Messer Wochen-Wlatt, Num. XX. Dienstag den 19. Maji, 17^0. Wit Hschfürstl. Hesftndarmstädcrscher gnädigsten Erlaubniß. -*-----— Von dem Streite und der Einigkeit der sinnlichen Begierde mit dem vernünftigen Willen. aß es viele Regeln giebt/ die leicht zu verstehen / aber sehe schwer zu thun sind/ ist äusser Streit. Wer etwa daran zweifelt / der beliebe/ was Nachfolgen wird/ mitgnugsamer Aufmerksamkeit zu durchlesen. Denn unser Vornehmen ist/ die Ursachen zu beschreiben / warum man nach des Apostels Redensart thut, was man nicht will / und nicht thut/ waS man will/ und dabey die Mittel vorzuschlagen/ die die Vernunft an die Hand giebt/ um diese Quelle aller bösen Handlungen so viel/ als möglich ist/ zu verstopfen. ES wird bevdeö zu begreifen leicht seyn; das innere Gefühl aber wird einen jeglichen überzeugen/ mit wie vielen Schwierigkeiten die Ausführung verknüpft/ ob seine Kraft allein dieselbe zu überwinden hinreichend/ oder ob die deswegen demüthigst zu erbittende Hülfe deö Geistes Gottes dazu nöthig fei;. In Absicht auf dieses lezterr halten wir davor / einen Vorwurf unsrer Betrachtung ausgesucht zu haben, der sich auf den heutigen als den dritten Tag des Heil. Pfingstfestes besonders bey den an diese Zeit gebundenen an sich löblichen aber mit übelen Umstanden verknüpften Gewohnheiten wohl schicket/ ob wir gleich uns vorzusiellen fähig sind/ daß nicht wenigen alsbald der erste u An. Giesser Wochenblatt/ Num. XX. sf4 Anblick der Ueberschn'ft verdrießlich und ein B-wegungsgrund seyn wird / den ganzen r^onen ungelesen auf die Seite zu legen. Denn die nach dem gemeinen Geschmack nrtdeilen/ finden an solchen Dingen kein Vergnügen; wem aber an seiner Wohlfahrt oeieaen ist/ der erkennet fie allerdings vor nützlich und angenehm. Vor nützlich; denn die wahre Glückseligkeit ist edler als Gold lind Güter. Vor angenehm; denn woran kann ein Weiser mehr Lust haben als an der Entdeckung des Ursprungs alles Uebels/ wenn sie von Mitteln / ihm zu entgehen / begleitet wird? Der Vater alles Guten hat in die menschliche Natur dieses geleget/ daß unsre Begierden allezeit auf das gehen / was wir vor gut halten / und hat uns mit einem Mscheu vor allem dem versehen / was wir vor bös« erkennen- Niemand will das nach seiner Meinung Böse / und niemand fliehet das nach feiner Emsicht Gute- Finden sich gleich Beyspiele/ daraus man das Segentheil zu ersehen vermeinet-, so kann man sich doch aus allem Zweifel dadurch leicht heraus ziehen/ daß man bedenket/ was sonst düse ist/ pflege in gewissen Umständen gut zu seyn / oder wenigstens zu scheinen / und das sonst gute könne in besondern Fälle»r böse seyn / ober wenigstens scheinen. Als er- neu Finger sich abschneiden zu lassen ist sonst böse; wenn er aber von einem unheilbaren und um sich fressenden Krebs angegriffen ist / so ist es gut. Sich um das Leben zu bringen ist immer und an und vor sich selbst übel; wenn man aber in verzweifelte Umstände gerathen / und dem äussersten Elende zu entkommen keinen andern Rath mehr vor sich sichet; so scheinet eS denen/ die kein Vertrauen auf GOtt haben/ nicht nur gut / sondern das allerbeste zu seyn. Auf solche Weise findet man / daß ohne einige Ausnabm alles Verlangen aus der Einsicht in die Güte einer Sache und aller Abscheu aus der Wahrnehmung des Bösen an einem Dmge entspringet. Wir richten uns daher jederzeit nach unsrer Erkenntniß. ES ist leyder wahr/ daß wir nicht beständig das wahre Gute wollen und das wahre Böse nicht wollen; sondern nur daS/ was wir davor ansehen. Irren wir also im Urtheile/ so fehlt ambder Wille; treffen wir aber in jenem die Wahi heil/ so bleibt auch dieser im rechten Wege. Wir urkheilen aber vom Guten und Bösen auszweyerley Wesse/ und weil darauf alles ankommt/ was wir uns zu überlegen vorgenommen/ so wollen wir darüber weiter nachdmkm.