Giesser WH WWW Sieben und Vierzigstes Stück. Dienstags dm 19. CTowmber 1771. Mit Hochfürstl. Hessen Darmstädtischer gnädigster Erlaubnis. Verdrdnun g. Ton Gottes Gnaden wir Ludwig Landgraf zu Hessen/ Fürst zu Herschfeld/ Graf zu Latzenelnbogcn rc- S§efl sodann hochgclabrte Rathe Hebe Getreue! Uns ist des mehrern geziemend vorgetragen worden, was ihr auf den gethanen Vor- schlag, wie dem in samt! unfern Hochfürstl. Landen kündbar gefalle- nen Credit wieder ausgebolfen werden möge, unterm iften Febr. a. c. nebst Beyschließutlg der hierüber erforderten Amtsberichten unterthanigst berichtet und dafür gehalten habt. Nachdem wir nun darauf nach Euerm gethanen Antrag gnadigst verordnet haben, daß auf den Fall, wann eine dergleichen schändliche Ca- bale, vermöge deren die Gemeinden auf kein Grundstück eines oder des andern ihrer Mitglieder bieten, wann selbiges Schulden halber (ubha- ttirr werden soll, in der Gemeinde würklich existirt, mithin das unter# 'ländlich gesicherte Capital nach vorgängiger gerichtlichen Aufkündigung von dem Schuldnern nichts abgetragen wird, noch durch vorgenommene fubhaftation das Unterpfand an Mann gebracht werden kann, alsdann von Stund an die ganze Gemeinde für die Schuldhaften bey Vermeidung der promtesten Execution die Zahlung leisten und zu dem Ende das tu Abstossung solches Capitals, erforderliche Geld in Corpore entweder Aaa von r8r Wochenblatt. von verschiedenen GemeindSgliedern, dis es just haben , oder von fbren- libus aufnehmm - dagegen aber das ganze Unterpfand, vel ad effeitum pofF.-Hionis vel conditionis, wie sie es am besten findet, jedoch dergestalt zu sich nehmen solle, daß dem Schuldner das gewöhnliche Einlösungs- recht daran auf bestimte Zeit Vorbehalten bleibe, oder wann er dieses weder will noch kann ausüben ihm der Wehrt über die Schuld herausgegeben» so fort das Unterpfand selbst als gemein , dergestalt benutzet werde, daß wann sich auch kein Pfachter dazu finden sollte, die fahrende Gemeinoslcute sothanes adjudicirte Guth auf der Gemerndsreihe nnt Gassenerde ausgestochenen Nasen und andern Dungarten bcgailen und ausstellen-die ohnbespante Unterthanen aber die Handarbeit dabey thun sollten, und aus solche Art die Gemeinde nicht allein die Pension und herrschaftlichen Gelder, sondern auch noch einen Überschuß in die Gemeind- easse herausbekommen können; jedoch alles dieses nur in so fern, und auf so lange, bch das dergestalt adjudicirte Guth wiederum eintn annehmlichen Käufer findet, welchen falls sodann dasselbe d§r Gemeinde wieder abgenommen und letztere überlassen werden soll. Als befehlen Wir Euch hiermit gnädigst, daß Ihr diese unsere gnädigste Verordnung per generale in sämtl. Euch untergebene Aemrer bekannt machen lasser, und denen Beamten daß derselben gebührend nachgelebt werde, gemeßenst aufgebet. Versehens Uns und seyn Euch mit Gnaden wohl gewogen. Darmstadt den 2hm Sept. 1771. sufalliae Gedanken x>on dem Geldmangel m * Deutschland. Es ist eine allgemeine und beynahe durch ganz Deutschland sich er# nackende Klage; Unsere Commercia liegen, und es fehlet allenthalben an Wsy l lieber di ses sind von Gelehrten sowohl als Kaufieuten sehr viele Urtb ile gefallet worden, was doch wohl die wahre Ursache des zeirhero starken Geldmanges seyn möge. Einige setzen die Ursache davon in den Handel der zu jetziger Zeit M'tOst und Westindien getrieben wird, dadurch würde ein großes Ca- WfW Deutschland geschaffet, und dafür ausländische Produckte ein# gekaufte, Wochenblatt. LA । gekaufet, wodurch alljährlich viele Millionen so zu sagen verlohren gien- gen. Es bat dieses einen großen Schein, und man sollte glauben , daß es eine Hauptursache von dem Geldmangel fty. Alleine zehlen wlr nur eine Reihe von ohngeschr zehn Jahren zurücke, so werden wir finden , daß dieses keine Ursache von den jetzigen wenigen Gelde sey. Es wurde der Handel nach Ostindien niemahlen starker getrieben, und nicht mehr wurden dergleichen auswärtige Produkte vereonsu- mtret, als wärend des letzkern Krieges; kein Landaber spürte beynahedic- serhalb einen Geldmangel, und die Zeiten waren ein gülden