Giesser KPMUWWW Vier und Dreysigstes Stück. Dienstags den ro. August 1771. Mit Hochfürstl. Hessen Larmstädtischer gnädigster Erlaubnis. Vom Ursprung und Vertilgung der Tempelherrn. ^VKann man die Begebenheiten beobachtet, welche unter den Erden- SfS&Ä bürgern von Zeit zu Zett vorgefallen sind, so wird man mehr als einmal in Erstaunen gesetzt, je nach der man sie in einer Beziehung betrachtet. Bald stosen wir auf grose und edle Thaten, welche ganze Völkerschaften beglücken: bald auf Handlungen, wejche viehische Wuth übertreffen, indem jene ausgesonnen, diese aber mechanische Triebfedern haben; bald auf Schwärmereien, da die erhitzte Phantasie eines einzigen Mannes den vierdten Tbeil des Erdkreises, durch etliche Jahrhunderte in unglückliche Bewegung setzet. Ein Blick über die Menschen überhaupt' macht uns zweifelhaft, ob wir sie zu guten oder boshaften, zu vernünftigen oder phantastischen Wesen rechnen sollen; und eben dieses lehret uns, daß der Mensch jedes von diesen seyn könne, nachdem er seyn wolle, unfr er sich als ein unseliges Mittelding zwischen Engel und Vieh, wie sie Haller schildert, zu einer von diesen Gattungen schlagen könne. Der Gedanke eines Hatters/ daß derMensch ein unselig Mittelding zwischen Engel und Vieh seye, bestätiget sich durch die ganze Geschichte. Ein Eremit pe'ru8 setzte durch seine Schwärmereien ganz Europa in Bewegung, und mehr als einmal hundert tausend Menschen überlieferten sich Hunger Schwerd und Pest, und das aus dem schwachen Gedanken , Gott siye etwas daran gelegen, daß das Grab Christi nicht in den Händen der Ungläubigen seye. Diese wiederholten Kreuzzeuge schufen nicht nur Emo- ■ - LI ' pa r?8 Wochenblatt- pa ganz um; sondern gaben zu vielen Orden Gelegenheit, die zum Tbeil noch j tzo stehen Unter disen hatte Der Ritterorden der Tempelherrn, das eüendste Schicksal. Sein Anfang war gering^ Er wuchs sehr schnell, und stunde nicht volle zwcy hundert Jahre. Seine Absicht verrie- the Menschenliebe; in seinem Fortgang waren dessen Glieds nur für st cd, und ihr Wohlleben bedacht. In "feiner Jugend wurde er geehret , und von Den R gmten beschenket; hernach mit Misgunst angesehen, beraubet, und mit äuscrster Grausamkeit vertilget Der Schein der Frömmigkeit mußte gierige Absichten unterstützen, und Christus durch seinen Stadthast ter (ein Wort zu Grausamkeiten verleihen. Als Jerusalem wieder in Den Händen der Christen wäre, so entstünde der Orden zur Verpflegung Der Kranken. Dieses brachte ganz natürlich den Anlaß, daß es gut seye eine Gesellschaft zu erlichtet,, welche die Reisenden gegen die Saracenen schützte. Hugo de Pagams und Go- dofredus de Sr. Audom ro hatten das Glück, wenn es ein solches wäre, nebst sieben andern eine solche Gesellschaft an. i n8. zu errichten. Sie thaten dem Patriardien in Constankinopel ihr Gelübde, worum sie sid) anheischig machten. Die Reisenden zu schützen , in einem chelosen band Zu bleiben, und überhaupt nach Den Ges tzen des Clen zu leben. Balduin/ König in I rusalem, gäbe ihnen einen Theil des Pallastes ein, herauf den Rempel Salomoms (liefe Davon erhielten sie Den Namen Tempelherrn. Sie hatten Anfangs ihren einzigen Unterhalt von Allmosen. Papst Honorius 11 bestätigte Diesen Orten an. Iir8, auf dem Conciho 1'6- cenCi, und gab ihnen die Regel Bernhardi, und Papst Eugen. III- suchte sich dadurch um sie verdient zu machen, daß er ihncn^einen weisen Mantel mit einem rothen Kreuz zur Kleidung anordnete. Sie ritten immer zivey und zwey, und führeten daher auch zween Reuter in ihrem Wappen. Sie thaten Den Reisenden gute Dienste. In jenen Zeiten wo alle Gottesfurcht nur Dabin gerichtet wäre, Das heilige Land zu erobern; wo Die ganze Frömmigkeit nur Darinn fast allein ihr Geschalte suchte, mußten Leute west che Dazu viele Handreichung tbaten, notbwendig in groses Ansehen kommen unD sich die Gunst Der ganzen Christenheit erwerben. Es ist Daher kein Wunder, daß sie reichlich beschenkt wurden. Wie viele Grosen wanderten nicht nach Orient? Von diesen erhielten sie viele Güter; und es daure- te nicht lange, so zehlke man 4000^ Commenden, weldre dieser Ordest besäße und die jährlich zwey Millionen eintrugen. Das vornehmste Convent hatte Wochenblatt. 