SlfefiVr Wochen-Malt, Num. XL Dienstag den 17. Martii I7p. Mir Hochfürstl. Hestettdarmstädtischer gnädigste Erlaubttiff. Von der wahren Zufriedenheit und dem Wege zu derftlbigen zu gelangen. er ringet vergebens nach einer unmSgklchen Glückfch'gkeit/ weicher fordert/-daß alles in der .Welt nach seinem Kopfe gehen und ihm gerade das wiederfahren soll/ was seine eigensinnige Begierde der allweisen Vorsdrge GÖttes vorschreibet. Denn zu geschweiqen/ daß ein solcher Mensch eine ganz eigene Welt einzuhaben verlanget/ worin er allein Herr sey / und daß zwcy dergleichen Glückstvrannen nicht beysammen bestehen können/ indem der eine z. E. auf denselbigen Augenblick Sonnenschein befiehlet/ da der andre Regen haben w'll; so verstel-et der geringe menschliche Aeiliand selten was ihm gut ist und trachtet nach Dingen die durch den Schein verblenden/ die wie ein überzuckerter Gift zwar wohl schmecken/ aber übel bekommen; daher will er bald die Ursache und verabscheuet doch dabey ihre Würkung/ bald verlanget er die Würkung und mag sich doch nicht bequemen die Ursachen und Mittel dazu zu ergreifen. Wenn wir daö Kind mit seinem rechten Namen nennen sollen/ so wünschen diese Leute / die da klagen/ wenn nicht alles nach ihrem Sinne gehet / Einwohner in dem so genannten Schlaraffenlan- de zu sevn/ wo die gebratene Schnepfen in der Luft herum schwermen und / so bald man winket/ stückweise in den Mund fliegen/ auch wenn man ihrer satt ist/ alsbald in 8 eine Ii Giesser w-chen-Blatt/ Num. XL h uns mehr Hindernisse in den Weg legen/ als wir zu überwinden vermögen / undda- Glück weiö sich in unsre Geschäfte dermassen einzuflechten / daß manchmal in einem Augenblick geräch/ was ivir in vielen Jahren nicht vcrmuthet hätten / manchmal aber alle Arbeit/ alle Sorge / aller Schweiß von ihm vereitelt und unser Endzweck entweder in nichts/ oder in das Gegentheil verkehret wird. =0 so will ich denn lieber den/ der ü- der Wind und Wellen zu befehlen hat / der Sonne/ Mond und Sterne lausten und stille stehen heisset / und vor dessen Wink die ganze Natur sich mit Zittern demüthigeri muß / meine Sachen hinaus führen lassen / als daß ich meine ohnmächtige Nerven um- fonft anspannen und von dem Glücke mit meinem Vorhaben zu meiner Quaal spielen lassen will. Unser Herz wird ganz leicht / wenn wir solchen Gedanken nachhangen / und ein sanfter Wind blaset alle Sorgen und allen Kummer aus unferm Gehirne. GOtt weis besser / als ich ihm sagen kann/ wie meine Umstande insgesammt beschaffen sind/ und was darin nöthig und heilsam ist ; GOtt will mehr / als ich bitten kann/ alles Uebel wenden und alles Gute geben; GOtt kann mehr thun/ als ich wünschen kann und mehr Freude schenken/ als ich annehmen. Was da kommt/ daö kommt von GOtt; warum sollte ich es denn nicht vor das allerbeste halten/ warum solte ichmur- ren/ warum unzufrieden seyn/ da ich es so gut habe/ daß man es nicht besser haben kann. Wlll etwas meinen Sinnen nicht gefallen ; ey so weis ich ja/ daß ich nicht verstehe/ was mir ersprießlich ist/ und daß der Allerhöchste / dermirs zugeschicket/gründlicher eiusiebet/ ob mirs tauget oder nicht / und daß er es von mir würde abhalten können und wollen, und also ganz sicher abgehalten haben / wenn er nicht in seinem unendlichen Verstände befunden hätte/ daß eS Mir entweder an und vor sich selbst / oder durch die Folgen dienlich/ ja am allerdieniichsten ist. Wir