Mcffcr Mochcn-Vlakt, Num. XII. Dienstag den 24. Martii 17JO. tTfic Hschfürstl. Hestendarmstädttscher gttädrgstett Erlau bmß. Von der Bitterkeit des Todes und den Mitteln diestlbige zu lindern. i'r haben diejenige Woche angetretten / in welcher wir lindes Todes unsers Erlösers feyerlich erinnern / durch den un< unser Tod in dm Weg zum ewigen Leben verwandelt wird» ES ist also billig / daß wir recht erwägen/ wie groß die Wohlthat fty/ die uns wiederfahren ist/ und daß wir mit solchen Gedanken uns jetzo beschäftigen/die der Zeit und dem Umstande gemäß sird. Manhatohnehinvi len Vorcheil davon/daßman öfters an de» Tod gedenket; warum fbltcn wir nicht bey Gelegenheit des LcydenS Christi uns Ofl unsren über kurz oder lang bevorstehenden Abschied auS dieser Welt erinnern / und da» beo mit dankbarer Freude überlegen / daß G-Ott die unbegreistiche Gnade vor uns ge, habt hat/ unfern Tod so erträglich / ja so angenehm zu machen ? Lasset uns demnach bedenken/ warum der menschlichen Natur die Trennung der Seele und des Leibes so bitterund entsetzlich seye/ und zusehen/ wie weit die Vernunft diese Furcht mäßigem könne / zugleich aber auch die Unzulänglichkeit ihrer' Mittel verstehen/damit unsre flierbe/ in dem Blute unseres Seeligmachers Trost zu finden/ brennender werde. Viele Menschen hängen ihr Herz an den Goldklumpen; alles ihr Vergnü» am bestehet darin / daß sie ihre Geldhauftn umkehren und in dem Register Nachsehen/ ‘ M - wer jo Gresser Wochenblatt / Nurn. X1L wer jeden Tag der Woche seine Zinsen zu bezahlen habe. Andre lieben titele Ehre ü- der alleS; ein hoher Titel / ein grosser Rang / der Umgang mit Mächtigen / das Recht Geringeren zu befehlen / und die Schuldigkeit diese?/ sich vor ihnen zu demüthigen und zu ihren Füssen zu legen / sind die Glückseligkeit / welche sie zu erreichen und ewig zu besitzen trachten. Noch andre sind Freunde von Lustbarkeiten rGastereyen/ Tänze/Spa- tzierfarthen und andre Dinge / die man nicht gerne nennet / sind der Zeitvertreib / den sie ohne Ende zu geniessen wünschen. Bey den Aeunden/ Aeltern/ Ehegatten/ Kindern ist man gerne/man sorget vor sie/ und meinet/ wenn man nicht mehr bey ihnen sey/ so giengcn sie zu Grunde/ und sey niemand vorhanden/ der sich ihrer annehme. Der Tod aber zwinget uns alles dieses zu ve. lassen; er entziehet demGeitzigen seine Thaler und Wechselbriefe; er wirft den Hochmüthigen in den S.taub unb macht ihn dem geringsten Bauren gleich; er stößt den Wollüstigen in ein sinstreö Loch und beraubet ihn aller seiner Ergötzungen; er reisset uns aus den Armen unsrer Aeltern / Gemahlen / Kinder und treibet die Freunde vor ewig von unfern Augen hinweg. Wie solte uns der Gedanke einer so widrigen Veränderung m'cht gräßlich und entsetzlich feyn? Alleine in der That würde uns der Abschied von allem nicht so sauer ankommen/ wenn wir uns nicht so sehr darein verlieb.ten. Wenn ich etwas nicht übermäßig hochachte; so mag es verlohren gehen / und ich gräme mich deswegen nicht sonderlich. Wollen wir also / was den gegenwärtigen Punkt bctrift/ den Tod nicht selbst schwerer machen / so müssen wir von Tag zu Tag mchr lernen / vergängliche Sachen mit einer billigen Geringschätzung anzusehen/ und dazu gelangen wir / wenn wir uns so wohl vorstellen/ daß wir sie nicht ewig behalten können/ als auch ihre Beschaffenheit und Natur recht erkennen. Denn so bald man sie recht erkennet/ so begreift man / daß sie nichts sind und keines weges verdienen/ daß man sich über ihren Besitz freue/ oder ü- ber ihren Verlust gräme. Wir erinnern uns manchmal einer gcwisten Einbildung/ die uns in unser Kindheit die gesetzte Jahre sehr traurig abgemalet. Wenn wir unser Wägelgen ansahen/das wir in dem Zimmer herumzogen; so dachten nur: was ist es doch ein betrübtes Ding um einen erwachsenen Menschen ? denn diese Leute haben keine Wägelgen/ darin sie Puppen setzen / und haben lauter traurige Vergnügen an einem ernsthaften Gespräche von Dingen / die nicht lustig sind / an einem Glas Wein/ das sie nicht erst selbst aus den Beeren spielend in ein klein Schüsselgen drucken/ u.s.w. Nachdem wir in diese eckelhaft eingebildete Jahre gekommen sind/denken wir dagegen: Was war doch das vor ein elendes Vergnügen/ das wir ehedem an nichtswürdigen Dingen hatten; ists möglich daß eine vernünftige Seele von Anfang so niederträchtig seyn kann / daß sie mit solchen schlechten und verächtlichen Possen sich aufhalten und Freude daran habe. So oft wir uns dieser Veränderung unsrer Neigung erinnern/ machen wir uns die Rechnung ; so wirdö einmal im Tode gehen/ was wir jetzo mit dem grösten Widerwillen verlassen/ das werden wir hernach vor so gering und klein erkennen / daß wir uns schämen werden/ ehedem etwas daraus gemacht zu haben. Ja tw Tod jst ein Ende alles Übels. Krankheit/ Mangel nnt> alles/ was einen jeden drucket/ Dienstag den 24-0« Mart. 17 s». ff drücket/ wirb durch denselben von ihm hinweg genommen / unb das Gute/ so er mit hinweg nimmt / bestehet in Spielsachen/ warum solle man denn deswegen sich so sehr vor ihm fürchten ? Freunde und Angehörige wird GOtt schon erhalten/ bis sie zu ihrer Zeit der Welt auch gute Nacht sagen. Ihr Leben und ihr Glück hieng doch von G-Ott und nicht von mir ab/ ob ich also da bin oder nicht / so wird er einmal vor sie sorgen / wie daö andre. Hat er ja schon so viele Wittwen und Waisen ernähret / so wird er meine nicht allein Hungers sterben lassen. Der Cörper/ den wir bisher belebet haben/wird nach unserem Hintritt eine Speise der Würmer. Der gute Freund unsrer Seele/ der an Freud und Leyd derselben ganz gleichen Antheil nahm; der Liebling/ auf dessen Verpflegung die meiste alle ihre Gedanken richten /wird von uns geschieden/wird in eine einfame und traurige Höhle gesenket/ muß zu Staub und Asche/ zum Raube ftäßiger Thieren werden. M das nicht ein alles Abscheues würdiger Umstand ? =0 nein I Denn mein Cörper gehet zu der Zeit / da er so unglücklich ist/ mich nichts mehr an. Wir können ihn nicht anders betrachten/ als einen Rock/ den wir auSgezogen haben. Denn so lange dieser uns bekleidete/ stunden wir in grosser Verknüpfung mit ihm ; ein Schlag / der ihn traf/ verursachte uns Schmerzen; das Feuer/ so ihn brcnnete/ brennete uns auch u. d. z. So bald wir ihn aber abgelegt / mag man ihn prügeln / ohne daß es uns Wehe thut/ unb brennen/ ohne baß wir versehret werben. Gerade so verhält sichs mit dem toben Cörper; wir