Giesse r VoGenblatt. Fünftes Stück. Dienstags dm rAten Ian. 177 r- Mit Hochfürstl. Hessen Darmstndtischergnädigsten Erlaubnis. Von den Vorbedeutungen- Gelegenheit des vorigen ztenStücks sinddrey Fragen aufgeworfe» worden. Dir erste ist: Sollten dann Nordscheine gar keine Vor- bedeutungen haben? Die zweite: bedient sich Gott nicht der Begebenheiten der Natur um einen Einstus in die Sitten zu bewürken? Die dritte: Ist eS nicht klug dem gemeinen Mann Vorurtheile dieser Art zu lassen? r. Auf die erste Frage. Es ist dem Menschen nichts natürlicher als das Zukünftige zu wissen; daher ist es kein Wunder, wann die Einbil- dungskrast auf allerlei) Mittel verfallt, wodurch sie der Wisbegierde ein Genüge zu thun trachtet. Wahrsagungen waren bey allen Völkern beliebt; sie erhielten sich lange; man hatte sie so wcrth daß man es nicht be- merckte wann sie auch hundertmal fehl schlugen, und eine einzige übereinstimmende Begebenheit konnte alle Täuschungen aufeine lange Zeit Wiedergur machen. Wir sehen dieses noch bey dem gemeinen Mann an der Kalender »Witterung. Er bemerkt es nicht wann er gleich hundertmal betrogen wird, und macht viel rühmens wann das Wetter seines Kalenders ein einzigesmal eintrift. Eben so ist es mit den Träumen. Dem Traum welcher unter tausend nichts bedeutenden nur etwas ähnliches mit einem Erfolg hat, wird eine Lobrede gehalten von Kindern zu Kindes - Kind. Bey dieser Begierde die Zukunft zu wissen, welche alle Menschen belebet, darf E. nw Wöchtnblaee. it man sich nicht wundem, wann das ausserordentliche in Naturbegeben, betten zu diesem Endzweck die Aufmerksamkeit erreget. Wundern aber muß man sich, wann sonst kluge Leute sehr eigensinnig in diesem Stück auf Vorurteilen beharren; noch mehr, wann die nun so gewöhnliche Nordscheine noch so verdächtig gemacht werden. Wie verhalt sich wohl die Sache! Finden sich dan gar keine Vorbedeutungen in dengwfenBege- benhelten der Natur ? Wann etwas eine Vorbedeutung oder ein Zeichen einer Sache seyn soll, so muß diese dadurch entweder natürlich damit verbunden, oder von Gott als ein wülkührlicheo Zeichen geletzet seyn. . . .. Dinge, welche eine Sache bedeuten , womit sie natürlicher weise verbunden sind zeigen sich uns täglich durch die Erfahrung. Wann der Storch seinen Abschied nimmt, so bedeutet eö den Herbst, wann tue Schwalbe sich wieder einßndet das Frühjahr. Davon ist aber der Grund in einer natürlichen Verbindung, welche leicht zu ermeßen ist. Eben so ist es mit andern Dingen beschaffen, davon eines des andern Ursache ist. Wann die Sonne roch untergehet so saget man Wind vorder. Es muß meistenteils xutreffen, weil dieses ein Anzeige von anaehauftenDünsten ist, als welches eine der gewöhnbchsten Ursachen des Wmdes wird. Die Aehnlichkeit mit Schwerdtern u. d. gl bedeutet nicht nur an und für sich selbsten gar nichts, sondern beruhet meistencheils auf der Einbildung, welche das Bild, so sie schon aus Vorurcheilen hatte, mit in die Em- pßndung hinüber trägt „ . . _ Wendet man dieses auf Nordscheme an, so kann man keme Vor- dedeutungen indem Reich der Sitten und in Glück oder Unglück daraus herleiten. Es mag seyn, daß sie eine besondere Materie in unsere Atmosphäre bringen, welche Kälte oder auch Krankheiten verursachen, und also eine physische Würkung haben. Dieses muß durch die Erfahrung aus- gemacht werden. Hiervon sind aber noch keine sichere Beobachtungen vorhanden. Das alles aber will man nicht darunter verstanden haben, wann man sie als ein Zeichen angibt; sondern vielmehr das, daß sie Zeichen göttlicher rvülkührlrchcn Strafen und Züchtigungen seyen Woher weis man nun