Kieffer Wochcil-Wlakt, Num. XXXIV. Dienstag den 2.5. Aug. jyyo. Mir Hochfürstl. Hesscndarmstädtischcr gnädigsten Erlaubniss. pf pt IS| 8 0 &’ne vornehme Person/ die an unsermWochenblatt Gefallen hat/ver- langte eine Abhandlung von der Verhälmiß des Spieles gegen dar Getrtz der Natur darin zu les«'.. Weil nun Joh- Barlx-vrae in dem ersten Capitel des ersten Buches seines französischen Tra- ctatS vom Spiele die vorgelegte Aufgabe sowohl aufgelöset/ daß wir nichts daran zu verbessern finden/ so erscheinet allhier dessen fteye Uebersetzuna/ darin behauptet wird Daß das Spiel an und vor sich selbst, sofern es nicht miS» braucht wird, eine ganz gleichgültigeSache fty. ES ist gewis/ daß der Mensch nicht in die Welt gesetzt worden/ um sein tebm mit Essen/ Trinken und Faullenzen zu zubringene alles zeiget im Gegentheil/ «rsey von dem Schöpfer dazu gew-edmet/ dass er sich/ soviel ihm möglich ist, mit etwas nützlichem und ernsthaftem beschäftige. Der natürliche Gebrauch aller unsrer Vermögen zielet offenbar dahin ab. Wir haben den Verstand zu keinem andern Ende/ alö damit zu denken; wir haben Hände und Füsse / um damit unsre Handlungen auszuführen. Wer wollte glauben/ daß unö solche Geschicklichkeit/ solche Fähigkeit/ lolch« Einsicht/ alle solche wunderbare Gaben / wodurch wir zu Wissenschaften und Künsten aufgckeget sind / in der Absicht sollten mitgetheilet worden seyn/ damit wir fit in einem weichlichen Müßigang/ oder in einer beständigen Unachtsam- r l keil Giesser Wochenblatt:/ Num. XXXIV. Feit und in lauter Ergötzli'chkei'ten schimpflich verderben lassen? Selbst die Nothwm« digkeit vor das/ was wir deMen / zu sorgen / worin sich alle Menfchm Hpn Natur befinden/ urtb worin Der Meiste Theil sein ganzes Leben über bltibet/ leget wenigstens benseibigeu eine unumgängliche Schuldigkeit / auf eine oder andre Weise zu arbeiten/ auf; und was die andre betriff / die ihr Brod zu verdienen nicht nöthig haben / so haben sie deswegen nicht die Erlaubniß/. keine ehrbare Verrichtungen vo»zunehmen/wodurch sie nicht allein vor den Versuchungen des Müßiggangs gesichert, sondern auch auf andre Weise/ besonders dem menschlichen Geschlecht überhaupt/ und alsdennauch dem gemeinen Wesen / dessen Glieder sie find / nützlich zu werden. Diese freywillige Neigung zur Arbeit ist etwas/ das den Menlchen auf das sichtbarste von den übrigen Thieren unterscheidet- Denn daö Vieh/ von was für einer Art es sey a) thut nichts als aus Ztvang/ oder ivegen seiner natürlichen Nolhdurft» « - es spielt und und ist lustig / solang es jung (ft: aber was thut es übrigens in seinem ganzen Le- ben- Es frißt/ säuft/ ruht/ schläft - - - es rührt sich nicht/und bemüht sich nicht/ äusser seinem Bauche zugefallen - - » Der Mensch allein arbeitet freywillig urrd mcht bloS wegen der Nothdurft des Lebens. Dieses ist eine von den edelsten Würkun- gen der Vernunft/ die er als eine Eigenschaft besitzet/ und die ihn unendlich über all« Dinge der sichtbaren Welt erhebet. Denn wenn er der Stimme des Theiles an ihm/ den er mit dem Vieh gemein hat/ Gehör, gäbe/ so würde er/ wie dasselbe / alle Bemühung fliehen und würde ebenmäßig