Messer Mochtil-BlakN Num. 7IH. Dltnstag den 2,4. R ruarii 17 mit Hochfürst!. Hesscnd.rrmstädtr' per gnädigsten Erlaubttiß. Ern vornehmer Freund hat uns nachstehende Ueberfetzung eines Briefes aus Venedig zu gestellt , welche wir auf dessen Verlangen dem geneigten Leser mittheilen. Mein Herr: Ch bin vor einiger Zeit so glücklich tzewesen/ von einem al- ten weisen Engelländer etwas von dem philosophischen Schnupftoback zu bekommen / welchen ein grosser Cartrsia* ner ehedem erfunden/ und öfters gebraucht hat / um seine Seele auf kurze Zeit vom Cörper zu trennen / und dadurch die wahre Gedanken der Menschen zu erforschen. Ich kann Ihnen die Versickerung geben mein Herr! daß ich schon viel wunderbare^dadurch entartet habe. Sie sollen jetzt eine Probe davon leben, durch welche ich belch tworden bin / daß die so genannten Redouten den Namen der hoheri Schulen des WitzeS und Verstandes mir Recht verdienen. ES war den -teil dieses Monats / Abends zwischen 9. und 10. Uhr / als ich mich in meinem Zimmer sorgfältig verschloß. Wie ich nun versichert war / daß niemand mehr zu mir herein kommen könnte, warf ich mich in meinen Schnsiuhl/ ge- c H dachte Giesser W-chM-Blätt/ Numt VIII. 5L an die Redoute und schnupfte etwas von meinem philosophischen Staube. Kam« war diese Verrichtung vorbei)/ so spürte ich schon die Veränderung. Die Seele verlies den Cd!per/ und war in einem Augenblick aus dem grossen Markt. Hier ward cd Maschinen gewahr/ welche nicht thierisch/ doch auch nicht menschlich waren/ die Aber alle nach einem Haust rannten / welches ein Gelerm der Musikanten erfüllte. Ich «oh geschwind diesen Cö'pein nach und kam glücklich in einem grossen Saal an. Hier war schon ein ganzes Heer dieser Larven versammlet; welche zusammen genommen so bund und lächerlich aussahen/ daß ich gewis für Lachen zersprungen wäre / wenn ich meinen Cörper bei) mir gehabt hätte : doch einzeln betrachtet liefen sie lauter Wunder sehe«. Bedenken Sie nur/ mein Herr! ob dieses/ was ich am ersten gewahr wurde/ nicht schon eine herrliche Erfindung des Witzes ist/ durch einen unsichtbaren QUfl/ mit dem blossen Finger in seiner Hand/ von dem andern erkannt zu werden ? Wo ttrnel man aber die Zaubersprache sonsten / als aus den Redouten ? Auf Umversi- täten gewis nicht. Ich sähe einige MaSkcn von ganz besondrer Schönheit / und wurde neugierig/ die darunter veiborgene Gesichtszüge zu durchsuchem. Dieses konnte ich thun/ weil ich ein Geist war. Doch wie erschrack ich/ als ich die häßlichste Bilder erblickte! cv(h machte hierbei) die Aninerckung: wiederum eine vorttefliche Erfindung des Witzes/ da man feine natürliche häßliche Maske in eine angenehme verwandeln rann. Ja/ so gar den Abgang sichtbarer Theilen wurde dadurch verdeckt. Eine andere delaivte Creatilr lies sich sichen/ welchö auf dis Tanze so genau acht gab/ daß sie auch den geringsten Fehltritt zu tadeln wußte. Ich nahete mich zu ihr / w d wollte die Luchsaugen betrachten / welche durch ihre Schärft so gar den wolkicht«!, Staub durchdrungen. Aber /o Himmel! ich mußte gewahr werden / daß diese Maschine damit ganz und gar nicht versehen war. -O Wunder! rief ich aus; fantrtenn liu solches Lar enfpiel so gar Blinde sehend machen? Ich begab mich nach dem Jdm käste dieses Geschöpf s; denn ich gedachte / das gar zu leist Gehör wurde ihn zudsssenSch us- sen zwingen/ besonders/ wenn er eine gesunde und hohe Vernunft befasse. Allein hier ward ich nichts mehr inne/ als eine ungeheure Menge ^horbeiten/ Einbileun- genwindicht r Art / eine unverschämte Selbstliebe / geile Gedanken/ Eitelkeit/ leere Ruhmsucht / einen Trieb zu Gros sprech ercnen/ und dergleichen mehr / welches alles in Fmsterniß umhüllet war. Von Vernunft sah ich