179 hatte i^ocoo Dukaten Einkünfte. In dicsem Wohlstand aber laae der .Keim seines Untergangs. Bey ganzen Socretäten verhält es sich nicht ttl allem wie bey Privatpersonen, obgleich in denmchrcsten Stucken die größte Aehnlichkeit jiatr findet. Einzelne Personen werden zwar beneidet werden; aber zur Zeit der Verfolgung dürfen sie nur etwas von ihren Mitteln verwenden, so können sie sich entweder mächtigere freunde machen, oder ihre Fcinde stillen. Sie haben nichts weiter zu thun um sicher zu feyn als sich vor Lastern zu hüten, die sich mehrentheils an das Glück nahe anlagern. Eine ausgebreitete Gesellschaft aber, wie dieser -Orden, wird nicht wie jene von einzelnen beneidet, sondern von ganzen Völkerschaften. Dagegen setzen sie Reichthümer nicht sicher. Kommen nun Last.r hinzu, sie mögen gros oder weniger beträchtlich seyn, so geben diese den Feinden wenigstens ein scheinbares Recht in die Hand, ihren?Fall zu beschleunigen. Das wäre die Lage dieses Ritterordens. Ihr aUMühender Wohlstand, ja ihr Ueberfius erösnete der Wohlluft die Thür. Diese wäre so beschrien, daß die Welt bald davon ein Sprüchwort machte: Er ist und rrmkt wie ein Tempelherr Dieses Sprüchwort ift ein deutlicher B^we-S, daß die Wohlluft das erste Laster dieses Ordens wurde Aus dies rfürchter- lichen Quelle mögen, wo nicht in allen doch in vielen Glied-rn liches Ordens, mancheandere lasterhaften Thaken entsprungen sinn Es fo ntenicht fehlen, daß gegründete Beschuldigungen gmug einen Vorwand abaaben, der eben das Recht sollte Eführen, dessen sich in der Fabel der Wolf gegen das Lamm anmaßete. In der Tdat aber wäre es eben dieses Verhältnis, welches in gedachter Fabel vorgestellet wird. Philippus Pülcher König in Frankreich wäre ein Freund voll anderer Güter. Die Tempelherrn hatten in seinem Reich ansehnliche Besitzungen. Diese erregten seine Begierde, und ein Nachfolger des h. Putu mußte solche durch göttlich gehaltene Aussprüche unterstützen. Der heilige Petrus hatte zu Ende deS dreizehnden und Anfang des vierzehnden Jahrhunderts an Bonifacio dem V Hl. einen Nachfolger, der mit den Schlüsseln des Himmels allein nicht zufrieden wäre, londern auch das Schwerdt an die Seite steckte Er verlangte die Herrschaft über Könige mit grosem Ungestüm ; er schriebe insbesondere an Ph 1 ppum sehr hochmüthig und deutete ihm an, daß er nicht nur in RUigionssachen, ftn- dern auch in weltlichen Dingen dem Papst unterworftnseyn sollte; und wcr an- Ll 2 Vers igo Wochenblatt. ders dächte und behauptete seye ein Ketzer. Das Wort Ketzer wäre das Sianal, welches Papste gaben , wann sie die Untertanen gegen ihre «öevren empören, und diese stürzen wollten. Philippus säumte aber nicht Bonifacium selbsten der Ketzerei und Simonie zu beschuldigen. Hierauf erfolgte freilich ein Bannstrahl, aber Phil-ppus nähme ßomfacium gefa.u «en, um ihm vor einem Conciho den Proceß machen zu lassen. Entka» me Bon facius gleich aus der Gefangenschaft, so starbe er doch durch-^er- drus. Nun hielte es der König in Frankreich rathsamer einen Papst zu haben, der seinen Absichten beförderlich wäre, als sich durch Bannlirahr len hindern zu lassen. \’ogaretus, den er gegen Bonifacium gebraucht hatte, welchem er auch mit eisernen Handschuhen -Ohrfeigen ertheilte, mu- ste es in Italien dahin bringen , daß ein Franzos die Stadthalterschast Christi bekäme, um solche nach seinem Gefallen zu gebrauchen. Bertran- dus de Sot, ein Franzos wurde unter dem Warnen ClemennsV. erwehlet, und schlüge unter seinem Stutz Gott PhMppo in Avignon den pabstlichen Sitz auf (a) Dieser muste nun nach dem Willen Philippi Handeln,welcher wie schon gesagt eine Begierde nach den Gütern der Tempelherrn em- vfande, cs seye nun daß er sie anwenden wollte, um seinem Sohn das K önigreich von Jerusalem zu verschaffen, oder nicht. Erstere Ursache gibt Walfinttham an; (b) unb Tnth mius behauptet r eine grose Menge Schriftsteller ansühren, welche theils vor, theils gegen die Beschuldigungen gestanden haben. Der Raum aber gebietet abzubrechen, und dieses ist anch manchem Leser genug Betrachtungen über Menschen an- - justellen. Averüf- Wochenblatt. 