. Mcscr Ko ch e il - WM Num. XXXVI. Dienstag den 8. Sept. 1770. rn»e Hochsorsil. Hestcttdnrmsiädklschcr gnädigsten Erlaubniß. x-t _ . *T < ■t". zv H < K H O ftnfrc erste Jahren haben einen so r'rftn Einfltrß irf das ganze Leben/ Ä haß unser eigenes und andrer von uns einigermaßen abhangender KK. Menschen Glück und Rlrglück'darau/ ankommt. Die Sache ist äusser Zweifel/ und so birl Menschen auf den! Erdboden leben / so - ' viele Zeugnisse sind davon vorhanden. Sie ist aber auch ein unumstößlicher Beweis / daß die Erziehung der Jugend etwas hüchstwichciges und etwas solches sc»/ darin das Wvbl und Web der Menschen und der Länder gegründet ist. ES wäre demnach sehr zu wünschen / daß die Wissenschaft damit umzugehen recht gemein und Niemanden unbekannt wäre. Die betrübte Erfahrung aber lehret/ daß dem Wunsche die Erfüllung fehlet/ und daß unter den Aeltern/ unter den Lehrmeistern und Lehr- meisterinnen wenige sind , die da wissen / was sie in diesem Stücke zu thun haben. Un- s-r Vornehmen wird also von Niemand vor unnütze angesehen werden können/ wenn «Vit in diesem Bogen einige Regeln dieser Kunst in aller Kürze vortragen. Der Raum eines Vogens ist allzuenge/ als daß man eine zulängliche Ausführung dieser so weirläuftigen als wichtigen Wissenschaft darin zu lesen hoffen dürfte. Man verspricht daher nur einige Regeln / wird sich aber befleissigm / nothige auszulesen. Man wird sie so vorlragen / wie man im Stande ist, das ist kürzlich. Denn wer hiervon etwas tüchtiges/ gründliches/ hinreichendes/ vollständiges liefern will/ muß mehr Erfahrung haben > als der Verfasser sich rühmen darf/ der niemals mit der Ä m c> jucht iy tlM gehabt und seine ganze Gelehrsamkeit in diesem Punkte aus Lesung^guter ** n r8r Giesser Wochen--Blatt/ Num. xxxvi. Bücher und eigenem Nachdenken bat/ in welcbemletztern er gleichwohl vor alberm Grüble» über Dinge/ die sich nicht practicirekr lassen / sich ju hüten utfnitineb Sollten wir so glücklich seyn/ durch diesen Bogen einige zur Erfüllung ihrerWicht gegen ihre Kin- der und Lehrlinge aufzumuntern und eineBegierde nach weitermUnterricht zu erwecken/ so haben wir unsre Absicht soweit erreicht/ als vor dieses mal möglich ist. Wer sich Fenelons und Lockens Schriften von dieser Materie anschaffet / wird sich daraus weiter erbauen können. Die Kunst die Jugend zu erziehen ist eine Wissenschaft/ zu machen/ daß aus Kindern rechtschaffene Menschen / gute Bürger und fromme Christen werden. Wir wollen von jedem nur das nöthigsto sagen. Daß man auf den Leib der Kinder acht haben und Sorge tragen muß / daß sie gerade und brauchbare Glieder behalten / verstehet sich von sich selbst / und daran lasset man es auch gemeiniglich nicht ermangeln. So nüthig aber als jenes ist / eben so nöthig ist auch dieses / daß man ja die Kinder an keine Zärtlichkeit / von was für einer Art sie seyn möge / gewöhne. Man schadet ihnen damit gar vielfältig. Man macht ihren Cörper schwach und jetzt ihn in den Stand/ daß er nichts vertragen kann. Bestehet die Zärtlichkeit im Essen/ so gewöhnet man sie ferner dadurch sich weiter zu strecken / als ihre Decke inskünftige reichen möchte uud was dergleichen mehr ist. Man gebe ihnen demnach zu essen / was menschliche Kost und gesund ist ; man lasse sie die freye Luft geniessen; man lerne