Giesser Mochk nNat«. Zehentes Stück. Dienstags dm März. t?7?. Mit Hochfürstl. Hessen Darmstädtischer gnädigster Erlaubnis. Von dem muerftrndenm Heä'lelcaffee- 8^or einigen Tagen erzählte mir ein Fremder, der, wie er sagte, um mittelbar aus Paris kam, von einem ganz neuerlich dort erfunD* nen sehr delicaten Caffee. Ich kann nicht unterlassen, diese Nachricht dem lieben Publicum zu Giessen, das so gerne als irgend ein Publicum in der Welt etwas neues hört, mit zu theilen. Doch nur erst eine kleine Vorrede. Nachdem der eigentliche Caffee so allgemein bekannt geworden ist, daß das Geld, welches dafür aus Europa geht, auf ungeheure Summen steiget, *) so haben nicht nur verschiedene Landesherren durch Heils«, me Verordnungen diesem Unwesen zu steuren; nicht nur die Aerzte mit vieler Gelehrsamkeit bewiesen, daß der Caffee melancholisches Blut, Hämorrhoiden , obftru&ioncs menfium (unsre Leserinnen nicht roth zu machen, müssen wir dieses Uebel auf lateinisch nennen ) und der Himmel weiß, was alle noch weiter für Krankheiten er verursache; sondern es haben auch erfinderische Köpfe ihren ganzen Scharfsinn angestrengt, eine andere braune Brühe ausfindig zu machen, die man an die Stelle des Caffces K setzen •) Aus unserer Stabt gehen nach einem sehr geringen Anschlag' jährlich für Eaffee und Zucker über 40000 Fl. 74 wochenblakt'? setzen Hnnte. Denn etwas braunes muß doch nun einmal getrunken seyn. Das laßt sich männliches und weibliches Frauenzimmer nicht nehmen. Del entstand dann der liebe Eichel-und Gersten-Rotten-Weitzen - gelbe Rü- den-Schwarzwurzel und Cichorien Caffee, auch zulezt der Cartoffelcaffee, und wer weiß, was alle noch mehr aus dem Pflanzenreich geröstet worden ist. Jede dieser Caffeearten fand ihre Lobredner in irgend einem Journal, Magazm, Wochenblatt rc. Aberdas Unglück, war, die Zunge hatte immer einzuwenden, daß ihr diese neuen Caffees nicht schmeckten, und wie dieß edle Glied überhaupt dem Verstände oft vorläuft, so gierig es auch hier. Der wahre Caffee blieb im Besitz , und die Astercaffees florirten nur so lange, als sie den Reiz der Neuheit hatten. Ich, deräch ein bischen Patriot bin, ohne eben darum ein Misanthrop zu werden , wenn in Stadt und Land nicht alles nach meinem Kopfe geht, sah mit Betrübniß, wie schnell die neuen Caffees vergessen wurden, und freue mich jezt desto- mehr, da einer erfunden ist, von dem man mit der grösten. Wahrscheinlichkeit hoffen darf, daß seine Herrschaft langer dauern wird. Also zur Sache, hier ist die Zubereitung. Man nimt das gewöhnliche Hecksel ' oder Heckerling, so wie es Ochsen und Esel fressen , liest die Unreinigkeiten, die etwa Mäuse, oder deren Feinde daruntergebracht haben, sauber heraus, begießt eö mit Wasser, und läßt es über dem Feuer einigemal aufsieden. Das Rösten und Mahlen geschieht wie gewöhnlich. Der Nutzen dieses Caffees für die Gesundheit soll unbeschreiblich seyn. Er versüßt das Geblüt, macht einen heitern aufgeweckten Geist, stärkt Magen, Em- geweide, Lenden unb genitalia, und verspricht den Menschen ein hohes Alter» Ader was mehr als dieses alles ist, er ist so lieblich für den Gau. men, als kein Caffee de Levanre seyn kann. Croyes moi, sagte dec Fremde, und leckte mit einem Schwätzchen die Spitze seines kleinen Fingers > c’eft un nedar, & c’eft un crime impardonnable contre le bop ton de le ne pas connoitre* Per Winter < ein Schäfergedicht aus dem Englischen des Pope. L^crdas. Tbyrsts, die Musick dieser murmelnden Quelle ist nicht so traurig als das Lied das du singst.. Bäche die sich, durch daLriieM.