dieses? Man müßte es, wann die Sache ihre Richtigkeit hätte, entweder daher wissen , daß Gott sie als solche Zeichen m seiner -Offen- w-chenblate. i? Ossenbahrung ausdrücklich verordnet, oder daß die Erfahrung einen sicheren Erfolg jederzeit gelehret hatte. Ersteres ist falsch. Vielmehr warnet Gott, nicht auf Zeichen deS Himmels zu achten > Erfahrung redet auch nicht dafür. Der Krieg ist zwar öfters nach solchen Erscheinungen erfolget ; er ist aber bey nahe jederzeit wenigstens in einem oder andern Theil der Welt vorhanden; er erfolgt auch ohne vorhergeganaene Erscheinungen. Ueberdicfcs wem sollten sie dann diesen bedeuten? Sind sie davon ein Zeichen, so sind sie es allen denen welche solche sehen, bemalen hat - man gesehen daß diese alle, denen sie erschienen sind , unter Landplagen gelitten haben. Kurz auS der Erfahrung haben sich die Begebenheiten des Himmels noch nie als Vorherverkündigungen des Unglücks gerechtfertigt. Man muß sich aber hier hüten einen Truaschlus zu machen. Z E. vor 2v Jahren war der Himmel blutig, und darauf kam Krreg, da- rum ist dieser dadurch bedeutet worden. Seit dem Die Welt sichet, ist sie gar nicht oder oder doch wenig in gantzlichem Frieden, .^rieg allgemein vorher zu sagen braucht es also keine feierliche Ankündigung. Mit besserem Recht könnte man sagen die Sonne oder Mond bedeute Krn-g, dann so lange diese sieben ist allezeit Streit auf Erden und jederzeit gehen sie vorher auf. Die Nordfcheme sind so häufig, daß man sich vor sich selbsien schämen sollte, sie als ein willkühklich gefetztes Zeichen anzusehen. Wie unglücklich wären alsdann die welche mehr nach dem Pot wohnen, dann diese haben sie täglich, und zwar schätzen sie selbige, weil sie dielanae Winternächte erhellen, als eine grofe Wohlthat. Auf die rte Frage. Es ist eine unleugbare Warheit daß sich Gott der Natur bedienet in Ansehung der Sitten, und auch der Strafen. Ein Erdbeben das Lissabon verwüstete konnte von dem weisester durch die Narur nichtfeyn veranstaltet worden, ohne Absehen aufdie Sit. ten. Gott der allemal das moralische Gute vorzüglich zu befördert, sucht, hat bey Begebenheiten welche erschrecken die Erweckung des Herzens zum Grund. So viele Absichten Gott erreichen kann, so viel "will er würklich erreichen. Nun kann Gott diesen Endzweck allerdings erhalten. Wann sich der Himmel in schwarze Wolken ein hüllet", der Donner von weitem daher rollt, und die Blitze drohen , was entstehen da für Veränderungen in den Gemüthern der Manschen. Dieses- Pha- tiomenon scheint dazu gemacht zu seyn die Gemüter zu erschüttern. Das E r. geschieher Wochenblatt- 2d MM auch wirklich. Die Vorstellung einer nahen Gefahr EeM ernsthafte Gedanken. Freylich verlöschen sie wieder in vielen ? das gibt aber hin Recht zu glauben daß sie nicht in manchen fruchtbare Eindrucks rurücklasten. Es würde schwach seyn, wann man damit diesen Emsius wollte laugnen, daß man mit einer weisen Mine sagt, dieses alles seye Vttschaffen ganz gewöhnliche Erscheinungen, als eben der Donner, ßvtmith Aufmerksamkeit und Erweckung, warum sollte es nicht »maewö'onlichen mehr geschehen können. Alles neue hat keme grose s^ift auc unsere Seele. Es ist wahr die Eigenschaften Gottes können an ficb betrachtet eben so gut aus dem gewöhnlichen, m ver Namrer- ?