schen nicht mehr aus seinen Augen / wir hören nicht mehr mit seinen Ohren / und bedienen uns ferner keines seiner Glieder/ wie vorher geschehen ist. Liege also/ du ausgezogener Rock/ ich habe mit dir keine Gemeinschaft mehr/ unb frage folglich auch nach allem dem nichts / was dir nunmehr begegnet. Der meiste Haufe hat von der Unsterblichkeit der Seelen keinen ächten Begriff ; einige läugnen sie wohl gar/ ober ziehen sie wenigstens in Zweifel; fast alle denken zu der Stitnde / da ihnen der Tod einsällt/ nicht an dieselbige. Wer die Seele vor ein vergängliches Wesen/vor eine verfliegende Kraft des Leibes ansiehet/ der muß frepüch denken, mit dem Tode sei) alles aus. Das Daseyn aber ist doch etwas angenehmes/ wenn es einem schon hinderlich gehet. Man mag doch gerne die Welt mit ansehen / ob man gleich keine grosse Figur darin vorstellen kann; wann man schon voraus weis / daß man neuen Kummer und Elend alle Morgen ßndek/ so ist es doch etwas süsseö / daß man vorhanden ist; folglich ist es über die Maassen verdrießlich/ guck der Zchl der wiiklichen Dingen hinaus gestossen / unb in ein Nichts verwandelt zu werden. Allein eine blosse aufgeheiterte Vernunft entdecket/ daß ob wohl bei Tod im Stande ist / den Leib aufzureiben unb ihn dem Moder zu übergeben; so sey doch die Seele ein unverweslicher Geist/ der durch nichts / als durch die Hand dessen/ der ibn gemacht hat / wiederum vernichtet werden kann. Cs ist falsch / daß mit dem Tode alles hin ist; die Seele sondert sich ab von dem / das dem Untergangeunterworfenistund lebet in Ewigkeit. Sind wir also/ wie billig ist / Liebhaber von der Gegenwart im Reiche der Wirklichkeit/ so haben wir deswegen nicht Ursach vor dem Tode uns grau- ® * m Gresser Wochen-Blatt/ Num« X,L tn tu kaffen/ als welcher uns aus der Welt hinaus zu jagen nicht vermag. Zweifelt man/ oh diese angenehme 1>ioplrezeyuiig von dein Uebrigbleibm un* (eri Geistes ihre völlige Richtigkeit habe; foift man mchk Ml besser Dian / als wenn man sie ganz ich lau in t. Denn man schwebet beständig zwischen Furcht und W- nung/ und muß ar f ein Mit Ängst begleitetes Gerathewobl hmsahren. Man denkt: trift© ein ; so f ll innS lieb f vn/ und werde alSdenn wü scheu / rag ich / vielen Äunu mcr zu.spahren / es rO; her sicher gewust hätte: Tufts aber nicht ein ; 0 W h. 1° n«> vorher nrit mir / und ich darf mr nimmerm hr versprechen / das Lickt wiederum zu ei- blicken; D>e Zeir wn.ts kehren und/ wie ich fürchte / zeigen/ daß man sich vergehens ttuf em zweytes Leh n qespitzet. Es '(t hier nicht -Kaum / daß mir uinHn einen um« fidnhltdxn und un>vi begnügen: Man überege alles / was man von dem Wesen / daS in uns denket/ aus der «Lrfchrung und durch vernüi siige Schluss« weis / man lese von dieser Sache geschriebene gu e Bucheit um Gründe zu bekommen / wodurch man sich aus dem schwermüthigen Zweifel reissen kann; Hauptsächlich aber überzeuge man sich aus dem untrüglichen Worte GDtles von der Wahrheit disseü wichtigen Satzes; so wird man alsdann desto getroster Ne ptun« ye erwarten können/ in welcher Die Erfahrung unfern Glauben bekräftigen und osten* baren wird/ wie es nach unserm-Eintritte mit uns beschaffen i|L Eo ist etwas verwe« genes/ was wir bey Gelegenheit dieser bcyden leiten ungegrünteten Ursachen der durch kaum angeführte Embudungen eilckro» ckcn lafien. Gesetzt/ mit dem Tode habe alles ein Ende. Lieber / warum suickteirvu dich denn davor ; ES wird Dir alsdenn zwar nicht wohl/ oder auch nickt übel leim. Wenn es dir denn solchergestalt rüchr schlimm g hen wird / was ists denn / das v«y hindert/den Akhem mit zufriedenem Germithe ausz-ablafen? Der Tod wird von nicht wenigen für einen langen 'Zcklafaehaüen. Dergle'cken teure/ obste gleich behaupten/daß die Seele nicht mir dem Leibe vergehe/so sktzuisiesoch oresel» he liege in einer völligen Unempsindlichkeit / ohne |id) ihrer betvull zusepn/undsey lsoehen K) /als wcnsie gar nichtwä/e-Diesis Ni ein falscher Bear'ffvon der Untre buch! eit/denn rer« wö'e dieser/mußunser Geist nach der Absonder uug von dem Leibe fortfahren zu de> re und zu w ü n/daß er vorhanden und in diesen oder jenen Umständen ist. Freviick wird ihn dn g'vs» fr Vv ander unq eine Heine 3 'ir betäuben / daß er sich nicht d n ersten Augenblick zu ßnd n weis / wie wir bey viel geringeren Vorgängen öfters erfahren ; allein er wird sich do-v bald ermannen und die Rcvhe feiner neuen Vorst Ihr geu aufanaen. Die Vcrftthter des mvähntcn Jrrthums bezichen sich Dai auf Wir sehen täglich/ daß/ tetmi uiifcr Cöiper ohne Bewezung stille da liegt / Vie Seele auch zugleich ohne p'-« bau, . Dienskag dett MäLt. r-fo. danken tmb Empfindung ihrer selbst gänzlich ruhet oder schlafet. Nun aber verfällt der Cörpcc in eine noch weit grössere Unwürksamkeit und wird einem unbeweglichen Stück Stein oder Holz vollkommen ähnlich ; wenn ivir das Leben verliehren. Also muß alödenn auch unsre Seele alles Vermögen zu denken und ihre gesammle würken- Kraft vei lichren. So viel dieser Schluß Schein hat / so leicht wird ihm doch der- ftlbige benommen. Denn die angeführte Erfahrung gehet blos allein auf den Zustand/ da Seele und Leib mit einander vereiniget sind : mit dem Tode aber hört diese Verknüpfung und dadurch zugleich der Schluß von dem Leibe auf die Seele auf. Warum schliessen denn die Seelenschläfer nicht auch so : wenn man den in Rübe liegenden kö' per ki'eipte/ oder sonst harr antastete» so wachte er und die Seele vom Schlafe aufr also wenn mm den to?en Leib aus gleiche oder empfindlichere Weiseangreiffet/ |o mufc fen sie deyde auch muDcrutn erwachen. Wollen sie antworten / man stehet ja/ daß dieses nicht geschehet ; so haben sie zwar ganz recht / sie müssen aber doch bekennen / daß also der zulezr vonmraqene Schluß falsch sey/ und zwar deswegen/ weil man/ was nur vom kbeubgen Cöirer gesagt werden kann/ aus den Toden gnwendst. Damit würgen sie sich leibst ; Denn der vorhergehende Beweis ihrer ungereimten Meinung hat o den den verworfenen Fehler auch an sich. : Damir si b niemand beschwere/ wenn man sagt/ es liege an dem Mange! de- Vegriff.s von der Unsterbschkeit/ wenn er sich den Tod irnr em cm unerträglichen Bilde vorstellet; so ilt zu merken / daß man auch auf diese Weise an diesem Begriffe un* vermei kt fehlet/ wenn man ferner nicht zu rechter Ze,t einged.uk ist. Ich gebe dir zu/ du täuaneft die Unsiei blrchke l nicht/ du zweifelst auch nicht einmal dai