Kiefer * WochenMatt, Nurn. XV. l * Dienstag den 14. April. 1752- Wit Hschfürstl. Hessendarmstädtischer gnädigsten Erlaubnrß. Die lange Weile und der Zeitvertreib. ie Zeit ist edel/ so sagt jederman/ auch die/ die nichts darin zu verrichten haben. Ein geschäftiger hat Ursache/ diese durch den allgemeinen Beyfall des ganzen menschlichen Be- schlechtes bekräftigte Wahrheit zu behaupten; denn der versäumte Augenblick kommt nicht wieder zurücke/ und die , wGelegenheit/ die man zur rechten Stunde nicht ergriffen/ wird umsonst so bald wreder erwartet. Die Freunde des Müßiggangs bebautentroar ni(bt/ daß eine Reihe Tage vergangen/ woran sie nichts gearbeitet haben/ und daß sie also inskünftige bey den, Beschlüsse ihres Lebens viel weniger werden gekhan haben/ als sie würden gethan haben können; sie seufzen auch nicht über die verlohrne Gelegenheit; denn ihre natürliche Liebe zur Bequemlichkeit würde ihnen schwerlich erlauben/ sich dieselbe zu Nutze zu machen/ wenn sie wieder hergestellct werden könnte Allein weil sie doch sehen/ daß die Zeit wie ein Faß ist/ das beständig lauft und niemals aufgefüllet wird/ das von Anfänge und in der Mitten süsten/ am Ende aber trüben und mit bitterer Hefen vermischten Wein/ der gleichwohl nothwendiger Weise auch verschlucket siyn muß/ schenket und endlich auf immer und ewig leer wird: so ballen sie doch einen jeden Tropfen/ besonders von dev ersten und mittelsten/ vor werth/ mit Aufmer ksamkeit getrunken zu werden. Wenn ein solcher bey dem Gedan- P km ix4 Giesser Wochen-Blatt/ Num, XV. len an dm zukünftigen Abzug aus dieser Welt stehen bleibet / und beyUeberlegunq der rurückgelegten Jahren sich Die Rechnung macht/ wie lange er es ohngefahr noch trei-^ den werde: <3® bhd;t er endlich aus: Die Zeit ist edel/ und man muß sie/ so langO- fie da ist/ geniessen. Ist «ödem so/ so muß mav sich billig verwundern / daß es Leute giebt/ und zwar so viele/ die beständig über lange Weile klagen. Währt dir die Zeit zu lang und sagst doch/ sie sey edel? Sind dir Die Minuten zu groß und zu viel, und er« schrickst doch/ wenn du dich besinnest/ daß sie ein Ende haben werden? -O wie ein conkradictorisches Thier ist es um einen'Menschen! Ich dächte bey dem Grundsätze/ daß die Zeit edel sey/ und beh der Furcht vor ihrem endlichen Ausgange sollte man wünschen/ daß me Minuten so lang) währeten/ wie Ichre; denn man wird seine Tage keinen Geitzrgen finden/ dem die Ducaten/ Die man ihn auszahlt/ zu schwer sind/ oder Der verdrießlich ist/ daß so viele Kreutzer auf einen Gulden/ den man ihm. gikbt/ gehen. Warum macht man denn diesmal eine so wunderbahre Auönahm von der Regel? Diejenigen/ die nichts arbeiten können/ oder vor allen ernsthaften Veschäfti- gungen einen Abscheu haben/ sitzen zu der Zeit / da sie mit keinen Ergötzungen ihre Sinnen kützeln/in einer gänzlichen Unwürkiamkeit da; es ist ihnen/ als hatte die Zeit aufgehüret zu fliessen / gleichsam wie Die Sonne ehemals stille stunde. Weil mm ihre Seelen mit einer/ obgleich faulen / Kraft versehen sind / dre in einer beständiges Bemühung neue Empfindunaen bfrtwjubrmgcn bestehet / und Der fofahdj nichts mehr zuwider seyn kann/ als eine solche .Ruhe/ darin es immer einmal bleibt/ wie dßs andre; so entspringet daraus die Klage/ daß ihnen Die Weile lang werde. Wenn rtian Die Hörsale Der Lehrenden besuchet/ so findet man darin zuweilen Beispiele rwn solchen Leuten/ die zu der