Kieffer Wochen-Milkt, Num. XXIX. Dienstag dm 21. Jul, 17p. Mit H-chfürftl. Hesiendarmstädtischer gnädigsten ErlembniK. Vom Selbstbetrng. AAter Mensch ist sich selbst sehr viele Pflichten schuldig / und man sollte meinen/ SSV in deren Erfüllung werde er sich niemals saumselig find«»» lassen. Dann di« ÖZv Eigenliebe ist einem jeden angebohren, und penn man gleich nicht/ wie sonst die meisten ju thun pflegen / in derselben M ß und Ziel überschreitet/ so besitzt man sie doch in einem geringern Grad« r wenigstens ist Niemand vorhanden / bey dem sie -ar nicht angetroffen werden sollte. Die Liebe aber ist die Treibfeder / durch deren Kraft bat -Herz beweget wird / dem Gegenstand seiner Liebe wiederfahren ju lassen / was man ihm schuldig ist. Also sollte jemand / der von der Erfahrung nichts wüste/ allerdings vermuthen / der Mensch werde sich alle Mühe geben/ um das / was er von sich selbst zu fordern hat / sich nicht ju entstehen. Allein das Gegentheil liegt klar am Tage / und das kommt daher/ daß die Liebe/ auch die Liebe unsrer selbst / selten von der Vernunft regieret wird. In der Meinung / sich etwas rechts zu gut zu thun/ schadet man sich r man machtS wie der Affe / der fein Junges aus Liebe tobt drückt. Aus dieser Quelle fliesset auch der Selbstbetrug/ die Art einer That/ die man sonst nur gegen solche ausübt/ welche man hasset, oder wenigstens nicht liebet/ und vor welcher man sich um desto mehr in acht ju nehmen hat / je mehr man sich damit schadet. Der Selbstbetrug aber bestehet in einer Bemühung / sich selbst ju überreden/ daß dasjenige / was wir chun oder an uns haben / gut sev / ohnerachtet unser eignes Gewissen dar Gegemheil behauptet; eS ist ein Lob oder eine Entschuldigung unsrer bey uns selbst wegen etwas / da man doch weis / daß man deswegen gescholten und getadelt ju werden mdieritt. Man übettäubet also sein Gewissen/ das uns GOtt gegeben tl6 Gresser Woches-Blatt/ Num. XXIX. bat / daß es unser unparthcyischer Richter siyn fofl / mit Fleiß/ und stellet gegendas» selbe einen Sachwalter vor/ der mit einer g künstelten Geschichtserzahlung oicr x^r« d ehuna des Besitzes mit Wissen und Willen ein andres Urchesterzwmget/ als er wohl 2 / daß in solchen Umstand n der Blliakeit und Wahrheit nach g-fallt werden muß. U WE n andrer uns tadelt / so ist es uns verdrießlich und wir haben aus der Er« sa'kruna aelernet/ daß man diesen Verdruß abwenden oder wenigstens den Tadler da. dm brstigen kann/ daß er um uns nicht gar zu grob ;u beschimpfen Zweigen muß/ wenn man durch listige Verblendung ihm einen andern und falschen Begriff von unS und unsren Handlungen beybrmgt. Weil uns nun noch viel m-angenehmerfallt/^wenn wir uns selbst unser Böses verweisen sollen; so nehmen wir auf eine in der ^hat seht albere Weise zu dem Mittel / das wir gegen andre brauchen/ unsre Zuflucht und wollen uns / di7 wir doch gew.s wißen/ daß das nicht wahr .st/ waS w.r uns vorspiegeln, durch Erdict tunaen entschuldigen und dem Gewissen / das uns beissen will / dadurch die Zahne ausbrechen. Verspühren wir mit der Zeit durch die Uebung einigen Fort« gang/ so entstehet daraus eine Fertiakeit gegen sich selbst zu heucheln und aus sich sei st rwen Bersonen zu machen / deren erste die andre belügt und betrugt / und die andre der ersten schmeichelt und sie gleichsam durch sclavischen Bevsall und Lob zu ihrer Pa« K»mn 6(t) E Den Mensch.