haben oben nicht ohne Bedacht neben das Vertrauen aufGOttumzur wahren Zufriedenheit zu gelangen auch dieses gesetzt/ daß man das Seinige mit allem gleiste und möglichster Treue thun soll ; denn dieser Theil der Regel lasset sich von jenem durchaus nicht trennen. Wer seiner Schuldigkeit wissentlich nicht nachkommt/ der übertritt die Gebotte GOttes/ weil eben diese die Vorschriften sind/ woraus man siebet/ was man zu thun schuldig ist. Wer die Gebotte GOttes übertritt/ der sagt ihm den Gehorsam auf/ will ihn nicht mehr vor seinen Herrn und -Oberen erkennen/ und ist in dem grossen Reiche des Allmächtigen ein Aufrührer. Die Gerechtigkeit dieses unumschränkten Königes e-fordert/ daß er nach seiner Weisheit den Rebellen züchtige/ ihn zu paaren treibe und mache/ daß ihn seiner Widerspenstigkeit gereue. Da« her erfordert die Gerechtigkeit, daß er seine Liebe weislich zurück halte und dem Misse- thater das Gute entziehe und ihm Strafe auflege/ die ihn drücke und zur Erkennmiß/ Buffe und Besserung bringe. Es kann also ein solcher Mensch / was den Willen GOttes anbetiift/ wenn er darüber Nachdenken will/ kein anders als ein widriges und unangenehmes Schicksal erwarten und muß auch selbst bekennen / daß er keines andren würdig ist/ folglich aber muß das Vertrauen auf GOtt gemindert und durch seine L $ Sünde 86 Giesser Wochen-Blatt / Nam. Xl. Sünde damit auch die Zufriedenheit von ihm genommen werden. -0 wie betrügt man sich also und hintergehet sich selbst/ wenn man sich einbildet/ man sty ein lieber Sohn oder liebe Tochter G-Ottes und/ könne sich ganz sanft in den Schoß desselben nieder legen / ob man gleich ein falsches Herz/ das mit unerträglichem Hochmuth nnd Verachtung deö Nebenmenschen bis oben hinaus angefüllet ist / den Geldgeitz/ den keine Summen ersattigen können / Wollust nnd was sonst vor Triebfedern de- Lasters übrig sind/ mit hinein bringet! GOtt ist kein Mensch der sich hcuchlen liesse/ nnd mit Schmeicheln wird er mehr erzürnet / als gewonnen. Also gehöret etwas zu dem Vertrauen / welches nicht so leicht ist/ als es sich ansiehet/ und eS ist ganz natürlich / daß man auf die Gedanken kommt: wer ist ohne Sünde / und wer will solchergestalt seine Zuversicht auf GOtt setzen ? Alles ist nsch nicht verlohren/ denn GOttes Gerechtigkeit hebt die Liebe nicht auf/ sondern mäßiget dieselbe nach den Regeln der Weisheit. Der HErr straft nicht wie ein in die Wuth gebrachter Grimmiger / der mit dem Blute deö Übertreters seinen Zorn abkühlet und an dem Unglücke des gepeinigten seine Freude siehet. Sondern er hat kein Gefallen an dem Tode des SünderS; es ist ihin so zu sagen leyd/ daß er uns böseö wiederfahren lassen muß/ und gäbe uns lieber gutes/ wenn nur die Klugheit nicht erforderte/ daß der Ruchlose mit Ungemach l zum Verstand und auf den rechten Weg gebracht werde. Die Sünde stürzt den Thüter selbst ins Verderben/ und weil GOtt den Menschen durch Strafe von der Sünde abwenden will / so will er ihn dadurch aus dem Verderben reissen. Also sichet man ja daß GOtt eben deswegen schlagt weiter liebt. Stellet euch einen Varer vor/ dessen Kind sich unartige Sitten angewöhnet. Liesse er es so gehen / so würde seine Bosheit wachsen / und es würde den geraden Weg ins Elend laufen. Er strafet es also auf eine vernünftige Art/ damit er es von dieser ab und auf die Bahn zu seinem zeitlichen und ewigen Wohl bringe. Er schlägt / also