Messer Kochen-Math Num. XLIX. Dienstag den 8. Decembr. I7fo. Mie Hochfürstl. Hesse,rdarmstädtrscher gnädigsten Erlaubnis re re Von -er Freundschaft. M v IIK <1 Ml^uf dem 47tm Blatte hab.'n wir aus dm in englischer Sprache schrieben«» horis vacivis des John Halls dessen Gedanken von der Gesellschaft übersetzt / in derenfang er meldet/ wie man dieje- nigen/ womit man umgebet/ in Bekannte und Freundecintheilet/ also wolle er seine Abhandlung auch in zwei) Stücke zergliedern/ deren erstes jene und letztes diese zum Vorwmf haben solle. Das erste haben wir geliefert/ und der Inhalt muß denjeniacn, d,e mit einem guten Geschmacke versehen find/ norhmendig gefallen haben: damit also die Uebersctzung vollständig und zugleich denen gcdienet werde/ die von einer so wichtigen Sache gründliche und angenehme Gedanken lesen möchten / so folget hiemit das übrig gebliebene nach. Die Freunde sind gleichsam ein Theil von dem Menschen selbst. Derjenige/ der einen jeden ohne Unterscheid in die Zahl derselben aufnimmt / unterwirft seine Seele den Lüsten eines jeden/ der ihm vorkommt; der Niemand davor erkennet/ schlägt ihr eins der größten Vergnügen ab/ welche sie in dieser Welt geniessen kann. Freund» schäft mir hohen Leuten hat viele Ehre/ aber wenig Sicherheit; die mit geringem Leuten har weniger Ansehen/ aber mehr Anmuth; die mit Seinesgleichen ist allezeit dem andern vorzuziehen/ wofern nicht zu befürchten ist/ daß die anfangs übereinstimmende Gedanken endlich mit ungestümm wider einander kaufen werden. Der seine Freundem der Elle wählet/ wird hernach Musse genug haben/ es zu bereuen; der |ic mit Musse aussuchet und mit Neber legung/ wird Zeit genug haben/ sich der 8 üchte seiner Weisheit zu erfreuen. Wer ihnen alle feine H-rmkichkeiten offenbaret/ , Ccc der zr-r Giesserw-chm-Blatt / Num. XL1X. der zeiget sich ihnen nackend und b'.os» wer nichts entdecket/ der muß unter der Last/ die ihn drücket/ verschmachten. - > Mer sich in die Höhe waget/ und die Gnade der Fürsten erhält/ der steiget auf einer Ltieer/ vrinn Sprossen zerbrechen / so bald er darüber hinauf ist/ so daß/ wenn er einmal herunter muß/ er nothwendig fallen muß. Die aller unfreundlichste Prinzen haben sich einige vertraute Freunde ausgesucht/ und gemeiniglich Leute von gutem Ansehen und geringer Herkunft/ es sey nun/ daß sie dieses gethan haben/ um über dieselbe als über Creaturen von ihrer eigenen unmittelbaren Schöpfung desto unumschränkter gebiethen/ oder um dieselben desto leichter in die maceriam primam re- ducirm und in ihr voriges Nichts verwandeln zu können. Diese stehen selten als Gestirne am Himmel/ sondern find Kometen / die so lange brennen/ als ihre schwef- lichte Substanz währet/ und alsdenn verschwinden. Grosse Leute sind wie Sommersonnenen. Wir essen die Früchte mit Vergnügen / welche sie hervorbringen/ aber wir bemühen uns nicht darin zu liegen/ es sey denn daß sich etwas schaltenwerfcndes vor uns stelle. Wenn es endlich Winter wird/ daS sie niedrig stehen und schwach sind/ begnügen wir rms die Scl^nheit ihrer Stralen zu bewundern; sie werfen dieselben mit wenigerem Nachdruck/ uni) meh- rentheils nur um daß Gefolg/ daß sie um sich haben/ ans Feuer zu setzen / und wenn fie fallen/ machen sie cs wie die grossen Eichen/ sie zerbrechen ihre eigene Aesie und der Nachbaren Urholz: Die Gleichheit füget die