Mochen-Matk, Num. XXXVII. Dtmftag den Sept, 1752. Miv Hochförstl. Hessendarmsiädtischer gnädigsten Erlaubniß. Vom Lebensziel r pf ■ 4 kx <4- MtM/ x M. ? ■ ■ f P 'O iJisB* Tod des Menschen ist «ine Begebenheit, die eben so viel/ nicht! X XÄ '"Ehr und nicht weniger/ Gewisheit hat als andre / die in der Welt vorkommen. Wer demnach von der Einrichtung der Weit und dem darin herrschenden 'Zusammenhang / der einem jeden Dinge seine Zeit und seinen Ort anweiset/ einen hinreichenden Begriff hat, der weis auch wohl / waS von dem'Lebensziel und der Todesstunde mit Bestand der Wahrheit behauptet werden kann. Mer aber auch dagegen in dem/ was daS erste btmft/ unwissend ist/der wird vom letzten schlechte und ungegründete Meinungen hegen müssen. Denn die Wahrheiten sind nicht wie die Karten / daß eine jede einzeln könnte erkannt werden; sondern sie hängen aneinander so/ daß derjenige/ der die vorhergehende nicht angesehen hat/ bey der folgenden blind ist. Da nun sehr we- nige von dem Zusammenhänge der Begebenheiten in der Welt unterrichtet sind; so ist kein Wunder/ daß so manche seichte Einbildung von der Fatalität deS Lebensendes zu Markte gekommen. Es würde unö viel zu weitläuftig und unserm Eckel für dem Abgeschmackten viel zu verdrießlich fallen / davon eine umständliche Historie aufzusetzen ; deswegen gehet unsre Absicht blos dahin/ di« geineinen und txy verschiedenem in unsrer Gegend unzutreffenden Jrrthümer anzuführen und Durch Erklärung der Wahrheit zu widerlegm- Wir werden uns dabev bemühen/ so vcel als möglich ist ohne Voraussetzung solcher Gründen / die nur vor gelehrte Leser gehören/ dieselbe deut- Hp sich „0 Gresser Wochen-Blatt^ Nam. XXXVII. lch vorzutragen. Am Ende wird sich zeigen / daß eine solche Urberlegung zum Nutzen im Leben anqewendet werden kann. , , , , Der gemeinen Erzählung nach sollen die Türken glauben / ein unw>dertrnb< liefet Verhängniß habe einem jeden Menschen den Augenblick semeS Endes dermaßen festgesetzt/ daß er darin unumgänglich sterben müsse/ eö mögen Ursachen des Todes vorhanden ftyn oder nicht/ und baß er vorher nicht uirkommen könne/ in was für eine Gefahr er sich immermehr begäbe. Sie sollen deswegen höchst verwegen seyn und , E von dem -Orte/ wo die Pestilenz regieret/ sich sticht hinweg begeben/ auch so aar 'die Kleider eines an solcher Krankheit verstorbenen ohne Scheu anziehen; ihre Tapferkeit im Kriege soll ebenmäßig auf diesem Grunde beruhen. Daß die ganze Erzählung ihre Richtigkeit habe/ getrauen wir uns aus der Ursache nicht zu behaupten/ weil wir wider die gemeine Gewohnheit nicht geneigt sind den Menschen mehr Thor- heit aufzubürden/ als wir an ihnen deutlich gewahr werden. Unterdessen aber hekräf« rigen diejenige unter ihnen/ die auf erzählte Weise keine Gefahr scheuen / ziemlicher Massen die Vermutung/ daß Die Historie wahr sey. Denn soll und muß ich l)eutc sterben/ so ist es einerlei)/ ob ich das Hembd eines an der Pest verschiedenen anziehe oder nicht; ich sterbe einmal/ wie das andre mal. Ist aber heute mein fataler und unbeweglich verhängter Tag noch nicht da / so kann ich nicht sterben / auch aus eben dem Grunde nicht einmal Schaden nehmen; deswegen wage ich alsdenn alles; ich gebe nicht aus dem Hause/ ob es mir über r>em Kopfe zusammensällt; ich gehe m yag Feuer Feindes/ ov es gleich