Vttsser Doch en'Malt, Num. XL VH. Dienstag den 24. Novembr. 17^0. h|4 •Pj W M. ■ij w 6- ■ßLi^ - ist an den Verleger eingesandt worden/ mit der Bitte/ cs INS Wochenblatt einzurucren. Wiewohl nun die Philosophie über die Seelen des Vie- hes theils nicht redermanö Werk ist; rheils zur Elüekseligkeit der Menschen wenig beytrügt: so hat man dennoch gegenwärtiges Gespräch allhier einzurücken aus der Unach beliebet / damit neubegierige und in dergleichen Sachen wenig unterrichtete Leser erfahren mögen / waö für Gedanken einige sich davon machen. Es ist kein Wunder/ wenn in solchen Dingen/ darinnen Mutbmaffungen Platz gelassen wer- cn S/^schiedencr verschieden sind. Der unbekannte Herr wird daher eben so wenig jemanden feine Begriffe aufzu- linmSt ?ötV atoen,d n>lr uns verbunden hallen/ bei) dieser Ge- un-n Gedanken über die Seelen der Thieren zu eröfnen/ oder zu melden/ in welchen Stucken wir mit dem Hen n Verfasser einig oder uneinig sind. ' - " •• -Agg Mss 21 W ich emstmalen in der stille" E'sa^keit meine Gedanken auf mich fck>n-K richtete/ so wurde ich ^wayr/ daß irü-wirklich einen Cör, >-'w vatte/ und derselbe nicht/ wie ich mir ehedem einbildete/ in leeren Gedanken bestehen könne. Die Kraft zu denken/ mir wel- K .AT. • d),cr >ch mich begabt sähe/ legte mir den Schluß in den Mund: du kannst aus Ferner blosen Materie belieben/ sondern es muß in deinem Leibe/! den du fühlen und betasten kannst/ und dess.n Gebrechen du mehr als zu viel gewahr wirst/ ____ _____________ noch mit Hochfürstl. Hefsettdarmfkädtrsthcr gnädigsten Erl.aubniß. Gespräch eines Mohren mit einem Affen. * JAf Pf 1 IT Gresser Wochen--Blatt / Hum. XsiVll. noch ein besonderes Wesen wohnen/ aus welchem diese Wirkungen/ so die Kräfte eines Cörpers weit übersteigen / herfliessen. Es war mir bey diesen Gedanken ganz bange. Bald rechnete ich mich unter Die Hofen Cörper? bald wurde ich auf einmal in einen Nofen Geist verwandelt. Mein Gemürh/ so zu keiner völligen Gewißheit gelangen konnte, war voll Unruhe. Ich fassete Den Schluß? mich ins künftige nicht wieder in diese Materie einjulassen/ sondern vielmehr in einem belaubten Walde an den wilden Thieren/ (so sich an ihrem blossen Daser-n vergnügen) mich ein wenig zu ergötzen/ in Der angenehmen Hsfnung Die Zufriedenheit von ihnen zu erlernen. Kaum hatte ich etliche hundert Schritte in demselben zurück geleget? so erblickte ich in der Ferne/ unter dem Schatten eines Dickbelaubten Baumes/ ein Geschöpf/ welches allerlei) wunderliche Stellungen machte. Ach verdoppelte meine Schritte/ und da ich näher herzukame/ so wurde gewahr / daß dieses einem Menschen ähnliche Geschöpf ganz traurig war. Ich stutzte/ und wüste nicht/ was ich aus ihme machen/ und ob ich es anreden solte. Das Thier sähe mich mit unverwandten Augen in meiner Bestürzung an/ als wolte es fragen/ was fehlet Dir? Endlich fassete ich das Herz/ amd sagte zu ihm: nehme mir es nicht übel / daß ich mich Deiner Person und Standes erkundige/ da ich sehe/ daß Du mit eben solchen Gliedmassen Der Sinnen/ als ich / von der Natur verftben bist. Wie heissest Du / wo kommst du her/ und was ist dein