, sondern mich fernerhin, so-wie bis hieher bey meiner Profeßion durch ihren geneigten. Zuspruch unterstützen! werden.. Giessen den rstem nn“ Fohann Philipp Schäffer Chirurgus allhier.. Ein 4 und auspaßirende vom 15. Ma^bis den rr. Mai. »77 z. Herr Geheimkerrath von Zwierlein von Wetzlar, xaßiret durch.. Eine Prinzeßin von Würkenberg, paßiret durch.. Herr Baron von- Stolberg , paßiret-durch. Herr Baron von Löwenschnell, paßiret durch. Herr Hauptmann Klotz vom Leibregiment von Darmstadt, pass, durch. Herr Baron von- Sternberg Staatsminister vom- König in Preussen,, paßiret durch. . Herr Geheimterrath von Gudenus komt von Fulda, pass durch. Herr Hvfrath Wilhelmy von Freydelberg, log. im PvsthauS. räS plochenblate. Herr Conststorialrath Herder von Darmstadt, log. im PosthauS. Herr Doccor Hofmann von Münster, log. im PosthauS. Herr Hauprmann von Geifau, und Herr Baron von Stein von Wetzlar paßiren durch. Herr Cammerherr von Hammerstein, in Braunschweigischen Diensten, paßiret durch. Herr von Welker, Nürnberger Gesandter, und Herr von Köniaschal von Wetzlar, paßiret durch. Zwey Freyherrn von Bergen, paßiren durch. Herr Regierungsrarh Lehr von Wittgenstein, paßiret durch. 4l Gebohren und Getaufte. Am 2.0. May Sophia Margaretha, Johann Philippus Seip , Bürgers und BrandttnweinbrennerS allhrer, Töchterlein. Beerdigte. Am Lz. May der Bürger und Strumpfweber Stüber alihier. Frucht-und andere Preiße am Markttag den 22 Mai. fl. crlb.pf. M.l alb. Pf. , AchtelKorn 7 101 r Ochsenfleisch - 4 1 Achte! Gerste - 6 15 - i 'Kalbfleisch - 2 6 1 Achtel Warijen - 10 l ^Rindfleisch - z 1 Achtel Hafer - 4 1 /Kuhfleisch - 3 4 1 Meste Erbsen - 23 - 1 Schwer ne fleisch 4 4 1 MesteLinsen - 23 ; 1 Hammelfleisch 3 4 t Pfund Hrrse 2 4 1 Schaffleisch ; 6 1 Pfund gejchatte »iDockfleisich - Gerste '' '''' 2 1 Wurst - - 4 1 Pfund klein gc- 1 1 Kalbsgelüng 2 2 schälte Gerste - ^15 - 1 Kalbs-Leber 2 2 lMaaßFruchtBrandew. küalb. iPf.Bratwurstüalb. 1 Pf. 1 Meste Saltz 20 alb. Becker - Preist. fö. Lotb Orr. ja!b. pf. M. Loth. On. - kl 2 Brod. » 4 1 i 7 $ 3 2 PutterPretzel! , j 4 i - 9 1 1773- Giesser Ä rb. 1 Karpfen 1 Hecht - 1 Per sing - -Bärmen i Schkeyen iiButter 4 l^aas ald. 5 6 6 1 3 6 Pf. 4 4 Pfund. ft. 7 Rinds fett 1 7 Hamelsf. j 1 Lichter , 8 Eyer nlandrsche Sei, Meck - - Tettscher < alb. 1$ 15 9 2 "c/a alb b - 1 # I Pf. lb. Pf. 4 4