^ Mr gut/ uns Lust und Vergnügen gewähret/ und vor böse / wovon man Unlust und Misvergnügen empfindet. Dieses ist die gemeine Art/ weil sie kein Nachdenken erfordert/ und man weiter nichts nöthlg hat/ als bloS auf sich selber acht zu geben/ und anzumerken / wie einem bey Betrachtung oder Genuß eines gewissen DingeS zu Muthe ist. Ein unfleissiger fühlt gar leicht / daß er derdneß- lich ist / wenn er an die Arbeit gehen soll ; ein emsiger Mensch aber spuhrt gleich em« Munterkeit und wird frölich/ wenn er etwas vor sich flehet/ womit er seinen Verstand oder sonst seine Kräfte beschäftigen kann. Daher hält dieser die Bemühungen wr gut/ und jener vor böse. Diese Lust und Unlust selbst entstehen aus einer durch die Sinnen einigermassen wahrgenommene Güte oder.Bosheit / deren man selten sich ausdruckstch Dienskäg den ipten ITT^yi7fo» bewust ist/ oder die man selten zu nennen und zu erklären im Stande ist. Weil also dieser Ursprung uns meisienrheils sehr verdeckt ist ; das -Vergnügen und der Verdruß selbst aber jederzeit itter klich gcspührer werden / so kommt es daher / daß man aus die« sen als den Würkungen jene als die Ursachen zu beurlheilen sich angewöhnet hat. Nicht allein die Erfahrung aber/ sondern auch die kaum gegebene Erklärung zeiget/ daß eS nicht sowohl ein Wunder ist / wenn man durch dieses Zeichen des Guten und Bösen in Irr- thum verleitet wird / als vielmehr wenn man dadurch nicht verführet wird- Denn die Lust entstehet nicht aus einer mit vielem Nachsinnen entdeckten/ deutlich erkannten und wohl überlegten/ sondern aus einer schnell gleichsam von weitem erblickten und mit Die* (er Finsterniß umgebenen Güte. Gleiche Bewandtniß hat es mit der entgegen g-.sctz, ten Unlust. Wie nun nichts leichter geschiehst/ als daß man sich versiehst/ wenn man nur einen schnellen und alSdald wiederum zurücke gezogenen Blick auf etwas wirft/ wenn man entfernte Dinge betrachtet und dieselbe nicht mit genuasamem Lichte umgeben sind; so ist auch sehr natürlich/ daß öfters ein Vergnügen an Sachen gespühretwird/ die des Abscheus würdig sind / und dagegen Unlust an angenehmen und vortreflichen Dingen gefühlet wird. Weil also die Sinnen jene vor gut/ diese vor böse halten; so ist der Wille gegen jene geneigt/ und ziehet sich von diesen zurücke. Der auf diesem Grunde beruhende und dem Jrrthum sehr unterworfene Wille wird deswegen / weil rr von den Sinnen erwecket wird/ die sinnliche Begierde und der sinnliche Abscheu genennet. Die Heil. Schrift beleget ihn in den Fällen / da er wirklich fehlet/mit dem Namen des Fleisches. Der vernünftige Wille hingegen ist ganz andrer Art / und gründet sich auf die zweyte Weise das Gute von dem Bösen zu urlterscheiden / die den Verstand und dis Vernunft zum Führer hat. Weil nämlich das gut ist / was unsere Glückseligkeit befördert/ und böse / was uns in Ungelück und in das Verderben stürzet; so rechnet die Vernunft etwas zu diesem oder jenem/ wenn sie nach genau und ganz deutlich ver- siandener Beschaffenheit desselben und wohlgefaßtem Begriffe von dem wahren Wohl des Menschen richtig und klar einsiehet / wie die Vergrösserung