Giesser Moche»»lake. Neun und Zwanzigstes Stück. Dienstags dm 20. Julü 177r- Mit Hochfürsil. Hessen Larmstadtischer gnädigster Erlaubnis. Ein Ungenannter. " Aus Finsterniß und Sturm, quilt für uns Licht und Segen. Solgende Geschichte, mag die Unglücklichen belehren, wie nahe Glück und Unqlück mit einander granzt, und das Unglück oft die Quelle des grösten Glücks wird, damit sie ihre Hoffnung stärken, und dem Vater der Welt vertrauen, der es sich Vorbehalten hat; unsre Schicksale nach seiner Weisheit zu ordnen, und Licht aus der Finsterniß zu schaffen, und mit Ueberzeugung zu dem HErrn des Ledens zu beten: Nacht ist und Sturm vor dir auf deinen Wegen, Doch hinten nach sehn wir, Herr, deine Herrlichkeit. Aus Finsterniß und Sturm, quillt für uns Licht und Seegen, Dein Weg ist Labyrinth, der Ausgang Seeligkeit. Die Glücklichen aber mögen dadurch zu dem Vergnügen ermuntert werden, welches die Wohlthäligkeit gewahrt. Mylord Damb? war mit einem zärtlichen und grosmüthigen Herzen gebohren. Er kam dem Mangel seines Nächsten zuvor: sobald er seine schlechten Umstünde nur vermulhete, so eilte er auch schon ihnen abzuhelfen. Aber indem er andre um sich herum glücklich machte, war er eS selbst nicht. Milten in der Grösse und seinem Reichthum fühlte er eine Sf rrauri- Wochenblatt. rsS traurige Lere itt seinen, Herzen. Freundschaft und Liebe konnten eS allein ausfüllen, uns in beyden war er betrogen. Seine Geliebte ward ihm ungetreu. Er hatte einen Unglücklichen aus Elend und Schande hervor, gezogen, und einen Undankbaren mehr gemacht. Dieses Ungeheuer, dem er bey dem Minister Zutritt verschafft, verleumdete ihn, und nahm seinem Wohlthater eine Stelle weg, die ihm bestimmt war. Eine geheime Melancholie war ihm angebohren, und durch diesen Streich wurde er ganz von derselben verzehret: Die Untreu seiner Gemahlin trieb sie auf ein so hohen Grad, daß er eine« Abends durch eine Hin. terlhür aus seinem Hause ging, und in den Gaffen von London herum- irrle. Die Einsamkeit, und der traurige Schimmer der Lampen, vermehrten den Kummer seines Gemükhö so sehr daß, da er sich selbst zur Last war, und die Menschen alle als Verrather ansahe, er den Tod, als seine einzige Hofnung und Zufiuchl betrachtete/ Sein Entschluß war also bald gefaßt. Er befand sich an einer Straße di? nach der Themse führte, ging darauf zu, und freute sich, daß er immer ruhiger wurde, je naher er dem Strome kam. _ Em Kaufmann aus der Stadt, Namens Rümfton, hakte aus Verzweiflung eben den Weg genommen. Mylord und Er begegneten sich, und stiessen an einander. Die schrecklichen Gedanken, mit denen sie erfüllt waren, und die dunkle Nacht, hatten sie verhindert einander zu sehen Sie waren beyde unwillig, daß sie in ihren verzweiflungsvollen Ee. danken gestührt wurden, und warfen sich beyde die Hindernisse vor, die einer dem andern in den Weg legte. Sie erkannten bald, daß sie beyde rinerley Straße gingen. Einer sah den andern für einen unbescheidenen Neugierigen an, und suchte sich seinen Augen zu entziehen. Beyde ver. doppelten ihre Schritte, einander aus dem Gesicht zu kommen, gingen weg vom Wasser, durchstrichen einerlei) Straßen, nahmen einerlei) Umweg, und stiessen endlich wieder am Wasser voll Wmh aufeinander. c' ^ür wohlthätiges G-mükh ist kein größer Vergnügen , als die leidende^Tugend zu unterstützen. In diesem Vergnügen war der Taa dem kord geschwind vergangen. Die Stunde nahete heran, da er sich voraelent hatte, wegzugehn. Bingston sah- sie mit Betrübniß kommen aivlorös Augen wurden mit Wolken umhüllt. Kingston sah diese Verändtuna ' als eine Folge von dem schwarzen Gedanken an, der das Herz feines 9RnhP khat-rs erfüllte. Nur einen Tag Aufschub hatte er von ihm -rhaltm °tch soll ihn also nie Wiedersehen, sagte er zu sich , und stille Thranen standen ,n seinen Augen. Seine Tochter Hflitcy wurde sie gewahr, und br nn ruhigen Blicke richteten sich gleich drauf, auf den Lord. Alles sch e sie m Furcht. Himmel, rief sie, mein Vater weint; Mylord ist bestür,, ' K so"'L davon denken? Ich kann mich nicht langerhalten, rief Lm'crftkn bas schreckliche Gehcimniß, welches mir auf der Seele liegt, kann ich nicht länger in mir verschliefen. Betty! Nancy! - flrh* ihr wüstet! - Ihr saht mich in ve^ verwichen-,, Nacht, durch mein Unglück i» Boden gestürzt; aber ihr Hißt nicht, wie sehr mich meine Ver! nunst verlassen