Gt-ss-r Mochcn 0 lakl. Zwölftes Stuck. Dienstags den rz. März. i77z. Mit Hochfürsil. Hessen Darmstädtischer gnädigster Erlaubnis. Versuch über die Einrichtung einer weisen Staats -Wirthschafr. Qm Patriam confervarunt, adjuvarunt, auxerunt, ilüs certus •ft in Coelo ac definituslocus, ubi beati aevo fempircrno fruantur. Cicero. ist der Beherzigung eines jeden nachdenkenden Mannes würdig/ daß das erste Weltalter insgemein das güldene genennt wird; nicht weil man da die kostbare Metalle des Goldes und Silbers im Ueberfluß hatte/ sondern weil man sie noch gar nicht kannte und doch froh und glücklich lebte. Die Menschen ernährten sich damahlen mit den Früchten die die Erve reichte, und mit der Milch und dem Fleische der Thiere, mit deren Hauten sie sich auch bekleideten ; in diesen Umstanden war Kummer und Mangel unbekannt, und die Menschen lebten gesund bis an das spateste Lebensziel ohne Krankheiten und Arrjte. Streit und Zank konnte auch nicht wol entstehen, weil die Erde noch ungetheilt/ und noch kein Eigen- thum eingeführet war. Was wollte man bey einer solchen Lebensart mit dem Gold und Silber thun? es wäre keines von einem hühern Werth gewesen als die ' : - -- ' M Feldsteine 9» tvochenUabt- Feldstein«. Dieser Stand der Natur gefällt dem bekannten Verfasser de« Discours für 1 ongine & les fondemens de 1’ ineo-alite parnn le» Hommes fo ausnehmend wohl, daß er solchen dem gesellschaftlichen Leben m den meisten L>kaaken weit vorziehet, auch der festen Meinung ist: wann dem ersten, der sich unterstanden hat ein Stück von der noch unq-th-ilken Erde -inzuschli-ß-n und zu erklären: Diesig gehöre mir zu, seine Pfäh- le wären weggerissen, oder der darum gezogen« Graben wieder wär-zuae- füllt, er selbst aber von seinen Mitmenschen vor einen Betrüger erkannt worden, vor deme man sich hüten müßte, wo sie nicht alle verlohren sevn wollten, dann die Früchte der Erd- gehörten allen insgemein, die Erdselbst aber niemand besonders zu ; so würde dem menschlichen Geschlecht unzähliger Jammer und Nokh seyn ersparet worden. Diese Betrachtung enthält viel wahres, gleichwol wird man kein Volk damit bereden (wann es auch in ftmer Wllkühr stünde) die Gemeinschaft der Güter unter stch wieder einzuführen, und dieses um so we. mger als sie von der Unthunlichkeit einer solchen Unternehmung durch die BeysMe einiger allen Republiken hinlänglich können überführt werden. . . Der Verfasser erwähnten Discours erkennet auch selbst, daß -S Mit ,-n-m Stande der Natur in die Länge nicht würde gut gelhan haben; dann endlich würde doch einer die Oberhand über einen Bezirk und dessen Einwohner gesucht, und auch erhasten, folglich st- unter das Joch g-, bracht: ander- aber eben dadurch veranlasset haben demselben zu entgehen freywillig eine bürgerliche Regierung unter sich aufzurichten , um sich unter dem Schutz derselben mit vereinigten Kräften vor jenen Tyrannen sicher zu stellen. Solchergestalt mag, das weltliche Regiment errichtet, und mit demselben das Eig-nthum der Güter cingeführt worden s-vn. Anfäna- lich tauschte eine Gegend die Produkte ihres Fl-ises gegen diejenige ihrer Nachbarn; nachher» aber wurde zu mehrerer Bequemlichkeit solchen Tau- schrS das geprägt- Gold und Silber als das allgemeine Vörstellungse-i- ch-n aller zeitlichen Güter nach einem gewissen Werth angenommen, als welches jetzo unter dem so gemeinen Namen des Geldes bekannt ist; hier- nach wurde auch die so große Ungleichheit unter den Menschen veranlas. sek, die unserm Verfasser so höchst anstößig und unbillig scheinet; da einerseits so viele Menschen in dem Ueberfiuß aller zeitlichen Güter sitzen anderer s-ilS aber hingegen der weit mehrere The» in so tiefem Elende schmachtet, daß Wochenblatt» -r daß sie auch selbst in dem Schweiß ihres Angesichts ihren Unterhalt kümmerlich