sie Hitze und Frost ausstehen ; man übe sie mit einem Worte in allem/ was sie in Zukunft aushalten zu können nöthig haben mögen. Doch mit Verstand/ daß man wisse Maas und Ziel zu halten. Mehr von dem/ was den Cörper betritt/ zu reden / leidet der Raum nicht. Bey der Seele der Kinder hat man sowohl auf den Verstand als den Willen zu sehen. Wir wollen im Anfänge von der Regierung beyder Kräften bey ganz zarten Kindern und alsdenn auch bey mehr erwachsenen reden. Es ist ein schlimmes Vorurtheil/ daß man sich gemeiniglich einbildct / man müsse die Kinder bis in das siebende oder achte Jahr wie bas junge Vieh lausten las» sen/ weil sie in der Zeit noch keinen Unterricht anzunehmen fähig seyn sollen. Durch diese Nachläßigkeir geschiehet es/ daß sie verwildern/ die Begierde nach der Erkennt» niß verliehren und böse Sitten annehmen. lauter Dinge / die sehr gefährliche Folgen nach sich ziehen. Von rechtswegen muß ein guter und vernünftiger Unterricht so bald anfangen / als sich die Seelenkräften zu äussern beginnen. Ein vernünsligkr Unter» richt aber will hier so viel sagen : Man muß die Kinder nicht mit Gewalt / Strafen/ Drohungen u. d. g. in der zärtesten Jugend dazu zwingen / damit man ihnen keinen Verdruß vor allem Gutem zuziehe: sondern man muß sie zu der Zeit spielend lehren. Man muß sich ihre Neigung zu Nutze machen / und unter der Gestalt von al- lerley Verändrungen ihnen dasjenige beybringen/ was sie wissen sollen. Es ist der Mühe Werth hieben ein wenig stehen zu bleiben. Soll man sich ihre Neigung zu Nutze machen / so muß man dieselbe zufor- Perfi Dienstag den Seen Sept. i7fo. Verst ausforschen / und wie man sie deren gemäß zu tractiren habe/ wohl überlegen. Man wild die Absicht erreichen/ wenn man sie zu gewissen Zeiten / da man ihnen ihre ganze flrepfceit Ml/ j. E- beym Spielen sorgfältig beobachtet. Man wird finden woran sie (ufi haben / und woran sich ein jedes hauptiächlich ergäbet; auch wiederum was ihnen verdrießlich ist/ und wovor sich «in jedes besonders fürchtet. Jenes zeiget/ durch was für Mittel man einem jeden den Unterricht angenehm ,nachen kann. Dieses lehret/ mit was für Zügeln man ein jedes zu regieren habe/ was für Arten dec Strafen u. d. g. am vernünftigsten zu wählen sind. Beydes muß so gebraucht werden/ daß man keine Neigung ihre Kränzen überschreiten lasse/daß man die bösen auS- Motten und die guten nach allem Vermögen zu erwecken suche. Soll man die Kinder spielend unterrichten / so muß man auf allerlei) sinnen wodurch man zugleich nutzen und ergötzen könne. Z-E- ein Kind das fertig reden kann ist im Stande die Buchstaben kennen zu lernen. Wollte man also auf überzuckerte Mandeln / auf kleine Zuckerwerke, die unten weise Oblate haben / die Buchstaben sauber und mit einer unschädlichen Farbe schreiben / und dem Kinde/ wenn es den Buchstabe» kennet / das Stück zur Ergötzung geben/ so würde es sich gcwis bemühen. Wollte man sie auf Karten zeichnen und mir ihm spielen; wollte inan/wie andre vor- geschlagen haben/ aus einen fünfeckichten Würfel die fünf VocaleS / auf einen acht- rehneckichten die Eonsonantes mahlen und mit ihrien würfeln/ so würde man nicht nue eben so wohl damit zurecht kommen/sondern auf die letzte Weise das buchstabiere» auch beybringen können/ nach dessen Verstände das lesen