harte. Di-blindeV-rzw-ißung führte mich schon nach ber Themse zu - ich stand im Begriff - Ach Betty! o CT4rtcy - j*rann nicht weiter erzählen. *; y 1(9 rflno Di- b-vd-n Frauenzimmer erzittern über die Gefahr, die vorüber m si-stürzen sich in seine Arm-, als wxMn sie ihn itzt erst davon zmückbaw ten. Wemt nicht über mich, seufzet Rrngsto», sondern über diesen -d-ln kord, der mich vom Rande des Verderbens zurückaezogen, und n v selbst hineinstürzen will. Er verläßt uns in keiner and rn AbsichtVa s sterben. - O Mylord! mein WohlthU-r! Die Vorsehung sandte Sw mit Wochenblatt rzr mir unstreitig zu Hülfe - ich hoffe, mir ist em gleiches Vergnügen Vorbehalten. Beery! Nattcy! vereinigt eure Bitten mit den meinigen. O Mylord! hören Sie die Stimme der Dankbarkeit und Zärtlichkeit. Verbitten Sie nicht mrser Glück, dem wir lieber entsagen wollen. Erwegen Sie, wie viel Gütes Sie noch in der Welt thun können. Es gibt noch so viel Elende äusser uns, wollen Sie dieselben verlassen ? Diese Worte wurden mit Thränen begleitet. Berry/ bestätigte mit ihren Blicken, was ihr Mann sagte. Nancy halb ohnmächtig beschwor ihn noch zartlicherN Mylord, ries sie, Sie wollen sterben! O , warum sind Sie hieher gekommen! Warum hab ich unfern grosmüthigen Wohlthater kennen lernen, wenn wir ihn verlieren sollen. Mylord Damby schwieg. Sein Misvergnügen mit der Welt war vermmdert. Er Dachte nicht mehr an die Undankbarkeit des menschlichen Geschlechts, da.er so viel Tugend sähe. Ich will leben, Hub er an; ich mich leben , denn Sie machen mir das Leben wieder theuer. Sie haben mich überzeugt, Kingston/ daß die Freundschaft allen Undank der Gottlosen reichlich vergütet. Wir haben einander errettet, und ein neues Glück zeigt sich mir. Kingston ! Berry ! - Liebenswürdiges Paar, nehmen Sie mich zu ihrem Sohn auf! Theureste / bestes unschuldiges Kind, darf ich hoffen ? - Hier halt er ein, und sucht kn rtanc^ Blicken zu lesen, was er zu erwarten habe. Sie schlagt ihre Augen nieder, und seufzet - B.mgfion erstaunt. Endlich ruft er: Wie? Mylord! Nancy könnte Sie glücklich machen! Ich sollte in meinem Wohlthater einen Sohn finden? O Mylord! wenn die Schönheit keine Ahnen , und die Tugend keines Reichthums bedarf, so erheben sie meine Tochter bis zu sich hinauf, und empfangen Sie dieselbe von den Händen der Dankbarkeit. Dieß Geschenk übersteigt alle meine Wohlthaten, rief. Mylord. Theureste Nancy/ beglücken Sie mich m>t Ihrer Einwilligung. Nancy warf einen Blick voll der zärtlichsten Liebe auf ihn. Sie sah in Mvlords Augen , daß er sie verstanden, und verbarg ihre Verwirrung in dem Busen ihrer Mutter. Die Vermahlung wurde nicht lange verschoben, und diese glück, siche Familie lebt in allen den Freuden, welche Tagend und Wohltha- rigkeit gewähren kann. . . . ■ ■ '• V' T * f i C ! ' Der Wochenblatt. rzr Eitt- und auspaßrrende vom rs. IM bis den i7- Juli. 177;. Herr von Forstmeister, Dommherr von PreuM Münden, paßiret durch. *' Herr Major Buff, und Herr Lieutenant von Geisan- von Wetzlar, log. im Einhorn. Herr Regierungsrath von Jungmann von Cassel, log. im PosthauS. Herr Grheimterrath von Zwirnlein von Wetzlar, paff, durch. DerHochfürstt. Hessen Darmstädtischen garantirttn Zahlenlotto ißte Siebung ist ten uten Julii in feinet Ordnung vor sich gegangen, und sind folgende Zahlen herausgekommen. 7h 58. 87- 78. 74. Frey Nummer für die Prämie ist 6, . Die i7te Ziehung geschiehst Freytags den 7ten August und die folgende von drey zu vrey Wochen. Markttag den 17, Juli. 1773. Giesser Maas. fi- Pf. 15 4 iS 2 9 Kalbs-Leber - 5 1 3 2 Becker- Preist. alb.'pf. alb. pfi Brod, f t 9 Butter Bretzel - 3 6 9 I 1 I fyltfäcr ♦ 23 28 2 4 4 4 4 4 3 1 1 I 1 1 alb.i 3 3 3 4 4 3 2 4 6 f 4 7 7 10 4 jpf. 6 Ochsenfleisch - Kalbfleisch - Rindfleisch - Kühfleisch - Schweinefleisch Hammelfleisch Schaffleisch Bockfleisch - 1 Karpfen 1 Hecht $ i Per sing - 1 Barmen 1 Schleyen r Butter - Pfund. fi. 7 Rindsfett 1 i Achtel Korn 1 Achtel Gerste - 1 Achtel Wertzen- 1 Achtel Hafer # 1 Meste Erbsen - 1 Meste Linsen - 1 Pfund Hirse x Pfundigeschälte Gerste - - - 1 Pfund klein geschälte Gerste - ft. Loth Qu. - 11 2 ft. Loth. Qu * 7 7 Hamelsf. 1 15 r Lichter $ Weck , , 4 pfr alb. 5 6 6 1 3 6 alb. 6 Eyer Pf. inländische Seift7alb. 1 Wurst - 1 Kalbsgelüng ,MaaßFruchtBrandew.i6alb.ltPf.Bratwurst6alb. i 1 Meste Saltz 20 alb. Frucht-und andere Preiße am " alb.wf. ft