Geschäfte in diesem Gesträuche? Das Thier bezeugte sich auf meine beherzte Anrede ganzffrölich/ und antwortete: mein Herr/ da ich das erste mal dich in meiner Einsamkeit zu sehen/ das Glück habe / und aus deinem freundlichen Zuspruch erken. ne/ daß du als ein Mensch mich arme ßeftie nicht verachtest/ so will ich dir von meinem Stand/ und ganzen Wesen eine vollständige Nachricht mit Dem grösten Vergnügen meiner Seelen ertheilen. Ich bin eine Bertie, mein Nähme ist Aff/ ich bin aus Demjenigen alten Geschlecht Der Affen entsprossen / welche Durch ihre artige Con- duite und lustiges Humeur sich bet) den Königen und Grossen in diesem Lande sehr beliebt gemacht/ und in grossen Gnaden gestanden haben. Daß aber nichts verändere sicher als Die Gnade Der Fürsten und Herren seye/ Dieses haben meine vor etlichen Jahren verstorbene Eltern zu ihrem grösten Leidwesen erfahren. Da sie ihrer treu» geleisteten Diensten ohnei achtet/ blos wegen eines andern Affen/ Der seine Person in etwas besser spielen mochte/ von Dem Königlichen Hof vertrieben worden/ wo sie nun die Noch zwange/ sich mit mir in meiner zarten Kindheit wiederum in diesen Wald iu begeben/ woraus sie sich durch ihre ruhmvolle Geschicklichkeit/die sie sich mit uner# müdetem Fleis erworben/ bis an Den Posten eines königlichen AffenS (oder wie sie nun heissen wollen) eines lustigen und kurzweiligen RathS geschwungen hatten. Hier lebe ich nun in Der Stille/ und denke meinem unerbittlichen Schicksal öfters Mik m< nigsier Betrüdniß nach. Antwort des Mohren. In Wahrheit mein lieber Aff/ Dein Zustand ist Mitleidens würdig. Ma» hatte die Verdienste Deiner Ahnes nicht so leicht vergessen? oder doch wenigstens dich? Dienstag hm Novembr. irfe» 971 rvegm deines aufgeweckten Kopfes und muntern Wesens bey Hofe bebalten/ unh Moen W.Onfchaftm/ derer du so fähig biff/ umerrichten sollen. W ,, .. . Antwort des Affen. Eben dieses ist es mein Herr / das nur so sehr zu Heuen gebet. i* g^ub« gan; gewiß/ daß ich es/ wegen der besondern Gaben/ womit mich die Natur versehen hat/ allen meinen Ahnen würde zuvor gelhan haben/ wo mir dieses Glück wurde zu thell gewoiden seyn. Jedoch will ich nicht wider meinen Schöpfet murren/ mit meinem Schicksal vielmehr zu frieden seyn/ und meinen Beruftgeschäften nach frE\i?i P11Ög,l!n. aöt'n im Tode untergehen / und jum Preisi und kodde» Mmachtigen gan, untüchtig feen! Wahrhaftig du nimmst dir vor MU tu viel her- aus/ und fanff deine Misgunst nicht l-ergen. ' Q . , . Antwort des Mohren. l.in ÄÄ'Z L ~ . n . „ Antwort des Assen. Du irrest/ mein Herr/ nehme mir es als einer Beflie nirhf am cyjäh verstorbenen Großvatter, (der ohne Ruhm zu melden/ eben ke n Narr nSS ES? jum öftern gehöret/ daß einstmalen bey der königlichen Tafel/ wobey er di?Aufwa^ tuug hatte/ von vielen SZBWfen sey MwVwÄto&ftwSta Aaä r Men- f72 Gl'esiev w-chM ♦ Blatt/ Nurn. XIVII. Menschen als Thieren müssen einfache Wesen seyn / die nicht wie die Cörper aus Theilen bestünden/ eben deswegen / weilen sie eine Kraft zu gedenken hätten- Wird nun dieses von Leuten/ so die Lehre von der Seele wohl verstehen/ brstättiget/ warum wollen