Zeit/ Da Dinge vorkommen/ die etwas mehr Wirksamkeit als ein Roman ersordern / durch einen weit geöfneten Mund/ aus dem fich ein tiesgehohlter Athen mit einem schläfrigen Laute langsam herauSzrehet/rmd durch Ringung zusammen gefaltener Händen und krachende Dahnung aller Glieder zu verstehen geben/ daß sie gerne um eine Stunde älter/ also um soviel naher bey Der Zeit wären / wo sie seufzen roerDen: O mihi praeteritos referat fi Jupiter annos! Wollte GOtt/ eö kämen uns Die verfloßne Jahre wieder. Diese Krankheit pflegt entiveder junge Leute, oDer solche erwachsene/ die ge* «ugsames Vermögen besitzen / oder sonst ihre Sacken dergestalt einzurichten wissen/ daß sie nicht nöthig haben/ im Schweisse ihres Angesichtes das Brod zu essen/ zu überfallen / und hat folglich im letzteren Falle grosse Aehnlichkeit mit Dem Podagra. Wer mehr nachzudenken Lust hat / wird nicht ohne einiges Vergnügen die Vergleichung weiter treiben können; besonders wird er gewahr werden / Daß jene eben so schwer zu heilen ist/ als Dieses/ von welchem einige vernünftige Aerzte sagen/ Daß eS Nicht zu vertreiben sey/ wann mw dem Patienten gleich einen Zähen nach Dem ändert, idhauen würde, Die • Dr'ettst.rg den r4 April. lyfo. Die hart an diesem Hebel darnieder liegen/ werden davon alle Tage und ohne Unterlaß geplaget; doch merket man bey einigen an/ daß es ihnen im Winter ärger / als in den übrigen Iahrszeiten zusehet/ da man spatzieren fahren/ reiten/ gehen und sonst andre Lustbarkeiten anstelle kann. Bey andern/ die etwas gelinder damit behaftet find/ stellet es sich gcmeiniZlich über den siebenden Tag ein. Denn nach unsrer Einrichtung ist ein Tag in der Woche/ da man aüe Arbeit bey Seit setzen darf/ und das Recht hat zu ruhen. Geht man Denn aus/ so kommt man in eine grosse Gesellschafft/ wo man nicht mit sprechen darf/ und muß manchmal Reden an# hören/ deren Innhast gar nicht nach dem zarten Geschmacke der heutigenpoliten Welt ist. Bleibet man zu Hause/ so soll man in einem alten Buche lesen/ das man in seiner Kindheit von vornen an bis hinten hinaus/ auswendig gewußt zu haben meint Da stehen denn solchen Leuten diese Beschäftigungen nicht an/ und darüber verfallen sie in die lange Weile / die wenigstens bis gegen vier Uhr Nachmittags anhält/ Da man sie bey guten Freunden mit einem Schälgen Lasse/ einem Glaswein oder einem Kartenspiel vertreibet. Dann und wann / wie z. E. im Anfänge des verflossenen Winters und jetzo vor ein paar Wochen geschehen/ dauret das Hebel bey dieser letztem Art Menschen drey ganze Tane hinter einander/ doch so / daß es den ersten am heftigsten wütet. Wann unsre Muthmaßungen uns nicht betriegen/ so wird eben dgS bald wieder geschehen vier Tage / ehe Die Sonne in die Zwillinge tritt. ES ist vornehmlich sehr merkwürdig/ daß das Gift dieser Krankheit gar leicht anstecket. Dem Verfasser sind selbst viele Personen / darunter die meisten von vorzüglichem Herkommen sind/ bekannt/ die anfänglich nichts davon an sich/ von ihren Aeltern auch nichts ererbt hatten: Sie kamen aber in angesteckte Häuser/ und hatten es in wenig Tagen davon. Doch ist eS nicht zu läugnen / daß es manchmal in der Familie stecket/ und von Vater und Mutter auf Die Kinder fortgepflanzet wird- und in solchem Falle wäre unser wohlrneinender doch unmaßgeblicher Rath/ Daß grosse Herren Dergleichen Leuten eben so wie andern/ Die mit andern mehr oder weniger abscheulichen erblichen