Giesser KoHeovlal«. Drittes Stück. Dienstags den Januar. 177;. Mit Hochfürstl. Hessen Darmstädtischer gnädigster Erlaubnis. Von den Zweifeln gegen die Religion- Leute, welche die Religion als eine ernstliche Sache ansehen, * und sich gerne mancher Einwürfe, die ihnen zuweilen Verwirrung machen, erwehren möchten, will ich einige Regeln geben , durch deren Befolgung sie sich in den Stand setzen können, sich theils zu bet lehren, theils zu beruhigen. Wenn ihr einen Zweifel hört, oder von selbst darauf verfalt, so macht nicht gleich eine unauflößkiche Schwierigkeit daraus, weil euch die Sache noch neu und unbekannt ist. Sondern erkundigt euch zuvor bep einigen vernünftigen Schriftstellern , wenn ihr sonst keine Gelegenheit im Umgänge dazu findet, was diese von der Sache halten. Hierzu wird keine große Bibliotheck erfordert. Ein paar gute Bücher über die Wahrheit der christlichen Religion, insonderheit solche, wo die mancherlei) Arten von Einwürfen der Reyhe nach wiederlcgt werden, und allenfals eine gute Erklärung der gesamten Bibel werden hierzu hinlänglich seyn. Könnt ihr nicht alles verstehen, so denkt daß die Schuld an euch sey, und sucht euch alsdenn weiter zu belehren. Ist es nicht thöricht, philosophische Einwürfe zu machen, oder auch nur zu glauben, wenn man die Philosophie nie gelernt hat? Und so geht es in allen andern Fallen. C Mosern 18 ZVochettblaee. Wofern aber eure Umstände dieses nicht erlauben, so gedenkt wenigstens, daß ein Einwurf, der euch aus Mangel mehrerer Kenntniße un- auflößlich scheint, es darum nicht gerat) in der Thak ist. Denn wie wolt ihr von eurer wenigen Wissenschaft aufandre Leute schließen? TausendLcute finden Schwierigkeiten zu glauben, daß sich die Erde um die Sonne bewege, die einem Gelehrten doch offenbar lächerlich, und wenigstens nichtsbedcu- tende Kleinigkeiten sind. Vor allen Dingen untersucht die Wichtigkeit euers Einwurfs. Findet ihr, daß derselbige in keinem nothwendigen Zusammenhang mit den wichtigen Wahrheiten der Religion sicht, daß er keine wesentliche Lehre aushebt, oder daß er den Vcweiß von der Göttlichkeit der Schrift, und der Religion, ganz und gar nichts angeht, oder doch nicht wankend machen kann, so legt ihn so lange bey seit, biß ihr Gelegenheit habt, den- selbigen genaues einzufthen; oder verachtet ihn ganz. Wofür wolt ihr euch mit solchen Zweifeln martern, diedoch, wenn sie auch völlig gegründet waren, offenbar nichts zur Sache beytragen ? Wofür wolt ihr aus Neugierde Sachen wissen, die, wenn ihr sie wißt, euch doch nichts Helsen können? Endlich hütet euch viele solcher Zweifel auf einmahl und in der Geschwindigkeit zu gedenken. Es ist nichts zu sagen, wie unglaublich groß awdenn ihre Würkung, aufdasGemüthist, das durch dieselbige bestürmt wird. Man geräth durch eine solche conventrirte oder zusammengepropste Vorstellung, deren einzelne Theile man nur undeutlich erkennt, gar zu leicht in eine Gemüthsbewcgung welche den verdorbnen Herzen des Menschen ohnehin angenehm ist. Man ist alsdenn zur Untersuchung der Wahrheit nicht kalt genug: Man glaubt, oder verwirft in der Hitze des Affekts: und wenn dieser Zustand der Seele ost komt, so giebt es endlich eine Gewohnheit. Man meynt völlig überzeugt zu seyn, weil man diese Gedanken schon mehrmahlen gehabt hat, und ist es in der That eben so wenig, als ein thörichter Verliebter von den vortreflichen Eigenschaften seiner Geliebten, der in seiner Leidenschaft keinen Augenblick zweifelt, und hernach, wenn er wieder zu kaltem Blut komt, sich selbst nicht genug über die Macht seiner Verblendung verwundern kann. Die Menge der Einwürfe macht es nicht aus, eben so wenig als eine Menge von allerseits falschen Zeugen eine Sache wahr macht. Denn warum prüfte man sie sonst einzeln? Dergleichen w-chenblan.' 