an/ du weist auch, daß si' erforv rt/ daß die Seele nach dem Tode sich ihrer bewust ist / denket/ erlanget, der / scheuer n. d. g. Allem merke auf drä) selbst/ so wirst du mne werden ' daß du ju der Zen daraus nicht a l't giel st/ wenn dir der Tod emsallt. Ein Begr-ff nutzt uns a- ber nichts / sondern Wut eben so wel/ als wenn wir ibn nicht hätten / wenn wir unsere Aufmerksamkeit nicht aus ihn wenden. Daher ist es kein Wunder / daß wir den d rosi, den wir aus der Unsterblichkeit ziehen kö-inten zu der Stunde/ da wir seiner bcL'ur» fen/ nicht geni.-ffen/ sondern m der durch dieselbe zu verrreibendcnFurcht beharren / weit wir sie alr denn met>t vor Augen haben / sondern unsie Uederlegunq blos auf den Bor* Wurf unfrer Fürst t rind nicht auf oaö Mnt.t nider dieselbe wenden. Derwegen ist t iefes em nöthier Rarb/ daß man durch fleißige Vorst-llunq der Unsterblichkeit sich eine Geworr keit zu wege bringe/ dry der genn lien Gelegenheit/ die Anlaß geben kann, fist d.rflb n zu bcftnmn/ unD folglich auch sich ihrer jederzeit als emcr Arzeney wlder die unmäßige Todes fürcht zu bed>enen. Evit wichtige Ursache/ die das Sterben entsetzlich macht/ iss tirfer eigner c[ßanD?r. Wenn man fein Leben untersucht - so b sinder man / daß e- mit einer un# pebem en^abl fu dnMnber Sünden bestecket ist Scheidet man mm aus dstsir Welt; so wird man vor Den Rsthtttstuhl des gerechtm und allwiss.ndin GOrteS gesrellst. Da muss MO" Rechenschaft ablegen von einem jeden unnütz n Worte vielmehr von tu oa jeden Visse: hat. SD ft wud der Scaab über uns und m,fte UederlrelluoMr sedro. V # chm 54 Giesser Wochen-Blatt / Num. XII. chen und wir werden alsbald an den Ort/ wo die Strafe an uns soll vollzogen werd« ' gebracht. O ! ihr Berge fallet über uns/ ihr Hügel bedecket uns! Wer hat so ei> gutes Gewissen/ daß er sich dem heiligen Throne des Allerhöchsten ohne Furcht um Zittern nähern könnte ? Dieser Grund ist billig/ und wer weite den / der mit vielen Verbrechen beladen ist / verwegen und trotzig vor dem Angesichte desHErrn überHim« mcl und Erde erscheinen heissen. Eine Raserey wäre es/ wenn man sein Gewissen einschläfern oder vielmehr tödten wollte um diese schreckhafte Betrachtung aus seinen Gedanken zu verbannen. Hier ist kein andrer Vorschlag/ als: thue das und lasse das im Leben / was du im Tode gethan und gelassen zu haben wünschen wirst. Lebe unsträflich ; ehre ©Ott / belevdige deinen Nächsten nicht/ und leiste dir selbst die gebührende Pflichten; mit einem Worte; fürchte ©Ott/ so hast du nicht «iöthig den Tod zu fürchten. Verlassen dich hier die Kräfte der Natur / ängstiget dich der Ausdruck: verflucht ist/ wer nicht hält alle Worte/ die in dieser angeführten Summa aller Gesetzen enthalten sind; so nimm deine Zuflucht zu dem Blute des Heilands/ darin wirst du den Balsam finden/ der allein im Stande ist deine Schmerzen zu lindern. Wohlutis/ daß Christus unser mächtiger Bürge worden ist! Wohl uns/ baß wir durch ihn auö- rufen können: Tod / wo ist dein Stachel; Hölle/wo ist dein Sieg! So reichet denn die Natur bis an den Ort / wo die grösie Schwierigkeit stecket/ und wo sie die kräftigsten Mittel darbiethcn sollte/ da lasset sie uns ohne Hülfe. Sie ftgt »war: sündige nicht; allein sie giebt nicht diejenige Stärke / die erforderlich ist / um ihren Befehl zu erfüllen. Habe ich gefehlet/ so spricht sie: Lasse dirö lepd seyn/ und sündige hinfort nicht mehr; allein sie nimmt doch die Schuld nicht von uns. ©Ottes Barmherzigkeit aber hat einen Rath erfunden / daß uns hier und dort geholffeu wird. ©Ottes Sohn ist von dem Throne seiner Herrlichkeit herabgcstiegcn und hat vor uns dem Gesetze einen vollkommenen Gehorsam geleistet/ er giebt uns seinen Geist/ und macht Leute auö uns/ die in seinen Gebotten wandeln/ feine Rechte halten / und darnach thun; er hat alle Schuld und Strafe auf sich genommen ; unsre Sünde bat er geopfert an seinem Leibe auf dem Holz; wer an ihn glaubet/ der wird nicht gerichtet. Er sprach : Ich will sie aus der Hölle erlösen/ und vom Tode erretten. Tod! ich will dir ein Gift/ Hölle/ ich will dir eine Pestilenz seyn. Wohl allen / die aus ihn trauen ! Wer au ihn glaubet/ der kann nicht allein ohne Furcht Dm Tod sich nähern sehen; sondern der lezte Augenblick seines Lebens muß ihm allerdings der angenehmste und freudigste fev». Lasset uns also diesen Erretter beständig im Sinne haben / damit der Gedanke nnseres Abschiedes uns jederzeit bereit antreffe und keine Unruhe in unsrer Seele erwecke: allein danksaget auch den; Vater / der uns tüchtig gemacht hat zum Erbtheil der Heiligen im Licht/ welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsterniß/ und hat uns ve-setzt in das Reich seines lidwn Sohnes/ an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut/ nämlich die Vergebung der Sünden. Hier Dr'eNstaF den r4ttN I7fo‘. > Hier- war das Ende unserer Betrachtung / als uns einfiele noch eine kurze Erinnerung anzuhangen. S« bestehet darin. Viele Leser werden an diesem ernsthaften/ /a dem Scheine nach betrübten Blatte schlechten Gefallen haben. Diese lieber» legung aber war nicht vermögend uns abzuhalten^ daß wir den Aussatz besonders zur Menwarngen Zeit mittheileten. Denn die vor dieser Abhandlung einen Eckel haben/ sind gerade diejenige/ welche durch dieselbe unterrichtet zu werden nöthig haben. Sie sollen also wissen/ daß diese unangenehme Zeilen ihnen zu Liebe geschrieben sind. O bedachte man doch/ wie Nutzensvoll der Gedanke deö Todes ist/ und sagte die gemeine Worte: memento mori, mit mehrerem Ernst und vollkommener Aufmercksamkeit! Wir wollen uns nicht länger darüber aushalten/ allein folgendes können wir doch nicht umhin mit wenigemanzumerken. Wann man fleißig mit dem Tode umgehet/ so wird man seiner endlich gewohnt- Wie aber alles/ das uns fremd ist/ unfern Geist in heftigere Bewegung bringet und der Einbildungskraft sich mehr bemächtiget; so würket dagegen die Vorstellung gemeiner und mit uns bekannt gewordener Dingen viel gelinder und mit wenigerem Nachdruck in unsere Seele. Den Tod selbst lernen wir endlich von Tag zu Tag mehr vor etwas gleichgültiges ansehen / und wann endlich der Kaden des Lebens zu Ende gehet / so leiden wir diejenige Veränderung/ die wir in unfern Gedanken alle Tage erlitten und auf die wir uns in unserm ganzen Leben bereit gemacht haben. Diese lezte Worte wollen etwas mehr sagen/ denn sie enthalten einen neuen Vortheil