nicht mehr schwehr iff. In eben der Zeit kann man auch die Kinder schreiben lernen. Denn sie inclinieren alle von Natur zum zeichnen / und beschäftigen sich also auch mit dem schreiben nicht ungern/wofern man nur di«Sache so angreift/ daß man ihnen selbige nicht selbst verdrießlich macht. Man zeichne ihnen anfangs die Buchstaben recht groß mit Bley- stift vor/ lasse sie dieselbe mit Röthel/ jchwarzer/ grüner/ rother/ u. s. w. Dinte nach- malen/ damit «twaS zu spielen dabev sey / und em Bild herauskomme / daß der kindischen Neigung gefalle; nach und nach merke man selbst / wie es ihnen am meisten be- hagt/ und dadurch bringe man sie endlich so weit / daß sie selbst nicht dawider sind/ die Sache ernstlich anzugreiffen. Unterdessen bringe man ihnen zugleich die nötlftge Begriffe von GL)tt und der Religion auf eine angenehme Weise bcy/ lerne sie Gebäre und Sprüche aus der Bibel. Die Moral lasset sich ihnen am besten durch Fabeln vortragen. Denn diese führen einen gewissen Zeitvertreib bev sich und die Mährgen vergnügen die zarten Gemü- tber. Man lasse es aber nicht bep den puren Mährgen bewenden / sondern zeige auch auf eine begreifliche Art die darin enthaltene Regel der Sitten. Hauptsächlich gewöhne man die Jugend an die unvergleichliche Regel: was du willst / daß dir die Leute thun sollen / das thue ihnen auch/ und was du willst/ daß dir die Leute nicht thu» sollen/ das thue ihnen auch nicht. Eie ist ihrem Verstände ganz gemäß und eine Nn r. genaue Gresser Wochenblatt/ t-lum. XXXVI. -,84. genaue Beobachtung ihrer Handlungen zeiget/ daß ihnen die Natur dieselbe selbst ins ^^'Unumgänglichnslhigist/ daß die Aeltern und Lehrmeister der Kinder selbst wohlgesittete Leute sind/ danut jene nicht nur an diesen kein W Exempel /sondern vielmehr eine Richtschnur haben/ nach welcher sie sich achten können. Es ist trefich/ wenn der Vater sagen kann : Gicb auf mich acht; sichst du daß ich dergleichen Boö> heit begehe? und was dergleichen mehr ist. Da die französische Sprache heut zu Tage unentbehrlich ist/ so ist allerdings sehr vernünftig/ wenn Aeltern 1 die das Vermögen dazu haben / ihren Kindern Französinnen halten oder/ wenn sie dazu geschickt sind/ selbst in dieser Sprache mit ihren Kindern reden. Denn die Erfahrung lehret/ daß die Kinder so viel auf diese Weise lernen / daß ein geringer Unterricht sie nachgehends bald zur Vollkonimenheit bringet. Au dem ist die Aussprache so geartet/ daß ein erwachsener sie recht nachzuahmen nicht mehr im Stande ist. Wollten die Umstände einem Hausvater lieber rathen/ sein Kind so zeitig in der lateinischen Sprache anzuführen/ so hätte man sich Dabei; eben so zu tex» halten/ und der Verfasser siehct keine Ursache / warum / wenn man es anders recht anfängt, man nicht eben dieselbe Wurkung sich versprechen sollte. Was die zarte Jugend angeht/ wollen wir hierbey bewenden lassen / und nunmehr zu den fernem Jahren forrschreiten- Bisher war es unnöthig einen Unterscheid unter beyden Geschlechtern zu machen/ weil die Regel allgemein ist r man ioll bemühen von der zartesten Jugend an Den Kindern so viel beyzubringen/ als ihr öermger Verstand fassen/ und ihnen ohne ihren Verdruß vorgetragen werden kann. Nun aber müßen wir von einem jeden Geschlecht besonders reden. Das Frauenzimmer mag auch hier den