183 Avertiflements. „ Nachdeme das dem Rath und gewesenen Fürsts. Kriegszahlmeister Schmidt, modo gewesenem Fürst!. Kriegsrach Schmidt zugehörige bey Rodheim S^nde von hier allhiesig Fürst! -Oberamt gelegene Freyade- liehe Guth Die Schmitke genannt, bestehend in einem Wohnhaus nebst Lustgarrgen und Gartenhaus, einem ganz neuen aber noch nicht völlig aus- 9>biiuefetn qrosen HKrs, worunter ein 60 bis 70. Schuhe langer Keller einem Schaferhaus worauf eine Glocke befindlich, Backhaus, 2 große Scheuern, Pferdt- Kühe - Schaf- und benöthigte Schweinstall n, und einem ganz zugelchlossenen schönen und großen Hof, zwey Stand in der Rodheimer Kirche, als einen Mannsstuhl zu z und einen Weibstuhl zu 4 Personen, samt einem in fotbancr Kirche sehr greß -n und schönen Be- grabniß, sodann einem nrf denen auserlesensten jungen Eichen und Buchen btwachsenem Wald doppekteln Loosholz aus der Rodheimermarck doppelt Mast und übrigen Marckgerechtigkm, auch Jagd und Fischerey, wiewe- mger nicht $9 Mor?cn 44 R. 1 S Landerey, worunter 4 M. izz.R. 11 j S rheüs mit Mauern theils mit Hecken umgebene Obst-und Ge- müßgarten, 11 M 117 ?)i 7^ Schuh W.cßwachs befinden, samt der P rchgerechtigkeit, desgleichen 71 ff. 3 Alb. Pf. Erbzinsvon der indem Schmitter Hys gelegnen Mahl , und Schlagmühle auch Brauhaus, welche a'iahrlich auf Johannestag von dem sogenannten Amrmannsmüller Wagenknecht bey .Rodheim, zu entrichten sind, Freytag den 4fen Ockober schier künftig auf dem Rathhaus in loco Rotheim Morgens um 9 Uhr (ob hdft4 verstrichen und an den Meistbietenden öffentlich verkauft werden soll; als wird solches zu dem Ende hiermit bekannt gemacht, damit diejenige, so.vorbEel^es Fr.yadelicheS Guth zu erkaufen Lust haben, sich m praefix * an bestimmten Ort einfinden, und sodann die Conditione’s V6T# nehmen können. Giessen den -ten August 1771. Vi Spec. Commiffionis. Dßwald: Fürsilo Regierungs - Secretarins daselbst. Indem die Ziehung der rten Classe den rrten Churcöttnischen Lotterie durch den Plan auf den -/en Sept, unverrücklrch fest yestellet ist, und bmbttr auch diese Zeit allgemach herannahet: als werden diejenige welche ^st ig4 Wochenblatt. Lust tragen in sothane Lotterie zu setzen hiemit geziemend erinnert, sich in weiten mit Loosen zu versehen, deren allenthalben schier \n den mehresten vornehmen Oertern von Deutschland bey den Collettoren zu haben sind: wer aber keinen Colletieur zur Hand hat, kann sich gerade zur Churcöllm. schen Lotterieadministration in Bonn wenden, und jedesmal versichert seyn, daß ihm gegen übersendende Einlage die verlangte Anzahl Loosen und Plans richtig werden übermachet/ so fort nach jeder Ziehung die Liste ohnentgeltucl) rugefertiget werden: Wes Endes jrdweder nur seine Addresse ganz genau anbey zu meiden belieben wird, damit die Loosen nicht in Unwege oder gar irre laufen mögen. • Sonnabends als den r4ten August dieses wird die zweytr Bücher- auction Nachmittag zwey Uhr auf dem Cdlegio vor sich gehen , davon ein gedruckter Caialogus gratis denen Herrn Liebhabern ausgcgeben wrrd. Gebohrcn und Getaufte. Am 24. Jul. Ludwig Melchior, Johann Andreas Vetzbergers Junior LoüemJohann Jacob Carl Christian, Herrn Christian Moritz,Diehl Kemikraroris bei) Hochfürstl Regierung, Söhnlein. $lm 2.6 Jul. Adolph Willhelm , Johannes Schnellers Burgers und Weisdinders, Söhnlein. Beerdigte. Am 2 s. Jul. Herr Johannes Müller, AfTeflbr bet) Hochfürstlicher Re- E^Jul.Ädwig Melchior, Johann Andreas Vetzbergers hm. Bür. actä und Weisgerbers allhier Söhnlein. , mm ,0. gul. Sophia Dorothea, Johann Friederich Webers Burgers und Nagclschmidts allhier Töchterlein. Am -.AugustAnna Louisa, HerrnK-llerS, Stadt.und Land Chirurgi 2lm 7^ Aug. Sstne Hochwohlgeb. Herr General von Schmalbach, Burg, kerr aus Giessen und Vetzberg, Am Aug. Ihr» Hochwohlgeb. verwittibke Frau von Löw, gebohrne von Wallbrunn.