dann Menschen von geringerer Einsicht meine Seele zu einer Materie machen/ die verwesen / verflattern und untergehen soll/ da sie doch auch eine Kraft zu gedenken besitzet/ und eben deswegen ein einfaches Wesen seyn muß/ das unverweslich ist/ oder durch die Auflösung seinen Untergang nicht finden kann. Ist aber meine Seele unverweslich/ bleibt sie ihrer Natur und Wesen gemäß nach dem Tode meines Leibes übrig/ und kann sie auch GOtt nicht vernichten/ ober aus dem Stand der Wirklichkeit in das Land der Hofen Möglichkeit versetzen, ohne daß nicht eine grosse Veränderung in der ganzen Natur aller Dingen erfolgen solte; So wird sie ja GOtt/ der sie zur Verherrlichung seines Namens erschaffen hat/ nicht nach diesem kurzen Leben vernichten/ oder im Schlafe/der ein Bild des Todes ist/ liegen lassen/ sondern vielmehr in andere Umstände versetzen/ da sie bess.r Gelegenheit finden wird/ ihre Kräfte zur Verherrlichung G-vttes zu zeigen/ **) als in diesem/ ansonsten sie G-Otl in dem ersten Zustand wür de gelassen haben. ______ ________ _ Ant- **) Diejenigen/ die über die Seelen des Viehes nachgedacht / find durch verschiedene falschen Gründe zu verschiedenen Irrrhümern veranlasset worden. Einige haben dem Vieh die Seelen glatt abgesprochen; andere haben sie fast über die menschliche erhoben. Jene spracherr: schreibt man dem Vieh cörperlichr Seelen zu/ so stehet selbst die immaterielle Natur der menschlichen Seele in Gefahr / und man kann nicht ausmachen/ ob diese nicht auch selbst ein solcher etwas feiner denkender Cörper sey; schreibet man ihm uncörperliche Seelen zu/ so muß man diese vor Geister/ vor unsterbliche Wesen gelten lassen/ womit man der Religion und dem Vorzüge der menschlichen Seelen zu nahe trätte. Diese beobachteten die Handlungen des Viehes/ und fanden Dinge darin/ die sie nichts anders als einer Vernunft/ und zwar einer aufgeklärten und sorgfältig gebrauchten Vernunft zu zu schreiben wüsten. Nachdem aber, mehr Licht in der Weltweisheit aufgegangcn hat man gefunden / daß die Seelen des Viehes zwar uncörperlich aber dennoch keine Geister sind/ sondern solche einfache Wesen/ die mit einer Kraft zu denken versehen/ welche keinen Verstand imt> daher auch keine Vernunft und keinen freyen Willen in sich fasset. Man schliesset daraus mit Grunde/ daß dieselben nicht mit dem Cörper verwesen/ noch auch bei) dem Tode dieses natürlicher Weise aufhören. Wie es aber nachdem mit ihnen gehen wird/ ist um so mehr ungewiß: je mehr man gestehen muß / daß die bloss Weltweisheit noch zur Zeit den Zustand selbst der menschlichen Seele nach dem Tode zwar mit dem höchsten Grade der Wahrscheinlichkeit/ aber nicht mit völliger Uuwidersprechlichkcit/ die wir hier aus der göttlichen Offenbarung haben/ bestimmen könne. Unterdessen aber ist so viel richtig; weil GOtc alles zur Verherrlichung fernes Nameys geschaffen hat und schält/ so müs- sey auch die Seelen Der Thlere jetzo und in Zukunft zu diesem Ende vorhanden feyn. Dienstag ben r^enNKvembr. 