Messer Kochen.Watt/ Num. XXIII. Dienstag den 9. Jun. 1750. IHit Hochfürstl. Hessendarmstädtischer gnädigsten Erlaubniß. Gedanken ans der Natur - und Sitten - Lehre über den Donner und Blitz. an muß den Mangel der Begierde nach Wissenschaften sn eM nem hohen Grade besitzen / wann man an der Erkenntnis der Begebenheiten in der Natur keinen Gefallen findet. Da wir nun dergleichen unfern geehrtesten Lesern zu zutrauer? uns keines Weges entschliessen können; so hoffen wir arr gegenwärtigem ihnen ein solches Blatt in die Hände zu geben / welches sie mit Vergnügen lesen können. Denn es wird einen kurzen Begriff in sich enthalten von einer der Betrachtung ^würdigsten Verändrungen in unsrem Luftkreise/ von dem Donner nämlich und dem Blitze/ die der Naturkündiger mit so vieler Aufmerksamkeit ansiehet / als mit vieler Furcht sie gemeiniglich von den meisten Menschen angeschauet und gehöret werden. Wir haben hier die Ursachen genennet/ die un« bewogen haben / von diesem Vorwurfe unsre Gedanken zu entwerfen und ist uns also nichts übrig / als anzuzeigen- daß wir jenen gemäß zu erst eine nach dem Maas« der bisherigeir Einsicht der Weltweisen abzumeffende deutliche Erklärung von den genannten rufterscheinungen geben / und «lsdenn einige damit verknüpfte Lebmsregeln snhängen wollen. MM 3 Gieffer Wochen--Blatt/ Num. XXIII. »78 Den Donner und Blitz bringen uns die schweren Gewitterwolken mit und der Sommer ist die Zeit / zu welcher sie sich meistenrheils einfinden. Man hak zwar auch Exempel davon in der Mitte des Winters / allein sehr selten gehabt. Gememig« lich pflegen sehr heisse Tage vorher zu gehen/ und sie sinds vielleicht felb|t / Die Den Stoff zu rechte machen / aus welchem dasjenige entstehet / wovon »wr zu reden ^atML Der Blitz selbst ist eine wirkliche Feuerflamme / und muß folglich aus der Entzündung schweflicl>ter Tbeilen oder Dünsten / Die sich in Den Wolken aushallen/ entfvrin wn. Davon ist man desto ausführlicher versichert/ weil man bei- Italien Ge- tv'ttern einen sehr merklichen Schwefelgeruch empfindet / den man noch ungleich mehr rvahrnimmt / wenn man an -Orte hinkommt/ wo kaum vorher der Strahl hrngeschlg- aen hat. Diese schwefelichte Dünste müssen/ wie alle andre/ aus der E'de auMeigcn und so lange in Der Luft höher fliegen / bis sie in eine Gegend kommen/ wo ihre natürliche Schwere sie stille stehen heisset / und wo sie sich mit andren Dunsten andrer Art vereinigen. So viel bat seine Richtigkeit; auf was Ärk und Weise aber Die jon|t mit grosser Gewalt des Feuers zu erhebende Schweseldünste aus Der Erde in Die Hohe getrieben werden / möchten wir nicht gerne gefragt sevn / ob wir gleich einige Winket vor uns scheu/ wo wir uns um unsre Meinung zu behaupten hin fluchten fötinten. -Don Dem Schwefel ist bekannt / daß er eine langsame und >(bleichende Flamme oiebt/ Die keinen Schlag und Gewalt hat- Der Blitz aber führet mit einer unbeschreiblichen und daher zum Sprüchwort geDiehenen Geschwindigkeit Dahm /, und schlagt folglich mit heftiger Kraft wieder/ wo er etwas im Wege pnDet. 