nichts lieben als die Ruhe und TräMit. Das haben di« Weisen unter den Heiden erkannt- Cicero 0 beweiset sehr umständlich aus der Natur des Menschen selbst/ daß wir gebohren sind um zu arbeiten; und damit man nicht glaube/ er verstehe etwa dadurch nur eine geringe leichte Beschäftigung/die zu nichts diene/ als den Verdruß eines gänzlichen Müßiggangs zu vertreiben / so sehet hier / 'wie er sich anderswo ausdrücket: Dis Ngtur hgc uns nicht von einer solchen Beschaffenheit gemacht/ die da Ursache gäbe zu glauben/als seyn wir zum Scherzen und Spielen gewiedmetr-sie giebr im Gegentheil Grund zu'WkE daß wir gebohren.sind/um ernsthaft zu seyn/ und um uns auf etwas wichtigerS lind uachdenklichess/. als die Spiele und Ergötzungen sind/ju legen- Wenn dir des Mor- «ens sauer wird aufzustehen (sagt noch ein grosser Kayser und heidnischer Weltweiser in seinen schönen Gedanken über sich selbst)/ so lasse dir augenblicklich einfallen Ich stehe auf um zu tbun? was einem Menschen obliegt; bin ich denn noch verdrieß« ssch etwas zu thun/ deswegen ich gebohren bin/ und dessenthalben ich auf die Welt gekommen bin? Bin ich dann zu nichts gebildet/ als daß ich hübsch ausgestreckt und warm in meinem Bette liege? (Sagst du) das ist mir ein Vergnügen? So bist du dann gebohren um dir Vergnügen zu machen/ und nicht um zu arbeiten « « - um Handlungen/ die der Gesellschaft nutzen/ vorzunehmen? ♦ - - Uriheile selbst/ ob das der natürliche Verstand duldet. - - Siehest du nicht die Pflanzen/ dieVö- fc,(Hr lt t rav ail, kj de fioib, !?«»* Ll rnalor, P, Cap^n,iit ♦V. Dienstag (xtt 2 ftett Ang.. 17fa. L fiel/ 4) die Meisen/ die Spinnen/ Die Bienen? Sie arbeiten ohne Unterlaß/ uni alles ordentlich und zierlich zu haben / und du willst nicht thun/ was einem Menschen iukommt/ du bestrebest dich nicht nach dem/ wozu dich dir Natur gcwicdmet- Allein obgleich der all,reise und allgütige Schöpfer uns zur Arbeit gemacht hat/ so hat er uns doch nicht deswegen gemacht/ daß wir an einem Stück und ebne Unterlaß schaffen sollen- Eben dieselbe Einrichtung unsrer Natur/ di.' uns die Noch- Wendigkeit zu arbeiten entdecket/ zeiget auch daß wir zuweilen ruhen können und sollen. Unsre Leiber smd nicht von Eisen/ und unsre Seelen Haden keine unermüdliche Kräften : diele unsre beyde Theile machen eine Maschine aus / die sich bald abnütztt/ wenn Mn sie in beständiger Bewegung erhält- Ich überlasse den Naturkündigern dieser, Mechanismus zu erklären / die Sache selbst ist äusser Zweifel und das ist genug. Die .Vergleichung mit einem Vogen/ der endlich zerbricht/ wenn er immer gerannet ist/ »st sehr alt b) und zugleich sehr natürlich. Man wird gar bald gewahr/ daß unser Leib geschwächt und die Seele siumpf wird/ wenn wir uns auf etwas / was es immer sey/ mit aüzugrossem Flösse legen. Das gewisse Mittel / sich etwas verdrießlich $11 «wen/ ist/ daß man ohne Zwischenruhe damit umgehe- Also fordert die Verbindung zur Arbeit selbst / daß man solche zuweilen unterbreche/ um nicht Darunter zu «liegen / und um sie mit Deflo grösserer Begierde wieder anzugreiffcn. Em kluger Alter pflegte nach seiner vernünftigen Regel sich