Giesser Acht und Zwanzigstes Stück. Dienstage dm 9* jM« i?7x. Mit Hochfürstl. Hessen Larmstädtischer gnädigster Erlaubnis. Folgendes ist eingesthickt worden. x. Brief. bi" endlich angelangt. Auf meiner ganzen Reise ist mir lweniq erhebliches zugestoßen. Wir haben schlechte und gefährliche We- ge genug, elerche Mahlzeiten erbärmliche Nachtlager, und grobe Postillions m groser Menge angetroffen. Doch dieses sind in Deutschland so bekannt Sachen, daß sich wenig Reisende mehr darüber zu erzürnen pflegen, jn einigen grosen Städten ist es etwas besser gegangen : Essen und stinken war ziemlich , die Betten auch , bis auf die" Wanzen Einige Städte haben alle meine Verwunderung auf sich gezogen, ^ mal wenn ich sie mit unferm Stadtgen, unferm gemeinschaftlichen Vatterland m Gedancken zusammenhielt. Ich habe aber in denssel- bigen eben so wenig bemerckt, als ein Handwcrckspursche, der sich gemeiniglich nach nichts weiter als nach der Herberge und alleniaU nach emem albernen und lächerlichen Wahrzeichen zu erkundigen pflegt. Denn wurcklich haben wir uns an feinem Ort langer aufgehalten , als nüthig war, eine Mittagsmahlzeit einzunehmen, oder die Nacht hinzu, bringen. Wenn auch einmah! eine Stunde übrig war, so war ich von dem vielen fahren so zerschlagen, daß ich mir im geringsten nicht einfallm ließe, mich noch etwas weiter als nach den; Bette umzusehn , worinnm nommen^hatt^ ru^n r°nnt° b,g mi* Müdigkeit gäntzlich über» Ee Den- meine l30 Wochenblatt. Dennoch hat meine Gesundheit auf dieser flunhenReis- mchts gelitten. r.a6 id> dieses der Begierde die große W-ttzu sehen, mein Mmlnia bin Diese hak mich gegen alle Beschwerlichkeiten der Resse so gchärt-k,als immer einen Kaufmann die Hofnung jum G-w.nst empsin- ku"S - undk-che?äch-.7-Beschreibung meines W Auffent- mim E^ch bade m ch noch nicht sonderlich umgesehen, aber so v-el habe ->ch hav Mich n WDie 2 t n begriffe die w.r uns vor unfter Adreiftvon dieftrStadt machten bloß- Lufksdstöffer gewesen smd. Man kann abne der Wahrheit zu nahe zu tr-kk-n b-haupken daß X. • . • «m L ( , r\yt fpH bet gaae und den Gebäuden nach zii urtheilen. Doch WSLdÄtÄtV'L in den Winckeli. Hauser, die .m ^°"^Wir wmen kaum angelangt,^so kam ein- Menge von prächtig gekl-i- ^-rrn>?denn dafür sähe ich sie anfänglich an) die im Namen ih« deten Herrn, (ven 1 i k Ankunft Glück wünschten. Wenn m-in^anMnN-h gL-n at,-,s ich, nicht das Wort genom. m n kSf^ fß Wä« d) in keine geringe Verlegenheit g-rachen. Denn ich ^nUk-wü kbch nid t was ich antworten sollte. Ich konnte nicht begre.. wupte wurr cy ) - geworden waren, daß eine Menge «an anädiam Herrschaften an unserm Wohlseyn Antheil nehmen. Noch es reimen, daß diese Herrn wiederum andre Herrn wemger ... ham wohl ehemals hin und wie- d-r^in'vaar Lackayen gesehen, welch- abcr insgesammt -ine sehr kenntliche der em paar dacray ! wenigstens die ersten, waren so prächtig Kleidunghi • «Beatif war, meinen gantzen Kram von Höflich- ketten,'die ich aus den Romanen, und aus dem Umgang mit unsrer Frau se»n?/nina8rdthin t>ie, wie Sie wissen, zu leben weiß, gelernt hatte, ge< austulegen, als meine Französin es mercken mochte, und mir mit ' faflt Worten sagte, wer sie wären. Sie sahen sich unker einander an, ’ V.ThLen ftf m verstehen, oder verstunden eS wurcklich. Denn hier foricbt* c6ermann wenigstens ein gebrochen Französisch. Sie ladjeUen E-und das war würklich der handgreiflichste Beweis, daß es nur Be« bttnten waren Denn wenn es Herrn gewesen waren, so wurden sie mir Ntna-gcht aelacht haben. Denn das ist hier die Mode, wie LMÄSÄL.W, daß man den Leuten gerad zu ins Gesicht !?cht"'insonderheit wenn so ein kleinstädtisches Atadgen, w,e .ch, unge. Wochenblatt. r-r ungefähr etwas gutes und treffendes sagt, entweder weil man sich freut, daß eine Person der man es nicht zugetraut hätte einigen Verstand zeigt, oder weil hier gesunde Vernunft und Witz nicht sonderlich Mode sind, und folglich mehr beneidet als bewundert werden; welches ich jedoch vor der Hand, ehe ich noch weitere Bemerkung gemacht habe, nicht zu entscheiden getraue. Sie können leicht dencken, wie groß meine Verwirrung war.