Giesser Wochenblatt. Ein und Fünfzigstes Stück. Dienstags den 2r. December 1772. Mit Hochfürstl. Hessen Darmstädttscher gnädigster Erlaubnis. yobfmgt dem Gott der Ehren, <) Jauchzt! werdet ganz Gefühl! Ihr Scharen blöder Heyden Bringt unferm Gott mit Freuden Gesang und Seytenspiel. Dankt ihm in frohen Chören, kobsingt dem Gott der Ehren, Sein Wohlthun hat kein Ziel. Preist seine großen Werke, Preist den, den er verhieß, Den Trost der ersten Sünder! Er schuf für ihre Kinder Ein neues Paradies. Den Held voll Macht und Stärke? Preist seine großen Werke, Die langst ein David pries. Frohlockt ihr Heilgen Höhen, Fühlt, was der Dichter sprach. Nun schallen Jubellieder Von seiner Harfe wieder, E e e Nun 4©* Wochenblatt» Nun schweigt sein klagend ach! Er hat den Herrn gesehen! Frolockt ihr Heilgen Höhen, Frolockt ihr Thäler nach! Frolocke muntre Jugend, Dein Lied sey Gottes Preis. Lern, Säugling, Wörter sammlen. Die kaum im süßen Stammten Dein Mund zu bilden weiß, Und lalle Gottes Tugend, frolocke muntre Jugend, Frolocke frommer Greis. Der Herr ist hoch erhoben, Und groß an Macht und That! Dort knien Millionen, Und neigen ihre Kronen Vor dem, der sie vertrat. Ihn soll sein Zion loben. Gott, du bist hoch erhoben, Unfaßlich ist dein Rath! Conrad Arnold Schmid. Empfindungen bey der Geburt Jesu. Welche Vewegungen der Freude, des Dankes und der Liebe entstehen an dem Gedachtnißrage der Geburt Jesu in meiner Seele! Aber zugleich in welches Erstaunen werde ich versetzt, wenn ich der Begebenheit dieses Tages nachdenke. Ich sehe eines Menschen Sohn und zugleich meinen Gott in der tiefsten Erniedrigung r ich sehe den starken unsichtbaren Gott, auf dessen Wink Himmel und Erde entstanden sind, und vergehen, und zugleich ein sichtbares schwaches Menschenkind mit meinem Fleische bekleidet. Welche wunderbare Vereinigung! Der Herr aller Herren, welchen alle Engel anbeten, aber in Knechtsgestalt, als ein hülfioses weinendes Kind, auf Heu und Stroh gelegt. Welche bewundernswürdige Erniedrigung ’ Meine arme Wochenblatt. 4or arme geringe Natur, bis in den Himmel erhaben, und mit Christo auf den höchsten Thron der Herrlichkeit gesetzt. Welcher wundervolle Wech- fel! Aber begreife ich wol recht, das hohe Maaß dieser göttlichen Erbar- mung? Muß ich nicht immer tiefer darüber erstaunen , je mehr ich meine Unwürdigkeit und die Hoheit dessen , der ihm zu Hülfe gesandt worden, erwege? Wahrlich hier entdecke ich eine Liebe, die über alle meine Würdigkeit geht, eine Liebe, die selbst mein Hoffen und Vermukhen unendlich übersteigt, eine Liebe, bey welcher mein Verstand nicht anders vermag, als zu bewundern, anzubeten und zu schweigend So groß aber meine Bewunderung ist, so groß ist auch meine Freude und Hofnung. In dem menschgewordnen Heiland erblicke ich das frohe Zeichen des neuen Bunde«, welchen Gott mit mir gemacht hat Hier erfahre ich, daß Gott wahrhaftig sey und seinen Sohn in die Welt gesandt habe, daß ich leben soll. Und darfich denn nun nicht kühnlich hoffen, daß auch alles, was mir je in seinem Namen verheissen ist, mit gleicher Treue erfüllt werden soll ? Nimmer würde Jesus