175s. ,7z Antwort des tNohrcn. Fürwahr niein lieber Aff/ du setzest mich durch deine Rede in eine nicht geringe Verwunderung. Ich sehe/ du hast «ine vollkommenere Erkäntmß von deinem Zu« stand/ als ich selbsten von dem meinigen/ und eben hierinnen beschämest du mich vor der vernünftigen Welt. Ich habe bisher im Zweifel gestanden/ ob ich ein blosser Eör- peroder Geist sey/ und diese G-danken waren es auch/ so mich in diesen Wald getrieben. Ich danke Dir tausendmal vor den klugen und traten Unterricht/ uud g'aube nun- mehro ganz gewiß/ daß ich ein Wesen bin/ das aus Leib und Seele bestehet/ dessen Leib im Tod verweset/ die Seele aber als ein unsterblicher Geist übrig bleibet/ uni) von GOtt in eine andere Reihe veränderlicher Dingen wird versetzet werden. Allein mein lieber Aff/ bestimme mir etwas genauer/ wo deine Seele/ deren Unsterblichkeit du so vcst und steif glaubest/nach dem Tode deines Leibes eigentlich hinkommen/ und was vor Verrichtungen sie haben werde/ ingleichem ob sie wieder werde mit einem andern Leibe vereiniget werden? Antwort des Assen. Die Frage'mein Herr/ deren Antwort du von mir verlangest/ ist schwehr/ du sollest als ein vernünftiges Geschöpf dieses besser alö ich zu erklären wissen. Jedoch deinem Verlangen em Genüge zu chun/ so glaube ich/ daß meine Seele/ die ohne einen Leib nicht wohl ihre Kraft äussern kann / wiederum mit einem andern Cörper wird vereiniget werden/ und in demselben ihrer Natur und Wesen auch übriger Umstanden darinnen ffe sich beimden wird / gemässe Verrichtungen haben werde. -Ob sie aber schon in dieser Welt in einen andern Cörper wandern / und sich in demselben präsentsten / oder in einen derer Planeten / so ja nach vieler Weltweisen Meinung Einwohner haben sollen/ von G-Olt werde versetzet werden/ dieses kann ich in dieser Unvollkommenheit eigentlich nicht befhmmen. Ich trage auch deswegen nicht Die geringste Sorge/ sondern bin vollkommen zufrieden mit dem Ort und Zustand/ Den mein Schöpfer vor mich bestimmet hat. Antwort des Mohrett. So wirst du ja/ mein lieber Äff/ nach Deinem Tod in ein vernünftiges Geschöpf verwandelt werden/ da du alsdann bessere Gelegenheit GOlt zu verherrlichen/ zu finden verhoff st. Und wie reimet sich Dann Der Gebrauch Der Vernunft mit Deiner in Ansehung Der menschlichen so sehr eingeschränkten Seele? Aaa r Ank- Auf was Art und Weife sie aber dazu beytragen werden / stehet zu errathen. Wenigstens ists eine anq.-nehme Einbildung/ die Denen gefallen muß/ die gerne alles glückselig sehen machten / wenn man glaubet/ di« jetzt unvernünftigen Seelen möchten Dermalem^ eine/ kleine oder grosse/ Veränderung leiden/ durch welche sie in Stand kämen, von ihrem grossen Schöfer unh Der Quelle alles Guten einigen Begriff zu erhalten. Wer wollte also dem armen Affen nicht zu gut halten/ west.» ek spricht/ er glaube/ was er wünschen würde/ wenn er eö verstünde? »7^ Gr'esssr XVocbtnbtott/ Nam» XLV1L Antwort des Affen. Ich weis nicht was du sagest/ noch vielweniger aber finde ich Ursach/ warum du dir deswegen den Kopf zerbrechen sottest. Erinnerst du dich nicht mehr deiner zarten Kindheit? Sind dir deine Jünglings-Jahre schon vergessen? Ich habe so viel bev mir wahrgenommen/ daß mein Witz undUeberlegung mit dem Zuwachs