in der Thal aus Liebe / ob er gleich wollte / daß das Kind nicht möchte gesündiget haben und folglich auch nicht müßte von ihm hart angegangen werden. Demnach wird/ wie wir uns deö Ausdruckes sorgfältig bedienet/ bey dem Sünder zwar das Vertrauen auf GOtt gemindert / daß er nicht mehr mit ganzer Freudigkeit nichts / als was ge» wünscht zu werden verdienet/ von GOtt erwarten kann; allein es wird doch noch nicht völlig aufgehoben. Denn es bleibt ihm übrig/ daß er denken kann: Ich habe dich beleydiget mein Schöpfer/ ich bin also werkh/ daß du michs empfititwi leistest/ deine Gerechtigkeit befiehiet es / und mein Heil erfordert es. Ich weis aber du legest mir aus überschwenglicher Barmherzigkeit nicht mehr auf/ als was deine Weisheit / die zugleich auf meinen Vortheil siehet / begehret. Schlage also / ich will gedultig leyden/ und das / was mich betreffen wird/ vor das beste erkennen / daö einem in sich gehenden Uebertreter wiederfahren kann / und will nichts anders verlangen / weil ich sonst bitten würde / du sollest mich in meiner Bosheit laufen lassen/ mich nicht bessern / und folglich dich meiner nicht mehr annchmen. So weit gehet das Licht/ das die Natur in unsrer Seele angezündet hat. Viel Dienstag den 17tert Mare. i7fo, t? Vie! vortreflicher aber unterrichtet uns die Offmbahrung/ daraus wir wissen/ daß der Sohn des Allerhöchsten durch sein bitteres Leyden und Sterben die Mlssethaten aller derer / die an ihn glauben und durch ihn selig zu werden bitten/ auf sich genommen/ alle Schulden getilget/ und eine reine Gerechtigkeit / die vor GOtt gilt / hergestellethat. Hier haben wir ein Mittel von unendlicher Kraft/ welches machet / daß unsre erkannte/ ernstlich bereuete/ und durch Christi Verdienst abgebettene Sünden nicht mehr im Stande sind unser Vertrauen auf GOtt zu hindern. Denn sie sind durch das Blut unsers Erlösers ausgelöschet und seine vollkommene Heiligkeit wird unS jugerechnet. Das Chnstenthum ist also das allersicherste / welches eine auch durch die Pforte der Höllen nicht tu verstöhrende Zufriedenheit und Gemüthöruhe beo uns zeugen kann. Die Vernunft thiit das ihrige/ reichet aber nicht bis an das Ende. Die Weltweisheit ist so aufrichtig/ daß sie ihre Unzulänglichkeit erkennet/ was durch sie Nichten erlangen stehet/ getreulich anzeiqet/und zu einem bessern Arzte hinweiset. Das vor 8. Tagen angezeigte Buch führet folgenden Titel: D- Johann cob Rambachs Wunder der biß zum Tode des Areuizss erniebrigtert Liebe/ nebst noch einigen erbaulichen Gedichten desselben mit Leupstern heraus geaebcn von Henrich Christoph CTebel / der Beredsi und Dichtk. ordenel. Lehrer in Giessen. Giessen bet) Johann Philipp Krieger 1710. und bestehet in u, Bogen Schnfft und 2. Bogen Kupffun in 8vo. Im ersten Theil dieses Werckö ist ein vortreff icheö Gedichte über das gantze Leiden Jesu Christi enthalten / welches der selige Herr Verfasser/ als einen ordentlichen Grund-Riß seiner überall beliebten Passions-Betrachtungen aho eingerichtet/ ausgebessert und fertig gemacht hat/ daß man nicht undeutlich sichet/ er habe eS nach seinem bereit ans Licht gestellten schönen Poesien selber noch heraus geben wollen. Im andern Theile treffen wir kleinere erbauliche Gedichte desselben über mancherley Materien an. Wer den Rerchthum/ die Deutlichkeit und Annehmlichkeit seiner Gedancken aus seinen übrigen von ihm selbst dem Druck ü- berlassenen