zu ergötzen / damit er bernad) etwas ernsthaftem obzuliegen im Stande sey. Die Ruhe ist das Gewürz der Arbeit / man muß sie mit einander vermischen / und beyde so zu rath halten/ daß sie ein geschicktes Verhältniß unter einander behalten- Fraget Die Natur um Rach/ sie wird euch sagen / daß sie den Tag und die Nacht gemacht hat/ um die Stunden sowohl der Arbeit als der Ruhe anzuweisen/ und um uns zu lehren / daß eine wie die andre gleich nöthig ist zum Leben. Em Leben ohne Ruhetage ist eine lange Reise, wo man unabläßlich gehet / ohne in einem Wirthshause einzukehren. Das ist noch bisher dir Meinung der heidnischen Weltweisen und die Vorstellung der gesunden Vernunft. Die Offenbarung ist nicht dawider. GOtt / der die Nacht zur Ruhe vor all« lebeudige und leblose Geschöpfe gemacht hat/ setzte zum Theil Den Sabbath-) zum Trost der Sklaven und Hausbedienten ein/ falls sie mit einer Herrschaft zu thun hätten, Deren Härte keine Rücksicht hat auf Die Schwäche Der menschlichen Natur. Dieser Feyertag und alle anDre im Gesetz ausgezeichnete waren Zeiten der Ruhe und Der Ergötzung des ganzen Volks GOtteö. So wenig verbiethet also die Moral oder die Religion alle Arten des Vergnügens; daß man im Gegentheil sagen.kann/ sie gebielhen uns einen ehrbaren und schicklichen Genuß derselben/ wenn er nöthig ist unsre von der Arbeit erschöpfte Kräfte Wieder herzustellen. Die unschuldige Vergnügen, welche Die göttliche Vergünstigung £ l r, allen Sprüchw-Vi. 6. u.s- b) fhtdr,Fab.i^, Ltb, III, r-B MyfXX, 19. 5 V M-s V.r4.r s, r68 Gresier Wochen- Blatt/ Num. XXXIV. allen Vkenschen anbiethet/ trotzig zu verwerfen/ wäre wenigstens eine Undankbarkeit; und es wäre ungerecht/ aus Eigensinn diejenige zu verdammen/ welche sich derselben mäßig bedienen. Niemand kann gewisser Ruhestunden entbehren / und eS giebt wenige Leute/ die nicht einer oder der andern Art der Veränderungen bedürften. Die Güte deS Schöpfers bezeiget sich hier/ so zusagen / verschwenderisch gegen die schwache Sterbliche. Wie sie unser Leib und Seele einer unendlichen Verändrung von Neigungen fähig gemacht/ so gewähret sie uns auch eine unendliche Menge von Vorwürfesi/ womit wir jenen ein Genüge thun können *). Es ist wahr/ man kann diese Dinge mißbrauchen; allein man kann sich ihrer auch auf eine sehr unschuldige Weise bedienen. Nichts desto weniger sehe ich Leute/ welche ohne Grund behaupten/ daß man den Misbrauch vom Gebrauche nicht trennen könne/oder sich/ weis nicht/ was für mv- siische Vorstellung von der Tugend und Frömmigkeit machen und deswegen uns überreden wollen b} i alle Ergötzungen seyn etwas einem vernünftigen Geschöpfe unanständiges/ rin niederträchtiger Zeitvertreib/ eine falsche rmd betrügerische Lust/ eineWür- kung von der verdorbenen Natur des Menschen. Wir wollen ihnen vergönnen/ nach einem Stande der Vollkommenheit zu ringen / dessen vielleicht die menschliche Natur nicht fähig/ der wenigstens die gewöhnliche Kräfte der Einwohner des Erdbodens übersteiget ; aber sie werden es wenigstens nicht übel nehmen / daß diejenige/ welche sich nicht zutrauen eine solche Höhe erreichen zu können/ demüthig der Ordnung