meiner Jahre gestiegen/ und meine Seele sich in ihrne Wirkungen nach dem Zustand ihres Leibes / den sie bewohnet/ jederzeit gerichtet habe. Ich glaube es wird mit dir gleiche Dewand- niß gehabt haben. Können wir nicht/ was meinest du/ hieraus schliessen? daß unsere Seelen zu wichtiger» Geschäften müßen aufgeleget feyn/ wann ihr nur der grobe Cörper nicht im Weg« stünde. Nun vorhoffe ich aber nach Ablegung desselben einen schöneren Cörper/ zum Wohnhauß meiner Seelen/ von der Güte meines Schöpfers zu erhalten. Ueid warum will man mir alsdenn alle Vernunft absprechen ? Ihr glaubet alle menschliche Seelen befassen Vernunft. Wie kommt es dann / daß verschiedene Menschen als Narren und Thoren gebohren werden/ und auch in ihrer Narr* heit sterben? liegt nicht die Ursach blos an dem Leib/ den ihre der Vernunft fähige Seele bewohnet? Ich glaube/ es hat gleiche Beschaffenheit mit den Seelen aus unserm Geschlechte/ und ist der Mangel des Gebrauchs unserer Vernunft blos in unfern Leibern zu suchen. ♦**) Antwort des Mohreir. Du philosophirest mein lieber Aff/ sehr geschickt vor einen Affen. Erlaube Mir aber noch eines zu fragen. Ist deine Seele der Vernunft fähig. Besitzest du das Vermögen deinen Schöpfer zu verherrlichen. Warum hat dir dann GOtt den wirklichen Gebrauch der Vernunft nicht schon in diesem Leben verliehen? Antwort des Affen. Weil du fragst wie ein Aff; so muß ich dir antworten/ wie ein Mensch. Spricht auch ein Gefäß zu seinem Werkmeister/ warum machest du mich also/ warum machest du ein Gefäß der Ehren ober Unehren aus mir? Genug daß GOkt feine Absichten dabey wird gehabt haben. Genug daß die Seelen als endliche Geschöpft nicht auf einmal/ sondern nach und nach/ den von GOtt bestimmten Grad ihrer Vollkommenheit erhalten können. Wer gelehrt werden will/ muß erst daö A. B. C- Buch verstehen/ ehe er mit Nutzen philosophische Schriften lesen kann. Antwort des Mohren. Ich bin werthes Mitgeschöpf/ vor die gegebene Erklärung deiner Meinung ___ von *♦♦ ) Wir wollen den Mohren allein mit dem Affen fertig werden lassen; weil wir bisher an ihrem Diseurs keinen Antheil genommen. Sonst ist die Frage: ob die Seelen des V'ches so kräftig sind/ daß sie alles thun könnten und würden/ was eine menschliche Seele tbut / wenn sie in menschlichen Cörpern wohnten? und noch eine Frage: ob auch die Seele eines Viehes mit einem menschlichen Cörper vereiniget schn könne? Wenige werden zufrieden seyn/ wenn man mit ja antworten wollte, : - , Dl'enlkäg dm 24ten Novemdr. i7fa. 37f bsn deinen Zustand dir höchlich verbunden. ES wäre zu wünschen/ daß die Menschen/ und sonderlich Wellweise/das Wesen und die Natur eurer Seelen/ ja die Seelen der Geschöpfe überhaupt/ so wir Bestien nennen / besser untersucheten/ als bisher» geschehen und entdeckten/ ob das wahr oder falsch ist/ was du dir/ vielleicht aus Eigenliebe/ die ich dir nicht übel nehmen will/ einbilvest: man würde gewißlich alsdann nicht so unbarmherzig mit ihnen umgehen/ als zuweilen von unbarmherzigen Menschen zu geschehen pfleget. Ich wünsche und gönne dir alles Gute/ und gratu- lire zum voraus zu deinen» glücklichen