Krankheiten beladen sind/ das Heirathen verbiethen/ ihre Gelder nach ihrem Tode zu sich ziehen/ und Armen« oder Arbeitshäuser davor bauen lassen möchten / Damit nicht etwa mit Den Mitteln auch die Seuche an Die Erben käme Die Ursachen und Den Ursprung dieser Plage haben wir zwar schon obenkürr- lich berühret; weil wir uns aber nunmehr auch um die Zeichen und Mittel wider dieselbe zu bekümmern haben/ die aus jenem am besten begriffen werden: so muffen wir noch einmal ein wenig umständlicher daran gedenken. Die Hauptursache bestehet in einem Mangel der Arbeit/ oder in einem Abscheu vor derselben. Der erste ohne Den letzten ist überaus selten. Denn wenn man gleich in einem solchen Stande lebet/ da man auf die Bestellung oder Den Befehl andrer warten muß; so kann man doch alle Augenblicke nützlich anwenden / wenn man nur Lust dazu hat. Der letztere aber/ der öfters den ersten gebiehret/ ist von der Art/ daß wenn jemand das geringste natürliche Geschicke oder Neigung dazu b^\sich fühlet/ er sich vor allen Gelegenheiten sorg- P 4 lästig tx6 Gresser Wochenblatt/ Nuri. XV. faltig in obacht nehmen muß/ wenn er nicht haben will/ daß derselbe alsbald auS- breche- Dieses natürliche Geschicke aber ist von verschiedenen Gattungen. Betz ei# mger, kommt es von einer Unachtsamkeit her/ vermöge der sie nid)t auf das Zukünftige sehen; davor ist gut / daß man im Sommer fleißig spazieren gehe und öfter- nah» dry den Ameisenhaufen ausruhe / und mit einiger Anwendung auf sich selbst ihren Bemühungen zusehe. Vey andern ist eine gewisse Weichlichkeit und Furcht/ daß man durch vieles Nachdenken um den Verstand kommen/ oder durch harte Arbeit schmerzliche Schwühlen in den Händen kriegen mögen / schuld daran; davor ist dienlich/ baß man bann und wann emsige Gelehrte/ wie auch die Werkstätten der Handwerksleuten besuche/ und in den Geschichten Nachlese/ worin sehr wenige Beyspie- le von solchen angernerket sind/ die vor allzugrosser Weisheit rasend worden. Bey tiod) andern ist es eine Würkung der Capitalien / Landgüter / Zehenden u. f. w. Davor wäre zwar Rath/ wenn man alles verkaufte und gäbe es den Armen; weil aber diese Arzeney gar zu bitter schmeckt / und man in der Bibel em Exempel findet / daß jemand dieselbe aus den Händen des allervortrefllichsten Arztes nicht hat annehmen wollen / folglich davon wenig Hülfe zu erwarten stehet > so ist der Verfasser auf ein «ndres bewährtes Mittel verfallen / das kürzlich darin bestehet: Man lese öfters in Historienbüchern/ und bleibe mit Aufmerksamkeit bey den Erzählungen von solchen keuten stehen/ die in einer Nacht um alles ihrige gekommen sind/ und von der Gewohnheit müßig zu gehen hernach mehr gedruckt worden / als von der Armuth selbst. Der Verfasser hat im Sinn solche Begebenheiten nächstens in einem anmuthigen Roman vorzustellen/ und ihn denen zu Lieb ans Licht tretten zu lassen/ die mit mehrere» Behutsamkeit und Zärtlichkeit anzugreifen sind. Die andre Hauptursache ist ein übermäsiger Trieb zu den Lustbarkeiten / welcher wie alle andre einen Eckel vor dem entgegen gesetzten/ nämlich diesmal der Arbeit/ mit sich führet. Weil man denn also diese Veränderungen/ die man immer in feiner Gewa't hat/ nicht will/ und jene nicht immer haben kann/ so erfolgt daraus eine ganz«, liche Unwürksamkeit/,und daraus die lange Weile- Dieser Trieb hat gemeiniglich sehr tiefe Wurzeln/ wird ordentlicher Weife aus der