meine Natur so hoch geehrt haben, daß er sie so genau mit Gott verbunden, wäre er nicht entschlossen gewesen, durch sich selbst ihre Gebrechen zu heilen, ihre Schwachheiten wegzunehmen, ihre Fehltritte zu versöhnen, ihre Flecken auszulö- schen, und sie zu ihrer ersten Reinigkeit und Unschuld wiederzubringen. Welche Zuversicht kann ich nunmehr auf die Liebe meines Vaters im Himmel setzen! Die gröste Liebe hat er mir bereits erzeigt. Alle Gnade, welche geringer als diese ist, werde ich itzt nicht mehr vergebens von ihm bitten. Was kann mir der versagen, der mir das, was ihm selbst daS iheuerste war, auch ungebeten gab? Und kann ich nicht das stärkste Vertrauen zu dem Herrn hegen, der für mich Mensch gebohren worden ? Ist Gott in Christo , so wird er gewiß alles thun und ausrichten, wozu er in die Welt gekommen ist. Er wird als ein starker Held alle meine Feinde unter seine Füsse treten, alle meine Missethat vertilgen und mir mit mächtiger Hand die Pforte des Himmels wieder eröfnen. Er wird mich, wenn ich mich nur seiner Führung überlasse, meinen tiefsten Verderben entreissen, mir Kraft geben, die Welt und die Sünde zu besiegen und mich neu gebühren, daß ich ihm gleich heilig und dann herrlich seyn möge. Und was ist natürlicher und billiger, als daß ich mich an dem heutigen Tag den Empfindungen der heiligsten Liebe ganz überlasse? Liebe erzeuge Ce e » Gegen- 4vr Wochenblatt. Gegenliebe: und es ist doch nichts, als Liebe, was mit Gott mein Heiland erwiesen hat. Freylich ist seine Liebe unschätzbar und auch selbst durch die stärkste Gegenliebe nicht zu vergelten. Allein ich will nur redlich soviel thun, als mir möglich ist: ich will ihn so stark lieben, als mir seine Gnade Kraft dazu schenkt. Alsdann hoffe ich, wird er sich meine schwache, aber aufrichtige Liebe Wohlgefallen lassen. Die Liebe zu Jesu soll mich an* treiben, meine höchste Belustigung in ihm zu suchen und die Betrachtung seiner ÄZohlthaten mein liebstes Geschäfte seyn zu lassen. Ich will nichts so begierig suchen, als die ununterbrochne Gemeinschaft des Glaubens mit ihm. Voll Eifer will ich mich bemühen, mich von allem zu reinigen, was dem Freunde meiner Seele mißfällig seyn kann. Ich will ihm mein ganzes Leben widmen, um durch willige Erfüllung seiner Gebote ihm wohlgefällig zu werden. Dir, mein Heiland will ich mich selbst und alle meine Begierden aufopfern. Bey deiner Krippe will ich lernen, allen Eigenwillen, allen Stolz zu verläugnen und so willig wie du gethan, um deö Besten anderer willen, alle Unbequemlichkeiten zu übernehmen. Dis seyn die Empfindungen, mein Christ, durch welche du die Fey- er d«'s Geburtsfestes Jesu zu heiligen verbunden bist. Jede derselben müsse noch viele andre Ueberzeugungen zur Quelle und noch viel andre Rührungen zur Begleitung haben. Aber deine Bewunderung sey keine Tochter )erUnwissenheit, sondernder überzeugenden Erkenntniß. Denke daher )en Wundern der Gnade Gottes fleißig nach, wenn schon nicht, ihre Tie- en zu ergründen, dennoch ihren Inhalt und ihre Gewisheit zu erkennen. Int) wenn dich denn die Größe und tiefsinnige Weisheit in Erstaunen etzt, so laß