Weltalter der Handlung. Ob auch gleich hier zu Lande die einheimischen Produckte zu manchen Zeiten ziemlich theuer waren, so klagte dennoch der Taglöhner nicht einmahl, daß ihme sein Brod allzu sauer zu verdienen wäre: kurz, es blübete vamahls die Handlung, es wurden mehr ausländische Waa- ren, als wie jetzo nach Deutschland geschaffet und wir hatten Geld im Ueberßuß. Andere setzen den Geldmangel DcutschlandeS darein; unsere großen Herren in Deutschland samleten zu viel Schätze, und dadurch würde das Geld ausgerieben und vergraben. Dieses scheinet abermahlen keine Ursache unsers Geldmangels zu seyn. Denn einmahl sammken nicht-alle unsere großen Herrn Schatze, und wenn auch dieses wäre, so werden dennoch die meisten Einkünfte eines Landes so angewendet, daß nur der wenigste Theil davon in die Schatzkammer gebracht, das meiste aber dazu angewendet wird, daß es unter denen Untertanen circuliret. Gehen wir in die altern Zeiten zurücke, so wurde von Hohen sowohl als Niedern das meiste Geld in Kasten verschlossen, nicht einmal ausgeleertt, sondern unter vielen Schlössern auf das heiligste verwahret; und dennoch hatten die Alten mehr Geld, als wir jetzo haben. Gesetzt auch einmal, es würde alljährlich von einen grossen Herrn ein ansehnliches Capital hingeleget, so hat ein socher Herr Bergwerke und andere Canäle, wodurch er so viel Geld und noch mehr als das beyseite gelegte Capital ausmacht, wiederum herbey schaffen kann, daß folglich das ganze dadurch nicht leidet. Nunmehro auf die Hauptursache des Geldmangels in Teutschland zu kommen, so glaubet man sich nicht zu irren, wenn man diesen, in die öftere Devalvation der Gelder setzet. Wie schon oben erwehnet worden, Aaa r so *84 Wochenblatt. » so roulliret wahrend des letztem Krieges so viel Geld, als kaum seit einigen Jahrhunderten, in Teutschland gewesen ist, Kaum ein Jahr nach dem Ende des Krieges spürete man schon den Geldmangel wieder, man devalvirte die Sächsischen Emtrittelstücke, welcher wenigstens auf die hundert Millionen Thaler nur im Frankenlande ausgebreitet waren, setzte sol- che unter ihren innern Gehalt und verlohr, wenn man nur auf ein Stück 4kr. Verlust rechnet, auf dreyzehen und eine halbe Million Thaler. Eine gleiche Devalvation geschähe vor kurzen, mit den alten Spccieslbalern und denen zeither üblich gewesenen halben Batzen , man nehme daß von den erstem sechs Millionen Stücke, und von den andern nur sechs Millionen Thaler cursiret haben, so verlieret man abermalen an beyden , wenn man den Verlust an erstem zu 10h*. und an den letztem auf das Stück drey Heller rechnet, iof88zz Rthlr. das machte mit obigen ein Capital von sos88r; Rchlr. aus : Diesesist eine Summe, welche wenn sie ver- lohren wird, im Ganzen nicht wenig schadet; Und hierzu kommt, daß Helden Verlust dieses Capitals noch darzu die Gelbsorten ganz und gar vcr- lohren worden; denn oben bemeldte Gelber sind in der That mehr an ihren innern Gehalt des feinen Silbers werth, als was sie dermalen gelten. Dieses gilbt Anlaß, daß solche, wie auch bereits vielfältig geschehen, und noch geschiehet, eingewechselt, zusammen geschmolzen und nach der Feine für Silber verkauft werden. Von diesen Silber kommt alsdenn bas wenigste in die Münzen, weil solches gegen die Geldsorten zu hoch im Werth stehet, so baß es unmöglich ist dergleichen grobe Münzsorten davon wiederum auszupragen. Z. B. man wollte neue Specieöchailer münzen lasten, so wirb man bey gegenwärtigen niedrigen Gelbe unb theurcn Silber schlechte zurecht kommen ; denn ein Mark fein Silber kostet im Einkauf 2.4 fL 10 auch 20 kr. Rhein oder zehen Speciesthaler, unb eine Mark fein Silber soll der innere Gehalt von loSpcciesthalern ftyn, darzu braucht man noch Kupfer, Pragerlohn, unb muß noch über dieses viele Unkosten auf die Münze sechsten wenden, will man nun eine Mark fein Silber in Speciesthaler ausmünzen, so werden 10 Stücke schon in der Münze auf zf 40 kr Rhein, zustehen kommen , unb auf diese Weise gehet es mit allen groben Münzsorten dergestalt, baß man sich gar nicht wundern darf, wenn jetzt alle Müntzen durch ganz Deutschland