für sich und ihre Kinder erwerben können, welch trauriges Schicksal einem jeden wahren Menschenfreund sein Herz erweichen und ein solcher dasselbe billig beiammern muß. Wer die Welt von dieser Seite mit einem zärtlichen Gemüthe und gesundem Verstände betrachtet, dem kann fteylich die Einrichtung derselben weder billig noch vernünftig scheinen ; wer aber die Menschen kennet und ihre Handlungen und Leidenschaften nebst denen verschiedenen Talenten, Geschäften und Verdiensten derselben mit einem aufmerksamen Auge, beobachtet, und dabey den beständigen Wechsel in dem menschlichen Leben in Betrachtung ziehet, der wird leicht gewahr, daß die menschliche Gesellschaft keine bessere Einrichtung bekommen hak, noch irgend ein Gleichgewicht in dem Vermögen und guten Zustande des einen Menschen gegen des andern eingeführt werden können. Viel Elend ist auch in das menschliche Leiden eingeführt worden, von dem man in dem Stande der Natur nichts wußte: hierunter sind insbesondere die unzählige Krankheiten zu rechnen, die zum Theil aus der Sättigung aller lasterhaften Begierden, zum Theil aber dahero entspringen, daß so viele Menschen mit so verdorbenen Säften auf die Welt kommen , daß sie auch mit aller Mäßigkeit das gehörige Lebensziel nicht erreichen können, wo sie nicht in ihren ersten Jahren wieder dahin sterben; an allem diesen Unheil sind die Menschen guten Theils selbst Schuld. Ganz anders verhält es sich mit der unglaublichen Dürftigkeit des gemeinen Mannes in so manchen Staaten, und der dahero entstehenden Millionen Seufzer, woran manches harte Regunent die Grundursache ist, da man sich mehr bemühet übermäßige Abgaben von ihnen zu ziehen, als ihrer großen Armukh durch eine weise Einrichtung des Staats, und dahero fliessende Verbesserung ihrer Umstände zu Hülfe zu kommen; insbesondere wird der Landmann in manchen Staaten neben dem nicht der geringsten Achtung noch Anleitung seinen Landbau vortheilhafter einzurichten gewürdiget, sollten auch alle Einwohner darüber zu Grunde gehen» Solche Regenten sind mehr scharfe Peiniger als Vater ihres Volks und von den Gesinnungen König Heinrich des 4ten in Frankreich, welcher große Monarch die Liebe und die Lust seiner Unterthanen war, weit ent# M r fernst, §2 Wochenblatt. ferner, welcher es nach seinem etwas gemeinen doch menschensteundlichen Ausdruck dahin zu bringen suchte, daß der Landmann seines Königreichs alle Sonntage eine Henne in seinem Topfe haben sollte. Wo eine Regierung die Umstünde ihrer geringsten Unterthanen so weit zu verbessern fähig und beflißen ist, als dieser leutselige König durch diese landesvüterliche Erklärung andeuten wollte, da ist sie unstreitig ihres hohen Postens eben so würdig als dieser erhabene Menschenfreund seiner Krone war. Es ist auch kein Zweifel, daß wann ihme die Vorsehung sein theures Leben gefristet Hütte, er nicht nur den Landbau sondern auch alle Manufacturen und Gewerbe in einen ungleich florisantern Stand würde gebracht haben, als sie sich gegenwärtig in diesem weikläuftigen Königreiche befinden. In manchen Ländern ist auch der Landmann durch die kluge Einrichtung des Staats in so guten Umstünden, daß er ohne Reue den Verlust seiner natürlichen Freyheit betrachten kann; in vielen andern fehlet es auch nicht an den redlichen Gesinnungen der Regenten, Bürgerund Untertha- nen, in die Aufnahme zu bringen ; nur ist die ursprüngliche Einrichtung ihres Staats so schlecht, und der Verlust ihrer ehemaligen Nahrungsar- ten durch den wechselhaften Lauf der Gewerbe so gros, daß man bey der wenigen Kenntnis der gesunden Staatsöconomie nicht weiß, wo und wie man ein so höchst wichtiges Werk (als die Ausnahme eines Landes ist) zuerst angreiftn, und erwünscht ausführen solle. In solchen Umständen wäre es ein wahres Unglück für die Einwohner, wann eine