oder Verminderung des lezteren vom ersteren abhänget; und darnach richtet sich der vernünftige Wille/ wenn er etwas verlanget/ oder verabscheuet. Wenn wir z. E sehen / daß schönes Wek- ter und gesunde Luft draussen/ folglich gute Gelegenheit zu einem Spatziergang vorhanden ist / und dabet) bedenken / daß unsre lang angestrengte Leibes- und Gemüthskräf- te eine Erquickung bedürfen/ die man ihnen jetzo wiederfahren lassen kann/ weil man von keinen nöthigen Geschäften abgehalten wird ; daß ferner bei) einem vorzunehmenden Spatziei gang wir einen Freund zu sprechen bekommen/ von dem wir eine zu AuK sührung unsrer Absicht unentbehrliche Nachricht erhallen können; daß wir von jemand dazu sind eingeladcn worden / der sich eine abschlägige Antwort möchte verdriessen und uns zu schaden antreiben lassen; und halten deswegen dis zur Ueberlsgung gezogene Bewegung vor gut: so will sie der vernünftige Wille. Dieser ist also vor aller Uebereilung/ vor allem Fehler ftey und sicher. Denn so bald ein Irrthüm unterlauft; so kommt er ' - U r nicht «56 Giesser Wochen-Blatt/ Num. XX. »licht von der Vernunft/ sondern von dem Mangel derselben / von der Unvernunft/ und entstehet daraus/ baß inan eins oder das andere nicht deutlich eingesehen und nicht genug bedacht. Er ist folglich ferne von dem vernünftigen Willen und zeiget an/ daß inan in diesem Falle der sinnlichen Begierde gefolget. Der menschliche Wille ist aus beyden angeführten Arten vermischet. Wir haben so wohl Sinnen / als Verstand ; wir haben so wohl klare und deutliche, als dunkle/ und undeutliche Erkenntniß; daher muß unser Wille theils sinnlich / theilsver- künftig seyn. Die Mischung ist dazu sehr ungleich / denn das Licht des Verstände- in unsrer Seele ist sehr gering und so beschaffen / daß eS mehr Finsterniß übrig lastet/ als Klarheit hervor bringet und hier ist der Sitz des Uebels/ den wir jetzo mehr be- suchten wollen. Die sinnliche Begierde ist allezeit ungleich viel heftiger und gewaltiger/ als des vernünftige Wille / wie die Erfahrung täglich lehret. Dieser ist gleichsam wie ein guter Freund / der einen Rath gelassen giebt und leiden kann / daß man dawider rhut; jene aber ist wie ein zwingender Tyrann/ der einen mit Gewalt hinziehetund dem man nicht anders / als mit grosser Kraft widerstehen kann- Man stelle sich einmal einen Menschen vor/ der mit Vernunft überleget/ daß es ihm nützlich und nach seinen Umständen nöthig sey/ die Vorlesungen aufder hohen Schule fleissig zu besuchen und zu Hause sich weiter zu erbauen/ und der daher den heilsamen Willen fasset/ dieses alles zu thun; wie leicht ist es nicht / daß ihn eine geringere Gelegenheit Die Sinnen zu vergnügen von diesem guten Vorsatze abbringet? Man stelle sich auch daneben einen andern vor / dessen Herz von den Pfeilen des Cupido verwundet worben/ und den die sinnliche Begier^ de so lange spornet/ bis er den Weg zu seiner schönen Gebietherin zuiückegeleget; was vor eine Veredtsamkeit muß man besitzen um den Entschluß / bas die, cur hie, d.i. sage/ warum du hier bist/ besser zu beherzigen / bey ihmhervorzubringen? Ueber dieses hat die sinnliche Begierde auch das an sich/ daß sie viel geschwinder als die vernünftige entstehet. Es ist nothwendig / daß jene viel eher fertig ist; denn diese erfordert ein Nachdenken und wohlbedächtliche Ueberlegung / womit man nicht in einem Augenblick zu Ende kommet; jene aber ist gleich da / so bald man beym ersten Anblick dee Sache eine Lust in sich