stille liegen. Es ist bannenhero bey einer jeden Geldbevalvation vorzüglich darauf zu sehen, baß, ehe man dazu schreitet, man zuvor alle mögliche Regeln der Vorsichtigkeit dabey anwende, den innern Gehalt des Geldes genau prüfe, und Wochenblatt. r85 und mit dem Gehalt des andern Geldes zusammen halte, und ja nicht unter oder auf den inner« Werth herunkersetze, denn bey diesen Umständen ist es Den Augenblick (wie wir leider auch schon erfahren haben) geschehen, daß wir nicht nur ein starkes Capua! an Den Agio, sondern die ganze Geldsorte verlieren und unser ohne dis weniges Geld noch mehr vermindern. Man könnte hier noch einige Anhänge Hinzuthun, wie der durch die zeitherige Gelddevalvation entstandene Geldmangel wenigstens einigermassen wieder könnte ersetzet werden, man will aber dieses ein« jeden seinen eigenen Nachdenken und Einsichten überlassen. Die Klugheit verbietet uns weiter zu reden. Em böses Weib macht den Mann zum Philosophen. Socrares hatte Die bekannte Xantippe zur Ehe; diese war so schlimm, daß alle böseWeiber nach ihr Xantippen genennet werden,und sie hat nicht wenig bcygetragen, die Welt WeisheitSocratis in ihren größten Glanz zu setzen. Wir können sie nxcc1 vieler Zeugnisse nicht entschuldigen, ob gleich Plato in Phaedon T. L S. 60. von ihr sagt, daß sie ge- weinet hätte und sehr betrübt gewesen wä e, da ihr Mann hätte sterben sollen. Das Gewissen war ihr au'gewa bt, wie bet) andern bösen Weibern. Kenophon nennt sie die crgste von allen böten Weibern, welche sind und noch kommen würden, und sein Zeugniß istunverwerflich. Maximus Turins giebt das zum Vewegungsgrund an , warum Diogenes nicht heyrathm wollte: er habe von der Xanrippe sprechen hören. Laereius berichtet L. H. c. f p. 170. daß, als Xantippe erstlich den Socratem aus allen Kräften ausschalt, und nachher unreines Wasser auf ihn goß, er sagte: Ich dachte wohl / daß Xantippe regnen wolte, weil sie so lange gedonnert hat. Und als Alci- biades sagte, sie wäre unerträglich, antwortete er: ich hin es schon gewohnt / als wenn ich beständig einen die Drommel schlagen hörte; und mußt du nicht selber leiden, daß die Gänse sthrey, en. Ja! antwortete Alcibiades z sie legen mir auch Eyer und brüten junge aus; undXantippe gebiehrtmir Linder/ gab Socrates zur Antwort. Aaa z ‘ Die L8L Die Kunst, seinen Zorn zu stillen, erzählt plutnrcb / es habe Go^ crates einstmalen den Euth'sdemus vom Fechtplatze mit sich nach Hausse genommen. Zemikippe kam ihnen zornig entgegen, schalt sie aus , und warf den Tisch um; Darüber wurde der andre entrüstet, stund auf und wollte weggehen, Gocraees aber sagte zu ihm: Ich sähe neulich daß ein Huhn bet) dir dasselbe that, und ich ward nicht zornig darüber. Alcrbia-, des sandte einmal Gocrates einen prächtigen Kuchen; Xanrrppe riß ihn im Zorne auS dem Korbe, und trat ihn mit Füßen; dabey lächelte Go- crares, und sagte: mm mußt du deinen Theü eberrsirls entbehren» Aeademiftbe Nachricht. Den i4. Novembre bestieg Herr Christoph Ludwig Willhetm Buss von Giessen den Juristischen Catheder, und disputirte ohneVorsitz um die Do&or Würde zu erhalten. Die Disputation handelt de Conuucendi Jure Sereniflimorum Hafliae Landgraviorum per Wetteraviam 7. Bogen in 4- Avertiflements. Stuf Anrathen eines hiesigen Gönners der deutschen Dichtkunst Habich mich entschlossen, eine vollständige Sammlung meiner sowohl bisher ^druckten als noch ungedruckten Poesien aus Subscription herauszuge- b n ^d) ersuche demnach die Liebhaber der Dichtkunst um ihre Unter* fcbrift dazu. Das ganze Werk wird zwey Bände in 8- ausmachen, da- L;n Ver hie Dithyramben, Oden und kleine Gesänge, der andre die Nabeln und vermischte Gedichte enthalten soll. Der Pränumerationsprciß aut die ganze Sammlung, an Deren äußern Zierlichkeit nichts gesparet Serben soll, wird auf ein Exemplar auf holländischem Papier in sünfGul- ben, auf ein Exemplar auf gewöhnlichem Druckpapier in vier Gulden be- . X.hen Die Subscription wird bis zum ersten Jenner angenommen, und der erste Thei! aus künftige Ostern geliefert werden. Die Namen der Subscribenten werden vorgedruckt. | I