gewissenhafte Regierung Den Muth sinken ließe und an der Aufnahme ihres dürftigen und sinkenden Staats verzagte ; sie muß sich vielmehr die Weise Staatsmaximcn der klügsten Völker zu Nutze machen, und diejenige von derselben sich zur Vorschrift in ihrem landesvütterlichen Vorhaben dienen lassen, die in ihrem Staat nach Be- schassenheit dessen Größe, Lage, Kräfte und anderen Umstande ben reifer Erwägung menschlichem Vermuthen nach sicher und vortheilhaft können angewendet werden. Eines Der sichersten Hülfsmittel eine genaue Kennt- ms von der StaatSwirthschaft zu bekommen, ist, daß man ein aanres ?and es seye klein oder gros als eine allgemeine Haushaltung betrachte, wemger dieselbe von aussen her bedarf und je mehr sie andern von ihren eigenen W-chenblaht. <• AZ eigenen Producken und Arbeiten mittheilen und verkaufen kann drst- reicher und glückseliger ist sie. Gleichwie auch ein sorgfältiger Hausvater eine richtige Berechnung überdenjährlichen Aufwand feines Hauswesens führet, um daraus zu ersehen ob er solchen mit seinen jährlichen Einkünften bestreiten oder etwas vor sich bringen könne, also sollte auch über jeden Staat als eine allgemeine weitläustige Oeconomie eine gleichmäßige Berechnung über deren jährlichen Aufwand oder Konsumtion wie hingegen über den jährlichen Verdienst und Gewinnst der Einwohner errichtet werden , um durch Gegeneinander- Haltung derselben daraus zu ersehen, ob das Vermögen des geftmten Landes zu-oder abnehme, und folglich die Oeconomie des gesamten Staats wohl oder übel eingerichtet seye. Hiezu aber wird eine gute Kenntnis in die politische Rechenkunst erfordert, von der noch wenige Regenten etwas wissen , die aber gleichwohl so unmöglich zu erlernen nicht ist, als es dem ersten Anblick nach scheinen mag. Diese politische Rechenkunst hat man der Englischen Nation zu danken; sie ist erst seit 70 Jahren zu einer besondern Wissenschaft geworden. Die, geschickten und unermüdlichen Ausrechner haben sich äusserst be- siissen, sie immer vollkommener zu Machen, und ihre Werke haben dazu beygetragen sie so berühmt zu machen; daß heut zu Tage die größte Staats- x teure in der Meinung sind , daß sie zur Regierung, eines Landes unumgänglich nothwendig seye. Wir wollen die kürzeste und deutlichste Art einen genau möglichen Überschlag über die allgemeine Haushaltung eines ganzen Landes zu machen hier mittheilen. Die Bedürfnisse eines Staats und seiner Einwohner sind gemeirii- ßhd) von zweyerley Art entweder sind es die eigene Products und Arbeiten / der Unterthanen die man über die eigene Nothdurst an andern verkaufet; oder es sind solche die man von andern nöthig hak. Wenn man nun fo» jene als die letztere in die genaueste möglichste Berechnung nimmt, auch hrebey den übrigen Aufwand den der Staat in verschiedenen Fällen auswärts thun muß nicht aus der Acht laßt, so kann aus den verschiedenen Summen der allgemeinen Ausgabe und Einnahme des gejammten Staats M z dessen / 94- Wochenblatt» k dessen jährlicher Gewinn und Verlust ziemlich genau eingesehen werden; Zu bestmöglicher Formirung solcher Balancen ist nöthig die Zahl der Haushaltungen eines ganzen Landes zu wissen; diese können in verschiedene Claf- sen eingetheilet, und nach Beschaffenheit derselben so ziemlich nahe heraus- gebracht werden, wie viel sie von ausländischen Producten und Arbeiten, und wie viel sie von den einheimischen gebrauchen, auch was an den letz- fern der Ueberfluß zur Ausfuhr seyn mag ; auch kann die jährliche Corr- sumtion jeder Privatperson für ihre physicalische Nothwendigkciten für Nahrung und Kleidung hierinn viel Licht geben , wenn man Große und Kleine, Reiche und Arme in einander rechnet. Die Engelländer bestimmen einer jeden jährlich 8. Pf. Sterling, da aber in unferm Deutschland alles wohlfeiler, so mögen für jede