Giesser * Mochcnvlall. Neun und Vierzigstes Stück. Dienstags dm z. December 1771. Mit Hochfürstl. Hessen Larmstädtrscher gnädigster Erlaubnis. Zur Giesser ^irch enge schichte. JSSujO M. luftus Geilfufius zu Giesen Stadtprediger gewesen feye, lol- CAy ches haben wir vorher bemerket. Sein Nachfolger ift mit vieler Wahrscheinlichkeit M. Lonrad Mlisler gewesen , ein Bruder dcs berühmten D. Johann Nicolaus Mieters^ welcher hier als Pro- fe(K Theol. primär, und Superinrendens gestanden ; davon wir unten mit mehrerem gedenken werden. Diesen Lonrad Mlisler / der ein Schwiegersohn M. ludi Geilfuüiwar, dessen gegen i6fo. noch in unfern alten Urkunden gedacht wird, finden wir als Stadtpredigerschon im Jahr 1654. hin und wider genennet, da er t>emProfeflbri hiftor. M. Scheib- lerz Oer ein Tochtermann D. Peter Haberkorns war, am 21. Mertz ein Töchterlein getauft, und am -zten November bey Beerdigung der Frau Doctorin Feuerbornin, Namens Hedwig/ gebohrner Menzerin, die Leichenpredigt gehalten , über 2 Limoeh 4/ 6. 7 8. Weil nun auser M. Mögen der mit ihm zu gleicher Zeit im Predigamt allhier gestanden, keines andern Meldung geschiehet, als vom Jahr 1654. des bemeldeten öl. Lonrad Mislers/ so ist derselbe aller Vermuthung nach, seinem Schwiegervatter im Amte gcsolget. Von weiteren besondern Lebensumstanden dieses Stadtpredigers können wir, aus Mangel der Urkunden, keine Nachricht ertheilen. Aus dem hiesigen Kirchenprotocoll der verstorbenen rst zu ersehen, daß er am r6ten November rss-. ist beerdiget worden, nachdem er sein Alter auf 7r.Jahre, und u. Monat gebracht hat; ' Ccc wo L-Z Wochenblatt. wo ihm zugleich das Lob beygeleget wird, daß er em wohlverdienter und friedliebender Mann gewesen sey ; dergleichen wird gemeldet , daß seine Arau Elisabetha Catharina, am roten Jul. 1699. zu ihrer Ruhestätte seye gebracht worden, nachdem sie ein hohes Alter von 78.Jahren, 4* Monat, 10. Tagen erreichet hatte. Es hat demnach LonradMisler mit Harc-- mann mögen noch einige Jahre zugleich im Predigamt alihier gestanden; wiewohl er diesen letzteren p. Jahre überlebet. Auf M Hartmann Mögen folgte im geistlichen Amt an der Stadt-und Burgkirche M. Ernst Muller. Von demselben können wir eine ausführliche Nachricht aus der von ihm selbst aufgesetzten und in Msc. hinterlaffeneLebensdeschreibung mittheilen, welche nach denfürnehm- sten ausaezeichneten Umstanden in folgendem bestehet. Er wurde geboh- ren zu Marburg, 1627. am iten Januar. Sein Vatter war Jacob Müller Medic. Doitor und Mnhematüm Profefibr zu Giesen und Marburg / und wurde auf den Geburtstag dieses seines Sohnes zum Redore magnifico der Uuiversitat zu Marburg erwählet. Sein Groß- vatter war Fabian Müller/ Mitglied des Schöffenraths zu Torgau in Meissen. Seine Großmutter Anna aus dem alten in Sachsen wohl bekannten Geschlecht der Bornizen. Seine Mutter war, Elisabetha gebohrne Bockerin / Haust Böckers / Gerichtsschultheisen zu Lohr, Tochter. Bey zunehmenden Jahren wurde er der Unterweisung geschickter Lehrmeister anvertrauet, unter welchen die letztere M.Ludovicus Grynae- us> nochmaliger Rettor zn Butöbach, und Vetüus, Fürstlicher Hofprediger zu Bingenheim gewesen. Als er das zehende Jahr kaum erreichet hakte, wurde ihm sein Vatter durch den zeitlichen Tod entrissen; nachdem derselbe aus Befehl Herrn Landgrafen Georgn II. mit dessen Herrn