Gemüther am besten zusammen/ denn sie giebt keine Gelegenheit zum Neid und zur Verachtung; sie giebt den Neigungen ein besser Gleichgewicht; dahingegen so bald einer über den andern hinaus wüchset/ dadurch diese angenehme Verfassung aufgchoben wird. Die Fabel von dem Löwen und dem Fuchs (sagte Julian der abtrünnige) lehret/ daß die Freundschaft mit geringen nicht ganz und gar ohne Nutzen ist. Aber die Vornehmen sollten sich so aufführen/ daß der Geringere ihn vor gleich halten könnte/ wenn er wahrnimmt/ daß der andre beständig den Unterschied zwischen ihnen vor Augen hat/ uni) ihn lieber selbst in Obacht nehmen/ als sich denselben von seinem Freunde zeigen lassen will. Die Niederträchtigkeit macht/ daß sich jemand von hohem Stande allzuviel herunter lasset. Das Mittel zwischen dieser und der allzugrossen Erhebung ist sehr schwel»- zu beob, achten. Antoninus Philosophus gab denen / die ihm begegneten/ die Hand; Con- stanz saß ohne Saum und ohne Spieß; aber wo findet sich ein Exempel von jemand der nicht an einer dieser Klippen anstösset? Unter diesen zweyen kommt der letzte der Majestät näher. Livius merkt vortreflich wohl an des Camillas Soldaten mi/ ean- dem virtutem oderant & mirabantur, sie hasteten und bewunderten eben dieselbe Tugend. Die besondre Freundschaft ist nicht allein vergönnt/ sondern auch lobwürdig ; sonst würbe sich der H. Geist nicht so angenehmer Ausdrücken bedienet haben/ wenn er von ihr redet; und Christus liebte einen Jünger. Sie ist das gröfte Ver- g'ü- Dienstag den 8ten Decembr. i7fo. HT gnupen; weil sie immer mehr wachst/ je länger sie dauret; und der sicherste Schatz/ weil sie keine gewaltthätige Hand zu fürchten hat/ äusser die des Todes. Die Mittheilung der Geheimnisse ist eine von den grösten Früchten derselben; Doch müssen sie nicht mir Gewalt in den Busen des andern geschüttet/ sondern gleichsam tropfenweise hinein gebracht werden. Wenn man die Brüste allzuheftig drü-- cket/ so geben sie eine verschwome Materie an statt der Milch. Ein andrer unter den vornehmsten Vortheilen ist die Warnung/ sie wird aber besser mitThranen gethqn/ als mit Galle; und/ wannsi möglich ist/ aus den vorhergehenden Reden und den eigenen Maximen deö andern; denn was heißt das anders als den Diamant mit seinem eigenen Staube schleissen. Der war gar zu vorsichtig/der da befahl: fic ama tanquam ofurus, liebe so/ als wollte,! du mit der Zeit hassn. Diejenige zwei) sehen sich einander niemals voll- kommen / zwischen welchen der Argwohn und das Miötrauen einen Nebel setzet. D>e Gralicu werden nackend gemalet/ und vernünftige Leute freuen sich denselben zur Seiten zu liegen, als Herzensfreunde. Die andre Hclste ist sehr christlich: odi ran- qjam amatnrus, hasse/ als wolltest du lieben. Doch der/ welcher gediethet/ k.ine Galle im Herzen zu haben / e laubet die Waffen um sich zu ivehrcn-, und derjenige/ der uns befahl die Sonne uicht ub.t unferm Zorn untergeben zu lassen / befahl nicht/ daß wir den andern Morgen einem betrügerischen Feinde wieder trauen sollen. Die Freundschaft kriecht nach und nach zu einen hohen Grade/ sie lauft nicht dazu; sondern wenn sie schnell lauft/ so kömmt sie aus dein Athen. Lasse dich nrtfei» «em Ungerechten und Znrereßirten ein; denn ein solcher ist wie eine Made und Rau» pe/ welche das Herz und Mark auf frißt/ und dasselbe in die bitterste