- zum Glück vor mich fertigte sie meine Französin kurtz und mit einer Mine ab, in welcher Höflichkeit und Stoltz ohngefahr gleich gemischt waren, und die ich noch nie an ihr gesehen hatte, und für gut fand, sogleich nachzuahmen, well ich glaubte, daß Sie am besten wissen müßte, wie man sich in der großen Welt zu betragen habe. Denn daß ich würcklich darinnen war, das sähe ich nunmehr allzu- deutlich. Ich fahe, daß sich viele Leute um unser Wohlseyn erkundigen, ließen, die uns m ihrem Leben noch mit keinem Auge geschn hatten, und denen folglich die Freundschaftsversicherungen, welche ihre Bedienten in großer Menge ausgeschüttet hatten, unmöglich von Hertzen gehen konnten. An diese Anmerkung erinnerte mich eine Stelle aus den Büchern' der Frau Beaumont, worinnen sie jungen Frauenzimmern, unter ver- schiednen guten auch manche unerhebliche Lehren gegeben hat. ^d) sorae fth^daß ihre Magazine und Anweisungen nun hier nicht hinlänglich seyn Den andern Tag erlebte ich eine Verwandlung an meiner Person, ' d'e gewiß unter die merkwürdigsten Epochen meines Lebens gehört. Sie sind doch nicht plötzlich krank geworden, werden Sieftagen? Nein' dem Ximrnti sevlDanck, ich habe noch aus einer so langen RG den Gebraus G reder noch. -Ob rch aber noch den richtigen Gebrauch meiner Vernunft habe, daran zweifle ich fast selbst. So groß ist die Verwirrung noch darinnen ich Mich befinde. Jene Peruanerin die zum erstenmahl aus ein spanisches Schis gebracht wurde, und deren Geschichte und unschuldiae Gedenkungsart uns so oft ergötzt hat, konnte bey dem Anblick so viele? neuen Gegenstände unmöglich in einer größem Verlegenheit seyn, als ick würcklich war. Was meynen Sie daß aus mir geworden ist?' % bin k"n Madgen auch keine Jungfer mehr, so stoltz wir auf diesen Titel in ^E Mtt-rland war-n. So werden Si- «Iso eine MademoW ge" worden seyn? Ich dachte man nennte in Deutschland nur die nen fo? 2M feine Mademo.We , meine lieb SZif^e, Äi fmö. D-esen Mittel werde ich ihnen ms künftige ^«n - Ich habe m'r Ec * sagen rzr, Wochenblatt. sagen lassen, daß Jungfer viel zu kleinstädtisch ist. Aber ich? Ich bin mehr wie Sie. Und wie soll das zugehen „ Ich bin - und was sind Sie denn? Doch nicht eine Frau? Wenn man das schon den zweyten Tag bey ihnen werden kann, so möchte ich wohl bald zu ihnen reisen. „ Nem! ich bin feit dem zweyten Tag meiner Ankunft ein Fräulein, und noch dazu, ein gnädiges Fräulein. . „ y . Ein Fräulein? Ja.' das bin ich, und zwar m kurtzer Zett und ohne sonderliche Mühe. Da mein Brief aber ohnehin so lange ist, so erlauben Sie mir daß ich hier abbrechen darf. Ich will ihnen das nächstemahl weitere Nachricht davon geben. Jnoeffcn kann ich Sie dennoch von gan- tzem Herzen versichern, daß ich Sie ohngeachtet meines neuen Standes noch mit eben der Aufrichtigkeit liebe, als zuvor, ob ich gleich dieses mahl zum erstenmahl die Ehre habe mich zu nennen Meine liebe Mademoiselle Ihr ivohl-affectionirtes Fraulein von H. . . . guten Futterkräutern. ES haben Ihr» Hochfürstl. Durchlaucht unser gnädigster Landes» Vater , durch ein gnädigstes Schreiben die väterl. Gesinnung eröfnen taffen» wie Dero getreuen Unterthanen die Verbesserung der Cultur und Viehzucht vornehmlich anzupreisen, und dazu gute Fütterung nach Unlab des Unterrichts vor den