Wiege/ ja aus Mutterleibe mitgebracht/ oder auch manchmal dermassen von andern geerbt / daß das ganze Ge- blüth durch und durch äugest cket wird/ und ist daher schwer zu vertilgen. Der Patient Kat sich besonders vor Bädern- Sauerbrunnen u. d. g. zu hüten/ ja es ist ihm beynahe alles Nasse schädlich. Wollte jemand ein ganz sicheres Mittel wider dergleichen au schweifende Begierden wissen; so stehet es zwar in unserer Gewalt em solches vorzuschreiben/ ob man aber so viel Vermögen wird wider sich haben/ es auzus wenden/ stehet dahin. Es wäre dieses. Man fasse einmal das Herz und greife eine Arbeit an/ siy ein wenig bart gegen sich selbst/ bis man sie glücklich zu Ende gebracht hat/ und alsdenn gebe man acht / was vor eine Veränderung m der Seele vorgehen wird / wenn man feiner Hände woklgcrathenes 2Gerf in Augenschein nimmt. Wir sagens eSwnd ein solches Vergnügen darüber entliehen/ dergleichen solche Leute niemals Dienstag bett r^MApÜl irr*# iv> tflört gefüh'et, wenn sie auch alle Tag« königlich gelebt haben; ein Vergnügen von dem Niemand urtbdkn kann/ der es nicht empfunden hat/ und das/ wann man eS einmal gelchmccket/ ein unersättliches Verlangen hinter sich lasset/ durch Schweiß und Mühe zu emun ferneren Genuß desselben ju gelangen/ und es nicht gegen all« mögliche Veränderungen lüsterner Müßiggänger zu vertauschen. Dieses ist die Kette/ wodurch Leute/ die etwas grosses in der Welt auörichten/ an ihre Tische geschlossen werden. W'll sich jemand gefallen lassen/ dieses Recept zu nehmen/ das bey nahe wie daS Holz Je länger je lieber/ schmecket; so hosten wir/ er soll am Ende seinen Arzt loben. Die Zeichen / woran man erkennet/ daß ein Mensch an der langen Weile darnieder liegt/ find sehr vielfältig. Man entdecket aber mehrentheils leicht/ daß er ausfiehet Wie einer der mit Fleis Minuten hat zu zählen; Der kömmt/ den Tag zu bierhen und zu stehlen. Heräus. Wir wollen uns daher auch so lange nicht dabe» aufhalten; besonders da unsere gr« eh. teste Leser dergleichen Kranke bereits genrig zu Gesicht bekommen/ auch unter denselben einer und der andere selbst in dieses Spital gehöret / der sich also mit weniger Mühe des Spiegels bedienen kann. Etwas weniges zu sagen; so hat der Patient einen langsamen und faulen Puls; die Augen find düster und halb geschlossen; dir Stirn verliehret ihre Glätte und Lebhaftigkeit; der Mund öfnet sich «nanchmal mit einer Langsamkeit in ziemliche Weite/ und das ganze Gesicht stehet immer in einer solchen Stellung / daß man einen Trieb zum gähnen fühlet / wann man es ansiehet. Das sprechen, auch nur Ja und Nein sagen/ wird dem Menschen sauer. Die Glieder sind ihm wie zerschlagen besonders wann übeles Wetter bevorstehet/ oder ein matter Sudwind wehet. Die Füsse sind etwas lahm / die Hände liegen bisweilen auf dem Rücken/ und Er trabt bemüht herum / nicht wissend/ was er will/ Und pfeift/ indem er geht/ auö Mangel der Gedanken. Druden, u.f. w. Es ist Zeit/ daß wir auch zu denen Gegenmitteln schreiten/ wodurch dieser Krankheit begegnet wird. Diese find von zweyerley Art; einige lindern nur den Paroxy- smum auf eine kleine Zeit/ und machen daß er bald darauf desto stärker wieder komt; andre aber/ die um ein gutes heftiger angreiffen/ aber auch die ganze Natur der Leidenden verändern und herumdrehen / heben es aus dem Gruride auf. Jene können fügach die falsche/ diese aber die ächte Mittel qenennet werden. Die