Kvchcnvlalt. Zwey und Drüsigstes Stück. Dienstags dm u. August 1772. Mit Hochfürstl. Hessen Darmstädtischer gnädigster Erlaubnis. Versuche/ aus einige« bekannte« Pflanzen wahrhaften Zucker zu bereitm. (8f§Srr Margraf kam auf den Einfall, zu versuchen, ob man nicht aus XySl verschiedenen Arten von Pflanzen, die einen süssen Geschmack hat- ten, eine Art von Zucker herausbringen könne. Seine Versuche die er darüber anstellte, zeigten ihm, daß man aus einigen Pflanzen einen wahrhaften und vollkommenen Zucker, der dem gewöhnlichen , der aus dem Zuckerrohr verfertiget wird, völlig gleich sey, bereiten - könne. Die Pflanzen , die er zu diesen Versuchen gebrauchte, sind keine besonder», sondern solche, die in verschiedenen Gegenden Deutschlands wachsen, nem- lich folgende: 1) Der weisse Mangolt, oder Beißkohl , Cicla officinarum. 2) Die Zuckerwurzel. Sifarum Dodonaei. z) Der rothe Mangolt, der eine Rübenwurzel hak. Aus den Wurzeln dieser drev Pflanzen bereitete er einen Zucker. Wie er damit zu Werke gegangen, berichtet er also-. Da der Zucker ein Salz ist, das sich in dem Weingeist auflößt, so glaubte id)f daß dieser, wenn man von den besten und retificirten nähme, vielleicht den Zucker von den Tbeilen der Pflanze abzusondern , dienen könnte. Vorher probirte ich, wie viel Zucker von einer gewissen Quan. Ji titae flfo Wochenblatt. titdt Weingeist aufgelöset werden könnte, und ob sich der aufgelösete 3tu rfev wieder zu Stücken formirete. Das letzte geschah sehr bald, ich bemerkt- gbtzr vabey, daß das Glaß und der Zucker sehr trocken siyn mußten. Ich nahm nun die Wurzel von weissen Mangolt, schnitte sie in runde Stückchen, und machte sie dürre. Ich zerrieb sie hierauf , und trocknete sie von neuen. Von diesen groben Pulver nahm ich 8 bilden, da eS noch warm war, that es in ein Glaß, welches man verstopfen konnte, goß 16 Unzen rectificirten Weingeist darüber, so daß das Glaß halb voll wurde, machte es mit einem Gork zu , und stellte es an Sandftuer. Da sich das Pulver immer auf den Boden setzte, so vermischte ich es von Zeit zu Zeit wieder. So bald der Weingeist zu kochen anfieng, that ich t as Glaß vom Feuer, und goß alles zusammen, so geschwinde, als ich nur konnte, in ein leinen Tuchen, aus welchen ich alsbald die Feuchtigkeit herausdruckce, und sie in em Glaß that, welches ich zu machte, und an einen cemperirten Ort stellte. Hierauf fieng der Weingeist an trübe zu werden , und nach einigen Wochen formirte sich ein Crystall, der alleZeft chen des Zuckers hatte, und ziemlich rein war. Ich lößte diesen von neuen in Weingeist auf, und machte es eben so, wie vorher, um ihn noch reiner zu machen. Da ich aber diese Art der Auflösung allzu kostbar fand , so sah ich Mich nach einer andern um , bey der man Profit haben könnte. Ich glaubte das Veste sey, auf die gewöhnliche Art zu verfahren, nemlich den Wurzeln ihren Saft auszudrucken, diesen alsdenn zu reinigen, und |o weiter damit zu verfahren. Hier finden sich dem ohngeachtet viele Schwierigkeiten , insbesondere bey der Zuckerwurzel. Ich will also die Art und Weise, wie man bey dieser letztern verfahren muß angeben. Man nehme eine Quantität von der Zuckerwurzel, welche in den Monathen October, November, December und Januar am besten ist. Man schneide diese Wurzel, wenn sie noch frisch ist, in kleine Stückchen, und stosse sie in einen Mörser so klein, als es nur möglich ist, thue