fühlet. Man müßte sein Leben über niemals geirret haben / wenn man nicht wissen sollte/ daß man sich von einem Dinge einen ganz andern Begriff machet/ wenn man es reiflich und sorgfältig erwogen/ als da man es anfänglich eilend und obenhin betrachtet. Eben dieses aber bezeuget/ daß/ waö man in den unbedachtsamen und undeutlichen Vorstellungen vor gut hält/ man bei) genauer Prüfung und deutlicher Untersuchung böse befindet und umgekehrt. Daher kommt es/ daß man so oft mit der sinnlichen Begierde will / was der vernünftige Wille fliehet und verdammet, und dagegen mit jener verabscheuet / waö dieser vor rathsam und löblich erkennet; daher kommt es/ daß man ein ander Gesetz in seinen Gliedern sieht/ das da widerstreitet dem Gesetze in seinem Vemürhe/ u-ß w.R^w.7- Dieses ist der betrübte Streit/ dessen Mürkung die Süll- Dienstes den r-ten May i7fo, if7 de/und darmrä-der Tod und alles Elend ist. Dieses ist die Quelle der ersten Heber» tiettnnfl auf und aus derselben erfolgenden. Denn in diesem Kriege ist bey vielen Menschen allezeit/ auch selbst bei? den behutsamsten öfters dec (L^eg auf der >Leite ber sinnlichen Begierde. Denn da diese viel schleuniger entstehet/ saftet sie zu erst Platz und setzet |id) fest in der Seele; da ferner ihre Kraft viel stärker ,st als ihres langsameren und schwächeren Gegenpartes / so ist es kein Wunder/ daß sie ihn überwindet und der arme Mensch/ der zu weichlich ist/ als daß er sich selbst Gewalt amhue/ zur Sunde hingerissen wird. Zur Sünde; denn da der vernünftige Wille vermöge obiger Anmerkung niemals fehlet / so muß die ihin widerstrebende sinnliche Begierde allerdings böse/ und ihre Erfüllung sündlich seyn.' Solche / die zwar noch einiges Gewissen haben/ bei) denen aber das Böse bereits zur Gewohnheit worden / fühlen nicht nur den innerlichen Krieg beständig im Herzen/ sondern es ist auch was besonder seltenes/ wenn sie ihren verdorbenen Leidenschaften nicht unterliegen. Denn Kraft der ersten Bedingung äussert sich noch eine Heberlegung ihrer Handlungen in ihnen / und der Wille/ ein ungebetttner Rathgeber / schlägt ihnen vor/ was zu thun und zu lassen scy; ihre Neigung zum Argen aber setzet sich diesen vernünftigen Vorschlägen entgegen / befiehlet das Gegentheil, und da sie wegen langwierigem ungestöhrtem Besitze die Herrschaft zu haben befuget sevn will; so traget sie nach getbanem geringem und kurzem Widerstand den Triumph davon. Ist aber bas Gewissen/ der innerliche Richter unsrerThaten / einmal völlig eingeschlaftn/ oder von seinem Stuhle herunter geworfen; so entstehet zwar kein Streit mehr/ weil niemand da ist / der widerspricht; allein nun ist auch der Vock Gärtner/ die Assecten schalten und walten im Menschen, und er thut/ ohne sich im geringsten zu bekümmern, obS recht oder unrecht ist/ alles was ihm in Sinn kommet, und wozu ihn sein verdorbener Trieb reitzet. Dieses ist der höchste Grad des HnglückS / darein man verfallen kann/ und desto unerträglicher/ je mehr man Gewalt und Vermögen hat. Dagegen ist auch eine andre trestiche aber sehr rare Verfassung bei) uns möglich» Wer nämlich durch vielfältige Hebung sich einen guten und gefunden Geschmack zu wege gebracht/ der fällt auch von denen nur undeutlich und minder klar erkannten Dingen ein richtiges und mit der Wahrheit übereinkommendes Hrtheil; daher hält er auch in solchen Hmständen das wirklich Gute vor gut / und das wirklich Böse vor bös; selbst die sinnliche Begierde will also jenes und