Giesser "! WWWNNN Sechs und Dreysigstkß Stück. Dienstags dm r. Septembr. i?7i. Mit Hochfürsil. Hessen Larmstädtischer gnädigster Erlaubnis. CjCSenn man sich über die Uebel beklagt, die in der Wett herrschen; so theilt man sie in die beyden Hauptmassen der pbyfifdxrtunD moralijchm Uebel ein. Die letzte Claffe, nämlich der moralischen Uebel, machen die bösen Neigungen der Geister, ihr Hang zum Laster und ihre Sünden, die ohne Zweisil das größte Uebel und die größte Unvollkommenheit sind, die man sich nur gedenken kann. In der That kann, in Absicht der Geister, keine größere Unordnung statt finden, als wenn sie sich von den ewigen Gesetzen der Tugend entfernen, und sich vom Laster Hinreisen lassen. Die Tugend ist das einzig- Mittel zur Glückseligkeit eines Geistes, denn einen lasterhaften Geist könnte selbst Gott mit aller seiner Allmacht nicht glücklich machen. Ied^r Geist, der sich dem Laster ergeben hat, ist norhwendig elend, und so lange er nicht zur Tugend zurückkehrt, welches oft wohl unmöglich seyn könnte, so lange kann auch sein Elend nicht aufhören. Dieß ist der Begrif, den ich mir von den Teufeln, von den bösen Geistern überhaupt, und von der Hölle mache; ein Begrif, der mir mit dem, waS uns die heilige Schrift hierüber lehret, sehr übereinstimmend scheint. Die starken Geister spotten, wenn sie von Teufeln reden hören; aber wenn die Menschen sich nicht rühmen können, als wenn sie die besten von i ; Nn allen S. Briefe über verchiedene Gegenstände aus der Physick «Nb Philos. aus dem Französischen übersetzt. Der CXI. Brief. D i-4 ** Wochenblatt- allen vernünftigen Wesen wären, so können sie auch nicht prahlen , die boshaftesten von ihnen zu seyn; eS giebt ohne Zweilel noch weit boshaftere Wesen, alS selbst die verderbtesten Menschen sind, und dieses sind eben die, die wir Teufel nennen. Ich habe aber Ihnen bereits gezeigt, daß unS das Daseyn lo vieler böser Menschen und Geister kein Srein des Ansto- fts gegen die Vollkommenheiten der Welt und insbesondre gegen das höchste Wesen seyn müsse. Jeder Geist, und selbst die Teufel nicht ausgenommen , ist immer ein herrliches Wesen, das unendliche Vorzüge vor allem dem hat, was man sich in der körperlichen Welt nur gedenken kann; und die Welt so ferne sie eine unendliche Menge Geister von allen verlchiednen Ordnungen enthält, ijt immer ein höchst vortrefliches und vollkommenes Werk. Da aber alle Geister wesentlich frey sind; so war die Sünde möglich , sobald nur Geister da waren; ja sie konnte selbst durch die göttliche Allmacht nicht hintertrieben werden. Die Geister sind die Urheber der Uebel, die aus der Sünde nothwendig entspringen müssen, wie jedes freye Wesen beständig die einzige Ursache der Handlungen ist , die es begeht; und folglich können diese Uebel nicht auf die Rechnung dcS Schöpfers gesetzt werden; eben so wenig als unter den Menschen der Künstler, der Degen macht, für das Unglück stehen kann, das ein übler Gebrauch damit anrichtet. Durch diese Betrachtungen wird die göttliche Güte wegen der moralischen Uebel, womit die Welt erfüllet «st, hm- länglich gerechtfertigt. Die zweyte Classe der physischen Uebel/ enthält alle die Mühseligkeiten und alle das Elend, dem die Menschen in dieser Welt ausgesetzt sind. Man gesteht zwar, daß der größte Theil davon eine nothwendige Folge der Bosheit und der lasterhaften Neigungen der Menschen und andrer verderbten Geister sey: aber da sich diese Folgen vermittelst der Körper auch auf andre ausbreiten, so fragt man, warum Gott diesen boshaften Geistern zugelaffcn habe, daß sie die Körper, als Werkzeuge zu ihren verderblichen Absichten, misbrauHen können ? Ein Vater, der seinen Sohn im Begrif sähe, einen Menschen zu ermorden, würde ihm den Degen aus der Hand reißen, und nicht zugeben , daß er sich eines solchen Verbrechens schuldig machte, Allein ich habe hierüber schon angemerkt, daß dieser ruchlose Sohn vor Gott immer gleich strafbar seyn würde , er möchte nun seine Absicht wirklich ausführen, oder nur vergebliche Versuche WLchm; und der Varer, der ihn an der Thac verhinderte, würde ihn darum innerlich und vor Golt nicht bessern. • Indessen Wochenblatt. 