4^1(111 Der Schwefel allein nicht zu?eichend / Die Beschaffenheit des Blitzes zu erklären/sondern wir sind gezwungen / uns in Der Material enkammer der Natur um em andres Zugc- hör umzuschen/ welches mit jenem vermischet werden könnte. Der kleine Donner/Da; wir aus Den Flinten und Pistolen nachmachen / zeiget uns einen Weg / welchen w r so lange gehen/ bis man einen andren entdecken wird. Da finden wir mi Pulver mit dem Schwefel vermei gten Salpeter / und Der ists / Der Dem Feuer die Gewalt und den Stoß miktheilet. Wenn wir also auch eine ersorde licheMenge; ealpetcr in Die Wolken sitzen / so haben wir etwas pulverartiges Darm / welches Die am Blitze ange merkte Wurkungcn hervorzubringen im Stande ist. . Der Donnet ist Der laute rasselnde Schall / Den man alsbald nach dem Blitze böret / und Der scheinet uns zu nöthigen / daß wir Die erzählte zwey ^ngreDienzien mit einem Dritten vermehren. Denn unser Pulver hat es an sich / daß es zwar schnell aber ohne Getöse aufbrennet/ wenn man es in Der fteyen Luft anstecket/ und alödenn eist knallet/ wenn es enge eingeschlossen ist. Wenn wir noch in dmi alten Zeiten> lebten/ da man dichten durfte/ was man wollte; so wäre es uns etwas leichtes, gewiss« £auff< aud om Waffertheilen der Wolken in unsrer Einbildung zu giessen/ und darein d is Söulwiuto'n Weil ab«di- W-ltb«ut ;u W nichtmdjrtunm°°-liednchm« »10/ wir auch offmhiij,!! gchch«WuffM / daß e« Nicht dcgmßich i|t/ wie ™l*r« Dienstag den stctt Jwt 175s. -7- Elchen Lauffe schicken ; so ergreiffm wir ein andres beste« ? suche an dl« Hand geben. Wenn man nämlich zu den obbeschrnbei.m bevden Dingen m gehörigem Gewichte etwas von Weinsteinsaltz zu« fttzet; so gewahret uns d,e Vermischung das so genannte Knallpulvcr / welches f ey nm Lr?Klchl°lftn bcv ferner Entzündung sehr stark krachet/ wenn man Th 2 wem Löffel über dem Licht« schmelzen lasset. Auf dem Erdboden ist alles vorbanden/ Salze gehöret. Was hindert uns also/ daß wir nicht glauben sollten/ ^^s kokmne auch aus zenem durch die Ausdünstung heraus und geselle sich in derobe- rcn Luft ,u den übrigen i / damit wir nun alles beysammen haben / was die schnelle und gewalttgr mit grossem Krachen begleitete Flamme deö Donners und Blitzes machen .<.n4V6 Man weiS aus der Erfahrung / daß der Donner einige bald grössere/ bald klunere Zeit hernach gehöret wird/ nachdem der Blitz vorbey ist/ und aus diesem läs- stt sich schliessen / wie weit das Werter von unS entfernet ist. Denn der Schall he, Wt sich gar viel langsamer/ als das Licht. Wenn man z. E- eine halbe Stunde x^unsemStue löset/ so sehen wir das Feuer m dem Augenblick, da es angezün! det wird/ hören aber den Knall erst f. bis 6. Pulsschläge hernach. Brennet man eme ganze Stunde von uns eine Canone loß/ so hören wir den Schall erst u PulS- Schoern wir das Feuer gesehen. Also kann man genau wissen, wie weit daS Wettervonuns ist / wenn man/so bald man den Bsitz gesehen / zählet/ wievielmal ^fDuls schlägst/, bis man den Donner gewahr wird. Man irret also/ tvenn man meinet/ eS sey eine Anzeige/ daß daS Wetter eingeschlagen/ wenn Donner und Blitz zugleich beysammen sind Denn daraus folgt nur/ daß das Wetter ganz nahe oder über uS ftrew Scheitel ist/ und folglich/ wenn es eingeschlagen hat/ ganz nahe eingeschlaaen haben muß. Unterdessen aber kann es nicht nur seyn / sondern geschieht auch mehren« Da*Vm solcher Blitz/ auf welchen der Donner den Augenblick folget/ keinen Schaden thut / eben so wie em andrer, nach welchem erst eine lange Weile hernach der Donner kommt/ öfterseinschlägt/ aber nicht in unsrer Nahe. 9 * Q .. 2ß>e hgebet/ daß sich die Materie des Blitzes entzündet/ ist schwer und wöglich/ gewiß zu sagen. Denn es giebt gar viele Arten wie die Dunste Feuer fangen/ und wir wisten noch die wenigste. Untei dessen / weil das Knall- piilver sich entzündet/ so bald es zerfchmilzt/ ohne daß man eS mit der Kohle oder mit Zlamme selbst berühret; so ist sehr vermurhlich/ daß die gleich geartete Theile in den Wolcken so bald sie enge genug zusammen kommen und wohl vermischet wer« , ^'"gleichfalls auf dieselbe Weise loßbrennm. Auf die Sonne möchte man wohl LdÄ ee‘ ?