'S gleichen Einwürfe sind jenem Gebund Pfeilen gleich, welche nicht konnten zerbrochen werden, wenn sie zusammengenommen wurden, aber einzeln ganz leicht zu zerbrechen waren. Man denke also einen jeden Einwurf einzeln, und untersuche einen nachdem andern, so wird ihr fürchterliches Ansehen verschwinden. Es ist ein großes Heer nackender und unbewehrter Feinde, welches einige wenige gewafnete und geübte Kriegsleute gar wohl schlagen können. Aber sie müssen sich nicht umringen , wenigstens nicht überrumpeln lassen. u v Fast werde ich versucht zu glauben, daß diese Unvorsichtigkeit bey den Zweifeln, die vornehmste Ursache sey, warum so viele und zum theil so gar redlich gesinnte Gcmükher die christliche Religion für falsch , oder wenigstens für unerwiesen halten. Denn die große Menge von Einwendungen, die sie dagegen hin und wieder eingesogen haben, bemächtigt sich ihres Geistes, und laßt ihn nicht zu einer ordentlichen Untersuchung kommen. Denn diese ist ohnehin schon etwas mühsames, und man verwirft lieber blindlings, ehe man untersuchen mag. Und was noch mehr ist, so haben wir einen geheimen Verräther in uns selbst, der schon in einigem Einverständ- niß mit diesen Feinden lebt, unser eigen Herz, welches nur gar zu geneigt ist, dasjenige zu verwerfen, was ihm unangenehm fallt. Allein was gewinnt man damit wenn auch die christliche Religion ungegründet wäre? Ist darum auch kein Gott? Giebt es keine Pflichten? Wird Gott die Uebertrettung derselbigen nicht bestrafen? Ich dachte, das bloße Gewissen werde einem jeden dieses beantworten. Was Hilst es also, wenn auch die Drohungen der Offenbahrung falsch wären? Kann denn ein vernünftiger Mensch bey dem , was ihm Vernunft und Erfahrung von den Eigenschaften Gottes und seinen eignen vielfältigen Vergehungen lehrt, von aller Furcht wegen des zukünftigen ruhig bleiben? Es ist eine falsche Beruhigung , die man darinnen sucht, daß man die christliche Religion leugnet. Es bleibt außer ihr noch genug zu fürchten übrig. Es müste keine natürliche Religion, es müste kein Gott sepn: Alsdann ließe sich so etwas noch hören! * * * politische Rechenkunst. *) Man rechnet, daß wenigstens drey tausend Millionen Menschen auf der Erde leben tönten: allein es befinden sich wol nicht mehr als ohnge- C 2 fähr *) Aus dem Gothaischen Hofkalcnder. ro Wochenblatt- sähr tausend und achzrg Millionen/ würklich darauf. Von diesen sind in Asten 6$o Millionen, in Astica r so. Millionen in America ifo. Millionen, in Europa izo. Millionen. Nimt man an daß zz Jahre eine Generation ausmachen, so sterben in dieser Zeit tausend Millionen Menschen : folglich ist die Anzahl der Toden auf Erden: alle Jahre - - - - zo Millionen alle Tage - - - - 8200. alle Stunden - - - - 5400 eine jede Minute - - - 60 eine jede Secunde - - - 1 Da hingegen die Anzahl der Verstorbenen zu der Anzahl der Ge^ bornen wie ro zu 12 ist, so werden auch wieder geboren alle Jahr - - - z6, 000, 000 alle Tage - - - - -8, 400 alle Stunden - 4080 alle Minuten - - 72. alle Secunden - - - 1.2, 10 Wenn kein Mensch aufErden stürbe, so lebten in dem gegenwärtigen 57riken Jahre nach Erschaffung der Welt 17z, 000 Millionen Menschen beysammen. Da nun das feste Land wenigstens 1587 Millionen Quadratschuhe hat, so würden sich doch noch 9100 solcher Schuhe für einen jeden Menschen finden. Wenn man auf ico Jahre drey Generationen rechnet und annimt daß die Welt wenigstens 5700 Jahre alt ist, so sind seit Erschaffung dec Welt nicht mehr als 171 Generationen, 124 seit der Sündstuth und n feit Christi Geburt. Da keine Familie ist, welche ihren Ursprung bis auf Aarl den Grosen hinausführen kann, so folgt daraus, daß die ältesten Häuser in Europa aufs höchste 30 Generationen zehlen können. Noch giebt es sehr wenige, welche so weit zurückgehen können , ohne das fabelhafte zu Hülfe zu nehmen. Aber was ist ein Glanz von 30 Ahnen gegen 140 andre, von welchen