Vorzug haben. . Mewohl Niemand zu raihen/ daß man emMägdgen zum Studieren anhal- ttl cö sei; Denn man hoste/ sie werde etwas rechts ausrichten und unter Die rare E,rempel gerechnet werden können: so muß man doch nicht auf die andre Extremität verfallen/ und ihnen Den Weg zu aller Erkenntniß verschliessem Unsers Erachtens könnte man sie folgendes lernen lassen. Erstlich ihr Ehristenthum/ woran ohnehin Niemand zweifeln roirD. Zweytens Die französische Sprache / als welche ohne Widerrede em Frauenzimmer zichret. Drittens sauber lesen und schreiben / und zwar ohne Anstoß und deutlich lesen / orthographisch und ohne Schnitzer schreiben. Es wird wohl erlaubt seyn/ dieses insbesondre zu erinnern / weil Die Erfahrung lehrt / daß der Frauenz-m- mer Rechtschreibekunst gar regellos ist. Drittens rechnen. In der Haushaltung ist disse Wissenschaft sehr nöthig / was nämlich Die sogenannte Specieö unD die Regel D tri betritt/ das übrige kann nach Umständen entbehret werden. Viertens Moral; denn das weibliche Geschlecht muß eben so wohl vernünftig leben/ als das männliche. Darin möchte Die Frauenzimmer * Gelehrsamkeit bestehen. Nach des Verfassers Urtheil aber würden sie auch an mehrerem nicht schwehr tragen/und Die besondern Umstände müssen zeigen / ob das besagte genug ist / oder was noch dazu lnuß. In MUs- Dienstag da, Sten Sept. i?so. t«; MüssgenSknden aber ein gutes Buch zu lesen/ ist Niemand schädlich. Unter den fluten Büchern aber verstehen wir keine Romanen/ cs sey dmn eins Pamela/ eine lLlanssr; sondern moralische/ Fabeln/ z.E- die vortrefiiche von Herrn cSeNerr, litt* fame Poesien / geistliche und andre nützliche Historien u. d. g. Die Hebung im Tanzen ist löblich/ trenn sie eine gute Stellung des LeibeS und / waö sonst zum Wohlstände nach VerschieDeuhclt der Umständen erforderlich ist/ »ur Absicht hat- Sie muß aber bey beyderley Geschlecht kein Gang zur Lasterbahne seyn. Mit der Musie verhält siche eben so. Bey erwachsenen Jahren bekommt man gemeiniglich andre Instrumenten in die Hände. Die Zucht eines jungen Frauenzimmers muß hauptsächlich ihre Silken zum Vorwurf haben. Sie müssen eingezogcn gehalten werden. Des ÄbendS Dürfen sie nicht der Trommel nachlauffen / noch weniger bis in die fpäte Nacht bey juhgeti Mannspersonen alleine sitzen. Denn die Gelegenheit macht Diebe/ und dergleichen Aufführung verderbet / wie Dia Erfahrung lehrt / Den guten Namen/ woran mehr gelegen/ als man gemeiniglich meinet. Sie müssen früh anstiehen und fleissg seyn; so* wohl damit sie eö gewohnt sind/ wenn sie Hausmütter werden / als Damir Niemand einen Abscheu vor ihnen habe. Denn welcher Vernünstige wird eine Frau nehmen/ von Der er zum voraus weiö/ daß sie bis zehn Ubr im Bette liegen / Den Tag über nichts als Possen treiben / deö Abends spazieren gehen/ und überhaupt nie etwas schaffen wird/ als wenn sie unter Der Hausthüre steht, oder einen Besuch abiegt. Endlich so muß eine junge Weibsperson zur Haushaltungökunst angehalten werden. Man muß sie Die Güte aller Waaren unD ihren Preis kennen lernen. Man muß sie lernen mit wenigem auslommen/ zu rechter Zeit einkauffen/ am nöthigen nicht sparen / Das überflüßige einziehen. Man muß sie kochen lernen und alles/ was sonst zur kleinen/ oder nach Umstände auch zur grossen / Wirtschaft gehöret. Man