[kn/mCll'1 sie von dieser nicht angestecket werden / ist daraus abzu« tS/Ä U." ’,M w“c,m ®ito6lraf' & tb<" s° »ft @Mt« 3 » Giesser Wochenblatt/ Num» XXHL «8» v Man spricht auch viel von dem Donnerkeil / der Donneraxt / dem Donner- dämmer/ welches verschiedene Namen smd von D-ngen die er erley an sich aber manniafaltia gestaltet sind. Vor diesem wurden sie durchgängig geglaubt/und hn • fo bilDct man sich Du? Natur nicht allem gar zu ähnlich mit KÄ; in t>« leichten ruft durch lein« ewe ST'MÄIÄäÄ Sonst zeigen die Würkungen des Strahles auch sehr deutlich / daß er keim» Stern iw fl* Mmkunaen fint> (ehr wunderbar und erftomM. Denn man findet L?remvel / daß der Blitz den Leuten die Haare unter der Peruque verbrennet / o,me r>icfe ru verletzen/ den Degen in der Sche.de/ das Geld im Beutel verschmelzet/ome »ffÖrSe mS tÄS verseht Das erste ist un« imbeareifii»/ t>« benOe ?efctoe£ toffen fl»cernimN erklären. Denn die Metalle schmeljm wnCergr* s n Hitz-und kmuchm nicht gerade von der FlammeJÄÄÄ NrK'ÄL Äünyun» da- Geld '°"sÄ ÄIS* rnÄ Ä ÄÄÄeiJ in verbrennen Da- Papier wird zwar schwarz/ und man fiehr ihm an/ daß cs 'M ip-uer war- «r M aber wie die Scheiden und B utel nach der Hand au-gesehen/ denn'i^r finden weiter nicht- «ufflemerfl/ als daß fie nicht 8™« ssäääsSb wchruchMr die in einem Eckel hätte Anlaß geben linnen/ i° t°ch« E ld> 6 E t Drenskag den^rm *3un. i7fo> ih befand aber/ all? man es essen wellte/ daß alle Gebeine zermalmet und die Drummern in das Fleisch tief hinein und überall beium gelt offen waren/ so daß man eS nicht genics- fcn konnte. DaS kann weder Blitz noch Donner (etb|i gerban haben ; sondern / dq jene cb?n ,n das Hauß hinein und darin herunter fuhren / drückten sie die Luft dermal- f v l eftig vor sich her zusammen / daß sie alles harte / welches zum springen aufaelcqet ist zerschmettern muste- Manchmal zündet der Strahl an/ manchmal zündet er Nicht. Das erste ist sehr natuttch; das letzte aber / welches Der kalte Strahl genennct wird/ kommt Daher/ daß die Flamme nur über die Sa de schnell h nweg gefahren/ unD diese je» ner nicht widerstanden hat. Denn man kann den Finger/ oder auch selbst Schwcftlfa- den/ Zwider/ oder sonst verbrennliche Dmge/ geschwinde durch ein Licht bewegen ohne daß sie Schaden nehmen. Es wäre z>var noch viel merkwürdiges allhier anzuführen. Weil wir aber um deswillen/daß wir jetzo in einer Zeit leben/ da die Gewitter der Ordnung nach öfters kommen/ noch von Den hauptsächlichen davon abstammenden Pflichten zu reden uns vorge- nominell/ so fordert unsre Absicht Den übrigen wenigen Raum diesen vorzubehalten. Wer sonst |on>obl von dem Gewitter selbst/ alö Den uns in Ansehung derselben obliegenden Sä u d gkciien mehreres zu lesen begehret/ Den verweisen wir auf Herrn pevcr Ahlwardts Brontocheologre oder vernünftige und rheologische Be- trachcuirgeu über den Donner und Blitz. Wenn man das Unqewitter vernünftig betrachtet/ so muß man gestehen/ daß es etwas emsetzliches und fürchterliches sey. Selbst das unvernünfiige Vieh zeiget durch seine scheue Geberden/ daß Die Natur ihm befehlet/ die Stimme seines Schöpfers mit Schrecken anzuhören. Der herzhafteste Mensch muß zagen/ wenn er die