der Natur oder vielmehr der Vorsicht folgen / und daß sie deswegen ruhigen Gemüthts und ohne Sorgen sind aus einem Grunde/ der mit folgenden Gedanken eines weisen Heiden viele Ähnlichkeit hat. Wenn daö Vergnügen vor sich selbst böse wär / sagt er/ so würde es nicht mit uns auf die Welt kommen/ und wäre nicht das älteste unter allen den Dmgen / denen wir unsre Erhaltung zu danken haben. Was die oft wieder- hohlte Einwürfe überlistiger Widersacher betrift / die Schwelgerei) des Sardaria- perls/ dieUebermuth der Meder/ die Weichlichkeit derIsmer/ die Festender Sicillaner / die Tantze der Sybarr'tcn / dis Unzucht der Corrnthier; alle diese und tausend andre dergleichen Dinge / die man anführen könnte sage ich/ sind keine Würkungen deS Vergnügens/ sondern der Kiinst und des Verstands; denn mit der Zeit haben die Menschen das Vergnügen mit unzähligen Erfindungen der Lust verdorben. Wie also Niemand unter dem Vorwandt / daß es Leute giebt / welche ihren Verstand zu Ausführung vor sich selbst schändlicher Thaten anwenden/ deswegen den Verstand beschiildiget/ er sei) an sieh selbst bös; eben so muß man sich nicht über die Vergnügen selbst ereiffern / sondern über die/ die sie miöbrauchen. In der Seele des Menschen giebt es zwey Dinge / Verstand und Luft. Die mit dem Verstände vermischte Lust vermindert jenes nöthigen Gebrauch nicht / sondern macht ihn nur angenehm. Gesillet sich aber der Verstand zur Lull/ so treibet er diese über die Gränzen der Mäßigkeit / weil er macht daß man sich ihrer in allzugrossem Ueberflusse bedienet/ und I.TtMdkh. VI, 17. /') Pcnjccs dt Pafcul Art.XXPl, §. z.u. f. Dienstag den r^m Aug. r7f«. und verbannet zugleich den nothwendigm Gebrauch / der das Hauptstück btt natürlichen 'Annehmlichkeit ist. WaS hier der Weise überhaupt vom Vergnügen spricht/ das lasset uns ohngeschcut von den gemäßigten Ergötzungen sagen/ welche uns die Natur darbiethet/ oder welche man sich selbst macht / nachdem man soviel gearbeitet/ als man kann oder soll. Man darf sich denselben gewisser Maasen darstellen/ und sie bis auf einen gewissen Grad kosten./ als Dinge/ welche vor sich selbst die Kraft habe» angenehme Eindrücke in uns zu verursachen/ wiewohl der Gebrauch derselben zu einem viel edlern Endzweck eingerichtet werden muß. DaS sind keine Arzneymittel von dec Art / die man lächerlicher Weise vor schmackhaft hält / wie ein gewisser Sittenleh. rer behauptet/ a) der sie mit Rbabarbara und Senenblättem vergleicht und welcher daher alle/ die de« geringsten Gefallen daran haben/ vor Kranke hält/ deren Geschmack verdorben ist. Aber was ist man nicht im Stande zu verdauen und herauSzusagen / wenn man glaubt die Menschen überreden zu können/ daß man sich ergötzen muß durch einen Geist der Reue und Buße und die Verändrungen geniessen muß / wie man ehedem den Verurtheilten Wein gab/ damit sie mehr Kraft hätten ihre Marter auszuste, hen/ und um ihnen also ihre Quaal empfindlicher zu machen. Dieses sind des Verfassers eigene Worte. Diejenigen/ welche scheinen zu glauben/ es sey unmöglich sich hier in den gebührenden Grenzen zu halten/ und welche deswegen wünsclM/daß man