Messer Wochen-Wlaki, Num. XLIV. Dienstag den z. Novembr. ITyo, Mit Hochfürsil. Hessendarmstädtrscher gnädigsten Erlaubmß. Anderer Thcii der Abhandlung vom Dictator. der angebrachten Geschichte und meinen beygefügten gelehrten Anmerkungen kann man sich von den ;-) römischen Dictatorn/ deren Würde / Vorzügen und s. w. einen so richtigen und zuver-» läßigen Begriff machen/ als aus irgend einem 40) Schriftsteller/ der je mit Fleis davon geschrieben hat. Der Ehrenname Diktator welcher ehemals den Oberbefehlshabern in einem freuen Staate besonders zukam/ist nach- hero 39) Zum Ueberflusse will ich hier noch eine Erklärung eines römischen Diktator« mittheilen. Es war nämlich eine ausserordentliche obrigkeitliche Person des römischen gemeinen Wesens/ welche in dem / was zur Ausführung der ihr aufgctra. gcnen Verrichtungendes Staats gehörte/ eine Zeitlang die größte Macht zu entscheiden/ zu gcbiethcn und zu herrschen hatte. 40) I. JensiuS hat in Fercuio bttfwo von den Dictatorn des römischen Volks unter andern am gründlichsten und ausführlichsten gehandelt: Ich aber habe/ ohne Ruhm zu melden/ die Sache weit besser getroffen / und ihr das rechte Licht gegeben. 14) Gresser wöchettblatit/ Num. XLIV. hero in der menschlichen Gesellschaft einer gewissen Gattung 4r) Personen von der höchsten Wichtigkeit überhaupt 41) jugeeignet worden/ welche zum Unterschiede der andern 4;) eigenmächtige Diktator genennetwerden. Diese sind nichts anders als die 44) oberstrichterliche und 45) höchstgebiethende Personen üi der Welt/ welche aus 41) Diejenigen / welche zugleich in der Weit leben/ sind mit einander als ein besonderes gemeines Wesen vom ersten Rang anzusehen: Denn die Menschen/ welche einerley Geschaffte treiben und eben dieselben Grundregeln und Absichten hegrrr / wenn sie sich gleich nicht ausdrücklich mit einander vereiniget haben und in der Welt zerstreuet leben/ werden als solche/ die in einer Gesellschaft stehen / betrachtet. Da nun die eigenmächtigen Diktator in den gedachten Stücken überein« stimmen/ so machen sie zusammen eine solche/ welche die Gesellschaft oder das gemeine Wesen der eigenmächtigen Diktator / und zwar mit eben dem Rechte / wie die Gelehrten zusammen die Republick der Gelehrten genennet wird. Von dieser bandeln Kappens Anmerkungen über Don Diego SaaVedra Repubhca htteraria. 42) Der Name Diktator hat das Schicksal gehabt / wie der Name Germanier. Diesen führrte erst ein besonders Volk der Deutschen / und nachhero ist er auch von den andern Völkern der Deutschen gebraucht worden. Taut. de nur. German. C, 2. 43 ) Auf Lateinisch Hessen sie Didatore, generi, humani und magiftri hominum. Und gleich wie die Herrn Franzosen die sehr artige Herrchen/ welche im kleinen den Meister spielen/ Peüts- m-irre, nennen; also führen jene in deren Sprache den Namen Grand, » maitres fbuvcrains, weil sie sich als ununkerwürsige Herren in den wichtigsten und geringsten Dingen beweisen. Solche Namen sind ihnen erst neuerlich beygeleget worden. Die Personen aber von solcher Art sind in der Tbat weit eher in der Welt gewesen / als die Diktator der Römer und andrer Völker. -Ohne Zweifel hat es dergleichen kurz darnach / als die Menschen aus . dem natürlichen Zustande getretten/ schon gegeben. Hiervon siehe Rufendorf i.n. & G. L. j. C. 2. 44) Dadurch verstehe ich auch diejenigen / welche keine Gesetze / deren Befehle sonst eine jede Obrigkeit auszurichten hat (ck. de Legg. L. 3. c. 1. ) über sich erkennen Sie sind also darin über alle Richter/ die es bisher gewesen/ und von nun an noch sepn werden. Ferner ist zu merken/ daß bei) einem eigen« mächtigen D'ktator seine Aussprüche so viel als Rechtssprüche sind/ wie bey den alten Lateinern jufla und siira einerlei) waren. Hur. Magn rar. Lett. 4. /, Und daher kann man richtig von ihnen sagen/ was Paulus von einem Prätor oder römischen Richter spricht: Didator quo^ue juf reddere duitur, etiam cum inujue decernit. L. 11. jf. de lüft. & Iure. . 