nicht einmal ein Theilchen. Ich floh aus diesem Kops recht mit Ungestümm heraus. Nach diesem bekam ich Lust die Zirbeldrüsen der Schönen zu durchwandern. ct.K duichsuä te eine nach der andern / von der Heinen unb mittelmasigen attung. Benn die Grossen gehen blos hinauf/ sich an den Thordeiten/ wie em Prmz an einem Affen / zu vergnügen. Allein / ich trdf nirgends etwas anders an / fllsjoeen ier Liehe/ Eitelkeit / bey manchen Geilheit/ und der Selbsivollkvmmecheit. Die Versta^ Gefächer waren alle mit Nebel angefüllt. Doch merkte ich zugleich/ daß st H’iie er Dieitlrag dett r^eir Fcbr. i7fo. eine Npmphe war/ Mo mehr Vilder von ihren Vollkommenheiten/ und desto mehr wilde Liebe und lächerliche Eitelkeit sie besaß. . , Ich crbkfte auch etliche Masken in völligem Glanz und Herrlichkeit / welche in ihrem -Hause kaum so viel haben / daß sie das Brod mit Salz bestreichen können. ' Es nahm mich hierauf ein Tisch ein / welcher in einem Nebenzimmer stand/ und worauf dem Glücke zum Trotz ein Geldhandel geschrieben wurde. Hier lernte Kb noch mehr die Herzbaftigküt und Grosmuth der Sterblichen ergründen / und gedachte die Schwäche meines Geistes zu beklagen/ so bald ich wieder würde in meinem Körper semi. Alle die / so sich um diesen Tisch gepfianzet hatten / schienen Stöcke zu siyn. Doch merkte ich an/ daß wenn einem das Geld genommen wurde / welches er vorher mit großmüthigen Gebärden auf ein mit chinesischen Charakteren gezeichnetes Blatt geworfen hatte/ ihn der stoische Geist fast jederzeit verlassen wollte. Doch ich sah auch / daß wenn er die Zähne heftig zusammen biß / er wiederum zurück trat, qrd) konnte nicht begreifen/ wie dieses zugunge / deswegen begab ich mich schnell in eine ansehnliche Zirbeldrüse. Hier stand die Hofnung ganz nackend / die Zaghaftigkeit neben ihr/ die Verzweifelung etwas entfernet/ und die Vernunft lag in Ketten unt> Banden. Ehe ich mir eß aber versähe / so entstund ein entsetzlicher Tumult. Es sprangen nämlich die;. ersten zusammen / umschlossen sich / und wälzten sich in einer abscheulichen Menge Flüche / wie im Kotk/ herum. Hier wurde ich verdrieslich, floh nach Hause/ und beseelte meinen verlassenen Cörper. Er erzitterte anfänglich bet) dieser schnellen Veränderung / wie es denn fast nicht anders seyn konnte. Doch gleich herrsch empfand ich eine doppelte Kraft zu denken Der erste Gedanke / so mir einfiel/ bestund meiner Verwunderung über die ausnehmende Munterkeit der jungen Schönen und jungen Herrn: und ich tadelte zu- gleich die mürrischen Klagen der alten / worunter ich weiland selbst mit begriffen war/ da sie glauben / die Jugend sey blos dem Schlafen geneigt. Ich habe wenigstens hinc einzige Maske schläfrig gesehen; sondern sie waren vielmehr stets unermüdet. Ja verschiedene Nachrichteii haben mich versichert / daß sie früh morgens um 6. Uhr/ M sie aus einander gegangen sirid / noch nicht einmal gegahnet hätten- Verlangen Sw es/ so will ich mehr entdecken. Indessen bin ich/ Mein Herr! Der* t Venedig ergebenster Diener den i?ten Jenner u M , r j• m« Mircn* de Nachschr. Die bald am Ende angedeutete stoische Zähnbeisser / welche das Glück zu heftig verfolget hat / sollen den r.4.5. und 6ten Tag ' nach der erzählten Geschichte/ die Hände hinter den Ohren haben liegen gehabt. e Erfindung ist nicht neu. Columella beschreibet sie in dem 19. Cap. des 4. Buchs de re ruftica Mit allen Vortheilen. Die ganze Sache kommt in den meisten Stücken mit den Pfropfen der Bäume überein / das vermittelst des Spaltes geschiehet. Die beste Zeit dazu ist in dem Frühjahre/ wenn Tag und Nacht einander gleich ist- Der alte Stock/ den man pfropfen will / wird nahe ander Erde/ jedoch 4 quer Finger breit über dem untersten Knoten