z6 bis 40 Thalcr nach Beschaffenheit deS Landes genug seyn, wenn man die Zahl derselben weiß, so kann auch be, rechnet werden, wie hoch der Aufwand des Volks sich belaufe sowohl an aus, als inwartigen Produkten und Arbeiten, auch ob die Ausfuhre der letztem die Einfuhre der erstem übertreffe, und also das Vermögen deSge- sammten Landes vermehret werde, wie solches der Hauptendzweck einer landesväterlichen. Oeconomie seyn muß. < Wann man über manchen Staat eine solche politische Berechnung errichten würde, so würde es sich klar zeigen, wie elend seine Staatswirrh- fchast eingerichtet seye. Der Landbau würde nicht mehr der alten Leyer überlassen werden, sondern eine ganz andere Einrichtung bekommen, und alles Erdreich gänzlich und besser angebauet und genutzct werden. Alle unentbehrliche abgehende Künste und Profeßionen würde man einführen und die Jugend dazu an ziehen. Alle Mißbrauche von was Alter Namen und Beschaffenheit sie seyen, die die Nahrung des Landes erweislich schwächen oder gar ruini- ren, würde man ohne weiters abschaffen, und alle nur Menschen mögliche Vorkehrung thun, Land und Volk in die Aufnahme zu bringen. Da dergleichen allgemeine Haushaltungsberechnungen über ganze Königreiche entworfen werden, so wird wol niemand beyfallen, daß man in kleinen Staaten derselben nicht bedürftig; man wollte dann behaupten, daß mamin den letztem über das wenige Vermögen der Einwohner nicht so sehr zu wachen hätteass über das .ungleich größere in weitläustjgern . 5 s U Staaten; wochmblaee. N Staaten; oder daß ein kleiner Staat dergleichen allgemeine HapshalilMgA- überschlage nicht sowol zu Stande bringen könnte als em großer. « Aus diesem kurzen Entwurf einer achten StaatSöconomle erhellet genug, wie schlecht die Staatswirthschaft derjenigen Länd.er 4. ebend. 1775. Zapf (G. W ) Denckmahl des Herrn Rath und Professor Schöpfiins in Straßburg in einem Sendschreiben an Herrn Marggraf Carl Friedrich von Vaaden rc. 4. Schwab. 177z. 8 kr. Lieder für Kinder neue Auflage, st. Frankfurt zmp LeiM 17h. rytf. ■- . > ’• !> < t ; ' Da- 9< wschenblaee. Da»Ms« Wirckfurttt A. B- C. Buchstabier und Lesebuch r. Frankfurt 177 3* kr» . Schirmer (I. M,) systematisch theoretisch - poetische Rechenkunst gr. 8. Frf. 1775* r st- 50 kr. Bahrv (C.F.) Homiletick 8. i r kr. Luck (J.P. W.) Gedanken über vie von Herrn C. Fr. Bahrd heraus- gegebens Vorschläge zu Berichrung deS Lehrbegrifs unserer Kirche rc. 1775. 12. kr. Ern-und auspaßirende vom ij. März brs den _ 20. März 177$. Herr Hostath Haas von Wetzlar, paßiret durch. Herr Cammerherr von Rau, paff, durch. Herr Rach Kreutzer in Zwevbrückifchen Diensten, log. im PosthauS. Herr Generalmajor von Rabenau , log im Einhorn. Herr Amrschulthe'.ß Müller von Biedenkopf, log. im Einhorn. Here Cammerherr von Rabenau , log im Einhorn. Herr Major von Plchl ehemalö in Sardinischen Diensten , logirt im Hirsch. , r v Frucht-und andere Preiße am Markttag den 20. März 177Z. Giesser Maas, fl '/tfk s\Cr tfc * f & « Mb. T t* v fl alb Pf. Pf. L.- alb alb. Pf. iS 4 6 I 4 4 4 6 Pf. 3 I - 5 - »MgaßFruchtBrandew. rZalb lPf. Bratwurst 6 alb. i Pf. inländische Seife? alb 1 Meste Saltz 20 alb. W. Loth.Qu 12 2' 4 - 4 r fButter Bretzel Teitscher - 1 -*'3 4 - 9 - 3 4 3 l 3 7 3 2 r Lichter # 6 Eyer 5 6 6 28 28 9 2 7 6 IO 4 4 < 2 2 . jalb.vf. Weck - ‘ ( k Ochfenfleisch - Kalbflersch - Rindsseisch - Kühfieisch - Schweinefleisch Hammelfleisch >Lchaffleisch Bockficisch - Wurst - - Kalbsgelüng Kalbs -Leber 1 Karpfen 1 Hecht - 1 Perstng - >,! Barmen 1 Schleyen N Butter - 1 Achtel Korn 1 Achtel Gerste - I Achtel Waltzen - 1 Achtel Hafer , 1 Messe Erbsen - 1 Meste Linsen - I Pfund Hirse 1 Pfund geschälte Gerste - - - i Pfund' klein geschälte Gerste 4 Pfund. fluatb. 7 Rindsfctt 1 15 7 Hamelsf. 1 15 . J S .kBecker-Preist. Drdd. # ] 4