« überhaupt «er/ Wffliaflei’8 roie er in untren Seiten lebt / unt> Oie Betrachrunc, deMigm tiSchtget IM« / ehe reu |U tz-ffen Zergliederung fortschreitev / vorher eine kurze aber sehr nützliche Anmerkung zu machen. Der kaum erklärte Ursprung des Selbstbenugi6 zeiget/ daß er von der «Heuchele») gegen andere erzeuget wird. Man sichet also / daß Die Untreu gegen den Mebenmenschcn auf eine ganz besondere und tn dem gemeinen Sprichwort schwerlich witverstandene Weife ihren eignen Herrn schlägt. Man ist falsch gegen andre in der Absicht um es recht gut mit sich zu meinen: und gleichwohl wird man damch auch falsch gegen sich selbst/ und jenem Schneider gleich/ von dem Die Leute erzählen, daß dieGewohnhcit ansehnliche Stücke Tuch den Wen zu entwenden bev ihm so weit überhand genommen / daß er von seinem eignen ^uche / woraus er eignes,Kl.td verfertiget/ grosse Lappen in das so genannte Mausloch zu weifen sich nicht enthalten können. Und diese Betrachtung kann man zu dem Nutzen anwendcn / dass man den Schluß daraus macjst: wenn ich verlange gegen mich selbst ehrlich und rechtschaffen zu seyn und ji. bleiben/ so muß ich mich auch gegen andre der Redlichkeit und Aufricht g. keit befl (|n jefccr i wr hält / sich selbst zu kennen/ zu erfahren? wie weit er in der leidigen Kunst sich selbst zu betrugen gekommen sey/ unchdadurc.,d.e Mir« fel zu seiner Besserung zu finden/ leichte zu recht kommej wird es dien iu? l^^-N Se bstb'tiug in gewisse Arten einzutheilen. U iferer Emlicht nach geschiehet fol l co aiN fügiichsten/ wenn man darauf acht hat / daß die Menschen Heuchler gegen h knüpfungen / worin man mit ihnen sicher. Wir brechen atxt bicrbcv ab/ weil das bereits gesagte vor dieses mal genug zu seyn scheinet / und wir Niemand / der etwa die vadoibene Natur der Menschen und seines etgtnen Herzen- rncbt kennet / Gelegenheit geben wollen zu glauben / er habe Ursache eine Apologie po, das menschliche Geschlecht zu schreiben. Der Selbstbetrug in Ansehung der Pflichten gegen unS selbst/ in so f-rn er nnt der Uebertrettung derselben verknüpft ist / ist auS beyden vorhergehendm Arten ebne u isre Anleitung zu verstehen. ES ifi a!fo am dienlichsten/ wenn wir denselben hier nur noch abschildern/ in so weit er eine ganz falsche Idee von uns selbst begreift/ vermöge der wir uns Tugenden und Vortreflichkeiten zuschreiben / die so gar nicht den uns anzutreffen sind/ daß wir auch das innerliche Gefühl des Mangels mit Ge- tvalt zu unterdrücken haben. Die Neigungen der Menschen machen hierin einen grollen Unterscheid. Denn einige überreden sich alles/ was lobwürdig ,st/ in einem hohen Grade an sich zu haben; andre aber sind etwas bescheidener und geben willig in einem und gnderm Stücke nach, allein etwas gewisses ist nach eines jeden besondrer Einsicht das hauptsächlichste/ das den eigentlichen und grösten Vorzug eines Menschen vor andern auSmacht / und dasselbe legt er sich in aller seiner Vollkommenheit hey. Einer denkt: wie Noch um Schönheit/ Ged/ Rang u. d. gl. das sind Kleinigkeiten/ mchrentheils deswegen / weil er gar zu plump mit sich selbst wüste umgehen/ wann er sich einbilden wollte/ dieselbe zu besitzen r aber der Verstand/ der rechte Unterschied des Menschen vom Vieh/ der istS/ der alle Hochachtung verdient/und weil man denn dieser würdig f vn will / so eignet man sich jenen zu. Das geht denn ' leicht von statten / indem einem zu Bettachtung seines eigenen Ve> standes die Eigen- llebe ein Vergiössrung^qlaö dar,eichet/ und der fremde nur von ferne und durch ein Verkleincrunqsglas belchautt wiid. Wie wollte eS hier anders zugehen/ als daß einem die eigne Weisheit wie ein Berg und die fremde wie ein Sandkorn vorkäme ? Andre keine kützeln siel' mir ihrer eingebildet« Schönheit/ noch andre mit andern öfters so ; gar lächerlichen Dingen. 