badendurlachischen Landmann» die vier vornehm, sie Futterkrauter, auch in Dero Landen möchten befördert und wo es thun. lich sieißig angebauet werden Daher hak man sich entschlossen diesevier be. sonders guten Fulterkräuter; als den Ewigen Klee, Esparcette Esperauch Echerklee» der breite Klee oder Spanischeklee und Dickrüben unfern Blattern nach und nach mit einzuverleiben, und deren Beschaffenheit und Cul« tut bekannt zu machen. Hier folgt sogleich eine Nachricht von dem ewi. Dieses Gewächs wird auch Luccrncr Klee, und Lucerne, auch von der Farbe seiner Blüten, blauer Klee *genenuet. Es ist nmimebw be* * Einige nennnen diesen Klee anch Gainfoin; allein, es ist dieses nicht recht dann solcher Nähme bedeutet eigentlich den Esparcette, Esper. Wochenblatt- in lannt genug in unferm Lande. So wohl in schwerem Boden, als indem Sandlande, kann man es bauen. Nur muß das Land auf das beste ge- -d-ünget und so gut gebauet seyn, als es nur möglich ist. Je tiefer es in Dem ^aue ist, desto besser geräkh der ewige Klee. Dann er machet starke Wurzeln und dieselbe gehen so tief in den Boden, als dieser nur einigermaßen gut ist. Daher kommt es, daß solches Gewächs in dem Sandboden, wann es einmal rechte Wurzeln geschlagen hat, niemahl auS- brennek. Man säet es von der Mitte des Aprilen an bis um Johans- kag- Man kann eö auch in dem September säen; doch ist die Frühlingssaat sicherer. Sehr gut bekommet es ihm, wann bald auf die Saat em sanfter Regen fället. Alsdann gehet es an dem vierten Tag recht schön auf. ., Morgen zu 166 Ruthen, die Ruthe is Rhein- lanbifd?e Schuhe lang und breit, wenigstens Pfunde Samen haben. Dle/enige aber thun am bejien, welche x6 Pfunde auf den Morgen säen. Limge nehmen gar 20 Pfunde. Vor der Saat muß das Land mit der Cge überzogen, und wie ein Danfland zugerichtet oder gar mit der Spa- ke umgestosten und mit dem Rechen eben gemachet seyn. Nach der Saat wird Der turnen mit einem Dornbüsche untergeeget, oder, welches noch, besser, mit Dem Rechen gleich einem Gartensamen untergerechet. Das Walzen machet den Boden eben, welches bey dem Mähen sehr bequem i|t. C6 drucket zugleich die Erde desto fester an den Samen und man kann hernach um desto besser auf den Kleestückern herum gehen. Wann Der jUce anderthalb-oder höchstens z Zolle lang ist, alsdann wird er auf daö sauoerile gratet, und »4 Tage darauf noch einmahl. Thut man dieses mcht, alsoann treibet das Graß und Unkraut den Klee ab. Diejenige, welche das Jäten verrichten, müssen Die Schuhe vorher ausziehen , damit sie das Land und den Klee nicht vertretten. * . H^uf wird er, wann zumahl gute Regen folgen, gar schnell und schön wachsen. Ist er eines Schuhes hoch, alsdann kann man ihn zum erstenmahl abmahen. Er wird bald wieder erwachsen und noch viel grös- E e z fer toann9 Zweymahl gejätet wird ; solle es aber nur ein- »1 ? alsdann muß man Mrunq geben, wann das darin Un^‘1rtJn b,e Dlüten trit, nud darauf den Klee mit dem Unkraut avmayen. Dieftv wrrd mehrentheils in Sorten bestehen, so nicht über SXrnSi’1!“”1! €$S durch frühes ahmähen gehindert wird, seinen Samen auszmverfen, alsdann wird es abgetrieben. i?4 Wochenblatt- fct fenn, und so ost er gros genug, wird er gemähet. In dem ersten ^akre kann solches drei) > auch bep gutem Wetter wohl Viermahl geschehen; in den folgenden Jahren aber siebt er vier, mehrentheils fünf und oftmal auch sechs vollständige Erndken. In dem zweiten und folgenden fahren, kann man ihn schon an dem Ende des Aprilen mähen. Wann es anfänget hin und wieder zu blühen, alSdann ist eS die höchste Zeit ihn abjumalM^ jm 6em et^en ^afjre niit jäten wohl ist gewartet wor« den, alsdann brauchet er weiter nichts, als daß man ibn vor Winter mit langem