45) Ich Will damit eben nicht andruten / als ob eine solch« über Land und Leute äusser- Dienstag den zten Novembr. i7fo. J47 aus 4«) eigener Macht und mit einer unabhänglichen und unumschränkten Frey- heit m 47) göttlichen und menschlichen Sachen ohne Anstand erkennen/ unbedingt« Aussprüche tbun und unwiderrufliche Endurtheile 48) fällen. Es könnte schon genug seyn/ diese Beschreibung gegeben ju haben/ um den geneigten keser von der Vortreft lichkeit eines eigenmächtigen Dictators kräftig ju überführen: Allein es ist der Mühe tvohl werth/ daß ich nach deren Anleitung dessen seltene und herrliche Vorzüge meinen _ höchst. äusserlich zu gebiethen habe. Nein/ darauf kömmt es hier nicht an/ sondern vielmehr auf ihre entscheidende und gewaltige Worte/ welche allein durch ihren unum. schränkt herrschenden Willen bestimmt werden/ und als Befehle und Gesetze gelten müssen. 46) Was in eines seiner Macht stehet/ das gehöret ihm allein als Eigen zu. Es kommt von innen / er besitzt es vor sich ohnejemandS Zuthun/ und kann weder durch Krankheiten und andre Zufälle/ noch durch die äussere Gewalt eines Menschen gehindert/ zernichtet uud entrissen werden. Das gehet über alles/ wie die liefstnmgen Stoiker gar gründlich eingssehen haben. Eptflet. Enchir. c. 2. c«m nort var. Was von andern herrühret/ äusserlich und zufällig ist/ das stehet nicht in eines seiner Macht / und ist nicht fein Eigen/ als Adel/ Geld und Guth. Von diesen saget deswegen Seneca de Benef. 6. j .• Non [km veflra, und von jenen Ovidttis Me- tarn. 1 j. v. 140. 141. Nam genas O proavos, O ejnae *on feierns t ipß, ptx e» t>oßra voco. Indessen ist nicht zu leugnen/ daß der Adel und Reichshum zur Aus. dehnungund Aeusserung der eigenen und innerlichen Macht überaus viel beytragen. 47- Das Erkennen und Entscheiden in diesen Sachen setzet zwar nach der gemeinen Meinung die Wissenschaft davon voraus/ und nach der Erklärung des Plato und anderer Philosophen ist die Wissenschaft der göttlichen und menschlichen Dinge nichts anders/ als die Weisheit: c«. de off', i. 4;. & z. 2. Allein es hat seine Richtigkeit/ daß es auf die erstere bey einem eigenmächtigen Dictator im geringsten nicht ankömmt/ und daß er dem ungeachtet die Weisheit bey sich selbst ohne Widerspruch in vollem Maaße sinder. Darum fället er mit der größten Zuversicht und Fertigkeit in göttlichen und menschlichen Dingen die entschiedendeste Urtheile. 48) Diese Beschreibung kann man kurz fassen und richtig sagen; ein eigenmächtiger Dictator sey einer/ welcher Machtsprüche thut: Sintemal das Wort Macht- spruch von solchem Nachdrucke ist/ daß es däs Beschriebene mit einander in sich begreifet/ uud weit mehr sagen will / als ein Ausspruch eines römischen Dictators/ welcher nicht aus eigener Macht tanv Zur Nachgieng es also wohl an/ daß man einen eigenmächtigen Dictator einen Machtsprecher nennete: Es würde aber eine wahrhaftig unglückliche Uebersetzung seyn/ wenn man einen römischen im Deutschen so nennen wollte / wie Philippi in seinem Werke: Cicero ein grosser Windbeutel/ auf der 146. S- gerhan hat. Xx r . 4s) Giesser Wöcherr--B!an/ dium. Xl.iv. höchstehrwürdigen Mitbrüdern zum immerwährenden Andenken und andern zur Be- wundrung in einer kurzen Vergleichung mit einem römischen Diktator ganzaugenschein- lieb 49) darstelle und in beygehenden grüudlichen so) Noten auf das nachdrücklichste behaupte. Die Gewalt und das Anseheu/ welche ein römischerDiktator besaß/ wurden ihm in ausserordentlichen Fällen von den Bürgermeistern und dem Rathe über tragen/ und sie waren nur etwas äusserliches: Die Macht aber und Herrlichkeit/ womit ein eigenmächtigerDictator ausgerüstet ist/ haben ordentlicher Weise ihren Grund in ihm selbst und rühren von semen f-) innnerlichen Kräften und den ihm eingepfianzten s-.) ________ hohen 4-) Ich habe dabey die Ehre eine Sache auszuführen/ welche bisher