noch so sehr wu«r: weil ich «taube daß ich vor stbo fest bin und von nichts getödet werden kann. Diese Meinung ist/ wie auch be» reils im Anfang erinnert worden/ ein Theil von einemgrösserm System/ das alle Begebenheiten und daher auch den Tod einer gewissen Nothwendigkeit unterwirft/ die unter dem Namen Fatum bekannt ist. Es scheinet unnöthig diese albere Einbildung zu widerlegen. Denn daß etwas dermaßen unbedingt verhängt seyn soll / daß es geschehen muß/ eS mag eine Ur- fache davon vorhanden seyn oder nicht/ ist so handgreiflich wider den in aller Meuchen Herz geschriebenen Grundsatz: ein jedes Ding muß seine Ursache haben/ daß blos ein zu gar keinen Begriffen aufgelegter Kopf dieselbe bey sich einwurzeln lassen kann. Allerdings hätten die Verfechter dieser Ungereimtheit nicht dem Tod ohne Ursache / sondern diese sowohl als jenen dem Fato unterwerfen sollen. Denn als ehedem ein mit stoischen Sätzen erfüllter und wegen Diebstal zum Galgen verdammter Knecht sich damit entschuldigen wollte: Es sey ein Verhängnis gewesen / daß er stehlen müssen; gab ihm sein Herr ganz wohlbedacht zur Antwort: Go ist denn auch ein Verhängnis/ daß du hangen must. Sehr glaublich ists / daß der türkische Einfall zu dem Ende erdacht und zu erst den Soldaten / welche ihn nachge- bends weiter ausgebracht/ überredet worden/ dälyis sie desto beherzter seyn und dem Leinde nie den Rücken biethensoveh * • Sa Dienstag drn i seeu Sept. i7fo* ijx Go absurd der bisher betrachtete Gedanke immer ist; so findet er doch noch heut ju Tage auch unter uns seine Liebhaber. Denn es giebt Leute/ die bcy den ge- jährlichsten Krankheiten sich der Hülfe des Arztes nicht bedienen wollen/ und deutlich zu verstehen geben/ daß sie dieses nicht darum khun/ daß sie glauben die Arzney habe keine Kräfte in den menschlichen Cörper zu würken; sondern deswegen/ weil sie glauben/ wenn ihr Ziel dasey/ so müsten sieden Weg alles Fleisches wandern/ sie möchten einnehmen/ was sie wollten / und wenn ihr Ziel nicht da sey/ so müsten sie davon kommen/ obste gleich nichts brauchten. In der That man muß sehr subtil distingui- ren können/ wenn man zwischen der erstm und letzen Meinung einen Unterscheid finden will. Wmn man aber doch ein Ziel haben will; sollte man nicht lieber also denken? wenn mein Ziel vorhanden ist/ so wird die Arzney bei) mir nicht Anschlägen; ist cS aber nicht vorhanden/ so w>rd sie Helsen/ und ich werde durch sie und Gottes Seegen meine Gesundheit wieder erhalten: weil ich nun nicht weis/ welches ist/ so will ich einnehmen und aus dein Ausgang lernen/ ob mein Ziel da war oder nicht. Wen» man nicht so denken will/ so ist nicht abzufeben/ warum dergleichen türkische Glaubensgenossen nicht auch aus eben dem Grunde das Essen und Trinken einstellen. Denn wenn ihr Ziel nicht da ist/ so muß sie ihrem Bekenntnis zu folge weder Hunger noch Durst roden können; ist es aber da/ so müssen sie mit vollem Magen zu Grabe gehen. Doch vielleicht ist keine ernstliche Widerlegung nörhig; vielleicht resolvieret sich die ganze Zieldispüte in den Unterscheid zwischen dem Übeln iöeschmack der Arzney und dem angenehmen der Speise und de« Trankes. So viel von dieser ungegründeten Meinung; wir kommen an eine andre, die/ wenn sie recht ve,standen wird, der Wahrheit zwar gemäß/ aber nicht gänzlich