falsche sind die so genannte Zeitvertreibe / und sind so mannichfältig unterschiedem/ als die Neigun- >en der Menschen. Wer wollte sie also alle nennen? Doch wollen wir etliche überlegen. Man kommt zusammen / ißt und trinkt/ spielt/ tanzt u-f.w./ damit geht die Zeit bin / und zwar mehrentheils geschwinder als man eS haben will. Man meint/eS fty abends zehn Uhr/ so ruft der Wächter: ihr lieben Christen ftyd munter und wacht. Endlich geht man heim/ wann man so viel Kraft übrig behalten hat/ und denkt unterwegs / was treiben wir morgen? Morgen früh geigtS und pfeiftS vor den -Ohren/ und weil man nicht gleich wieder Hüpfen kann/ so muß man einen heftigen A .stoß von for langen Weile ausstehen, Ist man denn allein / so tröstet man sich P i mir' n? Gresser Wochen»25Utt/ Num. XV- mit einem Roman/ und wir hoffen/ unser oben versprochener soll bei; diesen Gelegenheiten gute Dienste thun. Die Liebhaber wissen zwar selbst genug zu wählen/ und haben ein grösseres Verzeichniß derselben im Kopfe/ als der Verfasser; unterdessen nimmt er sich die Freyheit/ bis der seinige herauSkommt/ die Pamela und Clanssa anzupreissen; er bittet aber sehr/ daß man nicht gar zu hurtig liefet/ und verspricht auf sein Ehrenwort/ daß man alsdenn weniger lang« Weile haben wird / wenir man die Augen wieder vom Buche wendet/ als sonsten. Man greiffer auch wohl nach einem musicalischen Instrumente / und es ist nicht zu leugnen / daß ein Clavier mit Nutzen gebraucht wird/ vornehmlich wenn man dazu singen kann. Der Verfasser weis ein unvergleichlich Lied/ das sich ungemein hierher schicket/und bedauret nur/ daß es in so wenig Büchern stehet. Es ist das letzte/ oder Num. im Würtembergi- schen Gesangbuche/ und fängt also an: Eben jetzo schlägt die Stunde. Wenn man dieses öfters/ auch ohne Clavier/ singet; so wird das Geblükh in eine grosse Bewe- tzung gebracht/ wodurch die ganze Krankheit gebrochen und der Mensch völlig herge- skellet wird/eben so wie man sich der Music wider den Tarantelsiich mt Vorrheil bedie- mt. Die Freunde des TobackS rühmen die Kraft eines angezündeten Pfeifgens wider die lange Weile. Uns ist die Sache unbekannt/ wir können also auch nicht sagen/ ob eS gut ist/ oder nicht. Wir zweifeln aber doch aus verursache/ weil der Toback nach des berühmten Poeten Günthers Zeugniß schläfrig macht. Es müste denn seyn/ daß eben diese dadurch gewürkte Schläfrigkeit die Begierde nach den Lustbarkeiten/ als eine Ursache der vorhabenden Krankheit/ etwa vertriebe oder verringerte. -Oder der Patient müste mit einigem und von ihm nicht zu vermuthendem Nachdenken schmauchen/ und den aus dem Köpfgen aufsteigenden Rauch mit Aufmerksam- keil betrachten/ wie er erstlich so gerade in die Höhe steiget/ alsdenn sich ein paar mal herum drehet/ und im Augenblick verschwindet/ daß nichts als ein Geruch von ihm übrig bleibet. Auf diese Weise aber brauchte in einer grossen Gesellschaft nur einer zu rauchen/ und sie könnten doch alle denken: Wir sind wie der Rauch/ und vergehe« schnell / wie derselbe; lasset uns so leben/ daß wir einen guten Geruch hinter uns lassen! Von dem Spatzierengehen / als einem Zeitvertreib/ haben wir oben geredet. Das liegen auf oder in dem Bette verdienet nicht hier angeführet zu werden; denn ausserdem daß wir jetzo nicht gesinnet sind/ Recepte vor solche zu schreiben/ bei) denen die Krankheit dermassen überhand genommen/ baß sie bereits bettlägericht