Poesien kennet / der kann auf die gegenwärtige einen desto sicheren Schluß machen/ weil sie auö eben dem Vorrathe genommen sind / aus welchem die andere schon heraus gegangen. Welches alles in der Vorrede wclkläufftigcr gemeldet wird: und finden wir nicht nöthig ein mehreres anzuführen/ weil die Rambachische Arbeiten fo beliebt als bekannt sind. Vom schlechten Äombttu und Verbesserung dessen. Herr Neumann hat in zwei) kleinen Schriften/ 1) erfahrungsmäßiger Beweis von dem jetzigen ungemein schlechten Kornbau rc. 2) Discurs darüber rc. viele brauchbare Erfahrungen mirgetheilet. Die Hauptfehler des jetzigen Kornbaues setzet er auf folgende Classen. Man bringt den Saamen und den Mist nicht tief genug in die Erde/ man hat keine tüchtige Egte/ die das Unkraut hinlänglich ausrotten könne/ man säet zu dichte: man säet das Mnterkorn viel zu spät. Diesen Mängeln abzu- helf- 18 Gresser Wochen-Blatt/ dlum. Xl. helfen/ erkheilt er den Rath/ das Winterkorn r Wochen vor Michaelis auszusäeni lief zu pflügen/ den Mist tief unterzubringen/ dünne ju säen/ bey der Egge zähne von Eisen etwas krumm und an 5 Balcken befestiget zu brauchen. _ Bey dem Verleger werden veS Herrn d. Johann Jacob Rambachs Betrachtungen über den Rath G-Otteö von der Menschen Seeligkeit / wie solche in der Stadt«Kirche in denen Donnerstags Predigten vorgetragen worden / bestehend in r Theilen qto/ wieder aufs neue gedruckt. Sie werde» geliebtes G-Ottohnfehl- bar künftige Franksurther Herbst-Messe Vie Presse verlassen / und diejenigen so von dato an vis Johannis i. fl. ;o. kr. voraus bezahlen/ empfangen das Werk / so bald rs fertig / gegen Nachzahlung kr. also vor r. fl. Nach verflieffung dieses Termmgs aber wird es nicht anders als für j. fl. abgehen. Hiervon ist ein apartes Averriflemtnt gedruckt welches gratis ausgegeben wird. Von Hochfürstlichem Oberamt allhier. Wird hierdurch bekanm gemacht/ daß Samstags den rr. Mart«, a. i. Jo» hgNN Balthasar Mausens Hauß und Güter öffentlich sollen versteigert werden als i. Eiv Hauß samt Zugchör und Hintergarten in der Löwen - Gaß. x. Eine Wieße aus der Levffenhard halt i oo. Ruthen 6. Schuh, z. Ein viertel Garten am Mittel-Weg bey der kleinen Mühle- 4- Ein viertel Baum - Garten gleich darunter an Johann Jost Maus Wer darauf zu bielhen lüsten hat/ wolle sich obigen dato um - Uhr auf dem Rathhaus allhier einfinden. Au neuen Buchern sind bey dem Verleger angekommen: Herrn von Loen/ die einzige wahre Religion allgemein in ihren Grund Sätzen verwirret durch die Zänkereyen der Schriftgelehrten zerkheilet in allerhand Secten vereiniget in Christo * Theile sbo Jrankfurth 17 1o. 1 fl. Martin Jockisch der expedne Prediger ;ter Theil 8vo Sorau 17/0 24. k- Homiletische Schatzkammer ster Theil 8vo Langensaltz i?fo. il kr. Christian Emanuel Mer / das erwürgte Lamm GOites auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit oder der ganze Christus in seiner wahren grösse. 8vo Leipzig 17/0. kr. Dieses Wochenblatt wird alle Diensttage allhier bey dem Verleger Johann Philipp Krieger denjenigen, so auf ein Jahr mit r. fl. oder auf ein halt» Jahr mit 1. fl. prznumeriret, zugesendet; auch wird das Stück einzeln vor ;. kr. abgegeben. Diejenigen so dieses Wochenblatt zu halten sich annoch entschliessen wollen, belieben die Vorausbezahlung auf hiesiges Postamt einzusenden, so wird NM mch mit den bereits heraus gekommeneß Stücken dienen,