3f Z 5(1 a*o Gresscr Wochenblatt/ Num. XXIX. Ist es nun nölhig/ daß ein Mensch die ihm obliegende Pflichten treulich erfüllt/ so sind das'gefährliche Dinge/die ihn daran hindern/und das ist das gefährlichste/ welches ihn dahin dringet/ baß er in der Meinung Recht zu tbun/ alle Pflichten mit fiüfK'n tritt. Das vorkergehende überzeuget uns/ der Selbstbetrug habe dieses an sich- ES ist also der Mühe werlh/ ein Mittel anzugeben/ womit man von demselben sich los Machen möge. Der Raum erlaubet nicht Mhr/ alles anzuführen/waS die Würdigkeit und Schwierigkeit der Sache erfordert-, wir wollen bähet nur das kürzeste aber kräftigste anführen. Wenn man sich etwas vornimmt zu thun / so stelle' man allezeit einen andern in seine St lle/ und überlege/ wie demselben die Thal / die man vorhat, anstehen werde. -Oder wenn man über bereits vollzogene Handlungen unheilm will/ so lege man sie in seinen Gedanken andern bey. Die Eigenliebe/ aus welcher der Selbstbetrug quillt/ fallt nunmehr hinweg/ und sie wird noch besser hinweg fallen/ wenn man in seine Stelle eine Person fetzt/ der man ziemlich abgeneigt ist. Denn nun w-rden alle Splitter in unfern Äugen zu grossen Balken/ welche nun gesehen zu werden/ keine Bemühung erfordern. Denkt man nun: wenn der das thdte/ so würde ich mich darüber aufhalten/ er würde bey mir alle Achtung ver- liehren/ und ich wmde ihn auch sogar andern lächerlich vorzustellen mich nicht enthalten können; so muß einem von sich selbst einfallen: wenn ich also eben das thun werbe/ so werden sich auch andre darüber aufhalten/ ich werde alle Achtung bey lh. nen verliehren / und sie werden mich auch andern lächerlich vorstellen. Dieser Anhang ist der Eigenliebe im höchsten Grade zuwiever; folglich muß siei nun selbst wider ihren Willen dazu dienen/ daß sie uns von dem abhält/ worzu sie uns sonst siebet auf- gemuntett hätte« Für Genealogie gehörige Nachrichten. Den n. May hat die Gemahlin des regierenden Herrn Grafen vonkeiningen- Westerbmg das Hochgrastiche HauS durch die glückliche Niebel kunft mit einem Sohn -Mhelm Carl August erfreuet.. Den zo.,May hat die regierende Frau Fürstin zu Hohenzollern Sigmaringen, Frau Maria Theresia/ gebohme Gräfin von TruchseS und Waldburg einen Prinzen jur Welt gebohren/ welchem in Der Tauffe der Nähme Friedrich Joseph Fidelis Anton/ beygelegt worden. Den Junii ist die Gemahlin Herrn Philipp Joseph/ Fürsten vonSalm- Ayrbmg Dürchl. Frau'Maria Theresia deö Herrn Fürsten von Horn älteste Tochter mit einem Printzett entbunden worden/ und wurde ihm der Name Lari August ertheitt« rtc 1 Dm Dienstag den ritcn Jul. 17(0, xjc Den 15 Juni« wurde tu£- Durchl. Haus Hessen»Darmstadt durch die glück« liche Enthiudung der Durch!, ftrau Maria Louisa Albertina des Durch!. Printzen Georg ißiUbdm ftrau Gemahlin mit dein zweyten Prjntzm erfreuet/ und wurde ihm der Name Georg ft iednch Wilhelm beygelegt/ welcher aber jum grösten Leidwesen dieses Durchlauchtigen Haukes am r. Zulu wiederum die Well verlassen. Sur Wirch schafc gehöng. Man hat in den Coburgischen Auszügen No. xxnir. von einer nützlichen Pflanze Nachricht ertheilt/ welche hier zu Land nicht wohl bekannt/ aber vielen Vor« theil in der Haushaltung schaffen kann. In der Provence und anderen Französischen Provinzen benennt man eine nützliche Wanze JLufarne/ lat. Medici genannt. Im Winter dienet sie dem angematteten Vieh zur L>Haltung/ und die Kühr werden tti dieser Jahreszeit davon sehr Milch'eich. S e i|i em gutes Mittel junge Füllen wohl zu füttern/ Kälbern ein gtites Ansehen zu geben/ und Lämmer fem gros zu sieben. Man kann sagen daß sie bey Pferden die Stelle des Heues und Hafers ve'trette. AuS solchem Grund schätzet man einem in Franckreich einen Morgen Luserne Feld so hoch als drev Morgen Wlesenfeld. D>e Stengel dieser Pflanze gehen gerade in die Hohe und tbeilen sich in viele Aeste. Von den Blättern stehen allemahl drrv und drey bet)|amtnen / wie der- dem Klee. Die Blüte hat eine von violet und Purpur vcrmischte ftarbe. Der Saame ist weis / und gleichet einer kleinen Niere Man findet ihn in der ftrucht/ die aus zweyen helsten bestehet/ welche an Den Enden zusammen gewachsen sind/ und sich so übereinander legen wie eine Schraube- Der» Boden/ den man zu ihren Anbau erwehlet/ muß der beste und eher findig als tbomgt ftyn/ damit das Wasser ablaufcn kann. Das