noch nie ein Mensch in der Welt zu unternehmen sich hat in den Sinn kommen lassen. jo) Mit gelehrten / weitläuftigen und zahlreichen Noterr ist es eine recht herrliche Sache. Sie sind der Schmuck und die Zierde einer Abhandlung und in Absicht auf den Schriftsteller und Leser nöthig/ nützlich und angenehm. Erstlich muß sie ein Scribent oft nothwendig anhängen/ um seinen Text zu erläutern/ den sorrst einer nicht wohl verstehen könnte. Zum andern schäft es nicht wenig Vortheil wenn der Verfasser seine grosse Belesenheit und weitlauftige Gelehrsamkeit / die er in der Schuft selbst nicht füglich an den Mann bringen kann / zu mehrer Ausbreitung seines Ruhms und zur einträglichern Vergrössrung seines Werks in den Noten an den Tag leget / welches denn dem Leser zugleich gewiß zu vieler Erbauung gereichen muß. Zum dritten, was kan mehr belustigen/ als in Noten das Mannigfaltige und allerhand Sachen vorzutragcrr und zu finden? Dieser Ursachen halber zweifle ich im geringsten nicht/ daß man meine Anmerkungen mit allem nur ersinn- lichen Vergnügen lesen / und mir vor deren härifige Lieferung höchstens verbunden seyn wird. Da nun die gedachten Noten etwas so vortrefliches sind; so müssen wohl die alten griechischen und lateinischen Schriftsteller abgeschmackte Leute gewesen seyn/ daß sie keine Noten gemacht haben. Si) Das ist von der Natur seines Leibesund seiner Seele: Jener ist/ wie ich ohne -Herrn Justi u- d. g. Widerspruch zu achten ernstlich behaupte/ von Monaden zusammengesetzt/ welchem Ansehung ihrer vorstellenden Kraft/ die ihnen Leibnil, in seiner Monadologie beylegt/ etwas vorzügliches besitzen-, Diese bestehet aus einer aufferordenlich stark einbildenden und toollenden Kraft/ deren letzte die Vewegungs- gründe von der ersten hernimmt. P) Die Neigungen oder Würkungen des Willens überhaupt/ die von innerlichen unmittelbaren Empfindungen Herkommen / werden Triebe gewinnet. Claproths Grundriß des Rechts der Natur §. ?8. Zu denselben gehöret der Trieb der Ehrbegierde/ wovon ein jeder Mensch von Natur einen Ansatz hat; in einem eigenmächtigen Diktator aber ist er in einen recht hohen Grade anzutreffen / und wird durch die Erziehung um ein grosses vermehret/ wenn j. E. die Frau Mutter das liebe Kind Dienstag den ;ten Ndvcinbr. 1750.- ,4, hohm Trieben her. Dieser einthümlichen Vollkommenheiten allem ist er sich auf fein« Seite bestens n) bewusi; ans deren steten Anschauen empfindet er nicht nur immer die gröstes4) Lust; sondern schöpft auch daraus beständig die vortheilhaftesten Gedanken von seiner Würdigkeit/ und daher entstehet in ihm eine ganz ungemeine <<) Selbstgefälligkeit und di« äusserste ;6) Zuversicht auf sich ft,bst/ welche in allen seinen äusserlichen Handlungen sehr merklich hervorleuchten. Dergleichen hat man in solchem Maaße an keinem 57) ordentlichen römischen Diktator jemals wahr genommen. Einer __________ von Kind wegen seiner äusserlichen und innerlichen Vorti eflichkeiten zu loben und m bewundern pfleget/ wenn sie nicht leiden kann/ dasi rhm von andern in irgend einem Stücke widersprochen werde/ wenn sie oder der Herr Vater ihn mit den schönsten Weyspielen eines recht dictatorischen Bezeigens löblichst vorgehen 11. s. tu. Locke de p Education des Enfssns z. j8. &c 10G. Was auf solche Art der Geist des jungen Herren fasset/ setzet sich bcv ihm mit der Zeit so feste/ daß es zur andern Natur wird / e/uam fi expellas fttrca, tarnen utcjxe recurret. Horat. Ep. /. IO. 24. 5;) Gleichwie das Dascyn des Menschen durch das Vewustsepn sein selbst unwider- sprechlich bewieftn wird (Gottscheds erste Gründe derWelrwcisbeit i Thl §. 871/u ioro.);also wird durch di« Erkenntniß seiner hohen Vollkommenheiten sein ausnehmender Vorzug unumstößlich dargethan. Dessen versichert sich ein eigenmächtiger Dictator desio zuverläßiger/ je weniger er sich seiner Unvollkoinmenheiten bewustist. 