19 f Indessen kann man doch kühnlichchehaupten, daß Gott der Bosheit der Menschen gewiß nicht fteycn Lauf lasse. Wenn nichts die Ausführung alter der verderblichen Anschläge der Menschen aufhielte, in welchem Grade würden wir unglücklich seyn! Aber wir sehen so oft, welche große Hindernisse d-e Lasterhaften in ihren Absichten finden , und wenn sie darmn auch Fortgang haben, so sind doch nicht alle Folgen ihrer Handlungen so in ihrer Gewalt, daß sie nicht zugleich von tausend andern Umständen adhingen, die sie endlich ganz anders ausscblaqen machen. Gleichwohl kann man nicht käugnen , daß zur Quaal des menschlichen Geschlechls, sehr viel Unglück und Elend daraus erwachse, und daher glauvt man behaupten zu können, daß die Regierung der Welt unendlich besser seyn würde, wenn Gott aller Bosheit und Verwagenheit der Menschen einen unbezwinglichen Zaum anlegte. . • < . .. Freylich wäre eS Gott ein leichtes, einem Alexander den Tod zu geben , ehe er noch so viele tausend aufcpsern, oder einen ungerechten Rlckter verstummen zu lassen, ehe er einen gewissenlosen Spruch rkate. Bey einer solchen Einrichtung könnten wir dann ruhig und zufrieden der Vergnügungen des Lebens genießen, wenn uns nur Gott auch Gefund- hert und alle übrigen Güter verlreher und auf diesen Fuß möchte man die Welt gerne regiert haben, um uns alle glücklich zu sehen; die Bösen sollten außer Stande seyn, ihre Bosheiten auSzuüben, und die Guten sollten im Besitze und im rubigcn Genüsse aller der Güter verbleiben, die fit sich immer nur wünschen könnten. , , v Man glaubt mit Recht, daß Gott das Glück der Menschen ernstlich wolle, und man erstaunt daher, diese Welt von dem Plane so ver- fchttden zu finden, den man sich zur Erreichung dieses Endzweckes als den schicklichsten vorgestellet hatte. Nicht allein sind die Lasterhaften sehr oft m, Besitz aller der Freuden und Vortheile des Lebens, sondern was noch mehr ist, sie sind auch im Stande, ihre verderblichen Absichten, zur Verwirrung des rechtichafnen Theils der Menschen , auSzuführen; allem dieser un Gegenrheil unterdrückt und von den empfindlichsten U beln , von Schmerzen, von Krankheiten, von Kummer, von ansehnlichem Verlust der Güter und überhaupt von Widerwärtigkeiten aller Arten verfolgt wird, und endlich eben so unfehlbar, als die Lasterhaften, sterbcn muß. Welche- noch pow.allen Uebeln das größte zu seyn scheint. m c s , N" 2 Wenn Wochenblatt- 196 Wenn man die Welt von dieser Seite betrachtet, so ist man sehr in Versuchung , an der Weisheit und höchsten Güte des Schöpfers zu zweifeln; ja unter Den Gläubigen selbst haben sich von je her nicht wenige an diese Klwpe gestoßen, gegen die wir nicht sorgfällig genug auf unsrer Hut seyn können. Gefetzt auch , unser Daseyn wäre ganz allein auf dieses gegenwärtige Leben eingeschränkt \ so würde doch noch bey weiten der Besitz der Güter dieser Welt und der Genuß ihrer sinnlichen Vergnügungen nicht der Gipfel unsrer Glückseligkeit seyn. Alle Welt ist vielmehr darinn einig, daß die wahre Glückseligkeit in der Ruhe und Zufriedenheit der Seele bestehe, Die doch fast niemals mit dem glanzenden Zustande verbunden ist, den Diejenigen für so glücklich halten- die nur nach dem Scheine urcheilen. . . . . Die Unzulänglichkeit dieser weltlichen Güter, uns wahrhaftig glücklich zu machen, zeigt sich noch mehr , wenn wir über unsre wahre Bestimmung nachdenken. Der Tod endiget unser Daseyn nicht , sondern ist vielmehr nur der Uebergang zu einem andern Leben , Das ewig dauern soll. Die Fähigkeiten unsrer Seele und unsre Erkenntnisse werden da ohne Zweifel zu einer höhern Stufe der Vollkommenheit erhoben werden; und von dem Zustande, in welchem wir uns alsdann befinden werden, hängt Zünfte wahre Glückseligkeit ab. Ohne die Tugend aber und ohne die erhabensten Vollkommenheiten kann dieser Zustand nicht glücklich seyn. Die unendlichen Eigenschastm des höchsten Wesens, die wir jetzt nur durch dunkle Wolken sehen , werden dort in dem höchsten Glanze strahlen, und werden der vornehmste Gegenstand unsrer Betrachtung, unserer Bewunderung, unsrer Anbetung seyn. Dort wird nicht allein unser Verstand ru den vollkommensten Kenntnissen gelangen, sondern dort dürfen wir auch hoffen, der chöchsten Gnade Gottes und der^größten Beweise seiner Liebe m genießen.Wie glücklich schätzen wir diejemgeu, die bey einem großen Prinzen in vorzüglichen Gnaden stehn,'besonders wenn dieser Prinz wahrhaftig groß ist ; und doch ist der Genuß seiner Gunstbezeugungen