Giesser 41 Wochenblatt. Sechstes Stück. Dienstags dm n. Februari 1772. Mit Hochfürstl. Hessen Darmstädtischer gnädigster Erlaubnis. V-n der epidemischen Rrankheie zu Eissa und Holzhäuser? Amrs Battenberg. denen beyden aneinander liegenden Orten Eyffa und Holzhaußen in dem Fürst!. Amt Battenberg zwischen der Eder und Lahn hat Vsö) seit einiger Zeit eine epidemice graßirende Krankheit viele Menschen weggeraffet. Die hiesige Fürst!. Regierung hat auf erhaltene Berichte vor ihre Schuldigkeit gehalten die hiesige medicinische Facultat zu requiriren jemand aus ihrem Mittel dahin abzuschicken , um die Umstünde und Ursachen der Krankheit mit Zuziehung des dasigen Amtes Phyfici gründlich zu untersuchen, und die nöthige Vorkehrungen gegen dieses schreckliche Uebel zu veranstalten, und von den befund und zweckdienlichen Mittel der Fürst!. Regierung schristl. Nachricht zu ertheilen. Von dem Verhalt dieser abscheulichen Krankheit machen wir dem publico einen EMact aus des Profefforis D. Medicinae Herrn Alefeld Bericht, welchen die medicinische Facultüt der Fürst!. Regierung überschickt, hiermit bekannt. Im Herbst r-eh. finge die Krankheit zuerst zu Eyffa, und das Jahr hernach zu Holzhausen zu graßiren an, da denn gegen den 12. Dec. 1769- zu Eyffa und den 24- Januar 177** zu Holzhausen 8 die 4L w-chettblätt. die erste Kranke gestorben. Im Frühling 1*770. ließe die Krankheit zu Eyffa zwar in etwas nach, so daß viele unter, denen Kranken den Sommer über, obgleich nicht vollkommen ihren Haushaltungen nachkommen konnten. Allein im Herbst gedachten Jahres (leite sich das Hebel wieder aufs neue in beiden Gemeinden ein, und dauerte biß in Frühling a. c. da es wieder gelinder wurde, biß. es endlich vor ohngcfehr fünf biß ftchs Wochen sich wieder mit der alten Macht einstellets, so daß dermalen zu Eyffa, welches ohngefehr27 Häuser stark ist fr. und in Holz- Hausen welches z6. Hauser stark ist, $o Kranke befindlich sind. Ich rede nur von denjenigen Kranken welche bekannt sind , dann viele, welche das liebet im geringem Grad haben , suchen die Krankheit verborgen zu halten, biß sie endlich mit ihrer völligen Wuth ausbricht, und ist dahero sehr zu vermuthen, daß auch jetzo noch sehr viele ihre Krankheit verhelen. Von Anfang der Krankheit biß hierher sind zu Eyffa 20. und zu Holzhausen 21. Personen an diesem Uebel gestorben. Die Krankheit greift ohne Unterschied alle Gattungen von Leuten, alte sowohl alö junge, Mannspersonen sowohl als Weibspersonen an, nur hat man kein Exempel daß Säuglinge wären angegriffen worden, obgleich deren einige an ir,fickten Müttern getrunken haben. Das Uebel pflegt gemeiniglich gelind, mit einer Düsternheit des Kopfs, Mattigkcit, und Trägheit auch bei) einigen mit Schauder anzufangen, und die Kranke besorgen daher ihre häusliche Angelegenheiten nur halb, biß sie dieselbe endlich bey zunehmenden Uebel gänzlich liegen lassen. Eben gedachte Zufälle nehmen hierauf nach und nach zu, die Kranken sehen starr aus denen Augen, gehen taumelnd wie betrunkene Menschen, und sind beständig schläfrig hie- bey stelt sich das sogenante Kriebeln ein, da die Kranke klagen , es seye ihnen als ob alles in ihrem Cörper lebendig wäre, oder aber daß ihnen die Glieder eingeschlafen seyen. Diefes Kriebeln ist zwar ohne Schmerzen , allein es ist der Vorbothe von weit fürchterlicheren Zufällen, deren Anblick einen Stein erbarmen mögte, denn es pflegt sich hierauf meistentheils ein Kramps einzustellen, welcher unter denen entsetzlichsten Schmerzen, bald die Arme bald die Füße mit der grösten Gewalt zusammen ziehet. Bald ziehet dieser Krampf den Unterleib an einen Ort auf das grausamste zusammen , da indessen an einem andern Ort eine erhabene harte Geschwulst entsteht, welche sich mit dem Krampfe wieder verliehret. Bald werden die Pläcordia und die Brust angegriffen wodurch die arme Kranke in eine solche Wochenblatt. 