hinreichend ist. Man behauptet nämlich / der Mensch könne sein Ziel zwar verkürtzen/ aber nicht verlängern / und dieser Satz muß folgender Gestalt verstanden werden. Das Lebensziel der Menschen wird eingetheilt in den allgemeinen und in den besonn der» Termin. Jener i|l die Zeit/ die allen Menschen in einem gewissen Weltalter von GOtt zugestanden wird; die Zeit / die die Maschine des menschlichen Leibes ihrem Bau/ ihrer Nahrung und übrigen Umständen nach/ wenn sie nicht verletzet wird/ lauffen kann. Wie alles/ was unter der Sonnen ist/ vergänglich ist und nach einer gewissen Dauer endlich untauglich wird; also har der Lech des Menschen auch feine Zeit/ an deren Ende er abgenutzt und nicht mehr tüchtig ist/ der Seelen zum Wohnhause zu dienen. Diese ist der allgemeine Terinin und ist heut zu Tage viel kürzer/ als ehe- dem. Denn vor derSündflulh lebten die Leute ungleich länger/ z. E- rNathusirlah brachte seine Jahre bis auf 56? heut zu Tage aber ist es ein Wunder/ wenn jemand das iz$tc erreichet. Also könnte man den Termin vor der Sundfiurh olmgefähr auf 1000. und zu unfern Zeiten ohngefehr aus 140. Jahre setzen. Dieses allgemeine Ziel muß kein Mensch übersteigen und verlängern können / weil er sonst die Ki asr haben müsie/ sich selbst zu erhalten/ die GOtt allein zukommt. Dieser conserviret alles und zwar/ so lange eö ohne Wunderthar geschiehet / durch Vermittelung derer Dingen/ -O 0 r Die r,r Gresser Wochenblatt/ Num* XXXVir. bic in dSr Natur vorhanden sind- Der Mensch aber hat nicht die Macht länger Athem zu hohlen/ als es seine Lunge zulaßt / länger zu verdauen / als sein Magen ttt! Stande ist, mit einem Worte/ länger zu leben / als sein Cörper dazu aufgelegt ist. Verkürzen kann man aber dieses Ziel / indem man durch die Lebensart allerdings machen kann/ daß man frühzeitig stirbt und folglich der besondre Termin den allgemeinen anticipierek. Ein Mann/ der hundert Jahre hätte leben können/ kann durch Unmaßiakeit seine Natur dermaßen schwächen/ daß er in der Helfte seiner Jahren dabin fahren muß; ein Selbstmörder stirbt/ wenn er will/ und das Unglück wartet auch nicht/ bis unsre Uhr ausgelauften. In soweit also hat die Sache ihre fXidj* tiakeit/ daß eine gewisse Zeit ist/ in welcher der Cörper/ wenn G-Olt nicht ein beson« dres Wunder thut/ natürlicher Weise zerbrechen muß/ und daß der Mensch/ der nicht allmächtig ist / die zu Grund gehende Maschine nicht erhalten und folglich dreall- acmcine und durch den Bau des Leibes determinirte Lebenszeit nicht verlängern / aber wohl / weil er seine Glieder zu mißbrauchen / zu verderben und vor der Zeit abzunutzen vermag/verkürzen kann. , u., . _,.x. Allein es ist leicht zu sehen/ daß diese Erklärung die Hauptfrage nicht beantwortet/ und nur so viel sagt / als einem ohne bas geringste Nachdenken gleich im Anfänge beyfallen muß. Denn man will nicht wissen / ob der Mensch eher/ oder nicht eher sterben könne/ als sein Leib zum Leben gar nichts mehr nutz ist. Wer wird so wenig Verstand haben/ daß er liicht gleich einstehet/ was er hierauf antworten soll. Denn unser Cörper kann sehr wohl mit einer Uhr verglichen werden/ die/ wenn sie lanfft/ sich beständig abnutzt. So oft em Zacken eines Rades ausgehoben wird/ so ost geht etwas/ wiewohl unbeschreiblich wenig/ davon ab/ folglich muß derselbe endlich "einmal zu dünne unD zuletzt entweder verbogen oder gar abgebrochen / und damit die Uhr zum lausten untüchtig gemacht werden. Eben so muß also der Leib auch endlich verderbet werden. Und wie der Uhrmacher durch keine feine Arbeit/ durch kem Säubern und kein Putzen hindern kann/ daß die Uhr nicht endlich unbrauchbar werde; so kann der Mensch durch keine Diät/ durch keine Arzency und durch nichts denCör- per erhalten/ wenn seine zum Leben nöthige Theile ruinirt sind. Gleichwie man aber eine Uhr / die hundert Jahre hätte gut gehen könnerr/ auf einmal mit dem Hammer m Stücken schlagen/ oder durch unverständigen Gebrauch vernichten kann; so kann auch der Mensch sein Leben vor der Zeit durch den Selbstmord oder durch Unmaßigkett verliehren. Alles dieses ist freylich sehr simple und natürlich; aber es begreift auch dasjenige nicht in sich / das man wissen will. r k Das ist die Frage: Titius stirbt an der Lungensucht und zwar heute Abend um 6. Uhr-, war das nun nothwendia; muste er gerade heute sterben und konnte er nicht aushalten bis Morgen; muste ihn gerade die Lungensucht hinreißen; konnte ihn nicht ein hitziges Fieber / oder die Ruhr / oder soirst dergleichen aufreiben? Hierauf ist unsrer Einsicht nach folgender Weise zu antworten: Weil man sagt/ es geschähe etwas nochwendig/ wenn eö unmöglich ist/ Paßes nicht geschehe; so istö Nicht noth- Dienstag den i sden Sept. i?fo. r-z wendig / daß Titius heut Abend um 6. Uhr an der Lungensucht stirbt/ indem er so wohl das Leben länger behalten, als auf tausenderley andre Weise es früher und später verliehren konnte. Hätte er beyzeiten gleich in Anfänge der Krankheit bewährte Mittel eingenommen/ so hätte er entweder noch einige Zeit erhalten oder gar noch ein steinalter Mann werden können/ wie die Erfahrung von andern bewiesen hat. Hätte er aber bey der ersten Empfindung des Ansatzes gleich heftiger / als vorher/ auf feine Gesundheit losgestürrnet / so hätte er den heurmen Tag nicht erreicht. Härte er einte ge Zeit vorher einen an einer sehr ansteckenden Seuche darnieder liegenden Freund be- sucht / dabey sich nicht in acht genommen und noch dazu einen Eckel gefaßt; ober wäre ihm ein schwerer Ziegel von einem Dache aufs Haupt gefallen; so würde ihn eine andre Krankheit oder ein ungefährer Zufall in das Reich der Toden geschickt haben. Also siehet man ganz deutlich/ daß entweder in der ganzen Welt nichts zufällig ist/ welches ungereimt wäre zu behaupten; oder auch keine Nothwendigkeit vorhanden ist/ derenthalben Titius auf die beschriebene Weise seinen Geist aufgeben müssen. Gleichwohl aber war es bey der Geburrh des Titii / ja vor» Anbeginn der Welt ganz gewis / daß er heute Abend um 6. Uhr an Der Lungensucht sterben Werve. Es ist ein himmelweiter Unterscheid zwischen der Nothwendigkeit und der Gewis- heil/ wie man/ um kurz von Der Sache zu kommen/ an Den leichtesten Exempeln sehen kann- Wir glauben nicht/ daß ein einziger unter unfern Lesern vor nothwmdig hält / daß der Tods muß begraben werden Denn man könnte ihn liegen lassen / man könnte ihn ins Wasser werfen/ man könnte ihn verbrennen/ u. d. g. Gleichwohl aber würde man einen auslachen / wenn er zweifeln wollte/ ob Der und Der / Der gestern gestorben / würde begraben werden. Würde er seinen Zweifel entschuldigen und behaupten/ eS könnte