ft.'ld muß wohl gepflügt von allen Wurzeln gereinigt u d mit solchen Dunge zubereitet werden/ der recht verfaulet ist. Man säet dieses Kraut im Merz (in Deutschland etwas später) man vermischet den Saameri mit Wicken oder Heydekorn/ so daß her Luserne den 4ten Theil auS- Macht- Im Jahr 1748. hat man den Anfang gemacht dresen Saamen an einigen Orten in Sachs » mit ordern Nutzen auözusäen. Dieses Gesäme streuet man so dick als möglich um das Unkraut abzuhalten / man recht die Luserne ab wenn sie tn^cr Blute flehet. Man kann sie in hitzigen Sommern 4. his 5. mahl abmehen. Im dritten Jahr ist die Ernde weit reicher als in den Heyden ersten Jahren. Diese Fruchtbarkeit bautet ii. bis if. Jahr fort; obschon Plinius vorgiebt/ man könne dies« Felder 10. Jahr lang nutzen. Fremde Kräuter sind dieser Luserne zuwider und müssen fl sig ausgerottct werden. Alles wohl gepflüqet nebst dem üb' igen Vieh muß von diesen Leckern abgchalten werden/ weil chr Biß der Luserne schädlich ist. Das abgeichnittene Kraul muß schnell getrocknet und / wenn ein Regen einfallt M einen bedeck- Gresser Wochett--Blatt/ Nurn. XXIX. bedeckten Ort gebracht werden/ indem es sich gar gem erhitzt und auszuschlagen vfieget. Wenn man an diesem Kraut bleiche Spitzen bemerket/ die vor: Beschädigung einer schwarzen Raupe herrühren/ so ist es Zeit di« Luserne zu schneiden/ damit dieses Ungeziefer/ welches stirbt / so bald die Pflanze umgehauen i|i / nicht weiter um sich greift. Den Saamen darf man nicht eher als im andern Jahr nach der Aussaat einsammlen / wann das Kraut in diesem Jahr zum dritten mal hervortreibet. Man last alsdann die Stengel etwas starcker werden und schneidet die Frucl-t mit dem Anbruch des Tages ganz behutsam ab/ wann der Saame ansängt auszu» fallen. Sie werden in der Sonne gedürret und in einem Tuch ausgedroschen. Wann das Feld nicht mehr im Stand zu tragen ist / so kan man dasselbe entweder mit einer Hacke ausgraben/ im Herbst pflügen und im Mertz wieder besäen/ oder welciies besser ist «in ander Feld darzu erwählen/ und das andere Luserne Feld durch fleißige Wässerung zur Wiest machen. Dieft Wiesen bringen eine dem Klee ähnliches Kraut hersür / welches man gut Heu nenyet / und dauren in diesem Zustand eine geraume Zeit. Bey der Fütterung der Luserne muß man die Vorsicht brauchen/ daß man solche/ weil sie allzu nahrhaft ist/ dem Hornvieh niemals grüne/ son- bem gedürrt und die helft« mit Stroh vermischt geb«. Den Pferden hingegen kann man nicht zu viel davon geben. Vlcu angekommene Bücher. Johann Leger allgemeine Geschichte der Waldenser oder der Evangelischen Kirchen in denThälern von Piemont/ mit vielen Kupfern/ aus dem französischen über» fttzt von Hanß Friedrich Frepherrn von Schwenitz mit einer Vorrede/ Siegmund Jacob Baumgarten / 4to Breßlau i?fo. 4-fl. fo.fr. Onania oder die erschreckliche Sünde der Selbstbesteckung / 8. Franks. 17fo.4f.fr. Marburgische Beyträge zur Gelehrsamkeit stes Stück8.Marb. i?fo. if.fr. 5u verstreichen. Künftigen Dienstag über acht Tag als den -s.Jukii/ Vormittags um ,. und Nachmittags um x. Uhr/ wird in des verstorbenen Herrn Ate (Tor Schillings Behau- «ung/ allerhand Haußrarh/ dabey unter anderm eine gute Schlaguhr und ein Nachtwecker an den Meistbietenden verkauft werden. AVERTISSEMENT. Weil mit verflossenem Monath die Vorausbezahlung dieses WochenblattS zu Ende gelaufen/ als werden die refpeftive Gönner und Freunde / warm sie solches ferner mitzuhalten belieben tragen / dienst * freundlich und geziemend eesucht die ferne» re Vorausbezahlung für das künftige halbe J^chr vom Julio bis Decembris mit i. fl. franco gütigst emzustnden entweder an hiesiges Postamt oder an den Verleger/ und sich dargegen richtiger Übersendung zu versichern. Man kann auch das ganze vorhergehende halbe Jahr gegen i, fl. noch bekommen/ einzrlen aber das Stück»y. fr.