sie hierauf in ein leinen Säckchen, und drücke den Saft durch Hülfe einer dazu geschickten Presse heraus: Heber die Wurzeln, die in den Säckchen zurück bleiben, giesse man ein wenig kaltes Wasser, so daß sie wieder so viel Feuchtigkeit bekommen, als sie verrohren haben, hierauf drucket man eS wieder Wochenblatt» xfi wieder von neuen aus, thut das ausgedruckte zu den erstem, und thut es zusammen in reine Gefässe, die man alsdenn in den Keller, oder einen andern Ort 14. oder 48. Stunden stehen laßt. Hier wird sich der ausge- druckte Saft rein,gen, Helle werden, und auf den Boden eine dünne Hefe lassen. Hierauf gehet man zur Ausgiessung des Saftes fort, und fil- triret ihn entweder ordentlich oder dadurch , daß man immer das Reme abgießt. Und hierinnen bestehet die Hauptsache. Denn wenn hier nicht alle mehligten Theile abgesondert werden, so bringt man keinen Zucker, sondern eine Art von Leim zuwege. Man muß hierzu zweyerley bemerken: 1) Daß es gewisse Maschinen giebt, die auf verschiednen Art zuae- richtet sind , daß man sie mit guten Erfolg zum Stoßen der Wurzeln brauchen kann. a) Daß das, was zurücke bleibt, nicht darf weggeworfen werden. Wenn nun dies geschehen, so schüttet man den Saft in ein reines Gefäß von Meßing oder Kupfer, thut Feuer darunter, um es kochend zu machen, nimmt das unreine, welches oben her schwimt, mit einem Schaumlöffel weg, und reiniget es noch mehr, indem man Everweiß hinein wirft. (Bey einer großen Quantität Saft thut auch eine andere leimichte Materie, z. E. -Ochsenblut eben die Würkung.) Man thut hierauf den Schaum oben wieder herunter, und laßt diesen abgeschaumten Saft durch ein reines Tüchelchen laufen, da denn hierauf der Saft wie ein klarer Wein aussiehr. Man muß es hierauf wieder in kleineren reinlichen Gefäßen so lange kochen, bis eine kleine Quantität, und endlich ein sehr dicker Syrup übrig bleibt, welchen man in ein reines und zugedecktes Gefäß thut, und an einen warmen Ort setzt. Nach ohngefehr 6 Monathen, und länger wird man einen Zucker finden , der sich zu kleinen Krystallen formiret hat. Diese Krystalle nun muß man von der Unreinigkeit die ihnen die Gestalt des Syrups giebt, reinigen. Dies bewerkstelliget man, wenn man das Gefäß in warmes Wasser setzt. Hier wird das, was in den Gefäß ist durch die Hitze fiüßig. Man muß hierauf dieses fiüßiae mit samt den Krystallen in ein eisernes verzinntes oder irdenes Gefäß thun, welches oben weit, unten aber enge ist, und rings herum , so wie auch auf den Boden verschiedene Löcher hat. Dies Gefäß setzet man über ein anderes , und stellt es bedeckt an einen mittelmäßigen warmen Ort. Hier sondert sich das, was die Gestalt des Svrupö hat, nach und nach ab, 3’* und ... Wochenblatt- Ä) > . . ’ e« W fet M U S läß s bey einen gemäßigten Feuer ein wenig koch-'' » *'• k^firt/hur Waft, wenn man ein wenig davon zwischen 2 Fingerthut, fegÄÄÄÄ SÄ andere von Mm Ort weichen kann, und hebt es an ementem. perirten Ott auf. «ra» einigen Tagen wird man nunmehr» diesen Zucker schon ziem« «ich har, geworden finden, und voller kleinen Krystallen. Wenn er nun 8 öder mehrere Tage gestanden hat, so muß man den hölj-rnen r^fAnfri abnehmen, und die Oesfnung aufiasten. Man kann hieraufdas G-firß an einen mittelmäsig warmen Ort setzen, da denn noch e-n- j.-ml,« ch« Menge Syrup herablaufen wird, welchen man auch r-mig-n , oder S weden gewöhnlichen Syrup brauchen kann. Nun uberstre,cht man ker'schl-d.n- mahlm mtt -inm Pinsel in frisch Wasser getaucht d.