verabscheuet dieses. Daher stimmet sie mit dem vernünftigen Willen völlig überein. Jezo ist folglich / eben wie im vorigen Falle/ ein innerlicher Friede in Der (Siele/ aber mit dem Hnterscheid/ daß man von allen bösen Lüsten weit entfernet und in dem Guten desto fester gegründet ist. Dieses leztere ist etwas grosses und giebt gegenwärtiger Einigkeit bepder Begierden vor dem GtOlsthett Vorschlag / wegen einer gänzlichen Vertilgung aller Leidenschaften einen unbeschreiblichen Vorzug. Denn dieser leztcre ist uns / so lange wir Menschen bleiben/ unmöglich; weil von den Sinnen sich gar los zu reissen / heißt ein Engel werden. Und wäre ft möglich/ so wäre (t doch nicht rglhsam. Denn so lange der vernünftige Wille U i allein r;z Giesser Wochen--Blatt/ Nam. XX. allem ist/ unv nicht von der Kraft der sinnlichen Begierde unterstützet wird/ so ist er schläftig/ treibet nicht streng genug an/ und lasset sich von mittelmäßigen Hindernissen Dergestalt schrecken/ daß die beste Absichten nicht oder wenigstens nicht mit dein gebührenden Nachdruck ausgeführet werden. So bald sich aber eine männliche Stäike der Affecten mit der Güte des Willens vereiniget / und bevde gleichsam in einen Trieb zusammen fliessen; so geben sie der Seele ifp merksam zu überlegen. Man muß die Eilfertigkeit ablegen / und sich Zeit nehmen/ daß man sich besinne / was man zu thun hat/ wie es am vernünftigsten anzu- fangen/ wie es sich zu unfern Umstand schicke/ ob es mit den Gesetzen übereinkomme/ u. o. g. und alsdenn erst zur Thac fclbit schreiten. Wmn man heftige Triebe bei) sich fühlet/ so muß man die Sache eine Meile bey Seite legen und warten/ bis man wiederum von allen Äst' cten ftey ist/ und gleichsam sich selbst ganz übersehen kann. Endlich so ist das lezte dieses/ man muß fein imGedächtniß behalten / was wir vor Bewegungsgründe bei) unfern Handlungen ehedem überleget / und was sie vor einen Ausgang gewonnen haben; damit man inskünftige bey einem jeden Vorfall in der Geschwindigkeit ein wahres Urtheil von dem was zu thun und zu lassen ist falle und keine verkehrte Lust uns übereile. Dieses leztere und überhaupt alle Bemühungen/ die aufdie Verbesserung deS Geschmackes zielen / dienem um selbst die sinnliche Lust auf die rechte Bahn zu bringen/ und also zu erhalten / daß sie mit dem vernünftigen Willen einig wird. Die Beyspiele andrer/ welche man aus den Geschichten lernen kann/ auch wohl gut ersonnene Erdichtungen / Fabeln und ausgesuchte Romanen sind hier von grossem Nutzen; sie sind lebhafter als Regeln / und rühren daS Herz nachdrücklicher. Das beste / was von den Menschen zu gewarten ist / ist die gute Kinderzucht. Denn der zarte Zweig läßt sich biegen/wie man will; das alte Holz aber springt/ ehe es nachgiebt. Der Jugend kann man die verdorbene Begierden beyzeiten abgewöhnen und ihr so wohl einen Haß dagegen / als eine Freude am löblichen beybringen; und alsdenn hat der erwachsene und nun auf seine weitere Verbesserung bedachte Mensch vor denen einen grossen Vorsprung / welche/ nachdem sie die Bosheit mit sich erwachsen lassen/ den alten Adam/ der zur männlichen Stärke gediehen und sich mächtig zu wehren weis/ auf einmal mit Gewalt zu ersauffen. Allein was wir vor uns selbst allein thun/ ist nicht hinreichend. Dem oben angeführten Cottfiiclus / war es so ernst / als je einem Menschen/ und er that alles/ was er konnte und seine Natur half ihm/ hatte auch viele Zeit / indem er zu einem hohen Alter gelanget/ welches ohnehin