muß sie lehren ihr Gesind wohl zu tractiren und zu regieren; ihre Kinder mit Der Zeit zu besorgen; ihrem Mann dermalems recht zu begegnen; ihrer Garderobe mit Verstand und Sparsamkeit vorzustehen u. D. g. Das bisherige hat man nur wegen junger Weibspersonen erinnern wollen/ weil sich vor sich s lbst verstehet/ daß das meiste den Knaben gleichfalls uöthig ist. Ferner hat man von Einprägung Der Höflichkeit / Sinnlichkeit / Achtsamkeit u-d.g. st lle geschwiegen/weil in solche besondre Sachen sich einzulassen/ der Raum nicht erlaubet. Von Erziehung Der Knaben wollen wir nur noch zivei) Stücke/ Die wir besonders vor fchwebr halten/ aUbier fürjltd) beleuchten. Das erste ist dieses. Man hat zu sorgen/ daß man ihnen angewöhne mit Der Wahrbeit umzugeren/ und keine Verstellung / Lügen/ Arglistigkeir/ und wie es Namen haben möge ben ihnen aufkommen lasse. Die Knaben fordern diese Sorfaltigkeit vielmehr/ als Die Mägdgen / weil sie von Natur so wohl zu D.efcn Lastern geneigter zu seyn scheinen / als auch Durch Den Umgang mehr dazu verführet weiden. Doch soll cs freystehen/ diese Regel vor ganz allgemein zu halten. Das beste Mittel Die Absicht zu erreichen bestehet in folgend, m. Nv, Man 236 Gl'csicr Wochen-Blatt/ Num. XXXVI. rwan mtifi ihnen durch feine eigne Liebe zur Wahrheit die Nachahmung leicht und an- öenedm machen man muß sie wegen der Unwahrheit mehr / als wegen allem andern «Wißen; man muß ihnen ihre Fehler verzeihen/ wenigstensgelinder strafen/ wenn sie sic offenherzig gestehen / härter aber / wenn sie sie mit Lugen bemänteln; man muß sie niemals dessen theilhaftig werden lassen, was sie durch dergleichen Wege zu erhalten gedenken/ und muß ihnen an andrer Leuten Exempel zeigen / wre schändlich und sihad- trch gleichen MUMnden^) muß ihnen eine Begierde zum Studieren beybrin- aen. Dadurch erspahret man eine grosse Menge Verweisen und Züchtigungen/ richtet mehr damit als mit diesen aus / und befestiget den Fiets Bieter alle zukünftige Gelegenheit des Müßiggangs und Verführung. Die Lust zum Studieren aber wird ihnen dadurch gemacht / daß man siezu emem TH-ile der Gele.-rsamkeit anhalt/ wozu man die stärkste Neigung und Geschicklichkeit bet) ihnen wahrmmmt/ und m Nicht zu einem andern/ der ihnen zuwider ist/ wenn er gleich einträglicher wäre. Ferner tragt dazu vieles bet) / wenn man ihnen alles so leicht und deutlich erkläret / daß sie es gänzlich fassen/ und über ihre eigne Gelehrigkeit sich erfreuen ; wie auch wenn man auf alle ihre Fragen und Zweifel verständlich antwortet/ was dabey etwa zu schwehr scpn machte/ durch Gleichnisse und Erempel unterdessen erläutert/ bis die Zeit kommt/ vaste mehr zu begreifen aufgeleget sind ; desgleichen wenn man sie selbst fraget/ und die Ant- wort auf eine künstliche Weise so darin vorbirgt / daß sie solche fn mich gebührende Ruhe und vergönnet ihnen unschuldige Ergötzungen ; lobet sie/ wenn sie das ihrige wohl gethan haben: so wird man feinen Zweck veiWen^^n ^tstrafungen Erwähnung gethan. Es ist also billig / daß wir davon auch noch ein paar Worte sagen. Die wichtigste Wahrheit von ihnen ist diese: sie müssen als Nothmittel angesehen werden / zu denen man nicht eher greister / als wenn kein anders mehr helfen will. Man kann auch ihrer meistenthcils entbehren/wenn mann vermmftig zu