Dunge übersprenge, welchen man in denen erlien Tag^n des Aprilen^ wieder wegthut, wofern er nicht stark gefrieret. Die A'che bekommet ihme bet) anhaltendem Regenwetter, in dem Herbste , Mn ter und gegen das Frühjahr gar wohl, und eben so auch das Begiesen mit Mistlauche. Bey warmen und trockenen Tagen aber muß beydes unter# b^Man verfütteret ihn grün in die Krippe, und da ist er ein vortrefii- ches Milchfutter vor die Kühe, wie auch ein Mastfutter vor Ochsen und Rinder. Er kann aber auch zu Heue gemachet werden, und zwar, |o oft er so gros ist, als man ihn in die Krippe schneidet. Nur muß er nicht aar zu dürr gemacht werden, sonst würde er zu viele Blatter verlieren. Sechs Jahre lang thut er vollkommen gut. In dem siebenten aber soll man ihn wieder abschaffen und an ein anderes Ort säen. Man wird alsdann von dem abgehenden noch ein paar ziemliche Erndten Hoben , und von dem ungesäeten auch noch einige, so , daß man alsdann in solchem o^ahre von dem abgehenden - und dem neuangesaeten Kleesiücke wenigstens eben so viel hat, als in dem vorhergehenden Jahre von demjenigen Stucke, so noch in bester Kraft wäre. , , r u . Nun ist aber die Frage, was dann mit dem abgehenden Stucke an- zufangen seye? Und darauf dienet folgendes. Ein solches Stück nehmlich hat die Kraft eines Neubruches; nur ist gut, daß aller Klee daraus vol- kommen vertilget werde, ehe man es mit Getraide ansäet. Wer es einen« oder anderthalb Schuhe tief retten, die Erde mithin wohl umwenden und die Wurzeln des Klees alle daraus bringen kann, der wird eine wunderbare Fruchtbarkeit verspühren, wann er den Acker mit Winterfrucht an- fdcn aber dasselbe zu mühsam ist, der soll das Kleesiück , wann eres in dem stebenten Jahre zwey-auch höchstens dreymahl abgemähct hat, Wochenblatt:. rZ5 , sogleich mit dem Pfluge so tief ackere»/ als es nur möglich ist. Vier Wochen darauf noch einmal/ und zwar, wann es sich schicken will, über das Kreuz, und das drittemahl zur Wintersaat. Es ist gut, wann bey jedesmaligem Ackern der Acker mit der Eae überzogen wird, um die Kleewurzeln desto besser aus der Erde zu reissen. Gut ist auch, wann sie alsdann ausgelesen und von dem Acker gebracht werden: dann sie dauren sehr lang gegen die starkeste Sonnenhitze aus, und em jeder Hegen machet sie wieder wachsen. Wer jedoch am allerlichersten gehen will / der breche das Kleestück an dem Ende des sechsten Jahres um, ackere es gleichbald in dem Frühjahre des siebenten Jahres noch einmahl, überziehe es mit der Ege, lese die Kleewurzeln, so viel es sich will thun lassen, zusammen, und bepflanze es mit ^ommerfruchten, so mit der Haste gebauet werden, vornehmlich nut Grundbieren, welche eine sehr reiche Ernde geben werden , und auch sonsten am schicklichsten seind. Da kann man dann die Kleepflanzen, so etwa noch bleiben, bey dem behacken vollends vertilgen und also den Acker ganzklch rem machen. Diesen bauet man dann wieder etliche Jahre mit Halmfrüchten und sonsten, wie es die Landesart/ oder die Gelegenheit des Ortes mit sich bringet; und, wann das zweyte Kleestück wieder abge. Het, alsdann wird dasjenige, so zum ersten mit Klee angesaet wäre, damit abermahl angebauet. Bekammachung. Nachdem Johann Georg Schwartz zu Breidenbach, sein Verwögen an feine Kinder abgeben, diese aber solches nicht anders, als cum be- nehcio Inventar» annehmen wollen , und deswegen den ftatum paffivo- rum festzusetzen, zu dem Ende sämtliche, Joh. Georg Schwartzen Cre- ditores ediaahter ad hquidandum vorzuladen gebeten haben, auch erforderlich swn will: Als werden alle diejenige, welche an'obgedachten Joh. Georg Schwartz zu Breidenbach, etwas zu fordern haben, hiermit p’eremcörie vorgdaden, auf Montags den i«=• 5 anstatt'