Feindschaft verwandelt. Wie die Liebe einen Vorzug des Menschen vor dem VieK ausmacht; so ist die unwandelbare Liebe ein Zeichen von einen beständigen hohen Geist / und von einem solchen/ der cs sich vor unanständig hält/ veränderlich zu sevn. Es schickt sich am besten vor die Leichtsinnigkeit der Kinder/ in einem Pulsschlage Freund und Feind zu se»n. Vernünftige Leute sind daher forgfältig/ wenn sie jemand zu einem Herzensfreund an- neh'nen. MecänaS Vorsichtigkeit gegen den Horatz war exemplarisch: nono revo- cas me demque menfe, * d. i. Nach neun Monathen lässest du mich wieder kommen. Wenn aber dergleichen Leute einmal mit jemanden ein Vündniß eingegangen haben/ so ist es unauflößlich/ die Historie bringt uns viele prächtige Exempel genauer Freundschaften vor; es ist nicht unbillig zu besorgen/ daß einige derselben zu viel Fabelhaftes in sich haben; denn die Seelen können sich zwar in der Thar gleichsam mit einander vermischen / aber ohne Zweifel können sie doch nicht gar in eine verwandelt werden. Die Günstlinge grosser Herren stchen auf einem unsichern Grunde. Wenige derselben stehen nicht zuweilen im Schatten/ oder sitzen in einem Duft/ wo nicht gar m einem Ungewirter. Es ist eben so etwas seltenes/ wenn jemand meinem hoben Grade der Gnade bev zweyen nach einander regierenden Königen stehet, als wann ein Sobir ___ _________Ccc z Die ♦ Lib. 1. Sat. 6. 388 Gl'esicrw-chm-Blatzt/ Nurn. XLIX. die Huld ein.’S P>inzen von seinem Vater erbet. Könige von einem gesetzten Gemü- the erhalten ihre Lieblinge aufs be|ie/ wenn sie ihre rechte Grosse erreicht haben-, die von einem hitzigen aber wechseln dieselben mit eben derselben Gleichgültigkeit/ ivo mit sie ihre Kleider andern. Diejenige Favorken bleiben am längsten / auf welche die Slralen der Gunst nicht senkrecht/ sondern schief auffallm. *♦* *** Der Unigang mit aufrichtigen Freunden und das Lesen in nützlichen undan- genehmen Büchern dienen beyde und vielleicht in nicht sehr ungleichem Maaft zu um fern, Vortheil und Vergnügen. Daher schicket sich zu der beschlossenen Abhandlung von der Freundschaft folgende vom Lesen. Wir waren in Begriff unsere eigene Ge- daken davon aufzusetzen. Da uns aber im Anfänge der Aibeit beysiel/ daß in denen letzten Briefen der Amufemcns de 1’ amitie eben dieser Vorwurf ausgeführct worden/ und wir beym Nachschlagen denselben vor so schön befunden/ daß unsere Gedanken die darinnen enthaltenen nicht übertreffen können/ so siel unser Entschluß dahin aus/ denselben allhier in der Ueberfttzung mitzutheilen. Ich vernehme mit Vergnügcii/ daß sie sich jetzo nur mit Lesen beschäftigen- Es wundert mich aber/ daß ungeachtet sie einen so grossen Gefallen daran finden/ und ungeachtet es ihnen eine so lange Abwesenheit von der Start und bre Einsamkeit verträglich macht / sie gleichwohl noch fragen/ ob ein vernünftiger Mann überhaupt ein Belieben an dieser Beschäftigung haben kann. Ja ich bin der Meinung und weis keine/ welche sich besser vor ihn schicket/ und ihn mehr vergnüget. Ich beweise dieses / wie sie es verlangen. Man muß sich hier den Menschen als ftey von Leidenschaften vorstellen/ urld ihn nur so betrachten/ daß/ da er die übrigen Geschöpft an Verstand weit übertrift/ er auch bierinnen allein die Quelle des wahren Vergnügens finden könne. Und wo wurde er sonst ein reine« und beständiges antrcffen ? Es kommt also auf unö an / wenn wir der feinsten und empfindlichsten Lust geniessen wollen/ daß uns nichts/ als was das @einüfb ermuntern kann, rühre/ daß wir nur mit den Augen des Verstandes sehen/ und das Herz nm von den Ergötzlichkeiten/ die er verursacht/ einnehmen lassen. Diese Vortheile aber kann man sich durch das Lesen guter Bücher allein verschaffen. Das Gemürh/ welches auf eine ganz andere Art beschäftiget wird/ kann weder seine Annehmlichkeit/ noch seine Zufi iedenhcit zu erkennen geben. Vieler Umgang mit Leuten zerstreuet es/ die groben Belustigungen machen es träg/ die Ehrbegierde beunruhiget es/ die Wollust und der Müßiggang entkräftet es. Mit einem Worte fast in allen anderen Beschäftigungen vcrliehret es die glückselige Ruhe/ ohne welche in ihm nichts als Unordnung und Verwirrung ist. Es muß demnach eine Verände- rung haben/ welche ihm nichts von seiner Kraft benimmt/ wobei) es feine Gedanken allezeit beysamrnen hat/ und sich nichts desloweniger in die ganze Weltausdreiten/ alle Zeiten durchgehen und die Begebenheitendeiseiben untersuchen kann. Und indem es sich durch das Lesen so übet/ beschäftiget cs uns Allein auf eine so angenehme Weift. Die Dienstag den StenDcccmbr. i?fo. ;8- Em Liebhaber der W ffenschastensiehet in der Historie alle berühmte Toden/ welche darinnen beschrieben weivkn/ wieder !eben. Von ihnen lernet er die Welt vollkommen kenne 1/ sich darin klug aufzuführen und die Klippen zu vermeiden / woran sie Schtsbrnch gelitten baden. WaS für Nutzen würde nicht ein junger Prinz bet) Lesung der Geschichten emeö Alexanders oder eines Casars finden/ wenn er badet) eine gute Anweisung, bekäme? Er würde sich ohne Zweifel dar über entsetzen/ daß so viel Blut unnützer Weise ist vergossen worben: Er würde erkennen/ wie viel Unglück der eitle Pracht der Triumphe dem Ueberwinder und den Völkern/ welche erbe« zwinget/ verursachen kann: Er würde sehen/ wo es mit einer allzuheftigen Begierde rtach einem solchen Ruhme hinaus lauft/ und was für eines Glücks die friedliedende Herren/ weiche ihn dem gementen Vesten aufgeopfert/ genossen haben. Das Lesen wird ihit von dein Falle so vieler Neichen/ welche eine schlimme Regierung zu Grande gerichtet bat/ benachrichtigen. Es würde ihn unterrichten/daß keine Krone vor den traurig n Zufällen gesichert feg/ und daß kein Thron so fest liebe/ der nicht umgestrnzt werden könnte. Er würde bei) dem T'beriuö und Nero gewahr werden/ daß die Nachkommen weder der Hobeit/ noch der gekrönten Häupter schonen. Der Schimpf/ womit die Historie diese Herrn der Welt bele/.et/ könnte ihn vielleicht in Verwunderung fetzen; aber er würde ibn auch um desto mehr verbinden/ seine Affecten zu beherrschen und auf feine Pflichten aufmerksam zu werden. Alle Zeiten würden ihm endlich eben so viel berühmte unglückliche Herrn als Helden aufwetsen/ deren Schicksal den unersättlichen Hochmuth/ der ihm so oft eingeblasen wordett/ sich den ganzen Erdboden utiterwüisig zu machen/ in ihm wo nicht gänzlich auölöschen/ doch zum wenigsten merklich schwächen würde. Glauben sie nicht/ daß ein Prinz/ der einen wahren Eifer hat/ sich seiner Hoheit würdig zu machen, aus dieser reichen Quelle mit vielem Vergnügen Unterricht genug schöpfen würde. Und diese Lehret« sind so nachdrücklich/ baß ihnen ein schmeichelhafter Hofmann weder einen andern Smn