von der fleißigen Betrachtung des Todes in sich. Sie sagen uns/ was sonst also ausgedruckt wird: Mensch/bedenke / daß du sterben must / so wirst du nimmermehr böses thun! Gewiß darin steckt eine Kraft / die die Gewalt der sundlichen Begierden mächtig unterdrücken kann. Wollte sich ein Geitziger/ ein Hochmüthiger / ein Wollüstiger sein Tod - Bett / und seinen darauf liegenden zagenden Leib/seinen lezten bittern Kampf/ seinen Leichnam in der Bahre/ und seine Seele vor dem Stuhle der strengsten Gerechtigkeit/ lebhaftig vorstellen; so würde die verbottene Lust nach fremdem Eigenthum/ nach eitekr und durch Boßheit erworbener Ehre und allem andern in einem Augenblick erstickt werden. Er würde also fein Gewissen nicht beschweren und folglich an Die abzulegende Rechnung mit mehrerer Gelassenheit denken können. Zugleich aber würde er alles in der Welt/ das Da vergehet und nicht allein in der Stunde des Todes nicht hilft / sondern vielmehr hindert und quälet/mit einer «roßmüthigen Verachtung ansehen. Ist je Die Natur im StanDe ein tüchtiges Mittel ru der ZufrieDenheit / wovon in Dem vorigen Blatte geredet worden/ vorzuschlagen; so ist es in der That dieses. Dann verzehrt mir das Feuer Haus und Hof; wird mir das übrige gestohlen; wie Noth Darum. Wer weis / ob ich nicht morgen sterbe und doch alles verlassen muß. Fordert GOtt meine Kinder und andre Freunde von der Welt ab / so werde ich auch nicht mehr lange darin bleiben/ und kann ja Die etliche Tage ohne sie ^bringen / bis ich auch |u ihnen hingerücket werde. Stncc» Giesser Wochen-Blatb/ xil Seneca* Stet, quicunque volet, potent Aulae cuimine lubrico:. Me dulci» faturet quies. ^hr Freunde schnöden Glücksihr Feinde der Natur: Dcmübt euch / suchet nur Die Hoheit dieser Welt mit Zittern zu -emelen: Ich lache mit darzu. Mir soll in Mr Ruh UnB sichrer Einsamkeit die Lebens • Zeit verfliesse». Kein grosser Titclkram bethöret meinen Geist / Der nur dir Demut- preiIt / Und diese Eitelkeit / dies schwache Nichts verachtet. Satiren stimm ich an Wan» sich di/Jüngling zeigt/ der blos nach solchen schmacht«. Der sich der stillen Ruh / dem holden Scherz ergiebt KJÄ, ter Settwrt®- Ihn fliehet Sorg und Pein, Ec kann stets ruhig se-n Und |o erlanget er das beste Gluck auf Erden. Tritt dann das Liter ein / das nach der Vorsicht Schluß 8 s sr*Ä ««■ Mii.» «■ «««■ Kein Kluger wird ihn stich»/ Man wird/ um ihi^zu seyn/ recht vor Verlangen brennen. Komme endlich gar der Tag/ der allen Kummer legt; So bleibt er unbewegt/ , . . -Und bebt und zittert nicht vor lenen Ewigkeiten- Das küustge ist bestellt. Der Geist verläst die Welt: - . Man sieht ihn Melden gleich die Todes Furcht bestreue». zSienstsuchendc. ,. Siu junger Mensch von n Jahren seiner Proseßion ein Schneider/ welcher einige Zeit m der Fremde gewesen/ kann rechnen und schreiben/ verstehet Frißircn und Peruquen accommouren / fu» chet einen Ferrit. _____ _ *"• * Dieses Wochenblatt wird alle Diensttage alihier bey dem Verleger Johann Philipp Krieger denjenigen, so auf ein Jahr mit z. st. oder auf rin halb Jahr mit 1. st. prxnumeriret, rugesendet; auch wird das Stück einzeln vor kr. abgegeben. 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