Äal winden, rauschen Wochenblatt» - 7s rausche» nicht so angenehm und stießen nicht so gelinde. Nun liegen die schlafenden Heerden auf ihrer sanften Wolle. Der Mond, Hel! in seinem Glanze steigt den Himmel hinauf. Indessen daß die schweigende Vögel ihre tonreichen G cänge vergessen, singe du das Schicksal der Daphne, und ihr Lob. Thvrsis. Sich die Walder an, .welche von silbernem Frost glänzen, ihre Schönheiten sind verwelkt, und ihr Grün ist verlohren. Soll ich hier das süße Lied des Alexis versuchen zu singen, welches die lauschende Dryaden auf die Ebenen rief? Die Themse hört die Töne, als sie porbey floh, und bat ihre Wellen den rührenden Gesang zu lernen. L^cr'das. Sanfte Regen mögen ihre fruchtbare Feuchtigkeit geben , und den künftigen Herbst des Feldes schwängern. Fange an, diese Pflicht gab unS die sterbende Daphne. Sie sagte: „ ihr Hirten singt um mein Grab.,, Singe du während dem ich bey ihrem schattichten Grab klage, und ihren ländlichen Sarg mit frischen Lorbeern ziere. Th yrsis. Ihr sanften Musen verlaßt eure crystallne Quelle, Nymphen und Waldgötter bringt Cypreßenkränze. Ihr weinende Liebesgötter bedeckt den Srrohm mit Myrtenzweigen und zerbrecht eure Vogen wie bey Dem Tod des Adonis, und schreibt mit euern goldenen Pfeilen , die nun unbrauchbar geworden, eine Grabschrift auf den erweichten Stein: Die Natur verändere sich, Himmel und Erde weine, die schöne Daphne ist rodt, und die Liebe ist nicht mehr. - ' . Es ist geschehen, und die mannichfaltige Reitzungen der Natur verschwinden. Sieh dunkle Wolken verfinstern den freudigen Tag. Nun hängen Perlen an den tropfenden Bäumen : Sie versammlen ihre verwelkte Zierden um ihre Bahre. Sieh wie die glänzende Schönheiten der Blumen auf der Erde liegen: Mit ihr blühten sie, und mit ihr sterben sie. Ach was hilft es, daß die Natur Schönheiten (hervorgebracht) hat. Die schöne Daphne ist todt, und Schönheit ist nicht mehr, ?6 wochtnblatt. . Jhnnkhalbm wollm die Heerde» nicht mehr ihr grün-S Futter ge« nießen r die durstigen Rinder gehn nicht mehr in die schleichende Fluchen, die Silberschwäne beweinen ihren unglücklichen Tod in Tönen die traun« S«r sind, als wenn sie ihren eignen besingen. In gewölbten Hölen liegt die angenehme Echo stillschweigend: Sie schweigt, oder giebt doch nuraus ihren Nahmen Antwort. Ihren Nahmen! lehrte sie rormals mit Vergnügen da- Ufer. Nun ist Daphne rodt und kein Vergnügen ist mehr. Kein ergötzender Thau steigt mehr vom Abendhimmel herab: keine Morgengerüche entspringen mehr von den Blumen. Keine reiche Gewürze erfrischen das fruchmag-ud« Feld, kein- wohlriechend- Kräut-r geben mehr ihr natürliches Rauchwerk. Di- balsamischen Zephirs schwei. gen seit ihrem Tod, und bedauern den Verlust ihres süßem AkhemS. Die arbeitsame Bienen »-klaffen ihren goldenen Vorrath. Die schön« Daphne ist rodt, und kerne Annehmlichkeit ist mehr. Nicht mehr schweben di« steigenden Lerchen mitten in den Lüften au» ihren Flügeln lauschend, wenn Daphne stngt. Nicht mehr ahmen die Vögel ihrem Gesang nach, und schweigen nicht mehr durch ein Wunder, ihr auf den Zweigen zu zu hören. Die Ströhme werden ihren Wellen nicht mehr verbieten zu murmeln, um eine lieblichere Musick als ihre eigne ,u hören. Sagt es nur dem Rohrgebüsch-, sagt -S dein lauten User: die schöne Daphne ist todt, und keine Musick ist mehr. Von ihrem Tod lispeln die liebliche Winde, und erz-hlm eS seufzend allen zitternden Bäumen: die zitternd« Bäum« auf allen Ebenen und an allen Wäldern bringen klagend ihren Tod zu den silbernen Fluth«n. Die silberne Fluchen, so lezthin so ruhig waren, erscheinen aufgeschwellt von neuen Schmerzen, und stießen in Thränen über. Winde unb Bäume und Flukhen beweinen ihren Tod: Daphne ist unser Schmerz, und mcht mehr unsere Ehre. Aber siehe, dort wo Daphne wunderbar in dir Höhe steigt, über die Wolken und über den gestirnten Himmel, da verschönern ewige Schönheiten die glänzende Scene, Felder die immer frisch, und Walder die immer grün