54) Daß die Lust von der Empfindung der Vollkommenheit den Ursprung nehme/ hat schon Des Cartes in einem Briefe an die pfälzische Princeßin Elisabeth gezciget. Eptfi, Cartefit, 55) Diese ist der Grund zu einer eben solchen Liebe gegen sich selbst/ welche sich in allen Stucken zu erkennen giebt/ und darin er seines gleich nicht hat. Quam fe ipfe amans fine rtvali! Ctc. Epiß, ad Fratr. 3. g. 56) Das Vertrauen auf sich selbst und auf sein gegenwärtiges/ vergangenes und zukünftiges Betragen/ erfordert Cicero von einem grossen und über alles erhabenen Geiste. De Em. 3. 25. Da nun dieser mit jenem in einem eigenmächtigen Dicra- lor vereiniget anzutreffen ist; so kann man sich nichts grösseres vorstellen/ als ihn. 57? Deir 5?. Manlius/ Sulla und Cäsar/ welche etwas ausserordentliches an sich hatten/ will ich ausnehmen. In ihren Diktaturen verdienten sie den Namen der ei- genmächngen D-ctakorn ziemiichermassen. So weit brachten sie es durch die ih- nen bevwohneiide hohen Triebe/ und durch die Betrachtung ihrer Grösse. Der übrigen ihre Mäßigung hierinnen war so sonderbar/ daß andere von ihrer Würdigkeit höhere Begriffe hatten/ als sie selbst. Die Aufführung des T. Lartius bev Ueberneh- mung der ersten Dicratorwürde zeiget/ wie niedrige Gedanken er von sich selbstgc, habt. Wie wenig dachte nicht L. QuintiuS Cincinnatus an seine Vollkommenheit/ d« er sein Feld damals mit eigner hohen Hand pflügte/ als man ihn hohlre/ umDi- £? $ claro»' 3s« Giesser wschettBBlchtt/ Num. Xl.IV. von den letzten/ um jur Drctaturtüchtig erkannt zu werden/ mnstebey Jahren seyn, Klugheit besitzen/ eine grosse Erfahrung vor sich haben/ und bei) seiner Einsetzung waren gewisse Gebrauche und Ceremonien nöthigEin eigenmächtiger Dicrator ist an und für sich und zwar allbcmtö schon y8) in jungen Jahren mit aller Tüchtigkeit ohne dabey der f-) Klugheit zubedürsen / überfiußig versehen; er eignet sich darum die ihm zukommende Würde aus eigener Bewegung/ ohne So) einige Umstände zumachen /zu/ und nimmt sich die 6t) Hoheit und 6 r) Herrschaft/ die ihm gebühret/ heraus. Jenen ____________ tour# ctator zu werden. Cu. a« Ein. 2. 12. pu». Hiß. N»t. 1 z.Camillus verließsich im geringsten nicht ausftd; selbst/ als er Vejen wollte einnehmen/ und bev dem Rathe zuvor ansragte/ was er mit der Beute anfangen sollte/ worüber er nach eigenem Gefallen hätte schalten und walten können. Liv. f. 20. M- Curius war seiner gar nicht eingedenk / als er bey dem Feuei Herde/ wo er sich eine sehr schlechte Speise zubereitere/ den samnitischen Gesandten 'Audienz ertheilte und ihre Gesthenke ausschlug. se»ec. Conf. *d Hdv. c. 10. Ctc. de Sen. c. 16. In solche Selbstverachtung und Niedrigkeit werden meine höchstansehnlichen Mitbrüder nimmermehr verfallen und dergleichen altfränkisch« und verlegene Moden niemals nachahmen. Bey ihnen stimmet vielmehr das Aeusserliche mit dem Innerlichen allezeit vollkommen überein. fl) In der zarten Jugend siehst man schon/ was aus drm Kinde werden wird; in den Jahrenaber/ welche man bey andern die Lehrjahre nennet/ oder auch auf ho» hen Schulen beweiset er ohne Wissenschaft und Erfahrung die wunderbare Geschick, lichkeit/ eine jede Sache recht meisterlich zu bestimmen und die allcrentscheidenste Aussprüche zu thun / daß die Zuhörende darüber in Erstaunen gerathen müssen f?) Eine Tüchtigkeit / wobei) man keine Klugheit brauchet/ scheinet etwas seltsames zu seyn. Gleichwohl bleibet es gewiß/ daß ein eigenmächtiger Diktator/ der daS äusserste Vertrauen auf sich selbst setzet/ und über alles erhaben ist/ nicht nöthig hat sich nach den äusscrn Umständen / als worin hauptsächlich das Werk der Klugheit bestehet/ zurichten. Cic. de Off\ 1. 40. Ueberdas ist es auch eine ausgemachte Sacke/ daß die Klugheit/ worauf man gemeiniglich so viel hält/ keinen Nutzen in der Welt bat. Man lese nur die Ergötzungen der vernünftigen Seele. 2. Band. 19 U. f. S/ und Eraßni Encomium mont, so wird man davon überzeugt seyn