Bruder Prinz Johann alä Ar- tilleriediredor nach Sachsen zu reißen sich nicht entschlagen können, und nicht lange hernach in der Stadt Meissen gestorben. Hierauf kam er in das Paedagogium zu Marburg, und wurde 1L44. daraus eximiret. Daselbst wartete er seinen Colleens unter Anführung M. Johann Philipp Tonfors» wie auch o. Cwittiam , und M. Schlanhof/ fleisig ob, bis zuletzt, da das Kriegswesen je langer je mehr um Marburg her zunahm, und fast wenig mehr in Studiis zu thun war. Daher begab er sich zu seinem Schwager M. Georg Wemhemio, Pfarrer zu Äirtorf, Wochenblatt. 29? da es immittelst zu Marburg immer schlimmer wurde, unb gar Feme Collegia mehr gehalten werden konnten. Um dieser Ursache willen reifete er mit D. LNeno Hannekermrs von Marburg nach Lübeck / wo er dieses hochgelehrten Mannes Information genoß , bis in die Halste des 1647^11 Jahres. Auf dessen Gutbefinden setzte er sich zu Lübeck zu Schiff, und segelte von dar ab nach Riga in Liesland/ wo er durch sonderbare Schickung Gottes viele gute Freunde fand, sonderlich Gotthard ^egesa yaS zor wschenblatt- der mittlete, ohne sein Begehren, ihn zum Afleflbr bey hiesigem Com fiftorio, gnadigst vorgeschlagen, und erhielte darauf von dessen Herrn Bruder, dem regierenden Herrn Landgrafen LV DO v I CO V!. das gnädigste Decret; in welchen Aemtern er treulich und mit vielem Ruhm gedienet, auch unterschiedene erbauliche Schriften herausgegeben, die in Wittens diario Biograph, recensiret sind. Er war der erste, der die Einrichtung des Gottesdienstes bey allhicsiger Burgkirche in vollkommenen Stand setzen Helsen, und sich um das Kirchenwesen daselbst sehr verdient gemacht. Er starb 1681. am sten November und wurde am 8ten eiusd. beerdiget, seines Alters 54. Jahr, 10 Monat, 2 Tage. Die Fortsetzung folgt. Academische Vfacbricbt. Den rZ. November dieses disputirte Herr Johann Christoph Tobias Röder von Reiskirchen unter Vorsitz seiner Hochwürden Hcrrn Superintendent D. Johann Georg Bechtold allhier, die Disputation b cstehet aus ioz Bogen und ist eine Fortsetzung. Sie führt folgenden Tittel, Reformatorum Deus Homines obdurans fanae ratiuni & (acro Codui ignotus Difp. Theol. Panis 111. Settio III. ' Zu Verpachten. Nachdeme auf Ansuchen derer über des gewesenen Apothekers Facke- sen Hinterbliebenen Sohn bestelten Vormünder allhier, dre diesem zuständige Apothec in hiesiger Stadt mit Hauß und Zugebörungen, Mitwochs den l iten vorstehenden Monats Decembris, nach Befinden aus 6. 9 oder 12 °tabre Bestandweise an den Meistbiethenden öffentlich verlehnet werden soll-So wird dieses hierdurch zu jedermanns Wissenschaft dahm bekannt gemacht, daß wer Lüsten hat, besagte Apothec in Bestand zu nehmen, derselbe dahier vor Amt in praefixo Vormittags 8. Uhr sich einfinden, die Conditiones vernehmen und sein Geboth thun, zugleich aber auch daß er nicht nur die Äpothekerkunst verstehe, sondern auch praefbnda zu pra- ftiun im Stande seye, sich legitimiren möge. Signatum Scholten den ,4Uti 9?Ci,$mb6t I771‘ Sörfil. He^schcs Amr -* r Alachs- Wochenblatt. 