Avancement nach deinem Tode/ wann du dessen theikhafkig werden solltest. Der HErr so beyde Menschen und Vieh hilft/ erbar- nie stch aller seiner Geschöpft. Von der Gesellschaft. Aus dem eugllscheir des John Halft übersetze. Der Mensch ist ei» von der iXatur »um Umgang mit andern bestimmtes Geschöpf. Einige rechn« er zu einer allgemeinen Darrung/ weiche wir Dekaimrschafi nenmieii; andre zu einer besöns bern und Mauern / und diese nennen wir Freunde. Auf gleiche Weise wollen wir unsern Dorrraq emrbeiicn. 2Bn# die ersten a»betritt/ so werden euch solche Vorkommen / welche von den Lastern der« masten verstellet sind/ daß sie allein die äussere Bestall von Menschen übrig haben. Diese muss tihr werden/ es koste was es wolle,- und wen» die Belegenheir ench zu ihnen nörhrget/ so wend« alle Sorgfalt an bedenkend/ daß sich das Laster auebreitet und bey eurer verdorbenen Natur leichtern Eingang sind« als die Tugend. Zudem ists ein wahres Wo«: Greift kein Pech an/ sonst besudelt chr euch. Lasset die Sittsamkeit eurer Aufführung solche stille Skrafreden wider dielenigeil halten/ welche deUnrugend lieben/ daß ihnen das 43er$ benommen werde/ nach eurer Freund» schäft zu trachten/ die sie von selbst nicht verlangen/ wenn sie die entgegengesetzte Tugend sehen. Sin CarfemFei scheinet durch/ wie sehr man ihn bedecket/ und Tugend wirst ihren Glanz von sich mitten durch manche Uavolltommenhe'ten. Der das Laster ist triefäugig / und kann nicht vertragen / daß man es mische/ sondern verlangt zurück zu weichen/wie des Antonius Genius that vor dem Lugustu«. Die von verschiedener Religion find/ moaeu durch den Handel/ die Hosimng der Bekehrung u. s. w. in Gesellschaft erhalten werden. «36er äusser diesen Einschränkungen könnt ihr an ihren Irr» thümern al- an einer Leirnrulhe/ kleben bleiben/ und die Wahrheit vor einen Freund lassen / wel» ches ein harter Tausch wäre. Die Gesellschaft vornehmen Frauenzimmers ist dem Schatten eines Linbenbaurns gleich/ welcher sehr angenehm' obgleich der Baum unfruchtbar ist/ und die Blätter vom Geschmack wie Giffr. Andre Gesellschaften sind schwerlich so gefährlich. Doch weil der Menschen Gemüther so ver» schieden find/ als ihre Gesichter/ so ist eine gefällige Aufführung nöchig (denn ein Mensch von mürrischen» Narurell hemmt gleichsam die Bewegung der zum Leben erforderlichen Tbeilen der Gesellschaft) und dieses war «was unvergleichliches am Llcibiades/ welcher sich in die Neigungen so mancher Völker schicken konnte/ zu deren Umgang ihn sein veränderliches Glück zwang: wie auch fcr» »er eine durchdringende Scharfsinnigkeit in Entdeckung der Beschaffenheit andrer/ sie sey gut oder übel/ oder mit der eurigeii uneinig; wie auch um zurück zu ziehen/ wenn ihr euch versehen/ damit ihr/ wenn ihr keinen Freund gewinnet/ keinen Feind bekommt. Denn wenn er nicht würdig ist/ lener M seyn/ so ist er im Stand/ um dieser zu seyn. Aber wenn ihr Gaben findet/ aus denen ihr Ersah» tung ziehen könnet/ so gewinnet/ so viel ihr könnet/ und bemüh« euch in dem am meisten zu lernent wo ihr den großen Vorrath findet / und darin der andre gemeiniglich am offenherzigsten