auch dem ehrbarsten Vergnügen gänzlich aufsaae / behaupten eine Sache / von welcher man siehet/ daß sie der Erfahrung widerspricht / so bald man seine Aufmerksamkeit darauf wendet. So verdorben die Welt überhaupt seyn mag / so giebt es doch allezeit hier ober da mehr oder weniger Leute / die sich der Gescheuten der Natur oder vielmehr der göttlichen Ireygebigkeit mit Maaß und Ziel bedienen. Ich bins zufrieden / daß der meiste Thcil sie gemeiniglich misbraucht; aber das ist ein Unglück vor alle Sachen/ deren Gebrauch ein wenig gemein ist b); und gäbe cs nur zwey oder drey Personen in jedem Lande/ oder in jedem Jahrhundert / die sie brauchten/ wie sie sollen/ so sind sie mir genug; bmauS schliesse ich / daß die Sache möglich ist ; und sie ist nicht die einzige / deren Möglichkeit eben so gewis/ als ihre Exempel selten und ungemein sind. Umsonst würbe man antworten / die Schwierigkeit sey wenigstens so groß/ daß sie der Unmög- lichkeit sehr nahe komnie. Damit man diesen Schluß mit einigem Grunde machen möchte/ so wäre nölhig/ daß diejenigen / welche das Maaß des Vergnügens überschreiten/ unsch gutem Ernst sageii könnten/sie hätten einige Behutsamkeit gebraucht/ oder sich einige Mühe gegeben um sich zurück zu halten. Allein ich berufe mich auf ihr Gewissen/ und bin versichert/ wenn sie offenherzig antworten wollen / so werden sie erkennen/ daß sie sich selbst blindlings dem Eindruck der Dingen in ihre Sinnen überlassen/ und daß sie bloS allein dadurch / well sie sich ohne den geringsten Widerstand haben hinreissen lassen, sich in den Stand gesetzt haben/ daß sie nicht ohne gros- Ll ; , , sm *) Dh Trtmblajt b) Gat aber L, 1. CJ, § /, *7» Giesser Wöchen-Bl^tt/ Num, XXXIV. (en Vsrdkliß bas Joch der Wollust abwerfen und dem Gesetz der Natur und dek Vernunft wiederum nachleben können. So bleibt es denn dabey / daß es erlaubt ist / sich auszuruhen und emrger Lustbarkeit zu geniessen/ die nichts aus anvei n Ursachen verbottmes an sich hat. Wenn man demnach an Billiard/ Ball» Schacht Mareen und Brerrspiel auch selbst am Würfeln Gefallen hätte/ warum sollte man sich nicht damit vrignugen ebensowohl als mit einem Spaziergang/ mit einer Music/ mit der Jagd/ der Fischere?/ dem Feichnen und tausend andern dergleichen Lingen. Man spiele / ooer spiele nicht; fo ms im letzten Falle ein lauterer Zeitvertreib / der nicht das geringste Ansehen eines Lasters hat r im ersten Falle sehe ich desgleichen nicht das geringste Böse/ wenn ich die Sache allein und an sich selbst bctrachte. n , Wenn ich das nieinige einem andern / wem »mrs gefallt / blosserdmgs und ohne einige Bedingung versprechen und hingeben darf 4); warum sollte mir nicht er« taubt feyn/ eine gewisse Summe auf dm Fall zu versprechen rind zu geben / wenn jemand glücklicher oder geschickter seyn sollte, als ich / in Ansehung der Würkung gewisser Bewegungen / derenthalber wir einig worden sind? Und warurn sollte dieser Mensch nicht die Frucht seiner Geschicklichkeit oder der günstigen Zusamnienstimmung zufälliger Ursachen billigmäßig geniessen/ da ich auf den Ausschlag derselben eine gewisse Verbindung auf meiner und ein