-<-nr werben» als aus dem ungewöhnlichen; tie Tlllmacht oes »fw« wird eben so gut von dem geringsten Stäubchen gepriesen , aiS Mmmlilck-n-Seeren. Dann ersteres hervorzubringen wird eben ^Äc«t7 rotl(bt letztere kann schaffen. Es ist deswegen ein lächerlicher Vortrag welchen Gottsched in seinen Anmerkungen über e P f' ' 1T1pc>n tion hen Sonicteii p. 2.96. anfuhrt. „ dem neu- ^Ämkalttn Winter an. 1740. riefen gewisse Geistliche auf den Can- " ,-in" Sftun möchten doch die Phiiolophen kommen und sich schämen 11 sttln. Saite würde ge-vis auch etwas natürliches seyn sollen! " - ^Eiaoffen^arbi-Hand Gottes! Gerade (setzt Gotsched " Mnme fliob nti)t all- Werke der Natur Werke Gottes waren, " me von ihm s-lbst so verordnet worden , wie sie kommen sollen. „ Ai^ auserord-ntlick- Werke der Natur reitzen mehr die Ausmerksam, k^ t daß man die Macht GotteS erkennet, welche man -war aus den • u.;7n »rPennen bonnte / dieses aber nicht wurklrch thut. ubt fli Auf die dritte Frage. Mancher weis die Sache besser, will aber das Volk aus einer guten Absicht auf dieser M-Ynung lassen. AU-'N, man darf nickt verlangen, daß bas gantze Auditorium so» unwissend seyn, so schadet man seiner Reputation. Wann nun die Vorherverkundi- a ngen'der Geistlichen ohne Erfolg sind, wie dann ? Man fügt der U Union allemal mehr Schaden zu, als Nutzen wann man Vorurchei- 1, brem Schutz überliefert. Die Zuhörer werden bewogen auch an den ^rroinbeiten ru zweifeln neben welchen man die Vorurtheile vortragt. D>- Wahrheit bkbar" keines gutgemeinten Betrugs, sie leibst ist stark genug. Giesser Wochenblatt. Num. f. Dienstags den r-. Januar. 1771; Academifche Neuigkeiten. Am 24. Januar, dieses defendirte unter Vorsitz Ihrs Hochwürden ^t'rrd)0, ü!)ier Eandidat Georg ^lrjcb/von Ergelsdorf eme theologische ^)treitschrist die den Titel füb- ret. Reforwa.ovum Deus peccatores induvans Jdnae rationi & Jacro co- dici tgnotus. Sre 'st die dritte dieser Materie, bestehet aus r. Boaen. und werden ehestens noch zwey andere folgen. d76-. Marqgräfi. Brandenburg von 1766. Hertzogl. Braunschweigrsche von 1766. Fürstl Baadische von 1769. Fürstl. Bayreuthische von 1766. Kuntzburgische von »767. Grast. Leuchtenbergische von i?68. bj Un Conventions-Gulden: Chur -Cöllnische von »76s. Cbur-Sachstsche von : 67 und 17 8. Fürstl. Baadische von .1768 Fürstl Hanau« jsche von 1766 und 1770. Herzogl. Braunschweigische von 1766. Fürstl. Löwenstein. W rtheimische von 1767 1768 und 176-. c) An halben Gulden r Cbur Bayerische von > 7^7. Herzog!. Braun schwercst. jche von .766. Fürstl. Löwenstein Wertheimische von »767. Grast. Solms Laubachische tion und • 7-<9- d ) An ganzen Kopf» hdek 20 kr. Stucken: Kayserliche 1768 und »"69. Chunurstl Waynzstche von '-66 1767 und -768. Churfürstl Trierische von '7<-f und '769. Cdurfürftie Bayerische von .767 1768 und 1769. Churfürstl. Pfälzische von 1772. Fürstl. Würtzburgische von 176s und 1768 Fürstl. Fulvaische von .7-5 und 1770. Fürst!. Plaltz - ZwevbructWe von «766 und .768. Fürstl. Hanauische von Fürst!. Baadenü fcbe von 1764. Fürstl. Brandend. Qnolsbachische von 1765 und 176^. Fürstl.Bayreuthische von -76 - und «7*8. Fürst!.Bayerische von r-6 8. fürstl Löwenstein Wertheimische von 1767 1768 und 1769. Grast. wenstein Wertheimische von 1767 «'68 und .769 fürstl. Hohenlo, bische von 1770. Reichsstadt Frankfurthlsche von 1767 unD .770. Reichsstadt Nürnbergirche von 17^5. »7(6 und 1770. e 7in halben »der' 10. Kr Stücken: Kaiserliche von 1768. Churbaymfche ton 1767 i768und 17 >9 Cbur Pfälzische von 1767 17^8 j 769 unt> 1770. Fürst! Fuldaische z-760. Fürstl. Badensche von 1768 und 1769. Marg- grast. Durlackilche von .768 Marqgrafi. Brandendurgstche von 1768. Grast Löwenstein« Wertheimische von 1767. f) An fünf Kreutzer Sru- ’ ken: An- Cbur-PMtzischevon 1-6$ und i?s«. Fürst! «ramm-Nassau!, sche von »766 1769. Fürst!. Durlach. von i768undi?6;. Fürst!. Bad- nr'sche von 1768. Fürstl. Löwenstein; Wertheimische von 1767 der innerliche Gehalt examiniret und derselbe nach Vorschrift derer Verordnung S’n gerecht befunden worden; So wird solches dem Publico hiermit bekannt gemacht und hat sich dasselbe, nach mehrerm Inhalt des Müntz. Edicts vom 2vten Dec. 1768 im gemeinen Handel und Wandel darnach zu achten. Cassel den roten Januar. 