abgeschnitten/ damit solcher weder durci) den Spalt noch durch das Pfropfreis berühret werde. Das Reis/ welches von fluten zotigen Reben abgeschnitteu wird / muß kurz seyn und viele Augen haben. Man fcbneiDet es Kegelförmig/ wie bev dem Pfropfen der Bäume/ und fe- .tzet es also ein/ das ein Auge davon den alten Stamm berühre/ und daß die Rinde des jungen Reises mit der Rinde des alten übeiem treffe. Ist der Stamm zu dick/ so setzet man zwei) Reiser neben einander/ und verbindet den Spalt mit Bast. Man verschmieret ihn oben mit zartem Leimen und Mos/ man häufet die Erde gegen dieRei- ser und verwahret solche mit aufgesteckten Pfählen. Die Vortheile / Die man von Vieser Art der Fortpflanzung erhält/ sind diese/daß man nicht allein bald Früchte/ sondern auch von einem einzigen Stocke eine unglaubliche Menge andere bekommt / in» gleichen / daß man um Den Weinberg zu verbessrn und mit einerlei) Art Trauben zu- bepflanzen / Die atten Stöcke nicht erst auSgraben/ sondern blos auf diese Wufe pfropfen darf. Ihrs Majest. die Römische Kayserin und Königin von Ungarn habenden ehemabliaen hiesigen ProfeiTbrem Phdofophia! Henn Jacob Friedrich Müller / welcher bisdahero vev Sr. Exc llmz den Rußischen Kavseriichen Minister an demKoniglicheN Polnischen Churfürsil. Sächsischen Hofe/ Herrn Grafen von Kayserling/ gewesen ist / zu Dero Historioarapho mit einem ansehnlichen Gehalt all mnäomst ernennet/ uni) ihn wegen seiner künftigen Verrichtungen lediglich an Sr. Ercdlei z Den Reichs- Vic^Canzler und geheimen Conferenz» Rath Herrn Grafen von .Eolloredo gewiesen. H 3 Am Giesser Wochett--Blatt / dium. V!H. Am verwichenen Dienstag des Abends ist aklhier Herr Johann Andreas Schilling/ Assessor des hochlsblichen Consistorii und erster Prediger in der Burgkirche im arten Jahre seines Alters veisiorben Er ist den zten August. 166$ zu Beseneck im HerzogtKum Saalfeld gebohren. 1699. wurde Er als Stadt» Prediger und 170z. als Burg »Prediger berufen. i?;r. als Assessor Consistorii ernennt. Seine Amts- Verrichtung Kat Er in die p. Jahr mit grosser Treue und Sorgfalt bis zu Den letzten Tagen in vielem Seegen verrichtet. Die mehreren Umstände seines merckwürvi- gen Lebens wird man im 45. Stück des Heßischen Hebopfers anführin. Weil wir in gegenwärtiges Blatt Anmerkungen eingerückt/ die dem Stalle und Dem Garten dienen/ so hoffen wir/ es werde dem geneigten Leser nicht mißfallen/wann wir auch Der Küche zum Nutzen nachfolgende von einem Frauenzimmer/ wie es scheinet/ aufgesetzte Verse mittheilen. Der Kartoffeliff. andre den Kaffee erheben/ Noch ankere gebrannten 2Bd» / Auch beyker Vorsatz recht zu loben; So bann es nicht zu icheuen seyn/ Daß ich Kartoffeln Frucht besinge Druin Musen helft daß es gelinge: Mein Vorwurf scheint nun zwar genüge. Denn kiese Frucht verachtet mau. Jedoch ka man noch andre Dinge 2)on schlechter«! Stutzen loben kann; So soll auch! jetzt kein spöttisch sprechen Mein schlechtes Loblied unterbrechen. Erst will ich ihren Ursprung zeigen/ Und zweytens Farben unk Gestalt/ Und kenn kei» Nutzen nicht verschweigen/ Der würklich mehr als mannigfalt. Das Ende soll uns überführen/ Es müsse ihnen Lob gebühren. Kartoffeln kann man wohlfeil ziehend Denn wie dem Vogelsberg bekannt/ So wachse» sie durch leicht bemühe»/ Oft aus dem allerrauhsten Land- Man wirb sie gar in schlechten Gründen/ Noch besser als auf guten finde«. Kartoffeln fezt man in die Erde Im Frühjahr und umtünget sie/ Und wenn sie wohl umgraben werde»/ So sieht man ihre Llütbe früh/ Drauf werden sie weiui sie vollkommen/ Durch Graben aus dem Land genomme». Kartoffeln find verschiekner Sorten/ Runk/löchricht/ bund und eiugesprengt/ Theils weis/ theilS gelb gefärbet worke»/ Theils glatt/ theils