43 solche Beängstigung gerathen, daß sie wie tolle Leute heftig schreyen, bald ist der -Hals eingenommen, wodurch die Dvefptrafipn big zur Furcht der Erstickung gehemmet wird. Bald wird das Gesicht verzerret, und die Augen verdrehet und kurz zu sagen , die mannigfaltigen Veränderungen des Krampfs sind nicht alle zu erzählen. Alle diese Zufälle wechseln m einer unglaublichen Geschwindigkeit ab, und wahrend dem Anfall sind die Kranke äuserst unruhig, das Gesicht ist aufgetrieben, und roth. Dieser Umstand ist noch besonders auzumerken, daß der Krampf sobald nachlaßet wann das zusammengezogene Glied mit Gewalt aus dieser wieder natur# lieben Lage in die natürliche gebracht wird , worauf gemeiniglich tn für, zem ein anderes Glied befallen wird. Diese Zufalle Sauren zwei) drey, und mehrere Stunden, ja wohl ganze Tage, da denn nach uberstande- NLN Paroxyfmo die Leute matt kraftlos und schläfrig sind sie taumelen wie Betrunkene, der Verstand ist geschwächt, und bey einigen gänzlich verloh- ren, die Augen stehen starr die Sprache ist bey vielen stamlend, auch die ^)ande bleiben eine zeitlang jedoch ohne Schmerzen zusammengezogen. Jii biesen Umstanden verbleiben sie einige eine längere, andere eine kürzere Zelt big sie entweder von einem neuen ähnlichen Paroxyfmo oder aber wohl gar von Motibus Epilepticis und Öpirthotonis befallen werden, wie denn unter den 51 Kranken zu Eyffa allein 19 Epileptici sind, bey allen diesen Anfällen ist der Pulß klein, matt und langsam und habe .ich auch im starken Paroxyfmo keine merkliche Veränderung desselben spuren können. Der Appetit ist bey denen allermeisten so außerordentlich stark, daß sie ihre ganze Zeit mit unvernünftigen Essen und Schlafen zubringen , ja s ist zu befürchten daß bey diesem starken Essen in kurzem aller Vorrath besonders zu Eyffaverzehret sein wird, wobey noch dieses besonders anzumerken ist, daß sie bet) dieser bulimia einen besondern Widerwillen und Eckel gegen ibr Brod haben. Auch klagen sehr viele daß sie in dem Paroxyfmo dop- veit sehen, nach demselben aber ein schwaches Gesicht behalten, und haben einige das Gesicht sogar gänzlich veriohren, wie denn des Schulmeisters Krau auf beyden Augen den Staat hat. Bey einigen wird der Paro. xyfmus erregt, wann sie kalt trinken, welches ihnen sogleich itrangu- iationes faucium zu Wege bringt. Diejenigen endlich welche an der Krank- . cheit sterben, bleiben gröstentheils in denen Convulfionen oder aber in ei- nen affe&u foporofo, wiewohl auch verschiedene verstorben sind, bey welchen niemand zugegen gewesen, daß man daher nicht wissen kann , wie sie ihren Geist aufgegeden haben. Alle Symptomata dicht schreckEolien ; F » Krankheit 44 Wochenblatt. Krankheit kommen mit denenjmigen Zufällen überein , welche aus ein in drn Körper gebrachtes Venenum narcoticum acra Vegetabile tu erfolaen J>fleg«n, und ist meines Erachtens die Ursache der Krankheitwohl in nichts ""derS als m einen solchen Gift zu suchen. Im Jahr 17L-. betraffe ein Z^- lchlag vie beiden Gemeinden Eyfta und Holzhausen. Wodurch ihr unt> F'Uchkej-rschlagen wurden, woraufvie Frücht- zwar wieder ausgeschlagen, aber bist zur Zeit der Erndte nicht iu ihrer Reiste ae- Omnien mit welcher unreifen Frucht sich bann die Einwohner gedachter StT!!?“1 be,l,el£n ,”*• Vvin Mutterkorn ist dasselbige Jahr nicht h«iL8n<8 ^r>llgerste gewachsen. In dem darauf erfolgten ,770 Jahr haben beide Gemeinden wohl dieHelfte Mutterkorn, und sehr vielen Zwilch oder Dollgerste unter der Gerste gehabt, und in diesem Jahr sind die ^"Ä',8^.E"^ iwar von Mutterkorn und Dollgerste ziemlich rein al- iw's’z wogegen zu Solzhausen ist das Korn stark mit w^^aben, Mohnsaamen und andere Unreinigkeiten , und die .Wann man auch nun zugeben wolle, wie «?>* ’®enr O-S chleger, und Herr keibmedicu« Vogel neu. etlico behaupten »vollen, bah baS Mutterkorn unschädlich wäre so ist doch eine ausgemachte Sache, daß das Lolium temulentum unter die Vene- n’ltbfn." difses bereits die alten erkannt haben,wel« I°9^; b‘' B<£i auf Die Augen nicht unbekannt gerne» hin Toto ftbnibt M h‘01 FoK j» ersehen ist, woselbst er von Das Brod auS diesem Mehl gebacken besstwebrer das Haupt, bringt dem Menschen gleich wie m Trunkenheit tiefen Schlaf, und Schwindel , es schadet Denen Augen, und verfinstert das Gesicht. * Wie denn auch LemiliusEteci rom. Med. Prad. 1709. vas to»-r io«9. iizo. ähnliche Zufälle auf den Genuß der Dollgerste hat entstehen sehen, und zweifle ich daher vor mich keinesweges daß die Schuld an denen unreinen Fruchten liege.. Ja solle nicht der besondere EkU derer Kran' ken, vor dem von ihren Früchten gebackenen Brod , einen Deweiß von Mgeben? zumal da sie andere« Brod mit künntezwar eingewendet werden , daß die Evffaer ^U^™n?yn^6f. tb. alb pf. tb.l 4 Pf« 3 8 alb. iS 15 9 2 fc I Loch > 11 - I 3 Qn. alb. Pf 2 Brod. - l 4 । Butter Bretzel! - j 4 2 Nb. Loch. 0«. 6 2 9 Weck - , Teitscher / alb. ♦ Pf. 4 4