werk gehet. Denn wenn man sich bey den Kindern von der Wie. ae an in Auctorilät setzet/ und bei) ihnen einen gewissen geheimen Trieb zur Ehrfurcht/ Liebe und Gehorsam gegen sich dadurch erweckt / daß man ihnen mit einer vernünftigen Gelindigkeit/ mit einer weisen Strenge und einer allezeit gleichen und durch keine sichtbare Anetten bewegte Standhaftigkeit begegnet; so folgen sie dem Befehle ganz willig und haben nicht nöthia gestraft zu werden. Freylich wird dadurch sehr selten alles allein ausgerichtet. Wenn man aber bedenket/ daß Fehltritte / Die aus Heberet* hing und einer Der fugend sehr natürlichen Unachtsamkeit entspringen / nichts mehr als eine freundliche Erinnerung und keine Strafe verdienen; so wird man doch so sehr viel nicht mehr zu thun finden. Muß man endlich weiter schreiten / so gehe man Schutt vor Schritt. Man verweise das erstemal gelinde/ das zweytemai harter / daß Dritte* mal drohe man und endlich/ wenn nichts reichen will/greiffe man zur Züchtigung. Man Dienstag den 8tcn Sept. i7fo, *87 nehme aber dabey folgende Stücke wohl in -Obacht. Erstlich hüte man sich / daß man nicht im Zorn unD m Der Bosheit strafe; denn man tbut in solchem Falle selbst nicht, was recht ist/ wird also vielweniger andere bessern können/ und macht die Jugend glauben/daß man mehr aus Wurh als aus Gerechtigkeit strafe. Zweytens suche man eine Strafe aus / die der Neigung des Kinds gemäß sey. Ruthen und Prügel sind zwar die gemeinste / allein in der That die allerschlechteste Mittel. Entziehung der Ergötzungen/ Abfertigung init schlechten Speisen/Hunger/ Gefängnisse, ein Schinipf/ der keine Niederttächtigkeit verursachen kann, u.d. g.thunchreDiel>ste viel besser. Dril» tenszüchtige man die Kinder nicht/ so lange sie selbst in der Bosheit sind/ sonst macht man übel ärger / und bringet sie wohl dahin/ daß sie allen Respect auf die Seite setzen. Endlich sey man nicht gleich nach der Strafe wieder freundlich/wie viele die ihreSöhn- gen gleichsam um Verzeihung bitten / sondern zeige ihnen einen gerechten Unwillen/ der so lange anhält/ bis sie durch ihren Fleis und eine bcsondre lobwürdige That ihre Reue und den Vorsatz sich wohl aufzufübren an den Tag geleget haben. Zuletzt vergönne man Niemand / daß die gestrafte Kinder zu ihm eineZuflucht haben/ sich über ihre Act- kern und Lehrmeister beschwehren und gleichsam Schutz suchen. Denn dadurch würde al» le Züchtigung vereitelt/ und man würde mehr Schaden/ als Nutzen davon zu gewar» ten haben. Die Gesellschaft der Kinder verdienet gleichfalls sehr wohl ausgelesen zu werden. Denn böse Exempcl verderben gute Sitten. Die Strasse ist durchaus kein Ort/ wohin Kinder / auf die Hofnung gebauet wird / gehören / weil sie da nichts Gutes sehen. Man lese ihnen etlicher feiner Leute» / die selbst gute Zucht halten/ ihre Kinder zur Coiiipagnie aus/ und halte dennoch immer einen Wächter bey ihnen / damit sich nicht ihre böse Neigungen hervorzuthuii Gelegenheit bekommen. Es wäre noch viel übrig / das hieher gehörte. Man hätte von der Kleidung/ von der Kunst mit dem Gelde umzugehen und dergleichen zu sprechen. Der Raum aber hat nicht gelitten / von dem/ was wir angeführt / deutlich genug zu sprechen; zu fernerem will er noch weniger zureichen. Am verwichenen Dienstag / als den i.Swt- Rührte unser