ja geschehen / daß er nicht begraben würde/ und sey also nicht norkwendig; so würde man ihm das zwar lassen / aber dabey doch antworten/ daß Die Bestättigung zur Erde dem ohngeachk ganz gewis und zuverläßig sei». Eben so meinen wir es auch hier/ Die Art und Stunde des Todes ist zwar nicht noch- wendig/ allein eine wie Die andre ist dennoch von Anbeginn her gänzlich gewis. Diese Gewisheit aber bestehet Darin. Obgleich in Der ganzen Welt nichts nothwendig geschieht/ sondern alles ebensowohl ausbleiben als kommen kann; foge* schiebet gleichwohl nichts von ohngefäkr/ sonDern Das vorhergehende enthält allemal etwas hinlängliches in sich/ woraus von demjenigen/ Der Verstand genug hat/ sattsam begriffen werDen mag / wie DaS folgende beschaffen seyn wird. Was morgen kommt / entstehet aus Dem / das heute Da ist, und ist gerade so und nicht anders geartet/ weil das Heutige erfordert/ Daß es so und nicht anDers geartet sey. Daß Dieses auch so gar bey Dem/waö auf Den freuen Willen vernünftiger Kreaturen ankommt/ wahr bleibet/ so lange man Den Verstand des Wortes erfordere nicht mit zwingen» nöthigen u. D. g. verwirret/ wollen wir weiter unten sehen. Ist es also an dem / daß das Heutige das Morgenkünstige bereits in sich begreift/ wie ein (Saamen seine Frucht/ daß sich morgen alles fo und nicht anders entwickeln wird/ wie es in Dein Heutigen Ho - be-rifs Giesser Wochen - Blaer/ Ntim. XXXVII. x?4 begriffet» ist und aus dem Heutigen/ als aus seiner Ursache/ erfolget; so ist dasMor- geukunftige an und vor sich felb|t allschon heute ganz gewiö, ja auch in dem Verstau- de dessen/ der das heutige durch und durch verstehet, d. i. wenigstens in dem Ver. ftanDe GOttes ist eS allschon heute gewis. Von GOtt aber wird eben deswegen nicht geleugnet, daß er etwaü aus dem heutigen morgen entspringendes, wenn es ihm etwa nicht gefiele, nicht hintertreiben könne: denn zugeschweigen, daß es von ihm de- vendirte, ob er vaS Heutige machen wollte/ oder nicht, ob er es so machen wollte/ oder anders-, so bleibet ihm allezeit seine Allmacht ungekränket, daß er ändern kann/ waö er will. Allein GOtt weis auch heute schon/ ob eS feiner Weisheit und dadurch allen seinen übrigen heiligen Eigenschaften gemäß sey, das morgen aus dem heu- tiaen erfolgende kommen zu lassen oder nicht / und weil er folglich weis, was morgen koinmen wird, wenn er nichts selbst ändert, auch dabey weis? ob er nichts oder etwas ändern wird, und wie er es ändern wird; so fehlet nun nichts mehr um zu verstehen, daß das Morgende bereits heute so wohl an und vor sich, als in dem Verstände GQt- tes gänzlich gewiS siy. Eben so war das Heutige gestern, das Gestrige vorgestern und so weiter fort biS an den Anfang; ja mit einem Worte, eS war alles/ was gekommen ist und noch kommen wird, von Anbeginn gewis. Unter diesen Begebenheiten ist auch der Tod der Menschen. Also war auch von Anbeginn gewis, wenn/ wo/ an was für einer Krankheit und mit waö für Umständen ein jeder Mensch ster- ben weide. An dieser Auslegung kann Niemand zweifeln, eS sey denn, daß er mit den Socinianern und ihres gleichen daS Vorherwiffen GSttes leugnen wolle; und wer daran anstehet / daß er die hier beschriebene Gewisheit von der oben geleugneten Notbwendigkeit nicht deutlich genug zu unterscheiden vermag, der bedenke deswegen, daß