- Ob--^. die Oi« Zuckers, w-lcher fist) an das Gefäß gelstzet hat. Die» Wasser dringt durst) den Zucker, und nimmt di- noch ubr.gen Unre.n.gke.ten und allen Syrup weg, der in da« andere Gesäß fallt. Endlich wird denn der Zuckerder au« den Gesäß genommen, und wie der rohe Zucker behandelt worden, iN*en Ltschpapie, gelegt unfein Wochenblatt. was gleich ist, Sowett ad-,» - V-rsu^ -«- * sSB ,) Daß ich diese Wurzeln klein gerieben, weil sie sehr hark und schwer in Mörser $u zerstoßen sind. faXflMmcbt, unDvkl reiner» Zucker g.-b-, aW W Zuckerwurzeln, und diese wieder einen reinen Zucker, als do röche. Di- Wuri-ln die ausgedrucket worden, haben auch noch 'b"n Nu< tz-n. D-tt L wegzuw/fen musi man nn w«mg warm Jg» der gießen , daß es ein Orey wlrd. l^ssm Auf diese Art »SSSSSSSISÄ.**« - «»*- * bekommen. gsssr * 77'7 gäben, nachdem das We-rer feucht, oder dürre .st. Aus dem, was ich bisher erzählet habe, ^nn man abnehmen, was man aus diesen Erfahrunaensm, einen c°no> sch 3,^^5,0661 kann. D-r arm- Bauer z. E kLnntesich, statt ve» rmu» 0 beCie, ff KfiSÄ «•* so sorgsältig geschähe, als bisher angezeige^worden. M4 wochettblatt- Cs grebt auch noch verschiedene andere Pflanzen, die wahren Zucker in sich halten, aber so wenig, daß es nicht der Mühe werth ist, ihn daraus zu verfertigen. Academische Neuigkeit.? ES war der 6. August dieses daß Herr Joh Leonhard Holl aus Ulm den Juristischen Catheder bestieg und seine Inauguraldissertation um die Würde eines Licenuati $u erlangen, hielte, und zwar ohne Vorsitz; die Streitschrift handelt de matrimomo cum defundae Vxons Sororenebft einem Programmace des zeitigen Herrn Decani v. Joh. Christoph Koch de Codice manufcripto Inititutionum lultiniam Imp. ad mare Balticum reperto 4 f Bogen- Nachricht. Da deS sel. Herrn Professor Joachims tteueröfneees Mün^ca^ bittet / darinmtt merkwürdige und viele noch nirgends theilte Gold-und Grlbermünzen zu finden / die richticr in TKxu pfer abgebildet/ beschrieben und erläutert werden/ einen allaemei. nen Beyfall der Gelehrten und Münzliebhaber erhalten hat. so -st die Fortsetzung dieses nützlichen Buches mit Verlangen gewünscht, und der en. desbenannte Verleger öfters schriftlich darzu ermuntert worden dene Liebhaber haben auch die Versicherung gechan, im Fall dieses ae- schätze, sich dieses Werk vollständig anzuschaffen. Ich m«d>e a 0 ,um Vortheil derselben himiit öffentlich bekannt, Laß nummbroam vierten Bande vom Herrn Hofrath und Professor Reinhard zu Er anqen ae" arbeitet werde; dieKupferffiche aber bereits alle fertig find. Um mi* JLr in Ansehung des Druckes varnach richten zu können, habe ich den ?kte» der Pränumeration auf den gedachten vierten Vanv ergreifen wollen. 2 Diejenigen, welche die ersten drey Bände schon besitzen, beiatzle» pränumerando auf diesen vierten, jwey Thaler oder drey Gulden , bekommen solchen in der Dstermesse, 177z. ohne weitern Nachschuß. Den neuen kiebkabern will man ebenfalls die Anlchaffung des aaneen Werks erleichtern. Zeikhero sind die ersten drey Bände sür acht Thal«? oder Wochenblatt. *55 oder zwölf Gulden verkauft worden. Denenjenlgen nun, welche in die Pränumeration auf den vierten Band eintreten wollen , sollen diese drey ersten Bände, bis zu Ende dieses JahreS, für fünf Thaler, oder sieben Gulden duyßig Kreuzer überlassen werden, wer