sie dich zur aufrichtigen Verehrung dessen , der in der Höhe wohnet, und zum demüthigen Gefühl deiner Schwachheit-leiten. Eben so sehr verhüte, daß deine Hofnung keine blinde Ueberredung sey. Ist sie in dir das Werk eines ungefärbten Glaubens, mit welcher reinen Freude wird sie sich alsdann in dein Herz ergießen, und wie mächtig wird sie dich bey allem Ungemach dieses Lebens ausrichten, weil nichts deineFreude von dir nehmen kann. Und endlich die Liebe, die du deinem Erlöser schuldig zu seyn glaubest, sey nie von Dankbarkeit gegen ihn getrennet. Strenge deine Kräfte an, o Christ, denn der so viel an dich gewandt hat, ein reines Herz und einen wohlgefälligen Wandel zu opfern. Was w-cherrbtaer. c <©$ Was foü ich dir, mein gröstek Freunds Für deine Treue geben? Du bists, der mich mit Gott vereint, Du bringst mir Heil und Leben. Herr! was ich hab und was ich bin, DaS geb ich dir zum Dienste hin. Ich will dich ohn Aufhören Mit Leib und Geist verehren. Mittel gegen das Auswachsen der Linder. * Auf die Frage in d. Int. Bl. No. 46. Art. VIII. vom Jahr 1768. wie kann man Kindern helfen, die anfangen auszuwachsen, wo die Knochen im Rücken schon krumm laufen, ohne sie mit Schnürbrüsten zu ängstigen? Antworte ich, daß solches von der englischen Krankheit herkomme, welches eine solche Knochenkrankheit ist, die in einem ungleichen Wachs- thum derselben bestehet, welche ihren Grund in den verstopften Gekrösdrü- sen, und daher verdorbenen Nahrungssafte hat, der an einer Seite oder Ende die Knochenröbrlein verstopfet, daß sie nicht weiter genähret werden können, am andern aber vestomehr ernähret unv verlängert, wovon sie nothwendig krumm werden müssen. Ich habe Kinder gesehen, deren B i- ne überaus krumm wurden, die man mit Stiefeln/ somit Fischbein aesiei- fet und mit Schnüren fest um die Beine gelegt wurden, gerade zu bringen suchte. Sie wurden aber krümmer davon, und so schwach , daß sie in ebener Stube über den Saufen fielen. Ich habe Kinder gesehen, die hohe Schultern und Hüften, krumme Rücken und Rippen , gleichwie eL ten , welch?man mit ÄchnürbRstAsööÄr KMey.verbergen konnte, hat- wurden sie engbrüstig oder stürben, wohl gar bey dem Gebrauch der bessert Medicamenten. Diejenigen, so ich von solchen in die Cur bekam, und bereits nicht mehr zu restituiren schienen, sind alle binnen Jahr wieder besser geworden. Ich ließ sie alle 8 Tage gelind lachen, 4 Wochen lang in- 1 ö Ee e r nerlich * Aus dem beliebten Leipz. Jntelligenzblatt ;4tes St. 1772. 404 wochmblätk. «erheb blutm'm'gende Medicamente brauchen, 14 Tage ruhen, und denn wieder die Currepetiren, dabev alle Wochen 2 Kräuterbäder machen, und Abends beym Schlafengehen mit einem stärkenden Spirttu das Ruckgrad waschen; alle Schnürbrüste aber und Stiefeln gänzlich ablegen ; wodurch alle Patienten , die nicht über 7. Jahr gewesen sind, zum Vergnügen der Eltern und Preiß des Herrn, wieder hergestellet wurden, so, dab wenige nöthig hatten, die Cur das ztemal zu wiederholen. Dieses meldet nachrichtlich, D. Hoffmann zu Cckartsberge. F» Verkaufen. Des verstorbenen Rathsschöffen und Löwenwirchs Herrn Johann Wilhelm