man nicht einmal weiß wer sie gewesen sind? Die Zahl der Einwohner eines Landes oder einer Stadt wird beyna- he alle ?o Jahre erneuet, und in 100 Jahren erneuet sich das menschliche Geschlecht drey und ein drittelmal. Von allen Einwohnern eines Landes wohnt gemeiniglich ein Viertel in den Städten und die übrigen drey Viertel befinden sich auf den Dörfern. Unter Wochenblatt. *i Unter 200 Kindern die gebobren werden, kann man noch nicht eins rechnen, welches in der Geburt stirbt. Von tausend Kindern/ welche die Mütter stillen/ sterben höchstens zov, aber von tausend Kindern, welche durch Ammen gestillt werden, sterben foo. Von Kindern welche die natürlichen Blattern bekommen , sterben 8 von hundert. Von 300 Kindern aber, welchen die Blattern eingepropst worden / stirbt nur eins. Wenn man die Verstorbenen in einem Lande zusammen nimt, so wird man finden, daß die Anzahl der verstorbenen Mannspersonen sich zu der Anzahl der verstorbenen Weibspersonen verhalt wie 27 zu 25. Unter den Weibspersonen leben die verheuratheten langer als die unverheu- ratheten. I Die Zahl der Knaben, die jährlich geboren werden , verhalt sich zu der Zahl der Magdlein wie zr zu zo, oder wie 104 zn 100 so, daß wenn ioO Magdlein jährlich in einem Lande geboren werden, gemeiniglich 104 Knaben und also 4 mehr geboren werden. Allein da in der Kindheit wieder z, 25 mehr Knaben als Magdlein sterben , so wird die Anzahl der Manns und Weibspersonen gegen das mannbare Alter des einen und andern Geschlechts wieder gleich. Nach den Beobachtungen des grosen Boerhave werden die gesundeste Kinder in den Monaten Jenner, Februar und Marz geboren. Doch findet man die meisten Taufen ordentlich im October, December und Merz, weil die meisten Hemathen im May, Junius und October geschehen. Avertiflements. Nachdeme Johann Friederich Gernands und des verstorbenen Forst- Secretarii Gernands nachgelassenen Kinder, zu Darmstadt, Antheil des sogenannten Heibertshauser bey Daubringen dahiesigen Fürstl. Oberamtes gelegenen ftcyadelichcn Guths bestehend 1) in 24 Morgen 1 Viertel 10. Ruthen i f Zoll Acker 2) 6 Morgen ir Ruthen $ Zoll Wiesen. 3) 1 Morgen 1 Viertel 13 Ruthen 8 Zoll Garten. 4) 22 Morgen 26Ruthen Waldung f) 1 Morgen Viertel n Ruthen Hayden. 6) einem halben Wohr.hauß halben Scheuerund zwey Viehställe, sodan 7) einen zu Wach im Buseckerthal zu erhebenden Frucht und Blutzehenden . C r und Wochenblatt. rr und 8) einen ohnweit hiesiger Stadt bey der Taubentranke gelegenen, Gemüß und Obstgarten Donnerstags den i8ten Febr. schier künftig Nachmittags um i Uhr auf allhiesigem Rathhauß subhastiret und öffentlich an den Meistbietenden verkauft werden soll; als wird solches des Endes hier- nfit bekannt gemacht,, damit diejenige, so vorgcdachtes Antheil Heiberts- haußer Guths, oder Albacher Zehenden, oder dahier gelegenen Garten zu kaufen Lüsten haben, sich in praefixo auf allhiesigem Rathhauß einfinden, und sodenn die Conditiones vernehmen können. Gießen den sten Jan 177J- Vi fpec. Commißionis Gßwüld Zörstl. Regrcruttgs - Secrctarius daselbst. Demnach das von Rotenhofische auf dahiesigem Kirchenplatz an dem dermahligen beständigen Fürst!. Oberamthcwß gelegene Freyadeliche Wohn- hauß mit Zugehör an den Meistbietenden verkauft werden soll; als können sich die Liebhaber, darzu bey dem Fürst!. Regierungsadvocat Krug als besonders hierzu bevollmächtigten Mandatario anmelden, und die weitere Bedinguüße vernehmen. Gießen den 4ten Ian i-7Z. Zum Vergnügen des Publikum 'machen wir hiermit eine neue gelehrte Zeitung bekannt welche in Berlin bey Haude und Spener veranstaltet wird, und wo von mit Anfang dieses Jahrs bereits der Anfang gemacht worden. Sie enthalt Nachrichten von neuen Landcharten, geographischen städtischen historischen Büchern. Sie wird einzig und allein von dem um die Erdbeschreibung besonders, mit