1771. Fürst!. Heß. Müntz -- Drrecrsn'uni daselbst. Die r;te Ziehung von der Hochfürst!. Nassau Saarbrückischen Zahlen Lotto ist den 13 Jan. dieses zu Wißbaden gezogen, und sind folgende Zahlen aus dem Glücksrad zum Vorschein gekommen f »• 7. 64. Die i6tt Ziehung wird den 13 Februarii vor sich gehen. Der roten ChurCöllnhchen Lotterie ite Classe ist um ?ten und8ten Jenner gezogen sofort die Liste samt hinlänglichem Fond zu Zahlung der Gewinnsten, sodann die ErneuerungsLoosen zur 2ten Claffe allen Collec- toren bereits zugefertiget worden, wie auch noch etwelche Kaufloosen zu haben , wo für deren jedes n fl 40 Fr einzulegen kostet. Die rte Classe wird unfehlbar dem PlängemäSam »8ten Hornung gezogen und dre .?te Ziehung des ChuriLSunischen Lotto den LHken Jenner in der Churfürstlichen Residenz Stadt Bonn vollbracht werden. Es dienet allen resp. Freunden hiermit zur beliebigen Nachricht daß 'die bey Job Rudolph Imhof und Sohn in Basel aufSuhfcri prion gedruckte D. Jac. Christ. Veckische Rcal und Verbal Concordanz Fol nun mehro fertig und von denen Herren Pranumeranten gegen rückgabe des JnterrimsscheinS bcy Ausgeber dieses graus kann abgelangt werden. In Cass! in der untekn Neustadt im weisen Löwen sind bey dem privilegirten Physical-Instrumentenmacher Gallo und Sillo die bewährtesten Barometers und regulirten Thermometers wie auch verschiedene Sorten elektrischer Maschinen um einen billigen Preis zu bekommen, desgleichen kann man daselbst die mangelhaften Barometers und Thermometers regulwen , und ausbeffern lasten , und allerkey künstlich.'S Glaswerk und verschiedene Gattungen künsilichcr Waffergläftr Haden. EittF Eitt-rmd auspaßrrettde vom 19. Jan. bis den 26. Ianuari 1771« Hm Geheimdermh von Breidenstein und Herr Gcheimderrach von Breidenbach, log. im Posthaus. Hm Fahnvrich und Adjutant Wack, vom Hessen Darmstadtischen Leibregiment, log. im Posthaus. Herr Generalmajor von Rabenau, und Herr Rittmeister von Preklach, von Echzel, log. im Einhorn. Herr Syndieus Mylius von Grünberg, log. im Löwen. Herr Artillerie»Lieutenant Tuppe in Hessen Caffelischen Diensten , paßi- ret durch. Pf« alb. Pf. fi. alb.! pf. t Achtel Korn - 3 1 «5 1 2 4 1 1 1 2 Pf« »MaaßFruchtBrandew. 2oalb iPf. Bratwurst 5 alb. i Pf. inländische Seife 7 alb. 1 1 Karpfen Hecht - Persing i Barnun Echleyen Butter - 7 4 8 2 2 4 6 6 3 2 2 Pfund klein geschälte Gerste - 20 24 24 Psnnd. fl. 7 Rindsfctt i Hamelsf. 1 1 Lichter - < Eyer 5 6 6 3 3 9 ald. 15 15 10 2 Frucht-und andere Preiße am Markttag den 5». Jan. 1771. Giesser Maas, fl. alb.jpf. ft. alb. pf.jft.! alb., Ochfenfleisch - Kalbfleisch - Rindfleisch - Kühfleisch - Schweinefleisch Hammelfleisch Bochfieisch - Wurst - Kalbügelüng Kalbs - Leber Achtel Gerste - Achtel Waitzen Achtel Hafer - Meste Erbsen MesteLtnsen - QJfunh Pfund geschalte Gerste - - - Becker Preist. ft* t Loch ü». 12 3 ; law.'vf. Brod. - I 4 ButterBretzel! - | 4 Loth. Qu. 7 3 10 Weck - Teitscher alb pf. Diese wöchentliche Anzeigen werden von dem Verleger Johann Philipp Kries ger Universitäts Buchhändlern hieftlbst, an die Herrn Liebhaber gegen einen Rthlr. halbjähriger Pränumeration geliefert. Einzeluehalbe Bogen werden für 2. fr. aus- gegeben. Man kann auch den Herren Liebhabern mit denen schon hcrausgetomme, nen Stücken dienen.