damit verknüpftes Recht auf seiner Seite ge- fetzet? Wenn so gar nur einer von bepden Thülen Vortheil Haden könnte/ so wäre nichts der Billigkeit Luwiderlauffendes darin zu finden / sofern ihr beyderseikiger gebührend gemachter und geschlossener Vergleich es also mit sich bringt. Ein jeder kann nach seinem eigenen Belieben ein gewisses Recht / das er dem andern giebt und vermöge dessen der andre dieses oder jenes von ihm fordern kann/ an eine gewisse Bedingung/ an eine gewisse Begebenheit binden/ die ihm gefällt/so zufällig sie immer sey b). Mit noch viel stärkermGrunde kann man ohne Ungerechtigkeit den Gewinn ziehen/ den man alödenn erhalt / nachdem man gewagt hat / eben sowohl zu verliehren/ als zu gewinnen. Mit einem Worte / das Spiel ist eine Art des Contracts; und in jedem Contraet/ in jedem Vergleich ist die Bewilligung beyder Theilen dasHaupt- gesetz. DaS ist eine unleugbare Regel der natürlichen Billigkeit. Man stehet auch in der H. Schrift nicht das geringste Verbott der Spielen/ weder das sie schlechthin untersagte / noch durch dessen Folgen sie aufgehoben würden. Es geschähe durch einen gewissen beiligeii Betrug/ daß ein zu Bekehrung der Heiden in die Morgenländer verschickter Jesuit den Urheber der Psalmen sagen ließ: wohl dem, der nicht sitzet c) / da die Spieler sitzen / an statt daß die Grundsprache und selbst die gemeine lateinische Uebersetzung sagt / da die Spötter sitzen. ES scheint <0/ di« alten Juden haben ganz und gar nichts von dieser Art der Ergötzungen ge- _________________________________________________wußt a) La Plucette traue des fax de Hasard Chap.PI. b ) Pnfe»d. de /. W. CS G. Lib. Ufa C,8, c) Psalm, I.r» dj_ GLwdt Fleurj Äfattrj des /fafaitcs CtXPj/.p,i j q, • Dienstag den rzte« Aug. tyx JMO davon der Name so gar sich nicht einmal im alten Testamente findet; und mall konnte auf dis Gedanken verfallen, das ft» vielleicht die Ursache / warum sie GOtt zu verbiethtn nicht vor rachsam befunden. Allein nachdem dieses Volk seit der Zeit dcrBabvlomlchen Gesängniß überall verstreuet worden / lernte es spielen von de« Griechen und Rymern ; die deswegen von den Rabinen -) beantwortete Gewisfensfragen/setzen dieses zum voraus; unterdessen sagen wederIEsus Christus/ noch die Apostel / deren Gebotte mit keiner Erduldung einiges UebUs vermischt waren / das Sermgste wider das Spiel. Es ist nur eine einzige Stelle in dem ganzen neuen Testamente/ wo man einige Spur voir dem Begriffe des Spieles gewahr wird; überdas ist es nur ein in uneigentlichem Verstände gebrauchtes und von Glücksspielen hergenom- mene- Wort/ welches / wo b) cs im übelen Verstände genommen wird/ allerhäch« stcnS den Mißbrauch des Spieles verdammt. Wenn man in einigen gemeiner? Uebersetzungen ein Wort c)j dessen sich der H. Paulus bedienet/ durch spielen giebt/ so ist eine gewisse Zwevdeutigkeit schuld daran/ oder vielleicht wußte man den ganze« Umfang der Bedeutung des Wortes im Grundtexte nicht/ das in gegenwärtigem Falle Tanzen heißt/ wie man diefes anderswoher sieht / nämlich aus der Stelle des alte» Teltamentö d) / daraus der Spruch genommen ist. Aus diesem gänzlichen