bcylegen/ noch deren bittere Wahrheiten verfaßen kann. Allein was haben wir für einen Vortbctl davon/ da uns diese Häupter der Welt nichts angehen/ als daß die verschiedene Begebenheiten ihres Lebens unsere Neubegierde erregen; wir/ die wir sehen/ daß die wichtige Hoheit von dem veränderlichen Glücke beständig verfolget wird / und daß die Thorheit der Menschen damit ihr Spiel treibet? Wenn auch gleich ihr betrübtes Schicksal keinen so starken Eindruck bet) uns machen kann; so finden wir doch bey der Gleichgültigkeit selbst/ womit wir ihre G.fchichten lesen/ eine andere Art eines weit grösseren Vergnügens. Was entdecket man nicht bey Lesung der Poeten? Man trift darin alle das Angenebine/ welches der menschliche Verstand nur erfunden/ und alle das Sinnreiche/ welches er nur auSgedacht bat / an. Auch ihre Erdichtungen und Einfälle gefallen und entzücken. Aller was findet man in der Sittenlehre nicht für Hülfe und Trost in den Widerwärtigkeiten des Lebens l Wie gründliche Anweisung gicbt sie nicht seine Begierden zu mäßigen! Wie eilte grosse Lust macht sic uns nicht/ dieTu- Ccc } gend jjo Gresser Wochenblatt/ Num. XL1X. gtnt) allein zu lieben! Die Grmuthsbewegungen verliehren dabe» nichts/ sondern durch deren Lesung werden sie nur verbessert. Sie allein bringet diselben in -Ordnung/ ohne daß ihrer Lebhaftigkeit dadurch etwas entzogen wird. Sie zeiget dem Ehrbegierigen/ wie er der wahren Eore nachfolgen/ dem Geizigen / wie er die Schätze dec Weisheit erwerben/ und dem Wollüstigen/ wie er zum Besitze des höchsten Gutes gelangen soll. Durch sie lernst man allein/ sich vor nichts/ als vor der Unterlassung seiner Pflichten/ zu fürchten/ nur eifersüchtig zu seyn/ dieselben zu erfüllen/ das Schicksal tugendhafter Leuten nur zu beneiden/ sich Über nichts / als Über das Laster zu erzürnen/ durch boshafte Thaten nur beunruhiget zu werden / nur Über das Müßiggchcn verdrießlich zu ftyn/ und sich über nichts/ als über den Verlust der wahren Güter zu betrüben. Mit einem Worte das aufmerksame Lesen der Sittenlchre macht / baß alles dasjenige/ was uns vernnehlen uud unser Verderben stiften konnte/ unsirn Ruhm und unser Bestes zu befördern be»)trägt/ und verhilft uns zu den Eigenschaften eines rechtschaffenen Mannes / die uns so viele Hochachtung be» jederman zu we- ge bringen. Diese Beschäftigung erfordert weder eine allzugrosse Anstrengung deS Ge- müths / noch eine sehr starke Gesurrdheit. Man ist dabey nicht gezwungen / den Wohlstand zu beobachten. Man leget daS allerbeste Buch bey Seite / wenn man will/ und nimmt es wieder zur Hand/ wenn man Lust hat/ des Vergnügens/ das es uns verschaffen kann/ zu geniessen. Man sänget an und höret auf/ sich mit ihm zu unterreden / wenn es uns gefallt. Es trägt die Sachen auf eine deutliche / richtige und zierliche Art vor/ und es fällt ihm niemals schwer / die Wörter zu finden/ um einen Gedanken auszudrücken. Sonst aber sind alle andere Sachen beschwerlich/ die leeren Gespräche im gemeinen Umgangs/ die Cercmomen bei) dem Besuche/ die Höflichkeitsbezeugungen in den Gesellschaften/ und die vielen Umstände bei) den Schauspielen; alle diese Sachen/ sage ich/ sind beschwerlich. Auch der Wohlstand/wel* chen die Ehrbarkeit billiget/ und den man / so bald man sich nur aus dem Hause be- giebt/ nicht bei» Seite setzen darf/ ist verdrießlich und gereicht uns