303 Nachrichten- Ir? der Kriegerischen Buchhandlung ist der so beliebte Gothaische Hofealender zum Nutzen und Vergnügen auf das Jahr 1772. sauber eingebunden mit Futteral Deutsch und Französisch a 1 fl. 1 f fr. zu haben. Der Verleger hat sich angelegen seyn lassen, diesen Calender auf das künftige Jahr um ein merkliches zu vermehren, man findet jetzt außer den Verbesserungen auch den Gregoriamfchen Rußischen und jüdischen nebst einer Vergleichung der Zeit und ist auch mit zicrlichen'Monathkupfern versehen Auch sind noch einige Exemplar von dem Vraunschw. Lüneburg. Genealogischencalender auf künftiges 1772(6 Jahr sauber gebunden ä 1 fl. if fr. zu haben. In Carl Hemcrde Verlag in Halle kommt mit Anfang des 1771. Jahres eine Monatschrift zum Vorschein unter dem Titte! Betrachtungen über die W rke Gottes im Neich der Natur und der Vorsehung zum Un- ternd)t und Erbauung gemeiner Christen und wird alle Monath ein Stück ö 6 Bogen in gr. 8- ausgegeben so auf jeden Tag im Monath gerichtet. Das ganze Werk wird also aus * z Stücken bestehen, die zusammen drey Achbabet betragen. So wohl bei; mir als auch auf dem hiesigen löbl. Postamt kann damit gedienet werden.- Ein neuer Catalogus von letzter Herbstmesse stehet jedem Herrn Liebhaber von neuen Schriften nunmehro zu Diensten. Bey Johann Pbilipp Krieger sind Plan und Statuten der zu Mainz errichteten von seiner Cbursmstl. Gnaden, und Domcapitel gnüdigst ga- ranti'rten Leibrentengesellschaft zu Haden. Bücher so nach dem der Catalogus schott fertig attnoch neu diese Messe herausgekommen. Büsching (D. Ant. Friedr.) chronologischer Grundriß der allgemeinen Weltgeschichte z Auflage 8. Frf. und Leipzig 1771 iz kr. Geheimniß das entdeckte der Jtalianischen Zahlenlotterie oder sogenan- ten Lotto di Genova zte vermehrte Auflage 4 Frf. 177z. zo kr. Juftiniani Inftitutiones ex recenüone Cuiadi & c. Animadver£ 1. ßernf Koehler 8 Goett. 177z. 54 kr. Koehler p4 Wochenblatt. Koehler (loh. Bernh.) Verifimilium Iuris Civilis Specimen Imum 4. Goett. 1772 20 kr. Michaelis (Ioh. Dav.) Versuch über die siebenzig Wochen Daniels s. Göttingen 177». rfi- S * - deutsche Uebersctznng des neuen Testaments mit Anmerk, für Ungelehrte zterTheil 4 Gott. 1771. zfl.^fr. Richters (v. Aug. Gottl.) chirurgische Bibliothek iter Band ztes St- 8. Gött. 1771- Ein-und auspaßircnde vom rz. rTlovcmbcr bis den ;o. triovcmber 1771. Herr von Reineck Oberforstmeister von Speyer, pass, durch. Herr Regierungsrath Windheim von Solms, pass, durch. Herr Hofrath Cron von Eisenach , nebst dessen Sccretarr, logiern im Einhorn. ,,, H^r General von Wallmold in Hannöverischen Diensten, logiert tm Posthaus. Herr von Falck Hannöverischer Gesandter, logirt im Posthaus. Herr Marhfeld von Nidda, logirt im Löwen. Ochsenfieisch 5 f 2 Becker-Preist. M. Loth. Qu alb. pf 1 Brod - f a j Butter Bretzel f \ 4 r 3 Krucht- und andere Prciste am Markttag den 30 Nov. 177». Giesser Maas ” fl. alb. pf. tfe. alb pf. ft.' alb. 1 Achtel Korn - 1 Achtel Gerste - < 1 4 4 4 3 3 Weck § - Teitscher - 1 1 Kalbfleisch Rindfleisch 3 3 2 3 3 7 9 8 6 10 2 if 20 24 24 2 2 2 lMaaßtzruchtBrandcw. r 8»! ( Meste Saltz 24 alb. Achtel Wachen - Achtel Hafer - Meste Erbsen - Meste Linsen - Pfund Hrrse Pfund geschalte Gerste - - - Pfund klein geschalte Gerste - lö. 1 Pf Bratwurst 6 alb. 1 Pf. inländische Seift7alb alb pf f 4 1 Schweinefleisch l Hammelfleisch >,1 Schaffleisch 1 Pockfleisch - 1 Wurst - i 1 Kalbsgelüng 1 Kalbs f Leber m l Loth Qu ‘ 2 Pf. 4 2 4 4 ft.1 1 Karpfen 1 Hecht - i Persing - r Barmen i Cchieycn > Butter - alb. 5 6 6 3 8 pf. 4 Pfund. fi. alb. Pf. 7 Rindsfett j «5 i 7 Hamelsf. j iS 4 1 Llchter - 9 4 5 Eyer 2