noch immer mit einer solchen Menge von unangenehmen Umständen verknüpft ! Was wird es denn in jenem Leben seyn, wo der Allmächtige selbst unS mit seiner. Liebe erfüllen wird? und mit einer Licke, deren selige Wirkun- a n von keinem Wechsel werden unteerbrochen werdend Dich muß ein co t E Grad Wochenblatt. r-7 Grad von Glückseligkeit seyn, der alles, was wir uns in dem jetzigen Zustande vorstellen können, unendlich weit übertreffen wird. Um aber an diesen unendlichen Gnadenbezeugungen des höchsten Wesens Theil nehmen zu können, ist es sehr natürlich, daß wir auch auf unsrer Seite von der lebhaftesten Liebe gegen ihn müssen durchdrungen seyn. Nothwendig erfordert diese glückliche Vereinigung auch von uns eine gewisse Verfassung, ohne die nm unfähig seyn würden, im geringsten daran Theil *u haben> und diese Verfassung ist die Tugend , deren Grund die Liebe Gottes und unsers Nächsten ist. Die Tugend also muß daS einzige seyn, wornach wir in diesem Leben zu gelangen trachten; denn dieß Leben ist eine Zeit der Vorbereitung, worinn wir uns würdig machen sollen, der höchsten und ewigen Glückseligkeit theilhastig zu werden. Wir müssen also nun von den Begebenheiten, die uns in diesem Leben widerfahren, ganz anders urtheilen. Nicht der Besitz irrdischer Güter ist das, was uns glücklich macht, sondern vielmehr eine solche Lage unsrer Umstände, die uns auf eine wirksame Art zur Tugend führet. Wären Wohlstand und Giücksgüter das Mittel, uns in der Tugend zu üben, so möchte man über seine Widerwärtigkeiten murren ; aber so sind es vielmehr die Widerwärtigkeiten selbst, die uns in der Tugend befestigen können, und alle Klagen der Menschen über die Physischen Uebel dieses Lebens müssen aufhören. Sie begreifen also deutlich, daß Gott nicht ohne die stärksten Gründe so viel Elend und Trübsale in die Welt eiggeführt habe, und daß selbst unser Ungemach offenbar zu unferm Heile abzwecke. Es ist zwar gewiß, daß dieses Ungemach größtentheils eine natürliche Folge von der Bosheit und Verderbniß der Menschen ist; aber um desto mehr müssen wir die unendliche Weisheit des höchsten Wesens bewundern , die selbst die lasterhaftesten Handlungen so zu leiten weiß, daß sie zu unferm Heile gereichen. Wie viele Rechtschafne würden niemals zur Tugend gelangt seyn, wenn sie nicht durch die Ungerechtigkeit chrer Nebenmenfchen wären unterdrückt und geängstiget worden. Academische Anzeige. Unter dem 24. May l 77^ bat Herr !). ^Professor! zeitiger Herr Decanus Christian, Hartmann Samuel GalM durch ein gedrucktes Pro- Nn 3 gramma r-8 Wochenblatt» gramma bey Gelegenheit zweyer Herrn Candidatorum, Herr Friederich Carl Schweitzer von Frankfurt, und Herr Gerh. Julian Kühnel aus der Pfalz • ihre promouon in Dodorem 1. angedentet. Der Tittel ist de Dominio Moeni « quatenus inprimis fpedat ad Serenilfimos Hafliae Landgravios tamquam Comites in Catimeliboco agere incipit rte Adtheilung auf r Bogen. Am 17. August bestieg Herr Job- Wilh, Wolf von WormS den medicinifchen Catheder und disprstirte mit vieler Geschicklichkeit um die D. Würde zu erhalten unter Vorsitz unserS berühmten Herrn D. und Bergrath Joh. Willh. BaumerS. Dievilp. handelt de Funiculo Vmbilicali l Bogen. ......—---------------------— In der Kriegerifchen Buchhandlung in Giessen bat folgendes die Presse verlassen, Herrn Friedrich Aug. Cartheuser Hochfürstl. Heffendarmstadti» schen Bergrathsund Prbfefloris, Mineralogische Abhandlungen 8 Giessen 1771. Es enthalt folgende Abhandlungen, >) Vom wciffm Eisenspat, r) Vom mergelartigen Kupferschiefer. 9) Von den schwefeligten und arse- nicalischm Theilen der Eisensteine, und der Entbehrlichkeit des Röstens derselben. 4) Vom gediegnen Kupfer, f) Eintheilung der Eisensteine. 6) Anmerkungen Über den Chrysolith. 7) Von einigen Edelsteinproben 8) Von den Bestandtheilen deS rohen ursprünglichen Salpeters. 9) Vom Gypsstein, als einem Zuschläge bey dem Schmelzen der Eisensteine. 10) Von den Dendriten oder Bäumchensteinen, n) Vom Ursprünge deS 'Bernsteins; und wird für 24kr. verkauft. Den 7ten Septembr. wird ein Vorrath von gebundenen Büchern au- allen Facultaren auf dem Collegio Nachmittags 1 Uhr verstrichen werden, wovon ein gedruckter Catalogus gratis ausgegeben wird. Verlohrtte Sachen. Am verflossenen Dienstag, als den 27ten dieses , ist einem Knaben