unsre Gewisheit nicht mehr und nicht weniger Nothwendigkeit einführet, als daS GOtt nicht ohne Lästerung abzusprechende Vorherwissen. Weitere Antworten auf diesen Zweifel würden uns tiefer in die Gelehrsamkeit hineinführen / als wir uns in dieselbe allhier und überhaupt in unserm Wochenblatts einlassen Dorfen. Vielleicht denkt jemand: wenn den»! der Tod, dessen Stunde und alle Umstande so gewiS sind, als hier vorgegeben wird, so ists abermal umsonst, daß man sich um Mittel wider ihn bekümmert. Denn ist das mein Stündlein, es mag eS nun nothwendig oder nur gewis scyn / so muß ich in ihm den Weg in das andre Le- bcn anttetten, und die Arzney wird umsonst eingenommen; ist das aber mein Stund- lein nicht, so brauche ich keine Hülfe deö Arztes, sondern ich werde ohne ihn davon kommen. Allein ein solcher Emwurf kann nur dem einfallen, der nicht bedenkt, daß eben die Gewisheit der Mürkung aus der Gegenwart der Ursache hergeleitet und nicht behauptet wird / daß jene unverändert verbleibt wenn schon diese nicht vorhanden ist. Der Gebrauch der Gegenmittel, der machten Mittel, die Unterlassung des Gcbrau- chcö u s w. gehören auch mit zu denen voraus gewissen Bedingunaen, unter welchen nachgehends Leben oder Tod gewis sind. Mit dem Gebät verhält sichs wie mit der Sirmev. Mao darf mcht denken, daß eö nichts helfe, weil vorher, ehe wir bäten, * X * bereits Dl'enstäg den rsten Sept. i7fo# r-e bereits gewis ist/ ob wir sterben oder nicht. Denn das Gebät/ wiewohl es nicht iit die Gesundheit des Menschm cörperlicher Weise wie Pulver/ Tropfen/ u.d.g. wür« ket/ so gehört es doch auch mit unter die von GOtt vorhergesehenen und in Betrach« Ning gezogenen Bedingungeti/ unter welchen GOtt beschlossen hat den Lauf der Natur einzurichten/ oder zu ändern/ den Tod zu zu lassen/ oder zu hintertreiben- Man stelle sich nur GOtt nicht vor als einen/ der die Sache stückweise beschlossen und nachgehends in den Tag hinein lebt/ ohne zu wissen/ was zwischen dem von ihm de« cretlrten Dingen passiren wird/ das werth wäre / daß man ihm zuliebe hin und wieder in dem beschlossenen etwas andere; so wird man keinen Zweifel übrig behalten. In der heil. Schrift hat inan ein Exempel von dem frommen König Hrskras/ her todkrank lag und dem von dem Propheten Estria kund gethan wurde? daß er sterben würde/ auf dessen Gebät aber auch fein Leben auf i f. Jahr verlängert und das Versprechen mit einem Wunder am Sonnenzeiger versiegelt.wurde. Man möchte uun fragen: war denn dieses Königs Tod vor seinem Gebät gewiS oder nicht? So leicht aber die Frage ist; so leicht ist auch die Antwort: Es war gewis/ daß er nicht damals / sondern erst in i s. Jahren sterben werde. Allein so schiene ja der Prophet mit der Uriwahrheit umgegangen zu seyn? Nichts weniger. Denn er sagte darin die völlige Wahrheit/ daß nach dem ordentlichen Lauste der Natur und ohne unmutelba- re gnädige Würkung GotkeS Hiskias nunmehro sterben müsse. Er sagte/ was geschehen werde/ wenn die Natur sich selbst überlassen würde/ und verheelte noch zur Zeit/ daß G-Ott durch Wunder heissen wolle; dadurch aber spornte er den König zu einem desto eifrigern Gebät an/ das GL)lt haben will/ und ermunterte ihn also dem Verlangen GOtteS ein Genüge zu thun. Die gegebene ErNärnng gebet auf alle Arten des Todes / er mag die Folge einer