Müllers Kinder dahier wollen nachbemeloete Feldstücter an Den Meistbietenden überlassen, als: 1) Morgen ohngefehr Wlesen hm- term Wallborn neben dem Stadtmüller Johannes Will gelAen/sePfacht- Zinß und Zehenden frey; 2) 1 Morgen r'Ruthen Wiesen auf dem Gänßacker neben Johann Magnus Roch gelegen, worauf 8. Alb. Pf. Grundzinß hasten, sonsten Zehenden frey; Z Der Eaisterhaid neben Johann Henrich Müllers Wittib gelegen , so Pfacht- Zinst - und Zehenden - frey; 4) 2-1 Morgen 14-Ruthen Acker im Altenfeld nebenHern Johann Peter Loos gelegen; Wer em oder anderer da- ton ui ersteigern Austen hat, kann sich Montags oen 28ten Dieses Nach- mittag um . Uhr im g»iv«n-fl !öwm Alibi« -mMm. Giessen Vm iotm Decembr. 1772- NachrLchten. _____ um verlauf dieses Jahrs der Pranumerationstermm meiner mit vielem Beyfall aufgenommener Wochenschrift zu Ende gehet, und ich willens bin solche künftiges Jahr g. G ferner fortzusetzen , und mich befleißigen werde, alle gemeinnützige Sachen wie bishero geschehen bekannt zu machen. So habe ein geehrtes Publicum ersuchen wollen ihre Pranumerationsgelder bey Zeiten einzusenden, um mich wegen der gehörigen Anzahl Exemplarien darnach richten zu können. Diejenige aber so bist dahero w-chenblatk 405 dahero in Zahlung sich saumselig gefunden, wird man in solchem Fall nicht mehr bedienen können. Uebrigens danken wir zugleich allen denen Gönner und Freunden, so uns bis dahero mit Beytrügen beehret. „ Nachdeme dre vierte Quartalziehung dieses l?7Lten Jahr der Hoch- surstl. Hessen Homburgischen Lcibrentenbanco herbey eitet, als werden die respective Herrn Interessenten ersucht ihren Beytrag aufs eiligste eimuschi- cken, widrigenfals sie nicht mit in die Ziehung gelassen werden. t HEen Darmstadtischen garantirten Zahlenlotto 5te Ziehung ist den iStenDecembr. in seiner-Ordnung vor sich gegangen, und find folgende Zahlen herausgekommen. 78* zo. 29. 11. 42, Frey Nummer für die Prämie ist 7. Die sechste Ziehung geschieht Freytags deni8. Jannuar. 177;. und die folgende von drey zu drey Wochen. Zuverlaßiae Nachricht von der letzten Staarsvera^deruna in^dnn^ mark von ihr» Majestät Der Königin Caroline Mathilde während ta ® fangenscha>t entworfen, r. ist ä z fr. zu haben. 1 u)t“ 36 t£inButter f Becker-Preist. iv. cvly. Lr« Rindfleisch - Kühsteisch - Schweinefleisch Hammelfleisch Schaffleisch Bockfleisch - Wurst - - Achtel Gerste - Achtel Waitzen - Achtel Hafer - Meste Erbsen - M-este Linsen » . Pfund Hirst i Pfund geschalte Pfund. fi. 7 Rindsfett i 7 Hamelsf. j i Lichter > 4 Eyer alb.'pf. <5 iS 9 2 lv.Wf. * 4 Gerste - . - - x Pfund klein qc schalte Gerste - iMaaßFruchtBrand-w.-zalb. i Meste Saltz 20 alb. 1 Kalbsgelüng 1 Kalbs-Leber iPf. Bratwurst 6 alb. 1 Nnchtrnnd andere Pr-iß- amMarkttag den 19. >77-. Giesser Maas. IÖU VI • O z. , I f 6 Diese wöchentliche Anzeigen werden von dem D-rl-g-r Johann Philipp Kr e, a.rUniv rsttäts Buchhändlern hiestlbst, an die Herrn Liebhaber gegen einen Rthlr. ö.tlvria r Bränumeration geliefert. Einzelne Bogen werden für 4. fr. aus« ge--b-n Ma>> kann auch den Herren Liebhabern mit den schon heransgekomnie nen Stücken dienen.