sind. Indessen du daselbst in amaranchnen Wochenblatt 7- Avertiflementsi Den 2. Matt, wird die erste Probe einer Sammlung denkwürdiger Neuigkeiten für das Frauenzimmer wöchentlich gesamlet und mit Anmerkungen und Erläuterungen versehen ausgegeben, und damit alle Dienstag unausgesezt fortgefahren werden. Die Liebhaber der allgemeinen Rerchs- Intelligenz-Zeitung für das teutfche Justitz-polizey-Wirth- schafts-Fmanz-und Handlungsrvefen / bekommen diese Blätter aks eine Beylage zu jener Zeitung umsonst; andere zahlen dem Reichs-Intelligenz - Lompeoir zu Wetzlar dafür jährlich i Rthlr. oder vierteljährig 6 Groschen. Auswärtige belieben stch an die L. L. K. R. Oben und Postämter, vornehmlich zu Frankfurt am kNayn und Wetzlar zu addreßiren, welche die Uebersendung für eine billigmäßige Vergütung ihrer Mühe besorgen werden. Wer den Verfasser dieser Blätter mit einer Zuschrift beehren will, beliebe solche nur an das obbemeldte allgemeine Reichs -Intelligenz-Zeitungs -Comptoir zu Wetzlar postftey zu senden, welches nach der genommenen Abrede das Erforderliche besorgen wird. Sollte es Sachen betreffen, die man nur dem Verfasser selbst wissen lassen will, so bittet man hinzu zu setzen; Zur Einhändigung an den Verfasser der Neuigkeiten. Uebrigens werden billige Leser aus dem was oben angezeigt wordett ist, von selbst ermessen, daß in einem solchen Zusammcntrage keine nagelneue und ganz frische Neuigkeiten geliefert werden. Man wird, wo nicht alles, doch das meiste, was man hier findet, schon in andern Zeitungen gefunden haben. Die Kürze, die Verbindung find die Prüfung der in jenen befindlichen Nachrichten, und die denselben dann und wann beygefügtt Erläuterungen und Anmerkungen werden hauptsächlich den Werth dieser Blätter ausmachen und bestimmen. Bey Krieger wird Pränumeratioir angenommen. Hochfürstl. Hessen Homburgifche Leibremenbanco. Mil Anfang des Aprils di-s-S wird die erste Ziehung der Hochfürstl: Hessen Homburgrschen k-ibrentenbanco vor stch gehenvahero di-ienia- respeuive Herrn Jnlereffenlen ersucht werden, ihren Nachtrag für da« Quartal zeikig -injusenden, wofern« dieselbe mit in die Verlosung wollen gezogen werden. Bey H wochmklntt. Bey der rz6ten Ziehung den 4ten Mar; 177?. der Churpfälzischen Achlenlotterie in Mannheim sind folgende Nummern aus dem Glücksratz gezogen worden. *8. 57. 88. r. 5-. Die rz7ste Ziehung bleibt auf den 24fan Marz scstgesezt. Predigt über Psalm zz, V. ar. gehalten am Nencnjahrstage 177$. im Hessen Casselischen istL 4 Kr. bey mir zu erhalten, diese Predigt ist von einem berühmten Gottesgelehrten in unserer Gegend, und wegen ihrer Vor- mflichkeit aufvieler Zuhörer Verlangen zum Druck befördert worden -4kr. Bey dem Hochfürstl. Regier. Buchdrucker, I C. Schröder, ist herausgekommen und zu haben: O. Johann Hermann Benner anwortet über die ewige Fortdauer dieser Welt. Eine Nebenstunde, gr. 8. 8 kr. Den 15. dieses wird auf allhiesigem Colle gio eine Sammlung juristischer Bücher öffentlich verstrichen, der Gatalogus davon wird bey Kriegern auögegeben. Ein-und auspaßirende vom 27. Zebr. bis den 6. LNärz. 177?. Herr Lieutenant von Baumbach, in Waldeckischen Diensten, paßiret ' durch. Herr Lieutenant von Breidenbach in Braunschweigischen Diensten, paßf- ret durch. Herr Oberamtmann Falckner von Wetzlar, paßiret durch. Herr- Hoftach Brand von Wetzlar, paßiret durch. - Zwey Herrn von Schenck von Hermanstein , paßiren durch. Herr Generallieutenant von Battin , in Französischen Diensten, logirt V im Posthaus. Herr Rittmeister von Rau von Dornheim, log im Einhorn. Herr Lieutenant Röhnderg in Preußischen Diensten, pass, durch. Herr Graf von Neubergs Kaiserlicher Gesandter, paff, durch. Herr Baron von Brabeck, paßiret durch. - -- :*»r - - Hm Geheimterrath von Boos, paßiret durch.