Krankheit/ oder eines ohngefähren Zufalls oder auch einerWuth gegen sich selbst seyn. Warum es GOtt geschehen lasset/ daß ein Mensch sich selbst ums Leben bringet/ wollen wir jetzo nicht untersuchen; denn diese Betrachtung gehöret nicht hierher/ sondern dahin / wo von der Zulassung deS Bösen besonders gehandelt wird. Wie aber das ;um voraus gewis seyn könne, was gänzlich auf der freyen Entschliessung eines Menschen beruhet/ könnte manchen schwer zu begrciffen seyn. Wir wollenunS nicht blos auf das Vorherwissen Gottes beruffen/ denn dieses macht nicht die Gewißheit/ sondern es folget aus ihr. Wir wollen vielmehr kürzlich anzeigen/ wie die Freyheit selbst so geartet sey/ daß man voraus wissen könne/ zu was sie sich entschliessen werde. Wenn ich etwas nach meiner Freyheit will/ so habe ich gewisse Gründe vor mir es zu churr/ und gewisse andre Gründe/ es zu lassen; weder diese noch jene nöthigen mich; nach meiner Ainsicht aber halte ich jene vor wichtiger/ als diese; dadurch grbe ich ihnen selbst die Kraft einer völlig zureichenden Ursache/ und entschliesse mich ihnen zufolge- Wer folglich meine Gründe weis/ die ich auf beyden Seiten habe/ und kennet den Grad nieiner Einsicht/ der weis vorher zu was ich mich entschliessen werde/ ob ich mich gleich freywillig entschliesse. Da aber die Gründe meiner zu- sünstigen Gresser Wochen-Blatt/ Num. XXXVIL künftigen Entschliessung von den gegenwärtigen Umständen hergenommen ssnd/ die jetzo vorhanden und GÖtt bekannt sind/ da dieser Grad meiner Einsicht da/ und G-Ott bewust ist; so ist auch an sich und in Gottes Verstand das zum voraus gewis, was sch noch lhun werde. Und aus dieser Auslegung siehet man auch/ wie ein muthwil- ;rger Tod de- Selbstmörders von Anbeginn eben so wohl gewiS sey/ als ein andrer/ der aus der Krankheit erfolgt. Naturgeschichte. Von der ausserordentlichen Hitze dieses Sommers stimmen die Nachrichten aus verschiedenen Gegenden überein. Zu Paris war den 24. bis zf. Jul. eine solche Hitze/ daß vvn der Schweizergarde/ dir bey der Königin und der Dauphine die Mache gehabt hatte/ auf dem Wege von Versailles nach Paris zo. Mann den sogenannten coup dc foicil bekamen und 6. davon wenig Stunden darauf starben. Von Cölln bemerkt man/ daß die Thermometer den *7. Jul. aus dem höchsten Grad?6- gestanden; und von Berlin / daß Leute die in Surinam gewesen/ dem Gefühl nach daselbst keine gröfere Hitze bemerket/ als in hiesigen Gegenden/ wo die Fische für Dürre Noth zu leiden angefaugen. VXeu angekommene Bücher. Kopp ( Carl Phil.) de claufula rebus fic ftantibus fecundum jus cum natur« tum ci- vile. 4. Marb. i7fo, iz fr. Neue Genealogisch,Historische Nachrichten/ rter Th. 8. Leipzig 1750. r. fr. die Sprüche Salomonis auf eine leichte Art der Jugend zum besten mit abaetbeilten Sylben eingerichtet/8. Nürnberg i7si. Abschilderun, der Pietisten/ derer Kennzeichen betreffend / 8. Frf. i7n. 8 fr. der von der ttebe betrogene Philosoph ein LussSpiel/ 8. Frf. i7yo. 8 fr. die eifcrsichtige Ehefrau/ ein Lust.Spiel/ 8. Frf. r7fo. « fr. Diese- Wochenblatt wird alle Dienstage allbier bey dem Verleger Johann Philipp Krieger den Herrn Pramumcranten auSaeliefert / man kan auch die von vo- riaem halbem Jahr bereits herausgekommene Stücke » 1. fl. noch erhalten/ iedeS Stuck aber iwo emztln vor 1. kr. abgegeben. J