geworden/ so haben wir weiter nichts nöthig/ als nur jederman zu warnen/ daß er es nicht so weit kommen lasse/ und sich nicht so gar der Gefahr / in eine unheilbare Schlafsucht zu verfallen/ auffetze. Nunmehro erforderte es die Schuldigkeit/ daß wir auch die unmittelbare wahre Mittel wider die lange Wcile umständlich vortrügen. Allein diese sind zu ernsthaft vor die meisten; deswegen wollen wir sie so kurz/als möglich ist/ zusammen fassen. Arbeite. Das war alles. Wer nicht Lust darzu hat/ der Wß wissen/ daß der Arzt nicht helfen kann/ wenn Dienst,dcn Apri! i7fs» Xl> kvmn man «hm Nicht folgt. Mir haben das unsrige gethan/ und auch noch zum Ue- berfiusse oben daö Annehmliche der Arbeit vorgestellt/ das übrige überlassen wir eines geglichen hinein Gewissen. Es wird aber ein andrer Arzt nach uns kommen/ der aus einem rauheren Ton sprechen/ zu dem vorgeschlagenen Mittel zwingen und die Krankheit mit Gewalt vertreiben wird. Desselben Namen be>ßt Armuth. Er besticket am Ende alle Müßiggänger ungebeten/ und heilet die lange Weile vortrestich/ ohuer- achtet er nichts anders verschreibet/ als unser Pulver. ' Will sich jemand auch des Wochenblattes wider die lange Weile bedienen; so thut er gan^ wohl. Vielleicht haben der Verfasser und der Verleger auch unter andern dieses mit zur Absicht/ oder wenigstens zum Vortheil. Zwar/ wie kann man zum Zeitvertreib vom Tode und dergleichen traurigen Dingen lesen/ besonders wenn sie so oft hinter einander kommen/ wie jetzo? Man sollte sich nicht von so kahlen Ursachen/ als wenn es sich schickte / zur heiligen Osterzeit die Leser mit moralischen nuten und erbaulichen Gedanken aufzumuntern/ oder vielinehr einzuschläfern/ abwenden lassen/sich nach den meisten zu richten/ und etwas munteres schreiben. Es ist wahr/ solche Speisen sind nicht vor einen jeden Geschmack; aber man hat mit Fleis zu dieser Zeit auch denen dienen wollen/ die da verstehen/ welcher Zeitvertreib der nützlichste und vernünftigste ist. Ueberdieses weis man wohl/ daß man es nicht auf einmal allen recht machen kann. Gegenwärtiges Stück wird auch vielen nicht anstehen. Können wir aber hösscher seyn/ als wenn wir einem -jeden die Erlaubniß geben/ auch zu seinem Zeitvel treib darüber ;u spotten? Dein Frauenzimmer zu lieb/ dem zugcfallen auch dieses Blatt hauptsächlich geschrieben i|i/ haben wir nachstehendes Lied/ das zum Zeitvertreib bev einer Schale Caste k.M öesungcn werden / und denen/ die wie der Dichter wider den KartoffelistkN eingenommen sind/ am besten gefallen wird/ andrucken lassen. Der brauner Gon Der schwarzen Stunde».' . Der meine Muse stets belebt; Dey kein ich manche» Trost gesunde»; De» nie ei» D chter gnug erhebt: Dich ruf ich / was ich rufen kann/ Um HM / Schutz und Beystaud a»! Ich will den Caffe jetzt besingen Und seinen röth ich braune» Saft. Llch laß mir dieses Werk gelinge» / Und gieb ihm heue die stadste Kraft.' Entzünde jede» klopfe» Blut! Setz m ch ttirch ihn i» volle Glut. Wohlan! ich will zum Schälqe» greifen Iu dem Mein braunes Lab!al ift: Ich will darin die Qua; ersäuft» Lasse. Die neulich der Kartosselist/ Den sein Gesang zum Meister schlägt/ I» m r durch seine Kost erregt- O.' glücklich ist das Land zu nennen/ £>; dreymal glücklich ist das Land/ So das beliebte Dobncnbrenue» Und diese» edlen krank erfand.' LUabieuS bestückte $mr Gab uns hiervon die erste Spur, Um Meeea kann man ganze Felder So voll von