berühmter Lehrer/ Herr D. Lorrholk/ den Herr Ioh. Christoph Follcnius/ aus Darmstadt/ auf den Jurrstilchen Catheder/ welcher nut vieler Geschicklichkeit ein gelehrte Schrift äe abulu do£hina:, quod in cauhi pacis WeftpUalicae executio citra procefTum locum habest yrr thMigte. Dieselbe fasset vier Abschnitte in sich/ und davon handelt der erste von der Execution überhaupt; der andre vom Recht zu cxeguiren im H. Römischen Reiche; der dritte von der Execution des Westphälischen Friederis und der letzte vom Misbrauch der Lehre/ daß in Sachen/ die den Westphälischen Frieden angehcn kein Proceß nö- rhig / sondern pur allein die ^xecuüvn erforderlich sey. Sie bestehet aus is; Bogen. Drauf Gresser Wschett-BlaN/ Num. XXXVI. r?8 Nachricht. «jvn iT Auauli i?fo (anfltc Die Fürst!. Verordnung ein / daß die Post- Krasse auf Rvanffiirtb von denen Hessen * Cassel. grenzen an dis auf Frankfmrh / so weit Di« StuftL Hessen - Darmstaotsscye Grenz Md (ptrussen sich erftrecken m einen tuebttoen und Dauerhaften beständigen x^tanD gesetzt werden solle/ und noch nach der bituäbiiflen Ernds damit der gjnfang zu machen / damit diePassagieis wegen der b ftn und unbrauchbaren Wege nicht aufgehalten oder eins andre Route zu nehmen ge- nothigt werden. _— Hoheiilohischc Grreirigkelren. Die Fürsten von Hohenlohe haben dem Vernehmen nach / alles was die Fürstl. Asspachssche Commission verfüget/ wiederruftn/ das hergestellte donMormm in Oehringen wieder geschlossen ( den Pfarrer Aelin auzs neue von seinem Dienst entsetzt- Obgleich die Fürsten von Hohenlohe / wie man aus Rcgenspurg schreibet / bey ethro Kayseri. Majestät um SIN Mandatum nuch?n nach Die Anspachische Executiond» Trouppcn in Die Grafschaft Hohenlohe eirirüifen. Dr'auffolaendcn Donnerstag/ als den ?. Sept, wurden in allhiesigem POßio illuftn nach gehaltenem Examiniert wohl unterrichtete und wohlgesittete bis- LLSchüler desselben öffenM)eximiyt. SeHochw- HerrSupermtemknt v.Ben- nc/lu^ zu dieser Kertichen Handlung durch ein gelehrtes und von dessen sattsam be- kannter^grossen Velcsenheü in Den allen Dichtern zeugendes P.ugtan.maeui/ Daun von Dem süssen Getränk der Alten/ das dein beut zu Tage üblichen Lasse fthr "abelomnit/ aehanDelt und zugleich Homeri OdyfllX. wo von Dem Getränk der L'icc die Dxeii ist/ Ätert toirD. Der zeitige Detanu,M löbl. Philosophischen Fac itat/ Here iW, Aleselb-verrichtete die Exemüon und hielte bei) dieser Gelegenheit eine den Umstant en sehr gemäße und zierliche Rede von Der Orthographie. Neu mrgekommcne Bücdcr. Allgemeine Historie aller merkwürdigen Reisen z-i Walser und zu Lanre oier neue Sammlung aller ReiftbeschreibüMn uterTheil 8- vaiel i7fo. Aetii Lxliicpiüis Galeatale, dcssn erstes Schreiben an einen vertrauten Freund nebst Anmerkungen über die Vorrede der wichtigen Vnefe R--l’- S"dors 8. .wor- innen die Gründe enthalten sind welche Se-Hochsurstl Durchlaucht dem Pftftkigrafen bewogen haben sich milder Röm. Kirchen zu Dtieuugeii 8. 171,0. ro. kr. \ c ' ’ ' " . ' . - . ' -___________ ... gRideö Wochenblatt wird alle Dienstage allbicr bei) dem Verleger Johann nxf e>rkaer den Herrn Pr-rnuiiieranreu guDgMsert / man kan auch die von vor l-aem^dalben?Jahr bereits sserausgckommene Stucke a r. fl. noch ethalten/ zeoes Stück aber wird einzeln vor z. kr. abgegeben.