zur Last. Gewiß ein Liebhaber der Wissenschaften ist in seinem Vergnügen an nichts gebunden/ weder an den Eigensinn eines Freundes/ der einen Augcnblick mit ihm zu reden ausschläget / noch an den wunderlichen Sinn eines Weltweisen / der sich ganz cingezoaen hält/ noch an die verdrießliche Weise eines Gelehrten/ der sich nicht gern sehen läßt. Die Einsamkeit kömmt ihn weder erschrecklich noch gefährlich vor. Ueber- flil findet er Poeten die ihn bclnstigen/ bernünftiße Männer/ die ihn lehren/ und Gottesfürchtige Leute / die ihn ei bauen. Esist über das ein Vergnügen für ein jedes Geschlecht / ein jedes Alter und und einen siden Stand. Wem ist es unbekannt/ wie die einfältigen Landlcute/ als sie ihre Begebenbeiten noch in die Rinde der Bäume gruben/ sich damit beschäftigten/ wie die berühmtesten Eroberer nur in der Gemeinschaft mit den Musin ihr Leb. n ge- endiget/ Dienstag den StenDeeembr. i7fo» -ndigct/ und wie vi. ser Umgang die Glückseligkeit ihrer letzten Tage ausgemacht hat. Jjicr beweisen also die £M)|Ien und Niedrigsten/ die gcmeinesten Leute und Die trba# bensten Genter zugleich / daß das Vergnügen des Geinürhs ein vernünftiges Ve'gnü« gen sev. Und diesem würde stch der Mensch ohne Zweifel gerne überlasten/ wenn ihn feine Unemphn.lchkeit vor den besten Sachen nid)t allzusehr daran verhinderte ^n der That verringert keine Unruhe und keine Reue dasselbe. Es richtet unser Hm zu GOtt/ verbessert unsere Sitten und reiniget unfein Geschmack. Auszug aus der erneuerten Hochfürstllch-Hcsieir^DarmstädtischcnSperr- Ordnrmg der Stadt und Vestung Greffen/ vom 14. Hov. i?fu. Anfänglich fol! es zivar bey der Sperr de anno 1716. und denen darauf stch gründenden nachherigen Verordnungen/ so viel nemlich die Sperr-Zeit und Stun* den anbelanget/ rind in soweit jene hierinnen nicht fpecialker und exprefTe verändert oder aufgehoben wird/ sein Bewenden haben. Die Abend-Sperr betreffend. r) Sollen alle und jede bisherige Exemtionen von Entrichtung derer Sperr« Gelder/als iWeilorum und RegierungS-Rälhen/ Stabs-Osticierern und deren Bedienten/ ja auch Unfers Gouverneurs und Commendanten sechsten zu Abschneidung aller fernem Confequeujien durchgehends aufgehoben seyn / gestalten solches auch in andern Vcstungen gebräuchlich/ und denen Vestungs-Reglements gemäß ist/ auch nebji deme einein jedem/ der nach der Sperrung feiner Veränderung nachgehet/ auf den Sperr»Grofchen es wohl nicht ankommen wird/ diejenige aber/ so m Herrschaftlichen Verrichtungen verreisen/ und sich verspäten/ die Auslage verrechnen können. Dahingegen sollen ,2) Bey entstehendem Brand in benachbarten Ortschaften die sogenannte Feuer- Läufer / und diejenige so das Feuer zu löschen/ und denen Nothleidenden zu Hulse zu kommen bestellet/ oder zu dem Ende ausgegangen sind/ wann sie sich ver- spathen/ und mit Feuer-Eymern oder Handspritzen versehen sind/ oder sich sonsten le- xmmiren können/ daß sie darzu bestellet oder beordert/ von Bezahlung des Sverr- GeldeS durchaus bcfreyet seyn; 3) Die Beambten/ Medici und Chyrurgi aber/ wenn selbige bey entstehenden tödtlichen Schlägereyen und dergleichen Unglücksfällen zur Sedion oder sonsten aus-und in die Vestung paflircn müssen/ sollen das Sperr «Geld zu Vermeidung aller Lon/cquenzicn und Unterschleifen bezahlen/und kann delienselbLN die Ersetzung allenfalls/ wann die Thürer