Caffebäumen lehn/ Daß man daselbst/ «ast wie durch Wälder/ Mit Lnmuth kann spatzieren gehn. Soll ich in dieser Gegend seyn, Hier schlits ich täglich zehnmal ein! Ma» rro Gr'eflep VS^chttd'Blatt/ Num. XV, Wan lasst bie Frucht 6td dahin hangen Dis daß Pie Schale Ritze zeigt: Daim wird die Erndte angesangeir Die man oh» alle Müh erreicht, »-'er giüs/ war -euer Weise spricht: Mau erudt/lnau sät und pfianzec nicht» Nun will ich auch den Nutzen zeige» Den diese edle Frucht und qiebt. Er iss zu schön i ich kann nicht schweigen- Ich hin zu sehr in ihn verliebt- Doch/ war ich ein Kartoffelheld; So schafe ich ih» noch aus der Welt. Man mag gleich nach ded Ändrp Lehren/ Die mein Geschnmck ganz richtig finde/ Die Lohnen roh/ wie Thee/ verzehren» Mair milke die geröstet find; So bleibe der Satz wie Felsen ssehil: Der Caffe läße stets Wunder fihn. Verdickt/ verstopft sich das Geblüts; Wird jemand von dem Stein geplagt; Stört euch ein trauriges Gemüthe; L trinh! die Krankheit wird verjagt. Er reinige/ treibt/ verdünnt das Blue/ Vergnüge den Geist/ erwecke den Muth/ Wen Pustel»/ Schnupfen/ Kopfweh plagest/ Der nehme diesen Reckear ein. Zur Stärkung für den schwachen Magen Kan» wohl kein besser Mittel seyn/ Äd wenn mau diesen Göllersafi Recht Held zu ihm hiumuer schäft. ES ist ein Trant der «ziemand schadet/ Man sey gleich ein Yypochoudriff; Mau sey selbst m t der Gicht beladet» Man sey ein armer Podagrist: Und kurz: man sey auch noch so krank» So bleibt er ein Gesundheics-Trauk. Ich weis / wie ich zu manchen Etuuden/ Wenn mich das Kummerioch gedrückt/ In ihm die größte Ruh gesunden/ Durch ihn deu Kummer selbst berückt» Wie bald der Grillen Schwarm verschwand / Wenn ich den braunen Necktar fand. Ist der Verstand im Wein versunkeir/ Daß mau/ was eiusach/ doppelt sicht - Nur mich von diesem Säst getrunken/ Der allen Nebel au sich zieht. Er hemmt des Bluts verwirrten Laus Und heitert Beist und Sinnen auf. Spürt man ein Reissen in Gedärmen Don der Karruffelu rauhen Brut; So braucht man sich nicht viel zu härmen; Eaffe macht diesen Schaden gut. Sein Trank entriß nich solcher Pein- Drum kann ich hier ein Zeuge seyn. Wenn mich ein Trieb zur Muse lenket/ Uud nichts sogleich erfinden kaim » So wird mein Schälchen nur geschweuket; Davey zünd ich ein Pfeifgen au: Kaum hau ich dies dem Munde vor; So schwingt sich schon der Geist empor. Schimpft/ schmäht ein Arzt mit leisen Tönen Deu Trank den jetzt mein Mund besingt; So will/ so werd ich ihn verhönen/ So laug als mir ein Spot« gelingt.' Uud werd ich wider Willen krank; So sey Eaffe mein Schütteltraiik. Die Uesach ist ganz leicht zu fintei«/ Die manchen stolzen Arzt bewegt/ Daß er/ wiewohl mit seichten Gründe»/ Eich gegen diesen Necktar regt: Demi der/ so den Eaffe verehrt/ . Hat selten eine» Arzt begehn. ’ Doch still.' daß ich mich nicht vergehet Mich deuch,/ Purgander tritt herein: Wenn er nun diese Strophen sähe; Wie wird er Weh und Zelter fchreyn • Doch nein/ es ist mein liebster Gast/ Der Caffe »rinkt/ uud jenen haßt. So will ich nur mein Lied beschliessen/ Und mit recht aufgewecktem Sinn Den braunen Bohueutrank geniessen. L Freund: greis doch zum Pfeisgen hin.' Zünd au! uud denk du wä; st zu Haus: Und leer hernach dies Köpsgen aus.' Dieses Wochenblatt wird alle Dienstage allhier bey dem Verleger Johann Philipp Krieger denen Herrn frenumeramen guögeliefert/ auch kinjeln das Stück tzor r, kr, abgegeben,