die Eigenschaft hat/ daß einen darin die Begierden selbst verlassen; aber er mußte gestehen / daß er bey weitem nicht erreichet / waS er zu erhalten sich bestrebet. Gottes Geist isks / der in uns würfen muß / von dem haben wir die völlige Heiligkeit zu erwarten. Wer also begehret / seine Seele in den bisher beschriebenen beglückten Umstand zu fetzen/ der hat kein besseres Mittel / als daß er den Heil. Geist um seinen gnädigen Beystand gnflehet/ und ein dessen Rührungen folgsames Herz bey sich finden läffet. Sterbfälle allhrer. Den n.May i?fo. verstarballhier der geschickte und gelehrte HerrIoh. Jeremias Herr J-ü.l. Hochfürssl- Hessen-Därmstädtischer RegierungS- und con- fiftorial- t6o Bresser Nam," XX- Moria!- Rath in seinem SLten Jahr. Er war ein würdiger Sohn des hochberühmtell Unirersitäts-Canzlers Herrn Ioh. wcolai Herr / und ist den »6. April 1689. ge- bohren. Nachdeme er durch sorgfältige Auferstehung und privat • Unterricht zu fernerer guten Unterweisung auf das Jdsieinische Gymnasium unter der Aufsicht des da- nuhligen Rectors Herrn Gärtners in kurzem soweit gebracht/ daß er 1706. auf Kiesiger Universität seine fernere Studia fortsetzen können, sohater»?!). den Gradum j.U.Li- centiari nach vorgängiger gehaltener inaugural- Diflertation, worinne er rariores quas- dam ^uri; Goncroverüa; abgehandelt / angenommen/ worauf er 1714. seine Reisen durch Deutschland / Holland und Frankreich angetretten und die vornehmsten Acade- micn und Städte besucht. Nach seiner Zurückkunft 1717. wurde er von Sr. Hochsürstl. Durchlaucht zum Afledere Key hiesigem Conflftorio und 1718. auch bey Hochfürstl. Regierung/ Anno 171?. aber wurde er zum wirklichen Regierungs- unD Confiftorial- Rath gnädigst ernennet, welches Amt er mit aller Geschicklichkeit verwaltet. An. 17-7. verhcyrathete er sich mit des wohlgebohrnen Herrn ss.Melch. Lucii ältesten Confulent und Syndici der freyen Wahl« undCrönungs« Stadt Frankfurt rten Jungfer Tochter und hatSöhne und r.Töchtern hinterlassen. neue Dedudionej |eynb beym Verleger zu habe«. Rechtliche Dcdutiion und Vorstellungen derer bey dem lCammer» Gericht zu Wetzlar in re & modo gegen die -Ordnung jüngsten Reichs- und Viflcacion,. Abschied und Kayserl. Wahl * Capituiation vorqegangencr nullitxten und irregularitaeten in anmaßlichen Sachen einiger Nassau - Weiburgischen Un- terthanen des Amts Hüttenberg contra Jhro Hochsürstl. Durchlaucht zu Nassau « Weilburg / fol. 17p. 20. fr. Ausführliche Erörterung des dem Hochfürstl. Hauß Hessen» Darmstadt über den Flecken Freyenfchen und dessen vor andern Gräflich - Solms- Laubachischen Untertanen bis auf den heutigen Tag erweislich habenden Vorrechten und Privilegien zustehenden Erb- Schutz- Rechts dem Mißbrauch der Gräflich- Solms- Laubachischen gewisser maaßen verglichenen Landes-Obrigkeit entgegen gefetzt-nebst BeylagcN Nro, j.usq. izy. fol, l7sO. Dienstsirchende perforiert. Eine Person aus Sachsen bürtig / Lutherischer Religion/ suchet allenfalls Laqvcycndienste/ hat schon bey verschiedenen vornehmen Herren gedienet/ schreibt eine saubere Hand / verstehet das rechnen / weis mit Perouquen und Haar-ftisiren wohl umzilgehen und spricht auch französisch / isi mit guten Attestaten urrd Abschieden versehen ; Bey Ausgebern dieses kau man weitere Nachricht erhalten. Dieses Wochenblatt wird alle Dienstage allhier bey dem Verleger Johan« Philipp Krieger denen Herrn kr-mumeranren auögeliefert/ auch einzeln das Stück vor t, Er, abgegeben.