Docheil-Nlakt, Num. XXVI. Dienstag den 30. Jun. 1752. Mir Hochfürstl. Hcssmdarmstädrachcr gnädigsten Erlaubm'ß. Von» Glücke. as Glück ist eine r. $r alio auch Nichts beytragen. Wie wollte ich mich also wegen etwas über andre überheden/ das inub ohne mein Zuthun betroffen hat/ und einen andern eben so wohl hätte betreffen können / als mich / der so wenig daran gedacht hatte/ als ich ? Wer lacht nicht über den Dienstag den ;ctert Jun. 17 fo« ioj groflcft Alexander/ den sein Glück und seine viele über unzählbare Nationen durch dasselbe erhaltene Siege so aufgeb.asen geinacht/ daß er sich fdbft vor einen Gott }u halten bereit war / wenn er nicht von zweyen Ursachen/ die nach der damaligen Er« kennmiß noch dazu sehr schlecht waren/ von solcher unerträglichen Einbildung wäre abgrhaiten worden ? So weit vergeht man s»ch nun wohl nicht mehr/ nachdem man den Utilcricheid zwischen GOLL und Menschen besser weiö. Mein Vas ist nichts ncueö/ daß em m.r gar keinen vorzüglichen Eigenschaften versehener aber in des Glückes Gunst ftchender Mensch sich überredet Verdienste zu haben / und im Hochmuth andre ihm an Verstand« und Willen weit überlegene vom Glucke aber verlassene neben sich verachtet. Es ist aber auch em Zeichen / daß die Schickung nicht im (ginne hat / einem solchen wahrhaftig wohlzuthun/ weil sie eö so emrichlet/ daß er selbst verdirbt/ was sie gut macht; unv die andren haben in ihrer Verachtung den- Spruch des M-nrargnc zum Li oste: das Glück macht sich ein Vergnügen unsre Einbildungen zu verwirren/ und da eö Die Macht nicht hat/ den Ungeschickten weise zu machen/ so macht es ihn doch/ der Lugend zu Trotze/ glücklich. Eben der Unverstand äussert sich auch bei) denen/ die das widerwärtige Schicksal gänzlich um den Muth bringt; ja beydes hat ente m der Meinuna lhun / daß die Umstände immer bleiben werden / wie sie sind. Achans war anfänglich ein grosser und dabei) sehr treuer General/ den die Sonaten wegen fernen Tugenden und wegen seiner grossen Siegen nach des Königes m toinen/ Selcucus/ Tode rum Könige ausrufen wollten. Er widcistunde dieser Versuchung laiigs/ endlich aber ließ er sich verblenden/ nahm nicht allein den ihm nicht geouhrenden ^itul^an/ sondern wolte noch dazu dem dadurch bereits höchst beleidigten Nachfolger des Gewu^ cus/ dein Atttiochus / mehrere Staaten abjagen. Darüber aber drcbete sich das rnisbrauchle Gluck ;2lchäus wach gefangen/ seine Arme und Beme und Kopfabae- schlaam/ dieser in eine Eselehaut gcnehet / und der übrige Leib an ein Deutz geheftet. Wie wahr ist es nicht/ daß man gute Beine haben muß / um gute Tage ertragen in können? und wie gewiß ist cs nicht/ daß ehrlich am längsten wabiet? Nichts hänget mit dieser Lehre schlechter zusammen/ als wenn man sich einbildet/ die Ungerechtigkeit sch ein Mittel sich glücklich zu machen. Das hat zwar seine vollkommene Richtigkeit/ daß man gar viessälkiq wahrmmmt/ wie dieiemgen/ die nicht das mindeste Reckt zu etwas haben / es dennoch vor denen erhalten/ welchen es unstreitig gebührte. ' Man muß die Welt gar nicht kennen / wenn man daran zweifeln will; «»ein man sehe die Umstände genauer an / so wird man sinven/ daß dre Ungr- Dienstag den zoten ^un. i7fo, iof rechtigkcit nicht zu solchem Glücke betragt/ sondern die Ungleichheit der Bemühungen. Wer Recht hat/ ist getrost/ und sein gutes Gewissen macht ihn einiger Machen sorglos/ er meint/ man habe nicht nürhig/ sich sehranzugreissen/ um das zu erhalten/ was einem die Gerechtigkeit selbst zulheilct- Wer aber Unrecht hat/ der ist wachtsam und immer auf seiner Huth/er wendet alle mögliche Mittel an/ die ihm seine List und Bes« hut an die Hand giebt, er trachtet alle von feinem Gegner eingeschlagene Wege zu verhauen/ und scheuet sich vor nichts mühsames/ gefährliches/ schimpfliches/ gottloses/ und wie es Namen haben mag / wenn er sich davon den geringsten Beytrag zu seiner Absicht verspricht- Woher kommt also der erwünschte Fortgang ? keineswegeS von der Ungerechtigkeit, sondern von der der gegenseitigen mächtig überlegenen Mühe. Man hat folglich um glücklich zu fcvn / nicht nöthig / zur Bosheit seine Zuflucht zu nehmen/ sondern darf nur lhun/ was die Schrift sagt/ die da neben dem/ daß sie fordert/ wir sollet! ohne falsch seyn wie die Tauben/ auch haben will/ wir sollen klug seyn wie die Schlangen. Das durch solche Ungerechtigkeit erhaltene Glück stehet auch auf sehr schwachen Füssen und/ wer die Zeit abwartet / der siehet/ daß die von ihm erhabene auf dem fchlüpfnchen stehen und zurück« fallen plötzlich. GOTT ist Richter in der Welt/ und er kann nichtzugeben/ daß das Gute/ welches er aus heiligen Ursachen eine Zeit lang drucken lasset/ gänzlich unterdrücket werde; noch daß daö Böse/ welches er aber# mals aus gerechten Absichten eine Weile zunehmen und sein Maaß füllen lasset/ sich im Siege feji setze und die Oberhand beständig bel-alte. Wer das Sprichwort verstehet: Mann soll den Tag nicht loben/ bis es Abend ist/ der begreiffet daraus auch diese Lehre. Dennoch dienet uns das bisherige dazu / daß wir ohne Schwierigkeit verstehen / das m'mstige Glück fen kein Merkmal der guten Sache- Dieses ist ein Satz/ bey dem em Mensch fühlen kann / was die Eigenliebe vermag. Wer die vorstehende Zeile in ihrem Zusammenhänge mit dem vorhergehenden ließt/ wird ihre Wahrheit alsbald zugeben; aber wie verfährt man in der Ausübung. Wenn wir etwas unternehmen / und es geräth/ so wissen wir die Billigkeit unsrer Anschlägen unter vielen andern Beweisen auch dadurch zu erhärten/ daß wir sagen/ der gute Erfolg sey ein Zeichen des göttlichen Bevfalls; die Gegenparlhe» aber sagt: Careat fuccellibus opto, Quisquis ab eventu facta notanda putat. d j. o daß es dem nie gelinge / her die Güte der Thaten aus -em Erfolge beurtheilt wissen will. Geräth es denn endlich einmal auch diesen guten Moralisten / so vergesse!: sie ihre voiigen Gedanken/ und geben den erwünschten Ausgang vor ein sichtbares Zeichen des göttlichen Segens aus/ und wir sprechen alsdann: careat fucceflibus &c. Wir können nicht umhin den bev einer weitläuftigen Ausführung unsres Satzes von p. Bayle angebi achten artigen Einfall allhier anzuführen. Er sagt: heißt dieses nicht nm Gründen/ wie mit ßltiCwi) versehen seyn; einige für den Sommer und die andre für den Winter? „ Cc , Nicht zo< Gresser XVod)ette25Ute/ Num. XXVI. Nicht weniger versehen sich viele / hauptsächlich äusserlich fromm scheinen wollende Personen/ wenn sie aus dem ihrein Ncbenmenschen wiederfahrenden Unglücke ftl)liesien/ daß er gottlos sey und die Rache der göttlichen Strafgcrechtigkcit ihn verfolge. Wie übe! ist es dost) / daß auch Die/ Die des Herrn Willen wissen / sich dessen nicht kederjeik erinnern? Man habe vor Äugen/ was G-Ott sagt: richtet nicht so werdet ihr nicht gerichtet / verdammet nicht/ so werdet ihr nicht verdammet; alsdenn wird Urne Gelegenheit im Stande seyn/ uns zu dergleichen lieblosen Urtheilm zu verleiten. Doch Dergleichen Unglück wird einem billig bcvgemessm/ Das man sichmul!)- willig auf Don Hals gezogen oder eigemlicher zu sprechen/ es ist eine leere und unge- fthickte Entschuldigung / ivenn man Die Folgen fernes Lasters mit Dem Namen des Unglücks behänget / um Die Schande von sich abzuwenden/ und die ungütig uitlxilenDt Leute zu besänftigen. Dieses trägt sich nicht selten zu / und wenn man sich umschauet/ so sind Die meisten Unglücke von Der Ä>t. Am sichtbarsten findet man es an Den Personen die ihr Unverstand und ihre Geilheit in Den Stand gesitzet/Daß sie Ammen werden/ oder ihrer Umständen halber werden könnten. Sie nennensich unglückliche Personen/ erzählen von ihrem Leben vor ihrem Unglücke und nach Demselb n u. d. g./ so daß man meinen sollte/ es gäbe in der Deutschen Sprache kein Wort/ womit man einen Hure nennen könnte. Sie bilden sich em/ dergestalt passierten sie vor ehrliche Leute/und für solche/mit den man Mikleiden haben könne; finden aber bei) Niemand Gehör/ als bei) solchen Dis ihrer Meinung beypflichken müssen / weil sie Das Unglück auch betroffen hat. In Diesem Falle hat man zwar auf eine ganz sichtbare Weise Die Schuld sich selbst beyzumeffen; sonst ist aber auch eine allgemeine Wahrheit/ Daß ein Mensch sich gröblich versündiget/ wenn er über seine Schickung murret. Wir lassen es gelten/ Daß sie manchmal sehr empfindlich ist / wir wollen etwas Dem Schmerz zu gut halten/ wir glauben auch/ daß man Den Sinn nicht hat/ Gottes Einrichtung zu tadeln. Allein Das letzte geschieht Doch in Der Thal und ist ein grober Fehler. GOtt unD nicht ein-blindes Glück macht Das Verhangniß/ er übersieht unD ordnet alles/ so Daß ohne sein Wissen und Zulassen uns kein Haar gekrümmet werden Darf. Wenn wir uns also über unsre Zufälle befchwercn/ fo tadeln wir Gottes Fügung und feine weise Regierung wird von unferm Unverstand strafbarer Weise verdammet. W>r kommen dem König vonLasiilienAlphonjlrs sehr nahe/ Den feine mit einiger Unwissenheit begleitete astronomische Erkenncniß zu Den lästerlichen Reden verleitet/ daß/ wenn ihn GOtt um Rath Befraget hätte / als er Die Welt gemacht / er ihm gute Erinnerungen gegeben haben wollte. Wir meinen eS zwar fo hart nicht/ weil wir zu der Zeit nicht an GOtt denken/ aber müssen wir nicht geliehen/ Daß wir deswegen/ was Die Ausübung belrift/zu einer Art Leuten gehören/Deren Namen und Theorien wir vei fluchen; sind wir nicht in Der Thal Deisten/ ob wir gleich nicht leiden wollen/ daß man uns fo nennet ? Weil es schwer ist/ mit seinem Schicksal allezeit zufrieden zu seyn/ so wnd eine kleine Erinnerung/ Die einen grossen Theil Der Schwierigkeit austebet/ nicht vor überflüssig angesehen werden. Sie bestehet Darin/ unser Unglück ist manchmal Der Weg zum Drmlkag den toten jfcm. i7fo. 10/ jum Glücke. So wie mancher nur deswegen in die Höhe gehoben wird/ daß er tnif einem härteren Falle herunter sturzr; so wud ein andrer deswegen in die Tiefe ae» di ürkk/ oaß er def.o herrlicher avsiieige. T6ie viele Beispiele bat man nicht von teil / die diesim Wechsel mit gröstem Vergnügm erfahren? ja ein jeder findet derselben SfinLn n?GCVf braiSvbö) [ld? Wz tmD wenn man dreseldige wohl beherziget/ so 2 fincf/ftü daß dle vorhergehende Widerwärtigkeiten eine gewisse Beitze waren/ die unt> empfindlich machte / und die uns die Verbesserung unserö Zustands recht leb- Jaft geniessen lernte. Zugleich aber wird man dadurch in eine solche Vei fassung gesetzt/ Än Ukn6 unangenehme Begebenheiten zustossen/ tvii alsbald gedenken: ^.eies i|. ein Voibothe/ oder ein Vorgänger eines neuen Glmkes/ und ist uns von GL)tt jugelandt / daß es uns zu vergnügtem Genuß desselben vorbereite; die Hofnung auf das/ so da kommen soll/ soll uns alles versüssen / was wir jetzo leiden. Wrr sind aber hier gerade an das gekommen/ was viele so gar aus der Betrachtung Gottes nicht wollen hergekeitet wissen / daß sie vielmehr daraus auf die ver- vainuiuche Verleugnung des allerhöchsten Regenten zu schliessen ein Recht haben wol« man konnte nur wenige nennen / die diesen Fehltritt begangen Es sind aber leider viele. Vielleicht filldet mancher selbst in seinem Herzen/wenn er sich recl t umsteht / was er nicht darin gesucht; vielleicht tadelt mancher den Lucrerz/ Bayle uJX g. mit dem Munde / und in seinem Sinne ist er doch mit ihnen überein» ftuimug. Mit Vergnügen wollten wir uns hier weit einlassen/ wenn der wenige übri- ge Raum es erlaubte. Dieser zwinget uns aber / nebst dem