ist. Aber thut ee aus eine wlche Weise / daß er euch nicht entdecke; forsch« ihn aus/ aber übereilet es mit solchen kurze wetiigen Drehungen in der Rede/ daß er schwerlich merket/ es feveuch Ernst, Denn sonst möchte Dieses Wochenblatt wird alle Dienstage allhier bey re» Verleger Johann Philipp Krieger bei, rzerr» pl-numcr-nre» ausgeliesert/ ma» kau» auch rle von vorigem halbem Jahr bereits berausaekom» mene Stücke ai.fi- noch erhalten/ jedes Hück aber wird einzelzi vor;. fr. ab-ezebe». 3 z?L i Giesser w-ehen-Blatt/ttum. XLVIT. re er anfangea auf euch Acht zu geben/ und mehr an sich zu halten. Wenn et» Mensch im Ernst ist/ so ist er auf seiner -Zurh und hält Wacht; im Scherz ist er wie ein ofuer und irnverwahrrer Ort. Dieses ist eine ehrliche und rortheiihaftc Evitzftpidigkeit und durch diese Anfführimg könnet ihr zuweilen das in einer Stunde herausscherzen / was ihr in eiiicm Monath nicht würdet herau-ge- «!bettel haben. Wenn ihr mit mehr zurückhaltenden Gern sichern zu trmi habt/ so werdet ihr (le auch gemeiniglich auf eine titele Weise ruhmsüchtig fiilden. Lasset diese merken als achtet ihr ihre Qdcb den so hoch/ als sie selbst/, so ist ihr Wunsch eifiifft; Aber nicht auf eine fchmeichlerisihe Art / son» der» als rührte eure Achtung von der Einsicht und den mit Bedacht gemachten Beobachtungen her; so werdet ihr sehr selten eure Zwstchr verfehlen. Zuweilen triff« ein / mit Silber beschlagene Pfeile stechen dllrch die beste und bewährteste Har. ni'che. - MeisteotbeilS treibt der Geltz die Leute um mit greffem ^kiffc sich um Erkenntuiß und Nach» richten zu bekümmeru und zu Zeiten kann die Noch machen / daß man bey ihnen ankomnit. Ueberhaupt seyd ans Nutzen bedacht/ in was für eine Gerllschaft i6r kontmt. Manchmal körn net ihr kostbare Nachrichten von schlechte» Personen erhalten/ und Materie zum rlachSenken auS denr Munde des bittren nehmen. D nn ei» guter starker Magen kann grobe Speisen in eine gute Nahrung verwandeln, galtet eure ISssrnlichkeiten wohl verschlossen/ und bekümmert euch nichts um die eines andern. Aber die man euch anvertrauet hat / bewahret als eia Oeiligchum. Der Weiseste unter manchen andern vortreflichen Menschen sagt Bock» chiuf», occhi apeni (verschlossener Mund und ofue Augen) und weil die Natur einen doppelten Zaun um die Zuuae gesetzt hat/ so erweitert ihr denselben nicht. Denn ihr habt schwerlich ein ander Glied/ das so mächtig ist/ euch in Unglück zu stürzen. 2rettet die Gebrechen andrer nicht mit Füssn/ sondern verberget sie beschei. reinlich/ und sehet euch wohl vor/ daß sie nie der Vorwurf eurer Spötterey fi-yn. Meldet iedermans Tugenden weitlauftig und ohngezrvungen; seine Laster aber gar nicht/ oder sehr sparsam; oder/ »wmi ihrs tbut / ihm selbst mit aller Aulnchligkeit und Bescheidenhekt. Ihr werdet dieses als einen so feinen dem Russe gelegten Fallstrick beffnden/ als ihr einen erdenken könnet. Seyd immer argwöh» uisch über die/ mit denen ihr zu thun habt / und vertrauet ihnen nicht mehr / als ihr leiden könnet/ daß sie offenbare». Wenn ihr anders thllt/ so gebt ihr ihnen Waffen wider euch in die Hande/ wen» sie