augenscheinliche Gefahr sines Unterganges vor sich sichet / und wer sonst nicht gewohnt war / sonderliche Furcht bei) Der Gelegenheit an sich zu fpühren / dessen Muth ändert sich / sobald er höret oder selbst recht erfahret/ wie es auSsiehet/ wenn der HErr feine Strahlen schiesset und zerstreuet sie/ wenn er blitzen läffet und erschrecket sie Pf. XVlH. 14 1 e Wer kann also leugnen / daß Der Donner ein Mittel ist / wodurch Der Allmächtige Dem Menschen einen rührenden Begriff von seiner m-t Furcht und Zittern zu verehrenden Majestät auf die lebhafteste Weife eindrücket? Wer erkennt nicht / daß dec erfebröefte Sinn Der Sünder seine Zuflucht zum brünlhgen Gebät an den unüberwindlichen Erhalter aller Dinge/ ohne Dessin Wissen und W'llen fein verächtlicher L-pcr- (mg auf Die Erde fallt/ zu ivenden habe / wenn Der Himmel drohet / die Erde mit Steuer ru verheeren? verstehet sich aber von selbst/ daß das Gebät GOtt im Himmel nicht an» gerehrn sevn kann/ wenn er siehet/ daß wir es ihm jetzo opfern/ da wir vernehmen/ daß er das Schwerdt in der Hand hat- Denn eine knechtische Furcht / eine Furcht vor Dt? Strafe 1 die Die Liebe nicht zum Grunde hat / treibet uns alsdenn allein zum singen ur#) zum bäten- Der Donner und Der Blitz sollen vielmehr einen Eindruck m Z 3 nufer Giesser Wochen-Blatt/ Num. XXIII. 18» ,mf„, /ö#mAAj fbun l der ewig sichtbare Fußtapfen hinter sich lasset. Sie sollen uns ein Ewc«/gn!'/d sem Der q tpnanfU)c * mDe^schlessu en/ ereignete es sich wiikiich/ daß man an Weiden Rosin fam-e# dete> wenDi0 l84 Giesser Wochen-Blatt/ Nurn. XXIIT. füctiötci flrfm / inwendig weis und roch waren/ und in der Mitte ein gelbes ^ufd/ ktn von Staubfedern hatten/ wie man cs sonst an Rosen stehet. Es ist ein solcher ött>ei(i in Cwn Mifcellaneis oder Ephemeridibus nat.curiofor. ann. VI. & VII. ubletvac. i17 p. ux. in Kupfer vorgestellet / zu finden. Diejenige/ so man hier gesehen/ waren von den daselbst beschriebenen in etwas unterschieden/ und scheinen/ soviel man auö dem grünen Laub des ÄestleinS uttheilcN konnte/ an wilden Werden/ die man an einigen -Orten Saalweiden nennet/ gewachsen zu feyn. Ob nun wohl dergleichen Begebenheiten/ da die Natur durch den zufälligen Trieb unbekannter Neoenurfachen aus ihrer Ordnung schreitet/ gar keine Vorbedeutung haben: So tönte mau doch/ wenn sie ja etwas voraus verkündigen sollen/ aus einer angenehmen Blume/ wie die Rosen sind/ ehender etwas gutes als böses mulhmassen; wie denn in itzt angeführtem Kalte etwas heilsames darauf erfolget ist. Allhier ist heraus gekommen. D. Johann Jacob Rambachs / weiland ersten Piofcifjris Theol. und Superintendenten in Giessen exegetische und moralische Beira-l tungen über die lieben Pastoral» Briefe Christi an die sieben Asiatische Gemeinen in der Offenbarung Johannis Cap. z. und j. nebst einem vorgesetzten Beweis von der Göttlichkeit und dem Canonischm Ansehen der Offenbarung Jobanmö/ auS des sei. Verfassers zwei-en eigenen Handschriften zum Druck befördert und mit einer Vorrede und Registern versehen von Henrich Chustoph Nebel/ Profess. Philos. in Giessen. Franckfurt und Lepzig i?r°. in $. i. Alph. 8. Bogen. Dienst suchende Personen. Ei'N Candidatus Iuris 5c Philof. der ilt humanioribus, Philofophia, Mathefi Sc panibus iuris bereits vielfältig Unterricht ertheilet/ auch in praxi cvmmuni sowohl als cametali eine häufige Uebung gehabt/ sucht eine convenable Condirion. 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