also in allem sieben Thaler, oder zehn Gulden dreyßig Kreuzer einschickt, der bekommt sogleich dle drey erstem Bande, und einen PränumerationSscbein auf den vierten. DiePranumeration wird in der Kriegerischen Buchhandlung in Glesen, besonders aber bey unten benanten Verleger in Nürnberg angenommen,und dauert von Dato an bis zu Ende dieses Jahres; nachhero aoer behalt ie- der Band wieder seinen festgesetzten Preiß, ä zwei) Thaler sechzehn Groschen, oder vier Gulden, und also das ganze Werk complet für sechzehn Gulden. Nürnberg, den r tten Jul. 1772. Johann Eberhard Zeh Buchhändler. Nachdem in denen Calender von vielem Jahr die Tage derer so wobl nach Bartholomai als auch nach Michaelistag astahrlrch alhier em- fallenden Jahrmarckten verschiedentlich angemerkt worden; und dann der Bartholomäusmarkt sedesmahlen den Mrtwochen nach dem Sontag, är nach Bartholomai fället, und der Michaelismarkt ebenfalls! MSma- len den Mitwochen nach dem Sontag, der nach Michaellstag fallet, gehalten werden, so, daß jedesmalen zwischen dem Bartholomai und Mi- chaelistag und dem Mitwochen , worauf der Jahrmarkt emfallet, em Sontag seyn muß; mithin in diesem lauffenden Jahr der Bartholomai M rrkt auf den rten und rten Sept, und der Michaellsmarkt auf den 6. und 7ten Octobr. einfallen: so hat man das Publicum davon zu avemren vor nöthig erachtet. Giessen den 7ten August 1772« Burgemeister und Rarh daselbst. Er'tt--unb auspaßirende vom 1. August brs derr 8. August 1772. Capikain von GSrikc, von den Künigl-Lr-ußisch-n Trupp!«, log. j=)err Öbrist von Düring von Friedelhausen, log« rm Emyorn« Herr Canvicat Holl von Wetzlar, log. im Einhorn. Lf6 wdchenblaer. HerkLieuttnant von Buseck, in Churpfaljischen Diensten,pass, durch- Herr Graf von Wittgenstein, paff, durch. Herr von Leystatt, paßiret durch. Herr von Kilmanseck von Wetzlar, log. im Einhorn. Herr Capitain von Duppy, von den Hessen Casselischen Truppen, log. im Posthaus. Herr Dotior Schneider von Wetzlar, log. im Einhorn. Herr Secretarius Sewert von Neuwid, log. im Hirsch. (Lopulrrte. Am 26. Jul. Christian Daniel Lehrmund , Bürger und Becker allhier, weiland Johann Georg Lehrmunds, Bürgers und Tuchmachers allhier, hinterlassener eheleiblicher Sohn, und Elisabetha lCatharma, Johann Friederich StohrS, Tuchmacher allhier, eheleidliche Tochter. Beerdigte. , Am 27. Jul. Wlllhelmina Eleonora Ernestina, Hennch Hartmann Schmidts, Bürgers und Weißbinders Töchterlein. Frucht-und andere Preiße am Markttag den 8. Aug. <’ r Achtel Korn l fl. alb. of. ft. alb pf. 180 pf. 7 15 1 Ochsenflelsch ' 4 r Achtel Gerste - »Kalbfleisch - 1 4 1 AchtelWaitzen - 10 2$ # 1 Rrndfieirch - 3 2 r,Achtel Hafer - 1 Fühftersch - 3 4 , Meste Erbsen - 24 # 1 Schweine sie ijch 4 4 1 Meste Linsen f 24 - i Hammelfleisch 3 6 772. Giesser D" ft.' 1 Karpfen 1 Hecht - 1 Per sing - 1 Barme»! i Schleyen »'Butter - ^aas alb. 5 6 6 3 7 Pf. 1 Pfund Hrrse 2 4 1 Schäffler sch ; 1 Pfund geschälte 2 i Vockflcisch - t f f * 1 Wirrst - - 4 i Pfund klein ge- 1 Kalbögelüng 3 2 schälte Gerste - - 1 * / 1 Kalbs - Leber 3 2 iMaaßFruchtBrandew. >8aib. r Pf. Bratwurst 6 alb. i Pf. 1 Meste Saltz ao alb. Pfund. fi. 7 Nindsfett 1 7 Harne lös. j 1 Lichter - 6 Eyer inländische Sei alb. 15 15 9 2 ft 7 < Pf. rlb. ft \ Loth > I ii - I 3 0«.' Decker - Prelsi. ft. jkoth # ! 8" Brod. ♦ Butter Bretzel Pf- 4 4 [Ott ! I 1 J Weck - Tcitscher alb W, 9 ( 4 # # 1 4