hokericht gelenkt/ Theils lang / theils grab / theils krum wie Körner/ Theils klein / und rund wie Klicker »Körner. Kartoffeln machet man zur Speise/ Die eben nicht so übel schmeckt/ Auf eine nicht / nein viele Weife / Weil fich ihr Nutzen weit erstreckt- Denn man pflegt warlich viele Sache« Aus dieser eklen Frucht zu machen. Kartoffeln werken rftermalen Mit blosem Wasser abgequellt/ Nach abgezognen äusser» Schale« In einer Schüssel hiugesteüt/ Und allo als Delikatessen Mit Saltz und ohne Brod gegessen. Kar» Dienstag den ritti Zebr. i7fo» Kartoffeln werde»/ wie wir wissen/ Don Axbtite«Leuten aus dem Feld Im Somuier aus den» Land gerinn/ Und ohne Koften/ohne Geld/ Wits auch qeschiehet von Soldaten/ Lus blose» Kohlen schlecht gebraten. Kartoffrli» werden oft durch sieden In blosem Wasser gar gemacht/ Alsten» von hrer Schal geschieden/ Darauf in Scheiberger gebracht/ Und in ter Psann geröft/ mit Butter/ Als ein gewl« recht schmackhaft Futter. Kartoffeln Locht man auch in Brühe» Don Fleische / wenn sie abgeschählt/ Doch muß man sich auch wohl bemüheit/ Daß weder Salz noch Pfeffer fehlt/ In Speck gedämpft/ herum gerührt/ Und dann mit Luft zum Muild geführt. Kartoffeln kann man dünne machen/ Etwa» wie Suppe oder Brey/ Doch thue man auch andre Sache» / Don Merl und auch Gewürz dabey/ Llstenn in Milch gethan/ zerd-ücke/ Dis sichs jlr einem Breye schickt. Kartoffeln werden auch statt Ruben/ Statt Grass/ Kraut und andrer Frucht/ Dem Diehe wenn es heim gerieben/ Zum Furrer wohl herfür gesucht/. Weil man mit ihnen wie mit Früchten/ Ein gleiches Fütter» kann verrichte»- Kartoffel» sieht ma» auch von Leuten / Die a m a» Kor» und Geiste sind/ I» Brod u»d Kucke» zubercite»/ Ja wir mau oft reewunderud stiidt / So werte» sie mii Käs vermenget/ Und tu dir sreye Lust geheuget. Kartoffeln werden auch melieret Mit Rübe»/ ia zum öfter» wohl Auch unter Bohnen eingerühret. 6$ Mau kann Sie aftch mit saurem Kohl/ Mit Würschings Kraut 11116 andern Dingen Vermengt ganz gut zum Mage» bringen« Kartoffel» schmecken delikate/ Wenn ma» sie schählet und zerstückt/ Und kann mit Zellri zum Salate/ Dermenqet und recht zugeschickt/ Mit Oehl Md Eßig wohl begossen/ Und dann start des Salats gei.osse». Kartoffeln braucht man auch zum fiärcken/ Da man sie schählet und zerreibt / Wascht/seiet/ wobei denn zn merken/ Was nach dem "seien übrig bleibt/ Das trucknet man / so kann man Sachen/ Wau» man dies kochet/ Helle mache». Kartoffel» braucht man aus den haaren Statt Poudre da man auf die Art/ Wie bey der Srärcke kann verfahren / Das trockne wird bis daß es zart/ So laug im Mörser klein gerieben/ Dis nichts/was grob ist /übrig bliebe^ Doch wer wird allen Nutze» wissen/ Und wem ist ihre Kraft bekannt? Ist Sachsen nicht auf Sie bestiessen ? Und »ehrt sie nicht der Hessen Land? Drum will man ihren Nutzen sagen/ So muß inan diese Länder fragen. Nun stolze Spötterstockt und schweiget/ Verächter dieser edle» Frucht I Mein schwacher Kiel hat euch gezeiget/ Noch mehr als Ihr i» ihr gesucht/ Gewis ihr euch gezeigter Nutzen/ Kann eurem frechen Spotten krutzen. Erhebt nur anderes Gemüse / Sprecht/ daß es euch viel besser schmeckt/ Lobt eines/ daß es erwa» süsse/ Und euch gewünschte Lust erweckt / Das andre/ daß es euer Mage» In grösser Menge kan» vertragen- §4 Gresser Wochen-s Blatt/ Num. VIII. Lobt Artischocken/ Spargen/ öidbfii/ Lobt rmtich/ Gurke,»/ Kraut-Salat/ J»r möget Kohl und Dohncn lieben / Und Zucker Erbsen uud Sp >iat / Sa «"iss jedoch vor diese" allen / Der Preis nur aus Kanosseln lallen- Sp'echt nur man kann sie nicht verdauen/ Sagt nur sie seyen raus und schlecht/ Man f6:ue sie zwar wohlfeil bauen/ ZZjeranien hätte ich zwar recht/ Llllein sie andern vorznzlehen/ Das, sey