Versprechen / ein eignes Watt her Materie nächstens zu wiedmen/ nur das wenige anzumerken. Wir Men* schen lmd vor das erste schr unfähig von unsirn eigenen Umständen zu urtheilen; wir halten öfters vor gut und wünschen sehnlich / was doch b0se ist; wir halten vor böse und verabscheuen heftig / was doch sehr gut ist; kurz wir sind den Kindem ähnlich/ die das Brod aus den Händen toerfen / und mit den Fingern nach der Flamme deS kichtcs rlen und/ wenn man sie dieselbe nicht berühren lasset/ anfangen zu weinen, ^ors andre r* arenDnet unser Hochmuth/ daß in der ganzen Welt vor uns allein gesorgt werden soll; man erwäget nicht/daß alles zu«ammenhängt und daß das ganze Geschöpf raubte Schaden nehmen/ wenn es uns anders gehen sollte; man will / GOtt soll gü- tig seyn / und soll doch zugleich uns zu liebe und um uns einige kleine Vortheile zu zu» werfen / gegen unendlich viele andre grausam seyn. Vors dritte lasset man das Zu- künftige aus der Zieht; sieht blos auf das jetzige t’eben und bedenkt nicht / daß ein andres bevor stehtt/ gegen welches dasfetzige gleichsam nur ein Schauspiel ist/ damit im folgenden ein jeder gehalten werde/ wie er die ihm aufgetragene Person vorgestellet. Und zuletzt hat man einen allzu kleinen Begriff von GOtt; man will über den Schluß seiner unendlichen Weisheit und Güte / mit seinem geringen Verstands urtheilen ; und verlangt / besser zu verstehen / was das beste ist/ als GOtt. ES wäre noch viel nützliches zu sagen/ man könnte untersuchen/ wie weit ein jwr nach dem lateinischen Sprichworts feines eignen Glückes Schmidt sei); man könn- ’7f°. alb. 4- 2 2 2 2 t 2 Pf. 4- ic8 Giesser XVedxnbUtt/ Num. XXVI. I6|II,(, Sjvthuti/ daß di- im m-dm-n Stand« l-b-ild« mchr-r-s Glück-« und «-mz-rs UuMt-s sthig lind / als di- ®t0|Tm i da« End« d-s B°g-°S aber «tforfcrt/ Oaß auch diese Abhandlung ein Ende habe. AVERTISSEMENT. Weil mit diesem Monath die Vorausbezahlung dieses Wochenblatts! zu Ende gelaufen/ als werden die refpetiive Gönner und Freunde/ wann sie solches ferner mit- rukalcen belieben tragen/ dienst-freundlich und geziemend ersucht die fernere Vorausbe- rakluna für daö künftige halbe Jahr vom Julio bis Dttembris mit i. fl. franed aütigst einzusenden entweder an hiesiges Postamt oder an den Verleger/ und sich Dar# acacn richtige Übersendung zu versichern. Man kann auch das ganze vorhergehende halbe Jahr gegen i, fl. noch bekommen/ cinzelen aber daö Stück »z kr. K-zichr und andre presse anr NTarckt--- Lage den L7.I»N. Giesser Maß. tTeu angekdmmene Bücher. Der Königlichen Academie der Aufschriften und schönen Wissenschaften zu Paris/ W* ' züge und Abhandlungen/ 8-Erfurth 174-- 4 s kr. Storch (Jod.) Abhandlung von Kinderkrankheiten rter Band/ r.Frfurth w- 40.kr. ♦ . . Weiberkrankheiten s ter Band/ 8. Gotha. >7fo. i.fl. Ö Bunau (Hemr.) de jure circa rem monetariam, 4. Lipf. 1747. 1 5 kv- Wahl (Joh.Fr.) de judiceinconcurfucreditorum competente, 4.Gerte. 17^0. v.kr, . - de foro arrefti privilegiati, 4. Goect. io.h*. , Gaub (Hier. Dav.) de methodo concinnandi formulas mtdicamentorum, 8-Francot. i7fo. i.fl- rr.kr._______________________________________ ' ^©enTTten Julii soll allhier eine ansehnliche Bibliothec von allerhand fitbm/ theils raren besonders aber verschiedenen schönen Manufcriptis, wie auch ein auserlesener Vorrath von Jurisiifchen Büchern ver-uÄiomrt werden. Der Cacala« gu$ davon wird bey Ausgebern dieses gratis ausgegeben. ff. Alb- Pf. i. ft. -Ochsen-Fleisch - - Kuh-Fleisch - X. Achtel Korn * - auch * 4 - - Gersten » 2 20. - Rind-Fleisch - — Weitzen « » x _ Hasser * * 6 1 IO 2s S S - Kalb-Fleisch # - Schweinen-Zleisch - ft geschclhlte Gerste # _ - kleine Gerste - ♦ I. -- ♦ 4. - Hammel-Fleisch - Schaaf.Fleisch » x.Meste Erbsen ♦ « — Linsen * » -4- 14 * i. ft. Butter • r 10 E»er # -