grosen Ruhm bekannten Herrn V.Ane. «r, Büschmg besorgt. ES wird wöchentlich £ Bogen heraus kommen, und mit Ende des Jahres mireinem algemeinen Tittel undRegister versehen werden. Der Vorschuß fürs ganze Jahr ist z Rrhlr. oder 3 fl. 26 kr diesige Währung. Wegen dem Porto kann man sich mit den löblichen Postämtern abfinden, wo man die Verfügung treffen wird, daß solches ganz mäßig seye. Der Probe Bogen ist bey Ausgebern zu haben, woselbst auch der Vorschuß zu diesem laufenden Jahr geschehen kann. < * Herr Wochenblatt. *3 Herr Prof. Job. Fr. Mayer in Kupferzell, der sich um die Land- wirthschaft so sehr "verdient gemacht hat, giebt ein Lehrbuch für die Land undHaußwrrrhe in gr. 8. in Nürnberg bey Zehe heraus. Biß Ende dieses Monaths a. c. wird mit r fl. zo kr. Vorschuß angenommen, und wird die nächste Ostermeffe außer ganz wenigen Porto, und ohne weiteren Nachschuß geliefert. Nachhero kost es r fi. i; kr. und werden wenige über die Zahl der Pränumeranten zugeschosten. Der Vorschuß geschieht bey Joh. Philipp Krieger in Gießen. Es ist ganz neuerlich eine Piece zum Vorschein gekommen , die in den Dänischen Angelegenheiten das vollkommenste Licht verbreitet und den Tittel führet. E. A. Rorhes Entdeckung der wahren Absichten und des politischen Systems der Regierung Dännemarks bey der lezten StaatS- veranderung 8. Der Preiß istzo kr. und ist bey Kriegern allhier zu haben. Ein-und auepaßt'rende vom Ian. bis den 16. Januar. i?7?. Herr Obristlieutenant von Seitz, von Alßfeld, log. im Einhorn. Herr Amtmann Hinsius von Göttingen, log im Einhorn. Herr Rittmeister Bermenrarh, in Hessen Caffelischen Diensten, paßiret durch. Gebshren und Gekaufte. Am io. Januar. Wiühelm Jacob, Johann Wilhelm Junkers, Taglöhners allhier, Söhnlein. Am n. Januar. Johann Friederich, Johann Friederich Webers, Bürgers und Nagelschmidts allhier, Söhnlein. Am 14- Januar. Sophia Johannetta Elisabeths, Johann Andreas Ramspeck, Bürgers und Schuhmachers, Töchterlein. Beer<- 24 Wochenblatt. Beerdigte. Am 8ten Januar. Caspar Bellas, Einwohner und Leinweber |u Daubringen. Diesem Manne, welcher auf dem Felde erfroren und in die Anatomie anhero ist gebracht worden, ist eine öffentliche Beerdigung nach hiesigem Gebrauch wiederfaren, zum öffentlichen Beweist, daß einem zur Anatomie gebrachten Todten , dergleichen Vorgang nicht zum Nachtheil gereiche, sondern die deßhalben vorgefaste Meinung auf einem Jrrthum ohne allen Grund beruhe. Am ii. Januar. Herrn Advocati & procurat. ordin. wie auch peinlichen GerichtslAffeflbris allhier, Feuerbachs hinterlassene Frau Wittib, gebohrne Wagnerin. Am 12. Januar. Herr Vormundsrath Repp allhier. Frucht-und andere Preiße am Markttag den 16. Ian. 1773. Giesser Maas. fi. alb. pf. w- alb. pf. w« alb.] Pf. 1 Karpfen Ochsenfleisch - 1 Achtel Korn i l 4 4 1 6 Pf. 1 4 5 $ 1 1 3 4 3 t 4 4 6 3 2 4 2 2 28 28 3 7 6 IO 4 Achtel Gerste » Achtel Waitzen # Achtel Hafer t Meste Erbsen - Meste Linsen $ Pfund Hirse Pfund geschälte Gerste - - - Pfund klein geschälte Gerste - Kalbfleisch - Rindfleisch - Kühfieisch - Schweinefleisch Hammelfleisch Schaffleisch Bockfleisch - Wurst - - Kalbsgelüng Kalbs-Leber »MaaßFruchtBrandew. 1 galb 1 Meste Saltz ao alb. 5 6 6 i 3 9 alb. 15 15 9 2 1 Hecht - 1 Per sing - 1 Barmen 1 Schleyen 1'Butter - Pfund. ft.1 7 Rinds fett 1 7 Hamelsf. 1 1 Lichter - 4 Eyer 1. iPf. Bratwurst 6 alb. i Pf.mländische Seife7 alb. Becker-Preist. Loth 11 3 Qu.1 alb. pf. 2 Brod. / 4 Butter Bretzel - 4 Loth. Qu. 6 1 8 / 3 Weck , Teitscher alb.'pf. ' 4 « ' 4 Diese wöchentliche Anzeigen werden von dem Verleger Johann Philipp Krie, ger Urnv'erfltats Buchhändlern hieselbst, an dieHerrn Liebhaber gegen einen Rthlr. halbjähriger Pränumeration geliefert. Einzelne Bogen werden für 4. fr. aus- gegeben. Man kann auch den Herren Liebhabern mit den schon herausgekomme- Neu Stücken dienen.