Still- schweigen der H. Schrift nebst allem dem/ so ich bisher gesagt habe/ kann man meinem Bedünkm nach mit Gewisheit Schlüssen/ daß das Spiel an und vor ftd) selbst/ und so fern es nicht misbraucht wird / eine ganz gleichgültige Sache fcy. Folgend- Veränderungen feynd feirhcr kurzem alihicr vorgefallcn. Den i sten dieses reißre Der chcmahlige Herr Regierungsrath von Carmens giestr von hier nach Lasse! ab um daftlbsten die Stelle als Dber-ppellarionörach an- julretten. Be» hiesiger Universität wurde Herr M. Phil. Nicolaö Wolffi so allhie« als Lehrer am Pzdagogio viele Jahre mit grossem Ruhme gestanden / als Profello? L.o.& antiquitatum non ^bro Hochsürstl. Durchlaucht allergnädigst ernennet. Bey hiesiger Stadt» Küche wurde Herr Mag. Joh. Schmidt/ ehcmahliger Lehrer am hiesigen Fürst!. P^dagogio und gewesener zweyter Burgprediger/ am 13. Sontage nach Trinitatis/als Stadt»Prediger und Diacunus/feiner Gemeinde öffentlich vorgestellt. Am hiesigen Pzdagogio ftynd nunmehro drey Vacanzen / und werden nach« stms mit würdigen Subjeäis ersetzt werden. ____Bey. *) Seiden de N, (5 G. juxta dtfctpl. Hebr, Leb. VI. C. 11. Hjde de Lud. Orient. Lds- 11.?. Hl. b) Ephef. IV. 14. ' c) ,M griechischen xa^v 1. Cor.X y. J. Georg, Grey. Leihe». Heßod. C, XIX* d) z.B MdfXXXll. 6.i?t I7x Giesser Wochen-Blarr/ Num. XXXIV. Bey hiesiger Stadtschule wurde Herr Joh Conrad Euler/ als Prxceptot Primarius durch ein gnädiges Dccrcc vorgestellt. Bey hiesigeni Stadt Magistrat wurde an die Stelle des verstorbenen Hrn- Schöff Georg BalthasarWullmerehäuser / der Spitalverwalter/ Herr Ioh. Conrad Müller / und an start des verstorbenen Herrn Schoss Schenck/ Herr Philipp Moritz Schibber/ zu Schüssen erwählt. In dem fechzehner Rath wurde die Vacanz durch Hrn- Georg Balkham fer wullmershäustr den jungem ersetzt. Den roten August betrat Herr Ioh. Christoph Pistor/ aus Giessen/den juristischen Catheder und vertheidigte ohne Vorsitz eine von ihm selbst mit vieler Vele* senheit geschriebene Probschrist de concurfu «dentis & Ccflionarii, fecundum diver- la. iuris Romani principia Sc ufum Hodicrnum forenfem. In Dem ersten Abschnitt wird diese Materie nach dem Römischen Rechte ausgeführt / ehe die afliones uules eingeführet waren; In dem andern Abschnitte aber/ nachdem solche aufgekommen/und nachdem heutigen Gebrauch in Deutschland. Den h. dieses wurde He>r pistor von dem zeitigen Dechant löbl. Juristenfacultat/ Herrn Cantzley'vire lk- Alb. Df. alb. Pf. i. Achtel Korn • r 20 x.ft. Ochsen,Fleisch # r 4« auch • 3 1 - Kuh-Fleisch ♦ 2 - - Gersten » 2 $ • - RindrFleisch * z — — Weitzen « * s IO « - Kalbfleisch ♦ i 2 i. - Hasser ♦ - X V e - SchweinemZleisch 1 X - tt> geschählte Gerste ♦ • I. • - HammesiFleisch 2 4 — kleine Gerste • I. 4. - Schaaf.FIelsch » I 6 x. Messe Erbsen - ♦ 14. i ♦ i x. Id. Butter * » 4 4« - - Linsen ♦ * S »4- 1 4 | 5 Eyer - » 2 Dieses Wochenblatt wird alle Dienstage allhier bey dem Verleger Johann Philipp Krieger Den Herrn Prxnumeranten ausgeliefert / man kan auch die von vorigem halbem Jahr bereits herausgekommene Stück- » i. 0. noch erhallen/ jede- Stück aber wird einzeln vor z. kr. abgegeben.