flüchtig geworden/ und auch der Verwundete nichts nu Vermögen hat/ aus denen Bürgermeisterei)- Rechnungen verglichet werden; Dahingegen Land-Reuther/ welche prcflante Expeditionen aufhaben/ sodann expreß« Vothen/ welche dergleichen Nachrichten von Unglücks-Fällen ohnentgeltlich überbringen/ frei) paffiren j nechst deme sollen 4) }9Z Gresser Wochett-Blätt/ Num. XLIX. 4) Zu Vermeidung alles Ui ter schleiss/ alle und jede hmschaffrliche Bediente und andere Personen/ wes Standes sie sind/ so in Unfern Geschafften zur Sperr-Zeit in die Vestung ein- und aus paffiren/ das verordnete Sperr-Geld/ geben/ gestalten ein jeder/ so verschicket wird/ an End und -Orten/ wo er seine v.Ttenoder Lohn bekommt/ das ansgelegte Sperr-Geld wieder verrechnen/ und die Ersetzung erhalten kan/ entrichten; Jedoch sollen die Handwerks.Leuten/ so auser der Ve- string eine preflante herrschafliche Arbeit/ als zum Exempel die Schliessen bev Wasser- fluthen zu stopffen/ Kalch zu löschen/ und dergleichen rc rc. wenn sie vor dem Thor- fchluß nicht fertig werden können / auf Unserö Obrist. Lieutenant Mullers Atteftat ausgenommen und frei) paßiret werden; Wie nicht weniger auch die Wald-Förster und Feld-Schütren/ wenn selbige mit einem von Unserm Gouverneur errheilkerrFici)- Paß/ welcher aber alle Monakh von gedachtem Gouverneur/ und mdessen Abwesen- seit/ vom Commmdanten/ und in Ermanglung dieses/ vom Platz Major renoviret werden muß/ versehen sind/ ebenfalS kein Sperr. Geld zu enliichten haben; Softr- ne auch „ „ f) Künftighin Marches fremder I°rouppen Vorfällen; Sv sollen zwar Orh- cker sambt ihren Bedienten/ wenn ein und andere in Giessen über Nacht bleiben wollen/ so lange der Marche unö Zug währet / von Erlegung des Spcrr-Gcldes befteyct seyn/ alle diejenige ab;r so in Privarverrichtungen dahin gehen und besonders die Mar- quetenter, wann selbige Victualien zu verkauffen zur Sperr-Zeil in die Vestung pas- firen/ das Sperr-Geld zu bezahlen angehalten werden- Anbelangend 6) Fremder P-iAlgiers leer zurückgehende/ wie auch die zurückkommende zur Giesser Post-8rarwn gehörige Post- wie auch andere Retour-Pferde/ so lassen Wir es eines Tbeüs bey deine was in der Sperr-Ordnung de an. 1716.§vo po sodann in beren Erläuterung de annno i7i?-§vo4to rarione derer extraordinairm Paflagiers und Couriers verordnet ist / dergestalten lediglich bewenden/ daß wie in andern Vestungen/ wo Sperrungen angeleget sind/ üblich, und ratione derer auswärtigeneS biöbero gehalten worden / von denen auswärtigen Retour-Pferden (massen zu des PosihalterS Vortbeil und Nutzen gereichet/ wann die Pferde eingelassen werden/ und nicht vor der Stadt stehen bleiben dürfen) während der Sperrung das verordnete Spew-Geld bezahlet werden solle. Wie dann im übrigen auch von eigenen Retour-Pferden so wohl/ als von andern Retour-Pferden / so um den Lohn fahren/ ohne Ausnahme das Sperr-Geld erleget werden muß. Uebrigcns sollen auch 7) Heb-Ammen/ welche ohnehin jedesmalen ihren Verdienst und Lohn empfangen/zu Bezahlung des Sperr-Geldes angehalten werden. Dao übrige folger künftig. Dickes Wochenblatt wird alle Dieiistaac a-lhier b'» den Vwieaer Jobai » Philipp Krieger den Storni Prasnumcrant'i) auögeliesert/ man fmm auch die von vorigem halbem Jahr belejrsherauegckkM' mnic Stücke a r.fl. noch erhalten/ jcM Sück aber wird ci'iwu vor tr. abgegeben.